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„Der beste Weg herauszufinden ob man jemandem vertrauen kann, ist ihm zu vertrauen.“
Ernest Hemingway
Misstrauensdomino: Wie Kontrolle Vertrauen zerstört
‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘ lautet das Bonmot - doch Kontrolle kann auch Vertrauen zerstören und zu einer negativen Kettenreaktion führen. Dieser negative Dominoeffekt von Kontrolle ist im Einblickbild vereinfacht dargestellt. Er funktioniert wie folgt:
Entscheidet sich das Management dazu, verstärkte Kontrollmechanismen einzuführen, so kann dies zu einer (zuerst nur) impliziten Misstrauenswahrnehmung der Belegschaft führen. Der implizite Vertrauensvertrag wird aus Sicht der Mitarbeiter in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch wird die Loyalität der Mitarbeiter geschwächt, denn das Unternehmen begegnet ihnen mit weniger Vertrauensvorschuss als bisher. Deren Antwort darauf ist ebenfalls der Entzug von Vertrauen (etwa in eine gemeinsame Zukunft) bzw. von Loyalität. Mit abnehmender Loyalität zum Arbeitgeber schwinden auch die Anreize für vertrauensvolles Handeln und die (intrinsiche) Motivation, sich vertrauensvoll zu verhalten, sinkt. Daraufhin kann es zu widerständigem Verhalten kommen: Die Belegschaft sucht z.B. nach Möglichkeiten, das neue Kontrollsystem auszuhebeln oder zu umgehen. Entdeckt dies das Management, kommt es unweigerlich zu erneuten Kontrollreflexen. Aus dem impliziten wird nun explizites Misstrauen, bei dem das Management auf negative Vorkommnisse verweist und so Misstrauen explizit signalisiert. Der Kontrollversuch des Managements wird so zur selbsterfüllenden Prophezeihung. Sind diese Dominosteine einmal gefallen, so lässt sich der vertrauenzerstörende Effekt von Kontrolle kaum mehr rückgängig machen.
"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."
Dieses Zitat stammt angeblich von Lenin.
"Ich hab's ja gewusst ..."
Diese Schlussfolgerung kann man auch als eine selbsterfüllende Prophezeihung sehen.
Leicht verstärkte Kontrolle ...
... kann z.B. durch negative Erfahrungen mit anderen Mitarbeitern ausgelöst werden.
Implizites Misstrauen ...
... artikuliert sich sehr subtil und wird nicht klar angesprochen.
Vertrauensanreize zerfallen
Vertrauensanreize sind zum Beispiel die Beziehungsqualität, Freiräume, etc.
Bei zu starker Konrolle zerfallen diese.
Enttäuschungen ...
... entstehen sowohl auf Management- wie auch auf Mitarbeiterseite: Das Management ist enttäuscht über das opportunistische Verhalten der Mitarbeiter, das Kontrolllöcher auszunutzen scheint. Die Mitarbeiter sind vom Vertrauensentzug des Managements enttäuscht.
noch mehr Kontrolle
Die Metapher der Dominosteine stimmt denn auch nur bedingt, denn eigentlich handelt es sich um einen (sich selbst verstärkenden) Teufelskreis, bei dem immer mehr Kontrolle zu immer mehr Misstrauen führt.
explizites Misstrauen
Explizites gegenseitiges Misstrauen zeigt sich zum Beispiel in der konsequenten Verschriflichung aller Abmachungen und Vereinbarungen. Dazu kommt weiteres dysfunktionales Verhalten wie eine Ausweitung der cc-Zeile in E-mails: jede Nachricht wird abgesichert durch Kopien an möglichst viele Kollegen.
"Würde man mir vertrauen, ..."
Diese Interpretation von zusätzlichen Kontrollen entsteht bei vielen Mitarbeitern automatisch. Sie wirkt sich auf verschiedene Weise negativ aus (vgl. die weiteren Dominosteine).
Literatur
| Nieder, P. ( 2001): |
Vertrauen ist gut – Kontrolle ist nicht besser – Wege zu einer Vertrauenskultur, in: Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis, Nr. 2/2001, Herne/Berlin, Hrsg.: Matschke, M./Sieben, G/Schildbach, Th., S. 179-193 |
| Ripperber, T. (2003): |
Ökonomik des Vertrauens, Tübingen: Mohr Siebek. |
Schoorman, F. D., Mayer, R. C. & Davis, J. H. (2007): |
An Integrative Model of Organizational Trust: Past, Present and Future Academy of Management Review, 32, 344-354 |