Der Managementguru Peter Drucker soll von sich behauptet haben, dass seine größte Stärke als Berater seine Ignoranz und seine Fragen seien.
Gute Fragen richtig zu stellen ist denn auch eine Kernkompetenz von wirkungsvollen Beratern. Doch die richtige Frage zur richtigen Zeit, in der richtigen Form, an die richtige Person zu stellen (und deren Antwort richtig einzuschätzen) ist eine permanente Herausforderung in der Beratungsarbeit. In diesem Einblickbild haben wir deshalb siebzehn abwechslungsreiche, einfache und ergiebige Fragen für den Beratungskontext zusammengestellt. Diese können dabei helfen, den Kontext eines Problems bzw. Mandates besser zu verstehen, die Probleme gemeinsam mit dem Kunden zu analysieren, sowie mögliche Lösungen mit dem Kunden zu entwickeln.
Die Auswahl illustriert verschiedene mögliche Frageformen, welche Beraterinnen und Berater nutzen können, um Wissen über ein Mandat zu entwickeln, so etwa Kontextfragen, Bedeutungsfragen, Informationsfragen, schürfende Fragen (z.B. nach Annahmen), Meinungsfragen, hypothetische Fragen oder paradoxe Fragen (z.B.: „Wie kann das Problem verschlimmert werden?“). Alle Fragen sind dabei bewusst offen, nicht-suggestiv und oft persönlich formuliert.
VerständnisfragenVerständnisfragen dienen der Kontextklärung und dem Aufbau eines gemeinsamen Verständnisses.
Warum ist das Problem wichtig?Durch diese Frage wird das Problem in einen Gesamtkontext eingebettet.
Wie würde ein Externer das Problem wahrnehmen?Diese Frage soll es dem Befragten ermöglichen, eine Aussenperspektive einzunehmen und das Problem möglichst objektiv und klar zu beschreiben.
Was macht das Problem zum Problem (und für wen)?Der Leidensdruck und die Hauptbetroffenen werden durch diese Frage explizit gemacht. Der Befragte kann gleich zu Beginn einmal "Druck ablassen" und sagen, was im unter den Nägeln brennt. Bei Bedarf kann diese Konstellation auch aufgezeichnet werden (z.B. mittels Stakeholdermapping)
www.12manage.com/methods_stakeholder_mapping_de.html
Wie erleben Sie die Situation persönlich?Persönliche Fragen signalisieren Wertschätzung und echtes Interesse.
Wie gravierend und wie dringlich ist das Problem?Diese Frage erlaubt es, das Problem besser einschätzen bzw. einordnen zu können.
DiagnosefragenDiagnosefragen helfen dabei, das Problem besser zu verstehen und auf seine Grundursachen zu stossen.
Wie ist das Problem entstanden?Die narrative (d.h. zum Erzählen einladende) Frage soll es dem befragten erlauben, den Verlauf des Problemes zu rekonstruieren. Dies kann bei Bedarf auch auf einer Zeitlinie aufgezeichnet werden.
Welche Effekte hat das Problem?Durch diese Frage werden die Symptome des Problemes geklärt.
Was sind die Problemtreiber?Zur Unterstützung dieser Frage können gemeinsam mit dem Kunden z.B. einfache Netzwerk- oder Ursache-Wirkungskreisläufe aufskizziert werden. Vgl. dazu unser Einblickbild aus der ZOE 1/2010.
www.zoe.ch/17819.htm
Welche Annahmen haben Sie in Bezug auf das Problem?Diese der sokratischen Fragemethode ähnliche Technik soll es ermöglichen, bisher nicht artikulierte und nicht hinterfragte Grundannahmen in Bezug auf das Problem zur Sprache zu bringen.
Welches sind verwandte Probleme?Durch diese Frage soll gezeigt werden, dass das Problem nicht ganz so einzigartig ist, wie man vorerst denken könnte.
Wer hat ein ähnliches Problem schon gelöst?Durch diese Frage sollen durch Analogieschlüsse und Übertragungen weitere problemrelevante Faktoren entdeckt oder mögliche neue Lösungswege erschlossen werden.
LösungsfragenLösungsorientierte Fragen sollen die Handlungsressourcen des Kunden mobilisieren und die Denkhaltung vom Problematisieren in Richtung konstruktive Verbesserungsschritte lenken.
Was müssten Sie tun, um das Problem zu verschlimmern?Derartige paradoxe Fragen können besonders wirksam sein, denn sie bewirken oft einen erfrischenden Perspektivenwechsel. Zu diesem und anderen Frageformen in der Beratung empfehlen wir auch den hier verlinkten Beitrag.
www.systemcoaching.ch/pdfs/OTX_Teil3.pdf
Welche Kriterien müsste eine Lösung erfüllen?Durch die Abstraktion auf Lösungskriterien öffnet sich der Blick des Befragten auf neue Lösungsmöglichkeiten.
Worauf könnte man aufbauen?Diese Frage entspricht einem Kerngedanken der positiven Organisationstheorie, nämlich anstatt endloser Problematisierung auf bereits bestehenden Lösungsansätzen aufzubauen. Diese Idee findet sich auch in der unten verlinkten "positiven Psychologie".
de.wikipedia.org/wiki/Positive_Psychologie
Wann wäre das Problem gelöst?Durch die Beschreibung einer Ideal- oder Soll-Situation konkretisiert der Befragte die Elemente einer möglichen Lösung.
Welcher erste Schritt reduziert das Problem?Der Kerngedanke hinter dieser Frage ist, dass sie helfen soll, von der Paralyse durch Analyse in einen Lösungsmodus zu gelangen. Ein Verfechter dieses handlungsorientierten Frage-Ansatztes ist z.B. der Organisationsforscher Karl Weick.
Was zu vermeiden ist. (Fragefehler)In einem Frageprozess kann es zu Fehlverhalten auf Seiten des Fragestellers kommen. Im verlinkten Text sind einige dieser typischen Fragefehler auf Seite 6 zusammengestellt (wie etwa Suggestivfragen, ins Wort fallen, Abwertungskommentare, etc.)
www.ztg.tu-berlin.de/download/legewie/Dokumente/Vorlesung_7.pdf
LiteraturFinlayson, A. (2001): Questions that work. Amacom.
Pocket Power (2007): Die Kunst des Fragens. Hanser.
Schein, E. (2009): Helping. McGraw Hill.
Spradley, J. (1979): The ethnographic interview. Thomson.