Rezensionen 'J'

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Sandra Jovchelovitch

Knowledge in Context

Representations, Community and Culture

Routledge, London and New York 2007,

211 Seiten, GBP 39.95, ISBN 978 0 415 28734 0

 

Dieser Band ist kein Exemplar der inzwischen wohlfeilen unterschiedlichen Werke über Wissensmanagement, obwohl der Titel es nahe legt. Die Autorin holt außerordentlich weit aus und beginnt mit der psychologisch/anthropologischen Untersuchung der Bedeutung von Repräsentationsformen für die Bildung von Wissen und Erkenntnis. Sie zeigt dann, wie sich diese Repräsentationen in Gruppen und Gesellschaften verdichten und dort zu Teilen der gemeinschaftlichen Kultur werden. Wissen kann daher nur kontextuell in der Triade Selbst-Andere-Objekt verstanden werden und entfaltet dort unterschiedliche Wirkungen: die Bildung von Identität, die Möglichkeit der Verständigung, gemeinsame Erinnerung, Entwurf von Zukunftskonzepten und die Bildung von Legitimationsformen. So entstehen relativ geschlossene Systeme und die Frage ist dann, wie diese untereinander kommunizieren und Wissen austauschen können. Die wesentliche Bedingung dafür ist Diversität, die innere Toleranz für Unterschiedlichkeit, die auch für andere Entwürfe Offenheit gestattet.

Die Autorin greift in ihrer Monografie auf umfangreiches Material aus unterschiedlichsten Gebieten zurück, im Kern ist ihre Perspektive aber eine sozialpsychologische. Es gelingt ihr damit, ein deutlich tieferes Verständnis von Wissen und Wissensprozessen zu erzeugen, als es in der eher rezeptartigen Literatur zum Thema häufig üblich war. Das Buch richtet sich an Leser, die sich als Führungskräfte, Trainer oder Berater mit der Dynamik und Entwicklung von wissensbasierten Systemen befassen. (JF)

 

 

 

J. David Johnson
Innovation and Knowledge Management
The Cancer Information Service Research Consortium
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos. 2005, 277 Seiten, GBP 55.95, ISBN 1 84376 910 7
 

Der Autor untersucht den Zusammenhang zwischen Wissensmanagement, Innovationsfähigkeit und organisatorischen Formen. Das ist nicht neu, aber das wirklich interessante und einzigartige dieses Buches ist darin zu sehen, dass es auf einer Fallstudie beruht, die sich über vier Jahre erstreckt. Im Zentrum steht der Cancer Informationen Service (CIS), dessen Aufgabe darin besteht, den relevanten Stakeholdern die neuesten Informationen zu den Möglichkeiten von Vorbeugung, Diagnose und Therapie zu bieten. Das Institut befand sich im Gefolge wachsenden öffentlichen Interesses und des Drucks von Patienten in einer Legitimationskrise und musste nach neuen Wegen suchen, die über die gesamte Welt verstreuten Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen zu bündeln und aufzubereiten. Insbesondere der Beratungsaspekt wurde immer dringlicher, der die Kenntnis von Varianten und Optionen voraussetzt. So entstand ein Netzwerk zwischen Ärzten, Forschern und Forschungseinrichtungen und Patienten, deren Kontakte in diesem Knotenpunkt zusammenlaufen und wieder hinausgehen. Das Buch beschreibt und analysiert die Entwicklungsgeschichte dieses bemerkenswerten Netzwerkes. Der Autor versteht es dabei, emotionale Betroffenheit mit nüchterner Analyse zu verbinden. Das Buch bietet vielfältige Anregungen für alle Leser, die sich mit Wissensmanagement und Innovationen befassen, wobei hier insbesondere die Vernetzung und die Entwicklung von Wissen über Grenzen von Organisationen im Vordergrund steht. (JF)

 

 

Ingela Jöns/Walter Bungard (Hrsg)

Feedbackinstrumente im Unternehmen

Grundlagen, Gestaltungshinweise, Erfahrungsberichte

Gabler Verlag, Wiesbaden 2005, 541 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-409-12738-0

 

Es gibt heute zwei grundsätzliche Einflussfaktoren, die die Unternehmen und sozialen Institutionen zum Wandel treiben: die von außen wirkende Globalisierung und die von innen wirkende Individualisierung, die aber auch vom Umfeld angeregt und gestützt wird. Für den adäquaten Umgang mit diesen Einflussgrößen, also die Früherkennung, konzeptionelle Reaktionen und Steuerung benötigen wir Methoden und Instrumente. Eines davon sind die Feedbackinstrumente, denen in diesem voluminösen Sammelband 31 Beiträge gewidmet sind.

Wie immer, wenn der Mannheimer Professor Bungard Hand und Kopf anlegt, ist das Buch konzeptionell fundiert und vor allem von hoher praktischer Relevanz. Schließlich ist Herr Bungard auch einer der Spezialisten für Mitarbeiterbefragungen in Unternehmen. Als einer seiner hochzufriedenen Kunden hat auch der Continental Personalvorstand Thomas Sattelberger das Vorwort geschrieben.

Natürlich wird am Anfang des Buches das Thema Feedback und dessen Prozesse seziert und in Zielen und Wirkungen sowie Prozessgrundsätzen beschrieben. Dann werden in einem 2. Teil typische Feedbackinstrumente von Spezialisten dargestellt, und zwar Leistungsbeurteilung, Vorgesetztenbeurteilung, Coaching, Teamfeedback, Mitarbeiter- und Kundenbefragungen. In einem 3. Teil wird die instrumentelle Ebene bearbeitet, wie z.B. Mitarbeiterbefragungen angelegt sein sollen (u.a. Papier oder Internet), Prozessgestaltungen, Feedback im Vorschlagswesen sowie Rechtsfragen, beispielsweise im Kontext der Mitbestimmung.

Die zweite Hälfte des Sammelbandes, und damit der 3. Teil, enthält wichtige und sehr informative Erfahrungsberichte, z.B. beim Instrument Mitarbeitergespräche, 360º Feedback im Krankenhaus, Feedback schon während des Assessment Centers, Feedback als Steuerungsinstrument von Veränderungsprojekten bei der ZF Friedrichshafen, Mitarbeiterbefragung bei der Lufthansa und Continental sowie Integration der Mitarbeiter- und Patienten-Perspektive in das Qualitätsmanagement im Krankenhaus.

Wenn Sie sich im Zuge Ihrer Kompetenzerweiterung als PE- oder OE’ler/in oder aufgrund anstehender Projekte, oder weil Sie diesem Steuerungsinstrument in Ihrer Organisation zu größerer Wirksamkeit verhelfen wollen, dann ist dieses exzellente und nützliche Buch ein „Muss“ für Sie. Mehr Unterstützung und zwar ideell und sehr praktisch bekommen Sie nicht für Ihr Geld. (KT)

 

BRAD JACKSON
Management Gurus and Management Fashions
Routledge, London/New York 2001, 208 Seiten, Euro 30.00


Karl Weick, der erfrischende Organisationstheoretiker aus den USA, hat zu diesem Buch gesagt, dass es ein Schnellkurs in die Dynamik sozialen Einflusses ist. Und Alfred Kieser, der ebenso erfrischende deutsche Betriebswirtschaftler, der sich sehr intensiv mit Moden im Management beschäftigt, hat das Buch auch sehr gelobt, weil es die Rhetorik der Modemacher dekonstruiert und erläutert, wie die Heilsbringer-Doktrinierungen demystifiziert werden.

Der Autor untersucht in der Tat die Entstehung von Moden im Management und will das Phänomen durch Methode der kritischen Analyse der Rhetorik erklären. Als Belege zieht er drei wesentliche Modemacher und ihre Konzepte aus den 90-er Jahren heran: Hammer & Champy mit ihrem Reengineering-Ansatz, Covey mit seiner Effektivitäts-Bewegung und Peter Senge mit seiner lernenden Organisation.

Es zeigt sich, wo die Rollen und die Dynamik von Protagonisten, Antagonisten, Produzenten, Unterstützern, des Publikums und der Menschen hinter der Bühne zusammenwirken. Ein Ergebnis ist, dass Manager zwar Gurus ambivalent gegenüberstehen, aber durch den fehlenden Austausch von Praktikern und Wissenschaftlern in Abhängigkeiten geraten, wenn sie die Ambivalenzen zu schnell aufzulösen versuchen. Das ist der Moment, wo sich die Mode entfalten kann.

Es ist in der Tat ein gutes und wichtiges Buch, nicht nur für die Management-Forschung. Es kann auch PE- und OE-Verantwortliche darin unterstützen, die Prozesse zu forcieren, die ihr Management nicht zu schnell auf jeden Zug, der gerade Bewegung bietet, aufspringen lässt. (KT)

KEITH JACKSON/MIYUKI TOMIOKA
The Changing Face of Japanese Management
Routledge, London and New York 2004, 260 Seiten, 19.99 £, ISBN 0415287456

«The Art of Japanese Management», so hiess in den 80er-Jahren einmal ein Bestseller, als man nach Erklärungen für den phänomenalen Erfolg der japanischen Industrie auf den westlichen Märkten suchte. Das damals produzierte Japan-Bild muss deutlich verändert werden, das legen die Autoren anhand von Fallstudien und empirischen Materialien in strukturierter und übersichtlicher Weise dar. Die globalen Märkte und der Wettbewerbsdruck blieben auch nicht ohne Einfluss auf traditionelles japanisches Management, insbesondere auf die vielfach beschriebenen HR-Strategien. Das wird an der widersprüchlichen Rolle in den mittleren Führungsfunktionen mehr als deutlich. Karriereperspektiven und die Aussicht auf eine lebenslange Berufsperspektive erodieren auch hier. Die Folgen sind dort widersprüchliche Attitüden und Erwartungen. Der Fokus der Autoren liegt auf der Sensibilisierung ihrer Leser für japanische Unternehmenskultur, Wahrnehmungsformen und Werte. Anhand wichtiger kultureller Merkmale, wie «Face» oder Entscheidungsprozesse erläutern sie in didaktischer geschickter, verständnisvoller und perspektivenreicher Weise, welche Muster dort zugrunde liegen, welche Widersprüche heute entstehen und wie sie sich schliesslich auch an westlichen Gewohnheiten brechen. (JF)

 

TERENCE JACKSON
Management and Change in Africa. A Cross-Cultural Perspective
Routledge, London and New York 2004, 298 Seiten, 23.99 £, ISBN 0415308194

Afrika meint in dem hier vorliegenden Band die Länder südlich der Sahara-Zone. Dennoch findet sich in diesen Regionen noch eine Heterogenität, deren sich der Autor aber bewusst ist. Ihm geht es vornehmlich darum, inner- und unterhalb dieser Unterschiede einer eigenen Führungsidentität, einer eigenen Management-Kultur in dieser Region nachzuspüren, die sich von der Dominanz und Differenz der Modelle der entwickelteren Länder abhebt. Die Herausbildung und Konturierung dieser Identität, etwa das häufig zu beobachtende mutige Unternehmertum auf vielen regionalen Märkten, leidet unter den erstickenden Bedingungen, die durch globale Unternehmen, Märkte und korrupte Institutionen erzeugt werden. Hinzu kommt, dass unsere Wahrnehmung von Afrika durch journalistische Negativ-Presse geprägt ist. Der Autor zeigt, basierend auf zahlreichen Fallstudien und empirischen Materialien, am Beispiel von Entscheidungsprozessen, dem Umgang mit Komplexität, Management-Stilen, Motivations- und Bindungskonzepten, wie sich in Afrika eine eigene Management-Kultur gebildet hat, die viele Afrikaner, die durch angelsächsische MBA-Programme gegangen sind, erst entdecken müssen, um anschlussfähig zu sein. Aber auch westliche Unternehmungen, die auf Kooperation angewiesen sind, stossen auf zahllose Konflikte, wenn sie etwa spezifische Formen der Verhandlung und des Interessensausgleichs nicht kennen oder ignorieren, wie der Autor am Beispiel der ölförderung in Nigeria verdeutlicht. Im zweiten Teil des Bandes werden in konkreteren Länderstudien (Nigeria, Kamerun, Kenia und Südafrika) detailliertere Profile und Ansätze afrikanischer Management-Kulturen herausgearbeitet. Der Autor diskutiert dabei auch die Frage, ob das entwickeltere Südafrika möglicherweise ein Modell für den gesamten Kontinent darstellen könnte. Dies ist ein sehr wertvolles Buch, weil es die Eigenständigkeit afrikanischen Managements betont. Wer sich im Detail für diese Thematik interessiert, findet in den Quellenangaben des Bandes eine Vielzahl von vertiefender und einschlägiger Literatur, die kaum bekannt sein dürfte. (JF)


Michael Jaeger
Personalmanagement bei Mergers & Acquisitions
Luchterhand Verlag, Neuwied 2001, 212 Seiten, Euro 39.90

Das Buch reflektiert vornehmlich auf den kulturellen Aspekt von Mergern, deren Vernachlässigung bekanntlich einer der häufigsten Gründe für das Scheitern solcher Vorhaben ist. Im für mich wichtigsten Teil untersucht der Autor vor allem die Probleme von Zusammenschlüssen, wenn unterschiedliche Kulturen zusammentreffen. Dabei geht er von den 5 unterschiedlichen Kulturdimensionen aus, die Hofstede in seinen empirischen Untersuchungen gefunden hat. Was passiert also, wenn im Merger-Prozess eine Unternehmen mit hoher Unsicherheitsvermeidung auf eine Kultur trifft, die etwa eine eher kurzfristig ausgerichtete und handlungsorientierte Kultur hat. Der Autor untersucht die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten systematisch, kommt auf die jeweiligen Probleme zu sprechen und gibt Empfehlungen. In den folgenden Kapiteln des Buches verändert sich der Themenfokus, dort geht es um alternative Formen des Managements von Personalüberhängen. Der Autor stellt dort das Konzept eines sozial abgefederten und auf Qualifikation orientierten Transfer-Sozialplans vor. Alle konzeptionellen Überlegungen werden im Buch immer wieder durch praktische Beispiele, Erfahrungen und Fälle konkretisiert. Insgesamt ein gut lesbares und hilfreiches Werk. (JF)

 

SÖREN FRICKENSCHMIDT / KEMAL GÖRGÜLÜ / WOLFGANG JÄGER
Human-Resources im Internet 2001
2. Auflage, Luchterhand Verlag, Neuwied 2001, 177 Seiten, ¤ 84.-


Electronic Human Resources Management (eHRM) war eines der Projekte im Gefolge der New Economy, aus denen sich Personalführung und - management neue Impulse für die Systematisierung und Nachhaltigkeit ihres Tuns erhofften. Es begann mit Formen der netzgestützten Personalsuche und E-Learning, von dort aus weiteten sich die Konzepte in andere klassische Bereiche der Personalführung aus.

Der vorliegende Band liefert eine empirische Studie unter den 100 grössten deutschen Firmen, aus welcher der Verbreitungs- und Durchdringungsgrad von eHRM deutlich wird. Die Untersuchungen zeigen, dass zwar 90% der Unternehmen über einen Auftritt verfügen, aber im Detail werden viele Unterschiede deutlich, der vor allem aus dem notwendigen Pflegeaufwand resultiert, der etwa für Internet-Auftritte unumgänglich ist. Eine weitere Schwachstelle ist die Interaktivität der Ansätze. Die gerade hier liegenden, einzigartigen Potenziale der neuen Technologien werden am wenigsten genutzt, vermutlich auch, weil der Aufwand sehr hoch ist und der Nutzen schwer nachweisbar ist. Auch hier wird deutlich, nach dem Hype folgt offenbar die Ernüchterung und die Reduktion von eHRM auf das, was man als unerlässliche Pflichtübung begreift. (JF)

Christopher Jahns
Integriertes strategisches Management. Neue Perspektiven zur Theorie und Praxis des strategischen Managements
Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 1999, 222 Seiten

Auf der Basis einer Analyse der Aufgaben und Probleme der strategischen Managementansätze führt diese Dissertation des ehemaligen UE-Leiters eines Konzerns und heutigen Beraters zu einem Entwurf eines integrierten strategischen Managementansatzes. Dabei brauchen Führungskräfte nicht nur Fach- und Sozial-Kompetenz, sondern zusätzlich und hauptsächlich eine integrative Kompetenz, was ja auch schon bei Bleichers UE-Konzept des integrierten Managements zugrunde gelegt wurde. Letztendlich geht es auch hier um eine kulturbewusste UE. Zudem werden Spielmacher und Spielführer als Führungskräfte gesucht, die in komplexen, von hohem Risiko geprägten Situationen sehr spezifische Führungsfunktionen und Rollenverständnis entwickeln müssen.

Jahns dringende Empfehlung besteht darin, die vier strategischen Managementfunktionen der strategischen Planung, der OE, des strategischen Personalmanagements und der strategischen Kontrolle, die bisher als eigenständige Steuerungspotentiale gesehen wurden, auf der Basis der systemtheoretischen Entwicklung zu einer ganzheitlichen fünften strategischen Managementfunktion zu integrieren. Damit ergeben sich ganz neue Steuerungsmöglichkeiten. Sehr hilfreich ist das Schlusskapitel. wo gerafft, aber prägnant die wesentlichen Thesen zusammengefasst werden.

Das Buch muss nicht nur jede mit Strategieentwicklungs- und Umsetzungsprozessen beschäftigte Führungskraft lesen, sondern es kann gerade OE'lern sehr dringend empfohlen werden, wenn sie Strategie und UE mitgestaltend beraten.

 

Robert Jakob
Der Bluff. Eine schillernde Karriere
Verlag Moderne Industrie (Redline), München 2002, 163 Seiten, Euro 15.90

Diese Managementsatire ist witzig, ironisch und auch gemein. Der Autor ist leitender Redakteur zweier Wirtschaftszeitschriften aus der Schweiz und karikiert sein eigenes Metier.

Es werden die Verfahren und Tricks gezeigt, wie man in diesen Zeiten mühelos mit persönlichem und funktionalem Marketing überleben kann. Es wird die Inhaltsleere von Publikationen, Texten und den Managementverfahren beschrieben. Die heisse Luft, die Phrasen und Gaukeleien werden eloquent an Beispielen dargelegt und deren Wirkung belegt.

Auch wenn die vielen ironischen Übersichten (Statements und was sie wirklich bedeuten) das Glossar am Ende des Buches, sowie die herrlich satirischen Problemlösungsansätze hohen Unterhaltungswert besitzen, so frage ich mich, ob das buchfüllend sein musste. Ein Artikel hätte es auch getan. Aber dann hätte der Autor seinen Frust nicht entladen können. Das ist der ernste Hintergrund und die eigentliche Botschaft: es wird zunehmend geblufft und daran auch noch geglaubt. Wir sind schon so weit in unserer Scheinwelt versunken, dass nur noch harte Satire und massive Beispiele aus dem Alltag Grenzziehungen bewirken können.

Höhepunkt des Buches ist der Artikelautomat (mit realen Beispielen), wo beliebig gesammelte Phrasen zu kurzen und prägnanten Fachartikeln zusammengesetzt werden, ohne Fachwissen zu haben und Nachdenken zu müssen. Das kennen wir allerdings aus den alten sogenannten "Phrasendreschern", wo man in einer Schablone zwei Scheiben rotieren lässt und die Sprüche darauf verbinden kann, allerdings noch unterhaltsamer. (KT)

 

WERNER JAMMERNEGG / PETER KISCHKA (HRSG.)
Kundenorientierte Prozessverbesserungen. Konzepte und Fallstudien
Springer-Verlag, Berlin-Heidelberg 2001, 262 Seiten, DM 89.90, CHF 71.50


Das Buch fasst Ergebnisse und Erfahrungen aus den Projekten ‚Enhancing Competiviness of Smale and Medium Sized Enterprises via Innovation (ADAPT-Programm der EU und des Landes Thüringen) und "Bewertung von Geschäftsprozessverbesserungen" (Innovations- und Technologiefonds, Österreich) zusammen. Es geht um die gezielte Einbeziehung von Informationen über Kundenanforderungen und Kundenzufriedenheit als Grundlage zur Gestaltung bzw Reorganisation von Geschäftsprozessen. Im einleitenden Kapitel wird zunächst ein Modell zur Verknüpfung der Messmethoden zur Kundenorientierung und Prozessorientierung in einem kundenorientierten Regelkreis für Prozessverbesserungen vorgestellt, bevor dann detaillierter auf Ansätze und Probleme der Kundenzufriedenheitsmessung, die Identifizierung von besonders kundenrelevanten Geschäftsprozessen und schliesslich die Umsetzung der Ergebnisse in alternative Handlungsprogramme eingegangen wird. Basis dafür sind Erhebungsmethoden, die eine differenzierte Messung der Kundenanforderungen bzw Kundenzufriedenheit bezogen auf die jeweiligen Schlüsselprozesse ermöglichen.

Im 2. Teil des Buches werden dann in Fallstudien Ergebnisse aus den Modellprojekten dargestellt. Das Buch zeigt gut auf, wie durch eine geschäftsprozessbezogene Differenzierung der Kundenzufriedenheitsmessungen gezielt Ansatzpunkte für eine Prozessoptimierung gefunden werden können. Leider bleibt es durchgängig auf einer methodisch-abstrakten, wissenschaftlichen Ebene. Gerade angesichts der Zielgruppe, den kleinen und mittleren Unternehmen, hätte man sich hier eine Übersetzungsleistung gewünscht, die die Ergebnisse greifund handhabbarer gemacht hätten. So bleibt es ein Buch, das eher nur die Experten erreichen wird. (HM)

Alfred Janes / Karl Prammer / Michael Schulte-Derne
Transformations-Management. Organisation von Innen verändern
Springer Verlag, Wien / New York, 2001, 264 Seiten


Orientierung darüber zu gewinnen, welche Veränderungskonzepte Berater wie Manager in ihrer Praxis leiten und welche Optionen und Risiken sich daraus ergeben, ist zentral für das konsistente Gestalten von Veränderungen in Unternehmen - und damit für ihr Gelingen. Die Autoren leisten mit ihrem konzisen Buch wichtige und pointierte Begriffserklärungen. Insbesondere entwickeln sie als drei idealtypische Veränderungsansätze in ihrer Unterschiedlichkeit zueinander heraus: die Organisationsentwicklung (Zieloffenheit, partizipationsorientierte prozesshafte Steuerung), Changemanagement ("von aussen" vorgegebene Ziele und pointierter Zeitrahmen) und Transformationsmanagement als integrierendes Konzept, das die Eigenlogik des Systems (OE) aktiv mit externen Inputs und von aussen vorgegebenen Zielen verknüpft, den Transformationsprozess aber rekursiv steuert.

Dieser dritte Ansatz ist als Antwort auf den radikaler gewordenen und schneller zu realisierenden Veränderungsbedarf in Organisationen zu verstehen. Zugleich geht es darum, aus den in der Praxis erwiesenen Schattenseiten des OE Konzeptes (Dauer und Beharrungstendenzen) einerseits und des Changemanagement-Konzeptes (Implementierungswiderstände, übersehene Systemlogik) Impulse für das Modell des Transformationsmanagements zu entwickeln. Die theoretische Fundiertheit und die grosse praktische Erfahrung der Autoren als Berater und Gestalter solcher Prozesse macht die Lektüre dieses Buches sehr gewinnbringend.

Anhand dreier Fallstudien (Arbeiterkammer - Bayer AG Leverkusen - Daimler Chrysler AG Gaggenau) beschreiben sie jeweils drei spezifische Settings: Transformation von innen durch Strukturinputs (Organisationsdesign), durch Begleitung (Prozessdesign) und durch Reflexion, Qualifikation von "Keyplayern" (Lerndesign). Wer sich als Leser auf die differenzierten Casestudies einlässt, hat viel davon: die Autoren ergänzen die konkreten Beschreibungen von Architektur und Prozess mit den jeweils angewandten Theorien und Modellen und ihrer eigenen sowie der Auswertung des Projektes durch Kunden bzw. Auftraggeber.

Das Zusammenspiel zwischen Managern, internen und externen Beratern wird darin sehr deutlich, sehr pointiert und klar auch das Selbstverständnis und einige grundlegende Interventionen der Autoren als systemisch orientierte Berater solcher Transformationsprozesse. Daher grosse Leseempfehlung für Changemanager und Berater.

 

Marvin Weisbord/Sandra Janoff
Future Search - Die Zukunftskonferenz. Wie Organisationen zu Zielsetzungen und gemeinsamem Handeln finden.
Klett-Cotta, Stuttgart 2001, 313 Seiten


Das grundlegende Prinzip, welches Weisbord und Janoff für die Zukunftskonferenz bereits Anfang der 90er-Jahre herausgestellt haben, heisst: das ganze System in einen Raum bringen, also alle die zusammenbringen, die an der Zukunftsentwicklung und -sicherung eines Unternehmens, Krankenhäuser, einer Partei oder sozialen Institutionen arbeiten wollen und müssen. Meistens sind es Repräsentanten aller Mitglieder-Gruppen einer Institution.

Besser, die deutsche Übersetzung kommt spät, als gar nicht, denn es ist eines der wichtigen Innovationen der Nachkriegs-OE weltweit. Und dieses Konzept wurde bereits in den 80er-Jahren entwickelt und erprobt. Und heute wird es auch schon in Deutschland heftigst und weitläufig von vielen Beratern vermarktet. Die Autoren vermitteln die Methode persönlich in Veranstaltungen auch in Deutschland und Österreich. Und das sollte man geniessen, denn Weisbord ist schon einer der einflussreichsten, weil kreativsten und tiefgründigsten OE-Entwickler der letzten 30 Jahre.

Das Buch führt in die Methode ein, in einer leichten, stimulierenden Sprache und Stil, mit sehr vielen Beispielen angereichert. Und das Verfahren wird Schritt für Schritt erläutert und begründet. Am Ende wird die Logistik einer Konferenz beschrieben und im Anhang B das ausführliche Beispiel für eine Arbeitsmappe einer Konferenz gegeben.

 

STEPHAN A. JANSEN / BIRGER, PRIDDAT
Electronic Government. Neue Potentiale für einen modernen Staat
Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2001, 184 Seiten, ¤ 20.20


Die Modernisierung des Staates und der exekutiven Verwaltung wird - so die Autoren - die nächste grosse Revolution sein, die durch das Internet ausgelöst wird, nachdem sich die klassischen Marktbeziehungen durch B2C und B2B-Geschäfte bereits verändern. Insbesondere im Bereich der politischen Einflussnahme entfalten sich zahlreiche Möglichkeiten, dass Bürger direkt auf politische Entscheidungsprozesse Einfluss nehmen können, die bislang durch Formen der Repräsentation abgewickelt wurden. Auch die Verwaltungen müssen sich warm anziehen, denn durch transparente Prozesse können sich Bürger nun z.B. Online ein Bild davon machen, wie der Bearbeitungsstand ihres Anliegens ist und welche Qualitätsstandards erreicht wurden.

Natürlich bleibt das Buch überwiegend spekulativ und die Autoren sagen selber, dass viele der skizzierten Möglichkeiten der direkten Einflussnahme und des Online-Feedback auf politische und administrative Prozesse sich so nicht durchsetzen werden. Gleichwohl ist es anregend, den Text zu lesen, zumal man sich von den beiden Autoren sagen lassen muss, dass wir in Deutschland - mal wieder? - mit Überlegungen dieser Art im internationalen Vergleich Schlusslichter sind.

 

Josè-Carlos Jarillo
Strategische Logik. Die Quellen der langfristigen Unternehmensstabilität
Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, 298 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-409-12373-3

Der Autor geht der Frage nach, was den Kern einer nachhaltigen Strategie ausmacht. Er zeigt in sehr stringenter Argumentationsführung, dass diese auf irgendeiner Form von Einzigartigkeit beruht, für die Kunden bereit sind, einen entsprechenden Preis zu zahlen. Es kommt darauf an, die dieser Einzigartigkeit zugrunde liegenden Prozesse zu erkennen und weiter zu entwickeln. Sie führen zu Markteintrittsbarrieren, die auch auf Dauer den strategischen Erfolg des Geschäftes sichern. Jarillo hinterlegt seine Argumentation kenntnisreich mit zahlreichen Fallbeispielen. Er räumt zugleich mit einer Reihe von Mythen in der strategischen Planung auf. Dazu gehören häufig zu hörende Argumente für strategische Entscheidungen, wie Wachstum, Synergien oder "Lösungen aus einer Hand". Gerade in diesem Zusammenspiel von logischer Argumentation, Fallbeispielen und der Kritik an wohlfeilen Begründungen von Strategien liegt der Wert dieses Buches.

Die praktischen Hinweise am Schluss umfassen leider nur ganz wenige Seiten, hier hätte ich mir weitergehende Hinweise gewünscht. Leider ist es auch so, dass die Qualität der Übersetzung aus dem Spanischen nicht nur das flüssige Lesen erschwert. An vielen Stellen kommt mir die Übertragung als viel zu wörtlich vor. Man spürt zuweilen die fehlende detaillierte Sachkunde. Es fallen daher auch einige begriffliche Unklarheiten und Unschärfen auf. Das gilt etwa für den Massstab des strategischen Erfolges, ist es etwa die Rentabilität oder der Shareholder Value?

Noch ein weiterer Hinweis in Sachen Qualitätssicherung für wichtige Bücher. Das Stichwortverzeichnis am Schluss scheint eher nach dem Zufallsprinzip erstellt worden zu sein. Zentrale Begriffe, die im Text erscheinen (z.B. Cash Flow, S. 202), tauchen dort nicht auf, auch nicht Unternehmen, auf die beispielhaft Bezug genommen wird (Alcatel, S. 194 oder Barings Bank, S. 214). Dafür findet man aber nahe liegende Hinweise wie "Metzgereiunternehmen" oder "kalifornischer Wein" im Index. (JF)


 

Michael Faust, Peter Jauch, Petra Notz
Befreit und entwurzelt: Führungskräfte auf dem Weg zum "internen Unternehmer"
Rainer Hampp Verlag
München und Mering 2000
472 S., DM 68.05, EURO 34.80

 

In den Unternehmen wird die marktgängige, flexible Führungskraft immer mehr zum neuen Modell erklärt. Das dadurch entstehende Spannungsfeld für die Führungskräfte kann grösser kaum sein. Einerseits können sie an dem persönlichen Nutzen der neuen Rollenkonzeptionen für das eigene Fortkommen zweifeln, weil die bekannte Kaminkarriere in abgeflachten Hierarchien immer unwahrscheinlicher wird und nicht wenige Manager selbst Opfer der Rationalisierungsmassnahmen werden. Andererseits können sie sich als neue Heroen des Unternehmens feiern lassen, weil sich den "Unternehmern im Unternehmen" ganz neue Einflussmöglichkeiten bieten.

Berater erleben in Reorganisationsprojekten immer wieder diesen Zwiespalt der Führungskräfte und müssen sich auf deren Ängste, Hoffnungen und Erwartungen einstellen. Das Buch von Michael Faust, Peter Jauch und Petra Notz ist eine grossangelegte Untersuchung über den Wandel des mittleren Managements von einem fachlichen und sozialen Puffer zwischen Topmanagement und Produktion hin zu internen Unternehmern. Sie knüpfen mit dieser Untersuchung an die Studie von den SOFI-Wissenschaft-lern Martin Baethge, Joachim Denkinger; Ulf Kadritzke (1995) über leitendende Angestellte, der Arbeit von Hermann Kotthoff (1997) über Führungskrafte im Wandel der Firmenkultur und Peter Walgenbach (1994) über das mittleres Management an.

Im Mittelpunkt der Arbeit der drei Tübinger Wissenschaftler steht die Veränderung in der Arbeitswelt von Führungskräften: Wie nehmen die Führungskräfte den Wandel der Anforderungen wahr? Wie bewerten sie ihre Arbeits- und Berufssituation und deren Veränderung? Wie werden die beruflichen Anforderungen in die übrigen Lebensbereiche integriert? Entstehen durch die Anforderungen neue Formen der Interessensvertretung? (S. 15)

Die Autoren arbeiten mit einem für die Industriesoziologie eher ungewohnten Mix aus quantitativen und qualitativen Methoden. Die Grundlage der Studie bilden dabei Expertengespräche, Interviews mit Führungskräften aus vier Unternehmen und eine schriftliche Befragung von rund 1000 Führungskräften. Während die qualitativen Interviews teilweise tiefe Einblicke in die Denkweise des mittleren Managements vermitteln, erschliesst sich der Nutzen der quantitativen Auswertungen nicht sofort ö ein Problem, das auch von dem Autorenteam thematisiert wird.

Durch das Buch wird in verschiedenen Facetten deutlich, wie sich der "implizite Vertrag" zwischen Unternehmen und Führungskräfte verändert. Der "Organization Man", den der amerikanische Soziologe Whyte in den fünfziger Jahren beobachtete, konnte sich noch auf einen "impliziten Vertrag" zwischen ihm und dem Unternehmen verlassen und brauchte nicht alle Leistungen und Gegenleistungen vollständig vertragsförmig und formell festzulegen. Er konnte darauf setzen, dass seine Rücksichtsnahme auf kurz-fristige Anforderungsveränderungen des Unternehmens langfristig durch eine Karriere belohnt werden würde.

Unter Bedingungen einer zunehmenden Vermarktlichung der internen Unternehmensprozesse geht das Vertrauen, dass die wechselseitige Verpflichtung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern auf eine langfristige Beziehung angelegt ist, verloren. Immer mehr Mitarbeiter gehen dazu über, kurzfristige Berechnungen im Verhältnis zum Unternehmen anzustellen (S. 112) Das Buch liefert insgesamt keine nennenswerten Ðberraschungen, erstellt dafür aber ein sehr komplexes und materialreiches Bild der deutschen Führungskräfte. Wenn man sich das Denken, Handeln (und Fühlen) von mittleren Führungskräften wissenschaftlich fundiert erschliessen will, wird man an diesem Buch nicht vorbeikommen.

 

TORBEN ELGAARD JENSEN/ANN WESTENHOZ, EDS.
Identity in the Age of the New Economy. Life in Temporary and Scattered Work Practices
Edward Elgar Publishers, Cheltenham 2004, 162 Seiten, GBP 39.95, ISBN 84376 639 6


Die Diskussion um die Lebens- und Arbeitsformen in einer vernetzten Wissensökonomie besteht vielfach aus Mythen und Folklore. Die in diesem Band versammelten Autoren greifen einige dieser Aspekte auf und versuchen, basierend auf empirischen Untersuchungen und Fallstudien, etwas mehr Licht dort hineinzubringen. Sie zeigen insbesondere, dass durch Institutionen immer weniger Sinn, Kontinuität und Identität vermittelt wird. Menschen werden so gezwungen, sich ihren Daseinsrisiken zu stellen und aus eigener Kraft ihre Identität und ihr Selbstverständnis zu entwickeln, gleichsam um von sich eine kohärente Geschichte erzählen zu können. Das ist die zentrale Widersprüchlichkeit, Sinn und Kontinuität in der Diskontinuität zu finden, um die sich die Beiträge immer wieder drehen.

Besonders eindrucksvoll kommt diese Problematik in Fallstudien der Autoren zum Ausdruck, wo sie den veränderten Beschäftigungsverhältnissen von freiberuflich Beschäftigten nachgehen. Um der Isolation und Vereinsamung zu entgehen, sind neue Formen der Organisation, wie insbesondere hilfreiche Netzwerke, notwendige und tragfähige Alternativen. Ihre Funktionsgesetze und Dynamiken werden im Band gleichfalls an Fallbeispielen untersucht. Insgesamt ein schmaler, aber lesenswerter Band, der sich an Leser wendet, die sich mit Veränderungen von Organisationen und Gesellschaften befassen. Sie werden hier mit den existentiellen Folgen dieses Wandels konfrontiert, mit ihren Auswirkungen auf individuelle Risiken und Formen ihrer Verarbeitung. (JF)


Roswita Königswieser / Uwe Cichy/ Gerhard Jochum (Hrsg.)
SIMsalabim, Veränderung ist keine Zauberei. Systemisches Integrations Management
Klett Cotta, Stuttgart 2001, 300 Seiten

Wie im Artikel von Heitger/Doujak in diesem Heft liegt der Fokus des Buches auf der Verknüpfung von vorgeblich "weichen" Organisationsentwicklungsprozesen mit "harten" Rationalisierungsprojekten. Vorgestellt wird das Modell des Systemischen IntegrationsManagements als ein ganzheitliches Veränderungskonzept, das in wesentlichen Zügen in der Auseinandersetzung und Reflexion des Unternehmensentwicklungsprozesses bei der swb AG, Bremen, entwickelt wurde (Ein diesbezügliches Kapitel des Buches wurde in Heft 1/00 der ZOE schon vorab veröffentlicht - Königswieser/Jochum: Die Vertreibung aus dem Paradies). Im SIM-Modell wird das Dreieck der Unternehmensentwicklung mit den Polen Strategie - Struktur - Kultur verknüpft mit Visionsarbeit und dynamischen Prozessschleifen, in denen die unterschiedlichen Prozessperspektiven zusammengeführt und ausgetauscht, Hypothesen zur Unternehmenssituation entwickelt und daraus Interventionen abgeleitet werden.
Insgesamt bietet das empfehlenswerte Buch eine gute Mischung aus konzeptionell-theoretischer Darstellung und Reflexion der Praxiserfahrungen aus unterschiedlichen Change-Management-Projekten. Ausführlich wird auch auf die Bedeutung insbesondere der analogen Interventionen eingegangen: so ist auch jedes Kapitel in einen "märchenhaften" Kontext gestellt. Dennoch ein Kritikpunkt: der Fragebogen zur SIM-Tauglichkeit (S. 249 f.) fällt nicht nur etwas holzschnittartig aus, die Auswertung ist auch unsinnig. (HM)

 

Emmanuel Josserand
The Network Organization. The Experience of Leading. French Multinationals
Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2004, 172 Seiten, ISBN 1-84376-594-2

Diese Monographie verbindet in anregender Weise einen kohärenten Ansatz der Theorie von Netzwerken als ein modernes Organisationskonzept mit praktischen Fallstudien aus französischen Grosskonzernen. Der Autor entfaltet dieses Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis in unterschiedlichen Facetten, etwa den Prozessen der Entscheidungsbildung, dem Zusammenspiel von Zentrale und dezentral handelnden Akteuren oder Entstehung von Innovationen. Besonders gelungen ist das Kapitel, das sich mit der Logik von Austauschbeziehungen beschäftigt und nachzeichnet, wie sich in Prozessen der Selbstorganisation Communities bilden, die Probleme aufgreifen und geräuschlos lösen, die Wissen generieren und umschlagen oder die benötigte Ressourcen aktivieren und umleiten. In seinen Fallbeispielen zeigt der Autor sehr differenziert, dass sich in den untersuchten Unternehmen jeweils spezifische Formen des Zusammenspiels mit etablierten organisatorischen Mustern und Netzwerken herausbilden. Das Buch ist kompakt gehalten und der Autor bleibt in seinen Darstellungen erfreulich anschaulich. (JF)

 

William Joyce/ Nitina Nohria/ Bruce Robertson
Wie erfolgreiche Unternehmen arbeiten- Die 4 + 2 Formel für den nachhaltigen Erfolg
Verlag Klett Cotta, Stuttgart 2005, 312 Seiten, Euro 29.50, ISBN 3608940812

Irgendwann entschliesst sich offenbar jeder Berater oder Theoretiker auf oder nach dem Höhepunkt seiner Erfolge, seinen Mitmenschen mitzuteilen, worauf es ankommt und welche Patentrezepte wirklich funktionieren. Der vorliegende Band kann sich dabei allerdings auf eine grosse Datenbasis beziehen. Was macht nun erfolgreiche Unternehmen aus? Eine klare Strategie, ihre Umsetzung, Leistungsorientierung und Flexibilit&äuml;t in der Organisation, hinzu kommen Personalentwicklung, engagierte Führungskr&äuml;fte, Innovationskompetenz und tragf&äuml;hige Kooperationen. Von den letztgenannten Faktoren reichen zwei für den Erfolg aus, die ersten vier Disziplinen müssen alle realisiert werden. Das Ergebnis kann eigentlich nicht überraschen, PETERS und WATERMAN vor 25 Jahren klangen &äuml;hnlich, die Erfolgsfaktoren-Forschung heute geht in die gleiche Richtung. So kann man das Buch getrost lesen, nickt immer wieder zwischendurch und denkt, dass einem das alles irgendwie bekannt erscheint. Die Lektüre f&äuml;llt leicht, weil die Sprache anschaulich bleibt und die Autoren zahlreiche Fallbeispiele einpflegen, die das Gesagte veranschaulichen. (JF)




MICHAEL GREILING/CAROLIN JÜCKER
Strategisches Management im Krankenhaus. Methoden und Techniken zur Umsetzung in der Praxis
Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2003, 153 Seiten, Euro 22.-, ISBN 3-17-017877-6

Die Unternehmensberater stellen aufgrund eines durchgeführten Workshops zur Standortbestimmung eines Projektkrankenhauses mit den Methoden des strategischen Managements dar, was unternommen werden muss, um Krankenhäuser wettbewerbsfähig zu machen. Denn das ist die noch vor wenigen Jahren undenkbare Situation der meisten Kliniken, ob privat organisiert oder öffentlich verwaltet: Sie waren nur selten strukturellen Veränderungsanforderungen ausgesetzt.
Die ersten 38 Seiten skizzieren die veränderten Einflussfaktoren auf die Krankenhauswirtschaft, beispielsweise die demografische Entwicklung oder das System der DRG (disease related groups), also die abrechnungstechnischen Gruppen von Behandlungsfällen. Dieses Kapitel ist viel zu komplex und grob, um Unerfahrenen Hilfe zu bieten und zu kurz, um Experten nützlich zu sein.
Dann geht es mit dem System los, bis zur Seite 106. Hier geht es aber mehr um den Prozess und die Techniken. Kaum etwas verlautet über die neuen Ansätze des strategischen Managements, das nämlich mit der gesamten Führung durchzuführen. Das ist aber gerade in den hierarchiegewohnten und widerständigen Chefärzten ein zentrales Problem. Nebenbei wird kräftig Werbung für die Software zur Abwicklung der strategischen Entwicklung gemacht.
Und auf den letzten 26 Seiten wird der Inhalt und der Prozess eines 2-tägigen Workshops dargestellt. Hieraus können interne und externe Berater bzw. Moderatoren noch die nützlichsten Informationen ziehen.
Insgesamt gibt das Buch einen ersten groben Überblick, blendet aber die entscheidenden Probleme des Prozesses des Strategie-Entwicklung aus. Hinzu kommt, dass die Abbildungen von miserabler Qualität, d.h. oft kaum lesbar sind. Das Buch taugt also zur ersten Einführung für diejenigen, die noch keine Erfahrung mit dem strategischen Management haben. Für alle anderen Leser ist der Erkenntnisgewinn zu gering. (KT)

 

Sven Junghagen/ Henrik Linderoth, EDS.
Intelligent Management in the Knowledge Economy
Edward Elgar Publishing Ltd., Cheltenham 2003, 295 Seiten, Euro 59.95

Das Thema Wissensmanagement ist mittlerweile doch ziemlich erschöpft, so sollte man meinen. Der vorliegende Band, eine Aufsatzsammlung vornehmlich von skandinavischen Experten, bringt aber dennoch einige neue Ansätze in die ausgeuferte Diskussion. Ein Teil der Aufsätze beschäftigt sich mit sehr grundsätzlichen philosophischen Fragen der Wissensökonomie und ihrer Auswirkungen auf Organisation und Führung. Ein weiterer Abschnitt nimmt die Wissensformen von Organisationen, die sich an ihren Grenzen und jenseits ihrer Grenzen bilden, ausführlicher ins Visier, insbesondere Lieferanten- und Kundennetzwerke, die gleichfalls zum Wissenskapital gezählt werden müssen. Ein weiterer Teil untersucht die Nutzungsmöglichkeiten moderner Informationstechnologie für die Nutzung der organisatorischen Wissensbasis. Die Autoren sind, wie gesagt, vornehmlich Experten aus Skandinavien, insofern enthält der Band auch Anregungen und Ausführungen aus einer Bezugswelt, die uns nicht so geläufig ist.

 

Christof Baitsch, Ines Delbrouck, Karin Jutzi (Hrsg.)
Organisationales Lernen. Facetten aus Theorie und Praxis

Rainer Hampp Verlag
München und Mering 1999
106 S., DM 34.80

In diesem 9. Band der Schriftenreihe "Arbeit, Organisation und Personal im Transformationsprozess" werden Beiträge einer Fach-tagung des Projektes Lernmobil der TU Chemnitz präsentiert.

Der Ansatz ist interessant: die klare Abgrenzung des organisationalen Lernens vom Lernen der Individuen in der Organisation und die Fokussierung auf Klein- und Mittelbetriebe. Da werden differenzierte Lernkonzepte vorgestellt, es wird mit Mythen der Lernenden Organisation abgerechnet, und es werden Fragen aufgenommen, die sonst meist euphorisch übergangen werden. Wie initiiere ich ein Lern-Projekt in einem Unternehmen, wenn das ganze Unternehmen nur die Grösse einer Projektgruppe hat? Was, wenn personelle und materielle Ressourcen direkt aus den zentralen Geschäftsbereichen abgezogen werden müssen, weil das Unternehmen klein ist und die meisten Funktionen in Personalunion wahrgenommen werden?

Ein Wermutstropfen ist die schwere Lesbarkeit der Texte. Hier waren Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen am Werk, und sie sind leider bei ihrer innenorientierten Sprache geblieben. Um zu verstehen, muss man schon wissen... Schade, damit bleibt gerade die Zielgruppe der beschriebenen Forschung, die pragmatisch orientierten Klein- und Mittelbetriebe, aussen vor.