Rezensionen 'E'

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Alexander Exner/Hella Exner/Gerhard Hochreiter

Selbststeuerung von Unternehmen

Ein Handbuch für Manager und Führungskräfte

Campus 2009, 252 Seiten, Euro 39, ISBN 978 3 593 38825 0

 

Dieses Buch bewegt sich im Spannungsfeld von Steuerung und Selbststeuerung von Organisationen, also dem Anspruch von Führungskräften, ihren Verantwortungsbereich zu gestalten, andererseits der Erfahrung, dass diese Bereiche eine eigene Dynamik und Würde haben, die sich den Steuerungsimpulsen nicht nahtlos fügen. Aus dieser Polarität resultiert ein neuartiges Selbstverständnis der Führungsrolle, die Aspekte wie probierendes Verhalten, Selbstbeobachtung, Reflexionsschleifen, paradoxe Effekte oder gemeinsames Lernen umfasst, aber auch Bescheidenheit über das, was man in dieser Rolle vermag. Gerade aus dieser Zurückhaltung, das ist eine der scheinbaren Paradoxien, entsteht die Chance für umso nachhaltigeren Einfluss, dessen Wirkung allerdings nicht vollständig erklärt werden kann und muss.

All das sind bekannte Gedankengänge aus dem systemischen Verständnis von Unternehmensführung, an dem die Autoren seit Jahren gemeinsam arbeiten. Diese langjährigen praktischen und theoretischen Erfahrungen sind hier nun zusammengetragen worden. Im Unterschied zu den vielen anderen Büchern, die zu diesem Paradigma inzwischen vorliegen, zeichnet sich dieser Band vor allem durch seine durchdachte didaktische Konzeption aus. Die Darstellung ist verständlich und bedient sich nicht des üblichen, zuweilen nicht einfach zugänglichen Jargons, sie ist angereichert durch zahlreiche Fallbeispiele und überaus eingängige Visualisierungen. Das Buch gibt darüber hinaus zahlreiche konkrete Anregungen für die eigene Praxis und die kritische Reflexion der eigenen Rolle. 

Es richtet sich gezielt, wie im Untertitel angekündigt, an Manager und Führungskräfte, ist aber natürlich auch geeignet für Trainer oder Berater, die einen verständlichen und dennoch anspruchsvollen Einstieg in das systemische Verständnis von Unternehmensführung suchen. (JF)

 

 

 

Cornelia Edding/ Wolfgang Kraus (Hrsg)

Ist der Gruppe noch zu helfen?

Gruppendynamik und Individualisierung

Verlag Barbara Budrich, Opladen 2006, 270 Seiten, Euro 25.60, ISBN 3-86649-014-3

 

In letzter Zeit kann man häufiger in Fachzeitschriften Artikel lesen, die vom Ende der Teamarbeit berichten, weil sie angeblich nicht die erwarteten Ergebnisse gebracht haben. Dabei wird nur selten erwähnt, dass das Management die Sorgfalt bei der Gruppenarbeit unterschätzt hat.

Dies ist ein Buch mit dem, um eine Sentenz des Kabarettisten Hildebrandt zu nutzen, nicht ein Bein, sondern die entscheidende Frage gestellt wird: Gibt es eigentlich die Gruppe noch, für die die Praxis der Gruppendynamik und der Teamberatung gedacht ist, bzw. war? Die Beiträge von 15 namhaften und kompetenten Autoren in diesem Feld (externen und internen Beratern, Trainern und Managern) liefern die Antwort, die Cornelia Edding im Schlusskapitel zusammenfasst: Aufgrund der grundlegenden Veränderungen des Kontextes der Organisationen und der Individualisierung sowohl der Regelung und Steuerung als auch des Verhaltens gibt es einen Bedeutungsverlust der tradierten Arbeitsform Gruppe. Nicht die Gruppen- oder Teamarbeit verschwindet, sondern die Formen, Aufgaben, Prozesse und strukturellen Einbindungen verändern sich. Das Team als Arbeitsform hat nicht ausgedient, sich aber sehr stark verändert (beispielsweise die institutionalisierte Einbindung, die Kooperationsformen und die Bedingungen der Arbeitsfähigkeit). Um diese Veränderungen aufzugreifen und für effektive Leistungen nutzen zu können, kommt es vor allem darauf an, dass die Berater, Trainer und auch Teammitglieder ihre mentalen Modelle der Arbeitsform Team revidieren (so Wimmer in seinem Beitrag). Im Management großer Konzerne sei das bereits weitgehend geschehen. Um es simpel auszudrücken: Nicht die Beziehungsgestaltung und Rollenklärung entscheiden über die Arbeitsfähigkeit einer Gruppe oder eines Teams. Die Einflussfaktoren sind sehr viel komplexer und komplizierter geworden. Aufgabenarten, Kompetenzen und der labilere strukturelle Kontext sind die Parameter, die ebenso über Erfolg und Fehlleistungen entscheiden, wie die Berücksichtigung der angestiegenen Heterogenität der Gruppen.

Cornelia Edding fasst die Konsequenzen der veränderten Bedingungen für die Arbeit mit Gruppen in zehn Punkten zusammen, die ich hier nur stichwortartig referieren kann: Die (gruppendynamischen) Trainings und Teamentwicklungen haben eine Zukunft, aber nur, wenn sie Gefühle der Zugehörigkeit und Beheimatung bei zunehmender Individualisierung und schnellen, kontinuierlichen Veränderungen erfahrbar machen! Der Umgang mit Heterogenität wird wichtig und die Auseinandersetzung mit Hierarchie und Autorität nimmt ab. Die Kontextorientierung wird ein entscheidender Faktor. Die Trainer und Berater müssen ihre Diagnosen und Interventionen anders ausrichten und sich systemischer ausrichten, weil die Teamdynamik die Organisationsdynamik spiegelt. Die Arbeitsfähigkeit von Teams hängt von veränderten Faktoren ab, nämlich Aufgaben, Kompetenzen und den Fähigkeiten, (weniger Standarisierung) und permanente Strukturveränderungen zu bewältigen.

Insgesamt sind also nicht nur Manager und Organisationen herausgefordert, die veränderten Kontextfaktoren zu berücksichtigen, sondern vor allem die Trainer und Berater sind gefordert. Warum, wie und womit, darüber liefert dieses Buch exzellente Hilfen.

Ich halte das Buch für die wichtigste Neuerscheinung auf dem Gebiet der Gruppenarbeit und kann es uneingeschränkt empfehlen. Als interne/r und externe/r Berater/in, Trainer/in und auch Führungskraft wird man dieses Buch lesen müssen, wenn man nicht einfach die Gruppenarbeit aufgeben, sondern zu neuer Leistung und tragfähiger sozialer Unterstützung führen will. Das Buch kommt zur rechten Zeit, weil nicht nur neue Anforderungen sehr klar aufgezeigt werden, sondern die Fehler sichtbar werden, aus denen wir lernen können. (KT)

 

Cornelia Edding
Agentin des Wandels. Der Kampf um Veränderungen im Unternehmen
Gerling Akademie Verlag, München 2000
224 Seiten, DM 39.--

Zwei Geschichten werden hier ineinander verwoben dargestellt: Die Geschichte eines Produktionsunternehmens, das den Auftrag für ein Chancengleichheitsprojekt gab, und die Geschichte der internen Mitarbeiterin, die mit diesem Projekt beauftragt wurde. Diese beiden Geschichten verfolgt die Autorin mit kritischer Distanz und fundierter Fachreflexion. Entstanden ist kein Imitationsbuch "schaut her, so macht man's!" und auch keine Erfolgsgeschichte. Beschrieben wird ein schwieriger, oft unbeholfener Prozess, vom Unternehmen nicht wirklich gewollt, von der Agentin des Wandels nicht wirklich gepusht. Von höflichen Nicht-Angriffspakten bis zu fiesen Taktiken ist vieles beschrieben und letztere erweisen sich als entschieden wirksamer!
Man/frau kann "Agentin des Wandels" lesen als Frauenbuch zum Gleichstellungsthema. Insofern beschreibt es typische Phänomene der Prozesse, aber auch der klassischen Verhaltensweisen von Frauen und Männern in der Geschlechterfrage. Man/frau kann den hier beschriebenen Prozess aber auch verstehen als Beispiel eines Humanisierungsprojektes oder eines Werte-getragenen OE-Projektes. Das kennen wir doch: diese Illusionen, was uns Beratenden wichtig ist, sei auch vom Auftraggeber gewollt; diese Naivität und zugleich Selbstüberschätzung in der Vorgehensweise; dieser moralisierende Touch, der viele abschreckt, die zu gewinnen gewesen wären; dieses Nicht-Erkennen von Ressourcen, weil wir glauben, die Wahrheit schon in Händen zu haben.
So sei dieses Buch denn allen Beratenden empfohlen. Es ernüchtert nicht nur. Es klärt auch durch seine scharfe und unkonventionelle Analyse, und es enthält wichtige Hinweise für neue Versuche. Nicht zuletzt hat es den ganz speziellen Charme der Selbstironie ...

 

Cornelia Edding
Einflussreicher werden. Vorschläge für Frauen.
Gerling Akademie Verlag 2002. 196 Seiten, Euro 19.90, ISBN 3-932425-47-2

Dass Männer und Frauen sich in ihren Verhaltensweisen, trotz aller geschlechtsneutralen Erziehungs- und Sozialisationsbemühungen unterscheiden, ist nach der Welle der Bücher, die zu diesem Thema in letzter Zeit auf den Markt gekommen sind, allen deutlich geworden. Auch wissen wir jetzt, dass diese Unterschiede offensichtlich evolutions-psychologische Hintergründe haben und auch nicht so leicht aus unseren Engrammen verschwinden werden. Nur was macht Frau jetzt mit diesem Wissen, speziell, wenn sie sich in einem Umfeld bewegt, das meist sehr von männlichen Verhaltensnormen geprägt ist, wie z.B. Unternehmen und Organisationen? Eine Antwort auf diese Frage bietet das Buch von C. Edding. Es richtet sich speziell an Frauen im Berufsleben und zeigt Ihnen, wie sie mehr Einfluss und Präsenz im Unternehmen gewinnen können. Die Autorin legt mit diagnostischer Schärfe immer da den Finger in die Wunde, wo Frauen dazu neigen, entweder ihr Licht unter den Scheffel zu stellen oder auch Konflikte und Auseinandersetzungen, die für die Gewinnung von mehr Status und Einfluss notwendig wären, bewusst oder auch unbewusst zu vermeiden. Ihre immerwiederkehrende These, dass die reine Fachkompetenz und eine gute Ausbildung noch lange nicht eine erfolgreiche Berufskarriere für Frauen zur Folge hat, belegt sie mit Anekdoten und Beispielen aus ihrer Coachingpraxis und aktuellen Forschungsberichten. Gleichzeitig gibt sie wichtige Hinweise und Tipps, was man tun muss, um sich mehr Einfluss und Gehör zu verschaffen. Sie zeigt auf, wie Frauen ihre Verhaltensstrategien für Gespräche und Verhandlungen verbessern können. Dabei überlässt sie es der Leserin, ob sie sich verändern möchte oder nicht, was die Lektüre erfreulich undogmatisch macht. Kurzgeschichten über berufliche Erlebnisse von Frauen illustrieren sehr deutlich und auch praxisnah die von ihr beschriebenen Strategien der (Nicht-) Einflussnahme. Konkrete Tipps und Handlungsanweisungen, wie man an sich selbst erste Veränderungen zu vermehrter Einflussnahme, angehen könnte, verleihen dem Buch eine hohe Umsetzungsrelevanz. Immer wieder ertappt man sich beim Lesen innerlich über sich selbst zu reflektieren: ... ja, das stimmt, das ist mir auch schon passiert …, oder auch, "so habe ich das noch gar nicht gesehen" bzw. "das ist eine gute Idee, das probiere ich mal aus". Der flüssige, abwechslungsreiche Stil, die vielen Praxisbeispiele und auch der undogmatische und gleichzeitig nicht oberflächliche Stil, laden gerade dazu ein, aus diesem Buch viele Anregungen für mögliche Veränderungen bei sich selbst zu ziehen. Für Frauen, die ihre berufliche Karrierentwicklung positiv beeinflussen wollen und dafür Anstösse suchen, ist dieses Buch sehr zu empfehlen. (BW)

 


Annette Blumenschein/ Ingrid Ute Ehlers
Ideen-Management. Wege zur strukturierten Kreativität.
Murmann Verlag (früher Gerling Akademie Verlag) Hamburg 2002, 223 Seiten, Euro 22.50, ISBN 3-932425-43-X

Der Gerling Akademie Verlag (heute Murmann Verlag) war bekannt für die qualitativ hochwertigen und teilweise innovativen Publikationen. das gilt auch für dieses Buch von 2002, was die Grundlagen, Konzepte, Methoden und Instrumente der strukturierten Kreativität für das Ideen-Management bietet. über dieses Handlungsfeld gibt es viele gute und schlechte Bücher, aber dieses Buch ist weniger technokratisch, sondern ganz auf den Management- und Führungskontext abgestellt. Hier können Leser sich selber gut einführen und Ideen, Anleitungen und Konzepte weiter entwickeln. Die Darstellung ist sehr gut angelegt, und alle wesentlichen Ansätze werden bearbeitet.
Aber: leider ist das Buch auf die personelle Ebene begrenzt, d.h. es geht um die individuelle Kreativität und zu wenig um die strukturellen Voraussetzungen und Massnahmen zum optimalen Ideen-Management. Was nützt mir die hohe Ideen-Vielfalt, die umfassendste persönliche Kreativität, wenn aufgrund von Politik, Macht oder Interessenkämpfen diese Ideen deshalb auf der Strecke bleiben? Dabei geht es nicht um den (modischen) Systemaspekt, sondern schlicht um die organisatorischen und strukturellen Förderungen und Absicherungen, d.h. die Umsetzungserleichterung der vielen guten Ideen. Und dieser entscheidende Teil wird in dem sonst empfehlenswerten Buch leider nicht so behandelt, wie es erforderlich wäre. Auch wenn das Buch über die reine Technikdiskussion hinaus geht, so bleibt der Leser mit diesem Mangel allein. (KT)

 

Michael Kleinaltenkamp, Michael Ehret (Hrsg)
Prozessmanagement im Technischen Vetrieb
Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1998 336 Seiten, 78.– DM/ 570.– ÖS/71.– SFr.

Mit der zunehmenden organisatorischen Ausrichtung auf Wertschöpfungsprozesse verändern sich auch die Rahmenbedingungen für das business-to-business-Geschäft des technischen Vertriebs: um langfristige Kundenbindung zu erreichen ist eine stärkere Integration in und Mitgestaltung der Nutzungsprozesse notwendig, d.h. eine intensive Verknüpfung der jeweiligen Geschäftsprozesse auf Anbieter- wie Nachfragerseite. Dieses neue Interaktionssetting erfordert ein prozessorientiertes Kommunikationsmanagement, das über traditionelle Kommunikationsformen (Werbung, personal selling) hinausgeht. Insbesondere für den bisher eher technisch orientierten Vertrieb wird dies die Überwindung manch personell-kultureller Barriere bedeuten. Das Buch bietet eine gute Mischung aus konzeptionellen Überlegungen und erprobten Praxisbeispielen und eignet sich so als Einführung in eine Themenstellung, die zunehmend relevant wird, soll Kundenorientierung nicht zum blossen Schlagwort verkommen.

 

Lutz Becker/Johannes Ehrhardt (Hrsg.)
Business Netzwerke. Wie die globale Informations-Infrastruktur neue Märkte erschliesst
Verlag Schäffer Poeschel, Stuttgart 1996, 181 Seiten, DM 68.–, ÖS 497.–

Ein anspruchsvolles, ein informatives, ein wichtiges Buch: Johannes Ehrhardt entwirft in seinem Einleitungsartikel ein klares Bild des radikalen Wandels, in dem wir uns befinden – der wirtschaftlich-technischen Emergenz.  Sie bezeichnet (nach Kelly’s «Out of Control», 1994) das Phänomen, dass sich gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse bei ihren sprunghaften, schwer vorherbestimmbaren Bewegungen plötzlich auf neuen Ebenen mit grundsätzlich neuem Systemcharakter reorganisieren. Selbstorganisation ist dabei eine wesentliche Voraussetzung. Das Buch hält sich trotz des komplexen Themas fern von der Sprache der Systemtheoretiker, wird in Lothar Schnitzlers «Made in Nirgendwo» sogar reisserisch-journalistisch, verliert aber niemals Konkretheit und Anschaulichkeit. Die Auswirkungen der Informations-Internationalisierung auf Forschung, Fertigung, Marketing, Vertrieb, Handel, Finanzierung und Medienentwicklung werden von einer kompetenten Autorenreihe untersucht – ein wichtiger Szenario-Baustein für Global Player.(FB)


 

Rainer Zech / Christiane Ehses (Hrsg.)
Organisation und Zukunft
Expressum-Verlag, Hannover 2001, 150 Seiten

Wenn man den Inhalt und das Grundkonzept der Herausgeber betrachtet, dann hätte im Titel statt Zukunft vielleicht besser Zukunftsfähigkeit oder Zukunftskompetenz gestanden. Um die geht es nämlich in den Beiträgen: um die Responsefähigkeit, wie diese Kompetenz im Buch genannt wird und die die Fähigkeit bedeutet, auf unvorhersehbare Herausforderungen adäquate und gestaltende Antworten zu finden. Die Herausgeber haben 7 Beiträge verschiedener Autoren zur Weiterbildung, Wirtschafts- und Unternehmensentwicklung, Gesundheitswesen und Universität zusammengestellt. Dabei geht es um Themen der Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung (Der Lernende als Reflexionsmedium sowie die Entwicklung von Responsefähigkeit als künstlerisch-ästhetisches Experiment), um die Zukunft des Büros, und die Zukunftsfähigkeit von Organisationen des Gesundheitssystems am Beispiel des Krankenhauses. Über die Anspruchsbelastung der Universität enthält der Band einen Beitrag mit dem bezeichnenden Titel "Die Individualisierung schlägt zurück". Abschliessend wird in methodischer Hinsicht ein hoch interessanter Beitrag zur Umsetzung ganzheitlicher und erlebnisorientierter Vorgehensweisen in der Praxis publiziert, die einen ins Stocken geratenen Veränderungsprozess in der öffentlichen Verwaltung zum Ziel hatte. Dabei wurden verschiedene kreative Methoden eingesetzt, um die Problemursachen auch in der Tiefe zu erfassen und zu visualisieren. Die Herausgeber und einige Autoren sind Mitarbeiter am ArtSet-Institut für kritische Sozialforschung und Bildungsarbeit, das sich so frisch und stimulierend von vergleichbaren Institutionen abhebt. Die Texte sind nicht so en passant zu konsumieren, aber die Theorie wird immer mit der Praxis in Bezug gebracht. Das gilt auch für den lesenswerten Aufsatz zur Zukunft des Büros. Das wird nicht an Fläche verlieren, diese wird aber zunehmend für kommunikative Zwecke im Luhmann'schen Sinne genutzt werden. (KT)



Reiner Zech / Christiane Ehses (Hrsg.)
Organisation und Innovation
Expressum Verlag, Hannover 2000, 318 Seiten

Bei Innovationen geht es nicht nur um neue Produkte, sondern vor allem auch um die Erneuerung von Denkgewohnheiten, Routinen, Verfahrensweisen, Strukturen, Kommunikations- und Steuerungsformen. Innovationen werden heute im Regelfall nicht mehr in der genialen Phantasie einzelner Individuen geboren, sondern entstehen aus der synergetischen Kraft von Kooperationsprozessen. Die Bedeutung des Kooperationsgedankens für Innovationen durchzieht deshalb das ganze Buch. Die Einzelbeiträge zielen vor allem auf die Frage, wie sich Organisationen innovationsfähig machen können. Dies wird anhand von Weiterbildungseinrichtungen, Unternehmen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kirchen dargestellt. Ein Abschlussbeitrag erörtert die Frage, was Organisationen zum Lernen der Gesellschaft beitragen. Der Herausgeber, Professor und Mitglied des ArtSet Institut für Kritische Sozialforschung und Bildungsarbeit e.V., den ZOE-Lesern durch anregende und herausfordernde Fallstudien bekannt, bietet wieder eine Sammlung von Konzepten und vor allem Fallstudien, die zum grossen Teil das Systemkonzept zur Grundlage haben. Die Autoren sind Doktoranden, Professoren und Berater aus verschiedenen Institutionen. Dieser Sammelband kann denen sehr empfohlen werden, die in sozialen Unternehmen Anregungen und Unterstützung für Innovationen suchen, aber auch internen Beratern in Unternehmen.


 

Rainer Zech/ Christiane Ehses (Hrsg.)
Organisation und Lernen
Expressum Verlag, Hannover 1999, 255 Seiten, DM 29.80

 Dieses Buch umfasst vorwiegend Fallstudien zum organisationalen Lernen. Es werden Veränderungs- bzw. Lernprozesse in Volkshochschulen, gewerblichen Unternehmen, Krankenhäusern, Pflegeheimen, politischen Organisationen und Schulen dargestellt. Themen sind Professionalität, Kundenorientierung, interkulturelle Prozesse, Konflikte, Partizipation, Widerstand, Ehrenamtlichkeit und auch Theorien, wie die Beiträge von Stefan Breé zur «Lern-Organisation als ästhetische Form und Gestaltungsaufgabe» sowie von Prof. Dr. Rainer Zech zu «Mythos Organisation – Latente Funktion und die Funktion von Latenzen». Kennzeichnend für dieses Buch ist nicht Wortspielerei oder eine aktionistische Grundhaltung der Fallstudien, sondern eine Organisationsentwicklungsforschung, mit deren Ziel die Beiträge verfasst wurden. Es ist nicht nur ein kritisch reflektierender, sondern auch ein perspektivischer Band, in dem nämlich implizit immer wieder gefragt wird, was wurde und wie hat das betreffende System gelernt. Insofern ist das Buch anspruchsvoll und sehr lohnend, auch wenn nicht jeder Beitrag alle Leser sofort betreffen wird, aber doch betroffen machen kann.

 

Sabine Gärtner-Schwadorf/ Kerstin Peiker-Eisenhuth
Interne Kommunikation bei Mergers Akquisitions
Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2005, 141 Seiten, Euro 18, ISBN 3-86573-082-5

Ich habe das Buch zur Rezension angefordert, weil mich der Hinweis auf eine empirische Untersuchung neugierig machte. Es handelt sich um eine Diplomarbeit, in deren Rahmen 45 Fragebogen von Mitarbeitern und Führungskräften (aus Hessen und Nordrhein-Westfalen, verschiedene Branchen) ausgefüllt wurden, die alle Merger- und Akquisitionsprozesse miterlebt haben. Auch wenn die Studie sicher nicht repräsentativ ist, finde ich die Ergebnisse doch charakteristisch: So zeigt sich gleich bei den ersten Fragen, dass die Betroffenen zwar ganz allgemein zunächst noch einigermaßen über den anstehenden Veränderungsprozess informiert sind (43 Prozent eher ja/ 31 Prozent eher nein), dass aber dann während des Veränderungsprozesses sie sich zunehmend schlechter informiert fühlen (noch 26 Prozent eher ja/50 Prozent eher nein) und dies insbesondere, was die Informationsweitergabe über persönliche Konsequenzen anbelangt (nur noch 18 Prozent eher ja/60 Prozent eher nein). Nach meinen Erfahrungen drückt sich in diesen Zahlen aus, dass die Direct Leaders zu wenig in die kommunikative Verantwortung eingebunden werden. Das Top Management fordert und fördert hier die unmittelbaren Vorgesetzten zu wenig, wie sie die kommunikativen Botschaften nach unten weitergeben sollen. Dabei kommt den jeweils direkt Vorgesetzten die wichtige Funktion zu, dem persönlichen Verarbeitungsprozess eine kommunikative Plattform zu geben. Dies unterbleibt aber oft, weil die sich selbst schlecht informiert und hilflos fühlen. So verwundert nicht, dass gut zwei Drittel angeben, dass auf sensible Fragen zu wenig eingegangen wird. Außerdem machen auch die Befunde dieser Befragung deutlich, dass in der «Verliererorganisation» die kommunikativen Defizite deutlich stärker ausgeprägt sind als auf der Gewinnerseite. Hier wird zu wenig gemacht, um diese Führungskräfte und Mitarbeiter produktiv in die neue Organisation zu integrieren. Wer gerade vor M & A-Prozessen steht, kann sich in dem Bändchen also durchaus ein paar Anregungen holen. Die 60 Seiten theoretischer Teil zu Anfang bieten eine gute Checkliste wichtiger Aspekte, ohne das Thema sehr zu vertiefen. (HM)

 

Linda Ellinor / Glenna Gerard
Der Dialog im Unternehmen. Inspiration, Kreativität, Verantwortung
Klett Cotta, Stuttgart 2000, 314 Seiten

Wer die vielen Fast-Food-Bücher mit ihrer Einhämmer-Kommunikation aus den USA kennt, ist hier angenehm überrascht. Ein Dialog zu führen ist vor allem auch eine Frage der Einstellung und um die geht es vorrangig in Teil 2, in den Kapiteln zur "lebendigen Technik" des Dialogs, der Kunst kreative Gespräche zu führen. Hier wird sehr einfühlsam, gut les- und nachvollziehbar in die mentale Grundstruktur und die leitenden Prinzipien des Dialogs eingeführt. Im 3. Teil geht es um die Einführung des Dialogs in Betrieben oder anderen Arbeitsbereichen. Auch hier machen die Autorinnen deutlich, dass ihr "Menu" von Strategien nicht dazu dient, DIE ANTWORTEN zu geben, sondern dass sie eine kollaborative Partnerschaft anstreben, bei der die Lesenden auch Ihre Erfahrung und Ihr Wissen einsetzen, um Schlüsselpunkte für eine Integration des Dialogs im eigenen spezifischen Kontext auszumachen. Der letzte Buchteil dient noch einmal der Reflexion: da geht es um das Schaffen von Energiefeldern, das Aushalten von Paradoxien, die Diskrepanz von Reden und Tun und so fort. Dies ist kein Buch zum Zwischendurchlesen und Überfliegen. Erst wenn man sich Zeit nimmt, entfaltet es seinen Reiz. Insofern ist es auch eine gute Therapie für Manager im Schnelligkeits-Wahn.

 

Felix Frei/ Hermann J.Schmelzer/ Wolfgang Sesselamann
Geschäftsprozessmanagement in der Praxis.
Kunden zufrieden stellen – Produktivität steigern – Wert erhöhen

Hanser Verlag, München 2006, 5. Auflage, 580 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-446-40589-5

Horst Ellringmann/ Hermann J.Schmelzer
Geschäftsprozessmanagement inside
Hanser Verlag, München 2004, 7 Hefte im Ordner, Loseblattwerk, Euro 149, ISBN 3-446-22961-2


Ich war schon bei der Besprechung einer früheren Auflage des Buches von Schmelzer/Sesselmann in Heft 3/02 sehr angetan von der prägnanten Darstellung der Konzepte der Geschäftsprozesse und der unterschiedlichen Methoden der Prozessoptimierung und -erneuerung. Nach wie vor halte ich das Buch für eines der besten Methodenhandbücher auf diesem Gebiet. Über die verschiedenen Auflagen hinweg sind neben einzelnen thematischen Ergänzungen wie z.B. Six Sigma vor allem weitere Praxisbeispiele und Erfahrensberichte aus Unternehmen hinzugekommen, aber auch weite Teile des Buches überarbeitet und aktualisiert worden. Die Autoren weisen auch auf das Diskussionsforum «Prozesse und Geschäftsprozessmanagement» im Internet hin (www.qm-infocenter. de/forum/prozessmanagement), das inzwischen knapp 300 Einträge aufweist. Auch die Loseblattsammlung, die Schmelzer zusammen mit Ellringmann inzwischen herausgibt, bietet eine gute Mischung aus Heften, in denen das Thema grundsätzlich aufgearbeitet wird (etwas dickere Hefte von je 100 Seiten Umfang) und Anwendungsberichte aus Unternehmen, die etwa 40 Seiten umfassen. Im Eröffnungsschober waren dies Darstellungen von Infineon, Kurz Gruppe, Vaillant Hepworth und ZF Sachs AG. Dreimal jährlich gibt es Ergänzungslieferungen für 98 Euro (Stand 2004). Für den, der viel mit Geschäftsprozessen zu tun hat, ist auch dies eine lohnende Lektüre. Die optisch ansprechende Aufmachung hat allerdings ihren Preis. (HM)

Elke Zwingmann / Walter Schwertl / Maria L. Staubach / Günther Emlein
Management von Dissens. Die Kunst systemischer Beratung von Organisatoren
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2000, 2. Auflage, 230 Seiten, DM 58.-

Die Autoren beraten als GesellschafterInnen des Instituts für systemische Theorie und Praxis in Frankfurt vor allem Nonprofit Organisationen. Bereits in der 2. erweiterten Auflage ist jetzt ihr Buch erschienen, in dem sie ihre Erfahrungen und Lehren für die systemische Beratung darlegen. R. Königswieser hat ein Vorwort zu dieser Sammlung von Fällen und theoriegeleiteten Reflektionen geschrieben. Die AutorInnen bieten anhand von Beispielen aus ihrer Beraterpraxis einen anschaulichen Einblick in die Arbeitsprozesse mit ihren Kunden. Der Blick über die Schulter der Berater macht deutlich, wie sie sich in die interne Logik der Kundensysteme einfinden und welche Stilmittel sie anwenden, um Kunden zur Lösung von Problemen in den Bereichen Führung, Kooperation und Teamentwicklung hinzuführen. So ist ein Buch entstanden, was gerade in der Mischung von Reflexion in Praxis und Theorie den Lesern nicht nur viel nützliche Anregungen gibt, ihr tieferes Verständnis systemischer Beratung fördert, sondern auch Unterstützung gibt, Mut macht. Die am Anfang gebotenen Denkgrundlagen darüber, was «systemisch» ist, sind sehr klar und verständlich formuliert.

 

Elke Zwingmann / Walter Schwertl / Maria L. Staubach / Günther Emlein
Oszillodox. Virtualisierung ö die permanente Neuerfindung der Organisation
Klett-Cotta 2000, Stuttgart

Auf originelle Weise Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen und scheinbar selbstverständliche Annahmen über virtuelle Unternehmen gegen den Strich zu bürsten, ist Anliegen dieses Buches. Die wesentliche Leitdifferenz der traditionellen Organisation von "oben und unten" wird abgelöst von der von "innen nach aussen" ö radikale Marktausrichtung, sensibles Grenzenmanagement und die Akzeptanz von kontinuierlich zu steuernden (nicht auflösbaren!) Organisationsparadoxien sind zentrale Managementthemen. Traditionelle Rationalitäts-, Steuerungs- und Kontrollvorstellungen werden damit noch deutlicher desillusioniert. Ebenso deutlich wird das Fehlen von Managementmodellen und Praxiskonzepten für das, was sich im Managementsprachgebrauch bereits als "virtuelles Unternehmen" etabliert hat. Darum, das zu entwickeln, geht es beiden Autoren entlang von den Kernthemen Netzwerkmanagement, Arbeit in virtuellen Unternehmen und Kundenorientierung und Marktführung. Auf Basis der Systemtheorie entwickeln Littmann und Jansen im Modell fundiert und in Auseinandersetzung mit den aktuellen Organisations- und Steuerungstheorien Untersuchungsergebnisse. Beispiele und neue Modelle, z.B. Typologie virtueller Unternehmen, ihren Lebenszyklus, schaffen den Bezug zur Praxis. Grosse Leseempfehlung.

 

Hans Dietrich Engelhardt/Pedro Graf/Gotthart Schwarz
Organisationsentwicklung
(Reihe Basistexte, Computergrafiken, Checklisten für Studium & Beruf), Verlag Prof. Dr. Jürgen Sandmann (Germannsberg 4, D-82239 Alling) 1996, 163 Seiten, DM 49.80

Viele Sozialarbeiter «fliegen» auf systemisch orientierte Konzepte, weil sie die Umfeldverhältnisse ihrer Arbeit verändern müssen, um effektiver und entlastender arbeiten zu können. Leider werden diese Konzepte aber dann nur «überflogen» und die Nutzung und Anwendung wird problematisch. Einen Teil tragen dazu die Darstellungen der Systemtheorie und Organisationsentwicklung bei. Ich halte es für problematisch, einem Basistext über OE für Sozialarbeiter mit 163 Seiten, einen Vorspann von 62 Seiten (also mehr als ein Drittel) über den Kontext (Managementkonzepte, Umfeldanalysen, Gesellschaftspolitik, Makro- und Mikro-Ursachen der notwendigen Organisationsveränderungen) voranzustellen, auch wenn er der viel bessere beziehungsweise interessantere Teil ist. Die Idee ist gut und diese Situationsanalyse sehr wichtig, aber das geht zu Lasten des OE-Teils. Hier hätte ein Extra-Band publiziert, oder der OE-Teil verdoppelt werden sollen. Nun bleibt nur ein genereller Überblick über die OE, der auch noch Aspekte des Systemkonzeptes u.a. aufarbeitet. Das Buch eignet sich also nur für Beginner und weniger für OE-Fortgeschrittene. Positiv ist die problematisierende (nicht immer auch kritische) Diskussion verschiedener Konzepte. Der Verlag gibt diesen Band in einer Reihe von Basistexten heraus, wie Personalmanagement, Organisationsmodelle, Qualitätsmanagement, Sozialmanagement u.a.

 

Corinna Engelhardt
Balanced Scorecard in der Beschaffung
Hanser Verlag, München/Wien 2001, 126 Seiten, Euro 9.90

Wieder ein Heftchen aus der Pocket Power Serie des Hanser-Verlags, das sich durch Prägnanz und Praxisbezug auszeichnet. Auch wenn die Darstellung auf den Funktionsbereich der Beschaffung hin konkretisiert wird, erhält der Lesende eine kompakte Einführung in das Verfahren. Zu recht weist die Autorin darauf hin, dass es bei der BSC nicht einfach nur um eine neue Zusammenstellung bisheriger Kennzahlen geht, sondern das entscheidende die neue Vorgehensweise bei der Erarbeitung, Vernetzung und Anwendung der Kennzahlen ist. Und sie nennt die Faktoren, woran die Umsetzung noch immer vielfach scheitert:

  • Die Scorecard wird nicht geschäftsspezifisch erarbeitet.
  • Kein Commitment des Top Management
  • Problematische Unternehmenskultur
  • Persönliche Disposition und Ängste

    Das kleine Büchlein dient sicher nicht einer vertiefenden Reflexion der Balanced Scorecard und ersetzt auch nicht die eigene konkrete Arbeit. Aber als Unterstützung dabei ist es ganz gut geeignet. (HM)


    Rudolf Fisch / Dieter Becker / Birte Englisch (Hrsg.)
    Projektgruppen in Organisationen
    Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen 2001, 378 Seiten

    Der Sammelband umfasst zum einen eher praxisbezogene Beiträge über Projektgruppenarbeit in Wirtschaft und Verwaltung, zum anderen neuere Forschungsarbeiten aus dem Gebiet der Arbeits- , Organisations- und Sozialpsychologie zum Thema Projektgruppen. Der einleitende Beitrag der Herausgeber gibt einen guten Überblick zum Stand der Forschung. Insgesamt sind die Beiträge eher für ein wissenschaftliches Publikum geschrieben, d.h. der Praktiker muss sich in die thematisch breit gefächerten Beiträge einlesen, um einen Nutzwert aus der Lektüre zu erzielen. Da kann er jedoch durchaus fündig werden.


    Maren Fischer-EPE
    Coaching: Miteinander Ziele erreichen
    Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2002, 240 Seiten, ¤ 8.90

    Dies ist ein kompakter, übersichtlicher und sehr hilfreicher Band, der eine Reihe von praktischen Hinweisen für die Coaching-Praxis gibt. Die dargestellten Ansätze beruhen im Schwerpunkt auf gesprächstherapeutischen Ansätzen, die im wesentlichen auf Schulz von Thun zurück gehen. Hinzu kommen eine Reihe von anregenden Vorschlägen für die Visualisierung von Konflikt- und Problemlagen, in denen sich der Klient befindet. Zwei weitere Kapitel zum Aufbau des Coaching-Prozesses und zur Rollenreflexion runden das Buch ab. Bemerkenswert ist die einfache, schnörkellose und verständliche Sprache der Autorin, die dem Leser die Lektüre ungemein erleichtert. Ein im wahrsten Sinne des Wortes Preiswertes Buch. (JF)



    Rüdiger Reinhardt/ Martin J. Eppler (HRSG)
    Wissenskommunikation in Organisationen
    Methoden Instrumente Theorien
    Springer Verlag, Heidelberg 2004, 424 Seiten, Euro 59.95, ISBN 3-540-20350-8

    Ich habe mich mit der Rezension dieses Buches etwas verspätet, was nicht nur an der eigenen hohen zeitlichen Belastung lag, sondern auch daran, dass sich das Buch nicht zur flüchtigen Lektüre eignet. Dies liegt auch am Thema, weil Wissenskommunikation nicht so einfach ist, wie man sich dies naiverweise vielleicht denkt. Schließlich ist die Übertragung von Erkenntnis, Erfahrung oder Fertigkeit von einer Person per Kommunikation auf andere nicht einfach die Weitergabe von Daten und Informationen, sondern ein komplexer Vorgang in einem interaktiven Kontext, in dem auch Emotionen und soziale Kontextfaktoren eine wesentliche Rolle spielen. Es geht, wie die Herausgeber in ihrer Einführung (S.3) verdeutlichen, nicht nur um das «was», «wo», «woher», «wann» und «wie viel», sondern vielmehr um das «wie», «warum» und «was passiert, wenn». Kommuniziertes Wissen muss von daher expliziert, legitimiert und motiviert werden, was das Gelingen viel unsicherer macht.
    Das Buch fächert die Aspekte von Wissenskommunikation breit auf, grob eingeteilt zwischen je zehn eher theoretischen Beiträgen und zehn eher umsetzungsbezogenen Beiträgen. Da geht es in den theoretischen Beiträgen z.B. um den Einsatz von graphischen Metaphern, um Wissensdialoge, um den Einfluss der Kontextfaktoren wie Raum, personale oder interpersonale Faktoren, um die Verknüpfung von Wissenskommunikation und Lernen, um nur einige Beispiele zu nennen. Interessant fand ich hier auch den Beitrag über die Kommunikation impliziten Wissens mit der Fragestellung, wie sich das Erfahrungswissen von Anlagenfahrern in Wasserwerken explizieren und weitergeben lässt, aber auch die Beiträge über Communities of Practice. Auch in den praktischen Beiträgen, in denen es um spezifische Umsetzungsbeispiele geht, z.B. Wissensmessen, Forschungsmarktplätze etc, wird es vor allem eine Frage des jeweiligen Interesses sein, für welchen Beitrag man sich mehr oder weniger interessiert. Wer angesichts der Fülle der Beiträge den Überblick nicht verlieren will, für den ist die abschließende Zusammenfassung und Reflexion von Eppler von sehr großem Wert, der die praktischen Implikationen aus den Beiträgen herausarbeitet (während sein Co-Herausgeber die wissenschaftlichen Implikationen vertieft):

    • die Vielzahl der Dimensionen (z.B. räumliche, soziale, kognitive, sprachliche, visuelle, dramaturgische, technische und Prozessdimension), die in der Wissenskommunikation berücksichtigt werden müssen
    • die iterative Anwendungsweise der Instrumente, da Wissenskommunikation ein schrittweiser Prozess der Verständigung ist
    • das Ausbalancieren als Erfolgsfaktor, das Management von Dilemmata, das sich auch in der Wissenskommunikation als notwendig erweist.


    Womit wir gleich bei einem Dilemma dieses Buches wären: Gerade beim Thema Wissenskommunikation hätte ich mir gewünscht, dass die Autoren mehr Wert auf die Lesbarkeit der Beiträge legen. Da sind die Beiträge (in unterschiedlichem Maße) manchmal doch eher etwas akademisch steif geschrieben. Dies lässt befürchten, dass das Buch nur in der Insider-Community relevante Verbreitung findet. Was eigentlich schade ist, denn auch wenn der Hype um das Wissensmanagement inzwischen vorbei ist, ist das Thema Wissenskommunikation nach wie vor eine ganz zentrale Frage in Organisationen, heute mehr denn je. (HM)


     

    Kristine Erb
    Die Ordnungen des Erfolgs. Einführung in die Organisationsaufstellung
    Kösel-Verlag, München 2001, 207 Seiten, Euro 24.95

    Klaus-Peter Horn/ Regine Brick
    Das verborgene Netzwerk der Macht. Systemische Aufstellung in Unternehmen und Organisationen
    Gabal management, Ludwigshafen 2001, 240 Seiten, DM 49.80

    Das wachsende Interesse an den Konzepten der Organisationsaufstellung schlägt sich nicht nur in einer Zunahme entsprechender Ausbildungsseminare nieder, auch auf dem Buchmarkt tut sich was. Dabei verhält sich das Thema "Aufstellung" zur gedruckten Buchform zunächst etwas sperrig: Wie lässt sich die Dynamik einer Aufstellung im Raum auf Papier transportieren? Kann verbale Be- und Umschreibung etwas von dem wiedergeben, was im konkreten Erleben wahrgenommen und gespürt wird? Um es vorweg zu nehmen: beiden Büchern gelingt dies eigentlich ganz gut - allerdings auf höchst unterschiedliche Art und Weise, die darauf schliessen lässt, dass beide Bücher aus einem unterschiedlichen Kontext heraus entstanden sind und letztlich auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen wollen. Das Buch von Kristine Erb ist vor allem aus dem Lehren der Aufstellungsarbeit entstanden und richtet sich an Berater, Therapeuten und solche, die die Methode lernen möchten. Wie der Subtitel besagt, bietet es eine Einführung in die Aufstellungsarbeit: die Aufstellungstechnik wird - unterstützt durch ein lockeres Layout - in einer leicht verständlichen Sprache dargestellt, die Prozessarbeit und die dabei angewandten Prozesstechniken erläutert. Neben den Organisationsaufstellungen werden auch alternative Formen wie die Strukturaufstellungen nach Sparrer/ van Kibed, Supervisionsaufstellungen usw. erläutert. In komprimierter Form werden dann Beispiele von Aufstellungsarbeit im beruflichen Kontext veranschaulicht.

    Das Buch von Horn/Brick wendet sich hingegen an Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen und versucht, den Nutzen der Aufstellungsarbeit für unternehmensbezogene Fragen und Problemstellungen zu verdeutlichen. Ausgehend vom Bild eines Unternehmens als Netzwerksystem, das massgeblich auch durch das Unbewusste zwischen den Menschen gesteuert wird, wird die systemische Aufstellungsarbeit als eine Möglichkeit aufgezeigt, komplexe Probleme jenseits kausal-linearer Erklärungsversuche systemisch abzubilden. Die Prinzipien der Aufstellungsarbeit wie der Ausgleich von Geben und Nehmen, das Recht auf Zugehörigkeit werden als im Hintergrund wirkende, verborgene Führungsleitlinien vorgestellt. In sehr ausführlichen Fallbeispielen wird dann die Vorgehensweise in der Aufstellungsarbeit und der schrittweise Weg zum ‚Lösungsbild' demonstriert.

    Während die Stärken des Buchs von Erb vor allem in der lebendigen und anschaulichen Darstellung der Vorgehensweise in der Aufstellungsarbeit liegen, ist das Buch von Horn/Brick reflexiver angelegt - dies zeigt sich vor allem im 4. Kapitel , in dem es anhand typischer Fragen und Antworten aus den Seminaren darum geht, den Nutzen der systemischen Aufstellung argumentativ zu begründen. Über die Aufstellungsarbeit hinaus wird im abschliessenden Kapitel ein systemischer Coaching-Ansatz vorgestellt, der versucht, das Makro-System Unternehmen mit seinen vielschichtigen Organisationstrukturen und das Mikro-System Persönlichkeit mit seiner nicht weniger komplexen inneren Struktur in einem umfassenden, lösungsorientierten Vorgehen zu integrieren.

    Beide Bücher sind auf ihre Art und Weise empfehlenswert: für ein erstes Kennenlernen der Methode das Buch von Erb, für die vertiefende Auseinandersetzung das Buch von Horn/Brick. Mit dieser Einschätzung ist von meiner Seite noch keine Beurteilung des methodischen Ansatzes selbst verknüpft. Beide Bücher stehen in der Tradition der phänomenologischen Aufstellungsmethodik, die für mich mit ihrer Orientierung an individualpsychologischen Prinzipien und einer normativen Grundordnung als Hintergrundraster nach wie vor eine Reihe von Fragen offen lässt. Doch darum muss es in einer Buchempfehlung nicht unbedingt gehen. (HM)


    Berit Ernst
    Die Evaluation von Beratungsleistungen Prozesse der Wahrnehmung und Bewertung
    Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2002, 243 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-8244-0683-7

    Das Ergebnis dieser Dissertation bei Prof. A. Kieser ist relativ eindeutig: eine objektive Evaluierung scheint aufgrund von verschiedenen Faktoren, die die Wahrnehmung von Erfolg bzw. Misserfolg einer Beratung beeinflussen, nicht möglich. Und dennoch wird immer wieder eine sogar objektive Evaluierung versucht oder sogar verlangt. Um die daraus resultierende Diskussion zu stützen, haben wir uns für eine Rezension dieses Buches entschlossen, das bereits 2002 erschienen ist, welches wir aber bisher übersehen haben. Die Autorin zeigt in ihrer Arbeit, auf der Basis psychologischer Theorien und durch Auswertung vieler Interviews mit Managern und Beratern, dass die Bewertung von Erfolg oder Misserfolg einer Beratung wesentlich von den Interaktionen zwischen Beratern und Klienten abhängig sind, die die Wahrnehmung prägen. Die Evaluierung ist somit ein zentrales Problem der Beziehungen zwischen Berater und Klient, und wird gerade durch diese Interaktionen wesentlich beeinflusst. Prof. Kieser hat an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, auch gestützt durch die Forschungsergebnisse dieses Buches, dass eine Evaluierung und schon gar nicht objektiver Art unmöglich ist, wegen der Qualifikation. Differenzen der Akteure, der Immaterialität des Objektes, der oben erwähnten Interaktivität und der Singularität der Probleme und deren kontextuell ausgerichtete Lösungen. Aus organisationstheoretischer Sicht ist die Evaluation zudem eine Spezialform inszenierter Selbst-, bzw. Fremd-Beobachtung und kann als Beobachtung 3. Ordnung bezeichnet werden, wie R. Wimmer es einmal vorgeschlagen hat. Dieser Prozess wird von der Organisation wiederum beobachtet und somit ist die Evaluation auch eine sehr spezifische Form der Intervention, die als solche sehr unterschiedlich gestaltet werden kann. Entscheidend sind, und das hat die Autorin in dem Buch sehr lesbar herausgearbeitet, in diesen Prozessen die Interaktionen, die sehr unterschiedliche Formen und Zwecke annehmen können. Es geht bei der Evaluation um Selbstreflexion, vor allem auf der Grundlage von Dialogen, bzw. Diskursen. (Austausch über Beobachtungen zwischen Berater und Klient.) Es geht um komplexe Wirklichkeitskonstruktionen in einem gemeinsamen Kommunikationsprozess vor allem zwischen Shareholdern und Evaluierenden. Das ist die Empfehlung der Autorin, womit sie dies wichtige und hoffentlich in der Unternehmenspraxis stärker ausgebaute Buch abschließt. (KT)

     

    F.A.Z.-INSTITUT / Ernst & Young (HRSG.)
    Corporate Governance. Deutsche Unternehmenskultur im Wandel - Gespräche mit führenden Köpfen aus Wirtschaft und Wissenschaft.
    FAZ Institut, Frankfurt/Main 2002, 70 Seiten, ¤ 48.-

    Die Corporate Governance Richtlinien, sowohl in Deutschland wie auch in anderen Ländern, werden die Kontrollmechanismen von Unternehmen nicht nur modifizieren sondern stark verändern. Berater des Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsunternehmens und eine FAZ-Institut Redakteurin haben Top-Manager aus Unternehmen, Verbänden, der Gewerkschaften und Investmentfirmen zu den Funktionen, Wirkungen und Anwendungen des neuen Verhaltenskodex befragt. Einige von ihnen waren Mitglieder der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Die Gespräche bzw. die Antworten auf jeweils verschiedenen Fragen und Themengebieten sind höchst aufschlussreich, so langweilig wie überraschend. Für einige Manager ändert sich wenig, für andere viel. Einige (Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und Gewerkschaftler) sind sehr kritisch, andere befürworten die Grundsätze, beanspruchen aber Differenzierung in der Anwendung. So wird sehr deutlich, wie die vorherrschende Unverbindlichkeit nicht nur im Kodex angelegt ist, sondern auch aus dem Mangel an Anwendungserfahrung resultiert. Die Anwendung ist also ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Es wird sich zeigen, ob es der einer Aufweichung oder stringenterer Regeln wird. Keiner der Befragten will das angelsächsische Modell unverändert übernehmen. Man ist erst mal zufrieden mit dem freiwilligen Verhaltenskodex auf der Basis von Leitlinien. Im Anhang der Broschüre werden die Reformwünsche als eine To-do-Liste aufgeführt. Letztlich ist diese Publikation nicht nur eine wichtige Informationsquelle, sondern auch ein hilfreiches Werkzeug zur Argumentationsübung. (KT)


     

    Joachim Hasebrock/ Olaf Zawacki-Richter/ John Erpenbeck, Hrsg.
    Kompetenzkapital. Verbindungen zwischen Kompetenzbilanzen und Humankapital
    Bankakademie Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3 937519 17 3, 340 Seiten, Euro 45.–

    Die Autoren dieses Sammelbandes vereinigt die überzeugung, dass Wissen in Organisationen zur Schlüsselressource geworden ist, die man irgendwie messen bzw. regeln kann. Dazu werden unterschiedliche Konzepte, teils aus dem mittlerweile umfangreichen Theoriebestand, teils aus praktischen Erfahrungen dargestellt, wobei die Beispiele überwiegend aus dem Finanzbereich stammen. Das ist hilfreich, da gerade solche Dienstleister von der Wissen- und Beratungskompetenz ihrer Mitarbeiter abhängen. Nicht ohne Grund verdeutlichen einige Beiträge den Aspekt des Risikomanagements, weil in diesen intangiblen Bereichen die Möglichkeit von Kontrolle durch Führung und direkte Steuerung sehr eingeschränkt ist. Es fällt auf, dass die Autoren sehr häufig mit Analogien und Anleihen aus dem traditionellen Rechnungswesen arbeiten. Eine differenzierte eigene Terminologie hat sich offenbar nicht wirklich gebildet. Das wird auch daran deutlich, dass immer wieder die gleichen Modelle bemüht werden, von Tobin über EFQM und Navigatoren bis hin zur Balanced Scorecard. Sehr anregend ist aber das kurze Fazit am Schluss, wo auf die Bedeutung von Cluster-ökonomien verwiesen wird. Das ist ein von Porter ausgehender innovativer Ansatz, der insbesondere den regionalen Aspekt der Wissensentwicklung und –diffusion betrachtet. Hier hätte ich mir noch einige weitergehende Betrachtungen gewünscht, zumal sich die Autoren eingestehen, dass man Wissensprozesse eher im Sinne von Kontextsteuerung beeinflussen kann, weniger mit direkter Einflussnahme. Trotz dieser kritischen Bemerkungen repräsentiert der Band den Stand der Diskussion und bietet insbesondere den praktisch orientierten Lesern eine Reihe von Anregungen, nicht zuletzt weil sie in der Sprache bleiben, die man in wirtschaftlichen Organisationen versteht und benötigt, um Investitionen in Humankapital zu legitimieren. (JF)

     

    Volker Heyse/ John Erpenbeck
    Kompetenztraining. 64 Informations- und Trainingsprogramme
    Verlag SchäfferPoeschel, Stuttgart 2004, 620 Seiten, Euro 49.95

    Dies ist m.E. ein sehr interessanter Band, der einmal die Gelegenheit zu einem persönlichen Self-Assessment gibt und darauf basierend Anregungen für die Entwicklung der eigenen Kompetenzen liefert. Das mit viel Akribie vorgestellte Konzept unterscheidet vier Kompetenzfelder, personale Kompetenz, Aktivitäts- und Handlungskompetenz, Sozial-kommunikative Kompetenz und Fach- und Methodenkompetenz. Jedes dieser Kompetenzfelder ist wiederum in weitere Teilkompetenzbereiche untergliedert. Zum Bereich der personalen Kompetenz gehören etwa Loyalität, Humor oder Lernbereitschaft. Die Kompetenzfelder wurden zuvor durch Befragungen von Experten ermittelt. Die insgesamt 64 Teilkompetenzbereiche werden jeweils in origineller Weise erläutert, dann gibt es einen Selbstcheck, Empfehlungen für das selbstgesteuerte Lernen, Anregungen für Massnahmen und Hinweise für das vertiefende Studium. Das Buch ist praxisnah und handlungsorientiert. Es kann problemlos für die Reflexion und Ausrichtung der persönlichen und professionellen Kompetenz eingesetzt werden. (JF)

     

    Bernd-Joachim Ertelt, William E. Schulz
    Handbuch Beratungskompetenz
    Rosenberger Fachverlag, Leonberg 2002, 319 Seiten, ISBN 3-931085-36-8

    Über den um sich greifenden, fast inflationären Gebrauch des Titelbegriffs "Handbuch" bin ich auch hier nicht glücklich. Was das Buch enthält sind sehr ausführliche Darstellungen des Microcounseling-Modells von Ivey, des Modells des Problemlösungsmanagements von Egan und der Lösungsorientierten Beratung, aus denen die Autoren ein integratives Modell der beruflichen Beratung entwickeln - jeweils verbunden mit einem umfangreichen Übungsteil, anhand dessen man das beraterische Vorgehen reflektieren und verbessern kann.
    Das Fachbuch ist konzipiert für die Aus- und Fortbildung beraterischer Berufe in Bildung, Sozialarbeit, Beruf und Betrieb und fördert die Entwicklung einer fundierten Beratungskompetenz. Im Kontext personbezogener Beratung sind die Darstellungen auch für Organisationsentwickler fruchtbar. (HM)

     

    Rolf Dubs/ Dieter Euler/ Johannes Rüegg-Stürm/ Christina E.Wyss (Hrsg.)
    Einführung in die Managementlehre. (5 Bände)
    Paul Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien 2004, 1825 Seiten, Euro 122.–, ISBN 3-258-06999-9

    Mit einer 5-bändigen Einführung legen die Herausgeber eine Managementlehre vor, die auf dem neuen St. Gallener Management-Modell basiert. Alle wichtigen Wissenschaftler, Dozenten und Berater der Universität St. Gallen (nicht zu verwechseln mit dem Management Zentrum St. Gallen (MZG) von Prof. Malik) kommen in der umfangreichen Einführung zur Schrift. Die grossen Kapitel der Bände entsprechen den sechs Grundkategorien des neuen Modells: Umweltsphären, Anspruchsgruppen, Interaktionsthemen, Ordnungsmomente, Prozesse sowie Entwicklungsmodi.
    Jeder dieser sechs Teile wird mit der Schil-derung eines aktuellen Falls aus dem Wirtschaftsalltag eingeführt. Im anschliessenden Lehrbuchteil werden die mit dem Fall verbundenen Fragestellungen zusammen mit den notwendigen konzeptionellen Grundlagen erörtert. Am Ende des jeweiligen Teils finden sich Lösungshinweise, wie mit den geschilderten Fragestellungen sinnvollerweise zu verfahren wäre. Kontrollfragen, Aufgaben zur Nachbearbeitung des Stoffes sowie ausführliche Literaturhinweise runden diese klar aufgebaute Einführung methodisch ab. Natürlich drängt sich der Vergleich mit dem Management-Buch von K. Bleicher auf, was vor über 10 Jahren erschien. Dies hier ist viel differenzierter, ausführlicher und didaktisch besser aufbereitet. Und es geht von den Weiterentwicklungen des St. Gallener Modells aus, was Kritiker immer noch als teilweise illusorisch sehen, weil Systeme so rational nicht planbar sind, das Management schon gar nicht. Beiden Werken gemeinsam ist die integrative Leistung der Forscher und Lehrer der Universität. Hier kocht nicht jeder sein Süppchen, sondern stimmt sich (auch zu Marketingvorteilen) in einem Modell ab. Sehr nütz- lich und wirklich nutzbar sind die Darstellungen der wesentlichen Theorien, Konzepte, aber vor allem die Bezüge zur Handlungspraxis mit den Instrumenten, Methoden und Anleitungen. Ich vermisse aber im Band 4 (Unternehmensentwicklung) die Organisationsentwicklung oder das Veränderungsmanagement. Die OE wird mit keinem Wort erwähnt. Das hat mich natürlich zuerst interessiert und dabei fiel mir das dürftige Register am Ende des 5. Bandes auf. Dafür wird aber auch das Public Management sehr gut bearbeitet, wie die meisten Kapitel sehr gute Einführungen darstellen, die sich durch die Struktur hervorragend zum Selbststudium eignen. Die Alltagsfälle stützen das und eine innovative E-Learning-Plattform zum Buch wird auch geboten. Insgesamt ist das Buch eine reiche Quelle gerade für Manager, Entwickler und Berater – wenn man dann methodisch mit dem Planungs- und Determinierungsansatz übereinstimmen kann. Der Mangel der Wandelbearbeitung kann auch ein Hinweis darauf sein, dass man sich in einem deterministischen Modell mit dem Entwicklungsaspekt sehr schwer tut. (KT)

     

    Walter Eversheim/ Günther Schuh
    Produktion und Management «Betriebshütte»
    Springer Verlag, Berlin 1996, 7. neu bearb. Auflage, Teil 1 und 2, 1838 Seiten, DM 198.-

    Das 1924 erstmalig erschienene Taschenbuch für Betriebsingenieure des «Akademischen Vereins Hütte» hat sich inzwischen zu einem 2-bändigen Werk von 2,8kg gemausert (Gewichtsangabe aus den Verlagsangaben!). Mir war dieses Standardwerk bisher nicht bekannt, welches Betriebswirtschaft und Ingenieurwissenschaft miteinander verbindet, was für das Reengineering ja hoch-aktuell ist. Die Gebiete Integriertes Management, Produkt, Produktion, Controlling sowie Logistik werden in einem Werk vereint, zu dem in den meisten Fällen die kompetentesten Vertreter des Fachs Grundsatzbeiträge geliefert haben. Da der Herausgeber, G. Schuh, an der Hochschule St. Gallen Technologie-management lehrt, ist es wenig verwunderlich, dass das St. Gallener Modell des integrierten Managements umfassend vertreten ist. Insgesamt ist das übersichtlich aufgemachte Werk eine reiche Fundgrube für den Re-Ingenieur aller professionellen Hintergründe. Für mich ist das Buch eine Entdeckung und wird eine wichtige Nachschlags- und Informationsquelle sein, um mich in die Felder einzuarbeiten, die ich in der Beratung benötige, aber bisher nicht lernend aufgenommen habe.

     

    Autorengruppe E-writing.de
    E-Learning und E-Kooperation in der Praxis
    Luchterhand Verlag, Neuwied 2002, 349 Seiten, ¤ 49.-

    Das Thema E-Learning und virtuelle Formen der Kooperation ist nach dem Hype der New Economy und der konjunkturellen Ernüchterung der letzten Monate zunehmend aus dem Blickfeld geraten, u.a. weil die Unternehmen die notwendigen Infrastrukturen nicht finanzieren wollen bzw. weil der Nutzen dieser neuen Form des Lernens und Zusammenarbeitens nicht so richtig belegt wurde. Das kann man auch kaum erwarten, weil es bislang nur sehr wenig Erfahrungen damit gibt und die wurden bislang kaum systematisch ausgewertet. Viele Verantwortliche führen das Thema auch gerne im Munde, aber die Anwendungen hinken dem hinterher. Der vorliegende, sehr umfangreiche Band schliesst hier eine Lücke. Es handelt sich um eine Sammlung von zahlreichen und sehr unterschiedlichen praktischen Beispielen für E-Learning und virtuelle Kooperation, in denen es den Herausgebern vor allem darum geht, erlebbar zu machen, welche unterschätzten Potentiale in diesen Bereichen liegen. Das ist aus meiner Sicht auch gelungen. Die Sammlung ist sehr facettenreich und enthält neben den praktischen Firmenprojekten auch einige reflektorische Beiträge etwa zum Netcoaching sowie durchaus auch spekulative Überlegungen, etwa zur Moderation virtueller Teams oder der Anwendung von TZI im Rahmen von E-Learning. Es ist kein Buch für "Freaks", sondern gerade auch für Personal- und Organisationsexperten, die einen verständlich gehaltenen und breiten Zugang zum Thema suchen. (JF)