Rezensionen 'T'
Nassim Nicholas Taleb
Der Schwarze Schwan
Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse
Hanser 2008, 442 Seiten, Euro 24.90, ISBN 978-3446415683
Alle Welt redet auf einmal von Schwarzen Schwänen – Talebs Metapher für extrem unwahrscheinliche Ereignisse von großer Tragweite. 9/11 war ein solches Ereignis, aber auch die deutsche Wiedervereinigung und der Siegeszug des Internet. Auch auf individueller Ebene gibt es immer wieder solche unvorhergesehenen Glücks- wie Unglücksfälle, die das ganze Leben ändern.
Die Konsequenz bringt Taleb schon im Prolog auf den Punkt: "Dass wir Ausreißer nicht vorhersagen können, bedeutet angesichts ihres großen Anteils an der Dynamik der Ereignisse, dass wir den Lauf der Geschichte nicht vorhersagen können." (S. 5) Und noch auf der gleichen Seite: "Da Schwarze Schwäne sich nicht vorhersagen lassen, müssen wir uns auf ihre Existenz einstellen (statt so naiv zu sein, sie vorhersagen zu wollen)." Damit ist eigentlich alles gesagt – die restlichen 437 Seiten sind Erläuterung. Eine eloquente, amüsante, anekdotische, wortreiche, zuweilen ärgerliche Erläuterung, manchmal ein wenig platt, zwischendurch auch mal blühender Unsinn ("Der wissenschaftlichen Lehrmeinung zufolge ist das Gedächtnis wie ein serielles Aufnahmegerät, wie eine Diskette", S. 97), in vielen Passagen aber intelligent und zum Nachdenken anregend – und dennoch Erläuterung.
Dieser "Essay" des umfassend belesenen Taleb hat meinen Blick auf Risiken und Wahrscheinlichkeiten erheblich geschärft. Vor allem seine Unterscheidung von "milder und wilder Zufälligkeit" (S. 55) ist von größter theoretischer wie praktischer Bedeutung. In jenen Teilen der Realität, die Taleb bildhaft "Mediokristan" nennt, gibt es zwar Zufälle, aber sie gleichen sich aus ("Gesetz der großen Zahl"). In "Extremistan" hingegen genügt ein einziger Ausreißer, um das Gesamtbild auf den Kopf zu stellen: Ein einziger Bestseller kann mehr verkaufte Exemplare zählen als zehntausend andere Bücher zusammen.
Laut Taleb spielen sich wesentliche Teile des Lebens in Extremistan ab – mit gravierenden Konsequenzen. In Mediokristan gilt (näherungsweise) die Gaußsche Normalverteilung; für Extremistan ist sie völlig unbrauchbar. Zu den größten Dummheiten der Menschheit zählt für ihn, die Normalverteilung und auf ihr basierende Prognosemodelle auch auf Extremistan anzuwenden. Und so zu glauben, wir könnten die Zukunft vorhersehen, und uns in trügerischer Sicherheit zu wiegen: Wertvoller Stoff zum Nachdenken – gerade angesichts der jüngsten Turbulenzen der Weltwirtschaft, aber auch, was unserem Umgang mit der Umwelt angeht! (WB)
Christoph Thomann/Christian Prior
Klärungshilfe 3
Das Praxisbuch.
Rowohlt, Hamburg 2007,
367 Seiten, Euro 9.90, ISBN 978-3-499-62214-4
So etwas wie dieses Buch ist mir bisher noch nicht untergekommen. Da schreibt ein relativ junger Wissenschaftler (Christian Prior ist Jahrgang 1969) in völlig neuer Weise über seine Erfahrungen mit drei Klinikärzten, typische Koryphäen ihres Fachs, wie sie sich in die Haar gekriegt haben bei der gemeinsamen Leitung einer internistischen Privatklinik, und wie er als Klärungshelfer den gordischen Knoten ihrer andauernden Verstrickung behutsam löst. Dabei nimmt er den Leser auf mehreren Ebenen mit – er lässt uns teilhaben an seinen eigenen Gedanken und Ängsten auf dem schwierigen Weg, hier Klarheit über die verschiedenen Dimensionen dieses Konflikts herzustellen, blendet bei jeder Etappe Theoriestücke ein und gibt schließlich die jeweiligen Dialoge in wörtlicher Rede wider.
Dieser Ansatz ist neu und erfrischend, referiert er doch im Grunde die allbekannte Theorie der Kommunikation nach Friedemann Schulz von Thun, der auch das Vorwort verfasste. So erfährt man Schritt für Schritt, wie der Erst-Kontakt am Telefon abläuft, welche Fallen schon bei dieser ersten Begegnung auf den Helfer warten, wie er diese reflektiert und, beispielhaft für die Leserschaft, erfolgreich umgeht, um dann die eigentliche Konfrontation der drei Protagonisten herbeizuführen. Diese gipfelt darin, dass jeder der Beteiligten nach bestimmten Vorgaben eine Zeichnung über seine Sichtweise zum Hergang des Zerwürfnisses anfertigen muss.
Allein dieses Ziel zu erreichen, ein bildliches Symbol von naturwissenschaftlich ausgebildeten Männern mittleren Alters herstellen zu lassen, erfordert große Kunst beim Therapeuten. Er verlässt mit dieser Intervention nämlich die noch relativ einfach zu bewältigende sprachliche Ebene und begibt sich auf ein Feld, das seinen Klienten fremd ist. Hier nun flicht er die Kategorie des Vertrauens in seine theoretischen Überlegungen ein: Nur auf der Basis von „Trust“ kann die Organisation wachsen, wie es uns schon in den Siebziger Jahren Organisationswissenschaftler wie Terrence Deal oder Matthew Miles nahe gelegt haben.
Vertrauen in den Klärungshelfer, der als Experte einen ungewöhnlichen Lösungsweg vorschlägt und insofern erfolgreich ist, als er bei seinen Klienten neue Sichtweisen auslöst und damit letztendlich der Hydra des Konflikts die vielfältigen Köpfe abschlagen kann – diese Kategorie lässt sich in einem zweiten Schritt dann auch für die Klinik als Ganzes vorschlagen. So wird die eigene Vertrauenserfahrung eingebracht in das Miteinander am täglichen Arbeitsplatz: Die Organisation kann wieder gesunden und wachsen.
Ich wünsche diesem Buch ein breites Lesepublikum, knüpft es doch an die Traditionen aus der amerikanischen Human Relations-Bewegung an und zeigt, wie klare Kommunikation die Theorie und Praxis helfenden Handelns bereichern kann. (MNE)
Die Organisation des Wissens - Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen
Campus Verlag, Frankfurt/New York 1997, 299 Seiten, DM 98.–
Ist das Management des Wissens die vielleicht ultimative Ressource im globalen Wettbewerb, wie der HERNSTEINER (9(1996)4) fragte? Auf jeden Fall ist es eine zentrale Managementaufgabe, die sich auf die effektivere (nicht nur effizientere) Nutzung bereits vorhandenen, als auch die Generierung neuen Wissens konzentriert. Dabei ist das aber nicht nur ein organisatorisch-technisches Verfahren, sondern es setzt die tiefe Überzeugung voraus (die entwickelt werden kann), dass viel mehr an Potential in der Organisation und den Mitarbeitern vorhanden ist, als es genutzt wird. Ein derartiges Menschenbild ist also gefragt, und nicht nur eine neue (modische) Management-Technik, die implizites oder explizites Wissen umwandelt. Noch immer überwiegt die Zahl der Manager, die nicht an das implizite Wissen «glauben», also nur auf die Importnotwendigkeit (Weiterbildung, Benchmarking etc.) setzen. Diese philosopische Grundlegung kommt mir in dem Buch zu kurz, bzw. ist nur unzureichend behandelt.
Aber die Organisationsprozesse anhand von Fallstudien japanischer Konzerne, wie Canon, Nissan und Honda, zeigen, wie Unternehmen strukturiert sein und welche Kommunikationsstrukturen sie schaffen müssen, um «Wissen schaffende Organisationen» zu werden. Unter diesem Aspekt ist das Buch wegweisend und sehr viel konkreter, als viele andere konzeptionelle Arbeiten zum Organisationslernen.(KT)
JIE TANG/ANTHONY WARD, EDS.
The Changing Face of Chinese Management
Routledge, London and New York 2004, 234 Seiten, 18.99 £, ISBN 0415258472
ALEXANDER THOMAS, EVA-ULRIKE KINAST, SYLVIA SCHROLL-MACHL, STEFAN KAMMHUBER (HRSG)
Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation.
Band 1: Grundlagen und Praxisfelder
Band 2: Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, 464 bzw. 400 Seiten, zusammen Euro 85.-, ISBN 3-525-461860
Aufmerksamen Lesern der OrganisationsEntwicklung sind die den beiden Bänden zugrunde liegenden Konzepte sicher bereits aus dem Artikel von Kinast/Schroll-Machl in ZOE 3/03 und den Beiträgen von Schroll-Machl zum Forum über Interkulturelles Management vertraut.
Die beiden Handbücher geben einen umfassenden Überblick über die unter Leitung von Professor Thomas an der Universität Regensburg erarbeiteten Forschungsergebnisse zur interkulturellen Zusammenarbeit und ihre Umsetzung in der länderübergreifenden betrieblichen Praxis.
Band 1 enthält vorrangig die grundlegenden Modelle und Theorien zu den Kulturstandards sowie die interkulturellen Aspekte zentraler Managementbereiche wie Rhetorik, Verhandlungsführung, Konflikt-, Projektmanagement usw.. Ausserdem werden grundlegende Anforderungen für die Entwicklung interkultureller Handlungskompetenzen durch Training und Coaching dargestellt.
Band 2 thematisiert zunächst die unterschiedlichen kulturellen Standards ausgewählter Länder aus Europa (Frankreich, England, Deutschland, Tschechien, Russland, Polen), Amerika (USA, Kanada, Argentinien), Asien (China, Japan, Indonesien) und Afrika (Ägypten, Ostafrika), bevor dann im zweiten Teil auf interkulturelle Tätigkeitsfelder wie interkulturelles Management, interkulturelle Personalent- wicklung usw. eingegangen wird.
Beide Handbücher vermitteln wichtiges Grundlagenwissen. Da auch die Sprache - wenn auch akademisch geprägt und deshalb manchmal auch etwas trocken - durchgängig verständlich ist, eignen sich die Bände nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Fach- und Führungskräfte, die sich ganz praktisch mit Aspekten der Interkulturalität auseinander setzen müssen. Zumindest in den entsprechenden Fach- und Stabsabteilungen sollten die Bücher als Nachschlagewerke griffbereit sein. (HM)
WILHELM BACKHAUSEN/JEAN-PAUL THOMMEN
Coaching. Durch systemisches Denken zur innovativen Personalentwicklung
Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, 386 Seiten, Euro 39.90
Die Dichte und der Umfang des Textes stellen einige Anforderungen an den Leser, so dass es eher als Handbuch denn als Gelegenheitslektüre eingestuft werden kann. Ich war ständig versucht, andere Coaching-Definitionen bzw. Beschreibungen zu entwickeln, was auf den hohen Anregungswert des Buches schliessen lässt. Hier wird nicht postuliert, vorgeschrieben oder dogmatisiert, sondern ein Angebot nach den anderen gemacht, durch die systemisch-konstruktivistische Grundhaltung, die eine systemische Beratungsexpertise begründet und ein strategisches Modell des Coaching und der Beratung entstehen lässt.
Die beiden Autoren, Coach und Berater (W. Backhausen) sowie Hochschullehrer (J.-P. Thommen) haben ihre Kompetenzen und Erfahrungen zu einen der besten Coaching-Bücher gekoppelt, die mir bekannt sind. Als äusserst angenehm empfinde ich, dass die Autoren es nicht systemisches Coaching betitelt haben. Und sie warnen in der Einleitung vor der Gefahr bzw. den Folgen, wenn man sich auf die systemisch-konstruktivistische Perspektive einlässt: "man verliert die Unschuld der Sicherheit und damit die Sicherheit der Unschuld".
Im ersten Teil des Buches wird auf knapp 100 Seiten eine systematische und komprimierte Einführung in das systemisch-konstruktivistische Denken gegeben. Diese halte ich, gemessen an dem Umfang, für eine der besten Überblicke die ich kenne. Der zweite Teil bietet die Modellentwicklung des Coaching hinsichtlich Prozess und Methoden des Coachings. Hier wird es sehr konkret, d. h. es werden Praxisanleitungen geboten. Der dritte Teil des Buches bietet auf 160 Seiten eine Übersicht über Coaching Programme in der Praxis: bei der Bank Julius Bär, der Schweizerischen Post, bei der SWISS Re, Vorwerk und last but not least bei VW, wo das wohl beste und umfassendste Coaching-Programm etabliert wurde, was sich durch Qualität und deren Sicherung hinsichtlich Coach-Konzept, Coach-Auswahl und Durchführung sowie Weiterentwicklung auszeichnet. Es ist das Resultat einer kongenialen Zusammenarbeit von Dr. Hartz und Frau Dr. Kaul.
Fazit: ein anstrengendes, aber ebenso nützliches wie reichhaltiges Buch. Die Anschaffung kann unbedingt empfohlen werden, vor allem zu dem Preis. Wenn Sie dieses Buch und das von Wolfgang Looss gelesen haben, sind Sie mehr als gut vorbereitet, Ihre Erfahrungen zur eigenen Kompetenzerweiterung auszuwerten.
Anne Thomson
Argumentieren - und wie man es gleich richtig macht
Klett-Cotta, Stuttgart 2001, 284 S., Euro 20.-
Wer denkt, es gehe hier um schnelle Tipps zu erfolgreichem Verhandeln und unwiderstehlichem Überzeugen, irrt. Das Buch ist eher ein philosophisches Werk in der Tradition der Schule des kritischen Denkens. Zudem ist es ein gründliches und durchaus erfolgversprechendes Trainingsprogramm, um kritisches Denken und logisches Kommunizieren zu lernen. In fünf Kapiteln wird fundiert dargestellt, aus welchen Elementen Argumente bestehen, wie sie aufgebaut werden können, aber auch welche Fehler dabei gemacht werden können. Breiten Raum nimmt die Analyse von Argumenten auf ihre Schlüssigkeit respektive Un-Schlüssigkeit hin ein. Hier klingen viele Beispiele vertraut, und man findet endlich die sachlogische Begründung für diffuse Ahnungen - und freut sich, dass die Intuition doch gespielt hat!
Eine Besonderheit des Buches sind die vielen einschlägigen und teils auch witzigen Übungen, die im Anhang entschlüsselt und differenziert kommentiert werden. Sie machen das Buch zu einem eigentlichen Arbeits- und Trainingsbuch mit hohem Lerneffekt. Zu lernen sind dabei Genauigkeit in der Sprache, Differenzierung in der Wahrnehmung, Unbestechlichkeit in der Beurteilung von Informationen und Logik im Aufbau einer überzeugenden Aussage. Wer sich einlässt, hat seinen Spass. Die Übungen sind im Stil kniffliger Denksportaufgaben; die grauen Zellen werden angeregt, der sportliche Ehrgeiz herausgefordert.
Das Buch eignet sich besonders für Leute, die in ihrer bisherigen Laufbahn wenig Raum hatten, sich breiter mit Allgemeinbildung und philosophischem Denken zu befassen, die sich aber über den verbreiteten Alltagspragmatismus hinaus grundsätzlicher mit Fragen auseinandersetzen, ihre Anliegen gekonnt vertreten und insbesondere den Verführungen scheinbar schlagkräftiger Argumente kompetent begegnen möchten. Auch Führungskräften ist es als Lektüre für Aktiv-Ferien sehr zu empfehlen. (CP)
Ernst Tiemeyer (unter Mitarbeit von Reiner Chobrok)
Org Tools, Band 3: Projektmanagement
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997, 216 Seiten (mit CD-ROM), DM 148.-
Im 3. Band dieser Reihe bieten die Autoren einen Überblick über 31 Programme zur Unterstützung des Projektmanagements einschliesslich spezieller Programme mit den Schwerpunkten «Projektcontrolling», «Ressourcenmanagement», «Projektaktenverwaltung» sowie Zusatzprogramme (zur Mail-Unterstützung etc). Die mitgelieferte CD-ROM enthält wiederum Demo-Versionen sowie Präsentationen zu einigen der im Buch besprochenen Software-Produkten.
Gerade im Projektmanagement kommt dem Einsatz von EDV-Tools eine immer grössere Bedeutung zu, was eine am eigenen Bedarf orientierte, sorgfältige Bewertung und Auswahl-Entscheidung erfordert. Möglichkeiten hierzu bietet eine von den Autoren (auf S. 26ff) beispielhaft vorgestellte Nutzwertanalyse, die es erlaubt, je nach Projektanforderungen unterschiedliche Gewichtungen vorzunehmen und so eine Auswahlentscheidung zu optimieren.
ERHARD TIETEL
Emotion und Anerkennung in Organisationen. Wege zu einer triangulären Organisationskultur.
LIT Verlag Münster/ Hamburg/ London; Bd. 14, 2003, 296 Seiten, Euro 25.90, br., ISBN 3-8258-6661-0.
Der Gedanke, triangulär geprägte Beziehungsgeflechte der Familie auf subkulturübergreifende Organisationsprozesse zu übertragen, ist ein interessanter Ausgangspunkt, um Reibungsverluste und das Mass des Verzichtes auf Macht einzelner Beteiligter in Organisationen zu untersuchen. Die Ausgangsfrage von Erhard Tietel war, wann und unter welchen Bedingungen sich im triangulären Raum reale Interaktionen interorganisational entfalten, wann Verluste und Verzichte mit welchen Ergebnissen zu konstatieren sind.
Die empirische Situation umfasst den Planungs- und Einführungszeitraum eines rechnergestützten Betriebsleitsystems in einem Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs. Ausgehend von der organisationskulturellen Perspektive werden dem Leser die psychodynamischen Dimensionen der Organisationskultur erläutert. Die Kernstücke der Arbeit folgen im vierten und fünften Kapitel mit Darstellung der Interaktionstriade und mit einer praxisnahen Betrachtung zu triangulären Kulturen in Organisationen.
Obwohl das Thema nicht grundsätzlich neu ist, erinnert es in eindrucksvoller Weise an die Kraft von Interaktionsgefügen innerhalb von Organisationen, die häufig auftritt, aber genauso häufig unbeachtet bleibt. Dies macht das Buch für Führungskräfte in Organisationen interessant.
Um jedoch Betriebswirtschaftlern und Organisationsverantwortlichen dieses Buch besser zugänglich zu machen, hätte es insgesamt einer weniger starken Akzentuierung der Soziologensprache bedurft, die viele Interessierte abschrecken könnte. Und wenn sich die Untersuchung schon auf soziologischem Terrain bewegt, hätten Beziehungskonflikte mit ihren Rahmungen, die ein unverzichtbarer Bestandteil triangulärer Interaktionen sind, auch als permanent sich er- neuernde Rahmungen durch Handelnde, wie der Soziologe Erving Goffman sie beschreibt, dargestellt werden können (S. 35). So ist das Buch eher ein Forschungsbericht als eine Handlungsanleitung. Es fehlen deutlich markierte Zusammenfassungen, Tabellen, Übersichten und vor allem ein Stichwortverzeichnis. Warum die häufig wechselnde unterschiedliche bibliographische Erfassung
Und doch - ungeachtet aller Unzulänglichkeiten, bleibt das Buch lesenswert für Führungskräfte in lernenden Organisationen, die bereit sind, sich auf den gewählten Fachjargon einzulassen, um die Hebelwirkungen von triangulären Prozessen kennen zu lernen. (IM)
KIM-OLIVER TIETZE
Kollegiale Beratung. Problemlösungen gemeinsam entwickeln
Rowohlt Verlag. Reinbek 2003
Kim-Oliver Tietzes "Kollegiale Beratung" bezieht sich zwar nur locker auf die Hamburger Kommunikationsschule, doch ihr Einfluss auf seinen Ansatz ist unverkennbar. Die Stärke des Buches liegt weniger darin, dass es wesentlich Neues liefert, als vielmehr bekannte Methoden und Verfahren auf interessante Art neu zusammenstellt und - vor allem - didaktisch sehr gut aufbereitet. Dabei setzt der Autor auf Bewährtes und versucht seinen Leserinnen und Lesern die zum Teil durchaus anspruchsvolle Kost leicht zu servieren. Voraussetzungen, Phasen, Methoden, Einsatzbereiche und Grenzen der Methode werden sehr anschaulich und klar dargestellt.
"Kollegiale Beratung" möchte es Menschen in beruflichen Zusammenhängen ermöglichen, sich nach einer eventuellen "Starthilfe" ohne "professionelle" Unterstützung mit "verteilten Rollen" beraten zu können, um Lösungen für konkrete berufliche Schlüsselfragen zu entwickeln. Das Buch wendet sich - in meiner Lesart und entgegen den Ankündigungen im Vorwort - insbesondere an solche Interessierte, die bislang wenig bis keine beraterische Erfahrungen haben. Der Hund liegt aber genau dort begraben, denn eine "kollegiale Beratung" stellt hohe Anforderungen an ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Offenheit, Verbindlichkeit, Vertraulichkeit, Wertschätzung, Selbstverantwortung sowie aktive Beteiligung sind (mindestens) verlangt.
Inwieweit wir diese sozialen Kompetenzen in heutigen Unternehmen und Organisationen tatsächlich vorfinden bzw. wie sehr sie Gegenstand von Personal- und/oder Organisationsentwicklung sind, bleibt fraglich. Unbezweifelt scheint mir aber die Notwendigkeit, dass Menschen in Organisationen selber grössere Verantwortung für die Lösung ihrer (sozialen) Probleme übernehmen (können). Dafür kann man mit der Methode von Kim-Olivier Tietze sicher einen Weg beschreiten. Andere und weitere Schritte sind jedoch gleichfalls gefragt. (MZ)
Thomas Tischler
Strategie und Change. Ein integrativer Ansatz zur Strategiegenerierung im Unternehmen
Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 1999, 289 Seiten, DM 108.–
Thomas Tischler entwickelt einen ganzheitlichen theoretischen Ansatz für eine Change-Management-orientierte Entwicklung, mit dessen Hilfe eine proaktive kontinuierliche Zukunftsorientierung in Unternehmen dauerhaft institutionalisiert werden kann. An Hand von Praxisbeispielen zeigt der Autor die zur Operationalisierung erforderlichen Rahmenbedingungen und Managementinstrumente auf.
Es werden also Strategie- und Change-Management-Konzepte theoretisch verbunden, aber im praktischen Teil auch die dafür notwendigen Instrumente sowie Handlungsweisen und die essentiellen Rahmenbedingungen zur dauerhaften Institutionalisierung dieser effektiven Verbindung dargelegt. Neu war für mich die Hervorhebung des action learning als strategischer Lernansatz und die Darstellung des Change-Ansatzes, vor allem im Vergleich mit der traditionellen Organisationsentwicklung, die nicht einmal erwähnt wird.
Stefan Titscher
Professionelle Beratung. Was beide Seiten vorher wissen sollten.
Ueberreuter Verlag, Wien 1997, 237 Seiten, DM 58.-
Der Autor möchte sowohl externe Berater wie auch deren potentielle Auftraggeber mit jenem «Grundwissen» ausstatten, das für den Einsatz professioneller Beratung erforderlich ist. Das Buch beschäftigt sich zunächst damit, was überhaupt Beraung ist, um daran eine Typologie der Beratung anzuschliessen. Dabei wird eine Vielzahl in der Praxis angebotener Beratungsdienstleistungen beschrieben, allerdings ohne ersichtliche Ordnungskriterien, die hinter dieser Auflistung vermutet werden können. Wohl am aufschlussreichsten sind die Ausführungen über die «Grundpfeiler von Beratung». Hier geht es einerseits um das Rollenverständnis von Beratern, um die Art und Weise, wie sie ihre professionelle Identität konzipieren, und andererseits darum, welches theoretische Selbstverständnis ihrer Arbeit zugrundeliegt. Zurecht weist der Autor darauf hin, dass dieses Selbstverständnis zumindest in vier Feldern eine gewisse Elaboriertheit aufweisen sollte, um im Zusammenhang von Beratung von Professionalität sprechen zu können. Das sind: Fachwissen in Bezug auf die zu beratenden Klientenprobleme, Berater-Knowhow (also, wie kann ich als Berater überhaupt wirksam werden), ein Verständnis für die Veränderbarkeit von Zuständen sowie letztlich eine Vorstellung davon, was das Besondere an Organisationen ausmacht.
In dem Abschnitt über Methoden konzentriert sich der Autor auf die übliche Unterscheidung von Diagnose und Intervention und bewegt sich dabei auch inhaltlich in den bereits bekannten, ausgetretenen Pfaden. Hilfreich ist, dass er sich ausführlich mit dem Beginn eines Beratungsprozesses beschäftigt. Denn diese Phase ist erfahrungsgemäss mit besonders hoher Unsicherheit ausgestattet, gleichzeitig werden hier zumeist die Weichen für den weiteren Verlauf eines Beratungsprojektes gestellt. Schlussendlich stellt sich der Autor die Frage, was denn den Erfolg oder Misserfolg einer Beratung ausmacht. Aber auch er kommt zu dem Ergebnis, wie viele vor ihm, dass dies so ganz allgemein nicht zu beantworten ist. Wie bei allen Dienstleistungen, die erst durch ein ganz intensives Zusammenwirken von Kunde und Lieferant zustandekommen, ist die Frage des Erfolgs nicht von der Selbsteinschätzung der Betroffenen zu trennen. Professionelle Beratung wird diesen Umstand vom Beginn weg miteinkalkulieren. Dieses Buch gibt für Neueinsteiger in dieses Geschäft eine gute Orientierung. Sein Lehrbuchcharakter macht es auch für Ausbildungssituationen empfehlenswert, zumal es eine Reihe von Checklisten und rezepthaften Empfehlungen enthält. Anspruchsvollere Leser werden möglicherweise enttäuscht sein. Das Buch referiert vielfach Beschriebenes und lässt eine Auseinandersetzung mit relevanten Publikationen der letzten Jahre bzw. mit aktuellen Strömungen der Beraterbranche vermissen. Sympathisch wirkt hingegen die Offenheit, mit der der Autor seine ganz persönlichen Einstellungen und Sichtweisen zu den unterschiedlichen Fragen und Problemstellungen darbietet. Dabei ist seine tiefe Ambivalenz gegenüber der beschriebenen Branche nicht zu übersehen: einerseits eine ziemliche Verachtung gegenüber den Vertretern dieser Profession andererseits aber auch eine hohe Identifikation mit den «wenigen Ausnahmen», die hier erfolgreich arbeiten.
KEITH JACKSON/MIYUKI TOMIOKA
The Changing Face of Japanese Management
Routledge, London and New York 2004, 260 Seiten, 19.99 £, ISBN 0415287456
«The Art of Japanese Management», so hiess in den 80er-Jahren einmal ein Bestseller, als man nach Erklärungen für den phänomenalen Erfolg der japanischen Industrie auf den westlichen Märkten suchte. Das damals produzierte Japan-Bild muss deutlich verändert werden, das legen die Autoren anhand von Fallstudien und empirischen Materialien in strukturierter und übersichtlicher Weise dar. Die globalen Märkte und der Wettbewerbsdruck blieben auch nicht ohne Einfluss auf traditionelles japanisches Management, insbesondere auf die vielfach beschriebenen HR-Strategien. Das wird an der widersprüchlichen Rolle in den mittleren Führungsfunktionen mehr als deutlich. Karriereperspektiven und die Aussicht auf eine lebenslange Berufsperspektive erodieren auch hier. Die Folgen sind dort widersprüchliche Attitüden und Erwartungen. Der Fokus der Autoren liegt auf der Sensibilisierung ihrer Leser für japanische Unternehmenskultur, Wahrnehmungsformen und Werte. Anhand wichtiger kultureller Merkmale, wie «Face» oder Entscheidungsprozesse erläutern sie in didaktischer geschickter, verständnisvoller und perspektivenreicher Weise, welche Muster dort zugrunde liegen, welche Widersprüche heute entstehen und wie sie sich schliesslich auch an westlichen Gewohnheiten brechen. (JF)
EVA NEUMANN/ SABINE HESS/TRAINERNETZWERK STUDY& TRAIN
Mit Rollen spielen. Rollenspielsammlung für Trainerinnen und Trainer
ManagerSeminare Verlag Bonn 2005, 368 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-936075-35-2
Die Rollenspiele sind gut beschrieben und mit ausreichenden Erläuterungen versehen, wofür sie geeignet sind, was damit trainiert werden kann und was bei der Umsetzung zu berücksichtigen ist. Hilfreich sind dabei auch die einleitenden Ausführungen zur Gestaltung von Rollenspielen, die gerade Trainingseinsteigern ein gutes Fundament geben. (HM)
WAGNER-TSUKAMOTO, SIGMUND
Human Nature and Organization Theory
265 Seiten, Euro 59.95, ISBN 1 84064 714 0
Dieses theoretisch gehaltene Buch wendet sich vornehmlich an Leser, die sich für die grösseren Zusammenhänge der Organisationstheorie interessieren. Der Autor zeigt, dass die klassische ökonomische Theorie abstrakte Annahmen über menschliches Verhalten entwickelte, die sich primär aus ihren Modellkonzeptionen ergaben. Hingegen haben Autoren, wie insbesondere Taylor, Simon und Williamson etwa Entscheidungsprozesse oder Arbeitsmotivation viel klarer im Kontext der Herausbildung moderner institutioneller Strukturen interpretiert. In diesem Sinne positioniert sich auch der Autor. Er zeigt in seiner originellen Interpretation dieser drei so verschiedenen Autoren, dass sie hilfreiche Erkenntnisse über den Stellenwert menschlicher Verhaltensmuster und ihre Bedeutung für die Bildung ökonomischer Institutionen geliefert haben. Seine Darstellungen lassen diese wegweisenden Autoren des letzten Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen. Der Autor verbindet darüber hinaus auch zahlreiche andere Theorieelemente, u.a. aus der Anthropologie, der Wissenschaftstheorie und der Philosophie, die sich aus ihren verschiedenen Perspektiven einer Erklärung der Struktur und Dynamik der Institutionen der Moderne genähert haben. Das Problem eines so breiten und über die Disziplinengrenzen hinausreichenden Ansatzes besteht, darin, dass viele Gedanken zwangsläufig nur sehr skizzenhaft bleiben. Dennoch handelt es sich zweifellos um ein anregendes und weitsichtiges Buch. (JF)
Klaus Tuerck (Hrsg.)
Hauptwerke der Organisationstheorie
Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2000, 346 Seiten
In Zeiten, in denen die Bedeutung des Wissens enorm zunimmt, wird es zugleich immer schwieriger, noch den Überblick über ein bestimmtes Wissensgebiet zu behalten. Hier kann das von Türck herausgegebene Buch wirklich gute Dienste für das Feld der Organisationstheorie leisten. Die Inhalte von ca. 150 Hauptwerken der Organisationstheorie - wichtige Bücher aber auch wegweisende Artikel aus der (für den Praktiker) oft schwer zugänglichen Fachliteratur - werden von durchwegs renommierten Referentinnen und Referenten in einer wirklich kompakten Form zusammengefasst und in den Kontext der theoretischen Entwicklung des Wissensgebietes gestellt.
Natürlich birgt das die Gefahr - und der Herausgeber weist selbst darauf hin - , dass man nach Readers-Digest-Manier die Referate statt der Originale liest. Aber man kann das Buch auch sinnvoll nutzen - als Nachschlagewerk und Gedächtnisstütze, als Anregung, den ein oder anderen Text (wieder) im Original zu lesen, als Strukturierungshilfe, um eigene Gedanken zu ordnen, als Informationsquelle, die einen Zugang auch zu weiterführender Literatur eröffnet usw..
Wie jede Auswahl ist auch diese subjektiv, aber ich finde die Mischung der Beiträge insgesamt gut gelungen, was auf eine sorgfältige Vorbereitung hinweist, an der wiederum ca. 40 ExpertInnen beteiligt waren.
KLAUS TÜRK / THOMAS LEMKE / MICHAEL BRUCH
Organisation in der Modernen Gesellschaft. Eine historische Einführung
Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, 339 Seiten, Euro 32.00
Der Wuppertaler Soziologe Klaus Türk ist ohne Zweifel einer der wichtigsten, weil originellsten und weiterführenden Organisationstheoretiker. Zusammen mit zwei Mitarbeitern hat er die Entstehung und Entfaltung moderner Organisation von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart untersucht. Es ist eine historische Analyse, die sehr viel zum Verständnis heutiger Organisationen beiträgt. Zielsetzung ist zwar eine organisationssoziologische Erweiterung der Gesellschaftstheorie, aber die Herleitungen und Analysen bieten viel Material, um beispielsweise heutige Entwicklungen oder gar Deformationen der Gesellschaft zu verstehen: Die inzwischen als disfunktional erkannte shareholder value-Funktion könnte als Fortsetzung der langen Tradition der dichotomischen Kontrastierung von Markt und Organisation interpretiert werden. Schliesslich könnte die extreme Kapitalorientierung als Dominanz des Marktes über die Organisation gedeutet werden, die ja erheblich vernachlässigt wurde und noch immer wird.
Türk versteht Organisation "als ein historisch spezifisches Verhältnis und als ein strategisches Element für die Konstitution, Etablierung und Reproduktion asymmetrischer gesellschaftlicher Strukturen". Es geht also um die politische Regelung der Dynamik von Macht und Interessen, und nicht unmittelbar nur um Effizienz- und Effektivitäts-Anstrengungen materieller Leistungen.
Es ist ein theoretisches Buch und somit eine Zumutung für OE-Praktiker. Aber es ist sehr lebendig durch die spannend zu lesenden historischen Analysen und Beispiele. Das Buch trägt enorm zum Verständnis von Organisationen bei, in denen wir uns bewegen und die wir (ermutigt durch unsere Omnipotenzphantasien) mitgestalten wollen. (KT)
Günther Ortmann/ Jörg Sydow/ Klaus Türk (Hrsg.)
Theorien der Organisation. Die Rückkehr der Gesellschaft
Westdeutscher Verlag, Opladen 1997, 661 Seiten, DM 69.–
Dieser Sammelband der hervorragenden Herausgeber und Autoren will den neuesten Stand der Theorie umfassend und instruktiv präsentieren. Und das ist gelungen, so dass dieses Buch als eines der wichtigsten Publikationen dieses Jahrzehnts eingestuft werden kann. Die Theorieentwicklung, Kontroversen, Paradigmenkonkurrenzen des letzten Quartals dieses Jahrhunderts haben die Herausgeber auf einen gemeinsamen Nenner gebracht: die Rückkehr der Gesellschaft, d.h. die Wiederentdeckung der Gesellschaft durch die Theorie der Organisation. Und das ist ja beispielsweise im Kontext der Globalisierung und der verbreiteten Anwendung der Systemtheorie sehr nützlich. Das Buch zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Theorien in Gruppen von ausgewiesenen Experten vorgestellt und diesen Beiträgen dann teils kritische, teils sympathetische Kommentare beigestellt werden.
Vertreten sind institutionen-ökonomische und evolutionstheoretische Ansätze, neo-institutionalistische, polit-ökonomische, handlungs-system- und strukturationstheoretische Ansätze ebenso wie symbolische und kognitive Theorien. Auch die Nachbardisziplinen der BWL, Psychologie und Industriesoziologie kommen zu Wort durch die Experten ihres Faches, wie Türk, Sydow, Ortmann, Osterloh, Neuberger, Sadowski, Dachler, u.v.a. Es ist ein Arbeitsbuch entstanden und ein Diskussionsforum. Je nach Interessengebiet oder Entdeckerlust der Leser, kann er/sie hier einen Überblick und Anstössiges erfahren, um sich mit dem umfassenden Quellenmaterial weiter zu vertiefen. Und immer wieder wird überdeutlich, wie relevant das berühmte Wort von Lewin ist, dass nichts so praktisch ist, wie eine gute Theorie. (KT)
MICHAEL PASCHE / ANJA WEIDEMANN / DANIELA TURCK / CHRISTIAN STÖWE
Assessment-Center professionell. Worauf es ankommt und wie Sie vorgehen
Luchterhand-Verlag, Neuwied 2003, 320 Seiten, ISBN 3-472-05057-8
Das Buch bietet einen kompetenten Einblick in die Assessment-Center-Methode. Wer sich besonders für die praktische Umsetzung eines AC interessiert, erhält eine detaillierte, praxisbezogene Darstellung der Bausteine und Vorgehensweisen dieser Personalentwicklungsmethode. Ausgehend von den Varianten des Assessment-Center wird dargestellt , wie Anforderungsprofile entwickelt und Rahmenkonzepte erstellt werden und welche Kommunikation in AC-Projekten zu leisten ist. Gut fand ich das ausführliche Kapitel zu Bausteinen und Simulationen, weil hier nicht einfach Standardübungen wiedergegeben werden, sondern die thematischen AC-Bausteine - Interviews, Analytisch-konzeptionelle Übungen, Gesprächssimulationen, Gruppenübungen, Präsentationen und Testverfahren - fundiert aufbereitet und in einen Kontext gestellt werden. In den abschliessenden Kapiteln des Buchs geht es dann um das Beobachten und Bewerten, um die praktische Organisation und um die Aufbereitung und Verwendung der AC-Ergebnisse.
Etwas zu kurz kommt hingegen die Reflexion und kritische Hinterfragung des Instruments: Was bewegt Organisationen, zu diesem Verfahren zu greifen? Wie lässt sich auf zukünftiges Verhalten in noch nicht vorhersehbaren Sitationen schliessen? Man kann dies dem Buch aber nicht vorwerfen, weil dies nicht Ziel der AutorInnen war. Als praxisorientierte Einführung in die AC-Methode ist das Buch auf jeden Fall empfehlenswert. (HM)

