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„Wo kein Zweifel, da auch kein Wissen.“


Ludwig Wittgenstein


Im Evidenz Cockpit
Management muss weder Blindflug noch ein Fahren anhand des Rückspiegels sein. Durch die geschickte Kombination verschiedener Informationsquellen und Methoden kann das Management eine ausgewogene (Innen- und Außen-)Sicht gewinnen. Dabei ist es wichtig, die jeweiligen Vor- und Nachteile verschiedener Evidenzquellen zu kennen: Benchmarkingresultate beispielsweise lassen sich oft nicht eins zu eins auf die eigene Organisation übertragen (, weil sie an bestimmte Kontextfaktoren gebunden sind). Markt- oder Konjunkturdaten unterliegen gewissen Verzögerungen. Mitarbeiterbefragungen könne durch taktisches Verhalten des Personals negativ beeinflusst werden. Ähnliches gilt auch für Kundenbefragungen. Mitbewerber können gezielt Falschinformationen in den Markt streuen. Wissenschaftliche Studien entstehen oft unter speziellen (teilweise kontrollierten) Bedingungen und sollten deswegen nur mit Vorsicht auf den eigenen Kontext übertragen werden. Auch bei der systematischen Rückschau (Debriefings oder Reviews genannt) kommt nicht immer nur valide Evidenz ans Licht, sondern oft auch Zurechtgelegtes oder nicht mehr klar Erinnertes.
Fazit: Verwenden Sie eine Mischung aus verschiedenen Evidenzquellen und wägen Sie diese gegeneinander ab, um so ausgewogene Entscheidungen treffen zu können. Dabei darf auch der gesunde Menschenverstand und Ihre Intuition zum Zuge kommen, sofern Sie genügend selbstkritisch sind; d.h. achten Sie speziell darauf, auch Evidenz zu sichten, welche Ihrer vorgefassten Meinung oder Intuition widerspricht, und die Sie so auf falsche Annahmen aufmerksam machen kann.

Interne Gutachten enthalten die Analysen und z.T. auch Empfehlungen von firmeneigenen Experten.
Proven practices sind gemeinhin anerkannte, erfolgreiche Wege um einen Prozess zu gestalten oder ein Problem zu lösen. Sie sind in der Regel dokumentiert und sollten empirisch evaluiert sein.

http://en.wikipedia.org/wiki/Best_practice
Benchmarking sind systematische, quantitative Vergleiche der eigenen Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen mit denen von direkten oder indirekten Konkurrenten anhand aussagekräftiger Indikatoren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Benchmarking_in_der_Wirtschaft
Organisationale Diagnostiken beinhalten meist veschiedene Instrumente, um Evidenz über die interne Situation einer Firma zu gewinnen (Workshops, Intranet-Befragungen, Interviews, etc.).
Reviews oder Debriefings sind regelmässige, systematische und gemeinsame Auswertungen vergangener Ereignisse mit dem Ziel, daraus wichtige Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen. Die zentralen Fragen dabei sind: was lief gut, was lief schlecht ,warum und was machen wir in Zukunft anders?

http://virtual.vtt.fi/merlin/pub/pma_full_1.00-icssea-layout.pdf
Die wiederholte, systematische, qualitative Befragung von Experten- und/oder Kundengruppen zur Identifikation von neuen Trends und Entwicklungen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fokusgruppe
In Simulationen modelliert man mittels Regeln dynamische Abläufe um daraus Erkenntnisse i.S.V. Prognosen für geplante Abläufe zu gewinnen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Simulations
Wissenschaftliche Studien mit Relevanz für Managemententscheide können Literaturanalysen (Meta-Analysen), Fallstudien, Experimente, Befragungen, Beobachtungen, oder statistische Marktanalysen sein.
Indikatoren, welche bereits frühzeitig gewisse Entwicklungen aufzeigen; etwa der Bestellungseingang oder die Anzahl von Produktanfragen.
Konjunkturindikatoren werden regelmässig von Konjunkturforschungsstellen (wie etwa dem KOF an der ETH Zürich oder der UBS) erhoben und publiziert. Sie enthalten Prognosen zur zukünftigen Marktentwicklung.

http://www.bankenverband.de/konjunktur
Marktstudien werden meist durch Marktforschungsfirmen durchgeführt und enthalten statistische Auswertungen von Konsumentenbefragungen.

Aus dem Verhalten von Mitbewerbern (z.B. deren Preisänderungen oder Promotionsaktionen) kann Wissen über deren Einschätzung des Marktes gewonnen werden.
Auftrags-Marktforschung bezeichnet die speziell für eine Organisation erstellte Analyse eines Marktes. Dabei gilt es, die richtigen Fragen zu stellen, um danach Evidenz zu gewinnen, die für die angstehenden Entscheide auch relevant ist.
Anekdotische Evidenz ist ein zweischneidiges Schwert: einerseits ist es Evidenz, die einem gut in Erinnerung bleibt; andererseits beruht sie nur auf Einzelfällen und sollte deshalb nicht generalisiert werden.
Regelmässige, systematische und flächendeckende Erhebungen über die Zufriedenheit der eigenen Kunden.

http://www.advancedsurvey.com/articles/writing_a_customer_survey.asp
Analyse der eigenen Kosten- und Ertragsrechnung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzbuchhaltung
Experimente bezeichnen bewusst eingegangene Risiken mit dem Ziel daraus für die Zukunft zu lernen.

Wissenschaftliche Experimente sind systematische Versuche mit dem Ziel Annahmen über bestimmte Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu überprüfen. Bei Laborexperimenten ist eine weitgehende Kontrolle von Störvariablen möglich, Feldexperimente finden in natürlicher Umgebung statt.

http://en.wikipedia.org/wiki/Experiment
Fehler können eine hervorragende Evidenzquelle sein, wenn man ihnen (z.B. mit einem Debriefing) auf den Grund geht.

http://www.woopidoo.com/articles/allis/mistakes-article.htm
Branchenberichte werden meist von Investmentbanken, Beratungsfirmen oder Marktforschungsfirmen publiziert und beinhalten eine Fülle von quantitativen und qualitativen Informationen zur Lage eines Marktes.
Regelmäßige, systematische teils auch flächendeckende Erhebungen über Wahrnehmung, Motivation und Einstellung der Mitarbeiter bezüglich verschiedener Bereiche ihrer Arbeit und ihrer Organisation. (siehe den Beitrag von Zimmermann und Frank in dieser ZOE Ausgabe)

http://de.wikipedia.org/wiki/Mitarbeiterbefragung