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„Man versteht etwas nicht,
bis man es nicht in mehr als einer Weise begreift.“

Marvin Minsky


Facetten der Unternehmenskultur

Im Managementkontext gibt es wohl kaum ein Phänomen, das derart schwierig zu erfassen, zu beschreiben oder zu begreifen ist, wie die Kultur einer Organisation. Um etwas derart komplexes, also dynamisches und intransparentes, zu begreifen, reicht eine Metapher alleine nicht aus. Deshalb haben wir in diesem Einblickbild verschiedene Kulturmetaphern als Karten zusammengestellt, die Sie – je nach Situation – ausspielen bzw. nutzen können, um mit dem Phänomen Kultur in Organisationen reflektierter umgehen zu können.

Die Brückenmetapher betont dabei die verbindende Funktion einer Organisationskultur. Sie zeigt jedoch auch, dass es überhaupt unterschiedliche Kulturen und Subkulturen in einer Organisation gibt, die es zu verbinden (und nicht notwendigerweise zu „vereinheitlichen“) gilt, z.B. durch das überbrückende Element einer gemeinsamen Unternehmenskultur (die Freiräume für kulturelle Unterschiede und Neuentwicklungen zulässt) – auch über geographische oder sprachliche Grenzen hinweg. Die Metapher der Optik soll darauf hinweisen, dass eine organisationale Kultur einen Einfluss darauf hat, wie man Probleme, Chancen oder auch den Markt wahrnimmt und interpretiert. Die Zeltmetapher geht ursprünglich auf den Organisationsforscher Bo Hedberg zurück. Mit ihr kann man Unternehmenskultur als ein flexibles Gerüst verstehen, das sich in neuen Umgebungen doch immer wieder gleich anfühlt, obwohl es sich anpasst. Das Bild bzw. die Karte der ungeschriebenen Regeln betont den Aspekt, dass Kultur verhaltenssteuernd wirkt ohne (vor-) geschrieben zu sein. So umfasst Kultur oft implizite Verhaltensgesetze („das macht man bei uns nun mal so“), die jeder unbewusst befolgt, obwohl sie nirgendwo beschrieben sind. Gemäß Gert Hofstede ist die Kultur einer Organisation wie die ‚Software des Geistes‘; dies insofern, als sie wie ein Betriebssystem gewisse höhere Programme anleitet oder umgibt. Die Wegweisermetapher steht für eine Unternehmenskultur, die den Weg in die Zukunft weist, Richtungen und Handlungsweisen vorgibt und so Orientierung schafft. Der Eisberg schließlich ist wohl die bekannteste Kulturmetapher im Organisationskontext. Sie verweist vor allem darauf, dass der größte Teil der Unternehmenskultur nicht direkt wahrnehmbar ist und unter der Oberfläche bleibt, so etwa Tabus, Rituale, Konfliktlösungsformen, Grundwerte oder Haltungen. Nur ein kleiner Teil wie Statuten, Regelwerke, Prozessabläufe oder die Vision sind explizit formuliert. Welche dieser (oder anderer) Metaphern Sie wann verwenden, hängt davon ab, ob das entsprechende Bild bei den Beteiligten positiv belegt ist, für deren Kontext stimmt und auch möglichst klar bzw. verständlich ist.

Spielen Sie also die richtige Kulturkarte zum richtigen Zeitpunkt aus und begreifen Sie Kultur als etwas, das erst dann richtig gehandhabt werden kann, wenn man es als verschiedene Dinge (gleichzeitig) konzipiert. Damit gilt auch für das Verständnis von Unternehmenskultur: Setzen Sie nicht alles auf eine Karte.

UnternehmenskulturUnter diesem Link finden Sie einen lesenswerten Wikipedia-Eintrag zum Thema Unternehmenskultur.

de.wikipedia.org/wiki/Unternehmenskultur
positiv - treffend - klarNatürlich kann man auch eine negativ belegte Metapher für die eigene Unternehmenskultur verwenden, wie z.B. Labyrinth, schwarzes Loch, Schlachthof oder Haifischbecken. Als Aufrütteln kann dies hilfreich sein, doch längerfristig ist es besser auf den positiven, funktionierenden Kultureigenschaften aufzubauen als das negative zu betonen.
ZeltDie Zeltmetapher betont den flexiblen Aspekt von Kultur bei einer gewissen Konstanz, die Adaptionsfähigkeit von Unternehmenskulturen in neuen Kontexten. Weitere fruchtbare Metaphern der Unternehmenskultur finden Sie im englischsprachigen Beitrag unter diesem Hyperlink:

www.culture-at-work.com/concept2.html
OptikKultur prägt die Perspektive. Von daher kann Unternehmenskultur auch als eine Art Brille verstanden werden, durch die man die Welt wahrnimmt. Das sagt zumindest die Unternehmenskulturspezialistin schlechthin Sonja Sackmann im lesenswerten Interview zum Thema anbei.

www.hrtoday.ch
WegweiserIn der unten verlinkten Präsentation zum Thema wird Unternehmenskultur u.a. als Wegweiser konzipiert, der Orientierung schafft und Hilfe leistet bei der Interpretation des Erlebten.

www.slideshare.net/beniers/unternehmenskultur
Software des GeistesEine Englische Synopse des Buches mit
dem gleichen Titel finden Sie unter diesem Hyperlink.

www.psychicsahar.com/artman/publish/article_77.shtml
BrückeEin Element der Unternehmenskultur sind Rituale, welche als Brücke zwischen Vorstellung und Realität, schlauer Theorie und unternehmerischer Praxis dienen können. So ausgeführt im lesenswerten Beitrag anbei.

www.4managers.de/management/themen/unternehmenskultur/
EisbergDas Eisbergmodell der Unternehmenskultur geht auf Edgar Schein zurück, der damit zum Ausdruck bringen möchte, dass ein großer Teil der Kulturelemente vorerst nicht sichtbar ist. Schein teilt Unternehmenskultur in drei Schichten ein: Artefakte, Verhaltensnormen und zentrale Werte.

de.wikipedia.org/wiki/Eisbergmodell
Ungeschriebene RegelnUnter dem aufgeführten Link finden Sie eine Abhandlung (in Englisch) über ungeschriebene Regeln und den Umgang damit in Wandelprozessen.

www.publicnet.co.uk/
UnternehmenskulturUnter diesem Link finden Sie einen lesenswerten Wikipedia-Eintrag zum Thema Unternehmenskultur.

de.wikipedia.org/wiki/Unternehmenskultur


Literatur

Morgan, G (2008): Bilder der Organisation. Klett-Cotta.
Schein, E. (2003): Organisationskultur. EHP.
Deal T. E. und Kennedy, A. A. (1982): Corporate cultures: the rites and rituals of corporate life, Penguin Books.