Rezensionen 'I'

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Dieter Ibielski (Hrsg.)
Handbuch der Unternehmensberatung (HdU). Ergänzbares Informationswerk für Unternehmen und Organisationen der Wirtschaft, für Berater und Beraterverbände
Erich Schmidt Verlag, Berlin 3. Lieferung 2000, 1382 Seiten, DM 128.- 

Dieses Loseblattwerk dokumentiert seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich die Neuerungen, Hinweise, Tätigkeiten und Veränderungen auf dem Beratungsmarkt. Es hält primär längerfristig wahrnehmbare Entwicklungstendenzen fest. Dementsprechend werden insbesondere die «Grundsätze ordnungsmässiger Aufbauberatungen» der Vereinigung beratender Betriebs- und Volkswirte abgedruckt; es wird der «Consulting-Lehrgang» an der Universität des Saarlandes bekannt gemacht, der Verband Freier Berater «Die KMU-Berater» vorgestellt, gleichermassen die «European Federation of Engineering Consultancy Associations». Neben anderem dürfte darüber hinaus die Wiedergabe des österreichischen Befähigungsnachweises für das Gewerbe der Unternehmensberater auf Interesse stossen. Ferner wurden die Selbstdarstellungen von Beratervereinigungen und Verbandberatungsdiensten sowie der Anschriftenteil umfangreich aktualisiert.

Dieses Handbuch kann als Standardwerk bezeichnet werden, weil es eine enorme Fülle von Daten zusammenstellt und sehr nützliche Hinweise gibt. Andererseits ist es - auch gemessen an den Anforderungen für unser Veränderungsberatungs-Fach - doch sehr lückenhaft. So wird nur A. Schreyögg's Buch zum Coaching genannt und nicht das viel profundere von W. Looss (in 2. Auflage erschienen). Bei der Vertragsfrage geht es vorwiegend juristisch zu. Von Rollenklärung und psychologischem Kontrakt keine Spur. Aber es werden auch Ausbildungslehrgänge, Akquisitionstechniken, Beratungspsychologie u.a. behandelt. Nicht immer sehr profund, aber doch anregend. Es sind auch Beratungsbeispiele aufgenommen, aber eher im klassischen Bereich der Unternehmensberatung.

Ich bin nicht unentschieden in der Bewertung, auch wenn es so klingen mag. Die frühere Ausgabe habe ich gekauft und würde es wieder tun. Wohl wissend, dass ich für meine OE- und UE-Beratung Vertiefendes und Spezifisches woanders suchen muss.

 

Hermann Iding
Hinter den Kulissen der Organisationsberatung. Qualitative Fallstudien von Beratungsprozessen im Krankenhaus.
Leske+Budrich, Opladen 2000, 238 Seiten, DM 36.-

Hermann Idings Buch über zwei OE-Projekte im Krankenhaus unterscheidet sich von der Selbstdarstellungsliteratur in erfrischender Weise. Während andere Darstellungen dieses WHO-Projekts zur «Gesundheitsförderung durch Organisationsentwicklung» bis auf eine Ausnahme durch Erfolgsmeldungen glänzen, analysiert Iding in seinem Buch, wie problematisch die Kopplung von OE- und Projektmanagement im Krankenhaus sein kann. Im Detail wird geschildert, wie zwei Beratungsprozesse an den Machtspielen der beteiligten Akteure aus Pflege, Medizin und Verwaltung sowie den involvierten Beratern scheitern.

Aber das Buch leistet noch mehr: Systematisch werden die blinden Flecke in den Ansätzen der OE und der systemischen Beratung herausgearbeitet. Anhand der beiden Fallbeispiele zeigt Iding, dass der idealistische, reedukative Ansatz der OE die Ungleichheit zwischen den beteiligten Mitarbeitern verschärft anstatt diese aufzuheben. Als besonders problematisch erwies sich dabei der hierarchiekritische Impetus der OE-Berater, der zu latentem Widerstand des Managements führte und die beteiligten Mitarbeiter über die Partizipationsmassnahmen teilweise ins offene Messer der nach wie vor existierenden Hierarchie laufen liess.

Iding würdigt die Fortschritte der systemischen Beratung gegenüber der klassischen OE. Seine These jedoch ist, dass die systemischen Berater die systemische Familientherapie von Selvini Palazzoli nur halbiert in eine Theorie der Beratung überführt haben. Sie hätten lediglich die Phase des «systemisch-holistischen Reduktionismus» übernommen. Eine Phase, in der die systemische Familientherapie Fragen nach der Systemgeschichte, der Macht und den Subjekten ausgeblendet hatte. Durch die halbierte Übertragung wiederholen sich nun diese Unzulänglichkeiten in einer systemischen Theorie der Beratung. Systemische Berater würden sich deshalb häufig nur für das Regelsystem des Hier-und-Jetzt interessieren und sich darauf konzentrieren, wie sie dieses Regelspiel beispielsweise durch Bombenabwurf mit einer paradoxen Intervention verstören könnten. Theoretisch sieht Iding einen Lösungsweg in der Metapher des Spiels, die er für einen mikropolitischen und strukturationstheoretischen Ansatz der Beratung nutzbar macht und ausformuliert.

Angesichts der berechtigen Kritik, wäre es jetzt jedoch ein Fehler, in die personenzentrierten Ansätze der frühen OE zurückzufallen. In der Zwischenzeit ist zweierlei deutlich geworden: Der Hebel von Organisationsveränderungen über Personen ist schwach und die personenzentrierten, reedukativen Ansätze sind kaum mit dem Humanisierungspostulat der OE vereinbar. Als Zielrichtung einer organisationstheoretisch aufgeklärten Beratung zeichnet sich deshalb immer deutlicher ab, dass es darum geht, Interventionen an den Organisationsstrukturen ansetzen zu lassen, dabei aber die Interessensgegensätze und Machtspiele im Auge zu behalten.

Genau dafür bietet Idings Buch mit der Entwicklung eines mikropolitischen Beratungsansatzes erste wichtige Überlegungen. Er setzt bei der Metapher des Spiels an und überträgt sie strukturationstheoretisch auf den Beratungsprozess. Dabei konzipiert er den Berater als einen «Metaspieler»: Dieser ermöglicht durch die Metakommunikation der Akteursstrategien eine Veränderung in der wechselseitigen Wahrnehmung und erweitert so die Kontingenz im Entscheidungsprozess. Hierdurch erhöht der Berater die Wahrscheinlichkeit, dass die beteiligten Akteure ihre Routine- durch Innovationsspiele teilweise ersetzen oder ergänzen

Mit der Prägnanz dieser Konzeption wird nun aber der Ausgangspunkt der Idingschen Darstellung selbst problematisch: Durch die Übertragung einer strukturationstheoretischen Mikropolitik auf Beratung wird auch Idings Bewertung von Beratungsprozessen als «gescheitert» hinfällig. Was aus der Sicht des einen Akteurs eine gescheiterte Massnahme gewesen ist, kann aus der Perspektive eines anderen Spielers sehr wohl gelungen sein. Mit dem Abschied von den zweckrationalen Organisationsmodellen verschwinden letztlich auch die simplen Vorstellungen von Erfolg und Misserfolg und eröffnen Raum für so eine paradoxe Formulierung wie die der «erfolgreich gescheiterten Beratungsprozesse».


 

Christoph Innerhofer / Paul Innerhofer / Ewald Lang
Leadership Coaching. Führen durch Analyse, Zielvereinbarung und Feedback
Luchterhand-Verlag, Neuwied 1999, 220 Seiten.

In den letzten Jahren hat das Thema Mitarbeitergespräche im Kontext der Führungsdebatte immer mehr an Bedeutung gewonnen - sieht man doch hier einen der Schlüsselfaktoren, mit deren Hilfe es gelingen kann, Leistungsressourcen und -potentiale der Mitarbeitenden auszuschöpfen, von denen der Unternehmenserfolg in einem schärfer gewordenen Wettbewerbsumfeld abhängig ist. Um Gespräche mit den Mitarbeitenden geht es im Kern auch im Führungskonzept der Autoren, das sie "Leadership Coaching" benennen und das aus einer Abfolge von aufeinander abgestimmten Gesprächen besteht:

(1) den Analysegesprächen, bei denen es darum geht, genaue Informationen über die Arbeit des Mitarbeiters und über dessen Prozesse zu gewinnen und sich somit ein Verständnis für das Aufgabengebiet des Mitarbeiters zu erarbeiten

(2) den Zielvereinbarungsgesprächen, bei denen es um die gemeinsame Erarbeitung von Zielen und das Transparentmachen der Anforderungen geht

(3) den eigentlichen Coaching-Gesprächen, in denen es um Prozess-Reflexion, Feedback und Beratung geht.

Durch die gut strukturierte Darstellung der jeweiligen Gesprächsformen und die fundierten Frage-Leitfäden und Checklisten zur Vorbereitung und Gestaltung der jeweiligen Gespräche mit ihren differenzierten Unterformen ist das Buch ein hilfreicher und nützlicher Ratgeber für die Praxis. Das Buch verzichtet leider auf jeglichen Literaturhinweis, obwohl vieles ja durchaus auch geistige Quellen hat, zu denen man auch stehen sollte. Schliesslich ist dies auch ein Akt der Wertschätzung gegenüber den Vordenkern und ein Service für die Lesenden.

Hans Joachim Sperling/ Peter Ittermann
Unternehmensberatung – eine Dienstleistungsbranche im Aufwind
Rainer Hampp Verlag, München/Mering 1998, 87 Seiten, DM 29.80

Die vorliegende Studie gibt einen Überblick über Strukturen, Akteure und Perspektiven der Wirtschaftsbranche Unternehmensberatung, eines boomenden Dienstleistungsbereiches, der in der Vergangenheit häufig als intransparent galt und in der Öffentlichkeit nur wenig Akzeptanz fand. Anbieter und Angebote werden ebenso skizziert wie neue Beratungsbedarfe und Beratungskunden. Darüber hinaus sind Trends zur Organisierung und Professionalisierung der Unternehmensberatung und Aspekte einer zunehmenden Regulierung dargelegt.

Sehr lakonisch wird erwähnt, dass es eine Theorie der Beratung noch nicht gibt. Aber offensichtlich schadet das den Umsatzsteigerungen und Erfolgen nicht. Und auch eine Professionalisierung fehlt, und dennoch boomt das Geschäft.

Abschliessend werden Effektivität, Effizienz und Qualität von Beratungsprozessen thematisiert und zukünftige Felder für wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Beratungsforschung umrissen.

Insgesamt ist es ein kleines aber feines Bändchen, d.h. es gibt – locker geschrieben – in wesentlichen Punkten Auskunft über diese Dienstleistung und bietet vielfältige Anreize, die Kenntnisse mit anderen Quellen zu vertiefen. Es fasst das Wesentliche zusammen und informiert durch klare Aussagen.