Rezensionen 'H'

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Peter Heimerl
Zur expeditionalen Organisationsentwicklung

Haupt 2009, 329 Seiten, Euro 29, ISBN 978-3-258-07458-0

Der Inhalt des Buches: Der Fortschritt in der Organisationsentwicklung ist mit Paradigmenwechseln verbunden. Mit dem (tayloristischen) Bild der Organisation als Maschine ist die Suche nach allgemein gültigen Regeln für optimales Organisieren verbunden. Die klassische OE arbeitet demgegenüber mit dem Bild des Organismus, der die für sich optimale Umweltanpassung zu entwickeln sucht. Im Kern geht es dabei um die Schaffung optimalen Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterschaft als Träger dieser Identität. Mit der systemtheoretischen Wende – im Gefolge von Luhmann et. al. – findet die OE zum Bild des (hochkomplexen) Spiels: So bestehen Spiele nicht aus Spieler(innen), brauchen diese aber, um sich spielen zu können. Es gibt Regeln, diese sind aber meist nicht explizit oder nicht durchschaubar. Organisationen prozessieren Entscheidungen, Spielzügen gleich. Der Sinn des Spiels wird von den Spielern unterschiedlich erlebt und von außen möglicherweise gar nicht verstanden. Dies wird als theoretisch überzeugend gewürdigt. Für die Praxis der Beratung ist dieses Bild jedoch zu einseitig, denn Beratung zielt meist doch auf verändertes Handeln von Individuen – muss also bei „den Menschen“ ansetzen – und ist Zielen wie der Steigerung des Kundennutzens verpflichtet, die keineswegs als beliebig erlebt werden. Praxisgerechter ist das Bild der Expedition. Dieses erlaubt es, Problemlösungsdruck und Zielorientierung sowie Führungshandeln und Verantwortung greifbarer darzustellen – unter Einbezug der Verstrickung in eigene Entscheidungen, die unter großer Unsicherheit in hochkomplexen Situationen getroffen werden müssen.

Diese wichtige Konklusion wird leider nur ansatzweise ausgearbeitet. Das Buch überzeugt jedoch als Orientierungshilfe für diejenigen Berater, welche die konzeptionelle Fundierung ihrer systemisch ausgerichteten Arbeit ernst nehmen und diese für sich oder mit ihren Kunden klären wollen. Besonders gelungen ist die vereinfachte Darstellung vieler theoretischer Fragestellungen. Ein besonderes Lob gebührt dem Autor auch für eine einfache, anregende Sprache sowie die insgesamt gute Lesbarkeit des Buches. (MK)

 

 

Norbert Häring/Olaf Storbeck
Ökonomie 2.0
99 überraschende Erkenntnisse
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2007, 217 Seiten, Euro 14.95, ISBN 978-3-7910-2635-0

 

Umso mehr sich die VWL von dem Menschenbild des homo oeconomicus entfernt, umso eher wird sie ein Teil der Sozialwissenschaften. Und dann wird die Wirtschaftswissenschaft spannend, weil das auch mit der Erneuerung der Disziplin einhergeht.

In diesem Buch präsentieren die Autoren als Wirtschaftsjournalisten (Teile sind bereits im Handelsblatt erschienen) aktuelle Forschungsergebnisse, ohne theoretischen Ballast und Fachjargon. Es werden wirklich hochinteressante Erkenntnisse präsentiert, die wir hier nur in Form von Fragen darstellen können:

Warum wird in Kindergärten das verspätete Abholen der Mütter zunehmen, wenn Strafgebühren dafür erhoben werden? Warum sind die Ärmsten der Armen in der Dritten Welt die größten Gewinner der Globalisierung? Was können Manager von Herzchirurgen lernen? Dabei geht es um die Risiken des Outsourcing. Warum korrigieren gute Manager so ungern eigene Fehler? Warum sollte man vor sehr guten Finanz-Analysten auf der Hut sein? Und manchmal geht es noch provozierender zu: Warum lohnt es sich, Frauen weniger zu bezahlen und warum lassen die sich leichter über den Tisch ziehen?

In 15 Kapiteln werden so ca. 60 Forschungsergebnisse dargestellt, meistens eben spannend, überraschend und vielfach Aha-Erlebnisse auslösend.

Der Stil ist sehr angenehm, weil er so lebendig und illustrativ ist. Nur der Titel stört mich, weil eine neue Sicht ja nicht gleich zu extremen Konnotierungen verpflichtet. Das Buch eignet sich für die private Lektüre oder für Zitate in beruflichen Veranstaltungen, ist also unbedingt empfehlenswert. Zu jedem Kapitel werden auch die relevanten Literaturquellen angegeben. (KT)

 

Walter Häfele (Hrsg)
OE-Prozesse initiieren und gestalten
Ein Handbuch für Führungskräfte, Berater/innen und Projektleiter/innen
Paul Haupt Verlag, Bern/Stuttgart 2007, 350 Seiten, Euro 32, ISBN 978-3-258-07152-7

 

In unseren Zeiten, wo nur noch ganz wenige Bücher zur Organisationsentwicklung (OE), wohl aber zum Change Management erscheinen, darf man schon gespannt sein, wie das Buch die Entwicklung der OE verarbeitet und neue Perspektiven durch den Systemischen Ansatz aufzeigt.

Um es gleich vorweg zu sagen: Beide Hoffnungen werden enttäuscht. Es ist ein Buch zur OE, wie es schon viele gibt, wenngleich dies deutlicher von den Praxiserfahrungen des Herausgebers und seiner Ideelieferanten lebt als andere Bücher vorher. Insofern ist ein solides Buch über die Initiierung und Gestaltung von OE-Prozessen entstanden, was für Anfänger durchaus lesenswert ist, mit den Anleitungen und Fallstudien.

Aber: Die Veränderung der OE von der OE I zur OE II (Change- bzw. Veränderungsmanagement) wie ich das nennen würde und was in dieser Zeitschrift skizziert wurde, wird schlicht ignoriert. Offensichtlich leben die Autoren noch in einer heilen, geschäftssichernden Welt, in der radikale Veränderungen in der OE nicht aufgegriffen werden. Dabei richtet sich der Herausgeber wohl auch an den Bedürfnissen einer spezifischen Kundengruppe aus. Es wird ja bei der Verlagsausgabe das Beratungs- und Trainings-Unternehmen des Herausgebers hinzugefügt.

Es ist modern, heute alles als systemisch zu kennzeichnen, um zu zeigen, dass man auf der Höhe der Zeit ist. Aber den systemischen Ansatz auf 20 – 25 Seiten einleitend und oberflächlich abzuhandeln und dann im restlichen Text nicht mehr deutlich aufzugreifen, passt genau in die Segmente einer Community, die die Etiketten zum Marketing braucht.

Zudem durchzieht das Buch ein Persönlichkeitsansatz, nicht mal die Problematisierung des Spannungsfeldes von Person und Organisation/System. Auch das ist Kultur dieser spezifischen Community.

Also: Es ist kein Buch, dass die OE weiterführt, renoviert oder problematisiert. Es ist ein zugängliches Handbuch und hilft, die OE zu entdecken und anzuwenden. Aber aufgrund der durchscheinenden Vermarktungsdynamik ist es eher konservierend angelegt, statt auf die Zukunft ausgerichtet zu sein. (KT)

 

Martin Hillenbrand/Ebru Sonuc/Roswita Königswieser (Hrsg)

Essenzen der systemischen Organisationsberatung

Konzepte, Kontexte und Kommentare

Auer-Verlag, Heidelberg 2006, 238 Seiten, Euro 29.95, ISBN 3-89670-522-9

 

Das Buch ist eine Hommage an Roswita Königswieser, eine der profiliertesten systemischen Organisationsberaterinnen im deutschsprachigen Raum. Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter ihres Netzwerkes haben elf Artikelbeiträge zusammengestellt, die Roswita Königswieser allein oder mit Co-Autoren in den 90er-Jahren veröffentlicht hat, darunter weitgehend bekannte wie die zur Interventionsarchitektur und zum systemischen Integrationsmanagement, aber auch Beiträge, die mir z.B. neu waren, wie die über Konfliktintervention oder zum Thema Frau als Trainerin.

Was den besonderen Reiz der Zusammenstellung ausmacht ist, dass die Herausgeber andere Manager, Berater und Wissenschaftler gebeten haben, diese Artikel jeweils zu kommentieren: Thomas Sattelberger, Fritz B. Simon, Ursula Gessner, Gerhard Jochum, Dirk Baecker, Herbert Demel, Thomas Keller, Traugott Lindner, Jürgen M. Pelikan, Michael Mohe, Matthias Varga von Kibed und Guido Sollors. – Namen, die erwarten lassen, dass nicht einfach nur Lobsprüche kommen, sondern eigenständige, gelegentlich auch widersprüchliche Aussagen zum jeweiligen Thema. Sicher ein Reiz ist dabei auch, die Erkenntnisse von vor ca einer Dekade mit Sichtweisen von heute zu konfrontieren. Ob das jetzt gleich die Essenzen der systemischen Organisationsberatung sind, wie der Titel suggeriert, lasse ich mal dahingestellt (der Subtitel scheint mir hier treffender) – das Buch ist sicherlich kein Muss, aber es liest sich ganz gut und es ist anregend. (HM)

 

ELISABETH HABERLEITNER / ELISABETH DEISTLER / ROBERT UNGARI
Führung, Fördern, Coachen. So entwickeln Sie die Potentiale Ihrer Mitarbeiter
Wirtschaftsverlag Carl Uebereuter, Frankfurt/Wien 2001, ISBN 3-7064-08163, 248 Seiten


Die Führungskraft als Coach ist inzwischen ein weitverbreitetes Leitbild, wenn es um Anforderungen an moderne Mitarbeiterführung geht. Schwierig ist - wie immer - dies dann auch zu leben. Hier können Führungskräfte das Buch der österreichischen Coaching-Experten mit einigem Gewinn lesen, weil es eine sehr praxisnahe Einführung in die Art und Weise ist, wie man als Führungskraft seine Mitarbeiter durch Coachen fördern und entwickeln kann. Dass es trotz Praxisbezug nicht oberflächlich wird, dafür sorgen die AutorInnen, in dem sie den Praxiskapiteln zwei Grundsatzkapitel über Grundannahmen im Coaching und über Grundhaltungen voranstellen, und auch explizit empfehlen, diese vorab zu lesen, weil die Anwendung der Werkzeuge allein ohne entsprechende Einstellungen die gewünschten Wirkungen nicht hervorrufen würde.

In den Praxiskapiteln "Werkzeuge", und "Aus der Praxis" wird dann an vielen Beispielen eine wirkungsvolle Gesprächsführung erläutert und die Schwierigkeiten reflektiert, die in Coaching-Prozessen entstehen können. Durch die ausführliche Darstellung möglicher Fragen zum Kontext, zu den Beschreibungen und Wertungen, zu den Zukunftsentwürfen etc, die dann zusätzlich auf einzelne Phasen des Coaching-Prozesses bezogen werden, erhält das Buch stellenweise den Charakter eines Leitfadens - sicherlich zum Nutzen der Führungskräfte, die sich in die Lektüre dieses Buches vertiefen, das sich, ganz nebenbei bemerkt, auch noch sehr flüssig liest. (HM)

 

Björn Hackert
Kooperation in Arbeitsgruppen
Erich Schmidt-Verlag, Berlin 1999, 240 Seiten, DM 78.–/SFr. 70.50/ÖS 569.–

So sehr Gruppen- und Teamarbeitskonzepte in der Praxis diskutiert werden, so dürftig ist nach wie vor ihre theoretische Untermauerung. In der Organisationslehre und -forschung überwiegen sozialpsychologische und verhaltenswissenschaftliche Ansätze. In seiner Dissertation stützt sich der Autor auf den neuesten Erkenntnisstand spieltheoretischer und institutionenökonomischer Modellierungen und entwickelt eine ökonomische Analyse der Kooperation, um fundierte Aussagen über Einflussfaktoren und Bedingungen zu erhalten, unter denen betriebliche Gruppenarbeit zur Effizienzsteigerung beiträgt.

Auch wenn der Autor am Ende seiner Arbeit Empfehlungen zur Förderung der betrieblichen Gruppenarbeit formuliert, handelt es sich überwiegend um eine theoretisch-konzeptionelle Arbeit mit umfassender Literaturauswertung. Der mit der Begrifflichkeit der Spieltheorie eventuell weniger vertraute Praktiker wird sich deshalb beim Lesen schwer tun, der Wert der Arbeit liegt doch eher im wissenschaftlichen Kontext. Dass eine stärkere theoretische Durchdringung der Voraussetzungen und Wirkungsweisen von Gruppenarbeit not tut, bleibt aber unbestritten.

 

JURI HÄLKER
Betriebsräte in Rollenkonflikten. Betriebspolitisches Denken zwischen Co-Management und Gegenmacht
Rainer Hampp Verlag, München/Mering 2004, 108 Seiten, ISBN 3-87988-800-0


Diese Arbeit zeigt aus nicht verleugneter gewerkschaftlicher Perspektive die Existenz von Rollenkonflikten von Betriebsräten anhand einer Fallstudie auf.
Mit der "Verbetrieblichungstendenz" der industriellen Beziehungen und dem zunehmenden Krisenmanagement in vielen Unternehmen kommen viele Betriebsräte in einen Rollenkonflikt zwischen traditioneller Schutzfunk- tion und neuer Gestaltungsfunktion, wobei letztere entweder im Vorwurf oder der Realität mündet, dass Betriebsräte Co-Manager werden.
Die identifizierten Rollenkonflikte lassen deutlich werden, dass die Betriebsräte einen Bewusstseinswandel erleben, der grundsätzliche Parameter der betrieblichen Interessenvertreter in Frage stellt. Insbesondere im Verhältnis der Betriebsräte zu den Gewerkschaften zeichnen sich Bruchlinien ab. Wir werden uns als Organisationsentwickler bzw. Change Manager wesentlich mehr mit diesen Fragen und den Rollenveränderungen vor Ort auseinandersetzen müssen. Dabei kann es nicht darum gehen, Betriebsräte zu schwächen, sondern im Gegenteil ihre Position als verlässliche Gegenkraft zu fördern. Aus diesem Grunde ist das Buch für alle internen und externen PE'ler und OE'ler sehr hilfreich, die nicht wieder erst auf die wichtigen Themen aufsatteln wenn die wesentlichen Fragen gestellt, die wirksamen Konzepte entwickelt und die greifenden Massnahmen sich durchgesetzt haben. Allerdings stehen Betriebsräte, vor allem aber Gewerkschaftler, der Organisationsentwicklung immer noch skeptisch gegenüber. Also sind auch von der Seite her Probleme zu erwarten. (KT)

 

HAESKE, UDO
Konflikte im Arbeitsleben. Mit Mediation und Coaching zur Lösungsfindung.
Kösel-Verlag, München 2003


Udo Haeske, freiberuflicher Managementtrainer, Coach, Supervisor und Mediator legt mit seinem Buch eine Spezifizierung der Mediation als Konfliktlösestrategie in der Arbeitswelt vor. Der Mediationsansatz- obwohl aus der Beratung von Familiensystemen stammend - hat sich mit den Jahren immer mehr im Wirtschaftsleben verankert. Somit wurde es erforderlich, sich auch methodisch den Anfragen zur Konfliktlösung aus dem Wirtschaftsleben zuzuwenden.
Haeske grenzt die Mediation als eigenständiges Format von anderen Beratungssettings im Arbeitsleben ab. Er differenziert die unterschiedlichen Anwendungsbereiche der Mediation, arbeitet die Spezifika der Mediation im Arbeitsleben heraus und gibt dem Leser Analyse- und Synthesemodelle an die Hand, mit deren Hilfe Konflikte in Organisationen besser zu verstehen und schliesslich auch einer Lösung zuzuführen sind. Er differenziert unterschiedliche Konfliktarten und Kommunikationsstile, die er als mitursächlich für Konfliktdynamiken in Unternehmen ansieht.
Im dritten Teil wird die Rolle des Mediators fokussiert. Seine Grundhaltung, seine Kompetenzen, seine Rollendilemmata und seine Beziehungsgestaltung zu den Konfliktparteien werden anschaulich herausgearbeitet. Der vierte Teil beschreibt die für den Mediationsprozess notwendigen Kommunikationstechniken und der fünfte - praxeologische - Teil führt in die konkrete Struktur und Gestaltung des Mediationsgeschehens ein.
Für wen eignet sich das Buch:

für Kunden, die Orientierung in den nahezu unüberschaubaren Beratungsmarkt suchen;

für Einsteiger, die sich dem Thema Mediation zuwenden wollen.
Der Autor stellt äusserst hilfreiche Checklisten vor, die sowohl für die Konfliktdiagnose als auch für die Steuerung des Mediationsprozesses einsetzbar sind. Alle Grundlagen der Mediation sind gut aufgearbeitet. Im Anhang findet sich als besondere Serviceleistung ein Informationsblatt für Mediationsteilnehmer und die kurze Darstellung unterschiedlicher Verhandlungsmodelle.
"Alte Hasen" der Beratungsszene finden in Haeskes Buch jedoch nicht viel Neues vor. Mir selbst ist es an vielen Stellen zu optimistisch geraten. Es mag ein psychoanalytisches Familienleiden darstellen, Kommunikationsprobleme eher als Symptome zu betrachten. Sicher, man kann ihnen durch ver- änderte Kommunikation begegnen und Kommunikationsstörungen müssen und sollen in Mediationsprozessen gar nicht ursächlich angegangen werden. Aus meiner Sicht jedoch macht es für Mediatoren Sinn, etwas tiefergehende Diagnoseschemata organisationeller Konflikte im Kopf zu haben, um der Komplexität des Kofliktmanagements im Wirtschaftsleben zu genügen.

 


ANTON HAHNE
Kommunikation in der Organisation
Grundlagen und Analyse - Ein kritischer Überblick
Westdeutscher Verlag, Opladen/ Wiesbaden 1998, 536 Seiten, 98.- DM

Diese umfangreiche Arbeit will keine schnellen Antworten liefern, sondern soll betriebs- und sozialwissenschaftlichen Standards (als Dissertation) genügen, schreibt der Autor im Vorwort. Also Vorsicht: wenn Sie nicht im selektiven Lesen geübt sind, um die durchaus beachtenswerten praktischen Empfehlungen herauszufiltern, werden Sie vielleicht eher irritiert - oder Sie lesen sich womöglich fest!

Es sind 3 wesentliche Teile, in die das Buch eingeteilt werden kann: der Zweck bzw. die Funktion der Kommunikation und die verschiedenen Formen, dann die Strukturmomente der Kommunikation wie Herrschaft, Legitimation, Deutungsmuster und "körperliche Prägung" sowie die Entwicklung und der Wandel der organisationalen Kommunikation.

Für mein Lernen und für meine Arbeit habe ich nicht nur viele Zusammenhänge besser verstanden, sondern auch mehr Klarheit in mein eigenes Konzept bekommen. (KT)

 

KARLHEINZ A. GEISSLER / STEFANIE HAJAK / SUSANNE MAY ( HRSG.)
Könnte es nicht auch anders sein? Die Erfindung des Selbstverständlichen
Hirzel Verlag, Stuttgart 2003, 153 Seiten


Dies ist ein kurzweiliges und intelligentes Buch, das in kurzen, phantasievollen und teilweise schön illustrierten Aufsätzen grundlegende Elemente unserer Kultur und Gesellschaft in den Blick nimmt und ihre Entstehung rekonstruiert. Dabei wird deutlich, dass Selbstverständlichkeiten, wie Geld, Schrift, Politik oder Lernen Erfindungen waren, die sich erst durchsetzen mussten und dann unsere Formen des Lebens und Arbeitens so nachhaltig geprägt haben, dass sie für uns heute fast unsichtbar sind. Von daher ist die Lektüre zugleich eine Art Entdeckungsreise. Ein hübsches Geschenk für Freunde, Kollegen oder Kunden. (JF)

 

Sebastian Hakelmacher
Das Leoparden-Paradox. Grundlagen einer Managementbetriebslehre
Die Falken-Parabel. Weitere Grundlagen einer Managementbetriebslehre
Libelle Verlag, Lengwil/Schweiz 1997 bzw. 1999, 71 bzw. 75 Seiten, jeweils DM 22.-

Sebastian Hakelmacher kann es einfach nicht lassen - seit Jahrzehnten. Hinter dem Pseudonym der amüsanten Bosheiten über das Management verbirgt sich ein lebenserfahrener Mann, der Vorstandsvorsitzender eines grossen Konzerns war und jetzt Wirtschaftsprüfer ist. Hier einige Kostproben zum Verführen, lesen sollten sie die auch buchbinderisch hübsch aufgemachten Bücher schon selber: ein Manager ist jemand, der nicht arbeitet, damit er die Übersicht nicht verliert, die er braucht, um anderen Arbeiten zuweisen zu können. Für den Manager gilt: ich delegiere, also bin ich - und meint damit das Unangenehme. Topmanager ist, wer nach Verlust der Übersicht die Weisheit gewonnen hat. Und wenn er schon die Übersicht verloren hat, sollte er wenigstens Entscheidungen treffen.

In der Hinführung zur Falken-Parabel heisst es, «damit der Falke seine Jagdlust zum Nutzen des Menschen einsetzt, muss man ihn durch Verkappung lange Zeit im Dunkeln halten». Brehms Tierleben konstatiert, dass man ihnen das Unheil verzeiht, das sie anrichten, weil ihr ganzes Leben und Wirken zur Bewunderung hinreisst ... In diesem Buch geht es um Aufsichtsräte, die die Kunst der virtuellen Abschlussprüfung beherrschen: Sie nehmen das Prüfungsergebnis zustimmend zur Kenntnis, ohne diese Unterlagen gelesen zu haben, worauf schon Zappen/ Duster a.a.O. 1982 hingewiesen haben.

Aus dem Leoparden-Paradox lernen wir, dass «effizientes Zeitmanagement von der Illusion lebt, dass der flexible Topmanager zwei Termine gleichzeitig wahrnehmen kann.» Liebe Leser, gönnen Sie sich die Erheiterung.

 

Gary Hamel
Das revolutionäre Unternehmen. Wer Regeln bricht, gewinnt
Econ Verlag, München 2000, 383 Seiten


Der Autor bezeichnet sich selbst als Rebell innerhalb der jüngeren Generation amerikanischer Managementtheoretiker. Gemeinsam mit C.K.Prahalad schrieb er den Bestseller "Wettlauf um die Zukunft" (Wien 1995), in dem die beiden Autoren für eine neue Art des strategischen Denkens eintreten, die das Erarbeiten fundierter Zukunftsvorstellungen eines Unternehmens mit dem durch sie bekanntgewordenen Kernkompetenzkonzept verbindet. In seinem jüngsten Buch verarbeitet Gary Hamel reichhaltige Beratungserfahrungen, die er in den neunziger Jahren im Silicon Valley, dem Sitz seiner Firma , gewinnen konnte. Ganz dezidiert schreibt er für engagierte Praktiker, die ihre Unternehmensrealität umkrempeln wollen und nicht für den Hausgebrauch amerikanischer Business Schools.

Im Zentrum seiner Überlegungen steht die Beobachtung, dass die Hauptmitbewerber einer Branche über kurz oder lang gemeinsamen Spielregeln folgen. "In fast jeder Branche neigen Unternehmen dazu, ihre Strategien an irgendeiner vom Branchendogma diktierten 'zentralen Tendenz' auszurichten. Strategien nähern sich an, weil Erfolgsrezepte sklavisch imitiert werden." (S.63). Gefördert werden diese Angleichungsprozesse durch die klassischen Unternehmensberatungen, die die branchenspezifischen Antworten auf ihre geschäftspolitischen Grundüberzeugungen rezepthaft von Firma zu Firma tragen; letztlich mit dem Ergebnis, dass alle weniger verdienen. Denn so die Überzeugung des Autors: "Je stärker die Geschäftsmodelle konvergieren, umso geringer ist die Chance, überdurchschnittliche Gewinne zu erwirtschaften" (S. 117). Bleibt man als Unternehmen Gefangener der vorherrschenden Branchenspielregeln, denen ja ganz bestimmte im Unternehmen geteilte Überzeugungen zugrundeliegen, dann kann man den Gedanken an nachhaltiges, ertragreiches Wachstum effektiv vergessen.

Wozu rät uns der Autor angesichts solcher ja nicht von der Hand zu weisender Entwicklungen? Mit grosser Eindringlichkeit versucht er seinem Leser, seiner Leserin vor Augen zuführen, dass das Problem dort beginnt, wo wir als Wettbewerbsteilnehmer uns unsere eigene Vorstellungswelt über die Bedingungen des Wettbewerbs konstruieren. So wie wir uns bei dieser Konstruktion jeweils wechselseitig an den Vorstellungen der anderen in der Branche orientieren, reproduzieren wir die eingespielten Muster und nennen das Ganze vielleicht noch Strategie. Wer überdurchschnittliche Erfolge erzielen will, muss diese konventionellen geschäftspolitischen Denkzwänge, auf die jedes Unternehmen in seinem jeweiligen Wettbewerbsumfeld eingeschwungen ist, radikal sprengen. Wie wir allerdings wissen, ist dies umso schwieriger, je erfolgreicher man in der Vergangenheit mit seinen strategischen Grundüberzeugungen gefahren ist. Genau aus diesem Grunde werden soviele der früheren Erfolgsunternehmen heute Opfer der eigenen Ignoranz. Denn heutzutage findet der Wettbewerb in immer mehr Wirtschaftszweigen (etwa bei den Finanzdienstleistungen, bei den Telekommunikationsanbietern, in der Energieversorgung, im Unterhaltungssektor etc.) "nicht zwischen Produkten oder Unternehmen statt, sondern zwischen Geschäftsmodellen" (S. 83).

Die wirklich wertschöpfenden Innovationen in dieser temporeichen, geographische Grenzen sprengenden Wirtschaftswelt liegen deshalb in raffiniert veränderten Geschäftskonzepten, die den Kunden einerseits eine neue Art von Nutzen versprechen, die eigene Branche mit einer komplett neuen Wettbewerbssituation konfrontieren und den Investoren andrerseits aussergewöhnliche Ertragschancen suggerieren. Im Kern zielt diese radikale Erneuerung bisheriger Geschäftsmodelle darauf ab, den Mitbewerbern auszuweichen, d.h. geschäftlich ein anderes Spielfeld zu eröffnen. "Diese Strategie basiert auf Umgehung, nicht auf Angriff. Der Schlüsselgedanke, der dahinter steckt: Was sich nicht von der Konkurrenz unterscheidet, ist nicht strategisch" (S. 87).

Der Grossteil dieses durchaus interessant zu lesenden Buches ist der Ausarbeitung dieser Grundidee gewidmet, deren Tragweite man allerdings nur abschätzen kann, wenn man weiss, was es heisst, etablierte Geschäftsmodelle in der Praxis von Grund auf zu erneuern. Mit Leidenschaft wendet sich Gary Hamel gegen die in der amerikanischen Managementliteratur besonders zementierte Überzeugung, Strategieentwickung sei ausschliesslich Sache des Top-Managements. An Hand vieler eindrucksvoller Beispiele kann er zeigen, wie oft strategische Durchbrüche in manchen der vielfach zitierten Vorzeigeunternehmen (wie Sony, IBM u.a,) erst gegen den hinhaltenden Widerstand der Spitze möglich wurden. In diesem Sinne finden sich zwischen den Zeilen und eingepackt in die vielen wirklich aufschlussreichen Praxisschilderungen eine Fülle von Prozessideen, wie Unternehmen mit der Fähigkeit ausgestattet werden können, in periodischen Abständen ihre bisherigen Geschäftsmodelle wenn notwendig grundlegend auf den Kopf zu stellen.

Gewöhnungsbedürftig ist freilich die Art und Weise, wie sich Gary Hamel selbst als Prophet einer neu heraufziehenden Wirtschaftsordnung inszeniert, wie hier an einem zweifelsohne wichtigen wirtschaftlichen Phänomen versucht wird, eine neue Managementphilosophie zu begründen, wie letztlich aus einigen zentralen Thesen durch penetrante Redundanz ein Buch mit fast 400 Seiten gemacht werden kann.

Es wird interessant zu beobachten sein, ob es gelingt, rund um diesen Gedanken der Geschäftsmodellinnovation wiederum eine Management-Mode zu kreieren, oder ob sich dieses Grundmuster modischer Zuspitzung inzwischen selbst verbraucht hat.


GEORG HARALD
Leadership ohne Vorurteile. Beobachten statt Behaupten
Gerling Akademie Verlag, München 2002, 213 Seiten, Euro 19.90

Der Autor leitet das Institut für systemtheoretische Anwendungen und Kommunikation in Kreuzlingen in der Schweiz. Er versteht Führung als Kommunikationssystem und geht methodisch von der "Operation der Beobachtung" aus. Er bietet also Beobachtungen an, mit denen der Leser seine eigene Betroffenheit bestimmen kann und so zu Veränderungen stimuliert wird. Leadership ist ein höchst komplexer, systemischer Prozess, dessen erfolgreiche und nachhaltige Gestaltung eben auf Beobachtung beruht.

Das Buch ist insofern angenehm, als es nicht so penetrant mit hochtrabendem systemischem Vokabular herumhantiert, sondern den systemischen Ansatz eher unterschwellig, also verarbeitend und nicht benennend, anbietet. So scheint Spencer Brown mit seinem Konzept der Verknüpfung von Operationen durch. Nach meinen Bedürfnissen hätte das Buch aber stringenter angelegt sein können. Man muss sich durch vieles "durchlesen", bei dem ich mich nach dem Erkenntnisgewinn fragte (beispielsweise im Kapitel Führung als Handlungssystem). Aber Erkenntnis durch Beobachtung braucht eben auch Zeit, um Unterschiede herzustellen und nicht Rat-Schlägen ausgesetzt zu werden.

Insgesamt bietet das Buch eine lohnende Lektüre, sowohl inhaltlich als auch methodisch, um Führung angeleitet zu beobachten und die eigene Wirklichkeit zu konstruieren. (KT)

 

Martin Hartmann/ Michael Rieger/ Brigitte Pajonk
Zielgerichtet moderieren. Ein Handbuch für Führungskräfte, Berater und Trainer Beltz Verlag, Weinheim/Basel 1997, 156 Seiten, DM 44.–

Diese sehr praxis- bzw. benutzer-orientierte Anleitung zur Moderation ist neben den Standardwerken geeignet, sich in dieses Verfahren einzuarbeiten. Sie ist zu empfehlen, weil nicht nur die Technik dargestellt wird (oder – wie so häufig – auf ein Visualisierungs-Engineering reduziert wird), sondern weil ein Plausibilitäts-Kontext geschaffen wird, der erklärt, warum die Moderation für die unterschiedlichsten Situationen so angelegt sein könnte. In diesem Sinn ist das «zielgerichtet» im Titel doppeldeutig zu verstehen.

Leider folgt aber auch dieses Buch der Entwicklung, die Ursprünge der Methode (zwar nicht schlecht) aber doch selektiv darzustellen. Metaplan wird mit keinem Wort erwähnt (nur die damaligen Mitarbeiter, die die Methode mitentwickelt haben) und die politischen Hintergründe (wie sie Freimuth in unserer Zeitschrift 3/97 dargelegt hat), werden nicht erwähnt. So entwurzeln wir uns zunehmend, was Folgen für den Sinnverlust der Moderation haben kann. Hier hätte ich mir eine Seite mehr in diesem sonst guten Buch gewünscht.

 

Edition Harvard Business manager
1. Leadership und
2. Strategische Allianzen

Manager Magazin Vertriebsmarketing, Fax 040-3007-3180, Hamburg 1999, 64 bzw. 66 Seiten, je DM 32.–

Seit einigen Jahren fasst die deutsche Korrespondenzausgabe des Harvard Business Review wichtige Aufsätze zu den Kernthemen innovativer Unternehmensführung in deutscher Sprache in Sonderheften zusammen. Oft sind es bahnbrechende Artikel von Autoren wie Argyris, Mintzberg, Hammer, Drucker usw. usf. Bisher sind folgende Bände in dieser Edition erschienen (die es übrigens in noch grösserer Zahl von der Harvard Business Review in englischer Sprache gibt, so beispielsweise auch über Organisationsentwicklung), Kundennähe, Qualität, Motivation, Reengineering, Kernkompetenzen und Geschäftsmoral.

Der vorliegende Band zum Thema Leadership enthält Aufsätze von bekannten Autoren, die zwischen 1988 und 1997 im deutschsprachigen Harvard Business manager erschienen sind. Es kommen aber nicht nur amerikanische Autoren zu Wort, sondern im Führungs-Band ist auch ein Aufsatz von Hartmut Bretz, Management-Trainer bei Siemens, enthalten. Themen sind das Lernen von Führung, die Stile, Aufgaben und das Verhalten. Im Mittelpunkt steht die Führung mit ihrer Aufgabe als Initiator, Steuerer und Unterstützer des Wandels.

Hier wird deutlich, dass Leadership und Führung sich eben auf Grund dieser Rollen unterscheiden. Wir verstehen Führung eher noch im Sinne eines sichernden Steuerns, während Leadership viel mehr auf Anreize und Unterstützung abzielt.

Der Band über die Strategischen Allianzen enthält 6 Aufsätze darüber, wie ehemalige Wettbewerber jetzt kooperieren und zu Partnern werden können, und wie diese gestaltet werden können, auch in konkreten Feldern, wie beispielsweise der Logistik.

 

Harvard Business Manager
Kernkompetenzen und Kundennähe. Zwei Sammelbändchen zu Schwerpunktthemen aus der Zeitschrift
Verlag Manager Magazin, Hamburg, o.J., 78 und 71 Seiten

Wer einige Ausgaben des Harvard Managers versäumt hat oder themenbezogene Artikel daraus nicht mühsam zusammensuchen möchte, bekommt guten Kundennutzen mit den vorliegenden Sammelbänden. Meist leitet ein grundlegender Beitrag die Sammlung ein, die sich dann in verschiedene Aspekte verzweigt.

Wenn auch nicht alle sechs Artikel für jeden in gleichem Mass ergiebig sind, so kann die Sammlung Führungskräften zum vertieften Einstieg in ein Thema dienen. Dass die meisten Autoren aus den USA kommen, macht die Ausrichtung manchmal einseitig – mehr europäische Autoren täten dem Spektrum gut. (FB)

 

JOACHIM HASEBROCK/OLAF ZAWACKI-RICHTER/JOHN ERPENBECK, HRSG.
Kompetenzkapital. Verbindungen zwischen Kompetenzbilanzen und Humankapital
Bankakademie Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3 937519 17 3, 340 Seiten, Euro 45.–


Die Autoren dieses Sammelbandes vereinigt die überzeugung, dass Wissen in Organisationen zur Schlüsselressource geworden ist, die man irgendwie messen bzw. regeln kann. Dazu werden unterschiedliche Konzepte, teils aus dem mittlerweile umfangreichen Theoriebestand, teils aus praktischen Erfahrungen dargestellt, wobei die Beispiele überwiegend aus dem Finanzbereich stammen. Das ist hilfreich, da gerade solche Dienstleister von der Wissen- und Beratungskompetenz ihrer Mitarbeiter abhängen. Nicht ohne Grund verdeutlichen einige Beiträge den Aspekt des Risikomanagements, weil in diesen intangiblen Bereichen die Möglichkeit von Kontrolle durch Führung und direkte Steuerung sehr eingeschränkt ist.

Es fällt auf, dass die Autoren sehr häufig mit Analogien und Anleihen aus dem traditionellen Rechnungswesen arbeiten. Eine differenzierte eigene Terminologie hat sich offenbar nicht wirklich gebildet. Das wird auch daran deutlich, dass immer wieder die gleichen Modelle bemüht werden, von Tobin über EFQM und Navigatoren bis hin zur Balanced Scorecard. Sehr anregend ist aber das kurze Fazit am Schluss, wo auf die Bedeutung von Cluster-ökonomien verwiesen wird. Das ist ein von Porter ausgehender innovativer Ansatz, der insbesondere den regionalen Aspekt der Wissensentwicklung und –diffusion betrachtet. Hier hätte ich mir noch einige weitergehende Betrachtungen gewünscht, zumal sich die Autoren eingestehen, dass man Wissensprozesse eher im Sinne von Kontextsteuerung beeinflussen kann, weniger mit direkter Einflussnahme. Trotz dieser kritischen Bemerkungen repräsentiert der Band den Stand der Diskussion und bietet insbesondere den praktisch orientierten Lesern eine Reihe von Anregungen, nicht zuletzt weil sie in der Sprache bleiben, die man in wirtschaftlichen Organisationen versteht und benötigt, um Investitionen in Humankapital zu legitimieren. (JF)


 

Michael Hasenstab
Interkulturelles Management. Bestandsaufnahme und Perspektiven
Verlag Wissenschaft & Praxis Dr. Brauner, Sternenfels / Berlin 1999, 255 Seiten


Das Agieren im internationalen Umfeld ist mit besonderen Anforderungen an die betroffenen Manager verbunden. Neben den "harten" betriebswirtschaftlichen Faktoren, wie Organisation, Vertrieb, Produktion und Logistik, gewinnen "weiche" Aspekte, wie Entscheidungsfindung, Informationsweitergabe, Hierarchieorientierung oder Eigenverantwortung, zunehmend an Bedeutung. Gerade letztere sind in hohem Masse durch unterschiedliche kulturelle Prägungen beeinflusst.

Wissenschaft und Praxis setzen sich seit einiger Zeit mit diesem Phänomen auseinander. Angesichts der Vielzahl involvierter Wissenschaftsgebiete, wie Betriebswirtschaft, Psychologie, Kommunikationswissenschaft etc., ist in der Literatur bis heute jedoch keine umfassende Theoriebildung sichtbar geworden, so dass fundierte Empfehlungen für die Praxis bisher eher die Ausnahme als die Regel darstellen. Auf dieser Basis versucht die vorliegende Arbeit die unterschiedlichen Forschungsansätze unterschiedlichster Wissenschaftsdisziplinen rund um das Feld "Interkulturelles Management" aufzuarbeiten, kritisch zu reflektieren und in einen übergreifenden Rahmen zu integrieren.

Ein wichtiger Baustein ist beispielsweise die präzise Kontextklärung, denn hier gibt es viele Unterschiede und die verschiedenen Kombinationen der Faktoren (welche Land / Kultur, welches Problemfeld und welche Art des interkulturellen Kontaktes (Unternehmen, Personen)) ergeben sehr differenzierte Handlungsalternativen. Zentrales Element des interkulturellen Managements ist die Kommunikation, aber wie soll die gestaltet / angelegt werden? Dazu gibt das Buch einige Anregungen, sowohl für die Unternehmenspraxis als auch für die Wissenschaft.

Die Praktiker müssen aber mit etwas Aufwand den praktischen Nutzen aus dieser Jenaer Dissertation herausfiltern.

 

Brian S. Friedmann / James A. Hatch / David M. Walker (Arthur Andersen)
Mehr-Wert durch Mitarbeiter
Luchterhand, Neuwied, Kriftel, 1999; 220 Seiten.

Unternehmen sind auf Mitarbeiter angewiesen. Und Mitarbeiter sind Teil des immateriellen Vermögens eines Unternehmens, das gemessen, bewertet und gesteigert werden kann.

Das sind die Axiome, auf denen das vorliegende Buch basiert. Die Autoren - Berater der Arthur Andersen-Gruppe - stellen die These in den Mittelpunkt, dass Investitionen in das Human-Kapital in globalen Unternehmen von zentraler Bedeutung sind, dass diese Investitionen aber eine hohe, messbare Rendite erbringen müssen.

In einem einleitenden Kapitel grenzen sich die Autoren gegen den Begriff der (lokalen) "Human Ressources" ab und begründen statt dessen den Begriff des (globalen) "Human Capital". Mitarbeiter als wertvolles Gut, dessen Wert sich durch gezielte Investition noch steigern lässt. Dabei soll diese Investition durch den Markt und die Unternehmensstrategie in voller unternehmerischer Freiheit bestimmt werden. Staatliche Vorgaben im Personalbereich werden entschieden abgelehnt.

Die Autoren stellen dann eine Methode - das Human Capital Apraisal - vor, um Human Capital Programme systematisch zu bewerten und diese Massnahmen auf die Unternehmensziele auszurichten. Die einzelnen Schritte werden detailliert dargestellt.

Im dritten Teil wird gezielt auf die Bewertung von Human Capital-Programmen eingegangen unter den Gesichtspunkten Kongruenz zur Unternehmensstrategie, Kosten und Wert, wobei im letzten Teil besonders Fragen der Effektivitätsmessung und der rechnerischen Erfassung aufgegriffen werden.

Praxisberichte und ein ausführlicher, interessanter Anhang runden das Buch ab.

"Mehr-Wert durch Mitarbeiter" ist vorerst einmal eine herbe Herausforderung an Leser und Leserinnen mit einem humanistischen Hintergrund. Hier wird die Instrumentalisierung der Mitarbeitenden, die Oekonomisierung des Potenzials Mensch konsequent durchgezogen.

"Mehr-Wert durch Mitarbeiter" ist vielleicht auch eine Enttäuschung, weil das so spektakulär eingeführte Instrument des Human Capital Apraisal doch letztlich nur die klassischen Schritte eines Organisationsentwicklungsprozesses umfasst. Und die Umsetzung von Aussagen in Zahlen ist ja spätestens seit der Balanced Score Card auch nicht mehr neu.

"Mehr-Wert durch Mitarbeiter" kommt auch breitspurig daher: Studien werden angetippt, Klassifizierungssysteme zitiert, im Vorbeigehen noch ein Überblick über die Weltwirtschaft ...

Und doch können Fachleute der Personalentwicklung und des Personalmanagements von der Lektüre profitieren, weil das Buch Anregungen vermittelt, Tabus aufbricht, aber auch eine Fülle von Checklisten, Fragerastern und Instrumenten enthält. In weiten Teilen eine gute, handwerkliche Anleitung zu einer sorgfältigen Evaluation und Planung von Programmen im Personalbereich.

 

MICHAEL HAUSDORF/ERICH POLZER
Die Führungskraft als Coach. Trainingsbausteine zur Gestaltung von 2–3-tätigen Seminaren
Managerseminare Verlags GmbH, Bonn 2004, 222 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-936075-15-8


Auf der einen Seite müssen Mitarbeiter von Vorgesetzten wirkungsvoll gefördert werden, um gute Leistungen zu erbringen. Auf der anderen Seite ist das Coaching von Mitarbeitern durch die Führungskraft vom Setting her schwieriger als das durch externe Coaches. Es gibt Misstrauen über die Verwendung der im Coaching erhaltenen Informationen hinsichtlich der Konsequenzen für die jährlichen Beurteilungen, nächste Karriereschritte usw.. So konzentriert sich das Coaching durch Vorgesetzte meistens auf eine Unterstützung bei übertragenen Aufgaben, Projektmanagement und kritischen Entscheidungs- oder Problemlösungs-Situationen.

Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung und auch Training der Führungskräfte, damit die Fehlerquellen minimiert werden. Das Ziel dieses Buches ist es, das erforderliche Analyse- und Methodenwissen für die Führungskräfte bereit zu stellen.

Die geschäftsführenden Gesellschafter von STS-Bildungseinrichtungen machen dafür in diesem Buch ihr langjähriges Berater-Know-how für insgesamt drei Lesergruppen verfügbar: Personalentwickler profitieren von variierbaren Konzeptvorschlägen für die interne Schulung ihrer Führungsmannschaft. Trainer wiederum erhalten zur Bereicherung ihres bestehenden Trainingsdesigns eine Sammlung von 59 methodischen Impulsgebern. Der geschulten Führungskraft wiederum stehen Analysetools, Checks und Selbsttests für die erfolgreiche Umsetzung von Mitarbeiter-Coaching zur Verfügung.

Die Trainingsbausteine bieten eine breit angelegte Palette an Themen, angefangen vom Führungsprozess, über das Führungsverhalten und Mitarbeitermotivation, bis hin zur Erarbeitung des eigenen Coach-Profils mit den dazugehörigen Selbsttests. Den Abschluss bilden Elemente zum Coaching-Prozess, insbesondere zum Ablauf des Coaching-Gesprächs.

Typisch für alle Bücher der beiden Autoren ist das abschliessende Kapitel: Dort erhalten die Trainingsdienstleister unter den Lesern Argumentationshilfen für eine wirkungsvolle Vermarktung des Trainingsthemas. Schliesslich sind diese angesichts knapper Bildungsbudgets immer stärker gefordert, ihre Auftraggeber vom geldwerten Nutzen der Massnahmen zu überzeugen.

Es ist ein schlichtes Werkzeug-Buch, an einigen Stellen eher trivial und schematisch. Aber es vermittelt doch sehr nützliche Trainingsbausteine und konzeptionelle Hinweise. Von daher ist es der genannten Zielgruppe auch zu empfehlen. (KT)

 

R. Attems/ M. Hauser/ C. Mandl/ H. Mandl/ K. Sohm/ J.M. Weber
Führen. Zwischen Hierarchie und .... Komplexität nutzen. Selbstorganisation wagen
Versus-Verlag , Zürich 2001, 164 Seiten, EURO 29,80/CHF 48.-. ISBN 3-908143-84-5

Das Buch entstand aus der gleichnamigen Metalog-Konferenz, eine Konferenzform, die bei einem Minimum an Strukturen ein Höchstmass an Selbststeuerung anstrebt und dialogische Gesprächsqualität fördert. TeilnehmerInnen dieser Konferenz haben ihre Konferenz-Erfahrungen weiterverarbeitet und daraus ein Lesebuch gemacht, das sich nicht als stringente, abgeschlossene thematische Ausarbeitung sondern als Einladung zum Dialog versteht.

Die Klammer, die die auch in der Form recht heterogenen Beiträge zusammenhält, ist das Thema Führung und die Frage, wie selbststeuernde Strukturen funktionieren, funktionieren können. Es geht um die Veränderung von Organisationen, weg von den klassischen hierarchischen Strukturen hin zu ...,ja, wohin nun eigentlich? Deutlich wird in den Beiträgen, wie schwierig es ist, darauf eine konkrete Antwort zu geben, wie mit Komplexität umgegangen und Selbstorganisation gewagt werden kann. Dialog, Open Space, Selbstverantwortung, Autonomie und Authenzität sind immer wieder auftauchende Stichworte zur Kennzeichnung eines Weges, der schwierig ist, weil er auf Abwehrroutinen und erstarrte mentale Modelle in den noch hierarchisch geprägten Strukturen trifft.

Man kann das Buch nicht in einem Stück lesen, sondern muss sich einlassen auch auf die Diversität der Beiträge - auf die Gespräche, die Reflexionen, die Ausarbeitungen -, dann findet man genügend Inspirierendes auch für eigene Gedanken. (HM)

 

STEVEN TEN HAVE / WOUTER TEN HAVE U.A.
Handbuch Management-Modelle
Wiley-VCH, Weinheim 2003, 291 Seiten, Euro 39.90


Die Mc Donaldisierung ergreift alle Lebensbereiche. Also auch die Managementwelt. Aber so ganz kann der Nutzen, der schnelle Konsum in kleinen Häppchen, nicht übersehen werden. Für die schnelle Befriedigung des Hungers muss man eben dann nachteilige Wirkungen in Kauf nehmen, wenn man davon ausgeht, man hätte eine komplette Mahlzeit gehabt. Nicht der Häppchen-Konsum ist das Problem, sondern der Irrglaube, dass das die Ernährung ausmacht. Das Stimmen der Instrumente ist ja schliesslich auch nicht das Konzert.
Es werden auf durchschnittlich 4-5 Seiten rund 50 häufig zitierte und benannte Modelle des Management dargestellt. In Grundidee, Nutzen, Anwendung und Gesamtbewertung als kurze kritische Stellungnahmen. Es geht um Modelle wie Balanced Scorecard, Just in time, Chaos-Modell, EFQM, fünfte Disziplin, Kernkompetenzen, Risk und SWOT Analyse, Szenarioplanung, Wandel usw. usf.
Für den ersten Überblick und Suchende, die sich schnell informieren wollen, wird das Buch seinen Nutzen haben, wenngleich mir in etlichen Modellen kurze Hinweise zur umfassenden Charakterisierung fehlen, was leider viele Beiträge doch zu oberflächlich macht. So wird das Konzept sozio-technischer Systeme dargestellt, es findet sich aber kein Hinweis, dass das heute in der IT-Welt eine wichtige Wiederbelebung als analytisches und gestaltendes Modell erfährt. Ebenso geht es mir beim Projektmanagement. Es fehlt die Aussage, dass dies Modell sich zu stark verselbstständigt hat, damit Missbrauch fördert und auf den Kern zurückgeführt werden muss.
Die Autoren, allesamt niederländische Berater, haben einen guten und qualitativen Überblick verfasst. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Ich habe schon Entdeckungen gemacht: Kotters 8 Phasen der Veränderung. Aber andere Modelle wie "Veränderungsquadranten" finde ich wenig erhellend. Man muss also auch selektiv vorgehen. (KT)

 

Peter Hayes
Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft
C.H. Beck Verlag, München 2004, 486 Seiten, Euro 34.90, ISBN 3-406-52204 1

Der Vorstand der Degussa gab dem amerikanischen Historiker Hayes den Auftrag, detailliert in den Firmenarchiven zu recherchieren, wo und wie das Unternehmen und seine Vorgängergesellschaften mit dem Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Gradwanderung ist dem Autor durch seine Detailgenauigkeit und eine hohe Objektivität in der Darstel- lung gelungen. Er liefert eine grosse Menge an Details und Fakten, beschreibt etwa auch die Motive der zentral Handelnden und stellt alles verständnisvoll in den historischen Zusammenhang. Hayes hütet sich in seinem Buch vor vereinfachenden Pauschalierungen und wohlfeilen Polemiken. Er zeigt Schritt für Schritt, wie das Unternehmen und seine Repräsentanten in einer Mischung aus politischer Naivität, ungebremstem Expansionsdrang und vorauseilendem Gehorsam immer mehr zum Mittäter wurde und schliesslich Skrupel bei Entscheidungen immer weniger eine Rolle spielten.

Zwei Generationen nach dem Ende des zweiten Weltkrieges stellt sich ein Unternehmen nun dieser Vergangenheit. Das Buch wurde an Mitarbeiter verteilt und der Autor hatte mehrfach die Gelegenheit, in Lesungen und Diskussionen zur aktiven Auseinandersetzung mit diesem Teil der Unternehmensgeschichte beizutragen. (JF)

 

Harald Heber (Hrsg.)
Erfolgsprinzip Mitunternehmer. Wie Mitarbeiter unternehmerisch handeln
Frankfurter Allgemeine Buch,
Frankfurt 2000
228 Seiten, DM 58.--/ATS 423.--

Dezentralisierung und kundennahe Ausrichtung der Geschäftsprozesse fordern von den Mitarbeitenden die Fähigkeit und Bereitschaft, unternehmerisch zu denken und zu handeln, und von Ihren Vorgesetzten den Willen, diese Entwicklungen zuzulassen und zu fördern. Das von der Unternehmensberatung INFORA und der Tageszeitung "Die Presse" herausgegebene Buch enthält eine Mischung aus konzeptionell-reflektierenden Beiträgen und Fallbeispielen aus der Praxis, die alle um das Thema kreisen, wie sich das unternehmerische Potential entwickeln und mobilisieren lässt.

Manfred Höfler setzt sich mit der Beharrlichkeit von Unternehmenskulturen auseinander und entwickelt Prinzipien für deren Transformation in Richtung verstärkter Eigenverantwortlichkeit. Der Mitherausgeber dieser Zeitschrift, Klaus Doppler, analysiert die veränderten Anforderungen im Rollenbild "Führung", die sich zunehmend als kritische Erfolgsfaktoren für die Veränderungsprozesse herausstellen. Insbesondere der Kommunikation kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Claus Schafhalter geht dem Unternehmergeist im Silicon Valley nach, wobei sich neben dem Vergleich zu den hemmenden hiesigen Verhältnissen auch die Frage auftut, ob sich losgelöst und ausserhalb der traditionellen Unternehmen Unternehmergeist nicht eventuell schneller entwickelt. Weitere konzeptionelle Beiträge setzen sich mit strukturellen Aspekten (Kradischnig: Profit Center) und den besonderen Bedingungen in Familienunternehmen (Brandner) auseinander.

In den Fallbeispielen aus Österreich und Deutschland werden überwiegend erfolgreiche Veränderungsprozesse geschildert. In der Balance zwischen Deskription und Reflexion tendieren diese Beiträge eher zum deskriptiven Pol. Gerade wegen ihrer grossen Bandbreite hätte man sich hier von den Herausgebern gewünscht, die Essentiels dieser Beiträge stärker herauszuarbeiten und im Hinblick auf das zentrale Buchthema zu reflektieren.

 

Warren Bennis/David A. Heenan
Die Macht der Nr. 2 -  Das Geheimnis erfolgreicher Führungsduos
Campus Verlag
Frankfurt/New York 2000
260 Seiten, DM 49.80

In diesem Buch geht es nicht nur um Kooperation oder Rivalität von Führungsduos, sondern vor allem um die realistische Sichtweise, dass der "Chef nicht Übermensch ist, sondern erster unter vielen Beteiligten und dass Führungspartnern endlich der angemessene Platz zugewiesen wird und ihnen die Wertschätzung zukommt, die sie verdienen."

Bennis, einer der besten Autoren und Forscher zur Führung und sein Co-Autor analysieren und begründen ihre Botschaft an bekannten Führungspaaren: Bob Eaton und Bob A. Lutz (Chrysler), Gates und Ballmer (Microsoft), Tschou En-lai und Mao Tse Tung, Clinton und Al Gore, aber auch Thomas Middelhoff und Mark Wössner (Bertelsmann), sowie Dr. Watson und Sherlock Holmes. Logisch konsequent wird immer der zweite Mann in den Mittelpunkt gestellt. Diese Kapitel sind von einem Plädoyer für die doppelte Führung sowie über das Scheitern vielversprechender Führungspartnerschaften (Titanen-Kämpfe) und Umbauempfehlungen in der Führungsetage sowie Ratschlägen für die Nr. 2 umrahmt.

Die vielen kritischen Fragen und detaillierten Empfehlungen im Buch eignen sich nicht nur für diese Projektionsfiguren, sondern eben auch für leitende Mitarbeiter in den untersten Etagen. Es geht ja (sehr locker und griffig) um die Gestaltung einer partnerschaftlichen Führungskultur.

 

RON SANCHEZ/AIM HEENE (HRSG)
Strategic Learning and Knowledge Management
John Wiley & Sons, New York/Chichester 1997, 235 Seiten, ca. 85.- DM

Dieser Sammelband amerikanischer und europäischer Wissenschaftler untersucht in einem Forschungsprojekt die Frage, wie der Aufbau von Kompetenzen (in Wettbewerbssituationen) durch Organisationslernen und Wissensmanagement gefördert werden kann. Im ersten Teil wird ein Überblick über den Forschungsstand gegeben, während der 2. Teil die strategischen Lernprozesse in Organisationen (u.a. durch Thematisierung des Kompetenz-Dilemmas) und der 3. Teil die der Prozesse zwischen Organisationen auch anhand von Beispielen aus der Biotechnologie untersucht. Hier geht es auch um die Wirkungen und Möglichkeiten des Wissenserwerbs bei strategischen Allianzen und Kundenintegration. Der letzte Teil des Buches diskutiert das strategische Management von Wissen im kompetenzorientierten Wettbewerb.

Diese Antologie ist nicht als Einführung (für Praktiker) gedacht, sondern als Forschungsarbeit.

Daher setzt er viele Vorkenntnisse und theoretische Reflektionsbereitschaft voraus. Leider sind die Beiträge auch nicht alle miteinander zu einem Thesenset oder Erkenntnissystematik verknüpft. (KT)

 

IHNO SCHILD / ANDREAS HEEREN
Mobbing. Konflikteskalation am Arbeitsplatz
2. Auflage, Hampp Verlag, München u. Mering 2002, 193 Seiten, ¤ 29.80


Das Ziel des Buches ist in erster Linie die wissenschaftliche Aufarbeitung der vorliegenden Erkenntnisse zum Thema Mobbing. Von daher referieren die Autoren zunächst die vorhandenen wesentlichen Erklärungsansätze und beziehen sich dabei vor allem auf den Ansatz des schwedischen Theoretikers Leymann, der dazu ein erstes Phasenkonzept vorgelegt hat. In der deutschen Diskussion gab es daran einige Kritik, so etwa von Neuberger, der auch die aktive Beteiligung des vermeintlichen Opfers thematisiert. Ein Verdienst des Bandes besteht darin, all diese Diskussionen zum Thema übersichtlich zusammenzufassen. Insgesamt aber, so ein Zwischenfazit der Autoren, ist der empirische und theoretische Erkenntnisstand noch wenig differenziert.

Die Autoren versuchen dann selber, aus stress- und konflikttheoretischer Perspektive, etwas mehr Licht in das Geschehen zu bringen. Sie beziehen sich dabei auf bekannte Konzeptrahmen u.a. von Glasl und Lazarus. Bei der Lektüre gewinnt man aber phasenweise den Eindruck, dass lediglich bekannte Tatbestände in einem veränderten Bezugsrahmen interpretiert wurden, aber so richtig Tiefgang wird in der Analyse nicht erreicht. Die Autoren betonen daher auch die Notwendigkeit weiterer Forschung. Entsprechend gehen die abschliessenden Empfehlungen für Interventionen bei Mobbing nicht über bereits Bekanntes hinaus. (JF)

 

Alfred Kieser/ Cornelia Hegele/ Matthias Klimmer
Kommunikation im organisatorischen Wandel
Schäffer/Poeschel Verlag, Stuttgart 1998, 278 Seiten, DM 78.–

Insbesondere Alfred Kieser ist auch unseren Lesern als kritischer und unbequemer Forscher und Autor bekannt, der es sehr häufig auf den Punkt bringt. Im vorliegenden Band geht er mit seinen Co-Autoren von der These aus, dass Organisieren kein ingenieurhaftes Gestalten ist, sondern sich vor allem in den Köpfen der Mitarbeiter abspielt. In einer solchen konstruktivistischen Perspektive wird die Kommunikation zum wichtigsten Instrument des organisatorischen Wandels. Noch literarischer und griffiger drückt diesen Ansatz der Titel eines Aufsatzes von Kieser in der Zeitschrift «Industrielle Beziehungen» (Rainer Hampp Verlag, Mehring) 5(1998)1 aus: «Über die allmähliche Verfestigung der Organisation beim Reden. Organisieren als Kommunizieren».

In diesem wirklich sehr empfehlenswerten Buch (gerade zum neuen Schwerpunktthema Kommunikation im Management) werden auch Aspekte der Mikropolitik sowie des Lernens in der Organisation bearbeitet, und zwar nicht unkritisch und «neue» Fragen aufwerfend.

Und das wird alles in einer verständlichen Sprache geboten.
 

Frank Heideloff
Sinnstiftung in Innovationsprozessen. Versuch über die soziale Ausdehnung von Gegenwart
Hampp Verlag, München und Mehring 1998 159 S., DM 44.40

Diese kleine Fibel passt in jede Manteltasche. Und das ist auch gut so. Denn der Leser wird sie immer wieder zur Hand nehmen, zu lesen ansetzen, sie liegenlassen, wieder blättern, lesen. Und sich wundern. Was Frank Heideloff hier auf kleinstem Raum ausbreitet, ist eine konsequent argumentierte, radikal neue Form des Nachdenkens über Innovation. Der Autor nähert sich dem Phänomen behutsam über individuelle und soziale Sinnstiftungsprozesse und belässt es damit in seiner schillernden Vielgestaltigkeit. Aus konzeptuellen Fäden wie Sprache, Zeit oder Wissen wird hier ein Stoff gewoben, der nicht neu verkleidet, sondern offenbart: «Neues ist nicht zu haben, aber es entsteht ständig!»

Ganz dem Thema entsprechend ist das Buch selbst äusserst innovativ argumentiert: Durch Heideloff's Credo des «anything that works should be used» kommt der Leser in den Genuss, nicht nur die organisationstheoretischen Konzeptionen von Innovation auf ihre Plausibilität hin vorgeführt zu bekommen, sondern auch Piaget, Cassirer oder Derrida zu begegnen, denen der Autor faszinierende Beiträge zu den Möglichkeiten der Entstehung «des Neuen» entlockt.

Der teilweise sehr abstrakten Sprache des Buches sind zwei illustrative Fallstudien an die Seite gestellt worden, die das Verständnis erleichtern. Gleichwohl hinterlässt es dem Leser keine fertigen Antworten auf die Frage, wie Innovation denn nun zu «machen» sei, sondern es produziert neue, bessere Fragen als diese.

 

F. Heideloff/ T. Radel (Hg.)
Organisation von Innovation; Strukturen, Prozesse, Interventionen
Rainer Hampp Verlag, 1997, 156 S.

In einer Zeit, in der der Erfolg von Unternehmen in entscheidendem Masse von ihrer Zukunftsfähigkeit abhängt, sind Wissens- und Innovationsmanagement inflationär verwendete Schlagworte. In den Beiträgen dieses Bandes, entstanden aus der Arbeit eines Forschungskolloquiums an der TU Chemnitz, versuchen die Autoren, etwas Klarheit in die Begriffe, deren Kontexte und Anwendungen zu bringen und jenseits aller Hauruck-Praktiken einen fundierten Einblick in das vielschichtige Thema Innovationsmanagement zu geben.

Besonderes Augenmerk richtet sich auf eine ganzheitliche Sichtweise, die insbesondere soziologische und psychologische Faktoren einschliesst, was dieses Buch von unzähligen anderen, rein ökonomisch orientierten Werken zu diesem Thema wohltuend unterscheidet. Dabei verwenden die Autoren auch ungewöhnliche Ansätze, um dem Leser ihre Standpunkte nahezubringen. So kontrastiert eine Autorin ein Essay aus dem 17. Jahrhundert mit Beiträgen zum Innovationsmanagement in der Betriebswirtschaftslehre, um implizite Wertungen in diesen äusserlich «rationalen» Texten herauszustellen.

Schockierend wird für einige Leser vielleicht die Quintessenz eines Aufsatzes sein, das gezielte Auslösen und Steuern von Innovationen sei eine lllusion – überhaupt sei das Erkennen einer Innovation erst im Nachhinein möglich, wenn der Prozess oder das Produkt am Markt erfolgreich oder sozial akzeptiert sei. Entscheidend sei also nicht die Frage, wie Innovationen bewusst ausgelöst und gelenkt werden können, sondern welches die erforderlichen Grundvoraussetzungen für eine innovative «Atmosphäre» in einer Organisation seien.

Deutlich dämpfen einige Artikel auch überzogene oder euphorische Erwartungen an «die Innovation» an sich, etwa dadurch, dass gezeigt wird, dass Innovation und Routine notwendigerweise nebeneinander existieren müssen, und ein blindes Erneuern von eingespielten Prozessen katastrophale Folgen haben kann.

Das Buch enthält sowohl theoretische als auch anwendungsbezogene Beiträge, so dass der Leser neben den fachlichen Grundlagen auch handfeste Anregungen für die praktische Arbeit erhält. So wird das in diesem Rahmen unentbehrliche Thema Wissensmanagement mit einer Vielzahl von praktischen Beispielen untermauert.

 

Bernd Wildenmann / Peter von der Heidt
Führungsnachwuchs auf dem Sprung. Wie Sie Ihr Unternehmen nachhaltig zukunftsfähig machen
Luchterhand-Verlag, Neuwied 2000, 172 Seiten


Kernstück des Buches ist der Bericht eines Redaktionsteams aus dem Teilnehmerkreis eines Führungskräftenachwuchsentwicklungsprogramms, bei dem ca 30 "potentialstarke" Mitarbeiter einer mittelständischen Privatbank über 18 Monate hinweg anhand eines konkreten Veränderungsprojekts zur "Verbesserung der Servicequalität" sich für spätere Führungsaufgaben qualifizierten. Eingeleitet wird der Erfahrungs- und Reflexionsbericht durch einen eher konzeptionell-theoretischen Teil, in dem Wildenmann sein Leadership-Modell erläutert und Rolf Th. Stiefel einen guten Überblick über Nachwuchsförderprogramme gibt.

Das ganze Konzept und damit auch die praktische Umsetzung basiert sehr stark auf unmittelbarem Erfahrungslernen: Nicht in Seminarveranstaltungen sondern in der Auseinandersetzung mit konkreten Aufgaben eines Programms, mit dem zugleich Veränderungsprozesse im Unternehmen angestossen werden, wird der Nachwuchs an Führungsaufgaben herangeführt.

In der starken Betonung des Erfahrungslernens liegt zugleich die Stärke und Schwäche des Konzepts und damit auch des Buches. Einerseits sind die konkreten Erlebnisschilderungen anregend, andererseits bleibt doch vieles auf dieser Erlebnisebene stehen (und dann wiederholen sich auch die Schilderungen). Hier hätte man sich eine stärkere Reflexion und Hinterfragung des Prozesses und damit eine Fundierung des Konzepts gewünscht. Dies trifft auch auf Wildenmanns Darstellung des Leadership-Konzepts zu, die m.E. manchmal zu plakativ gerät und eher an die Aneinanderreihung von Vortrag-Charts erinnert. Dennoch: Wer an der Entwicklung von Führungskräftenachwuchsprogrammen arbeitet, kann sich aus dem Buch viele Anregungen holen. (HM)

 

Harri Fechtner/Klaus-Jürgen Heimbrock/Hubert Lindenblatt
Erfolgsfaktor Mensch. Im Spannungsfeld zwischen Führen und Dienen.
Luchterhand Verlag 1996, 307 Seiten

Dass für diese Artikelsammlung nur ein sehr kleiner gemeinsamer Nenner gefunden werden konnte, zeigt sich im sehr allgemeinen Buchtitel – Schüler und Kollegen von Fritz Bisani haben sich für eine Festschrift zusammengefunden.

Im breiten Spektrum findet sich manch Aufgewärmtes, viel Akademisches und vereinzelt Exotisches. Zu letzterem etwa zählt ein Beitrag über Personalwirtschaft in der Filmbranche mit einem Ausflug in die Künstlersozialversicherung und zwei Seiten Literaturangaben. Wenn in einem anderen Artikel Fallstudien, Unternehmensplanspiel und Rollenspiel als besonders geeignete Alternativen der Führungskräfteentwicklung angepriesen werden, meint man, sich in eine Seminararbeit Erstsemestriger verirrt zu haben. Die x-te Analyse von Stellenanzeigen bringt auch keinen hohen Neuigkeitswert.

Wo Praktiker über PE-Instrumente geschrieben haben – Beurteilung, Outplacement, computergestütztes Personalmanagement – wird es leidlich informativ, aber auch hier fehlen die innovativen Würfe. Zur ausnehmend schönen Cover-Gestaltung darf man dem Verlag gratulieren, vom Umschlagtext-Versprechen «ein neues Selbstverständnis der Personalfunktion mit zukunftsweisenden, organisatorischen und strategischen Konzepten» wird leider sehr wenig eingelöst. (FB)

 

PETER HEINTEL/LARISSA KRAINER/ MARTINA UKOWITZ
Beratung und Ethik
Praxis, Modelle, Dimensionen
Ulrich Leutner Verlag, Berlin 2006, 275 Seiten, Euro 26,—, ISBN 3-934391-29-X


Dieser Band bietet eine bemerkenswerte Sammlung von Aufsätzen zum Thema Beratung und Ethik, die im Vorwort damit begründet wird, dass das Verhältnis von Ethik und Beratung nicht nur im Kontext zu sehen ist, welche «standesethischen Gebote und Verbote, Normen und Werte feststellbar sind (oder gar vorgeschrieben werden sollen), sondern auch danach gefragt wird, ob die Gestaltung von Beratungsprozessen in den Feldern, in welchen Beratung erfolgt, ein ethisches Potential entfalten kann und umgekehrt, ob für die Etablierung von Ethik Beratungsprozesse dienlich sein können.» Der Band zeigt zugleich den prozessethischen Ansatz auf, der an der Abteilung Weiterbildung und systemische Interventionsforschung der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung an der Universität Klagenfurt entwickelt wurde.

Das Buch repräsentiert zwei Intentionen: eine multiperspektivisch inhaltliche Auseinandersetzung rund um das Thema zu initiieren und zum anderen, wie sich die Auseinandersetzung mit dem Thema Ethik und Beratung, wie sich also der Diskurs gestaltet. Es kommt also darauf an, sich auch mit den Begriffen, Inhalten und Implikationen der Begriffe Beratung und Ethik auseinander zu setzen, was etlichen Autoren in diesem Band gut gelingt.

Im Anhang stellt Martina Ukowitz Überlegungen zu einem Abriß des Themas Beratung und Ethik an, was die Grundlagenarbeit des Forschungsprojektes wiedergibt und den Autoren zur Unterstützung bereitgestellt wurde. Darin zeigt sich bereits, dass ein breites Publikationsfeld vorliegt.

Neben den Beiträgen von Pesendorfer und Buchinger zu den Begriffen Beratung und Ethik lässt sich Altmeister Gerhard Schwarz auf die Auseinandersetzung mit der Moral ein und kommt zu dem Schluß, das Moralische/ Ethische «aus den Beratungsprozessen möglichst herauszuhalten, weil eine solche Wendung der verhandelten Thematik hinsichtlich gemeinsamer Lösungen eher hinderlich als förderlich wirkt». So etwas schafft schon ein interessantes Reizklima bei der Lektüre.

Exner legt sehr persönlich seinen Zugang zu Ethik dar und stellt viele Fragen, auch an KollegInnen. Ein weiterer anregender Beitrag diskutiert den ethischen Anspruch von Interventionsforschung. Die Autorin Krainer beschreibt vor allem die charakteristischen Wertentscheidungen. Auch Frau Heimerl setzt sich mit der Rolle von Forschung und Beratung auseinander. Frau Seliger, Herr Schober und Herr Sicher berichten von einem konkreten Beratungsprojekt im Kontext der Verhältnisse Ethik und Gesundheit. Diese Überlegungen setzt Herr Schober in einem weiteren Aufsatz fort.

Herrn Kranz und Herr Heintel widmen die beiden letzten Beiträge Fragen der Ethik und Moral, bzw. Herr Heintel stellt Beratung, die sich nicht auf reine Fachberatung beschränkt als einen Ort dar, wo ethische Antworten in neuer Qualität nötig wären. Er bietet eine Anleitung für die Anwendung des Klagenfurter prozessethischen Beratungsmodells an.

Die Beratung im Feld der Organisationsentwicklung hat sich mit der Professionalisierung in den 70er – 90er Jahren sehr schwer getan, weil der primäre Entwicklungsantrieb der Marktzugang war. Das hat sich im letzten Jahrzehnt durch die zunehmenden reflexiven Anteile verändert. Und dafür leistet dieses Buch einen wichtigen Beitrag, gerade in den (ausklingenden) Zeiten der Globalisierung und des rabiaten Kapitalismus, denn offensichtlich beginnt ein neuer Wettbewerb der ökonomischen und moralischen Werte. (KT)

 

Bertelsmann Stiftung & Heinz Nixdorf Stiftung (Hrsg.)
Studium Online Hochschulentwicklung durch neue Medien.
Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2000, 175 Seiten

Die Inhalte beruhen auf der Arbeit des Expertenkreises "Hochschulentwicklung durch neue Medien", der von der Bertelsmann und der Heinz Nixdorf Stiftung ins Leben gerufen worden ist. Dabei handelt es sich um ein hochrangiges Gremium von Wissenschaftlern aus den Bereichen Medienmanagement, Wirtschaftsinformatik, Pädagogische Psychologie und Hochschulentwicklung (Peter Glotz, August-Wilhelm Scheer, Heinz Mandl, Detlef Müller-Böling u.a.). Wesentliches Ziel war es, den Einfluss der neuen Medien auf das Bildungssystem zu diskutieren, sich abzeichnende Trends festzuhalten und den Akteuren in Bildung und Bildungspolitik ein erstes Rüstzeug für die Neue Welt mit auf den Weg zu geben.

Dem Leser wird gleich zu Beginn sehr anschaulich aufgezeigt, dass sich unser Bildungssystem in einem rasanten Wandelprozess befindet: Das Internet führt zu vollkommen neuen Formen des virtuellen Lernens und Lehrens, die Globalisierung bringt eine weltweite Öffnung und Kommerzialisierung des Bildungsmarktes mit sich, traditionelle Universitäten bekommen unerwartete Konkurrenz durch internationale Bildungskonsortien und Corporate Universities. Herzstück des Buches stellt das Szenario "Die Universität im Jahre 2005" dar, mit dem solche und ähnliche Entwicklungen sehr präzise und verständlich auf den Punkt gebracht werden. Dabei entsteht gleichsam das Bild eines "Bildungssupermarktes", in dem sich der lebenslange Lerner mit Hilfe professioneller Bildungsbroker ein auf seine spezifischen Bedarfe zugeschnittenes "Bildungsmenü" zusammenstellen kann - weltweit, immer aktuell und mit der Unterstützung neuester Technologien. Für die staatlichen Universitäten sehen die Autoren da nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie springen frühzeitig auf den Zug der neuen Medien mit auf und bieten neben Präsenzveranstaltungen eigene Formen des Online-Studiums an. Oder sie entwickeln sich zu Elite-Einrichtungen mit grosser Nähe zu den Studierenden und von besonderer wissenschaftlicher Exzellenz.

Rund um das Szenario gesellen sich Beiträge, in denen einzelne Facetten des Themenkomplexes vertieft werden. So beschäftigt sich ein Beitrag mit den veränderten pädagogischen Herausforderungen, die die neuen Technologien mit sich bringen. Ein anderer bietet Handfestes zur Frage der Finanzierung virtueller Lern- und Studienangebote. Ein dritter greift das Thema Qualitätssicherung auf. Das Buch endet mit den Ergebnissen einer Benchmarking-Studie, in der verschiedene internationale Projekt mit Vorbildcharakter - etwa der internetbasierte Bildungsanbieter Unext.com oder die Motorola University - vorgestellt werden.

Ich kenne bislang kein aktuelleres und ergiebigeres Buch zur Frage der IT-Integration im Bildungsbereich (und dies alles zu dem sensationellen Kaufpreis von 20,00 DM!). Hervorzuheben ist auch die Ausgewogenheit, mit der die verschiedenen Fragen der neuen Medien aufgegriffen und behandelt werden; an kaum einer Stelle ist das häufig zu beobachtende Abgleiten in die Denk- und Sprechweise der "IT-ler" zu verzeichnen. Aus einer OE-Perspektive macht das vorliegende Buch weiterhin klar, dass es dieses Mal sehr ernst werden könnte mit der Hochschulentwicklung: Nicht weil im Innern der Hochschulen schon überall die Einsicht in die Veränderungsnotwendigkeiten gereift wäre, aber weil von aussen derart schnelle und gewaltige Veränderungen auf sie zulaufen, dass Selbstveränderung schon bald zu einer Frage des puren Existenzerhalts werden könnte.

RODERICH HEINZE
Keine Angst vor Veränderungen. Change-Prozesse erfolgreich bewältigen
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2004, Euro 29.90, ISBN 3-89670-435-4


Der Verlag kann sich überaus glücklich schätzen, dass ihm eine ebenso geniale wie pointierte Ikone wie Carl Auer die Vermarktung seines Namens erlaubt hat. Sein Geist wirkt als Attraktor auf Autoren ebenso wie auf das Programm und das Management der Verleger. Das Resultat sind viele Bücher, die nicht nur die Idee des Systemischen wirkungsvoll verbreitet haben, sondern auch unmittelbar auf die Befriedigung der den Lesern selbst bisher unentdeckten Bedürfnisse grossen Einfluss genommen haben.
Wir erfahren ja gerade auf gesellschaftlicher Ebene am eigenen Leibe, dass Erfolg und Wachstum Grenzen haben. Dies Buch ist ein Beleg dafür auf verlegerischer Ebene.
Nicht, dass das Buch sehr schlecht wäre, aber ich kann damit wenig anfangen. Es ist flüssig geschrieben, verarbeitet eine grosse Menge an Konzepten und Ideen, was dem kundigen Leser neue Verknüpfungen ermöglicht. Die Aussagen sind verwertbar, aber alles wirkt sehr oberflächlich und wenig konkret. Nehmen wir beispielsweise den knapp 2-seitigen Teil über "Vertrauen_schaffen": Es ist eine Mischung aus sehr fordernden Andeutungen und trivialen Aussagen. In keiner Weise hilfreich für das Management und die Beratung von Veränderungen. Oder das Kapitel über Widerstände. Oder nehmen wir den Passus über das "Entlernen". Ein wichtiges Thema, das hier diskutiert wird. Aber: Wie mache ich das dann nun vor Ort? Wie rege ich das an? Wie mache ich das Thema anschlussfähig?
Das soziale Ereignis Widerstand auf den Umgang mit Problemen zu reduzieren ist originell, aber auch dazu angetan, die eigenen blinden Flecken im Umgang mit Widerständen zu potenzieren. Zudem gibt es viele unerklärte bzw. nicht aufgelöste Widersprüche. Es wird der St. Gallener Managementansatz ausführlich dargestellt - in einem Buch, das sich doch der systemischen Idee verschrieben hat. Wieso wird an keiner Stelle dieses Management-Modell als deterministisch problematisiert? Es ist doch geprägt von Mach- und Kontrollierbarkeits-Vorstellungen von Führung und Organisation. Insofern gab es viele Einwände gegen das Modell, auch wenn es eine grosse Faszination bewirkt. Es sind also auch viele Inkonsistenzen im Buch kritisch zu hinterfragen.
Und der Klappentext verheisst einen Unterschied, der so gar nicht existiert bzw. eingelöst wird: Das ist pure Werbe-Grammatik: Aufmerksamkeit erregend, aber inhaltlich leer, weil genau das die OE in der Urversion postuliert. Sie hat aber heute damit Probleme (wie wir gerade in dieser Zeitschrift diskutieren), weil die OE zu sehr auf die Innenwelt der Systeme fokussiert ist und darin ist auch dieses Buch gefangen.
Nochmal: Das Buch ist anregend und ideenreich, aber es löst den reisserischen Titel in keiner Weise ein und enttäuscht durch unerfüllte Andeutungen aus der enormen Fülle der Literaturzitate und Modellvorstellungen und auch durch Widersprüche. (KT)

 

KAI MERTINS/KAY ALWERT/PETER HEISIG (HRSG)
Wissensbilanzen. Intellektuelles Kapital erfolgreich nutzen und entwickeln.
Springer Verlag, Berlin 2005, 392 Seiten, Euro 39, ISBN 3-540-23719-4


Die Einsicht, dass herkömmliche Controlling- und Managementinstrumente unzureichend Auskunft über die nicht-materiellen Vermögenswerte von Unternehmen geben, hat sich mittlerweile in der Controllingliteratur durchgesetzt. An Instrumenten mangelt es unterdessen ebenso nicht. Und auch nicht an der Einsicht, dass dies ein schwieriges, wenn nicht – je nach Anspruch – fast unmögliches Unterfangen ist. Deshalb ist Zeit für eine Bestandsaufnahme der Methoden und Erfahrungen.

Kai Mertins, Kay Alwert und Peter Heisig haben dazu 21 Beiträge zusammengestellt, die nach ihren Angaben aktuelle Arbeiten der Wissensbilanzierung im europäischen Raum und Ergebnisse deutscher Unternehmen zusammenführen. Sie erlegen ihrem Band jedoch keine Struktur auf. Es sind darin in loser Reihenfolge Überblicksarbeiten zu verbreiteten Bewertungsansätzen im europäi- schen Raum (z.B. Alwert et al.), im deutschen Maßstab (z.B. Alwert und Vorsatz) und Länderinitiativen (z.B. Edvinsson, Heisig) vertreten; Arbeiten, die eher Probleme, Herausforderungen und den Ablauf des Erstellungsprozesses einer Wissensbilanz ins Visier nehmen (z.B. Bornemann et al., Leitner, Reinhard und Flicker) wie auch Beiträge, die die Methoden der Wissensbilanzierung und deren praktische Anwendung präsentieren (z.B. Bornemann et al., Nagel und Mohr, North und Grübel, Mouritsen und Bukh). Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Wissensbilanzierung für Forschungseinrichtungen ein (z.B. Alwert, Biedermann und Graggober, Blum und Borrmann, Grasenick).

Die Fragen, die sich mit dem Titel des Buches stellen, liegen auf der Hand: Was unterscheidet eine Wissensbilanz von anderen Instrumenten der Messung und Bewertung? Was ist eine Wissensbilanz? Warum nun gerade der Begriff der Wissensbilanz traktiert wird, beantworten Mertins, Alwert und Heisig nicht und überlassen dies im Einzelnen und mit unterschiedlichem Ergebnis den Autoren und Autorinnen im Band. Von einer Bilanz erwartet man im Allgemeinen Auskunft über die Mittelverwendung und -herkunft der Investitionen in das Wissen einer Organisation. Mithin stehen auf den ersten Blick die interne und externe Dokumentation, Gewinnerermittlung und Informationsfunktion im Mittelpunkt. Wie jedoch aus einer Bestandserfassung von Wissen, dessen Steuerung und Nutzung möglich wird, ist eine der entscheidenden Fragen. Beantwortet der Band diese Frage? Ja und Nein.

Ja, indem die Beiträge Kennzahlen als Bestandteil der Wissensdokumentation zwar thematisieren, gleichzeitig aber darauf verweisen, dass es hier um ein erweitertes Verständnis organisationaler Wertschöpfung geht. Und dies bedeutet in Organisationen vor allem eine andere, erweiterte Kommunikation mit dem Ziel gemeinsam geteilter Vorstellungen und Verständnisse zur eigenen Wissensbasis (siehe Beträge von Alwert et al., Bornemann et al.). Dies rückt die Diskussion um die Messung und Bewertung von Wissen in die Nähe der Organisationsentwicklung und damit von der reinen Bewertung in Richtung eines Managements von Wissen.

Nein, da die Analyse und Analytik der Effekte der Messung, Bewertung und Steuerung von Wissen auf Appellebene verbleibt. Gerade diese Analyse (oder wenigstens deren Ergebnisse) würde Praktiker jedoch ebenso befähigen. Der Anfang ist zwar gemacht, geht es in diesem Buch nicht mehr allein um eine Instrumenten- oder Modellbesprechung, sondern zunehmend um Messinstrumente als Hilfsmittel für Kommunikation, Wandel und Personalentwicklung (sie-he Beiträge von Bornemann et al., Koch und Pircher, Reinhardt und Flicker) und um die Schwierigkeiten und Herausforderungen ihrer Anwendung (siehe Beiträge von Andriessen, Leitner). Eine Analyse eben jener Schwierigkeiten verbleibt in den Beiträgen jedoch auf der Ebene unstrukturiert gesammelter Erfahrungen.

Im Ergebnis ist es ein Band, in dem sich Praktiker Informationen zur Verbreitung und Anregung zum Entwurf entsprechenden Messinstrumentariums abholen können – Wie geht man vor? Worauf ist zu achten? – und in dem sie Hinweise finden, die eine Sensibilisierung gegenüber Implementierungsproblemen bewirken können. (AF)

 

Kai Mertins / Peter Heissig / Jens Vorbeck (Hrsg.)
Knowledge Management. Best Practices in Europe
Springer-Verlag, Heidelberg 2001, 236 Seiten


Wer nach weiteren Fallstudien zum Wissensmanagement sucht, kann auch zu diesem - ebenfalls in englischer Sprache verfassten - Band greifen. Er ist aus dem Kontext der umfassenden Benchmarking Studie über Wissensmanagement in Europa des Competence Center Knowledge Management am Fraunhofer IPK in Berlin entstanden.

Im ersten Teil stellen die Autoren den konzeptionellen Rahmen vor: Peter Heisig verknüpft Wissensmanagement mit den Konzepten der Geschäftsprozessoptimierung. Jens Vorbeck und Ina Finke skizzieren ein Motivationsmodell des Wissenmanagement und beschreiben die dafür erforderlichen Aufgaben des human resource management. Heisig, Vorbeck und Johannes Niebuhr zeigen die Relevanz des "intellectual capital" für eine wissensbasierte Ökonomie auf und setzen sich mit Fragen seiner Messung auseinander. Ingo Hoffmann schliesslich listet Instrumente des Wissensmanagement auf, allerdings mit starker Orientierung an ausschliesslich techno-logischen Methoden. Der mittlere Teil des Buches enthält die ausführlichen Untersuchungsergebnisse zur Praxis des Wissensmanage- ments aus einer Befragung deutscher und europäischer Top-Unternehmen, der umfangreiche dritte Teil beinhaltet ausgewählte Fallstudien über Best Practises nun nicht mehr nur einer Firma, sondern einer ganzen Reihe: Arthur D.Little; British Aerospace; Booz Allen & Hamilton; Celemi AB; Hewlett Packard Austria; IBM Global Services; Phonak; Roch Diagnostics; Skandia und Thomas Miller & Co.

Auch dieses Buch ist eine informative Fundgrube. Die kompakten Fallstudien sind insgesamt eher konzeptionell beschreibend, denn die Praxis reflektierend, bieten aber einen guten Überblick. In einem abschliessenden Service-Teil werden dann noch europäische Institute vorgestellt, die sich mit Fragen des Wissensmanagements beschäftigen.

 

BARBARA HEITGER / ALEXANDER DOUJAK
Harte Schnitte - Neues Wachstum. Die Logik der Gefühle und die Macht der Zahlen im Change Management. Das Konzept der Un:balanced Transformation
RedlineWirtschaft bei Ueberreuter, Frankfurt/Wien 2002 ISBN 3-8323-0913-6, 326 Seiten, ¤ 34.00 CHF 53.80


Auch Veränderungsprozesse beziehen ihre Energie aus der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Polen - und diese Spannungsfelder im Change Management sind der Fokus des neuen Buches aus dem Kreis der Beratergruppe Neuwaldegg. Es geht um die Verknüpfung von harten Rationalisierungsschritten mit organisatorischen Wachstums- und Erneuerungszielen und um entsprechende Change-Konzepte, die sowohl die Macht der Zahlen wie die Logik der Gefühle berücksichtigen.

Das Buch ist nicht nur höchst aktuell - es ist auch ein sehr wichtiges Buch für alle Manager und Berater, die sich mit der gegenwärtigen Praxis der Veränderungsarbeit auseinandersetzen. Schon in den einleitenden Kapiteln, in denen die Probleme vieler Change-Projekte beim Namen genannt werden, spürt man, dass es den Autoren darum geht, ihre eigenen konkreten Erfahrungen aus der Praxis kritisch zu reflektieren. Ausgehend von einer Landkarte differenzierter Change-Konzepte, erläutern sie ihr Konzept der Un:balanced Transformation, nämlich das gekonnte Umgehen mit den strukturellen Widersprüchen, die die gleichzeitige Verfolgung von Rationalisierung und Wachstumszielen notwendigerweise mit sich bringen. Dies trifft sowohl den blinden Fleck der alten Organisationsentwicklung, die sich auf die vorgeblich "weichen" Faktoren der Kulturentwicklung zurückziehen will und die rauhe Welt der Zahlen nicht zur Kenntnis nimmt, wie auch die komplementären blinden Flecken mancher Beratungsorganisationen (und Manager), die glauben auf die Emotionen der durch die Veränderung Betroffenen und die schwierigen Prozesse der kulturellen Transformation keine Rücksicht nehmen zu müssen.

In den 7 Fallbeispielen in der Mitte des Buches wird deutlich, wie wichtig eine Projektarchitektur ist, die der Komplexität und den Interessenskonflikten und Widersprüchlichkeiten im Veränderungsprozess gerecht wird. Die verschiedenen AutorInnen der Beratergruppe Neuwaldegg liefern keine Berichte ab, sondern setzen sich mit ihren jeweiligen Projekterfahrungen auseinander, um daraus "Lessons learned" zu ziehen.

Im letzten Kapitel des Buches - Interventionen, Designs, Architekturen - öffnen dann die profilierten Berater ihre Werkzeugkiste und zeigen beispielhafte Gestaltungsmöglichkeiten für Manager und Berater in Veränderungsprozessen. In den Schritten "Wann einsetzen", "Was bewirken", "Wie vorgehen", "Was braucht man" und "Kommentar" werden Elemente von Veränderungsarchitekturen, Veranstaltungsdesigns und Interventionen in den Prozessverlauf vorgestellt. - Rezepte, die allein noch kein gutes Menu garantieren, aber kreatives Kochen erlauben.

Gut zum Thema passen die kraftvolle Sprache der Autoren und eben auch die graphische Gestaltung, die etwas Aufrüttelndes, "Vibrierendes" an sich hat. (HM)

FRANK BOOS/ BARBARA HEITGER (HRSG)
Wertschöpfung im Unternehmen
Wie innovative Dienstleister die Wettbewerbsfähigkeit steigern
Gabler Verlag, Wiesbaden 2005, 360 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-409-12748-8


In den letzten Jahren rücken die internen Unternehmensfunktionen zunehmend ins Blickfeld, da sie durch das Management von Informationen und die Entwicklung von Potenzialen, Ressourcen und Strukturen einen wichti- gen Beitrag zur Steuerung von Organisationen leisten. Unternehmen lassen sich heute nicht einfach mehr von oben steuern – die Steuerungsimpulse sind vielmehr über die ganze Organisation verteilt. Diese interne Komplexität von Organisationen stellt wachsende Anforderungen an die internen Funktionen. Diese schlagen sich dort in Umbrüchen nieder, die von einem starken Professionalisierungsdruck zeugen. Das Buch aus dem Umfeld der Forschungsgruppe Neuwaldegg will einen Beitrag dazu leisten, die Wert schöpfenden Potenziale dieser Funktionsbereiche gezielter für die Organisationen nutzbar zu machen.

In ihrer Einleitung skizzieren die Herausgeber (zusammen mit Cornelia Hummer) die Entwicklungslinien und die Widersprüche und Spannungsfelder der internen Funktionsbereiche. Mit Recht kritisieren sie, dass diese Funktionen selbst noch viel zu wenig zusammen arbeiten – eine Aufgabe, die angesichts der Wechselwirkungen der jeweiligen Konzepte und Tätigkeiten dringend erforderlich wäre. Das Buch gliedert sich dann in die relevanten Funktionsbereiche: Unternehmenssteuerung, Strategie und Corporate Development, Controlling, Human Resources, Unternehmenskommunikation, IT und Interne Beratung und Organisation. In zwei bis drei Beiträgen unterschiedlicher Autoren werden jeweils zentrale Aspekte und Problemfelder der angesprochenen Bereiche analysiert. Die einzelnen Beiträge sind in ihrer Machart sehr unterschiedlich (und sicherlich aus unterschiedlichen Kontexten heraus entstanden), was einerseits reizvoll ist, weil dadurch auch deutlich unterschiedliche Aspekte durchleuchtet werden. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass in den Beiträgen der Bezug zu den in der Einleitung dargestellten Fragestellungen und Thesen deutlicher geworden wäre – insbesondere was die Rolle der jeweiligen Funktionsträger anbelangt. Das Buch bietet so eher eine gute Bestandsaufnahme der Arbeit der Neuwaldegger und ihrer Forschungspartner in den jeweiligen Funktionsfeldern, als die stringente Verfolgung des Themas, wie sich die Handlungsträger in diesen Funktionsfeldern besser auf die auf sie zukommenden Herausforderungen einstellen können, was zunehmend auch zu einer Überlebensfrage wird. Schließlich sind gerade die internen Unternehmensfunktionen immer wieder Kandidaten bei «Make or buy»-Entscheidungen. Und wenn man in diesen Bereichen als Berater arbeitet, spürt man auch immer wieder die Unsicherheit bei den Betroffenen, wie man sich strategisch aufstellen und die eigenen Potenziale entwickeln könnte. Wer sich auf die heterogenen Beiträge einlässt, kann diesbezüglich durchaus fündig werden, muss aber selbst seinen roten Faden entwickeln. (HM)

 

Christof Schmitz/ Barbara Heitger/ Peter-W. Gester (Hrsg.)
Managerie – 4. Jahrbuch. Systemisches Denken und Handeln im Management
Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 1997, 326 Seiten, DM 59.80

Und wieder ist das neue, vierte Jahrbuch der Managerie gelungen! Das liegt an dem Basis-Konzept und der Qualifikation der Herausgeber, was zu einer hilfreichen Verbindung von Theorie und Praxis des systemischen Ansatzes führt. Es geht, wie die Herausgeber formulieren, «nicht um perfekte Lösungen oder entgültige theoretische Entwürfe, sondern darum, für an Konzepten und Erfahrungen interessierten Praktikern Trends und Entwicklungen, Pionierprojekte und wichtige Spezialfragen zu thematisieren und die Vielfalt des Systemansatzes zur Sprache zu bringen.» Und zur Geltung, würde ich hinzufügen wollen.

Es werden Praxisberichte über (Veränderungs-)Projekte, Konzepte (Selbstorganisation, Lernende Organisation, Vertriebsmanagement, Innovation und Zukunftsmanagement) und Arbeiten über NPO-Management, Amts-Management und der Umgang mit Krisen zusammengestellt. Und zwar von Menschen, die immer wieder etwas erproben, neu reflektieren und Erfahrungen öffentlich machen. Das Buch gibt es nicht umsonst, ist aber, verglichen mit anderen Publikationen dieses Umfangs, sehr preiswert. (KT)

 

HEITSCH & PARTNER
Coaching im Begleitbesuch (eine DVD). Die Führungskraft im Vertrieb als Coach ihrer Mitarbeiter
manager Seminare Verlags GmbH, Bonn 2006, 35 Min., Euro 122.–, ISBN 3-936075-46-8


Das Coaching hat sich als eine auf die Beziehung von Person und System gerichtete Beratungsform enorm verbreitet in den letzten Jahren. Das hat verschiedene funktionale und sinnvolle Gründe, und ist deshalb nicht nur als Mode abzutun. Zu kritisieren wäre eher, dass sich so viele Menschen plötzlich zum Coach berufen fühlen. Hier bieten sich inkompetenten Beratern große Marktchancen, weil die intime Beratung, anders als bei der Organisations-, Gruppen- und Unternehmensberatung kaum öffentlich kontrolliert werden kann.

unbearbeitete Verfahrensfragen und auch viel Widerstand (von beiden Seiten). Dieser Trainingsfilm bietet neben dem generellen Vorzug, die audiovisuelle Vermittlungen bereitstellen, den Vorteil, dass sich sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter und Coaching Lernende einen gut gemachten Film ansehen können, der sehr einfach und prägnant zeigt, wie ein Verkäufer-Coaching aussehen und gestaltet werden kann. Damit können Barrieren gegen das Coaching als gezielte Förderung von (Vertriebs-)Mitarbeitern abgebaut werden, und die Führungskraft lernt, was sie im Coaching zu leisten hat. In der DVD werden Verkaufsgespräche, die Analyse des Kundengespräches sowie die abgeleiteten Empfehlungen für Verhaltensänderungen gezeigt. In einer Analogieübung Klettern wird gezeigt, wie man Erfolg haben oder scheitern kann.

Die DVD eignet sich also bestens für szenische Präsentationen im Training für Führungskräfte und Coaches. (KT)

 

Peter M. Hejl/Heinz K. Stahl (Hrsg.)
Management und Wirklichkeit. Das Konstruieren von Unternehmen, Märkten und Zukünften.
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2000, 456 Seiten


Eine der Grundannahmen systemischen Managements liegt in der Auffassung, dass Wirklichkeit nicht von sich aus besteht, sondern vom jeweiligen Betrachter der Welt hergestellt, konstruiert wird. Das bedeutet, dass es nicht eine einzige, "wahre" Wirklichkeit gibt, sondern dass jeder Betrachter seine Wirklichkeit "erfindet". Für das Management von Unternehmen ergeben sich daraus folgende Fragen:

(1) Wie wird "Wirklichkeit" in und durch Unternehmen "konstruiert"?

(2) Wie verändert sich das Verständnis des Managements, wenn Unternehmen als Systeme verstanden werden, die "ihre" Wirklichkeit selbst erzeugen und sich in Teilen selbst regeln?

(3) Wie erscheinen aus einer solchen Perspektive Phänomene wie Vertrauen und Misstrauen, Zeit und Sachzwänge, die Rationalität von Managern oder die Rolle von Metaphern für die Organisation, für die Unternehmenskultur und für die Hierarchie?

(4) Welche Konsequenzen hat das z.B. für die Kommunikation im Unternehmen und nach aussen, für die Wirkung von Werbung oder für die Beziehung zwischen Kunden und Lieferanten?

Auf diese Fragen antworten hier neben den Herausgebern Peter M. Hejl und Heinz K. Stahl so renommierte Autoren, wie Dirk Baecker, Alfred Kieser, Niklas Luhmann, Gerhard Roth, Siegfried J. Schmidt und Rudolf Wimmer.

Es ist der grosse Verdienst der Herausgeber, die Möglichkeiten, Inhalte und die Wirkungen eines systemischen Managements aufzuzeigen und auch die Lernenden zu ermutigen.

Stefan Graf / Fred Henneberger / Hans Schmid
Flexibilisierung der Arbeit. Erfahrungen aus erfolgreichen schweizerischen Unternehmen
Verlag Paul Haupt, Bern 2000, 116 Seiten

Die Arbeit aus dem St. Gallener Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitsrecht beschriebt innovative Flexibilisierungsmodelle unter dem Gesichtspunkt, ob sie einen Beitrag zur Überwindung der Beschäftigungsprobleme leisten können. Dabei wird zwischen Flexibilisierungen der zeitlichen, finanziellen und räumlichen Dimension unterschieden.

Die weitgehend deskriptive Arbeit gibt einen Überblick über einige Schweizer Modelle, aus denen sich Anregungen für die eige-ne betriebliche Praxis gewinnen lassen. Noch sind die Flexibilisierungsansätze überwiegend auf den zeitlichen Faktor bezogen, doch gewinnt die Verknüpfung von Arbeitszeitmodellen mit Entlohnungssystemen immer mehr an Bedeutung. Die Rückschlüsse auf Beschäftigungswirkungen werden allerdings nur aus den Modellen erschlossen und nicht empirisch belegt. Eine etwas kritischere Reflexion der Dilemmata von Flexibilisierungsansätzen habe ich - ausser beim Thema "Telearbeit" - in diesem ansonsten informativen Büchlein auch vermisst.

Carola Hennemann
Organisationales Lernen und die lernende Organisation. Entwicklung eines praxisbezogenen Gestaltungsvorschlages aus ressourcenorientierter Sicht
Rainer Hampp Verlag, München/Mering 1997, 412 Seiten, DM 66.80

Die Flut der Bücher zum «Organisationalen Lernen» und «Lernenden Organisation» (usw., usw. usw.!) verstärkt sich, was auch Ausdruck der Bedeutung des Themas ist, um die Grenzen der OE oder die Enge der PE zu überwinden.

Die vorliegende Dissertation bietet viel von dem, was auch in anderen Publikationen zu finden ist. Neu, interessant und sehr nützlich ist dagegen die Herausarbeitung der doppelten Aufgabenstellung des Organisationalen Lernens (Aufbau von Kernkompetenzen und kritische Hinterfragung als Ziele, die um Konkretisierungen und organisatorische Erfordernisse ergänzt werden), sowie der 3 Schlüsselprobleme Organisationalen Lernens (Kollektivierung individuellen Wissens und Könnens, Sicherstellung einer unternehmensdienlichen Verwendung des verfügbaren Wissens und Könnens sowie die dauerhafte Aufrechterhaltung der Kollektivierungs- und Anwendungsprozesse).

Gerade diese klare Herausarbeitung machen das Buch zur empfehlenswerten und wichtigen Lektüre. Hervorzuheben ist auch, dass die Diskussion der zentralen Ansätze zur Lernenden Organisation (Taylor, Nonaka, Senge) zur Beantwortung der Schlüsselprobleme ergibt, dass hier ein ganz spezifisches Menschenbild erforderlich ist. Das ist häufig in anderen Arbeiten nur implizit vorhanden, so dass hier auch eine der Bedeutungen des Buches liegt.



Frank Herbrand
Interkulturelle Kompetenz. Wettbewerbsvorteil in einer globalisierten Wirtschaft
Verlag Paul Haupt, Bern/Stuttgart 2000, 309 Seiten

Diese Dissertation bei Prof. W. Thom, an der Universität Fribourg zeichnet sich durch sehr konkrete und sehr themenspezifische Handlungs- bzw. Gestaltungsempfehlungen aus und ist deshalb für Führungskräfte, vor allem aber für Personal- und Organisationsentwickler sehr zu empfehlen. Mir fehlt aber der ausdrückliche Hinweis und die ausführliche Begründung, dass interkulturelle Trainings in Zeiten der Globalisierung letztlich für die Vorbereitung von in andere Kulturen zu entsendende Manager nützlich sind, um wichtige Grundlagen für das Verstehen zu schaffen.

Das heisst aber nicht, dass dieses Buch schlecht oder wenig nützlich ist. Im Gegenteil, es ist ein wichtiges Buch.

Der Autor untersucht zunächst den Kulturbegriff und die Konzepte der interkulturellen Kompetenz. Allein das ist für Personal- und Organisationsentwickler sehr hilfreich. Im 4. Kapitel wird dann aber das ganze Spektrum interkultureller Trainings in Ziele, Arten und entsprechenden Inhalten dargelegt. Das ist eine wahre Schatztruhe. Es wird auch auf die Evaluierung eingegangen. Im 5. Kapitel folgen abschliessend die Handlungsempfehlungen zur Entwicklung interkultureller Kompetenz (Zielgruppen, Zeitfragen, flankierende Massnahme, Nutzung vorhandener Kompetenzen und geeigneter Mitarbeiter). Das Ganze ist angereichert mit konkreten Trainingsbeispielen verschiedener Unternehmen, insbesondere in der Bosch-Gruppe, Siemens, Samsung und Fujitsu und sehr plastischen Übungen.

 

Edward B. Klein / Faith Gabelnick / Peter Herr (Hrsg)
Dynamic Consultation in a Changing Workplace
Psychosocial Press / International University Press, 59, Boston Post Road, PO BOX 1524, Madison CT 06443-9986 / USA.   
319 Seiten

Die Herausgeber, Wissenschaftler und Berater aus dem Umfeld des A.K. Rice-Instituts (dem amerikanischen Ableger des Tavistock-Institutes), die ihre Beratung auf die Verknüpfung von Organisationstheorie und Psychoanalyse gründen, haben ein wirklich hochinteressantes, wenngleich auch in vielen Teilen sehr eigenwilliges Sammelwerk zur Beratung in Veränderungssituationen herausgegeben. Und zwar in Form von reflektierten Fallstudien und konzeptionellen Überlegungen, zum Beispiel zur Rolle des Beraters als Container (Klein). Die Autoren des Buches arbeiten alle im gleichen Feld, aber in Frankreich, Deutschland und Australien.

Das Buch behandelt im ersten Teil die Beratung von Unternehmensorganisationen, im zweiten Teil die von Gesundheitseinrichtungen. Im ersten Teil werden Themen, wie die Abgrenzung bzw. Überlappung von Beratung und Führung, neue psychologische Kontraktformen, Identität, Beraterrollen in Familienunternehmen sowie Organisationslernen und Umgang mit Dilemmata bearbeitet.

Im zweiten Teil werden Probleme der Schrumpfung von Einrichtungen, Trainingsgruppen-Beratung u.a. bearbeitet. Ungewöhnlich - wie meistens - verknüpft der einzige deutsche Autor, B. Sievers, diesmal AIDS und die Organisation. Er zeigt, wie in einer Organisation wesentliche grundlegende Annahmen mit der direkten Konfrontation mit dem Tod verändert werden, und zwar nicht nur individuell, sondern institutionell.

Leider wird dieser Arbeits- bzw. Beratungsansatz in Deutschland immer noch vernachlässigt bzw. abgelehnt. Er setzt eben eine tiefe Berater-Qualifikation voraus. Im Land der Dichter und Denker dominiert eben immer noch die Rationalität - auch wenn wir längst wissen und täglich erfahren, dass uns das Unbewusste viel stärker steuert und dies nicht immer im negativen Sinne. Das zu verstehen, eröffnet eben viele neue Perspektiven.

 

RICHARD T. PASCALE, LINDA GIOJA, MARTIN HERRMANN
Chaos ist die Regel. Wie Unternehmen Naturgesetze erfolgreich anwenden
Econ Verlag, München 2002, 303 Seiten


R. T. Pascale, Lehrer und Autor, der mit Büchern zum japanischen Management und Artikeln in der Harvard Business Review bekannt wurde, hat mit 2 Co-Autoren ein Buch zur Anwendung der Chaos-Theorie im Management von Unternehmen geschrieben. Naturgesetzmässigkeiten werden - insbesondere im Kontext der Selbstorganisation - auf Unternehmen übertragen und zwar ausschliesslich an Beispielen von Unternehmen. Die Chaos-Theorie wird so "nebenbei" sehr anschaulich erklärt und in den Wirkungen und Möglichkeiten beschrieben.
Es geht in dem Buch um die Eigenarten lebender Systeme und das Komplexitätsmanagement: Die Welt ist nicht chaotisch, sie ist komplex. "Chaos ist dagegen jene seltene Situation, in der sich keine Muster finden lassen und die Zusammenhänge nicht erklärbar sind!" Wer am Rande des Chaos lebt, ist (notgedrungen) viel experimentier- und veränderungsfreudiger und organisiert sich ständig neu, so dass neue Formen und Verhaltensweisen entstehen. Gleichgewichts- und Harmoniestreben sind oft tödlich. Zentrale Elemente der Chaos-Theorie sind Flexibilität, ständiges Lernen und Veränderungsfähigkeit.
Hier wird ein für das Management sehr relevantes Konzept populärwissenschaftlich dargestellt, um anhand von sehr vielen Beispielen die praktische Relevanz aufzuzeigen. Stil und Anlage des Buches machen es gerade für Manager sehr empfehlenswert. Vor allem mit der provozierenden These, dass bewusst herbeigeführte Krisen viel mehr Chancen für den Unternehmenserfolg bieten als die sogenannten Optimierungsprogramme. (KT)

 

Ned Herrmann
Das Ganzhirn-Konzept für Führungskräfte
Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1996, 400 Seiten, DM 68.-/ÖS 496.-/Sfr 64.-

Das neue Buch von Ned Herrmann, einer der Pioniere auf dem Gebiet des kreativen Denkens in Unternehmen, irritiert und inspiriert zugleich. Gerade zu Beginn merkt man doch, dass das Buch sehr für den amerikanischen Geschmack geschrieben ist. Da ist mir vieles zu schablonenhaft, z.B. wo es um Geschlechtsdifferenzierung und die Zuordnung von Berufen zu Denk-Mentalitäten geht. Dass sich persönliche Mentalitäten in der Auseinandersetzung mit der Umwelt entwickeln, dass es dabei um Prozesse und wechselseitige Beeinflussung geht, kommt zu kurz - da wird vieles allzu schnell in anschauliche Schubladen gesteckt. Dennoch: wer dies in Kauf nimmt und weiter liest, stösst auch auf viel Anregendes: Da wo es um die Wahrnehmung von und den Umgang mit unterschiedlichen Denkgewohnheiten in der Gestaltung der wechselseitigen Kommunikation geht, gewinnt das Buch mit seinem Plädoyer für die produktive Nutzung unterschiedlicher Denkstile an Stärke. Interessant sind z.B. die Ausführungen, wie Mentalitäten der Vorgesetzten ihre Einschätzung und den Umgang mit ihren Mitarbeitern beeinflussen.

Auch in den Ausführungen zu unterschiedlichen Lerngewohnheiten, zur Persönlichkeitsentwicklung und zu den Prozessen, die eine Entfaltung von Kreativität ermöglichen, kann jemand, der mit Veränderungsprozessen in Firmen und Institutionen zu tun hat, viel Nachdenkenswertes finden.

Deshalb: Auch wenn man manches kritisch sehen muss, lohnt sich die Auseinandersetzung mit dem Buch.

 

GUIDO HERTEL/UDO KONRADT (HRSG)
Human Resource Management im Inter- und Intranet
Hogrefe Verlag, Göttingen, 2004, 356 Seiten, Euro 36.95, ISBN 3-8017-1731-3


Personalarbeit wird zunehmend mit Hilfe des Inter- und Intranets durchgeführt. Das reicht von der Unterstützung der Administration über Support bei strategischen Aufgaben des Personalmanagements bis hin zum webbasierten Change Management. Eine Übersicht tut Not! Die Herausgeber versprechen im Klappentext, dass «die gesamte Spannbreite webbasierter Personalarbeit» dargestellt wird, und Gestaltungsempfehlungen für Anwender und Benutzer gegeben werden. Das macht natürlich neugierig.

Prof. Dr. Guido Hertel (Univ. Würzburg) und Prof. Dr. Udo Konradt (Univ. Kiel) lehren, forschen und beraten seit einigen Jahren über virtuelle Arbeit und Organisation und haben daher hinreichend Erfahrung sowohl im Forschungs- als auch im Anwendungsbereich. In ihrem Sammelband präsentieren sie insgesamt 18 Kapitel von 30 Experten, um die vielfältigen Möglichkeiten inter- und intranetbasierter Personalarbeit im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen.

Gut gelungen ist die Gliederung. Die Kapitel stehen nicht einfach nebeneinander, was oftmals in herausgegebenen Sammelbänden der Fall ist, sondern sie sind anhand eines Phasenmodells gegliedert, und sie nehmen inhaltlich Bezug aufeinander. Dem Phasenmodell liegen drei zentrale Schritte des HRM zugrunde: 1) Anwerbung, Auswahl und Platzierung von Mitarbeitern, 2) Integration von Mitarbeitern und Regulation der Zusammenarbeit, und 3) Entwicklung und Förderung von Mitarbeitern. Konzeptuelle Arbeiten auf der Basis empirischer Studien und konkrete Fallbeispiele aus der Praxis mit konkreten Gestaltungsempfehlungen wechseln einander ab.

Zum Thema «Auswahl und Platzierung von Mitarbeitern» werden E-Recruitment, online Job-Börsen, webbasierte Potenzialanalyse und Formierung virtueller Teams behandelt. Außerdem erfährt man etwas über die zukünftige Entwicklung vernetzter Arbeit und deren Auswirkung, u.a. auf den Verlauf individueller Karrieren. Mir persönlich hat der Insider-Bericht über E-Cruiting bei Bertelsman gut gefallen, weil man konkret erfährt, welche Maßnahmen und Tools aus welchem Grund eingesetzt werden. Außerdem ergänzt dieser Fallbericht das vorhergehende Kapitel zum Personalmarketing und Recruitment im Internet, das den konzeptionellen Hintergrund beleuchtet und eine breite Übersicht über Anwendungsmöglichkeiten gibt.

Im zweiten Teil zur Integration von Mitarbeitern und Regulation von Zusammenarbeit geht es um elektronische Kommunikation, Feedbacksysteme (einschließlich 360°), Groupware, Workflowmanagement, Führung und Motivierung in virtuellen Teams, sowie um Beanspruchungsevaluation und Gesundheitsförderung. Neben der Reichhaltigkeit von Themen fällt positiv auf, dass State-of-the-Art Information jeweils sowohl aus empirisch-wissenschaftlicher Sicht als auch aus der Anwendungs- und Benutzerperspektive angeboten werden. Das Fallbeispiel zur Leistungsbeurteilung auf Grundlage von 360° in 25 Ländern blieb mir in besonderer Erinnerung, da sowohl potenzielle Fallstricke reflektiert, als auch konzeptionelle Neuerungen ausprobiert und evaluiert werden.

Um die Entwicklung und Förderung von Mitarbeitern geht es im dritten Teil des Buches. Im Vordergrund stehen dabei Themen wie netzbasierte Mitarbeiterbefragungen, Wissensmanagement und Organisationales Lernen, E-Learning, Mitarbeiterportale sowie Personal und Teamentwicklung in virtuellen Gruppen. Auch hier finden sich sowohl konzeptionell, empirische Arbeiten (zum Beispiel zu den Themen Wissensmanagement oder E-Learning) als auch konkrete Fallbeispiele, etwa die Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines Basistrainings für virtuelle Teams bei der Siemens AG.

Im letzten Kapitel wird von internationalen Experten ein interessanter Blick über den Tellerrand des eHR vermittelt. Um als integrierendes Schlusskapitel fungieren zu können, hätte dieser in noch stärkerem Zusammenhang mit den übrigen Kapiteln des Buches und den Verhältnissen in Deutschland gestellt werden können.

Dennoch überzeugt das gesamte Werk. Es gibt erstmals im deutschsprachigen Raum einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Formen, Möglichkeiten und Risiken von Electronic HRM. In allen Teilen kommen Experten aus der Praxis und aus der Wissenschaft zu Wort, und die Integration ihrer Perspektiven ist sehr gut gelungen. Obwohl der Schwerpunkt nicht auf Change Management liegt – es ging ja darum die «gesamte Spannbreite webbasierter Personal- arbeit» abzuhandeln, was meiner Ansicht nach auch eingelöst wurde – erfährt auch der an Veränderungsprozessen in der Personalarbeit Interessierte eine Menge Neues und Verwertbares. (Fx)

 

Berkel, Karl/ Herzog, Rainer
Unternehmenskultur und Ethik
Arbeitsheft Führungspsychologie, Band 27, Verlag Sauer, Heidelberg 1997, DM 28.–

Der erste Teil des Buches bringt eine gute Einführung ins Thema Unternehmenskultur, u.a. auch mit vielen Literaturhinweisen für Lesende, die sich weiter vertiefen möchten. Interessant sind die Transferkapitel «Unternehmenskultur und Führung» und «Unternehmenskultur und Personalmanagement», und auch das Kapitel, das sich mit der Aktualität der Ethikdiskussion auseinandersetzt und mit der Formulierung von Zielen einer Unternehmensethik abschliesst.

Bis dahin wirkt das Buch handlich und anregend; diese Teile könnten sehr gut für konzentrierte Information zum Thema z.B. im Rahmen von Schulungen oder OE-Prozessen genutzt werden. Die anschliessenden Grundfragen zur Ethik sind für den Laien nicht immer leicht zu erfassen und vor allem nicht leicht zu beurteilen. Man ist dankbar für die illustrativen Beispiele.

Ganz anders dann der Teil «Praxis der Ethik in Unternehmen». Hier werden sehr konkrete Fragen bearbeitet und dabei eine Fülle von Analyse- und Meinungsbildungsinstrumenten angeboten.

Wer in diesem Buch sichere Antworten sucht, was ethisch richtig resp. falsch ist, wird enttäuscht sein. Wer aber über Unternehmensethik nachdenken will, wer danach sucht, ethische Fragen stellen zu können, implizite Haltungen und Werte in seinem Unternehmen zu erfassen oder eine ethisch orientierte Wertebildung bei Führungskräften und Mitarbeitenden umzusetzen, findet hier Anregung und vielfältige Denkhilfen

 

Gerhard Hesch
Das Menschenbild neuer Organisationsformen Mitarbeiter und Manager im Unternehmen der Zukunft Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 1997, 200 Seiten, DM 89.-

Nach einer analysierenden und zusammenfassenden Darstellung der literarisch und real existierenden Menschenbilder werden deren Folgen untersucht. Auf der Basis der neuen Anforderungen an die Organisationen sowie die Mitarbeiter und Manager wird das Menschenbild neuer Organisationsformen entwickelt und erste Hinweise (Vertrauensorganisation, Zeitfaktor) zur Durchsetzung gegeben.

Abgesehen von einer Reihe von zu wenig tief analysierten Quellen (Maslow selber hat seine Bedürfnisklassen nie als Hierarchie dargestellt, usw.) ist der analytische Teil eine systematische und daher nützliche Darstellung der vorhandenen Menschenbilder und der Folgen für die betriebliche Praxis. Das zukünftig notwendige Menschenbild hebt die wesentlichen Merkmale hervor, bleibt aber insgesamt oberflächlich. So hätte untersucht werden können und müssen, wie mit den Folgen des Konstrukt-Charakters in der Praxis umgegangen werden muss (Entwicklungsprozesse zu einer von den meisten Betroffenen geteilten Wirklichkeit). Die Arbeit bietet aber eine gute Grundlage und fordert zur weiteren Diskussion heraus.

 

EVA NEUMANN/ SABINE HESS/TRAINERNETZWERK STUDY& TRAIN
Mit Rollen spielen. Rollenspielsammlung für Trainerinnen und Trainer
ManagerSeminare Verlag Bonn 2005, 368 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-936075-35-2


Rollenspiele rufen in Trainings meistens Abwehrreaktionen hervor. Nichtsdestotrotz können sie sehr ergiebig sein, gerade wenn es darum geht, kommunikative Situationen zu analysieren, zu reflektieren und zu erproben. Wichtig dabei aber ist, dass die Rollenspiele inhaltlich an die Erfahrungs- und Erlebniswelten der Teilnehmer anknüpfen und lebensnahe, herausfordernde Situationen simulieren. Kann da ein Buch nützlich sein, das eine Sammlung von Rollenspielen zu unterschiedlichen kommunikativen Settings zusammenstellt? Um es vorweg zu nehmen: es kann. Und zwar deshalb, weil die beiden Autorinnen – ergänzend unterstützt durch weitere Trainerinnen des Stuttgarter Trainernetzwerks study@train – keine plumpen Standardrollenspiele anbieten, sondern eine gute Mi- schung aus realitätsnahen, kommunikativen Alltagssituationen, aber auch phantasievolle Rollenaufgaben, die kreatives Experimentieren erlauben (Wie verkauft man Eskimos Kühlschränke?). Darunter sind auch einige sehr komplexe Rollenspiele, die mit einer Vielzahl von Rollen ein spontanes Agieren in unterschiedlichen Kommunikationssituationen ermöglichen. Grob unterteilt sind die Rollenspiele in solche, in denen es um allgemeine Kommunikationstechniken wie Rückmeldung geben, Fragen stellen etc. geht, und Situa-tionen wie Umgang mit Konflikten, schwierige Verhandlungen, die eine strategische Gesprächsführung stärker in den Vordergrund stellen.

Die Rollenspiele sind gut beschrieben und mit ausreichenden Erläuterungen versehen, wofür sie geeignet sind, was damit trainiert werden kann und was bei der Umsetzung zu berücksichtigen ist. Hilfreich sind dabei auch die einleitenden Ausführungen zur Gestaltung von Rollenspielen, die gerade Trainingseinsteigern ein gutes Fundament geben. (HM)

 

HEYSE, VOLKER/ERPENBECK,JOHN
Kompetenztraining. 64 Informations- und Trainingsprogramme
Verlag SchäfferPoeschel, Stuttgart 2004, 620 Seiten, Euro 49.95


Dies ist m.E. ein sehr interessanter Band, der einmal die Gelegenheit zu einem persönlichen Self-Assessment gibt und darauf basierend Anregungen für die Entwicklung der eigenen Kompetenzen liefert. Das mit viel Akribie vorgestellte Konzept unterscheidet vier Kompetenzfelder, personale Kompetenz, Aktivitäts- und Handlungskompetenz, Sozial-kommunikative Kompetenz und Fach- und Methodenkompetenz. Jedes dieser Kompetenzfelder ist wiederum in weitere Teilkompetenzbereiche untergliedert. Zum Bereich der personalen Kompetenz gehören etwa Loyalität, Humor oder Lernbereitschaft. Die Kompetenzfelder wurden zuvor durch Befragungen von Experten ermittelt. Die insgesamt 64 Teilkompetenzbereiche werden jeweils in origineller Weise erläutert, dann gibt es einen Selbstcheck, Empfehlungen für das selbstgesteuerte Lernen, Anregungen für Massnahmen und Hinweise für das vertiefende Studium. Das Buch ist praxisnah und handlungsorientiert. Es kann problemlos für die Reflexion und Ausrichtung der persönlichen und professionellen Kompetenz eingesetzt werden. (JF)

Martin Hilb
Transnationales Management der Human-Ressourcen. Das Modell des Globalpreneuring.
Luchterhand Verlag, Neuwied 2000, 385 Seiten, DM 78.-

Der Autor hat ein neues Modell des Personalmanagements für international tätige Unternehmen und einen neuen, darin tätigen Managertypen entworfen: Globalpreneure, also Führungskräfte, die globale Effektivität mit lokaler Flexibilität auf entrepreneurhafte und integre Weise verbinden. Das verlangt mehr als Sprach-, Kultur- und Managementkompetenz, nämlich «a cool head, a warm heart and working hands». Die Analyse des vielfältigen Handlungskontextes verlangt einen kühlen Kopf, Verantwortung, Sinnstiftung und viel Vertrauen; ein warmes Herz und die zupackenden Hände steuern die Prozesse und vor allem die sozialen Beziehungen. Das Buch ist in die Aspekte des neuen 4-P-Modells gegliedert, welche jeweils in (insgesamt 20) konzeptionelle Bausteine unterteilt sind. Profile Analysis, als Profilanalyse des Kontextes transnationaler Unternehmen (kulturelle, wirtschaftliche, technologische und ökologische), Purpose Creation (Sinnschaffung) (Leitung, Kultur, Struktur und Leitbild von Unternehmen), People Management (Menschenführung) (= Führung, Qualität des Arbeitslebens, Kommunikation u.a.m.) sowie Process Evaluation (Prozessevaluierung) also die Bewertung und Entwicklung von Zufriedenheit und Loyalität der Kunden, Mitarbeiter, Eigentümer und Öffentlichkeit (man beachte die Reihenfolge).

 

Martin Hilb
Integriertes Personalmanagement. Ziele – Strategien – Instrumente
Herrmann Luchterhand-Verlag, Neuwied 1999. 252 Seiten, DM 78.–; CHF. 78.–; ATS 569.–

Im Buch des St. Gallener BWl-Professors, das nun in 6.Auflage erschienen ist, wird das Konzept eines Integrierten Personalmanagements entwickelt. Dabei geht der Autor davon aus, dass ein solches Personalmanagement-Konzept eine klare Unternehmensvision, die auf die relevanten Anspruchsgruppen des Unternehmens – Kunden, Mitarbeiter, Eigentümer und Mitwelt – ausgerichtet ist, eine vertrauensorientierte Unternehmens- und Führungskultur sowie eine vernetzte, flexible Unternehmensstruktur voraussetzt.

Ausgehend von diesem Fundament werden dann vier zentrale Personalfunktionen – Personal-Gewinnung, Personal-Beurteilung, Personal-Honorierung und Personal-Entwicklung – in ein ganzheitliches Konzept integriert. Für jedes Funktionsfeld werden Ziele, Strategien und Instrumente dargestellt und detailliert beschrieben, wobei die Ausrichtung an der Unternehmensvision und die Integration der Module im Mittelpunkt steht. Schliesslich wird ein ganzheitliches Kommunikationskonzept vorgestellt – bestehend aus einem Personal-Informationsmanagement-Konzept, einem Kooperationsgestaltungs-Konzept und einem Evaluations-Konzept –, das zu einer nachhaltigen Festigung der gegenseitigen Integration beitragen soll.

Das Buch enthält eine Fülle guter Anregungen und Konzepte, die das Personalmanagement befördern können – und doch befriedigt es mich nicht ganz. Mein Problem ist die St. Gallener Machart, ausgefeilte Modelle zu entwickeln, in denen alles so schön stimmig erscheint. Stellt sich nur die Frage, warum die schnöde Personalmanagement-Praxis sich partout diesen Modellen immer wieder verweigert. Dies hat auch etwas mit Interessens- und Machtstrukturen in den Unternehmen zu tun, doch dieser Teil der Realität wird ausgeblendet. Der Autor wird einwenden, dass die «humanistische Unternehmenspersönlichkeit», die er im Sinne hat, sich nicht durch «Anpassertum», «Neuerungsfeindlichkeit», «Abhängigkeit», «Problemlösungsscheu», «Machthungrigkeit» etc (S. 29) auszeichnet, doch genau dies ist die Realität, mit der das Personalwesen auch mit zu tun hat. Da helfen dann schöne Charts und neuartige Begriffe (wie z.B. Vor-Ge-Netzte) nicht unbedingt weiter.

Dennoch: Lässt man diese grundsätzliche Kritik am St. Gallener Ansatz mal aussen vor, bietet das Buch durchaus brauchbare Konzepte und Instrumente, über deren Einsatz sich nachzudenken lohnt.

 

Wilhelm Hill (Gastherausgeber)
Corporate Development
Wirtschaftsverlag Bachem, Köln, Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart, Verlag Industrielle Organisation und Manzsche Verlagsbuchhandlung, Wien 1999, 387 Seiten, DM 168.–

UE bedeutet existenznotwendige Bewegungen in die richtige Richtung und im richtigen Tempo. Es geht um die Gesamtheit jener in einem Unternehmen stattfindenden Veränderungsprozesse, die es zeit- und zielgerecht zu bewältigen, mit zu lenken und zu steuern gilt.

Dieser Band, herausgegeben von 4 Verlagen (um sich das Risiko zu teilen?), enthält neben einleitenden Grundsatzfragen und dem Vorwort in deutscher und englischer Sprache, 34 Beiträge von Professoren, vor allem aber Unternehmensführern der ganzen Welt, in überwiegend deutscher Sprache. Das Thema wird in Fallstudien auf Mikro-, Meso- und Makro-Ebene bearbeitet. Es geht nicht nur um Führung, die Entwicklung von Jenoptik AG, die Entwicklung der KUONI-Gruppe, sondern auch um Reformen stattlicher Kapitalmarkt-Organisationen in China, den Nationalen Investmentfonds in Polen, um die Entwicklung von Universitäten (Basel), das Konzept der corporate governance (Führung), die Korruptionsbekämpfung, u.v.m.

Es ist eher ein Lern- denn Lehr-Buch und so vor allem Unternehmensentwicklern und -planern bzw. Strategen zu empfehlen. Denn das Buch hat einen wichtigen Vorzug: die Beiträge sind überwiegend kurz und knapp. Manche allerdings auch überlesenswert. Dennoch: eines der wenigen nützlichen Bücher auf diesem Gebiet, denn UE wird in den Kontext der Verbindung von internem und externem Wandel gesehen und dargestellt.

 

Andreas Hillig
Die Kooperation als Lernarena in Prozessen fundamentalen Wandels. Ein Ansatz zum Management von Kooperationskompetenz
Verlag Paul Haupt, Bern/Stuttgart 1997, 287 Seiten, DM 76.-

Dissertation über fundamentale Wandelprozesse in einer und durch eine Kooperation, entstand im Rahmen des internationalen New-Winners?-Forschungsprojektes der Universität St. Gallen. Anhand von Unternehmensbeispielen untersuchte der Autor Transformationsprozesse eines internationalen Joint Ventures in der Luft- und Raumfahrtindustrie (Daimler Benz AG), wobei strategische Allianzen als Lernarenen fundamentaler Wandlungsprozesse betrachtet werden.

Die Arbeit zeigt, dass die Ausgestaltung und das Management der Kooperationskompetenz entscheidend ist für die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und für die Veränderung der eigenen Organisation.

Wenn sich der Praktiker durch den wissenschaftlichen Apparat (der übrigens viel bietet) quer hindurchgele-sen hat, kann sie/er wichtige Anregungen für die Gestaltung und Durchführung strategischer Allianzen erhalten.

 

Frederick G. Hilmer/ Lex Donaldson
Jenseits der Management-Mythen. Kontinuität statt Trendhopping
Verlag Moderne Industrie, Landsberg 1997, 252 Seiten, DM 59.–

Die Autoren wollen vor dem Erfolg im Schnellverfahren eindringlich warnen und diese Quick-Fixes als überholte Management-Mythen entlarven. Sie führen einige Nachweise, wie kontraproduktiv viele dieser modischen Konzepte sein können, die unreflektiert und oft nur viertel- bis achtel-herzig begonnen werden, zum Beispiel der unbedachte, schnelle Hierarchieabbau.

Anhand von Beispielen, wie General Electric, Microsoft, Nike, Ford, Gilette und anderen amerikanischen Unternehmen, zeigen die Autoren, worauf es beim professionellen Management ankommt: die eigenen, originären Werte, deren Kommunikation, klares Denken in Chancen, Flexibilität, Analysefähigkeit, Intuition und klare Prioritätensetzung. Erst das führt zu Profit und Produktivität.

Das Buch schliesst mit einem Katalog kritischer Fragen an Manager ab. Wie wär’s: wollen Sie Ihren Managern vor dem nächsten Projektstart (mit einem dieser alten Hammer-Konzepte) das Buch empfehlen oder gar schenken? Es lohnt die Investition, denn die einfache Sprache baut die ersten Hürden ab. (KT)

 

Heiko Hilse
Kognitive Wende in Management und Beratung. Wissensmanagement aus sozialwissenschaftlicher Perspektive
Deutscher Universitäts Verlag
Wiesbaden 2000
394 Seiten, DM 98.--

Endlich ö so kann man freudig ausrufen ö wird die soziale Dimension des Wissensmanagement in den Vordergrund gestellt. Denn bisher dominieren die Management- und IT-orientierten Zugänge, wobei der Akzent immer noch auf klassischen betriebs- und ingenieurwissenschaftlichen Praktiken liegt. Da rutscht es meistens in die Befriedigungsversuche der Unersättlichkeit oder eine Grössenwahn-Phantasie, es käme immer darauf an, ein Maximum an Wissen zu erfassen, zu speichern und abruffähig zu machen.

Viel entscheidender sind doch die sozialen Prozesse der Ermittlung des Wissensbedarfs unter verschiedenen Konditionen und für verschiedene Ziele und Zwecke, die Prozesse der Generierung und Verteilung des so verfügbaren Wissens.

Die vorliegende Dissertation, betreut von den Professoren Willke und Baitsch, ist wirklich ausgezeichnet, da sie auf theoretischer Ebene einen integrativen Ansatz kognitiver Organisationsgestaltung der sozialen Kontexte und Prozesse als Nährboden organisatorischen Wissens in den Mittelpunkt stellt. Das alles wird noch von drei Fallstudien unterlegt, die nicht nur die Problematik, sondern vor allem die enormen Möglichkeiten und Wirksamkeit dieses Ansatzes deutlich werden lassen. Der Autor idealisiert zwar Daimler Chrysler (dem Fallgeber) zu viel, insbesondere deren corporate university, aber das ist nur eine Randglosse und völlig unerheblich für die grosse Qualität und Relevanz dieser Arbeit.

Die Kapitel zur kognitiven Wende in der Beratung und im Management (kognitive Strukturen und Prozesse mittels Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis und Wissen stehen statt behavioristischer Reiz-Reaktions-Modelle im Mittelpunkt) sind wirklich reichhaltig und die Darstellung der Konzepte des Wissensmanagement sind sehr präzise und knapp. Das sind nur einige highlights, die ohne Zweifel Praktikern empfohlen werden müssen.

Insgesamt geht es aber um die Herausarbeitung und Begründung des oben dargestellten Ansatzes der sozialen Prozesse des Wissensmanagement und dafür kann die Arbeit gerade in der Bedeutung für die Organisationspraxis nicht genug hervorgehoben werden.

 

R.D. Hinshelwood/Wilhelm Skogstad (Hrsg.)
Observing Organizations. Anxienty, defence and culture in health care.
Routledge Verlag, London 2000, 175 Seiten


In diesem Buch, zu dem Anton Obholzer vom Tavistock Center ein engagiertes Vorwort geschrieben hat, sind Beiträge verschiedener Autoren enthalten, die sich mit ihren (aufwühlenden, oft schmerzhaften und bewusst gemachten) Erfahrungen als teilnehmende Beobachter in Gesundheitsinstitutionen, vornehmlich psychiatrischen Kliniken, beschäftigen. Die zentrale These lautet, dass jede beratende oder problemlösende Intervention in diese Systeme eigentlich nur gelingen kann, wenn man die spezifische Kultur, die Ängste und Abwehrmechanismen versteht. Und das gelingt nur, wenn man sich als Beobachter intensiv einlässt und sich diese Erfahrungen psychoanalytisch bewusst macht.

Die Autoren sind vor allem Psychiater und Psychoanalytiker, die auch als Berater solcher Systeme arbeiten. Einer der Herausgeber (Hinshelwood) hat viele dieser Beobachtungs-Projekte supervidiert.

Wenn Sie sich in das Problem der Beobachtung (auch im Kontext des systemischen Denkens) tiefer einarbeiten wollen, können die hier zusammengestellten Erfahrungen auch auf wirtschaftende Organisationen übertragen werden. Oder gibt es in Industriebetrieben keine Isolation, Reparatur statt Heilung, Verzweiflung, Einsamkeit, Ängste und Abwehr?


Ulrich Hirsch
Exoten im Management. Ein aktuelles Personalkonzept für lernende Organisationen
Carl Hanser Verlag, München/Wien 1998, 268 Seiten, DM 78.–

Der Autor, Professor für Mathematik an der Universität Bielefeld, und seit 9 Jahren als Unternehmensberater tätig, selbst also Exot, hat ein Buch über Exoten im Management vorgelegt. Damit ist gemeint, dass diese Vorstände, Inhaber oder Aufsichtsräte keine normale Managementbildung genossen und -Karriere gemacht haben, sondern Physiker, Sinologen, Theologen, Germanisten, Musikwissenschaftler oder gar Philosophen oder Soziologinnen sind.

Der Autor gibt 10 Interviews mit diesen Management-Exoten wieder, die er jeweils mit einem thematischen Schwerpunkt, wie Erfolg (M. Eigen, AR der BASF und GF der EVOTEC), Qualität (H. Reynvaan, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Carbone AG), Leistung (W. Gäb, Vorstand Opel AG) und sieben mehr versieht. Der Autor leitet die Interviews mit eigenen Betrachtungen ein, um auch auf seinen Interview-Schwerpunkt vorzubereiten.

Wenn man das Buch liest, steigt mit zunehmender Lektüre der Wunsch, es mehr auf das Wesentliche eindampfen zu können. Die Idee des Buches ist nicht schlecht, die Interviewpartner nicht uninteressant, aber mir fehlt Stringenz, neue Erkenntnisse, und ich hätte mir gewünscht, die vielen Trivialitäten und konservativen Statements wären weggelassen worden. So kann das Buch eher konservativen Führungskräften empfohlen werden. Denn die Botschaft, dass es nicht nur auf die Ausbildung, sondern auf die Willensstärke, Menschenkenntnis und Neugier ankommt, hätte auch ohne Experten-Interviews vermittelt werden können.

 

JOCHEN SCHWEITZER/ELISABETH NICOLAI/NADJA HIRSCHENBERGER
Wenn Krankenhäuser. Stimmen hören. Lernprozesse in psychiatrischen Organisationen
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2005, 214 Seiten, Euro 24.90, ISBN: 3-525-46229-8


Die Psychiatrie war von je her ein spezielles Arbeits-, Organisations- und Forschungsfeld: Die Klienten (ebenso wie die Beschäftigten) waren oftmals einen Hauch «seltsamer», die Organisationsformen zumeist etwas «totaler» und der Kampf um die disziplinäre Hoheit über beides immer etwas härter als in anderen Bereichen organisierter Gesellschaft. Es ist genau daher umso interessanter, dass sich eben diesen «seltsamen Gefilden» wichtige Impulse der systemischen Entwicklung verdankten und immer noch verdanken.

Aus diesem Kontext stammen auch die Autoren dieses Buches, die darin selbst entwickelte Feedbackinstrumente zur systemischen Organisationsentwicklung anbieten und neuere Entwicklungen der systemischen Psychiatrie im deutschen Sprachraum mitreflektieren. Die Hintergründe liegen dabei einerseits in den folgenreichen Konsequenzen der jüngeren Reform psychiatrischer Einrichtungen (Psychiatrie- und Gesundheitsreform) und den Weiterentwicklungen systemischer Therapie und Beratung vor allem in den 90er-Jahren. Dementsprechend sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie mit Hilfe systemischer Arbeitstechnik die Anforderungen des institutionellen Wandels bewältigt werden können.

Das Buch startet mit einer knappen Aufbereitung von Grundlagen systemischer Organisationsentwicklung und relevanter Hintergründe der benutzten Aktionsforschung. Im Anschluss geht es fast durchgehend um ein von den Autoren entwickeltes Beobachtungs- und Reflexionsintrument, die «Reflexionsliste», die detailliert vorgestellt und in unterschiedlichen Einsatzvarianten einschließlich erzielter Ergebnisse beschrieben wird. Wichtige Nebeneinsichten des Instrumenteneinsatzes schließen das Buch ab.

Die Reflexionsliste beobachtet dabei mehrere Bereiche: die Ausgangslage («Ins- titutionstyp» und «Existenzstatus») der betrachteten Einrichtung, die Semantik und Struktur der Arbeit mit Patienten und Angehörigen, die Organisationskultur der Einrichtung (Mitarbeiterpartizipation, Leitungsstil, Reflexionsmodi) und ihre Umweltbeziehungen. Geprüft wird vor dabei vor allem, ob und wie die Praxis der Einrichtung a.) Reformprinzipien berücksichtigt (Ressourcen- und Lösungsorientierung vs. Defizitorientierung), b.) einen partizipationsorientierten Führungs- und PE-Stil verfolgt und c.) inwieweit sie bestimmte Selbst- und Fremdreflexionstechniken institutionalisiert betreibt. Mit dem Instrument werden folglich Beobachtungsmöglichkeiten und Beobachtungsdifferenzen zwischen unterschiedlichen Stakeholdern im Binnen- und Außenbereich von Einrichtungen erhoben und einer Bearbeitung in Change-Prozessen zugänglich gemacht.

Der explizite Bezug zum Systemischen schlägt sich dabei maßgeblich in der Kontextreflexion, in der Stärkung der Patienten- und Mitarbeiterautonomie (als neben der Organisation eigenständige Referenzebenen) und dem Fokus der Prozessorientierung nieder. Gelegentlich entsteht bei der Lektüre der Eindruck, als ob die Nutzung systemischer Ansätze per se die Zielstellungen der Reformbemühungen (die selbst kaum kritisch diskutiert werden) unterstützen würde und als ob dies die einzig möglichen Gestaltungsweisen wären; etwas mehr «Kontextsensibilität» hätte hier die Relevanz systemischer Prinzipien sicherlich aufgewertet. Zudem können die Darstellungen leicht den Eindruck erwecken, als ob der «Kontextwechsel» von Techniken der systemischen Psycho- und Familientherapie in das Feld der Organisationsgestaltung und -beratung mühelos funktionieren würde. Hier könnte eine deutlichere Differenzierung zwischen den Kontexten und eine dezidierte Profilierung der Organisation als Hauptreferenzobjekt die Einschätzbarkeit der verwendeten Instrumente sicher erhöhen.

Unabhängig davon liefert das Buch eine Reihe wichtiger Anregungen für die Form und Gestaltung reflexiver Praxis in Organisationen. Insofern ist es eine nützliche Hilfe für Führungskräfte und Mitarbeiter bei der angemessenen Einrechnung unterschiedlicher Ansprüche in den Organisationsalltag. Für Patienten und Angehörige liefert es Themen, Indikatoren und Alternativen, die vorgefundene Praxis in psychiatrischen Einrichtungen gegenbeobachten und damit auch die eigene Stimme «hörbarer» machen zu können. Und nicht zuletzt können sich Organisationsforscher durchaus instruktive Einsichten in Methodik und Management entsprechender Projekte auf diesem ‚seltsamen’ Terrain einholen. (RW)

Daniel Hjorth/ Chris Stywart, EDS.
Narrative and discursive Approaches in Entrepreneurship
Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2004, 328 Seiten, 65 £, ISBN 1-8437-6589 6

Dieser Sammelband befasst sich mit einer bislang wenig ausgeleuchteten Perspektive auf Unternehmertum, nämlich ihre Selbstkonzeptualisierungen und narrativen Konstruktionen, die sie auch faktisch zu dem werden lassen, was sie sind. Visionen, Bilder und Geschichten werden erfunden, weiter gesponnen und in Varianten erzählt, die auch neue Facetten der Unternehmensentwicklung kreativ aufnehmen und verarbeiten. So entsteht kulturelle Kontinuität und Identität, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet. Interessant an diesem Band ist auch, dass die Perspektive des "Storytelling" anhand von unterschiedlichsten Fallstudien in ganz verschiedenen Ländern und Kulturen konkretisiert wird, wie etwa Venezuela oder Russland. Unternehmertum ist übrigens vornehmlich eine männliche Kategorie, auf diesen Gender-Aspekt macht eine Autorin in diesem Band aufmerksam. (JF)

CHRIS STEYAERT / DANIEL HJORTH, EDS.
New Movements in Entrepreneurship
Edward Elgar Publishing LTD, Cheltenham U.K. 2003, 365 Seiten, 69.95 £


Ob Mitarbeiter als Unternehmer, Manager als Entrepreneure oder neuerdings die berühmte "Ich-AG", an vielen Stellen wird daran herumgerätselt, welche Geheimnisse hinter erfolgreichen Gründungen verborgen sind. Es lohnt sich daher auch für uns, einmal einen Blick auf die internationale Diskussion zum Thema zu werfen. Der hier vorliegende Sammelband mit unterschiedlichen Aufsätzen liefert dazu einen ausgezeichneten Querschnitt. Aus ihnen wird deutlich, dass wir zunächst mit dem Bild des einsamen, ideenreichen und durchsetzungsstarken Helden aufräumen müssen, dass noch auf Schumpeters Glorifizierung in seiner Konjunkturtheorie zurückreicht. Die Darstellungen der Autoren zeigen, dass auch Unsicherheit, Scheitern oder Glück ebenso dazu gehören, wie insbesondere die umfangreiche und weitreichende Vernetzung von Entrepreneuren, die ihnen Ressourcen, Informationen und nicht zuletzt emotionale Unterstützung gibt. Unternehmerische Chancen werden als Perzeptionen vorgestellt, die sich in Interaktionen verdichten und sich ihre eigene Wirklichkeit schaffen. Unterstrichen wird dabei auch die Wichtigkeit von regionalen Clustern und virtuellen Gemeinschaften, aus denen heraus innovative Ideen geboren und entwickelt werden. Innovation und erfolgreiche unternehmerische Projekte sind keine einzelnen Kraftakte, sondern vernetzte Projekte, das ist für mich die zentrale Anregung aus diesem Sammelband. (JF)

 

Joachim Fischer / Ralf Hluchy (Hrsg.)
Prozessteams als eigenständige Akteure im Unternehmen
Physica-Verlag (Springer), Heidelberg 2001, 232 Seiten


In diesem Buch wird sehr konkret und anhand von 3 Unternehmen (Aluminium-Giesserei, Badmöbel-Hersteller und Automobil-Zulieferer) gezeigt, wie kundenorientierte Prozessteams aus Mitarbeitern gebildet werden, die Geschäftsprozesse eigenverantwortlich steuern und diesen Erfolg mit verständlichen PC-basierten Controlling- und Kostenrechnungsinstrumenten ermitteln.

Die Organisationsentwicklung basiert auf dem AMOR-Modell, d.h. einem Phasenmodell als Entwicklungsspirale (Analysieren, Modellieren, Organisieren und Realisieren). Und nach diesen Zyklen (Prozesse und Teams bilden, Prozessteams unterstützen, Prozes-se ergebnisorientiert steuern) ist auch das Buch gegliedert. Eingerahmt wird das von Prozessen der Leitbilderstellung und Prototyping, um den Innovationsprozess (be)greifbar zu machen und die Qualifizierung des Prozessteams.

Es ist schon erstaunlich, aber auch zu geniessen, was Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik (Paderborn) an handfesten Hinweisen, Methoden, Instrumenten und eingewobener Philosophie bieten. Sie bieten uns ihre Schätze in diesem Buch an.

 

GERHARD HOCHREITER
Choreographien von Veränderungsprozessen.
Die Gestaltung von komplexen Organisationsentwicklungen

Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2004, 366 Seiten, Euro 29.90, ISBN 3-89670-330-7


Eine 10-seitige Gliederung ist manchmal ein Zeichen für Strukturierungsmängel, aber auch ein Zeichen dafür, dass es sich um eine Dissertation handelt. Allerdings eine, die Theorie und Praxis sehr gut miteinander verknüpft. Hauptsächlich gelingt dies durch vier Praxisfälle und die Erfahrung des Autors als Organisationsberater.
Die Arbeit mit dem systemtheoretischen Hintergrund stellt die Fälle von Veränderungsprozessen dar, die dann theoretisch und konzeptionell aufgearbeitet werden. In diesem Teil taucht fast alles an Ansätzen, theoretischen Konzepten und Methoden auf, was die Szene in den letzten 10 Jahren bewegte. Selbst die Bilder (Tanz, Spiele usw.) kennen wir von bekannten Autoren. Ab und zu taucht mal der Ansatz eines eigenen Ansatzes auf, wie beispielsweise das 7F-Modell der OE (Funktionen bei der Gestaltung der Choreographie des "Dance_of_Change").
Wer also sollte das Buch konsultieren? Einmal die Berater, die sowohl Interpretationshilfen für eigene Projekte als auch Anregungen für relevante Theorien und Konzepte benötigen. Und zweitens kann das Buch denen Nutzen bringen, die wissen wollen, welche Werke sie noch nicht gelesen haben und wessen Konzepte sie noch nicht kennen. Als Sekundärlektüre taugt es allerdings wenig, da vieles doch selektiv nach den Interessen des Autors dargestellt wird. Man profitiert vom Fleiss des Autors nur begrenzt, weil man diese riesige Palette gar nicht ohne Aufwand nutzen kann. Mir fehlt an dem Buch das zentrale Moment des Systemischen: einen Unterschied zu machen. (KT)

 

MARTIN HÖGL/HANS GEORG GEMÜNDEN (HRSG)
Management von Teams. Theoretische Konzepte und empirische Befunde
Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2005, 3. vollst. überarb. und erg. Auflage, 295 Seiten, Euro 29.90, ISBN 3-8244-8295-9


Die Herausgeber, Hochschullehrer, legen hier kein Lehrbuch oder modellhafte Konzeption von Teamarbeit vor, sondern eine Aufsatzsammlung von Autoren, die sich mit verschiedenen Aspekten und einigen Grundlagen der Teamarbeit beschäftigen. Zwei von den neun Beiträgen sind in englischer Sprache abgedruckt, weil sie Forschungsergebnisse berichten.

Hervorzuheben, d.h. für Organisationsentwickler interessant und relevant ist wohl die Hälfte der Beiträge.

Die Herausgeber bieten im ersten Kapitel eine kritische Bestandaufnahme der empirischen Forschung zur Teamarbeit in innovativen Projekten. Teamarbeit ist ja oft ein zentraler Erfolgsfaktor für die Innovationsleistungen in Unternehmen. Leider werden hier die Erkenntnisfortschritte nicht nach Elementen der Teamarbeit, sondern nach Forschungsautoren zusammengestellt. W. Scholl, einer der wichtigen deutschen Experten der Teamarbeit und Innovation bietet da eine sehr viel anwendungsbezogenere Darstellung der Chancen und Risiken der Teamarbeit. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht ein Kausalmodell, aus dem sich die «zwei wichtigsten Grundprobleme der Teamarbeit ableiten, verstehen und durch geeignete Maßnahmen auch vermeiden lassen»: die intensive, freundliche und zugleich kritische Diskussion in Gruppen sowie die Ausübung von Macht durch den Teamleiter oder durch einzelne Teammitglieder. W. Scholl bietet damit das wohl relevanteste Kapitel in dem Buch.

Weitere Themen des Sammelbandes sind interorganisationale Teams, Teamarbeit im Marketing und im Technologietransfer sowie in Projekten. Die sind aber auf Beiträge zur Forschung über die Teamarbeit ausgerichtet und weniger auf die direkte Nutzung in der Praxis. Insofern ist das Buch wichtig, aber von begrenzter Relevanz für den Praktiker, der – aus welchen Gründen auch immer – weniger an der Auswertung von Forschungsergebnissen für die eigenen Handlungsanleitungen interessiert ist. (KT)



Helmut Hofbauer, Brigitte Winkler
Das Mitarbeitergespräch als Führungsinstrument. Ein Leitfaden
Hanser-Verlag, München 1999, 314 Seiten mit Begleitdiskette, DM 89.–; ATS 650.– ; SFr. 82.–

Genau dies ist der Punkt an dem Nagel et.al. ansetzen. Auch wenn die AutorInnen ihr Buch als Praktiker-Handbuch bezeichnen, ist es doch mehr als das: es geht nicht nur um das Instrument, sondern auch um den organisationalen Kontext, in dem es gestaltet, und den Geist, in dem es durchgeführt wird. Schon im ersten Abschnitt, in dem in das Instrument eingeführt wird, steht im Mittelpunkt die Frage, wie so ein Gespräch zu führen ist. Es ist eine besondere Kommunikationsart, in der drei Gesprächsformen ineinander fliessen: die fragende Gesprächsführung, die sich bemüht, ein differenziertes diagnostisches Bild zu erhalten und dabei Interesse am und Akzeptanz des Gesprächpartners voraussetzt, das Feedbackgespräch, das hilft, Selbst- und Fremdbild abzugleichen, und das Aushandlungsgespräch, das dazu beiträgt, gemeinsam getragene Vereinbarungen zu treffen. Im 2. Buchabschnitt wird das Mitarbeitergespräch in den Organisationskontext eingebettet und unter verschiedenen Gesichtpunkten durchleuchtet: als kommunikative «Auszeit», um die in der Hektik des Alltagshandelns zu kurz kommende gemeinsame Reflexion zu ermöglichen, als Beitrag zur Personalentwicklung und zur Auseinandersetzung mit der Führungsrolle, als Teil des strategischen Steuerungsprozesses. Auch hier geht es immer wieder um die Voraussetzungen, die dazu beitragen, dass das Mitarbeitergespräch gelingt. Die Rolle des organisatorischen Kontextes wird besonders deutlich, wenn die AutorInnen ihre unterschiedlichen Erfahrungen bei der Einführung und Gestaltung des Instruments in Wirtschaftsunternehmen, in der Öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitsbereich schildern. Der 3. Abschnitt befasst sich mit der Einführung des Instruments in der unternehmerischen Praxis. Anhand eines positiven Fallbeispiels wird dargestellt, was zu einer erfolgreichen Implementierung beiträgt.

Abschliessend werden als Service zwei parallel aufgebaute Leitfäden zur Gesprächsvorbereitung seitens der Führungskräfte und Mitarbeiter vorgestellt.

Was das Buch insgesamt auszeichnet ist, dass man spürt, dass es den AutorInnen nicht nur auf die Vorstellung des Instruments ankommt, sondern dass zwischen den Zeilen für eine bestimmte Führungskultur des kommunikativen Dialogs geworben wird. Und die einfühlsame Sprache lässt erkennen, dass die AutorInnen um manche «Schwächen» der Führungskräfte und «Tücken» des Gesprächs wissen. Es kommt ihnen wesentlich darauf an, eine bestimmte Einstellung, eine Grundhaltung zu bewirken – besonders deutlich wird dies in der Abgrenzung «ihres» partnerschaftlichen orientierten Mitarbeitergesprächs vom klassischen, hierarchisch geprägten Beurteilungsgespräch.

Nicht dass Hofbauer/Winkler diese Philosophie der Führungskultur nicht teilen – dies zeigt sich nicht zuletzt in den vielen übereinstimmenden Beschreibungen. Aber der Fokus ihres Buchs liegt woanders – es ist eher ein Grundlagenbuch, umfassender und detailreicher, in der Tat ein Methoden- und Instrumentenhandbuch. Doch trotz der vielen Geprächs-Checklisten und Tips ist es kein simples «How-to-do-it»-Buch, sondern eine fundierte und reflektierte Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Mitarbeitergesprächs. So wird neben der Darstellung des Instruments und der Erörterung seiner Implementierung auch ausführlich und unter Einbezug der relevanten Literatur auf die Prozesse der Zielformulierung und -vereinbarung, die Bedeutung der Kommunikation, die Fallen der Wahrnehmung, die Rolle von Feedback und die Methoden für eine erfolgreiche Gesprächsführung sowie den Umgang mit Konfliktsituationen eingegangen. Behandelt werden in kurzen, prägnanten Darstellungen auch die anderen, oft aus tagesaktuellen Anlässen heraus entstehenden Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeitern – angefangen vom Einstellungsgespräch über das Kritikgespräch bis hin zum Zielvereinbarungsgespräch (um nur einige zu nennen: das «Kündigungsgespräch» allerdings fehlt, obwohl auch dies ein relevantes Gespräch ist, bei dem so manches daneben geht). In einem eher dokumentarisch gehaltenen und nach meinem Geschmack weniger ergiebigen Teil werden Quellenmaterialien zur Zielsetzung und Gestaltung von Mitarbeitergesprächen wiedergegeben, die durch Interviews mit Verantwortlichen aus den entsprechenden Unternehmen ergänzt werden. (Gerade hier hätte ich mir von den InterviewerInnen ein etwas kritischeres Nachbohren zu den konkreten Praxiserfahrungen gewünscht).

Auch dieses Buch enthält nicht zuletzt einen – noch etwas umfangreicheren – Serviceteil mit Musterformularen für Gesprächsleitfäden, die sich zudem dank mitgelieferter Diskette gleich für die eigenen Belange weiterverarbeiten lassen.

Wem soll man nun welches Buch empfehlen ? Wer noch vor der Einführung des Instruments steht oder mit der gängigen Praxis in seiner Organisation unzufrieden ist, dem sei zunächst das Buch von Nagel et.al. empfohlen, nicht nur, weil es sich gut und schnell liest, sondern weil hier auch die zugrunde liegende Philosophie prägnant herausgearbeitet wird. (Deshalb empfiehlt es sich auch besonders für Verantwort-liche aus dem Öffentlichen Verwaltungs- und dem Non-Profit-Bereich, weil dort das Instrument bisher vielfach nur rudimentär entwickelt ist).

Wer sich innerlich schon auf das Mitarbeitergespräch eingestellt hat, aber sein Wissen um dieses Instrument vertiefen und seine Praxis optimieren möchte, für den ist das Buch von Hofbauer/Winkler ein guter Griff.

 

UWE PETER KANNING/STEFAN HOFER/BIRGIT SCHULZE-WILLBRENNING
Professionelle Personenbeurteilung. Ein Trainingsmanual
Hogrefe Verlag, Göttingen2004, 426 Seiten, Euro 49.95, ISBN 3-8017-1799-2


Die professionelle und persönliche Beurteilung von Mitarbeitern zählt zu den Aufgaben, deren Bedeutung häufig im umgekehrten Verhältnis zur dort waltenden Professionalität steht. An dieser Stelle füllt dieses Buch eine Lücke. Es handelt sich um ein modularisiertes Manual, das unterschiedliche Bausteine zusammenstellt, um die Qualität der Beurteilung in der betrieblichen Praxis zu verbessern. Die Module können unabhängig voneinander studiert werden. Behandelt werden u.a. Grundlagen der Diagnostik, Beobachtung und Beurteilung, Beurteilungsfehler und Ansätze ihrer Behebung, elaborierte Formen der Beurteilung, wie etwa 360 Grad Feedback oder Assessments, sowie Hinweise zur Urteilskommunikation. Die Module sind psychologisch fundiert, dabei übersichtlich, knapp und klar präsentiert. Die didaktische und methodische Aufbereitung ist sehr gelungen. Die Module enthalten jeweils zahlreiche Übungen und Aufgaben, um das Gelernte sofort zu vertiefen. Das Buch eignet sich daher für Führungskräfte oder HR-Manager zum Selbststudium, aber auch für Trainer und Berater, die hier für die Gestaltung von Qualifizierungen zahlreiche Anregungen finden werden. (JF)

 

STEFAN HÖFT / BERND WOLF
Qualitätsstandards für Personalentwicklung in: Wirtschaft und Verwaltung
Windmühle Verlag, Hamburg 2003-11-22, 171 Seiten


Der Nachweis der Qualität betrieblicher Personalentwicklungsmassnahmen ist gerade in Zeiten knapper Ressourcen einerseits und der wachsenden Bedeutung von Mitarbeiterkompetenz in wissensbasierten Organisationen andererseits eine strategische Frage erster Ordnung. Die psychologische Eignungsdiagnostik bemüht sich Jahrzehnten mehr oder weniger erfolgreich um diesen Nachweis. Der vorliegende Band wurde initiiert und getragen vom Arbeitskreis Assessment Center e.V., der sich bereits in früheren Bänden um diese Problematik bemüht und Standards gesetzt hat.
Der Fokus der in diesem Buch versammelten Autoren richtet sich auf die gesamte Bandbreite moderner Personalentwicklung, von klassischen Assessments über Coaching bis hin zu Ansätzen selbstgesteuerten Lernens in Arbeitsgruppen. Bemerkenswert im Vergleich zu vielen anderen Sammelbänden ist die stimmige Gesamtstruktur der Beiträge, die sich alle an einheitlichen Standards orientieren, so dass der Leser die Texte gut vergleichen kann. Diese Standards werden zu Anfang zunächst vorgestellt. Die nachfolgenden Beiträge stammen vorwiegend von erfahrenen Praktikern, die an konkreten Beispielen und zugleich mit methodischer Sensibilität die Relevanz dieser Qualitätskriterien unter Beweis stellen. Insgesamt handelt es sich um einen kompakten und stimmigen Band, der sich zunächst an Praktiker wendet, die nach methodisch begründeten und zugleich pragmatischen Ansätzen suchen, nicht zuletzt, um ihre Arbeit im Betrieb zu legitimieren. Aber auch für wissenschaftlich interessierte Leser gibt der Band Aufschlüsse, weil er zeigt, wo die Bedürfnisse der Praxis liegen. Die Beiträge legen insgesamt Zeugnis davon ab, dass man in der Personalentwicklung methodisch stringent arbeiten kann, ohne die Bedürfnisse nach machbaren Lösungen aus den Augen zu verlieren. (JF)

 

DEE HOCK
Die Chaordische Organisation
Verlag Klett Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-91037-9, 326 Seiten

Wenn es so etwas wie Pflichtlektüren für Manager gäbe, dann müsste man auch dieses Buch dazuzählen - aber wahrscheinlich schreckt diese schon der Titel ab. Dabei ist es von einem sehr erfolgreichen Wirtschaftsführer geschrieben, dem ehemaligen CEO von VISA, der entscheidend dazu beitrug, dass aus einer Idee innerhalb von etwa 20 Jah-ren eine weltweit operierende Organisation von 22'000 Finanzinstituten wurde, die mit knapp 1 Milliarde Kunden und ca. 20 Millionen Vertragspartnern jährlich 1,4 Billionen $ bewegt.

Wie es dazu kam, darum geht es in diesem Buch. Es ist ein Stück weit auch eine Biographie, aber es ist eine sehr reflektierte Biographie. Berichtet wird von einem ständigen Kampf gegen das, was Hock die mechanistischen Kommando- und Kontrollstrukturen von Organisationen nennt, in denen der Mensch nur noch Rädchen im Getriebe ist und in deren obersten Etage eine mittlerweise austauschbare Denk-Elite residiert, die sich mit unverschämten Eigeninteresse für die Bewahrung der überkommenen hierarchischen Organisationsformen und der damit einhergehenden Konzentration von Macht und Geld einsetzt.

Ein Kampf, der ihn zu drei Grundfragen geführt hat:

Warum sind Organisationen überall und in zunehmendem Masse unfähig, ihren Aufgaben nachzukommen?

Warum steht der einzelne überall und in wachsendem Masse in Konflikt mit diesen Institutionen und entfremdet sich Ihnen?

Warum werden Gesellschaft und Biosphäre in zunehmendem Masse zerstört?

Ein Kampf, aus dem sich nach und nach aber auch das Bild eines neuen Typus von Organisation herauskristallisiert - eben der chaordischen Organisation, für deren Entwicklung sich Hock inzwischen mit seiner gemeinnützigen Organisation, der Chaordischen Alliance, einsetzt (www.chaordic.org)

Für organisationstheoretische Fragestellungen ist das Buch ein wahre Fundgrube. Besonders in den, von den biographischen Beschreibungen abgesetzten reflexiven Passagen, gelingen Hock oft Formulierungen mit erstaunlicher Prägnanz, wie z.B. der über Führung:

"Führerschaft bedeutet nicht, richtig zu urteilen und klug zu handeln, wenn man über ausführliche Daten, Fakten und ein fundiertes Wissen verfügt. Das ist nicht einmal Management, sondern reine Buchhaltung. Führungsqualität ist die Fähigkeit, weise Entscheidungen zu treffen und verantwortlich zu handeln, wenn man nicht mehr hat als eine Vorstellung von der Richtung und den geeigneten Werten, also eine Sicht, wie die Dinge sein sollten, und die Erkenntnis, was sie sind, sowie einen Hinweis auf die vorherrschenden Kräfte, die den Wandel vorantreiben. (HM)

 

REMO L. HÖCKI
Organisationale Intelligenz
Wie Unternehmen wirkungsvolle Dynamik und ein optimales Verhaltensrepertoire entwickeln. Dargestellt am Beispiel von Banken.
Verlag Paul Haupt, Bern/Stuttgart 1997,
373 Seiten, 81.- DM

In dieser Dissertation will der Verfasser mit dem Konzept der organisationalen Intelligenz die Grenzen der Konzepte wie Kernkompetenzen, organisationales Lernen, Wissensmanagement und Komplexitätsmanagement überwinden und sie vereinen. Das entwickelt er anhand von Banken, d.h. Falluntersuchungen, vielen Interviews vor Ort und Auswertung von Dokumenten.

Organisationale Intelligenz wird als die Fähigkeit eines Unternehmens verstanden, sein Umfeld zu erkennen, zu antizipieren, sich diesem anzupassen, es mitzugestalten oder zu wechseln. Die Bausteine organisationaler Intelligenz sind vielfältig und vernetzt: Wissen, Verhalten, Werte, Kommunikation, Denken, Problemlösung, Lernen, Verstehen und Wahrnehmung. Fast könnte man vermuten, als wäre da der Versuch eines neuen Managementkonzeptes unternommen worden, weil eben alle diese Elemente bearbeitet und integriert werden.

Dennoch wird im zweiten Teil des Buches anhand von Schweizer Banken gezeigt, wie Banken intelligent sind, werden und bleiben. Das ist sicher der für Praktiker interessantere Teil, obwohl die Lektüre leichter sein könnte.

Insgesamt überzeugt mich das Buch nicht, d.h. es bringt viel Stoff, aber nicht so viel Erkenntnisgewinn. Da sind viele St. Gallener Dissertationen kerniger und einfacher zu verwerten.

(KT)

 

Erika Regnet / Laila Maija Hofmann (Hrsg)
Personalmanagement in Europa
Hogrefe-Verlag für angewandte Psychologie, Göttingen 2000, 452 Seiten


Die wachsende Internationalisierung der Geschäftstätigkeit ist auch ein zentrales Herausforderungsfeld für das Personalmanagement. Mehr noch als rechtliche Fragen erweist sich das Managen der interkulturellen Unterschiede als diffizile Gestaltungsaufgabe.

Trotz der Beschränkung auf Europa zeigt das Buch von Regnet / Hofmann die ganze Themenfülle des internationalen Personalmanagements. Die weitgefächerte Mischung aus theoretisch-konzeptionellen und empirischen Beiträgen, aus firmenbezogenen Praxisstudien und länderbezogenen Berichten macht es nicht immer leicht, den roten Faden zu behalten - trotz der groben Gliederung nach personalwirtschaftlichen Funktionsbereichen. Hier wäre eine stärkere Themenstraffung wünschenswert gewesen, um sich gezielter einzuarbeiten. So nützt das Buch eher als Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über relevante Themenstellungen zu verschaffen, bevor man sich dann gezielt in einzelne Fragestellungen vertieft. (HM)

 

UWE PETER KANNING/HEINZ HOLLING (HRSG)
Handbuch personaldiagnostischer Instrumente
Hogrefe-Verlag, Göttingen 2002, 595 Seiten, Euro 59,95/CHF 99.00, ISBN 3-8017-1443-8


Die Diagnostik von Leistungs- und Führungspotential wird immer mehr zu einem zentralen Handlungsfeld von Organisationen, die ihre Zukunfts- und Innovationsfähigkeit erhalten wollen. Auch wen man weiss, dass angesichts der Unbestimmtheit und Komplexität der Zukunft eine exakte Prognostizierbarkeit der zukünftigen Leistungsfähigkeit nur eine Illusion ist, können die entsprechenden Anstrengungen doch helfen, organisationale Unsicherheiten abzubauen. Personaldiagnostische Instrumente können ein Mittel dazu sein - wenn sie unterstützend eingesetzt werden.
Der vorliegende Band bietet einen Überblick über mehr als 50 Testverfahren zur Anforderungsanalyse und zur Messung von allgemeinen kognitiven Leistungen, berufsbezogenen Leistungen, Interessen, Persönlich- keitsmerkmalen, Führungsverhalten, Zusammenarbeit in der Gruppe bis hin zu Testsystemen. Von jedem Instrument wird die Konzeption dargestellt, die Gütekriterien und empirische Fundierung analysiert und die Durchführung und Auswertung beschrieben. Jedes Kapitel schliesst dann mit einer Bewertung unter wissenschaftlichen Gesichtpunkten ab. Zu kurz kommen meiner Meinung nach Fragen der praktischen Relevanz in der betrieblichen Realität. Hier habe ich bei manchen Instrumenten doch meine Zweifel, ob sie in der betrieblichen Praxis tatsächlich sehr viel weiter helfen.
Dennoch: Wer einen Überblick über wichtige Methoden der Personaldiagnostik sucht, findet hier eine konzentrierte Darstellung wesentlicher Instrumente. Man muss sich nur vor Augen halten, dass die Objektivität dieser Tests auch nur eine vordergründige ist.

Peggy Holman/ Tom Devane (Hrsg.)
Change Handbook. Zukunftsorientierte Grossgruppen-Methoden
Carl Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2002, 279 Seiten
Das Buch ist insofern schon ein Verdienst, weil es die erste deutsche Zusammenfassung der meisten und gängigen Formen bietet, die versuchen mit grossen Gruppen zu Problemlösungen zu kommen, von Open Space über die Zukunftskonferenz bis hin zum Real Time Strategic Change. Insgesamt werden 18 Methoden in geraffter und verständlicher Form vorgestellt, zum grössten Teil von ihren Erfindern oder Protagonisten. Damit wird trotz der Dichte der Beiträge sichergestellt, dass die wesentlichen Aspekte dargestellt werden. Der Leser bekommt damit einen sehr kompakten Überblick, über Formen und Leistungsvermögen der Methoden. Der Fokus der Texte liegt auf der Anwendung, dort spürt man den Einfluss des amerikanischen Pragmatismus. Unserem Bedürfnis nach einer auch konzeptionellen Einordnung dieses Booms an Grossgruppen-Methoden kommt die anregende Einleitung von Fritz Simon wenigstens etwas entgegen. (JF)

 

Joachim Holst
Lean Development. Marktorientiertes F&E . Management, Kostengünstige Prozessgestaltung
Springer Verlag, Berlin/Heidelberg/New York, 1995, 242 Seiten, DM 58.–, ÖS 423.–,40, SFr. 56.–

Der Autor kommt von IBM, der Prozesskostenrechnung und ISO 9001-Programmen – und bietet vor diesem Hintergrund und mit EDV-lastigen Beispielen einen leidlichen Überblick über das Thema. Leider bleibt er über weite Strecken zu allgemein und ist oft in bedenklicher Nähe allzu plausibler Gemeinplätze.

Szenario-Technik, Delphi-Methode, Einbeziehung von Kunden und Benchmarking sind nicht eben das Innovativste an F&E-Strategie. Im Schlusskapitel, wo es um den Beitrag der Mitarbeiter und die prozessorientierte Organisation geht, wird die Suppe überhaupt sehr dünn. Dieses Kapitel an den Schluss zu stellen und sehr nebenbei abzuhandeln, zeigt leider einiges von der Wertigkeit auf, die ihm der Autor beimisst. (FB)


 

Dirk Holtbrügge
Postmoderne Organisationstheorie und Organisationsgestaltung
Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2001, 343 Seiten

Ich meine, dass hier ein ganz wichtiger Studientext für das Verständnis und die Gestaltung von Organisationen vorgelegt wird, was nicht nur hervorragend die relevanten Konzepte referiert und virtuos verknüpft, sondern auch eine Fundgrube für Gestaltungshinweise bietet, beispielsweise bezüglich der Zeit in Organisationen, Kultur, Prozessorganisation usw. usw. Es gibt viele kleinere Kapitel, die wirklich Anregungen bieten und Interesse wecken, wie z.B. über Jazz oder Filme in Organisationen.

Professor Welge (Dortmund), der diese Arbeit betreute, schreibt im Geleitwort, dass "mit der gleichen Hartnäckigkeit, mit der die Erkenntnis vertreten wird, dass traditionelle Organisationskonzepte immer untauglicher werden, Organisationen effizient zu gestalten ... gleichzeitig an der überholten Überzeugung festgehalten wird, Organisationen liessen sich mit objektiven Methoden beschreiben, rational erklären und zielgerichtet steuern".

Der Autor "stellt anschaulich und überzeugend anhand der 3 Dimensionen Identität, Effizienz und Legitimation dar, auf welchem schwankenden Grund sich die meisten traditionellen Organisationstheorien und -konzepte bewegen. Die Ursache dafür ist bereits in der Struktur der Sprache angelegt, die die Realität niemals nur objektiv beschreibt, sondern immer auch Realität schafft." Das ist allerdings in dieser apodiktischen Formulierung etwas problematisch, was auch eine kleine Schwäche der Arbeit verdeutlicht: die Systemtheorie Luhmann's bzw. die Arbeiten der radikal-konstruktivistischen Variante finden nur geringe Beachtung. Das ist offensichtlich für die BWL noch immer nicht so leicht zu integrieren.

Wichtig fand ich den kritischen Hinweis auf den Seiten 127 ff, dass der Ansatz des Integrierten Managements St. Gallener Prägung (Bleicher) als Selbstorganisationsansatz insofern nur "modern" ist (und nicht postmodern), als mit dieser Art von Supertheorie weiterhin die Vorstellung einer prinzipiellen Plan- und Beherrschbarkeit von Organisationen erhalten bleibt.

Gerade für Organisationsentwickler wird mit diesem Buch deutlich, dass der Prozess des Organisierens (Weick), d.h. die Entstehung, Stabilisierung und Destabilisierung von Organisationen, in den Vordergrund rückt. "Organisatorischer Wandel wird somit in einem postmodernen Verständnis als definitorische, prinzipielle und dauerhafte Eigenschaft des Organisierens aufgefasst, und nicht bloss als Gestaltungsinstrument einer Organisation, das der Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen dient." (KT)

Peter Hommelhoff/ Klaus J. Hopt/ Axel von Werder (Hrsg.)
In Gemeinschaft mit Dieter Feddersen und Klaus Pohle
Handbuch Corporate Governance. Leitung und Überwachung börsennotierter Unternehmen in der Rechts- und Wirtschaftspraxis
Verlage Otto Schmidt Köln und Schäffer-Poeschel Stuttgart 2003, 811 Seiten , Euro 99.95, ISBN 3-504-30011-6 und 3-7910-1997-X

Im Jahre 2002 hat eine Regierungskommission aus Managern, Wissenschaftlern und Beratern den Deutschen Corporate Governance Kodex vorgelegt. Der Kodex ist schon eigenartig, weil er einerseits als Mittel der Selbstregulierung angepriesen wird, d. h., die Befolgung ist freiwillig, aber die Unternehmen müssen publizieren, ob sie sich daran halten. Einer der Autoren (Hommelhoff) postuliert, dass diese "Vorschrift" im Aktiengesetz verfassungswidrig sei, weil der Bundestag nicht auf einer ausgewogenen Zusammensetzung der Kommission bestanden habe.

Es ist das Ziel dieses Handbuchs, ein Standardwerk zu schaffen, das sich an Wissenschaftler ebenso wie an Praktiker richtet und den Themenkomplex interdisziplinär in seinen rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten umfassend ausleuchtet.

Behandelt werden:

  • Regelungsquellen und Regelungsebenen der Corporate Governance
  • Corporate Governance durch Mitbestimmung
  • Vorstand und Aufsichtsrat: Strukturen, Besetzung, Aufgaben, Organisation, Vergütung
  • Kernprozess der Corporate Governance im Unternehmen: Das Zusammenspiel von Vorstand und Aufsichtsrat
  • Die Rolle der Banken bei der Corporate Governance
  • Corporate Governance und Unternehmensübernahmen
  • Besonderheiten in internationalen Unternehmen und Konzernen
  • Transparenz und Prüfung der Corporate Governance in Unternehmen: Rechnungslegung, Abschlussprüfung und Kommunikation
  • Evaluation und Sanktionierung der Corporate Governance: Anteilseigner, Selbstkontrolle, Staatsaufsicht.


Der interdisziplinären Grundstruktur des Werkes entspricht auch die hochkarätig besetzte Herausgeber- und Autorengemeinschaft, an der zahlreiche bekannte Vertreter aus Wissenschaft und Praxis beteiligt sind. Und dem interdisziplinären Ansatz trägt auch die Zusammenarbeit der beiden beteiligten Verlage Rechnung, deren Kompetenzfelder Wirt- schaftsrecht auf der einen und Wirtschaftswissenschaft auf der anderen Seite sich in diesem Werk ideal ergänzen.

Wichtige Beiträge sind der von Axel v. Werder zu den ökonomischen Grundfragen der Corporate Governance, der auch durch seine Thesen zur Mitbestimmung in diesem Kontext (siehe Internet-Seiten) bekannt wurde. Das Werk ist in Teilen sehr ideologielastig, wenn beispielsweise der Siemens-Vorstand H.-J. Neuburger eine Einschränkung der Arbeitnehmer-Mitbestimmung im Aufsichtsrat fordert. Der Beitrag von W. A. Oechsler zur Qualifikation und personellen Besetzung des Vorstands und Aufsichtsrates ist ohne Zweifel wichtig und lesenswert, wie etliche andere Beiträge auch.

Insgesamt bietet dieses Werk auf der Basis eines Zusammenwirken von Ökonomen und Juristen den besten Überblick über dieses auch in unserer Zeitschrift heftig diskutierte Instrument für eine bessere Führung und Kontrolle in Unternehmen. (KT)



HENK T. VAN DER MOLEN/YVONNE H. GRAMSBERGEN-HOOGLAND
Communication in Organizations. Basic Skills and Conversation Models
Psychology Press, Hove 2005, 200 Seiten, GBP 14.95, ISBN 1 84169 556 4


Dies ist ein sehr praxisorientiertes Buch, das dabei behilflich sein kann, individuelle kommunikative Kompetenzen in unterschiedlichsten Feldern zu erkennen und systematisch zu verbessern. Im einführenden Teil legen die Autoren einige Grundlagen zum Thema. Der zweite Teil zeigt verschiedene Vorgehensweisen in Interviews. Das Spektrum reicht dabei von Einstellungsgesprächen über Beurteilungs- und Verkaufsgespräche bis hin zu Konzepten für das Überbringen kritischer Nachrichten an Mitarbeiter. Im dritten Teil des Bandes gehen die Verfasser auf Gruppenprozes- se ein. Sie geben wertvolle Hinweise für das Gestalten von Entscheidungsprozessen, Konfliktlösungen, Strategien der Verhandlungsführung und Präsentationen. Der Text ist klar und verständlich geschrieben und überzeugt nicht zuletzt durch eine durchdachte didaktische Aufbereitung. Es ist ein Lehrbuch, das sich an alle wendet, die sich selber in Sachen Kommunikation qualifizieren wollen oder mit Qualifizierungen in diesem Bereich professionell befasst sind. (JF)

 

JOHN HOOVER
Chefs und andere Idioten. Wie man im Job überlebt ohne seinen Boss zu ermorden
Redline Wirtschaft, Heidelberg 2005, 287 Seiten, Euro 17.90, ISBN 3-636-01309-2


Na ja, dachte ich, wieder so ein provozierendes Buch, um Projektionen auf die unfähigen Chefs zu legitimieren. Aber die Lektüre offenbart dann den besonderen Trick: es geht darum, wie man sich selber (auch der Autor, nach eigenem Bekunden) notwendige Änderungen im eigenen Bewusstsein und Verhalten verdeutlichen kann, um sich zu Veränderungen anregen zu lassen. Es ist also ein Buch, in dem sich Idioten reflektieren können – sind wir nicht alle (ein bisschen) gaga?

Es ist ein sehr kurzweilig und mit viel Witz und Humor geschriebenes Buch, sehr leicht lesbar und als Sommerunterhaltung geeignet, die quasi nebenbei nützliche Ratschläge abwirft: «Sie können Ihren Idioten-Chef nicht steuern. Ihre Steuerungsfähigkeit ist auf Sie selbst beschränkt, darauf, was Sie denken und was Sie sagen und tun», und das allein kann Ihre Behandlung durch den Chef verändern. So ist das eben in Systemen. (KT)

 

Waldemar Hopfenbeck
Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Managementlehre. Das Unternehmen im Spannungsfeld zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen
Verlag Moderne Industrie, Landsberg, 11. Aufl. 1997, 1056 Seiten, DM 78.–

Nach der ersten Auflage 1989 hat das Buch aufgrund der innovativen Verknüpfung der Inhalte und der sehr guten Darstellung die 11. Auflage erreicht.

Es wendet sich an Studierende, aber ich meine, dass hier Manager und Praktiker eine reiche Fundgrube vorfinden, die ihnen von der Sprache, der Systematik und Präzision sehr entgegenkommt. Ich würde das Buch neben das Standardwerk von Staehle stellen, nur ist dies hier etwas weniger theoretisch verbunden und fundiert. Und es stellt den ökologieorientierten Ansatz in den Mittelpunkt.

Es bleibt fast nichts unangesprochen, aber dafür kann es die Themenfelder nur anreissen und oft nur Stichworte liefern. Das Thema OE wird auf 4 Seiten behandelt, und leider sehr selektiv. So ist es auch bei vielen anderen Themen (Reengineering, Benchmarking usw.). Aber das Studium der genannten Quellen ist dann hilfreich für die Vertiefung. Ein wirklich empfehlenswertes Buch zum Quellenstudium, das nicht nur verschiedene Ansätze verbindet, sondern auch neue Akzente setzt.

Und: endlich ein Buch, das nicht in Folie verpackt geliefert wird! (KT)

 

KRISTINE ERB
Die Ordnungen des Erfolgs. Einführung in die Organisationsaufstellung
Kösel-Verlag, München 2001, 207 Seiten, Euro 24.95

KLAUS-PETER HORN/REGINE BRICK
Das verborgene Netzwerk der Macht. Systemische Aufstellung in Unternehmen und Organisationen
Gabal management, Ludwigshafen 2001, 240 Seiten, DM 49.80


Das wachsende Interesse an den Konzepten der Organisationsaufstellung schlägt sich nicht nur in einer Zunahme entsprechender Ausbildungsseminare nieder, auch auf dem Buchmarkt tut sich was. Dabei verhält sich das Thema "Aufstellung" zur gedruckten Buchform zunächst etwas sperrig: Wie lässt sich die Dynamik einer Aufstellung im Raum auf Papier transportieren? Kann verbale Be- und Umschreibung etwas von dem wiedergeben, was im konkreten Erleben wahrgenommen und gespürt wird?

Um es vorweg zu nehmen: beiden Büchern gelingt dies eigentlich ganz gut - allerdings auf höchst unterschiedliche Art und Weise, die darauf schliessen lässt, dass beide Bücher aus einem unterschiedlichen Kontext heraus entstanden sind und letztlich auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen wollen.

Das Buch von Kristine Erb ist vor allem aus dem Lehren der Aufstellungsarbeit entstanden und richtet sich an Berater, Therapeuten und solche, die die Methode lernen möchten. Wie der Subtitel besagt, bietet es eine Einführung in die Aufstellungsarbeit: die Aufstellungstechnik wird - unterstützt durch ein lockeres Layout - in einer leicht verständlichen Sprache dargestellt, die Prozessarbeit und die dabei angewandten Prozesstechniken erläutert. Neben den Organisationsaufstellungen werden auch alternative Formen wie die Strukturaufstellungen nach Sparrer/ van Kibed, Supervisionsaufstellungen usw. erläutert. In komprimierter Form werden dann Beispiele von Aufstellungsarbeit im beruflichen Kontext veranschaulicht.

Das Buch von Horn/Brick wendet sich hingegen an Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen und versucht, den Nutzen der Aufstellungsarbeit für unternehmensbezogene Fragen und Problemstellungen zu verdeutlichen. Ausgehend vom Bild eines Unternehmens als Netzwerksystem, das massgeblich auch durch das Unbewusste zwischen den Menschen gesteuert wird, wird die systemische Aufstellungsarbeit als eine Möglichkeit aufgezeigt, komplexe Probleme jenseits kausal-linearer Erklärungsversuche systemisch abzubilden. Die Prinzipien der Aufstellungsarbeit wie der Ausgleich von Geben und Nehmen, das Recht auf Zugehörigkeit werden als im Hintergrund wirkende, verborgene Führungsleitlinien vorgestellt. In sehr ausführlichen Fallbeispielen wird dann die Vorgehensweise in der Aufstellungsarbeit und der schrittweise Weg zum ‚Lösungsbild' demonstriert.

Während die Stärken des Buchs von Erb vor allem in der lebendigen und anschaulichen Darstellung der Vorgehensweise in der Aufstellungsarbeit liegen, ist das Buch von Horn/Brick reflexiver angelegt - dies zeigt sich vor allem im 4. Kapitel , in dem es anhand typischer Fragen und Antworten aus den Seminaren darum geht, den Nutzen der systemischen Aufstellung argumentativ zu begründen. Über die Aufstellungsarbeit hinaus wird im abschliessenden Kapitel ein systemischer Coaching-Ansatz vorgestellt, der versucht, das Makro-System Unternehmen mit seinen vielschichtigen Organisationstrukturen und das Mikro-System Persönlichkeit mit seiner nicht weniger komplexen inneren Struktur in einem umfassenden, lösungsorientierten Vorgehen zu integrieren.

Beide Bücher sind auf ihre Art und Weise empfehlenswert: für ein erstes Kennenlernen der Methode das Buch von Erb, für die vertiefende Auseinandersetzung das Buch von Horn/Brick. Mit dieser Einschätzung ist von meiner Seite noch keine Beurteilung des methodischen Ansatzes selbst verknüpft. Beide Bücher stehen in der Tradition der phänomenologischen Aufstellungsmethodik, die für mich mit ihrer Orientierung an individualpsychologischen Prinzipien und einer normativen Grundordnung als Hintergrundraster nach wie vor eine Reihe von Fragen offen lässt. Doch darum muss es in einer Buchempfehlung nicht unbedingt gehen. (HM)

 

KLAUS HORN, REGINE BRICK
Organisationsaufstellung und systemisches Coaching
Gabal, Offenbach 2003, ISBN 3-89749-292-X


Wie in ihrem ersten Buch "Das verborgene Netzwerk der Macht" versuchen die Autoren die Arbeitsweise der Organisationsaufstellung anhand sehr ausführlicher Dialogsequenzen anschaulich und nachvollziehbar zu machen. Nachdem zunächst Beispiele der klassischen Aufstellungsarbeit dargestellt werden, geht es im zweiten Buchabschnitt darum, die Möglichkeiten der Aufstellungsarbeit im Kontext der Coachingspraxis darzustellen.
Hier wird gezeigt, wie mit der Aufstellungsmethode an den inneren Widersprüchlichkeiten des Persönlichkeitssystem gearbeitet werden kann. Die dargestellten Arbeitsformen sind gut geeignet, die Coaching-Praxis zu erweitern und zu vertiefen. (HM)

Heerbert Buchen / Leonhard Horster/ Hans-Günter Rolff
Angst und Schulleitung - ein Tabu
Raabe Fachverlag für Bildungsmanagement (Klett), Stuttgart 2000, 152 Seiten

Die betriebswirtschaftliche Organisationslehre oder das Personalmanagement entdecken in den letzten Jahren Themen bzw. bearbeiten diese publizistisch, die immer präsent und bekannt waren, aber tabuisiert wurden. Wohl, weil der Umgang damit‚ Erfahrung und Halt voraussetzt: Gefühle, Angst, Neid usw.

Im Management der Schulen gab es 1978 eine erste Studie von Horst Brück über "Die Angst des Lehrers vor seinen Schülern". Seither werden die Angst-Ursachen in der Literatur und Seminaren sehr viel breiter behandelt. Es ist das System, oder Teile davon, die Ängste auslösen.

Dies wird sehr schön in einem neuen wichtigen Sammelband dargestellt, der 8 Beiträge zusammenstellt. Es geht los mit einem Beitrag über den souveränen Umgang mit Gefühlen, sozusagen als Einstimmung. Es folgen Aufsätze zur Psychologie der Angst und wieder ein bemerkenswerter Beitrag des Hamburger Hochschullehrers Günther Ortmann: "Kalte Füsse: Neun Facetten der Entstehung und Beschwichtigung von Angst in Organisationen". Die Spannung eines zunächst als personenbezogenen Zustandes gesehenen Gefühls und der Organisation als Mechanismus der Auslösung und Abwehr von Angst ist hochinteressant zu lesen. Es folgen weitere Beiträge zu Befragungsergebnissen, Angstursachen von Schulleitern und Trainings bzw. Interventionen zur Angstreduktion bzw. -bewältigung.

Ich meine, dass die Herausgeber, sehr ausgewiesene Experten der Schul-OE, hier ein Buch herausgegeben haben, was zwar in erster Linie Schulleiter betrifft, aber auch für Personal- und Organisationsentwickler in anderen Organisationen empfohlen werden kann. (KT)

 

HÖRVÁTH & PARTNERS (HRSG.)
Prozessmanagement umsetzen. Durch nachhaltige Prozessperformance Umsatz steigern und Kosten senken
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2005, 319 Seiten, Euro 59.95, ISBN 3-7910-2377-2


Dies ist ein Buch für Profis, obwohl das eine oder andere Kapitel für OE’ler und Berater sehr zu empfehlen ist. Beispielsweise dort, wo das Prozessmanagement für die Bereiche Innovation, Vertrieb und Interne Services dargestellt wird. Interessant ist auch, dass mit einer durchgehenden Fallstudie (die General Coffee AG) die Entwicklung eines klassisch funktional ausgerichteten Unternehmens hin zu einem prozessorientierten Unternehmen dokumentiert wird.

Fast zwei Dutzend Berater des zur Zeit noch am schnellsten und profitabelsten wachsenden deutschen Beratungsunternehmens bieten die geballte Erfahrung und Kompetenz in Management und Kostenrechnung von Prozessen an.

Allerdings ist das Konzept und sind die Handlungsanleitungen vom Geist der Expertenberatung geprägt. Das Prozess-Modell der Beratung (OE, Systemische Beratung) wird nicht berücksichtigt und offenbart die Lücke im Konzept. Die Berater selber praktizieren es vor Ort schon zunehmend, aber im Kontext des Prozessmanagement hätte es in diesem wichtigen Buch doch auch etwas Raum verdient. (KT)

 

Horvarth & Partner (Hrsg.)
Balanced Scorecard umsetzen
Schäffer-Poeschel-Verlag
Stuttgart 2000
363 Seiten, DM 89.--

 

So beliebt die Balanced Scorecard inzwischen in Beraterkreisen ist, so schwierig ist nach wie vor ihre Umsetzung in der unternehmerischen Praxis. Gerade weil sie inzwischen fast eine Modeerscheinung geworden ist, überwiegen in den Publikationen hemdsärmelige Implementierungshilfen, die den wichtigen Fragen meist konsequent aus dem Wege gehen.

Hier hebt sich das Buch der Horvath & Partner Unternehmensgruppe, in das die Erfahrungen aus rund 40 Praxisprojekten einflossen, wohltuend ab. Gut gefallen hat mir, dass das Messsystem wieder stärker auf die strategischen Zielsetzungen bezogen wird, statt nach dem Moto "Wir messen, weil es die Messgrösse gibt" zu verfahren. Dies betont einerseits die unternehmensspezifische Individualität der Balanced Scorecard und trägt mit dazu bei, dass sie auch als Managementkonzept und nicht nur als Measurementansatz implementiert wird.

Ðber fünf Prozessschritte ö Strategische Grundlagen klären; Organisatorischen Rahmen schaffen; BSC entwickeln; Roll-out managen; Kontinuierlichen Einsatz sicherstellen wird (immer wieder auch anhand von Praxisbeispielen erläutert) ausführlich auf den Umsetzungsprozess eingegangen. Wichtig fand ich vor allem im Abschnitt "BSC entwickeln" die sehr ausführliche Hinterfragung und Unterscheidung zwischen grundsätzlichen Unternehmenszielen, den strategischen Zielen (diese wären Bestandteil einer BSC), strategischen Aktionen und Basiszielen, die eher der Aufrechterhaltung des laufenden Geschäfts dienen. Ich glaube, dass gerade hier noch viel Unklarkeit und damit Schwammigkeit in der Umsetzung besteht und halte diese Frage für wichtiger oder besser gesagt vorrangiger als die der Messgrössenbestimmung (je klarer das strategische Ziel formuliert ist, umso eher lassen sich auch handhabbare Messgrössen bestimmen.)

Auch das Buch von Horvath & Partner kann nicht alle Fragen beantworten, die im Kontext einer BSC-Einführung entstehen. Aber es ist ein fundiertes und praxisbezogenes Arbeitsbuch und sollte in der Bibliothek derjenigen nicht fehlen, die mit und an der Balanced Scorecard arbeiten.

 

Jürgen Howaldt
Industriesoziologie und Organisationsberatung. Einführung von Gruppenarbeit in der Automobil- und Chemieindustrie: zwei Beispiele
Campus Verlag, Frankfurt/Main, New York 1996

Der Autor liefert mit seiner Dissertation ein ausgesprochen spannendes Beispiel für die gegenwärtigen Bemühungen der Industriesoziologie, einen neuen Weg zu mehr Praxisrelevanz ihres Tuns zu finden. Diesen zur Zeit verstärkt beobachtbaren Anstrengungen dieses traditionellen Faches der Soziologie liegt eine lange, zum Teil leidvolle Lerngeschichte zugrunde, die der Autor am Beginn seiner Arbeit einfühlsam beschreibt. Die Tradition der industriesoziologischen Begleitforschung vor allem im Zusammenhang mit den Humanisierungsprojekten der späten siebziger und frühen achtziger Jahre hatte eine breite Enttäuschung in Sachen «Praxisrelevanz der Soziologie» zurückgelassen. Weder konnte der politische Gestaltungsanspruch eingelöst werden, noch waren die Grundparadigmen für die Erklärung des betrieblichen Geschehens haltbar. Der Rückzug der Industriesoziologie auf ihre analytisch-diagnostischen Fähigkeiten war vielfach die Folge.

Der Autor plädiert für einen Neuanfang und lädt seine Fachkollegen ein, aus der selbstgewählten Abstinenz herauszutreten. Als Voraussetzung für das Gelingen dieses Schrittes sieht er jedoch eine grundlegende professionelle Neuorientierung. Es gilt, die Position eines wissenschaftlichen Besserwissens zu verlassen und einen «beratenden» Zugang zur betrieblichen Wirklichkeit zu gewinnen.

Für diese identitätsmässige Neuorientierung bietet er die Überlegungen der systemischen Organisationsberatung an, wie sie sich seit den späten achtziger Jahren als theoriegeleitetes Beobachtungsselbstverständnis herausgebildet hat. Breiten Raum widmet der Autor der Darstellung dieses Ansatzes und seiner exemplarischen Anwendung am Beispiel der Einführung von Gruppenarbeit in einem grossen Automobilwerk bzw. in einem Chemieunternehmen. Diese beiden Fallbeispiele bieten nicht nur ein reichhaltiges Anschauungsmaterial dafür, welche Möglichkeiten sich für Industriesoziologen eröffnen, wenn sie sich ernsthaft auf Beratung einlassen. Sie geben dem Leser auch wertvolle Einblicke zum aktuellen Thema der Einführung von Gruppenarbeit in der Industrie.

In den Schlusskapiteln wird herauszuarbeiten versucht, in welcher Weise die Industriesoziologie die Organisationsberatung befruchten kann. Diese Ausführungen zeigen, dass der Dialog zwischen den beiden Professionsbereichen gerade erst begonnen hat. Erfreulich ist, dass er überhaupt ingang gekommen ist. Dafür hat dieses Buch einen wertvollen Beitrag geleistet, und es ist zu hoffen, dass es auf beiden Seiten (den Beratern wie in der industriesoziologischen Forschung) viele interessierte Leser findet.(RW)

 

PIERCE J. HOWARD, JANE MITCHELL HOWARD
Führen mit dem BIG-FIVE Persönlichkeitsmodell. Das Instrument für optimale Zusammenarbeit
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2002, 259 Seiten


Der Werbetext des Verlages kommt sehr selbstbewusst daher, wenn er konstatiert, dass das Big-Five-Persönlichkeitsmodell längst den Myers-Briggs-Indicator (MBTi) abgelöst hat. In meinem Arbeitsumfeld trifft das nicht zu, ich kann aber nicht beurteilen, ob das in den USA so ist, wo die Autoren ihren Test am CentACS entwickelt haben und einsetzen.
Was aber diesen "Test", der im Buch sehr ausführlich beschrieben wird und Bogen zum Selbsttest bzw. zur Verwendung in Führung und Coaching enthält, interessant macht, ist die Vermeidung, Persönlichkeiten in "Typen" zu kategorisieren, sondern mehr auf Kooperationen, Führungsverhalten und Teamentwicklungen abzustellen. Hier liegt der Vorzug dieses Tests.
Die Autoren wollen ganz individuelle Persönlichkeitsprofile mit dem Big-Five-Persönlichkeitsmodell erstellen. Es werden die Ausprägungen der fünf Persönlichkeitszüge Stressverhalten (N = emotionale Labilität, Stabilität und negative Emotionalität), Extraversion (E = positive Emotionalität, Soziabilität), Offenheit (O = Kreativität, Offenheit für Erfahrungen, Vorstellungskraft), Anpassungsbereitschaft (A = Verträglichkeit, Nachgiebigkeit) und Gewissenhaftigkeit (C = Fertigung, Leistungsstreben) gemessen. Die Profile werden mit Fallstudien erläutert und differenziert beschrieben.
Ich habe das Modell in einem Coaching mit einem Produktionsleiter ausprobiert und muss sagen, dass hier in 3 Stunden sehr aussagefähige Daten für die Optimierung der Führung und Kooperation erhoben werden konnten.
Das Buch eignet sich also sowohl zur Selbsteinschätzung als auch zur Datenerhebung und Wirkungsanalyse im Führungskontext einer Organisation. Man benötigt keine umfangreichen Datenerhebungen und Auswertungen, dafür ist er aber oberflächlicher und liefert Richtungsindikatoren, die man dann interpretativ präzisieren und ausdifferenzieren muss. (KT)

 

GERHARD HREBICEK/MARKUS FICHTINGER (HRSG.)
Handbuch Corporate Governance. Leitfaden und Praxisbeispiele für transparente Unternehmensführung und -überwachung


Aktienforum (Österreichischer Verband für Aktien-Emittenten und -Investoren, Lothringerstr. 12, A-1031 Wien = Bezugsadresse des Eigenverlages), Wien 2003, 416 Seiten

Zur Zeit korrelieren 2 Dinge beim Thema Corporate Governance: die steigende Zahl der Publikationen sowie die kritischen Berichte die den Nachweis erbringen, dass vieles (oder alles) nur Kosmetik ist und im Grunde gerade durch die vielen Aktivitäten und Lippenbekenntnisse die letzte Konsequenz (das Schlimmste) verhindert werden soll. Das gilt vor allem für die sog. Wirtschaftsführer und Kommissionsmitglieder - sicher aber nicht für einige Unternehmen, wie bspw. den Finanzdienstleister AWD Holding AG in Hannover, dessen Mitarbeiter Dr. Küsters (Leiter OE und Corporate Governance) eine von 5 Unternehmensbeispielen beigesteuert hat.
Allerdings sind alle Beiträge und die restlichen 4 Fallstudien auf Österreich bzw. den österreichischen Corporate Governance Kodex bezogen.
In Österreich wurde der Kodex von einer hybriden Kommission aus der Wirtschaft erarbeitet, während es in Deutschland eine von der Regierung eingesetzte Kommission gab. Dieser Kodex ist insofern schärfer als die anderer EU-Länder, weil die gesetzliche Pflicht zur Abgabe einer Corporate Governance-Erklärung besteht. Wir sind allerdings konsequenter, auch in der Konstruktion der Schlupflöcher, hinsichtlich der Vielzahl von Regeln mit Empfehlungscharakter.
Wer sich also mit Corporate Governance intensiver beschäftigt - gerade im internationalen Vergleich, dem sei dieses Buch empfohlen, weil es auch einen Vergleich der Kodizes der verschiedenen europäischen Länder bietet. (KT)


 

Steven M. Hronec
Vital Signs. Indikatoren für die Optimierung der Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens.
Schäffer Poeschel Verlag, Stuttgart 1996, 192 Seiten, DM 54.–, ÖS 395.–

Auch Arthur Anderson hat seine Lean-Lektion gelernt und legt drei Jahre nach dem amerikanischen Original ein sauberes, pragmatisches Ablaufdiagramm vor, das den Weg zu Zeit-, Qualitäts- und Kostenkennziffern ebnen soll. Die Übersetzung ist in diesen drei Jahren zwar nur unvollständig gelungen, die Grafiken sind teilweise noch in Englisch, dort wo sie übersetzt sind, stimmen sie mit den Kapitelüberschriften nicht ganz überein, aber sonst ist viel von Qualität die Rede.

Der Ablauf selbst wird von vielen einleuchtenden Grafiken aufgelockert, ist mit einigen neuen Wortschöpfungen gespickt und verwebt geschickt Logisch-Selbstverständliches (wie den «Sechs-Schritte-Prozess zur Leistungsmass-Implementierung»), Bekanntes wie ISO 9000 und target costing mit neuen Konzepten (in denen z.B. Führung, Anteilseigner und Best Practices als die drei «Treiber» einer Qualitätsstrategie vorgestellt werden).

In die Niederungen der praktischen Umsetzung begibt sich das Buch nicht, um die richtigen Indikatoren zu identifizieren und zu implementieren, dazu muss man dann wohl doch wieder die Consultants rufen...(FB)

Maren von Gilsa/ Rita Huber/ Thorsten Russ
Virtuelle Projektarbeit- Leitfaden für die Praxis
Erich Schmidt Verlag Berlin 2004, 193 Seiten (mit CD-ROM), Euro 39.80, ISBN 3503063846


Immer h&äuml;ufiger arbeiten Menschen heute nicht mehr in ihren Abteilungen oder Büros, sondern verstreut, in unterschiedlichen Aufgaben und unklaren Führungskonstellationen. Der vorliegende Band greift in den anf&äuml;nglichen Teilen unterschiedliche Situationen und Konstellationen solcher virtuellen Teams auf und analysiert diese kurz. Der Kern und das Ziel des Buches besteht dann vor allem darin, in kurzer und knapper Form dem praktisch interessierten Leser mit systematisch aufbereiteten Tipps und Checklisten zu versorgen, um diese neuen Herausforderungen zu meistern. Die Hinweise beziehen sich dabei dankenswerter Weise nicht nur auf den Einsatz von Kommunikationstechnologien, sondern auch auf die zwischenmenschlichen Aspekte von virtuellen Arbeitsgruppen. Die Materia-lien sind auch auf einer beigefügten CD-ROM festgehalten. Alles in allem ein hilfreicher Band, ohne theoretischen Anspruch, aber mit umso mehr gut aufbereiteten Handreichungen für die konkrete Arbeit. (JF)

BENOIT B. MANDELBROT/RICHARD L. HUDSON
Fraktale und Finanzen. Märkte zwischen Risiko, Rendite und Ruin
Piper Verlag, München und Zürich 2005, ISBN 3 492 04632 0, 446 Seiten, Euro 24.90


Für die klassische und neoklassische ökonomie lieferte das Kausalitätsverständnis der Newton’schen Physik das Leitkonzept. Um die zunehmenden Unvorsehbarkeiten und Ausschläge der entwickelteren Märkte und vernetzterer ökonomien zu verstehen und abzubilden, gewannen im folgenden Jahrhundert probabilistische Ansätze an Bedeutung. Sie ermöglichten es, trotz beträchtlicher «Randunschärfen», an einer relativen Kausalität, beruhend auf Schätzungen, festzuhalten, damit auch den Glauben an regelhafte Muster, Voraussicht und kalkulierbaren Risiken. Diese Hoffnung wird nun ihrerseits fragwürdig, wie die extremen Schwankungen der globalen Finanzmärkte und Börsengeschäfte belegen. Der Entdecker der fraktalen Geometrie Mandelbrot und der Journalist Hudson zeichnen in diesem Buch zunächst nach, welche Anstrengungen in der angewandeten Mathematik im Rahmen der verschiedenen Paradigmen gemacht wurden und wo die Grenzen ihrer Erklärungsmächtigkeit liegen. In diesem auch wissenschaftshistorisch interes- santen und mit erlebten Beispielen angereicherten Band legen die Autoren dann dar, welche Erklärungsansätze und Darstellungsmöglichkeiten für die Rekonstruktion von Mustern in scheinbar ungeordneten Marktprozessen sich aus den Konzepten der fraktalen Geometrie ergeben. Sie kommen damit dem menschlichen Bedürfnis nach, auch in scheinbar chaotischen Strukturen noch einen Sinn zu konstruieren. Zugrunde liegt dem Ansatz ein verändertes Konzept von Abhängigkeit bzw. Wechselwirkung. Die Autoren zeigen, dass sich dynamische Systeme nicht völlig regellos entwickeln, vielmehr schaukeln sich kleinere Einflüsse gleichsam auf und führen dann zu scheinbar unvermittelten Aus- oder Einbrüchen.

Der Text ist anspruchsvoll, aber dennoch gut verständlich geschrieben. Die formalen Ausflüge beschränken sich zumeist auf die Fussnoten, so dass man durchaus auch mit einer schwächeren Note in Mathematik ohne Probleme durch den Text kommt. (JF)

 

SABINE HUGENTOBLER / BERHNHARD OETTLI / DORIS RUCKSTUHL
Personality Poker. Ein spielerisches Werkzeug für die Entwicklung von Teams, Gruppen und Individuen
Verlag Hans Huber 2002, CHF 168.-, ISBN 3-456-83701-1


Wer in Teamtrainings viel mit Feedback arbeitet, erhält mit diesem Kartenspiel eine ansprechende Alternative, das auch in fortgeschrittener Stunde für einen guten Mix von Nachdenklichkeit und Spass sorgt. Die Spielidee ist recht einfach (und wahrscheinlich deshalb gut): Jeder erhält vorab 9 zufällig ausgewählte Karten, der Rest liegt auf dem Tisch. Reihum zieht jeder eine Karte und gibt dann eine seiner 10 Karten, die nach eigener Einschätzung am wenigsten zu ihm passt, an einen Mitspieler weiter, zu dem sie besser passt. Diese Kärtchen bleiben - differenziert nach den Kommentaren - offen vor den Mitspielern liegen. So entsteht über die Runden hinweg sowohl ein Selbstbild jedes Beteiligten (die Karten, die er bis zum Schluss behält) wie ein differenziertes Fremdbild (die Karten, die öffentlich vor ihm liegen). Was mir gut gefällt ist die thematische Bandbreite der 260 Kärtchen, weil damit auch andere assoziative Bereiche geöffnet werden, als in Feedbackrunden sonst üblich

Ich würde aufgrund eigener Praxiserfahrungen mit diesem Spiel die Trennung der Spielrunden von der Auswertung nicht so strikt sehen, wie die Autoren in ihrer Spielanleitung vorschlagen. Gerade die spontanen Gedanken und Assoziationen beim Kartenaustausch tragen viel zur Lebendigkeit bei, das wäre nachträglich nur schwer zu rekonstruieren. Dies schliesst eine abschliessende, vertiefende Reflexion allein wie in der Gruppe nicht aus.

Das Spiel, dem auch ein Block mit Auswertungsblättern beiliegt, kann über die Testzentrale der Schweizer Psychologen (E-Mail: testzentrale@hanshuber.com Bestellnummer 0311301) bestellt werden. (HM)

 

Thomas R. Hummel / Ernst Zander
Erfolgsfaktor Unternehmensberatung Auswahl – Zusammenarbeit – Kosten
Wirtschaftsverlag Bachem, Köln 1998, 224 Seiten, DM 68.–

Der Einsatz von Beratern hat in den letzten wirtschaftlich kritischen Jahren überproportional zugenommen. Damit steigt auch die Anzahl der Berater, was wiederum die Auswahl der «richtigen» Berater sowie deren effektiven Einsatz erschwert. Der am Anfang des Buches genannte Spruch «Es gibt keine schlechten Berater – nur Falsche» ist so und so zu interpretieren. Wörtlich genommen ist der Spruch falsch, denn es gibt eine riesige Anzahl schlechter Berater. Und: oft genug werden die guten und besseren Berater falsch eingesetzt bzw. genutzt. Also haben Kunden ein Problem, um das sie sich allerdings auffallend wenig selbst kümmern. Es sind vor allem Berater, die etwas darüber erarbeiten bzw. veröffentlichen, wie man Berater effektiv auswählt und einsetzt.

Im vorliegenden Buch liegt der Schwerpunkt (implizit) eher auf der öffentlich geförderten Beratung. Es werden so wichtige Themen, wie: wann Beratung sinnvoll ist, welche Beratungsarten es gibt, wo Beratungsschwerpunkte liegen, wie eine Beratung abläuft, was sie kostet, wie sie vertraglich gestaltet werden kann usw. usw. behandelt. Viele Checklisten, Daten und Vertragsmuster runden dies sehr pragmatisch und konzentriert verfasste Buch ab. Insgesamt ist es ein handwerkliches Buch, also sehr nützlich für kleine und mittlere Unternehmen. Die Beraterlisten bzw. Adressen von Beratervereinigungen halte ich grundsätzlich für problematisch, weil sie immer nur erste Annäherungen bieten können. Zudem sind im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) nicht nur gute Berater für jeden Zweck Mitglied.

Ansonsten geht es primär um den Inhalt und nicht die Berater allein. Aber die Honorarübersichten und Informations-Kontaktstellen sind sehr hilfreich, um sich orientieren zu können. Insgesamt geht es eher um klassische Unternehmensberatung und weniger um Beratung in unserem OE-Feld. Das Preis-Leistungsverhältnis dieser Klientenhilfe rechtfertigt einen Kauf auf jeden Fall. (KT)


 

Esther Hürlimann / Adrian Stähli
Die letzten Hürlimänner
Verlag Orell Füssli, Zürich 2000, 155 S

1997 wurde nach einer Fusion die Zürcher Traditionsbrauerei Hürlimann geschlossen und damit ein Familienunternehmen mit 160-jähriger Geschichte aufgelöst. Im vorliegenden Buch gehen die Publizistin Esther Hürlimann - selbst ein Mitglied der Brauer-Familie - und der Fotograf Adrian Stähli zwei Jahre später der Frage nach, was aus den Mitarbeitenden geworden ist. Die über 30 Porträts geben einen interessanten Einblick in die verschiedensten Leben, die nur eines gemeinsam haben: den Bruch durch die Betriebsschliessung. Sie geben aber auch Einblick in die Verschiedenheit eines Betriebes. Mitarbeitende mit den unterschiedlichsten Funktionen kommen zu Wort: Telefonistin und Pferdebetreuer, Brauer und Brauerlehrling, Personalchef und Gewerkschafter.

Natürlich entsteht das Bild eines alten Handwerks, natürlich ist von Berufsethos und abhanden gekommenen Werten die Rede. Aber das Buch ist mehr als Nostalgie. Es zeigt, wie die Prozesse zustande kamen aus der Sicht derer, die sie verantworten mussten, und wie sie erlebt wurden von denen, die die Entscheide zur Kenntnis nahmen. Die Porträtierenden machten auch vor oberen Chargen nicht Halt: der Direktor, der der Besitzerfamilie angehört; der Verwaltungsratspräsident, der die Fusion initiierte; der Geschäftsführer und Delegierte des Verwaltungsrates und andere Führungskräfte setzen sich nochmals mit der schwierigen Phase der Betriebsschliessung auseinander. Und schliesslich kommt auch der Zürcher Stadtpräsident stellvertretend für das betroffene Gemeinwesen zu Wort.

Wohltuend, aber auch provozierend ist, dass auf zusammenfassende Kommentare und Erklärungen verzichtet wird. Es gibt die Porträts, etwas Brauereigeschichte, ein Glossar zum Brauerhandwerk; nur dies. Ein Buch ohne Happy End. Eine distanzierte, dokumentarische Darstellung eines heute alltäglichen und für die Beteiligten doch so einschneidenden Geschehens. Ein Buch, das auf eindrückliche Art Komplexität übermittelt und Fragen offen lässt.


 

Dirk Baecker/Michael Hutter
Systemtheorie für Wirtschaft und Unternehmen.
Heft 1/1999 der Zeitschrift «Soziale Systeme»
Verlag Leske + Budrich, Leverkusen 1999, 207 Seiten, DM 48.–

Der vorliegende Band enthält die Vorträge einer Konferenz gleichen Namens, die die beiden Herausgeber 1998 an der Universität Witten/Herdecke ausgerichtet haben. Mit der Konferenz ist auch die Frage verbunden, «ob es der Systemtheorie, die nach dem Tod von Niklas Luhmann in ihre zweite Phase übergeht, und der so stark von ihm als einem einzigen Autor geprägten Gesellschaftstheorie gelingt, ein Forschungsprogramm zu entwickeln, das für den ständigen Gebrauch in den einzelnen Sozialwissenschaften taugt.»

Die 10 Aufsätze zeigen beispielhaft, wie eine kommunikations-orientierte systemtheoretische Perspektive die Beobachtung von Unternehmensorganisationen und ihrer Wirtschaft verändert. Einige sollen hier beispielhaft erwähnt werden: R. Stichweh untersucht die Globalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft, M. Hutter die Geschichte und Zukunft der knappen Resourcen, D. Borger den Sinn des Rechnungswesens, G. Walger und F. Schenkrug die Dienstleistungen, A. Menne-Haritz die Schliessung und Öffnung der Verwaltungsentscheidung, R. Wimmer die Möglichkeiten der Grenzen einer radikalen Transformation von Organisation und F.B. Simon Organisation und Familien als soziale Systeme, worüber er in diesem Heft auch einen Beitrag veröffentlicht.

Dieser Band ist in der Anwendungsarbeit der Systemtheorie bedeutend und sicherlich eine wichtige Veröffentlichung, die das Bemühen um die Relevanz aber auch die noch vorhandenen Grenzen der Systemtheorie spiegelt.


ANDRZEJ HUCZYNSKI
Influencing Within Organizations
2nd Ed., Routledge, London and New York 2004, 388 Seiten, ca. Euro 35.–, ISBN 0415311632


Dies ist ein sehr originelles und anregendes Buch, in dem der Autor auf unterschiedlichsten Ebenen zeigt, wie man sich in den unterschiedlichen politischen Arenen moderner Organisationen nachhaltigen Einfluss verschafft und sich in eleganter Weise durchsetzt. Dabei handelt es sich nicht um eine machiavellistische Anweisung für geschickte Manipulationen aller Art. Vielmehr zeigt der Autor, dass Strategien der Einflussnahme faktisch wirksam oder eben auch unwirksam sind, ob wir wollen oder nicht. Zu einem professionellen Verständnis gehöre es daher auch, sich diese Zusammenhänge bewusst zu machen und sie zu nutzen. Kluges politisches Verhalten gehört sicher mit zu den Kernkompetenzen, die man in den modernen politisierten Strukturen benötigt.

Der Autor erläutert in den einzelnen Abschnitten die Wirkung von nonverbalen Einflussformen, diskutiert Aspekte von Impression-Management und der unbewussten Dynamik von Personalauswahl. Weitere Kapitel widmen sich der Bedeutung von Beeinflussungsstrategien in der Führungsrolle, etwa die Beeinflussung von Gruppen, die Wirkung in öffentlichen Reden sowie die kluge Nutzung von Netzwerken und Machtstrukturen.

Der Autor argumentiert vor jeweils differenzierten psychologischen Theorie-Hintergründen, seine Darstellungen und konkreten Empfehlungen sind jedoch überaus anschaulich und praktikabel. Sie laden geradezu zum Ausprobieren ein. Insofern richtet sich dieser Band an Leser, die nach Möglichkeiten suchen, ihr Repertoire der Beeinflussung zu überdenken, sich der eigenen Wirkung bewusster zu werden und unentdeckte Potenziale auszubauen. Interessant ist es auch für Trainer und Coaches, die an solchen Themen mit ihren Klienten arbeiten. (JF)

Bram Peper/ Anneke Van Doorne-Huiskes/ Laura Den Dulk, EDS.
Flexible Working and Organisational Change. The Integration of Work and Personal Life
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos.2005, 342 Seiten, 75 £, ISBN 1843766183

Dieser Sammelband greift zwei wichtige Trends auf, die westliche Industriegesellschaften in den letzten Jahren charakterisieren. Einmal flexibilisieren sich die traditionellen Formen der Arbeit und der Besch&äuml;ftigung, zum anderen haben wir es auch mit stark ver&äuml;nderten Konstellationen in Familien zu tun, die Zahl der Doppelverdiener nimmt zu und zugleich erleben wir ein Ansteigen der Besch&äuml;ftigung von Frauen. Die Autoren des Buches gehen den Risiken, Konflikten und Dilemmata nach, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben. Darüber hinaus bemühen sie sich auch um Antworten, die im Blick auf eine neue Struktur und Dynamik künftiger Arbeitspl&äuml;tze auf den europ&äuml;ischen Arbeitsm&äuml;rkten gegeben werden müssen.

Die versammelten Autoren arbeiten in Forschungsprojekten an europ&äuml;ischen Hochschulen und Instituten, so dass sich ein breites und empirisch hinterlegtes Spektrum aus europ&äuml;ischer Perspektive ergibt. Die Problemlagen für die Besch&äuml;ftigten sind dort mehr oder weniger vergleichbar, Lösungsrichtungen sind ansatzweise erkennbar, was jedoch notwendig erscheint sind umfassendere und nicht zuletzt mutige Antworten. Im Moment laufen wir mehr oder weniger den Trends hinterher und verlagern Risiken, h&äuml;ufig einseitig. (JF)