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„Die Gemeinschaft stagniert ohne den Impuls des Einzelnen. Der Impuls stirbt ohne den Zuspruch der Gemeinschaft.“


William James


Was braucht eine (virtuelle) Community?

Eine (virtuelle, internetbasierte) Gemeinschaft oder Community ist eine Gruppe von meist mehr als 20 Personen, die sich wiederholt (auf einer dafür eingerichteten Plattform) zu einem gemeinsamen Thema, einem gemeinsamen Ziel, oder einer gemeinsamen Aufgabe austauscht. Die Gemeinschaft definiert sich dabei über ein gemeinsames Interesse sowie über gewisse Werte, Regeln und Ziele. Viele Mitglieder einer Community sind bereit, etwas für diese zu leisten (z.B. eine Rolle auszuüben oder Fragen zu beantworten), möchten aber auch von anderen Mitgliedern profitieren (z.B. Rat erhalten oder Einfluss nehmen). Da eine Gemeinschaft meist auf Freiwilligkeit beruht, ist die Balance und Kontinuität innerhalb der Gemeinschaft stark von einer engagierten Kerngruppe abhängig. Diese weist üblicherweise eine hohe emotionale Bindung an die Community auf und identifiziert sich mit ihr. Sie übernimmt das Management der Austauschplattform.
Diese Plattform umfasst – zur Unterstützung der Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft – typischerweise folgende Elemente: Im betrieblichen Kontext sind Gemeinschaften mögliche Organisationsformen, um Wissen auszutauschen und zu entwickeln, kollaboratives Lernen zu organisieren, oder auch, um die Kundenbindung zu erhöhen (und von Kunden zu lernen). Natürlich gibt es noch viele weitere Typen von Gemeinschaften, z.B. (nach Anthony Giddens) ortsgebundene, verwandtschaftliche, freundschaftliche; Weber unterscheidet Hausgemeinschaften, Nachbarsgemeinschaften, ethnische, politische oder religiöse Gemeinschaften. Dank dem Internet existieren heute jedoch viele virtuelle Communities, wie sie sich etwa in Yahoo oder Google Groups, in der Open Source Szene oder auch in virtuellen Welten wie Second Life oder World of Warcraft (als Spielcommunity) gebildet haben.

BalanceDie Community benötigt ein ausgewogenes Nehmen und Geben, Mitteilen und Zuhören, Engagement und Distanz unter den Mitgliedern.
NewsCommunity-Portale leben von aktuellen Neuigkeiten und Nachrichten.
Die Killerapplikation einer community sind natürlich Neuigkeiten über … Menschen.
ChatGruppen-Chats lassen sich einfach und gratis zum Beispiel mit Skype führen.

www.skype.com
MapsEin Beispiel für Knowledge Maps einer Community finden Sie unter diesem Link:

www.visual-literacy.org/pages/documents.htm
KalenderWie etwa google calendar oder doodle.

www.doodle.com
ArchivDas Archiv enthält alle gemeinsam ausgetauschten Dokumente.
Historie / LebenszyklusEin interessantes Beispiel einer Community-Historie finden Sie hier:

cpsquare.org/wp-content/uploads/2008/07/cpsquare-early-history.pdf
KontinuitätGewisse Grundwerte, Regeln, sowie Inhalte sollten innerhalb der Community weiterleben.
BoardEin schwarzes Brett zum Austausch von Nachrichten, Neuigkeiten und Informationen gehört zum Kerninventar einer virtuellen Community.
Beispiele finden Sie etwa bei Yahoo Groups.

groups.yahoo.com
Polling… bezeichnet den (online) Abstimmungs- oder Wahlprozess in einer virtuellen Community.
FAQs= Frequently Asked Questions.
Ein Destillat der am häufigsten an die Teilnehmer gestellten Fragen.
ChartaEine Community-Charta ist eine einfach ausformulierte Mission oder Motivation für die Gemeinschaft; ihre Daseinsberechtigung.
DirectoryCommunities brauchen zur besseren Transparenz Verzeichnisse, wie etwa ein (interaktives) Experten- oder Teilnehmerverzeichnis, ein Verzeichnis aller Dokumente oder vergangener Anlässe. Ein einfaches Beispiel hierfür sind die Gruppen in Xing.com

www.xing.com
PraktikergemeinschaftZu dem Konzept der Community of Practice hat Etienne Wenger ein eigenes Portal:

cpsquare.org
RessourcenZum Beispiel: Zeit, Engagement, Raum (virtuell und real), Geld, Support
ZieleKlare, gemeinsame, explizite und aktuelle Ziele sind ein wichtiger Erfolgsfaktor einer lebendigen Gemeinschaft.
Nehmen & GebenReziprozität ist ein Kernwert jeder Gemeinschaft. Ist dieser Ausgleich zwischen Profitieren und Helfen nicht gegeben, so spricht man im Community-Slang von sogenannten Lurkers ("Wissenszecken").
geteiltes InteresseDas geteilte Interesse kann aus einer gemeinsamen Thematik, Problematik, Produktgruppe oder auch einem Idol bestehen (Fancommunity).
geteilte Werte / Normen (Regeln)Explizite, geteilte Regeln sind insbesondere für den Umgang unter den Community-Mitgliedern wichtig und betreffen Gebiete wie Konflikthandhabe, Kommunikation oder Moderation.
gemeinsame AustauschplattformEin gemeinsames Medium ist für den Erhalt einer lebendigen Gemeinschaft unabdingbar. Sie ermöglicht den direkten Austausch unter den Mitgliedern und stellt eine Art Gruppengedächtnis dar.
emotionale Bindung / IdentifikationGenerell gilt: Je schwieriger oder exklusiver die Aufnahme in eine Gemeinschaft ist, desto höher ist in der Folge die emotionale Bindung der Mitglieder an diese Gemeinschaft.
RollenübernahmeWichtige Rollen in einer Community sind etwa: Moderator, Plattform-Betreuer, Experte/-in, Archivar, Event-Manager, etc.
Kunden-(Marken-)gemeinschaftZu diesem Thema (Markengemeinschaft) ist dies der Standardbeitrag:

Algesheimer R., Dholakia, P., Herrmann A. 2005. The social influence of brand community: Evidence from European car clubs. Journal of Marketing, 69(July): 19-34.
LerngemeinschaftEinen kompakten und informativen Beitrag zu Lerncommunities finden Sie unter diesem Link:

sciltest.unisg.ch/seufert/docs/virtuelle-lerngemeinschaften.pdf


Literatur

Brown, J.S. und Duguid, P. (1991). Organizational learning and communities-of-practice: Toward a unified view of working, learning and innovation, in: Organization Science, 2: 1, S. 40-57.
Eppler, M. und Diemers, D. (2001). Reale und virtuelle Gemeinschaften im betriebswirtschaftlichen Kontext: Ansätze zum Verständnis und zum Management von Communities. In: Die Unternehmung, (55) 1, S. 25-42.
Hagel, J. und Armstrong, A.G. (1997). Net gain: Expanding markets through virtual communities. Harvard Business School Press.
Rheingold, H. (2000). The virtual community, MIT Press.
Toennies, F. (1922). Gemeinschaft und Gesellschaft: Grundbegriffe einer reinen Soziologie, Curtius.
Wenger, E. (1999). Communities of practice, Cambridge University Press.