Rezensionen 'V'
Urs Fueglistaller/Christoph Müller/Thierry Volery
Entrepreneurship
Modelle – Umsetzung – Perspektiven. Mit Fallbeispielen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Gabler Verlag, Wiesbaden 2008 (2. Aufl.), 512 Seiten, Euro 39.90,
ISBN 978-3-8349-0729-5
Dieses Lehrbuch bietet eine umfassende Darstellung der Führung und des Managements eigentümergeführter Unternehmen. Und das ist u.a. für Familienunternehmen eine gute Anleitung. Was es nicht bietet, ist eine Diskussion entrepreneurlichen Verhaltens, wie man es für das heute propagierte Intrapreneurship nutzen könnte. Dies ist weder als Kritik noch Einschränkung zu verstehen, sondern als Hinweis, dass es für Organisationsentwickler den oben genannten Bedarf (intrapreneuring) nicht befriedigt.
Die Autoren sind Professoren der Universitäten St. Gallen und Hohenheim mit den Lehrstühlen für Entrepreneurship. Es liegt also geballte Kompetenz vor, die sich in sehr guter Struktur, hilfreicher Didaktik und breitem Fachwissen präsentiert.
Es geht um die Grundmodelle von Entrepreneurship sowie um deren Umsetzung. Auch der erweiterte Kontext wie Beziehungsmanagement, Wachstum und social entrepreneurship werden beleuchtet.
Hervorzuheben sind die Fallstudien zu den verschiedenen Themen im Lehrbuch, und zwar im Anschluss an jedes Kapitel. Zudem findet man dort auch Diskussionsfragen zum Text sowie weiterführende Forschungsaufgaben. Eine Internetseite als zusätzliche Informations- und Diskussionsplattform rund um das Buch ist auch eingerichtet worden.
Insgesamt ein sehr gutes Lehrbuch und Arbeitsunterlage für Junioren und start-up Unternehmer, bzw. deren Berater. (KT)
SILKE VAANHOLT
Human Resource Management in der öffentlichen Verwaltung
Deutscher Universitäts Verlag (Gabler), Wiesbaden 1997, 356 Seiten, 118.- DM
In dieser Dissertation (bei Prof. W.A. Oechsler, der viele Hoffnungen auf eine Erneuerung bzw. überhaupt erstmal einen Effektivitätsanstieg des Personalmanagements weckt) wird das Human Resource Management-Konzept für das New Public Management (zur Ablösung des Bürokratiemodells) entworfen. Das Buch bietet einen systematischen Zugang für die Personalarbeit in der öffentlichen Verwaltung, auf der Basis des strategischen Human Resource Management. Dies hat (so schreibt Herr Oechsler im Vorwort) eine konzeptionelle Neuorientierung der wichtigsten personalwirtschaftlichen Funktionsbereiche zur Folge.
Das hätte weitreichende Änderungsnotwendigkeiten zur Folge (Dienst- und Tarifrecht, Denk- und Einstellungsänderungen, Methoden, usw.) und würde einen gewaltigen Sprung auslösen. Die Veränderung von administrativer Personalarbeit zu einem Service Center Personal müsste einen "gigantischen Entwicklungsprozess durchlaufen" (Oechsler), was am Beispiel der Universitätsverwaltung dargestellt wird.
Das Buch arbeitet die Basiskonzepte auf, untersucht die neuen Anforderungen (Leistungstiefen-Optimierung, Prozessorganisation, Qualitätsmanagement usw.) an das HRM und legt die Methoden bzw. neuen Funktionsinhalte dar.
Es ist ein empfehlenswertes, praktisches Buch, was genau in die beginnende Diskussion passt. (KT)
DIETMAR VAHS / WOLF LEISER
Change Management in schwierigen Zeiten. Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Veränderungsprozessen
Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2003
Befragt wurden im Rahmen einer explorativen Studie mit strukturierten Fragebogen und teilstandardisierten qualitativen Interviews 1248 Unternehmen aus dem Wirtschaftsraum mittlerer Neckar. Die Studie, die in drei Phasen zwischen September 2001 und Dezember 2002 ablief, erzielte dabei mit 23,1% eine beachtliche Rücklaufquote.
Nach den einleitenden Bemerkungen zu Wandel als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Forschung und zu Gründen für Unternehmenswandel wird im dritten Kapitel das dem Buch zu Grunde liegende Forschungsprojekt sowie das angesprochene Erfolgsfaktorenmodell vorgestellt. Das im Rahmen von Literaturstudium, Expertengesprächen und eigenen konzeptionellen Überlegungen entwickelte Modell umfasst die drei Dimensionen Prozessqualität, Managementqualität und Mikropolitik, die dann in insgesamt fünfzehn harte und weiche Erfolgsfaktoren heruntergebrochen werden (Theorieziel). Aufbauend auf dem Modell formulieren die Autoren ein Hypothesensystem, das sie mit Hilfe der Kausalanalyse untersuchen (Empirieziel). Das Gestaltungsziel der Untersuchung ist daraus Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Durchführung von Veränderungsmassnahmen abzuleiten.
Kapitel vier zeigt die Ergebnisse der empirischen Untersuchung im Detail auf. Im Rahmen von statistischen Analysen werden die Ausprägungen der Erfolgsfaktoren, deren Wirkungen auf die Erreichung der Veränderungsziele sowie die Korrelationen der Variablen untereinander untersucht. Neben der Bestätigung von naheliegenden Zusammenhängen, wie z.B. dass sich die Einbindung von unteren Hierarchieebenen oder die zeitnahe offene Kommunikation positiv auf den Wandlungserfolg auswirken, liefert die Studie auch einige bisher weniger beachtete Wirkungszusammenhänge. Exemplarisch seien die Relevanz eines exakten Timings sowie die Einbindung und insbesondere Schulung des Betriebsrates angesprochen. Besonders bemerkenswert ist auch der Stellenwert der Thematik "Mikropolitik". Die immense Bedeutung von Macht, Commitment und Personalpolitik auch und gerade für Wandlungsprozesse wird in der Studie nachhaltig bestätigt. Zusammengeführt werden die Ergebnisse schliesslich im CMI-Kausalmodell des Unternehmenswandels, welches eine vertiefende Wirkungsanalyse der Erfolgsfaktoren vornimmt. Differenziert wird hier beispielsweise nach Unternehmensgrösse oder nach Erfolg von Veränderungsprojekten. Abgerundet wird das Kapitel von fünf Fallstudien zum Unternehmenswandel, an denen der Leser sehr praxisnah die gewonnen Erkenntnisse am Einzelfall nachvollziehen kann.
"Lessons learned" heisst es dann im Kapitel fünf. Die Autoren leiten zum einen neun Handlungsempfehlungen für den erfolgreichen Unternehmenswandel aus den empirischen Ergebnissen ab. Zum anderen bieten sie dem Praktiker eine umfangreiche, nach Phasen des Wandlungsprozesses gegliederte Checkliste, mit denen er seinen eigenen Veränderungsbedarf im Unternehmen ermitteln kann.
Sozusagen als Zugabe findet sich im letzten Kapitel das CMI-Prognosemodell, welches Unternehmen ermöglicht, die Erfolgswahrscheinlichkeit von Veränderungsvorhaben zu prognostizieren. Dies kann in einem Excel-Programm auf der der Buch beiliegenden CD- ROM unmittelbar angewendet werden.
Bahnbrechend neue Erkenntnisse findet man in dem vorliegenden Buch nicht. Das kann aber auch nicht der Anspruch an eine solche empirische Studie sein. Vielmehr werden Sachverhalte, die andere Autoren intuitiv beschrieben haben aus der Praxis heraus verifiziert oder falsifiziert. Dies ist diesem Buch sehr gut gelungen, indem das vieldiskutierte Thema "Change Management" grossflächig empirisch unterfüttert wird und somit in jedem Fall ein Erkenntnisfortschritt erzielt wird. Das Werk erhebt auch nicht den Anspruch das "Patentrezept für den Veränderungserfolg" zu liefern. Die Maxime lautet "Lernen aus Erfahrung" und das kann der Leser hier ausgesprochen gut. Detaillierte Empirie, ausführliche Fallbeispiele, auf den Punkt gebrachte Handlungsempfehlungen, prozessbezogene Checklisten sowie das Prognosemodell für den Veränderungserfolg liefern dem Praktiker eine grosse Bandbreite an Erkenntnissen zum Change Management, die er gewinnbringend nutzen sollte. Denn mehr denn je gilt das aus dem Buch entnommene Zitat von Andy Warhol: "They always say that time changes things, but you actually have to change them yourself." Eine Hilfestellung hierfür hat der Leser mit diesem Buch in der Hand, umsetzen muss er es selbst. (WB)
PETER B. VAILL
Lernen als Lebensform
Ein Manifest wider die Hüter der richtigen Antworten
Klett Cotta, Stuttgart 1998, 266 Seiten, 68.- DM
Im 4. Kapitel über das Führungslernen (S. 161) vertritt Vaill die Hauptthese, dass man die Leitung eines Unternehmens nicht lernen kann; Unternehmensführung ist Lernen.
Dieser Hinweis sagt viel über die Botschaft und den Inhalt des Buches, in dem der Autor dazu auffordert (und es begründet), das Lernen zum integralen Bestandteil des Lebens zu machen, weil wir sonst den permanenten Wandel nicht effektiv steuern können. Das ist keine revolutionierende Erkenntnis, zumal es bereits immer die Alltagsbeschäftigung war. Viel wichtiger ist es, zu lernen, wie man effektiver und vor allem kollektiv lernt.
Um dafür konkrete und nützliche Hinweise, Anleitungen, Verfahren u.a. zu erhalten, geht mir das Buch aber nicht tief genug. Da hätte ich mir mehr erwartet, angesichts der Erfahrungen und der vielen Literatur, die dazu inzwischen erschienen ist. Aber: das Buch kann Führungskräften, die in den Wolkenzonen residieren, sehr empfohlen werden, um einen leichten und anregenden Zugang zu den Notwendigkeiten des permanenten Lernens und seinen Formen zu finden.
Und aufgrund der Erfahrungen des Autors als Professor und Mitglied des Leitungsteams des Center for Creative Leadership können wir lernen, wie man solche Botschaften und Forderungen vermittelt - wenn wir filtern und straffen. (KT)
Insa Sparrer / Matthias Varga von Kibéd
Ganz im Gegenteil Tetralemmaarbeit und andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen - für Querdenker und solche, die es werden wollen
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2000, 222 Seiten
Die beiden Autoren des vorliegenden Buches zählen zu den unbestrittenen Pionieren, wenn es darum geht, die Aufstellungsarbeit auch für nichtfamiliale Beratungszusammenhänge nutzbar zu machen. Sie haben aufbauend auf unterschiedlichen Therapietraditionen und diese auf äusserst kreative Weise integrierend eine ganz eigenständige Herangehensweise erarbeitet und diese über viele Jahre hinweg in ganz unterschiedlichen Anwendungsfeldern erprobt. In der Zwischenzeit verfügen sie über einen fundiert ausgearbeiteten Ansatz, der auf ein breit gefächertes Interventionsrepertoire an unterschiedlichen Aufstellungsformen zurückgreifen kann. Im Unterschied zu den möglicherweise bekannteren Organisationsaufstellungen (vgl. dazu das von Gunthard Weber Hrsg. Buch "Praxis der Organisationsaufstellungen") orientieren sich die Autoren in ihrer Arbeit an der Eigenlogik von Problemen und nicht an der Rollenkonfiguration der zu bearbeitenden sozialen Situation. Sie entziffern die Tiefenstrukturen von Problemstellungen und entwickeln dafür spezifische Grundformen der Aufstellungsarbeit, die sie unter dem Oberbegriff "systemische Strukturaufstellungen" zusammenfassen. Bekannte Beispiele dafür sind die Tetralemmaaufstellung, wenn es bei einem Problem um charakteristische Gegensätze geht, oder die Glaubenspolaritätenaufstellung, die sich besonders für Problemkonstellationen eignet, denen tiefsitzende, vielfach einander widersprechende Grundüberzeugungen zugrunde liegen.
Das Buch kann natürlich die persönliche Erfahrung im Umgang mit dieser Interventionsform nicht ersetzen. Schon gar nicht eignet es sich als Rezeptbuch, das den praktischen Einsatz solcher Methoden in der Arbeit mit Teams und Organisationen anleiten könnte. Die Autoren führen den Leser auf eine höchst einfühlsame Weise in ihre Denkwelt ein, sie ermutigen ihn zu kleinen Experimenten der Selbstanwendung, die zu ganz spannenden Entdeckungsreisen geraten können, wenn man sich persönlich darauf einlässt. Sie sind in ihrer Ausdrucksform sehr um eine leicht rezipierbare Sprache bemüht, was den Zugang zu diesem schwierigen Themenfeld ausgesprochen angenehm macht. Gleichwohl soll man sich als Leser nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um eine äusserst komplexe Angelegenheit handelt, deren Grammatik und innere Logik sich erst über intensive und kontinuierliche Übung und Selbsterfahrung erschliesst; zu ungewöhnlich und fremd sind viele der hier vorgestellten Vorgehensweisen, sowie die zugrundeliegenden konzeptiven Überlegungen und Theoriewurzeln. Kurzum ein Buch, das nachhaltigen Appetit auf eine eingehendere Beschäftigung mit diesem ungewöhnlichen Interventionsrepertoire macht, das ohne Zweifel noch grossen Einfluss auf die prozessorientierte Beratung von Organisationen gewinnen wird.
RUDOLF WIMMER/ERNST DOMAYER/MARGIT OSWALD/GUDRUN VATER
Familienunternehmen. Auslaufmodell oder Erfolgstyp?
Gabler Verlag, Wiesbaden, 2. Aufl. 2005, 359 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-409-28875-9
Familienunternehmen haben – nach dem jähen Absturz der New-Economy-Euphorie – wieder Konjunktur. Sie sind Hoffnungsträger für erfolgreiche Unternehmenstypen, u.a. weil man von ihnen lernen kann, wie Unternehmen effektiv und nachhaltig geführt und gemanagt werden können.
Dieses Buch untersucht diese Leistungspotentiale und arbeitet die spezifischen Merkmale heraus. Es sind dies Muster, die sich oft dem traditionellen Blick der BWL nur schwer erschliessen, weil deren Denkkategorien auf andere Zusammenhänge gerichtet sind.
Wir haben die 1. Auflage dieses Buches schon in Heft 3/1996 besprochen. Die höchste Qualität dieses Buches fand schon damals seine Anerkennung, weil es für den weltweiten Global Business Book Award (1997) vorgeschlagen wurde.
Die Tiefe der Untersuchungen von Chancen und Risiken der Familienunternehmen sind eine Ursache für den Erfolg dieses Buches. Das resultiert auch aus dem unterschiedlichen fachlichen Hintergrund der Autoren. Es werden in dieser 2. überarbeiteten Auflage auch Basel II und die Konsequenzen für Familienunternehmen beleuchtet. Zentrale Themen sind die überlebenssicherung, Strukturmerkmale, Führungsstrukturen, Lebenszyklen des Unternehmens und der Familie sowie die Nachfolgeproblematik und Fallstudien.
Inhabern, Fremdmanagern solcher Unternehmen und vor allem Beratern kann dies Buch uneingeschränkt empfohlen, ja sogar ans Herz gelegt werden. Schliesslich ist nicht nur der Inhalt hervorzuheben, sondern auch der Stil, was die Lektüre ungemein fördert. (KT)
Louis John Velthuis/ Peter Wesner
Value Based Management
Verlag Sch&äuml;ffer-Poeschel Stuttgart 2005, 214 Seiten, Euro 49.95, ISBN 3791024191
Das Buch widmet sich der zentralen Frage, was für die langfristige Entwicklung von erfolgreichen Unternehmen die richtigen Steuerungsgrössen sind. Nach wie vor stehen dabei risikobezogene Kapitalkosten im Vordergrund, auf deren Grundlage auch die Bezüge des Managements berechnet werden. Die Autoren zeigen, dass es auf diese Weise vor allem zu einer Fehlsteuerung von Zukunftsinvestitionen kommen kann und Unternehmen tats&äuml;chlich Werte vernichten, statt sich nachhaltig zu entwickeln. Sie legen stattdessen ein Konzept für die Unternehmenssteuerung vor, dass sich an den Wertbeitr&äuml;gen von Investitionen aus der Perspektive der Anteilseigner orientiert, nicht zuletzt weil diese dem Unternehmen als einziger Stakeholder Mittel zur Verfügung stellen, für die ein ad&äuml;quater Rückfluss nicht vertraglich gesichert ist, wie etwa bei Lieferanten oder Banken.
Dieses Konzept wird sehr differenziert und anhand zahlreicher Rechenbeispiele vorgeführt, so dass es sich dem Leser schrittweise erschliesst. Allerdings muss bei der Lektüre ein gewisses Verst&äuml;ndnis für Zahlen und formale Argumentation vorausgesetzt werden. (JF)
JAC A.M. VENNIX
Group Model Building
Facilitating Team Learning
Using System Dynamics
John Wiley & Sons, New York/ Chichester 1996, 297 Seiten, ca. 75.- DM
Auf der Basis von Forresters System Dynamik (Principles of Systems, 1968) als Theorie der Struktur und Verhalten komplexer Systeme, wird ein Modell für die Optimierung der Teamarbeit erarbeitet, was auf das Lernen im Team und durch Teams fokussiert.
Dieses Teamlernen ist eine sehr pragmatische Basis bzw. Möglichkeit, das Organisationslernen zu entwickeln und zu lernen. Teams sind zudem die kritischen Grössen für die Leistungsfähigkeit einer Organisation. Hier ist der Ort, wo die Komplexitätsbewältigung erfolgreich geleistet wird oder nicht.
Was macht nun Lernteams aus? Warum sind unterschiedliche Wahrnehmungen der "Wirklichkeiten" so produktionsfördernd? Wie schafft man eine Lernatmosphäre, wie erlangt man ein gemeinsames Problemverständnis und Konsens? Auf alle diese Fragen wird versucht, eine Antwort oder Handlungsempfehlungen zu geben. Aber man muss sich dabei durch die theoretischen Teile durchkämpfen, insbesondere die der Modell-Bildung, auch wenn viele Fälle angeboten werden. Also bringen Sie Geduld zur Lektüre mit. (KT)
WILIAM KOOT / PETER LEISINK / PAUL VERWEEL (EDS.)
Organizational Relationship in the Networkin Age. The Dynamics of Identity Formation and Bonding
Edward Elgar Publishing LTD, Cheltenham U.K. 2003, 317 Seiten, 59,95 £
Dieser Sammelband befasst sich mit den Auswirkungen der Globalisierung, der elektronischen Vernetzung und der Virtualisierung auf Organisationen, ihre Führung und den Beziehungen zu den in diesen Strukturen handelnden Akteuren. Die versammelten Autoren gehen insbesondere der Frage nach, wie Menschen sich dort orientieren, ihre Identität definieren und wie es in dieser neuen Unübersichtlichkeit gelingt, ihre Beiträge für die Ziele der Organisation zu gewinnen. Die individuelle Rolle und die Austauschbeziehungen zu Organisationen müssen immer wieder neu gewonnen und ausgehandelt werden. Diese Zusammenhänge werden aus interdisziplinärer Perspektive ausgeleuchtet. Insbesondere der Rückgriff auf anthropologische Perspektiven macht dabei sehr deutlich, dass nicht nur unsere traditionellen Institutionen an Grenzen kommen, sondern auch wir mit unseren begrenzten kognitiven, emotionalen und kommunikativen Kapazitäten und Kompetenzen. Die versammelten Beiträge haben zwar alle ein hohes theoretisches Niveau, sie beziehen sich aber stets auf praktische Anwendungen, so dass die Darstellungen gut nachvollziehbar bleiben. Die Beispiele stammen aus unterschiedlichsten Bereichen, NGOs, militärischen Organisationen, Produktionsbetrieben und der High-Tech-Branche. (JF)
Carsten Vier
Unternehmenstransformation und Netzwerkorganisation
Verlag Paul Haupt, Bern 1996 331 S., DM 65.-
Unternehmenstransformation und Netzwerkorganisation sind zwei in den letzten Jahren viel diskutierte Begriffe, mit denen sich auch die betriebswirtschaftliche Forschung zunehmend beschäftigt. Der Autor trägt einige wichtige neuere Konzepte der Organisationstheorie zu beiden Begriffen zusammen und interpretiert sie unter Aspekten wie Effizienz und der Wandlungsfähigkeit. Die Persepktive im Hintergrund ist eine systemische, d.h. auch Organisationen sind nicht objektive, rationale Gebilde, sondern das Ergebnis einer sozialen und kulturellen Konstruktion.
Nach diesen theoretischen Grundlagen eröffnet der Autor eine konzeptorientierte Diskussion der Strategien und Strukturen der Unternehmenstransformation. Themen sind hier teilautonome Gruppen, ProfitCenter Strukturen, Projektorganisation als organisationsinterne Ansatzpunkte, Spin Offs, Holdingstrukturen und Joint Ventures als externe. Das ganze wird abschliessend anhand des Verlaufs der Transformation des Daimler Benz Konzerns zum integrierten Technologiekonzern diskutiert.
Das Buch ist keine Lektüre für den eiligen Leser. Es bietet jedoch eine gute Übersicht über die relevante Literatur, würdigt sie in Hinblick auf ihre Auswirkungen auf Effizienz sowie Wandlungsfähigkeit der Organisation und liefert so in seinem ruhigen, von Jargon weitgehend freien Stil eine gute wissenschaftliche und anwendungsorientierte Grundlage für organisationsstrategische Überlegungen.
Eran Vigoda
Developments in Organizational Politics
Edward Elgar Publishing Ltd., Cheltenham 2003, 244 Seiten, Euro 55.-
Verhalten in Organisationen kann man aus verschiedenen Perspektiven betrachten, basierend auf rationalen Entscheidungen oder eben auch basierend auf politischen Kalkülen. Dieser Ansatz wird in vorliegenden Band verfolgt. Der Autor zeigt, dass die Beschäftigten in Organisationen eine Reihe von persönlichen oder kollektiven Zielen verfolgen, Autonomie, Zufriedenheit oder Einfluss auf Entscheidungen. Sie verteidigen diese Ziele bzw. finden Wege und Mittel, um sie durchzusetzen, vor allem wenn die organisatorische Politik eine gegenläufige Tendenz hat. Interessant ist, dass sich vergleichbare Tendenzen auch in internationalen und virtuellen Teams nachweisen lassen. Die Erkenntnisse des Autors beruhen im umfangreichen und detaillierten Fallstudien und sich daher besonders gut nachvollziehbar. Überraschenderweise bezieht er sich nicht auf die Diskussion, die schon vor Jahren von Crozier und Friedberg zum gleichen Thema initiiert wurde, was aber das Buch nicht weniger lesenswert macht.
W. KIP VISCUSI/TED GAYER, EDS.
Classics in Risk Management
2 Bde., Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos. 2005, Band 1, 548 Seiten, Band 2, 651 Seiten, GBP 256.50, ISBN 1-84064-032-4
Diese beiden sehr umfangreichen Sammelbände stellen klassische, zum Teil sehr weit verstreute und schwer verfügbare Artikel zusammen, die in den letzten Jahren zum Thema Risk-Management weg- und richtungsweisend waren. Beide Bände enthalten sowohl grundlegende konzeptionelle Beiträge, in denen versucht wird, die Risiken der modernen Gesellschaften kalkulierbar und – falls möglich – beherrschbar zu machen. Der größte Teil der Darstellungen bezieht sich aber auf unterschiedliche Sphären von Risiken, u.a. Arbeitsmärkte, Produktsicherheit, Umweltrisiken und private Lebenssituationen. Ein weiterer wichtiger Abschnitt widmet sich der Ambiguität, die mit der Diskussion um unvermeidbare Risiken verbunden ist. Viele der Beiträge sind technisch und verwenden statistische Ansätze, andere eher reflexiv. Insgesamt vermittelt diese Sammlung einen einmaligen Überblick über unsere ver- zweifelten Versuche, die Riskiertheit der menschlichen Existenz zu formalisieren und zu kontrollieren. Ich habe hier selber zahlreiche Hinweise gefunden, die ich etwa bei der Beratung von Industrieparks, Chemie-Unternehmen und Versicherungen verwenden konnte, um ihre Kulturen zu verstehen und ein Gefühl für ihre Tabus zu bekommen. Führungskräften und Beratern, die sich in solchen oder ähnlichen Industrien bewegen, wird es vermutlich ähnlich gehen. (JF)
Werner Vogelauer (Hrsg.)
Coaching Praxis, Führungskräfte professionell begleiten, beraten, unterstützen.
Luchterhand Verlag, Neuwied 1999, 2. Auflage 160 Seiten.
Werner Vogelauer
Methoden-ABC im Coaching. Praktisches Handwerkszeug für den Coach
Luchterhand-Verlag, Neuwied 2000, 148 Seiten
Das erstgenannte, schon in 2. Auflage von Vogelauer herausgegebene Buch fasst Beiträge von Beraterinnen und erfolgreichen Coaches aus der TRIGON Entwicklungsberatung zusammen und bietet einen kompakten und praxisorientierten Einstieg in das Themenfeld Coaching. Was Coaching ist bzw nicht ist, wie sich der Prozess gestalten lässt und welche Funktionen es im Kontext der Persönlichkeits-, Management- und Unternehmensentwicklung hat, wird in einer gut lesbaren, begrifflich klaren Form dargestellt und immer wieder auch durch Beispiele aus der Coaching-Praxis illustriert.
Geht es in diesem Buch vorrangig um die Grundlagen, baut das neuere Buch von Vogelauer drauf auf und erläutert 50 Methoden und Instrumente, die sich in unterschiedlichen Phasen des Coachings-Prozesses einsetzen lassen. Jede Methode wird nach durchgängigem Muster hinsichtlich der Themenaspekte "Voraussetzung für den Coach, Ziele, Ausgangssituation und Indikatoren, Vorgehen, Autor und Weiterführende Literatur" prägant erläutert und durch Abbildungen bzw. Beispiele illustriert. Es ist ein Methoden-Werkzeugbuch bester Schule, aus dem man sich viele Anregungen holen kann. Allerdings sei - und dies sicher auch im Sinne des Autors - vor einfacher Nachahmung gewarnt: Coaching ist eine professionelle Tätigkeit, die psychologische Hintergrund-Kenntnis, Verständnis der Beziehungs-Situation und einer ethischen Grundeinstellung bedarf, um die Instrumente überlegt und gut vorbereitet einsetzen zu können.
KLAUS DOPPLER / HELLMUTH FUHRMANN / BIRGITT LEBBE-WASCHKE/BERT VOIGT
Unternehmenswandel gegen Widerstände. Change Management mit den Menschen
Campus Verlag, Frankfurt 2002, 419 Seiten, Euro 58.-; CHF 99.-
Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder voranzukommen. In einem gewissen Sinne geht auch dieses Buch einen Schritt zurück - hinter die Modekonzepte des Change Management zum historisch "älteren" Konzept der Gruppendynamik - und damit zur Kernfrage, warum trotz aller methodisch ausgefeilter Konzepte das Ergebnis der Veränderungsbemühungen vielmals eher dürftig ausfällt und die Erwartungen nicht erfüllt, die man zu Beginn des Prozesses hegte. Und warum fällt es so schwer, den Übergang zu einer zeitgemässen Organisationsform mit ihren Leitbildern einer horizontalen Prozessverantwortung, Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen und Systematisierung von Rückkoppelungs- und Lernprozessen tatsächlich hinzukriegen ?
Im 1. Teil des Buches geht es um die neuen Organisationsarchitekturen und die Frage, welche gruppendynamischen Kräfte bei der Umsetzung dieser Veränderungsansätze sich geltend machen: Woran hapert es z.B. in Projektorganisationen? Was sind die gruppendynamischen Tücken der auf dem Papier so elegant wirkenden Matrix-Organisationen? Was wirkt sich in Netzwerken aus? Es sind immer wieder die typischen Muster, die Veränderungsvorhaben zum Scheitern bringen: Das Macherverständnis von Managern, das Ausklammern der Emotionen, die Keule des Zeitdrucks, das Bild vom Menschen als einer zu funktionierenden Maschine, das fehlende Vertrauen. Die Alternative, die das Buch aufzeigt, ist mit den vorhandenen gruppendynamischen und emotionalen Kräftefeldern zu arbeiten, sie zu verstehen und kompetent zu steuern - und damit den Treibstoff "Gruppendynamik" als Antriebsenergie für Veränderungen zu nutzen.
Im 2. Teil des Buches geht es um das Verstehen der gruppenbezogenen Dynamiken - das Innenleben von Gruppen, den Mythos, der sich um Führung rankt, die Voraussetzungen effizienter Teamarbeit, die Rolle der Gefühle und der sozialen Wahrnehmung und die Kunst des Feedback -; der 3. Teil öffnet dann den Werkzeugkasten: Diagnostische Bögen zur Selbstführung und -steuerung von Gruppen, Instrumente für die Team- und Bereichsentwicklung, ein gruppendynamisches Trainingsdesign zur Erlangung sozialer Kompetenz, aber auch die Gestaltung von Führungsaufgaben wie die Einführung und den Abbau von Mitarbeitern.
Das Buch ist für den Normalbürger geschrieben und so ist die Sprache: griffig und anschaulich, an Beispielen verdeutlicht. Dinge werden beim Namen genannt und nicht sprachlich "verquast". Das gruppendynamische Geschehen soll greifbar und damit nutzbar gemacht werden für die, die sich in Veränderungsprozessen bewegen. Es ist also ein pragmatisches Buch von Praktikern des Change Management für Praktiker geschrieben - weniger für den an (systemischer) Theorie Interessierten - dafür bleibt es vielfach auf einer eher phänomenologischen Ebene, ohne deshalb oberflächlich zu werden.
Nicht fündig wird allerdings, wer nach Big Bang-Methoden oder Schalterkonzepten sucht, bei denen man nur den Hebel umlegen muss, um Neues zu schaffen: Veränderungsarbeit ist nun mal ein widersprüchlicher Prozess, der häufig mühsamer und langwieriger Prozesse der Einbindung bedarf. Ein partnerschaftliches Vorgehen darf andererseits nicht mit basisdemokratischen Illusionen verwechselt werden, mit denen nur falsche Erwartungen geweckt werden. Vielmehr drückt der Spannungsbogen des Buchtitels zum Sub-Titel - Unternehmenswandel gegen Widerstände. Change Management mit den Menschen - gerade die Ambivalenz aus, die es in der Veränderungsarbeit zu meistern gilt.
Gegenüber der 4. Auflage sind im Werkstatt-Teil die Kapitel "Strategieentwicklung", "Fusionen und Akquisitionen" sowie "Teamentwicklung" hinzugekommen, an Themen wird neu auf Informationstechnologie und neue Märkte, Geschäftsprozessoptimierung, Interkulturelles Management und Grossgruppen-Workshops eingegangen. Das graduelle Aufnehmen neuer Themen in diesem Buch zeigt, dass Change Management kein starres Konzept ist, sondern immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. Es ist ein kontinuierlicher Lernprozess, der in sich offen gehalten werden muss. Gerade weil gekonnt vermarktete Heilsbotschaften immer wieder die Illusion zu erzeugen versuchen, sie hätten den Königsweg der Veränderung gefunden, an dessen Drehbuch man sich nur zu halten hätte, ist es wichtig, geduldig darauf hinzuweisen, dass Veränderungsarbeit immer und vor allem auch eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen und Verhaltensweisen ist: "Die echte Veränderung beginnt immer bei einem selbst - beim eigenen persönlichen Engagement" (Vorwort zur 10. Auflage.) (HM)
WERNER LÜTHY, EUGEN VOIT, THEO WEHNER (HRSG.)
Wissensmanagement - Praxis. Einführung, Handlungsfelder und Fallbeispiele
Vdf Hochschulverlag, Zürich 2002, 286 Seiten
Wissensmanagement wird noch immer stärker auf der Ebene von Konzepten und Tools diskutiert als auf der Ebene von konkreten Handlungsfeldern sowie Erfahrungen in Umsetzungsprojekten. Das vorliegende Buch verbindet beides und zeigt Fallbeispiele vorwiegend aus mittelständischen Unternehmen. Es ist deshalb für Projekte in diesem Umfeld besonders wertvoll.
Es enthält eine Einführung in das Wissensmanagement aus multidisziplinärer Sicht: betriebswirtschaftliche, organisatorische und personelle Aspekte sowie der Einsatz von Informatiklösungen werden ganzheitlich analysiert und gestaltet. Wissensmanagement wird dabei in acht Handlungsfel- der mit entsprechenden Methoden und Tools für die Sensibilisierung, Initiierung und Durchführung von Wissensmanagement-Projekten gegliedert. Für einige dieser Handlungsfelder werden die Methoden detailliert vorgestellt.
Anschliessend zeigen sieben Fallbeispiele, wie Wissensmanagement in der Praxis initiiert und eingeführt wurde, welche Voraussetzungen dafür nötig waren und auch, welche Stolpersteine dabei auftraten. Diese Erfahrungen werden ausgewertet und zusammenfassend in Thesen formuliert, die sich sehr konkret auf die Handlungsfelder und Module beziehen. Das ist einer der Vorzüge dieses Bandes.
Dieses gute und nützliche Buch von Wissenschaftlern, Beratern und Managern richtet sich an Personen, die sich rasch, ganzheitlich und praxisorientiert ins Thema einarbeiten wollen, um entsprechende Projekte auch in mittelständischen Unternehmen einzuleiten und durchzuführen. Es ist weniger für die gedacht, die sich nur oberflächlich informieren wollen, um mitreden zu können. Das Buch setzt nämlich Engagement und Auseinandersetzung mit den Inhalten voraus. (KT)
Holger Luczak/Walter Volpert (Hrsg)
Handbuch Arbeitswissenschaft
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997, 1088 Seiten, DM 248.-
Die Rezension eines gut 1000 Seiten umfassenden Handbuchs mit über 200 Beiträgen kann nur auf einem oberflächlichen Überblick mit stichprobenartigen Vertiefungen basieren. Trotz dieser Einschränkung ist das Fazit uneingeschränkt positiv:
1. Das Handbuch versteht Arbeitswissenschaft in einem umfassenden Sinn: es beschränkt sich nicht nur auf die Analyse von Körperfunktionen und sachlichen Bedingungen von Arbeitsprozessen, sondern gibt auch der Arbeit im sozialen und organisatorischen Kontext breiten Raum. Verbindungen zu Nachbardisziplinen werden gesucht und ihre Ergebnisse integriert.
2. Auch wenn ich nicht jeden Beitrag kompetent beurteilen kann, so erscheinen sie mir überwiegend doch prägnant in der Darstellung und gut lesbar formuliert , und bieten so einen fundierten Einstieg in eine Fülle von Themen.
3. Für ein Handbuch überraschend sind die Beiträge auch sehr up to date, nicht nur was die Aufnahme aktueller Themen anbelangt, sondern auch in der Verarbeitung der relevanten Literatur aus den letzten Jahren (bis einschliesslich 96 !).
Praktiker aus den Bereichen Arbeitsgestaltung, Konstruktion/Design und Personalwesen erhalten somit ein nützliches Nachschlagewerk, ein Handbuch im besten Sinne des Wortes, in dem man auch mal gerne in Themenfelder «schmökert», die nicht im Dunstkreis der eigenen beruflichen Tätigkeit liegen.
Kai Mertins / Peter Heissig / Jens Vorbeck (Hrsg.)
Knowledge Management. Best Practices in Europe
Springer-Verlag, Heidelberg 2001, 236 Seiten
Wer nach weiteren Fallstudien zum Wissensmanagement sucht, kann auch zu diesem - ebenfalls in englischer Sprache verfassten - Band greifen. Er ist aus dem Kontext der umfassenden Benchmarking Studie über Wissensmanagement in Europa des Competence Center Knowledge Management am Fraunhofer IPK in Berlin entstanden.
Im ersten Teil stellen die Autoren den konzeptionellen Rahmen vor: Peter Heisig verknüpft Wissensmanagement mit den Konzepten der Geschäftsprozessoptimierung. Jens Vorbeck und Ina Finke skizzieren ein Motivationsmodell des Wissenmanagement und beschreiben die dafür erforderlichen Aufgaben des human resource management. Heisig, Vorbeck und Johannes Niebuhr zeigen die Relevanz des "intellectual capital" für eine wissensbasierte Ökonomie auf und setzen sich mit Fragen seiner Messung auseinander. Ingo Hoffmann schliesslich listet Instrumente des Wissensmanagement auf, allerdings mit starker Orientierung an ausschliesslich techno-logischen Methoden. Der mittlere Teil des Buches enthält die ausführlichen Untersuchungsergebnisse zur Praxis des Wissensmanage- ments aus einer Befragung deutscher und europäischer Top-Unternehmen, der umfangreiche dritte Teil beinhaltet ausgewählte Fallstudien über Best Practises nun nicht mehr nur einer Firma, sondern einer ganzen Reihe: Arthur D.Little; British Aerospace; Booz Allen & Hamilton; Celemi AB; Hewlett Packard Austria; IBM Global Services; Phonak; Roch Diagnostics; Skandia und Thomas Miller & Co.
Auch dieses Buch ist eine informative Fundgrube. Die kompakten Fallstudien sind insgesamt eher konzeptionell beschreibend, denn die Praxis reflektierend, bieten aber einen guten Überblick. In einem abschliessenden Service-Teil werden dann noch europäische Institute vorgestellt, die sich mit Fragen des Wissensmanagements beschäftigen.
Martin K. Welge / Karin Häring / Annette Voss (Hrsg.)
Management Development. Praxis, Trends und Perspektiven
Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart 2000, 360 Seiten
Das Buch aus der Schriftenreihe des Universitätsseminars der Wirtschaft in Erfstadt fächert das Gebiet der Managemententwicklung thematisch breit auf: von den allgemeinen Trends über die Entwicklung spezieller Kompetenzen (wie Change Management, Förderung von Eigeninitiative, Coaching etc), die Entwicklung der Unternehmen zu lernenden Organisationen, den Einsatz neuer Medien sowie die Internationalisierung in der Managemententwicklung bis hin zu Fragen von Transfer und Evaluation.
Bei einem Sammelband mit 20 verschiedenartigen Beiträgen liegt es nahe, dass es eher um eine Bestandsaufnahme geht, was sich auf diesem Felde tut, und weniger um theoretische Vertiefung oder konzeptionelle Fortentwicklung. So habe ich auch wenig wirklich Innovatives bzw Weiterführendes gefunden. Dennoch liest sich der eine oder andere Beitrag ganz interessant, wobei dies eher eine Frage des eigenen Interesses ist als der qualitativen Unterschiede der Beiträge. Vielleicht hätte man bei einem Buch mit dem Titel Management Development die Verzahnung der Managemententwicklung mit der Unternehmensentwicklung etwas stärker herausarbeiten können. So kommt für meinen Geschmack die strategische Perspektive neben der reinen PE-Perspektive etwas zu kurz.
Manfred F.R. Kets de Vries
Führer, Narren und Hochstapler. Essays über die Psychologie der Führung
Verlag Internationale Psychoanalyse, Stuttgart 1998, 216 Seiten, DM 48.–
Sind die Berater als Narren wirklich die Einzigen, die dem Kaiser sagen können, wie nackt er ist? Hat ausser dem kreativen Hochstapler kaum noch jemand Spass am Führen? Steht am Anfang der meisten Psychokarrieren von gestörten Anführern immer wieder das alt bekannte ungeliebte Kind, wie der Freudianer Kets de Vries es postuliert? Eine Menge provozierender, aber auch nicht unbekannter Fragen bzw. Thesen, die der Insead-Professor und Psychoanalytiker Kets de Vries entwickelt und begründet.
Er stellt seiner Aufsatz-Sammlung zum Wesen und den Ausprägungen der Führung ein Zitat von Marcel Proust voran: «Alles, was wir an Grossem kennen, ist von Nervösen geschaffen. Sie und keine anderen haben Religionen begründet und Meisterwerke hervor gebracht. Niemals wird die Welt genügend wissen, was sie ihnen verdankt, noch vor allem, was sie gelitten haben, um es ihr zu schenken.» Kets de Vries analysiert scharf und kennzeichnet genau, er deckt auf, verknüpft und folgert, aber er verurteilt nicht, und prangert nicht an. Schliesslich haben wir uns die Führer erschaffen (so seine Thesen) und sie sind ein Spiegel, auch und gerade wenn es um den Narzismus, das emotionale Analphabetentum, Hochstapelei, Machtmissbrauch und viele Widersprüche der Führer geht.
Es ist ein wirklich lesenswertes Buch, denn es steht das Verstehen im Mittelpunkt, und es ist psychoanalytisch begründet, was aber nicht aufdringlich legitimierend und ausdrücklich im Vordergrund steht.

