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Martin Claßen

Change Management aktiv gestalten

Personalmanager als Architekten des Wandels

Luchterhand 2008, 337 Seiten, Euro 39, ISBN 978-3-472-07213-3

 

Dieses Buch hat es in sich. Der Autor blickt auf 20 Jahre Erfahrung mit Change Management zurück, davon acht als Leiter der Change Management-Abteilung einer Unternehmensberatung. Die Reflexion dieser Erfahrung verbindet er mit der Rezeption von Studien und Theorien zu Veränderungen in Organisationen.
Change Management ist aus dem Anfangsstadium heraus, die meisten Unternehmen nutzen es und zukünftig wird wohl kaum noch eines ohne es auskommen. Der großen und wachsenden Bedeutung dieses Themas entspricht, dass sowohl Konzepte wie Wirkungen von unterschiedlichen Akteuren untersucht werden. Der Autor referiert insgesamt 20 Studien etwa seit 2004 von Unternehmensberatungen, Unternehmen, die teilweise in Zusammenarbeit mit Universitäten durchgeführt wurden. Die bisher oft nur theoriegeleiteten oder aus einzelnen Fallstudien gewonnenen Erfolgs- oder Misserfolgsfaktoren, können somit auf einer breiteren Basis überprüft werden. Konzeptionell zeigen die Studien, dass die Prozessorientierung mittlerweile im Management „angekommen ist“. Hier hat die Bedeutung der „weichen Faktoren“ für den Erfolg von Veränderung, die aus vielen Studien hervorgeht, ihren Niederschlag gefunden. Die meisten Führungskräfte setzen auf eine Mischung von „instruktiven“ oder „Programm“- Schulen und systemischen oder „adaptiven“ Schulen. Claßen selbst plädiert für einen Mittelweg, der das Beste aus beiden Richtungen übernimmt. Dieser „duale Weg“ zwischen Planen und Anpassen sind die Grundpfeiler seiner Transformationsarchitektur, die er mit einer gekonnten Dramaturgie des Veränderungsprozesses verbinden will. Spitzenreiter der Erfolgsfaktoren in seiner Studie von 2008 sind die Mobilisierung und das Commitment der Mitarbeiter sowie an zweiter Stelle, die für die Veränderung adäquate Gestaltung der Geschäftsprozesse der Organisation. Interessantereise kann über die Jahre eine stärkere Professionalisierung und Routine bei Veränderungsprojekten festgestellt werden: schlechtes Monitoring, unklare Zielsetzung oder fehlender Strategiebezug werden als geringere Umsetzungsbarrieren wahrgenommen als früher.

Das Buch setzt sich auch kritisch mit der verbreiteten Werkzeug-Gläubigkeit im Change Management auseinander. An falschen oder schlecht ausgeführten Methoden scheitern jedoch selten Veränderungsvorhaben.

Flott, aber nicht platt geschrieben, grafisch ansprechend aufbereitet, regt das Buch an, über Change Management und wie es zu verbessern wäre, nachzudenken. (HK)

 

Arnaldo Cacaci
Change Management – Widerstände gegen Wandel
Plädoyer für ein System der Prävention
Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 2006, 267 Seiten, Euro 49.90, ISBN 978-3-8350-0252-4

In der Organisationsentwicklung gibt es ein eigenartiges Phänomen in der Literatur: Es gibt kaum Untersuchungen zum Widerstand und wenn, dann eher mit dem Zweck, wie man ihn überwinden oder gar brechen kann. Ganz anders, und das ist einer der Hauptunterschiede, geht das Change Management damit um. Es thematisiert diesen wichtigen Erfolgsfaktor und manchmal wird auch – wie von mir – postuliert, dass nichts so nützlich sein kann, wie den Widerstand auf den Tisch zu bekommen. Denn aus der Bearbeitung resultiert ein wesentlicher Energiebeitrag zum Wandel. Der Umgang mit Widerstand verwandelt das Veränderungsmanagement nicht zum Krisenmanagement, sondern zum Chancen-Management, wie es auch Klaus Doppler und Co-Autoren in ihrem wichtigen Buch „Unternehmenswandel gegen Widerstände“ betont haben.
Die Handhabung des Widerstands als sehr natürlichem Phänomen (denn schließlich gibt es oft genug sehr gute Gründe für den Widerstand aufgrund von Fehlleistungen des Managements, zum Schutz der Identität oder als Aufforderung zur intensiveren Kommunikation) kann auf zweifache Weise erfolgen: die Bearbeitung und die Prävention.
I
n der vorliegenden Dissertation widmet sich der Autor dem Präventionsansatz. Sein Konzept basiert auf einer interdisziplinären Analogiebildung, die sich dreier Disziplinen der Medizin bedient, nämlich der Genetik, der Anti-Aging- und der Immunforschung. Er erweitert damit vorhandene Konzepte um neue Perspektiven. Der Autor benutzt dazu das Konstrukt der Change Arena, d.h. die Leistung der Organisation/Systeme optimale Rahmenbedingungen für eine Veränderungsfähigkeit zu schaffen und dabei einem notwendigen Wandel keine oder nur zu vernachlässigende Grenzen durch Widerstände gesetzt zu bekommen. Dieses System der Prävention soll durch die Analogien aus der Medizin erklärt werden.
Für meinen Zweck ist dieser ungewöhnliche Ansatz zu knapp und nicht sehr operativ gelungen. Er ist an den Schluss des Buches gequetscht. Dabei hat der Autor vorher den Dimensionen der Widerstände und den Einflussfaktoren zu viel Raum gewidmet. Und diese Analysen sind sehr einseitig aus betriebswirtschaftlicher Sicht vorgenommen worden und sind daher für das Widerstandsphänomen unvollständig.
Dennoch möchte ich das Buch empfehlen, weil es viele gute Übersichten, neue Zugänge zum Phänomen Widerstand und hilfreiche Präventionshinweise liefert. (KT)

Steven Casper/Frans von Waarden
Innovation and Institutions
A Multidisciplinary Review of the Study of Innovation Systems
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos. 2005, 320 Seiten, GBP 65, ISBN 1 84376 211 0
 

Das ist ein sehr interessanter Sammelband, der die Bedingungen der Möglichkeiten von Innovationen in heutigen Organisationen aus der Perspektive ihrer institutionellen Rahmenbedingungen betrachtet. Dabei handelt es sich vor allem um nationale Besonderheiten, die ihre Ursachen in den jeweilig unterschiedlichen Modernisierungs-Geschichten haben. Diese äußern sich unter anderem in den rechtlichen Rahmenbedingungen, verfügbaren Ressourcen, kulturellen Unterschieden oder der Ausprägung von Organisationen selbst. Es ist daher oftmals zu kurz gesprungen, Innovationsdynamiken lediglich aus der intraorganisatorischen Perspektive zu betrachten, diese zu messen und gar Veränderungen anzustoßen. Die Würdigung des institutionellen Kontextes erweitert die Perspektive und darauf basierende Eingriffe zur Entwicklung der Innovationsfähigkeit. Die Autoren betrachten die Thematik zudem aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven: der Soziologie, der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie der Institutionen-Ökonomie. So entsteht ein perspektivenreiches und erhellendes Panorama zum Vergleich der Innovationsdynamik in unterschiedlichen Gesellschaften, das sich an Leser wendet, die ein eher globales Verständnis von Wandel und Neuerungen entwickeln möchten. (JF)

Raymond Caldwell
Agency and Change
Routledge, London and New York 2006, 185 Seiten, Euro 37.90, ISBN 0415326761

Wer ist dieser ominöse Change Agent, der durch die Szene der Organisationsentwickler und Change Manager geistert? Gibt es ihn und rennen wir einer Fiktion nach? Natürlich h&äuml;ngt die Antwort auf diese Fragen von dem Bild von Organisation ab, das der Selbstbeschreibung dieser Rolle zugrunde liegt. Der Autor pr&äuml;sentiert in seinem gut lesbaren Band vier mögliche Interpretationen, die auch einer historische Entwicklung folgen. Die klassischen Konzepte gehen u.a. auf LEWIN, SCHEIN und ARGYRIS zurück, die noch von einem Experten-Modell ausgingen. Eine kontextualistische Sichtweise wurde von PETTIGREW vorgeschlagen. Diese l&äuml;uft darauf hinaus, dass Wandel in Organisationen von unterschiedlichsten internen und externen Be- dingungen abh&äuml;ngt und eher als inkrementaler Prozess verstanden und konzipiert werden muss. Die Komplexit&äuml;tsforschung radikalisiert diese Perspektive weiter und verweist auf den Aspekt der Bildung spontaner Ordnungen aus für uns chaotisch erscheinenden Strukturen. Schliesslich entwickelte sich unter dem Einfluss von Foucault eine Interpretation von Organisationen und Wandel, die vor allem auf einer Interpretation von Macht basiert. Sie verkörpert sich gleichsam in Individuen und Institutionen und entzieht sich steuernden Eingriffen, weil sie sich nicht dingfest machen l&äuml;sst. Der Autor erl&äuml;utert diese unterschiedlichen Erkl&äuml;rungsans&äuml;tze in systematischer, pr&äuml;gnanter und verst&äuml;ndlicher Weise. Er regt dadurch eine wichtige Diskussion weiter an, die wir auch in Deutschland führen und die sich um eine konzeptionelle Begründung von Ver&äuml;nderung bemüht. Sie muss ein fundiertes Verst&äuml;ndnis dessen voraussetzen, was ver&äuml;ndert werden soll bzw. was sich ver&äuml;ndert. (JF)

Campus Management
Band 1: Best Practice, Checklists, Actionlists
Band 2: Vordenker, Manager, Bücher, Lexika, Zitate, Register

Campus Verlag, Frankfurt/Main 2003, insgesamt 2160 Seiten, ISBN 3-593-37068-9

Die beiden dicken Bände kommen im Schmuck- koffer daher, dezent in blau. Aber das ist auch die Absicht: sich über das Management schnell und konzentriert einen Überblick zu verschaffen. Dafür muss man sich aber erst mit dem Gebrauch vertraut machen, um die Vielfältigkeit auch nutzen zu können.
Band 1 beginnt mit "best practices" zu 160 Themen im Umgang mit Stress, Führungskräftemangel, Konzernstrategien, Innovationen, Servicemanagement usw. usf. Alles ist sehr übersichtliche gegliedert. Dann folgen checklists und actionlists zu 250 Themen, z.B. Wertsteigerungsanalyse, Karriereplanung usw. Der Unterschied besteht darin, dass die checklists Auflistungen enthalten, was man tun oder besser unterlassen sollte, währen die actionslists Anregungen für Problemlösungen bieten.
Man merkt sehr deutlich, dass es im grössten Teil Übersetzungen aus der amerikanischen Originalausgabe sind, wobei einige Beiträge von deutschen Autoren (Doppler, Sprenger, Kühl, Malik, Sebastian, Simon u.a.) die Adaption an unsere Managementkonzepte bieten.
Im zweiten Band werden Vordenker des Management dargestellt, auch Kurt Lewin u. a. Dann folgen bekannte Manager, allerdings vorwiegend Amerikaner, ausser Piech, Siemens u.a. Dann werden die Kernaussagen der besten und wichtigsten (ca. 150) und damit einflussreichsten Wirtschafts- und Managementbücher vorgestellt. Anschliessend folgt ein Lexikon mit 4500 Begriffen, die auch viele Querverweise enthalten. Vor dem ausführlichen Register werden noch treffende Zitate zu den wesentlichsten Bereichen des Managements (Markt, Wettbewerb, Führung, Organisation, Strategie, Marketing, Finanzen und Personal) vorgestellt.
Es ist ein wirklich nützliches und wichtiges Nachschlagewerk, um sich schnell in ein Thema oder Gebiet einarbeiten zu können. So erfährt man auf 3 Seiten, was bei einem Messe-Auftritt zu beachten und was zu vermeiden ist, sowie weiterführende Literatur. Also unterstützt es vor allem die, die sich erste Informationen beschaffen wollen, aber auch die, die sich intensiver mit einem Gebiet auseinandersetzen wollen und sich daran orientieren können, was es wo in welcher Form schon gibt. (KT)

 

Kenneth Blanchard/ John P. Carlos/ Alan Randolph
Management durch Empowerment
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, 119 Seiten, DM 36.–

Wenn anerkannte Unternehmensberater und Managementtrainer – und K. Blanchard, J.P. Carlos und A. Randolph sind unbestritten anerkannte Unternehmensberater und Managementtrainer – ein Buch über Empowerment veröffentlichen, dann darf man gespannt sein. Nachdem in den weitaus meisten Unternehmen Kostenreduzierungs-, Lean Management und Downsizing Programme in den letzten Jahren mit mehr oder weniger Erfolg umgesetzt wurden, liegt jetzt Management by Empowerment (was soviel bedeutet wie Ermächtigung, Ausstattung mit Vollmachten oder Bevollmächtigung) im Trend. Auch diese Methode der Erfolgssteigerung richtet sich nicht primär auf den externen Markt, sondern ist eine interne Unternehmensmassnahme. Wie einfach waren aber die Zeiten der o.g. Methoden für das Management, als man quasi die Rezepte aus der Theorie übernehmen konnte und lediglich mit der Durchsetzung beschäftigt war. Empowerment dagegen fordert insbesondere vom Management eine grundlegende Änderung der Wertvorstellungen, also nicht nur diagnostische Fähigkeiten, darüber hinaus noch den Mut zur Verhaltensänderung. Ungewöhnlich ist die Art und Weise der Veröffentlichung. Schildern doch die Autoren alle wesentlichen Züge von Management by Empowerment nicht im Stile eines wissenschaftlichen Textes, sondern lassen einen Manager mit den Problemen bei der Umstellung seines Betriebes ratsuchend bei einem bereits «empowerten Unternehmen» von Mitarbeiter zu Mitarbeiter gehen, und so langsam alle Grundzüge, Elemente und Probleme von Empowerment kennenlernen. Diese Art der Vermittlung eines Konzeptes ist meiner Ansicht nach gelungen, da der Leser nicht ausschliesslich mit den Fakten konfrontiert wird. Elementare Grundlage von Empowerment ist, wie schon geschildert, eine generelle Werte- und Verhaltensänderung im Management, darüber hinaus gibt es drei weitere Schlüsselfunktionen. Diese beinhalten kurzgefasst zum einen den Zugang zu jeglichen Informationen für alle Mitarbeiter mit gleichzeitiger Abgrenzung der Handlungsräume, um dann innerhalb dieser Grenzen autonom zu handeln, zum anderen weitgehende Aufgabe von Hierarchien um zu selbstgesteuerten Teams zu gelangen. Alle drei Funktionen stehen in «dynamischer Interaktion». «Die Reise ins Land des Empowerment» zeichnet sich somit einerseits durch Handlungsfreiheit aus, andererseits geht aber auch die Verantwortung für die Ergebnisse auf die jeweiligen Mitarbeiter über, was bekanntermassen bei vielen nicht unbedingt mit Freude aufgenommen wird. So bleibt festzuhalten, dass dieses Managementkonzept keineswegs für alle Unternehmen geeignet ist. Es wäre schon ein Erfolg, wenn sich einige wenige auf den Weg zum «Land des Empowerment» machten. Aufbau und Inhalt des Buches haben mich überzeugt, und für diejenigen, die auf halbem Wege in ihrer Organisationsumgestaltung stecken, die der Mut nicht verlassen hat, etwas gänzlich anderes einzuführen, sicher lesenswert.


Fred Massarik, Marissa Pei-Carpenter
Organization Development und Consulting
Jossey-Bass/Pfeiffer (Wiley), San Francisco 2002, 247 Seiten

Fred Massarik ist einer der Gründungsmitglieder des NTL Instituts in den USA, der Geburtsstätte der Gruppendynamik und OE.
Sein neues Buch stellt seine Überzeugungen und Erfahrungen und die zentralen OE-Werte in den Mittelpunkt. Gerade in der Zeit, wo die OE als beendet und das Change Management propagiert wird, ist dies ein wichtiges Buch, weil die wesentlichen Ansätze der OE auch in der Entwicklungs-Dimension dargestellt und mit dem persönlichen Engagement verbunden werden. Es ist geronnene Erfahrung, die hier präsentiert wird. Es ist also ein sehr praktisches Buch, was nicht auf konzeptionelle Reflexion verzichtet. So erstaunt es nicht, wenn die Autoren das Buch als "NTL-Buch" deklarieren, weil es die etablierte OE darstellt.
Die Autoren stellen den personellen Ansatz in den Mittelpunkt (der Berater und Klienten) und vor allem das Gefühl und die Intuition als entscheidende Grundlage von Planung, Gestaltung, Prozess, Intervention und Evaluierung. Das mag etwas "romantisch" anmuten, zeigt aber, was über Jahrzehnte Basis der OE war und letztlich bei aller Methodik Technologie und Systematik noch ist. Damit lässt sich auch begründen, warum "Schnellschüsse" und lineare Ansätze nicht zu nachhaltigem Wandel führen. Es ist kein Einführungstext in die OE und doch Anfängern unbedingt zu empfehlen, weil es gelebte Werthaltungen deutlich macht und eindringlich begründet. Es hat mich auch an die "gute, alte Zeit" erinnert, mehr noch aber aufzeigt, was im neuen Change Management oft auf der Strecke bleibt, insbesondere auch in den Berater-Haltungen. (KT)

 

Louis Carter, David Giber, Marshall Goldsmith (Hrsg.)
Best Practices in Organization Development and Change.
Culture - Leadership - Retention - Performance - Coaching.
Case studies, tools, models, research.

Jossey-Bass/Pfeiffer (Wiley), San Francisco 2001, 551 Seiten mit CD-ROM

In diesem voluminösem Buch von 3 Beratern (die nicht nur auf dem Buchdeckel kräftig Werbung für sich machen) werden 17 Fallstudien dargestellt unter 5 Rubriken: OE und Wandel, Führungsentwicklung, Personalrekrutierung und -bindung, Leistungsmanagement (Beurteilung und Messung) sowie Coaching und Mentoring. Die Fallstudien werden jeweils mit einer Evaluierung, den Ergebnissen und "lesson learned" abgeschlossen. Sie stammen von vielen Autoren, einige von sehr bekannten OE-Experten wie Warner Burke, meistenteils aber von externen oder auch internen Beratern. Hier werden Ansätze deutlich, Instrumente aufgelistet und das Management der OE-Prozesse beschrieben. Theoretische Reflexionen werden (wenn überhaupt) in die Fallstudien integriert und auch Konzepte. Es geht eben um best practices und nicht um die Weiterentwicklung der konzeptionellen oder gar theoretischen Begründung der OE. Von daher ist das Buch für die geeignet, die lernen wollen wie es geht, wo die Probleme im Alltag auftreten und wie man sie lösen kann.  Fasziniert hat mich der einleitende Aufsatz von W. Warner Burke zu den OE-Fallstudien. Hier zeigt er sehr plastisch auf, wie sich die OE verändert hat, weil er diesen Wandlungs- und Lernprozess selber gelebt hat. Eigentlich geht es gar nicht so puristisch um OE, vielmehr auch um Führung, Personalmanagement und Coaching. Eben um OE im HR-Kontext. Aber selbst bei kritischer Betrachtung der Fallstudien-Inhalte wird sehr deutlich, wie sich OE bzw. deren Anwendungsfelder und Methoden verändert, d.h. erweitert haben. OE hat sich etabliert, wie auch in Deutschland. Aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir von den OE Ansätzen, den Methoden und Instrumenten weiterhin enorm profitieren, aber dabei den Paradigmawechsel hin zum Change Management nicht übersehen dürfen. In dem Moment, wo sich OE institutionell etabliert (man redet wie selbstverständlich darüber und benennt Abteilungen danach) hat sich die traditionelle OE schon überlebt. Für Entwicklungs- und Veränderungsprozesse gelten heute ganz andere, d. h. stringentere und ökonomisierte Prämissen. (KT)


 

Mike Whittaker, Ann Cartwright
32 Aktivitäten zu Coaching und Mentoring
Training Media GmbH, Kronberg 1998, 217 Seiten, DM 340.ö

Auch dieser Ringordner ist vor einigen Jahren bei der Gower Publ. Comp. in englischer Sprache veröffentlicht worden. Die beiden Trainer haben Aktivitäten für die Ausbildung von Coaches und Mentoren entwickelt, die sich allerdings teilweise auch als Arbeitsaktivitäten innerhalb eines Coaching eignen (z.B. Auswertungsanleitungen, Rollengestaltung usw.). Die Aktivitäten sind teilweise sehr ausführlich begründet und mit Lehrtexten versehen, wie z.B. über die Qualifikationsanforderungen an einen Coach u.a.m. Selbst für routinierte Coaches und Mentoren bietet die eine oder andere Aktivität sicherlich sehr nützliche und neue Hinweise. Man kann die häufig anzutreffenden Schematisierungen und Simplifizierungen auch überlesen, aber die Systematisierung und Strukturierung ist sehr vorteilhaft.

 

Steven Cavaleri/ David Fearon (Hrsg.)
Managing in Organization that Learn
Blackwell Publ. Ltd., Cambridge – USA/ Oxford – GB 1996, 548 Seiten, DM 90.–

Nachdem ich das Buch im Kontext des Organisationslernens häufiger zitiert fand, entschloss ich mich zur Anschaffung und Rezension. Nach der ersten Durchsicht kamen mir Zweifel, ob es eine Rezension wert ist. Das kann jetzt klar verneint werden – und dennoch erwähne ich es hier, um davor zu warnen. Erstmal ist der Titel irreführend, denn es geht nicht um das Management des Organisationslernens, sondern um Managementaufgaben bzw. -verhalten im Kontext von Organisationen, die alle Arten von Lernen praktizieren. Dann ist die Mehrzahl der Beiträge über das Lernen in Organisationen eher auf dem Niveau amerikanischer Kleinstadt-Universitäten angesiedelt, bzw. man merkt, dass sich die professoralen Autoren der Praxis anbiedern und die andere Hälfte der Autoren aus dem Management versuchen, wissenschaftlich zu überhöhen. Lediglich der Beitrag über die Folgen der Autonomie für das Lernen in Organisationen, in dem das Konzept der Autopoiesis mittels des abgeleiteten «autognomics» (= Eigen-Wissen, als Gegenstück zur Maschine) angewandt wird, und der Beitrag von Craig C. Lundberg über «Management in einer Kultur, die Lernen wertschätzt», sind wirklich lesenswert. Die Krone der Unerträglichkeit kann dem letzten Buch-Beitrag des amerikanischen TQM-Spezialisten und -Professor aufgesetzt werden, der in dem Titel «Creating a World-Class Total Learning Organization» völlig ungeniert alle modischen Management-Begriffe unterbringt und sicher darauf noch stolz ist.

 

Mihaly Chikszentmihalyi
Flow im Beruf. Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz
Klett Cotta 2004, 312 Seiten, ISBN 3-608-93532-0

Chikszentmihalyi betont zwar immer wieder, dass auch einfache Tätigkeiten Flow-Erlebnisse zulassen, die Mehrzahl der von ihm zitierten Beispiele stammen jedoch von Führungskräften oder Unternehmensgründern grosser Organisationen. Dies zeigt, dass der Arbeitsplatz in bestimmter Weise gestaltet sein muss, damit ein Flow-Erleben überhaupt möglich ist. Flow-förderliche Faktoren und die Möglichkeiten, diese zu installieren, werden in seinem Buch ausführlich beschrieben: Die Arbeit muss einen Sinn vermitteln und etwas Wertvolles erbringen. Sie muss längerfristig angelegt sein, damit man sich auch auf längerfristige Ziele konzentrieren kann. Arbeitnehmer müssen vom Management als schätzenswerte, einmalige Individuen angesehen werden und grösstenteils selbstbestimmt arbeiten können. Die Arbeit muss klare Zielvorgaben haben und eindeutige und sofortige Rückmeldung über die eigene Leistung zulassen. Sie sollte einen Zuwachs an Anforderungen beinhalten, die den einzelnen Mitarbeiter in seinen Fähigkeiten stimulieren und wachsen lassen. Es sollten Rahmenbedingungen herrschen, die es erlauben, sich zu konzentrieren und ohne grössere Unterbrechungen zu arbeiten. Auch sollte man die Freiheit besitzen, das Ausmass an Zeit, das man mit einer Aufgabe verbringt, einigermassen selbst zu entscheiden, damit Flow-Erlebnisse möglich werden. Nach Mihaly Csikszentmihalyi hat es auch die Person selbst in der Hand, ob sie Flow in der Arbeit erleben wird. Er beschreibt, was dazu nötig ist, um sich einer Aufgabe hingeben zu können und Flow zu erleben. Der Wille sein Bestes zu geben, etwas Ausserordentliches zu bewirken und Energie und Ausdauer in seine Handlungen und Ergebnisse zu stecken, machen Flow-Erlebnisse auf allen Ebenen der Tätigkeit laut seinen Ausführungen möglich. Das Buch ist in einer populärwissenschaftlichen Weise geschrieben und leicht zu lesen. Die Struktur besteht aus den Erzählungen des Autors über das Flow-Phänomen und den Flow-relevanten Erläuterungen der interviewten Unternehmensgrössen. Zum Teil entsteht der Eindruck, dass sich Dinge wiederholen und man beginnt, die Kapitel zu überfliegen. Trotzdem kann man nicht umhin, bei der Lektüre des Buches selbst über die eigene Arbeit und die Kreation von Flow-förderlichen Bedingungen nachzudenken.
Fazit: Für Neueinsteiger, die sich mit dem Flow-Konzept vertraut machen wollen, bietet dieses Buch eine gute Möglichkeit, sich in dieses spannende Phänomen einzulesen, Kenner des Themas werden leider wenig Neues entdecken. (BW)

 

Howard Gardner/ Mihaly Chikszentmihalyi/ William Damon
Good Work! Für eine neue Ethik im Beruf
Klett-Cotta, Stuttgart 2005, 440 Seiten, Euro 29.–, ISBN 3608940784

In diesem Buch haben sich drei Schwergewichte zusammen gefunden, um der Frage nachzugehen, wie in diesem Jahrhundert mit seinen radikalen Wandlungen professionelle Spitzenleistung erbracht werden kann, diese zugleich aber mit sozial verantwortlichem Handeln zu verbinden. Das Ziel des Buches besteht darin, eine Professions- und Arbeitsethik zu entwerfen, die als Leitbild für die kommenden Jahrzehnte gelten kann. Grundlage des Bandes sind natürlich die wissenschaftlichen Spezialitäten der Autoren selber, ihr Buch beruht aber auch auf zahlreichen Gesprächen mit Forschern oder Journalisten, wobei die Autoren immer wieder auf umstrittene Genforschung zurückkommen. Die Motive und Konflikte, die Menschen in derartigen Berufsfeldern beherrschen, werden in zum Teil bewegenden Fallgeschichten entfaltet. Natürlich mündet der Band nicht in einfachen Lösungen. Aber es kommt heraus, dass es nicht nur um Geld gehen darf und es geht den Meisten auch nicht nur ums Geld. Die Autoren versuchen zu zeigen, dass jeder Leistungsträger immer auch ein Gefühl von «alignment» entwickelt. Dieses Gefühl von Stimmigkeit drückt aus, ob Ziele und Ergebnisse auch sozial verantwortbar sind und einen Beitrag dazu leisten, «die Welt zu einem besseren Platz» zu machen. Damit sich eine derartige reflexive Vernunft entfalten kann, bedarf es allgemeiner erkenntnistheoretischer Grundlagen und normativer Fundierungen, auch als Teil der Ausbildung, der überwiegend spezialisiert arbeitenden Experten. Anders sei auch die verbreitete Skepsis gegenüber der traditionellen Autorität der Wissenschaft nicht aufzuhalten. (JF)

 

Tim G. Andrews/ Nartlanin Chomprusi/ Bryan J. Baldwin
The Changing Face of Multinationals in Southeast Asia
Routledge, London and New York 2003, 333 Seiten, 22.99 £, ISBN 0415260956

Das Bild von Asien im Business wurde Ende des letzten Jahrhunderts von Japan und wird heute von China und zunehmend auch von Indien geprägt. Dabei sind andere Volkswirtschaften und Kulturen, die vom Potenzial her locker an europäische Dimensionen heranreichen, etwas aus dem Blick geraten. Dazu zählen besonders Thailand, Indonesien, Malaysia, aber auch die Philippinen, Vietnam, Laos, Myanmar, Kambodscha und Singapur. Natürlich lässt sich angesichts der unterschiedlichen Geschichten und Voraussetzungen dieser Länder kein einheitliches Bild darstellen. Andererseits hat die wirtschaftliche Krise in den 90er-Jahren die Rahmenbedingungen für diese Nationen und den dort tätigen mulinationalen Unternehmungen vor vergleichbare Herausforderungen gestellt. Sie mussten sich von Mitabeitern trennen, Strukturen den globalen Wettbewerbsbedingungen anpassen und ihre strategischen Ausrichtungen verändern. Damit gingen Konflikte einher, die ihre Ursachen in lokalen Besonderheiten und Kulturen hatten. Die Autoren zeigen im Detail, wie diese Konflikte einmal in den Binnenstrukturen und HR-Strategien der Unternehmungen gelöst wurden, zum anderen aber auch in veränderten Marketing-Strategien. Sie zeigen an interessanten und anschaulichen Beispielen, wie sich dort Kompromisse herausgebildet haben, etwa bei der Präsentation globaler Marken in der Werbung, die aber auf lokale Besonderheiten und kulturelle Sensibilitäten Rücksicht nehmen müssen. Dieser Band ist wichtig, weil er jenseits vom populären Mainstream asiatischer Wirtschaftsliteratur auf diese gleichfalls wichtige Region und ihre Entwicklungsbedingungen aufmerksam macht. (JF)

 

Jens Fröslev Christensen/ Peter Maskell, EDS.
The Industrial Dynamics of the New Digital Economy
Edward Elgar Publishing LTD, Cheltenham U.K. 2003, 288 Seiten, 65 £

Ist die New Economy nun tot, lebt sie noch oder ist sie wieder auferstanden, wie auch immer, es kann keinen Zweifel daran geben, dass die digitale Informationstechnologie und das Internet einen nachhaltigen Einfluss auf die Produktionsstrukturen und -prozesse der industriellen Ökonomie hatte und hat. Die verschiedenen Autoren stellen dabei die Bedeutung der Vernetzung in und zwischen Organisationen heraus und zeigen, wie sich neuartige Kooperationsformen und organisatorische Gestalten herausbilden. Auch Labour Relations und die Beschäftigungsstrukturen bleiben von diesen Transformationen nicht unberührt. Die universelle Verfügbarkeit von Informationen und Wissen führt zu höheren Produktivitäten, so dass sich auch Preis,- Wettbewerbs- und Marktgefüge grundlegend verändern. Der vorliegende Sammelband ordnet diese Entwicklungen in einen historischen Zusammenhang und liefert einen theoretischen Kontext. Er zeigt dann insbesondere an zahlreichen empirischen Studien, wie sich die digitale Ökonomie in verschiedenen Fertigungs- und Dienstleistungsbranchen konkret auswirken. (JF)

 

Stephen C. Lundin / Harry Paul / John Christensen
FISH. Ein ungewöhnliches Motivationsbuch
Verlag Ueberreuter Wirtschaft, Wien / Frankfurt 2001, 120 Seiten

Die tieffliegenden Fische am Pike Place Fish Market in Seattle bereiten inzwischen nicht mehr nur den Büroangestellten aus den umliegenden Geschäften Spass: das zugrunde liegende Motivationskonzept hat sich am amerikanischen Trainingsmarkt inzwischen zum Bestseller entwickelt und es ist zu erwarten, dass es auch in Deutschland seine Anhänger findet. Die Botschaften, für die die Angestellten am Fischmarkt stehen, sind einfach und vielleicht gerade deshalb wirkungsvoll: Wähle Deine Einstellung - Spiele / Hab Spass bei der Arbeit - Bereite anderen Freude - Sei präsent. Das wahr's. Und dennoch kann man sich des mitreissenden Schwungs nicht entziehen, den vor allem das (allerdings sehr teure) Lehrvideo mehr noch als das Buch vermittelt. Natürlich geht einem sofort durch den Kopf: Passt das überhaupt in den kulturellen Kontext der Service-Wüste Deutschland. Andererseits: warum soll man sich nicht davon inspirieren lassen? Das Buch entwickelt aus den Erfahrungen am Fishmarkt die Geschichte einer Abteilungsleiterin, die in einem Finanzinstitut eine Abteilung übernimmt, die im Hause nur "Giftmülldeponie" genannt wird. Inspiriert durch die Besuche am berühmten Fischmarkt gelingt es ihr, einen neuen Geist in ihrer Abteilung zu erwecken: Dies ist die typisch amerikanische Erfolgsstory, in der alles ganz leicht und ganz schnell geschieht, die sich zwar flott liest, in der aber auch eine Gefahr liegt: dass das Konzept wie schon so häufig zu einer Mode wird, zum Kochrezept. Dabei ist das Geschehen am Fischmarkt in Seattle durchaus wert, dass man sich damit auseinandersetzt. Und es kann eine Quelle des Empowerments auch für Veränderungsprozesse sein, denn ein bisschen mehr Spass beim Prozess des Veränderns täte vielerorts gut. Dennoch muss jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden und seinen eigenen Rhythmus. (HM)

Roswita Königswieser / Uwe Cichy/ Gerhard Jochum (Hrsg.)
SIMsalabim, Veränderung ist keine Zauberei. Systemisches Integrations Management
Klett Cotta, Stuttgart 2001, 300 Seiten

Wie im Artikel von Heitger/Doujak in diesem Heft liegt der Fokus des Buches auf der Verknüpfung von vorgeblich "weichen" Organisationsentwicklungsprozesen mit "harten" Rationalisierungsprojekten. Vorgestellt wird das Modell des Systemischen IntegrationsManagements als ein ganzheitliches Veränderungskonzept, das in wesentlichen Zügen in der Auseinandersetzung und Reflexion des Unternehmensentwicklungsprozesses bei der swb AG, Bremen, entwickelt wurde (Ein diesbezügliches Kapitel des Buches wurde in Heft 1/00 der ZOE schon vorab veröffentlicht - Königswieser/Jochum: Die Vertreibung aus dem Paradies). Im SIM-Modell wird das Dreieck der Unternehmensentwicklung mit den Polen Strategie - Struktur - Kultur verknüpft mit Visionsarbeit und dynamischen Prozessschleifen, in denen die unterschiedlichen Prozessperspektiven zusammengeführt und ausgetauscht, Hypothesen zur Unternehmenssituation entwickelt und daraus Interventionen abgeleitet werden.
Insgesamt bietet das empfehlenswerte Buch eine gute Mischung aus konzeptionell-theoretischer Darstellung und Reflexion der Praxiserfahrungen aus unterschiedlichen Change-Management-Projekten. Ausführlich wird auch auf die Bedeutung insbesondere der analogen Interventionen eingegangen: so ist auch jedes Kapitel in einen "märchenhaften" Kontext gestellt. Dennoch ein Kritikpunkt: der Fragebogen zur SIM-Tauglichkeit (S. 249 f.) fällt nicht nur etwas holzschnittartig aus, die Auswertung ist auch unsinnig. (HM)

Santo Cilauro/ Tom Gleisner/ Rob Sitch
Laurence J. Gould/ Lionel F. Stapley/ Mark Stein (Hrsg.)

Experiential Learning in Organizations. Applications of the Tavistock Group Relations Approach
Karnac Books, New York, London 2004, 192 Seiten, Euro 40.–, ISBN 1-85575-979-0

Der rote Faden dieses Sammelbandes ist das Lernen durch Erfahrung, im Kontext des Tavi- stock Ansatzes von Autorität, Führung und Kultur. Das Buch der drei in den USA und England sehr bekannten Experten befasst sich beispielsweise auch mit der Geschlechterbeziehung und Rassenfragen. Das Buch wurde zu Ehren von Eric J. Miller, einem der bedeutendsten Forscher und Anwender im Tavistock Institute herausgegeben, der vor 2 Jahren gestorben ist. Alle – auch ich – haben von seiner Art der Arbeit und seinem enormen Wissen und deren Vermittlung sehr viel gelernt. In dem Buch sind so bekannte Autoren wie die Herausgeber, aber auch Larry Hirschhorn, Susan Long und der in München wirkende Ross A. Lazar vertreten, die sich eben mit den verschiedensten Aspekten des Erfolgslernens, Lernen in Gruppen, Lernen durch Konflikte, in verschiedenen institutionellen Rahmenbedingungen usw. beschäftigen. Dieser Ansatz, der in Deutschland eher unter «Psychodynamik» bekannt ist, ist ein Studium wert, weil er eben gerade für Personal- und Organisationsentwickler neue Perspektiven eröffnet. (KT)

 

Tudor RIickards/ Murray Clark
Dilemmas of Leadership
Routledge, London and New York 2006, 252 Seiten, GBP 23.99, ISBN 0-415-35585-0

Das Buch thematisiert Führungs-Dilemmata, die etwa zwischen Vertrauen und Kontrolle, in Zusammenhang mit Diversität oder in Zusammenhang mit normativen Konflikten entstehen. Dabei adressieren die Autoren unterschiedlichste Führungskonstellationen, natürlich in klassischen Unternehmen und in Pro- jekten, aber auch in Schulen, Sportteams oder in politischen Institutionen, so dass ein recht vielfältiges Bild entsteht. Das Buch ist primär zum Selbststudium gedacht und soll eigene Reflexionen über die Führungsrolle anregen. Es ist für dieses Ziel in übersichtliche Kapitel gegliedert, die nach dem gleichen Grundprinzip in ausgezeichneter didaktischer Form auf- gebaut sind. Sie bestehen aus verständlichen theoretischen Erläuterungen, kurzen Fallstudien und zahlreichen, zum Teil recht kurzweiligen Formen für Self-Assessments. Wer an vertieften Auseinandersetzungen mit Teilthemen interessiert ist, erhält zudem zahlreiche weiterführende Hinweise. Das Buch richtet sich daher primär an Führungskräfte, ist aber auch geeignet für Berater, Trainer oder Coaches, die Anregungen für Qualifizierungen oder Interventionen suchen. (JF)

 

David Greatbatch/ Timothy Clark
Management Speech. Why we listen to what management gurus tell us
Routledge, London and New York 2005, 153 Seiten, GBP 18.99, ISBN 0-415-30623-X

Dies ist ein sehr bemerkenswerter und in dieser Form einmaliger Band. Er befasst sich mit der Frage, woher der weitreichende Einfluss von sog. Gurus in der internationalen Management-Diskussion stammt. Die Autoren basieren ihre Studie auf der Analyse von Bestsellern und Live-Präsentationen, etwa von Tom Peters, Gary Hamel und Peter Senge, denen es gelingt, ihr Publikum in den Bann zu ziehen. Sie zeigen mit Hilfe von differenzierten semiologischen Analysen, wie Management Gurus geschickt rhetorische Stilmittel einsetzen, Geschichten, Anekdoten, Humor und interaktive Sequenzen verwenden, um Einfluss zu gewinnen. Die Analyse der beiden Autoren richtet sich primär auf die Form, weniger auf den Inhalt der Darbietungen. Sie bekräftigen damit den intuitiven Eindruck, dass hier die Form mitunter wichtiger wird, als die Substanz. Es ist ein methodisch stringentes und überaus interessantes Buch, das man schnell lesen kann und das auf durchaus fesselnde Weise ein Phänomen unserer Wirklichkeit etwas entmystifiziert. (JF)

 

Inge Brenner/ Hanno Clausing/ Monika Kura/ Bernd Schulz/ Hermann Weber
Konflikte bearbeiten. Das pädagogische Rollenspiel in der betrieblichen Praxis Windmühle GmbH Verlag, Hamburg 1996, 386 Seiten, DM 59.–

Drei Trainer und ein Personalleiter haben den Live-Mitschnitt eines tatsächlich stattgefundenen Seminars zu einem Buch aufgearbeitet. Die Rollen von 12 Menschen (10 Führungskräfte und 2 Referenten) werden von den Autoren verkörpert, so dass sich der Inhalt sehr stark an den Erlebnissen der Autoren orientiert. Es ist ein Buch für «gruppenerfahrene» Trainer und Personalentwickler, die sich mit der praktischen Arbeit und den Techniken des pädagogischen Rollenspiels näher beschäftigen wollen. Die theoretischen Wurzeln dieser aktiven Lern- und Entwicklungsmethode liegen in der Schule des Psychodramas von J. L. Moreno. Die Einführung neuer sozialer «Rollen» eröffnet dabei den Teilnehmern neue Erlebnis- und Handlungsmöglichkeiten, um Ursachen und Gründe für Konflikte herauszuarbeiten und bearbeiten zu können. Wir machen ja alle die Erfahrung, dass diese «spielerische» Methode sehr intensive Lern- und Entwicklungsprozesse vermitteln kann und in der Praxis meistens auf grosses Interesse und Bereitschaft stösst. Im Wesentlichen gibt das Buch den gesamten Mitschnitt des 4-tägigen Rollenspiels wider. Das allein wäre wohl langweilig, auch wenn es als Grundlage für Analysen und Übungen genutzt werden könnte. Bedeutsam ist hingegen, dass das Autorenteam an den entscheidenden Stellen theoretische Inputs gibt, wo Klärung notwendig ist, und dass es in einer Prozessleiste am Seiten-Rand jeweils angibt, wie weit die Seminarentwicklung bzw. das Rollenspiel vorangeschritten ist. Es ist damit sicherlich ein nützliches Buch in diesem Feld.

 

Peter W. Gester / Ulrich Clement
territorigram. Systemisch-konstruktivistische Organisationsaufstellung
Via Mala Verlag, 2001; 108 Seiten, Euro 59.-

Im Unterschied zu den Aufstellungsmethoden von Erb und Horn/Brick ist das Territorigramm ein systemisch-konstruktivistischer Aufstellungsansatz, der sich als Intervention in die Kommunikation eines sozialen Systems versteht. Im Buch geht es eigentlich um die "story behind", d.h. die Entstehungsgeschichte des Territorigramms als Methode und den Geist, aus dem es geboren wurde: von der Spielzeugeisenbahn über Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band, Lurchi bis zu Gullivers Reisen. Im Unterschied zu den klassischen Aufstellungsformen wird im Territorigramm nicht mit Repräsentanten sondern mit "Liliputs" gearbeitet - kleinen Figürchen mit Konterfeis der an der Aufstellung Beteiligten. In dem jeder "seine" Figur selbst bewegt, entsteht ein Abbild der unterschiedlichen Sichtweisen und Teilinteressen, das einen selbstorganisierten, metakommunikativen Verhandlungsprozess ermöglicht. Das reichlich illustrierte Buch liest sich - weil es als Story aufgebaut ist - recht flott und spritzig, reflektiert aber auch den theoretischen Kontext dieser speziellen Aufstellungsmethodik. Wer die Methode näher kennenlernen möchte, kann sich auch unter www.territorigramm.com informieren. Momentan boomt die Aufstellungsmethode noch im Trainer- und Beratermarkt: wichtig wäre mehr über Anwendungserfahrungen im organisatorischen Kontext zu erfahren, die über Einzelfallschilderungen hinaus den nachhaltigen Ertrag der Methode evaluieren. (HM)

 

Jürgen Löbel / Heinz-Albert Schröger / Heiko Closhen
Nachhaltige Managementsysteme. Sustainable Development durch ganzheitliche Führungs- und Organi-sationssysteme - Vorgehensmodell und Prüflisten
Erich Schmidt Verlag, Berlin 2001, 331 Seiten

Dies ist ganz vorrangig ein Handwerksbuch mit umfassenden (gut 200 Seiten langen) Check- und Prüflisten zur differenzierten Bewertung eines Unternehmens: Qualitätsaudits nach ISO 9000 alt und neu; Umweltmanagement: EG-Ökoaudit-Verordnung (EMAS), ISO 14001; Arbeitsschutz- und Anlagensicherheitsaudits, ein von den Autoren selbst entwickeltes Personalmanagementaudit, Prüfliste für EFQM-Modell. Voran gestellt sind knappe aber prägnante Darstellungen von Managementsystemen (z.B. EFQM-Model; Balan-ced Scorecard), in denen die Elemente und der Nutzen dieser Systeme erläutert wird. Los geht es - gleich nach dem Vorwort - mit einem 15-seitigen Lexikon der wichtigsten Begriffe - das nenne ich leserorientiert gedacht. Abgeschlossen wird das Buch mit relevanten Internet-Adressen zu den verschiedenen Bereichen - auch dies ist ein guter Service.



David Coghlan / Teresa Brannick
Doing Action Research in your own Organization
Sage Publications, London 2001, 134 Seiten

Dieses kleinere Buch ist vielleicht als Einführungslektüre geeignet, bevor man sich an den umfangreichen, vorher empfohlenen Band heranwagt. Diese knappe, didaktisch gut aufbereitet Anleitung zur Praktizierung der Aktionsforschung (AR) ist wirklich hilfreich und ermutigend. Da gibt es beispielsweise sehr konkrete Hinweise, wann ein AR-Projekt abgebrochen werden sollte oder wie AR und Systemdenken komplementär zu sehen sind. Wie gesagt, eine kurze und knappe Einführung, die - wenn man nicht gleich Kurt Lewins grundlegendes Werk als Einführung heranziehen will - einfach erklärt und zum Versuch ermuntert. Da im Veränderungsmanagement Verstehen vor Verändern kommt (!), ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass sich wohl eine Renaissance dieses OE-Ansatzes abzeichnet.

 

Enrico Colombatto, ED.
The Edgar Elgar Companion to The Economics of Property Rights
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos. 2004, 576 Seiten, ca. Euro 220.–, ISBN 1840649941

In der ökonomischen Theorie der Verfügungsrechte wird Wirtschaft aus der Perspektive von Auswahl und Entwicklung, Interaktion und Austausch begriffen. Verfügungsrechte bilden die Grundlage für diese Interaktionen und Tauschbeziehungen, die auf institutionellen, rechtlichen und normativen Grundalgen basieren. Der vorliegende Sammelband thematisiert im ersten Abschnitt die Grundlagen und die Entwicklungen der Theorie, im zweiten Abschnitt werden die Bezüge der Verfügungsrechte zum Rechtssystem behandelt. Der umfang- und aufschlussreiche dritte Abschnitt widmet sich aktuellen Fragestellungen und Problemen der Verfügungsrechte, etwa im Zusammenhang mit intellektuellem Eigentum, dem Internet, der Korruption und der Übernahme von Firmen. Das sind brennende Themen, denen sich heute Unternehmen gegenübersehen, die international mit Kulturen kooperieren, deren Konzepte von Verfügungsrechten mit unseren nicht kompatibel sind.
Die Autoren sind in erster Linie Wissenschaftler und Forscher, insofern richtet sich der Band primär an wissenschaftlich interessierte Leser, aber durchaus auch an Praktiker, die sich durch ungewöhnliche Perspektiven auf ihr Tun anregen lassen wollen. (JF)

 

Lutz von Rosenstiel/ Gerhard Comelli
Führung zwischen Stabilität und Wandel
Verlag Franz Vahlen, München 2003, 477 Seiten, ISBN 3-8006-2487-7

Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen Stabilität und Wandel, innerhalb dessen Führungskräfte handeln müssen. Schlagen sie sich (wie bei Dilemmata) auf eine Seite, kann der Wandel schnell misslingen oder sogar die Stabilität gefährdet werden, weil auch in diesem Fall viel passieren muss, damit es so bleibt wie es ist.
Das Buch hat nur 2 Kapitel (wie erfrischend!). Im ersten Teil geht es um die Grundlegung: der Mensch braucht Stabilität, ist aber fähig zur Veränderung der Welt. Dafür muss er sich auf Neues einlassen. Es ist daher eine zentrale Managementaufgabe, die Betroffenen dafür zu gewinnen. Die beiden Autoren zeigen hier für die Trends des Wandels und die Konsequenzen für die Unternehmen und die Führung auf. Das macht die ersten 132 Seiten aus.
Das zweite Kapitel ist dann aber 320 Seiten stark. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hier werden ausgewählte Handlungsfelder für den geplanten und gestalteten Wandel dargestellt: Die Rollen, die Dynamik, das Konzept der OE, Umgang mit Widerständen, sorgfältige Auswahl der geeigneten Mitarbeiter, intrapreneurship, Führungsinstrumente, Teamarbeit, Besprechungen optimieren, lernende Organisation und Werte vorleben - Kultur schaffen.
Einiges an diesem Buch kann man durchaus kritisch betrachten: die rudimentäre Darstellung des Systemansatzes im Kontext der Kybernetik 1. Ordnung, die häufig durchscheinende bzw. oft deutlich spürbare psychologische Erklärungsebene (Reaktionen auf vor- zeitige Pensionierung) und das Fehlen des sys- temisches Aspektes beim Widerstandsphänomen.
Aber der Ansatz, das Thema des Wandels aus dieser Perspektive anzugehen, die ebenso übersichtlichen wie komprimierten Darstellungen wesentlicher Konzepte zur Förderung des Wandels, sowie die klare Sprache lassen das Buch gerade für Manager als sehr empfehlenswert und nützlich einstufen.
Es ist eine exzellente Qualifizierungsvorlage für Manager des Wandels. Auch Studenten und Wissenschaftler schätzen die einfache Sprache und übersichtliche Darstellung sehr. (KT)

Gerhard Comelli/ Lutz von Rosenstiel
Führung durch Motivation. Mitarbeiter für Organisationsziele gewinnen
Verlag Vahlen, München 2003, 3. Aufl., 363 Seiten, Euro 35.00

Auch wenn es zunehmend verbreitete Erkenntnis geworden ist, dass Leistung nicht nur von betriebswirtschaftlichen und technischen Aspekten bestimmt wird, sondern der Mensch bzw. die Verhaltens- bzw. soziale Aspekte eine zentrale Rolle einnehmen, so gibt es zwischen Erkenntnis und Umsetzung noch eine erhebliche Lücke. Und die beruht meistens in der Kompetenz: Wie soll man es machen? Dieses Buch, das seit 1995 bereits in der 3. Auflage erscheint, bietet theoretisch fundiert aber in einer sehr praktischen und lesbaren Art und Weise (also auch für Manager) die Konzepte und Instrumente, die die Arbeit mit und an den Mitarbeitern exzellent aufbereiten und darstellen. Schliesslich verfügen die Autoren, Professoren, über lange und profunde Praxiserfahrung. Beide zeichnen sich nicht nur durch Wissen, sondern die Begabung hilfreicher Strukturierung von Texten aus. Im Buch geht es nicht nur um die Motivation, sondern vielmehr um die Motivationsfaktoren Führung, Teamarbeit und Organisation. Hier werden die wesentlichen Grundlagen kritisch dargestellt. Das Kapitel über Team- arbeit halte ich in dieser Kürze für eines der besten was ich kenne. Und mir gefällt auch sehr, dass die Mode Outdoor-Training kritisch reflektiert wird. Und es wird die Selbstmotivation hervorgehoben, so dass man sich nicht in den vielfältigen Konzepten der Fremdmotivation verliert. Und auch die Organisationsentwicklung wird in ihren Zielen und Wirkungen kurz dargestellt. Ich meine, das dies Buch seinen Erfolg auch durch die vielfältigen Problematisierungen d.h. Fragen verdankt, die eine Vielzahl von Anregungen geben. Das ermuntert zur ständigen eigenen Reflektion und nicht nur zum Konsum.


 

Rainer Koch/ Peter Conrad (Hrsg.)
New Public Service. Öffentlicher Dienst als Motor der Staats- und Verwaltungsmodernisierung
Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, 291 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-409-11850-0

Die Herausgeber, Professoren an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und forschende Experten im Fach der Staats- und Verwaltungsmodernisierung, haben einen nicht ganz leicht konsumierbaren, dafür aber wichtigen Sammelband zusammengestellt, in dem bekannte Fachleute vertreten sind. Der Band ist deswegen interessant, weil hier eine Vielzahl von Ansätzen und Vorschlägen unterbreitet werden, wo der Umbau des öffentlichen Dienstes und die Modernisierung des Staats anzusetzen hat. Dabei wenden sich die Herausgeber gegen eine inkrementale Strategie staatlicher Modernisierung, weil sie sich nur als "Vielzahl stückhafter und häufig sehr schlecht verbundener Massnahmen" ergibt. Die Herausgeber plädieren vielmehr für einen "grundlegenden Wechsel zugunsten starker Markt- und/oder ressourcenorientierter Konzepte". Und da bietet sich eben durch die Restriktionen der Bürokratie noch am besten das Personalmanagement an. Und hier bietet die Personalbudgetierung als Flexibilisierungsinstrument die Überwindung der starren Bewirtschaftung des Stellenplans an. Aber auch die Führung und Organisation (Reorganisation des Personalmanagement) sind Hebel für die notwendigen und dringenden Veränderungen, die bei der Strategieentwicklung (Überwindung des Beharrungsvermögens) beginnen und über die Rollengestaltung des Managements und Flexibilisierungsanstrengungen bis zur Arbeitsorganisation und dem Wissensmanagement reichen.
Zwei der 13 Beiträge sind in englischer Sprache abgedruckt. Das kann auch als Hinweis darauf dienen, dass etliche angelsächsische Länder viel weiter mit den Experimenten und Programmen der Veränderung der öffentlichen Dienstleistungen gekommen sind. Wir müssen uns für die Ideengenerierung und Praxisberichte auf die Lektüre englischer Texte einstellen. Welche das sind und woher sie stammen, darüber gibt auch dies Buch nützliche Auskunft. Warum aber ein englischer Buchtitel herhalten muss, ist für mich überhaupt nicht einsichtig. Das fördert nur das Fremde der Materie und legitimiert einigen Widerstand.

Dieses Buch will Reformern Material bieten. Aber auch Beginner, die sich in dieses Feld für eine Mitverantwortung oder Beratung einarbeiten wollen, bietet das Buch sehr viele Konzepte, stellt Zusammenhänge dar, begründet und vermittelt innovative Ansätze. Es wird Zeit, dass wir die gigantische Geldvernichtungsmaschine öffentliche Verwaltung mit Reformen zu Leibe rücken. Gewünscht hätte ich mir in diesem Werk noch einen Beitrag, der das Dilemma der gewünschten Bürokratie einerseits und der Wertschöpfungsanstrengungen andererseits bearbeitet. Die sog. Staatsdiener tragen eben nicht allein die Verantwortung für die Erhaltung defensiver Routinen. Und: Ich vermisse aus eigener Erfahrung in einem Change Prozess einer Grossstadt die Erarbeitung von Konzepten der Weiterbildung und Personalentwicklung im öffentlichen Dienst. Denn die Beharrung ist nicht nur auf Mangel von Wollen zurückzuführen, sondern vor allem auch auf erhebliche Defizite im Können (z.B. Management - und Führungswissen). Insgesamt ist das Buch eine reichhaltige Quelle für Ideen, Konzepte und vor allem Anregungen zur Gestaltung von Veränderungen in der öffentlichen Verwaltung. (KT)


Georg Schreyögg/ Peter Conrad (Hrsg.)
Gerechtigkeit und Management
Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, 254 Seiten, Euro 64.- ISBN 3-409-12653-8

Wohl kaum ein anderes Thema ist in letzter Zeit so sehr in den Vordergrund gerückt wie das der Gerechtigkeit. Hatte man lange daran gezweifelt, ob es so etwas wie den gerechten Lohn oder eine gerechte Personalauswahl überhaupt geben kann, so zeigte sich in der jüngeren Debatte, dass die Gesellschaft schnell einen Konsens über solche Kategorien und Urteile finden konnte. Unternehmen und Management sind gefordert, sich mit diesen Fragestellungen auseinander zu setzen und einen Standpunkt zu finden. Band 14 der "Managementforschung" enthält Beiträge, die Fragen der Gerechtigkeit im Management aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und über die neuesten Erkenntnisse aus der Wissenschaft zu dieser Thematik berichten. Luhmann hat eine wichtige Unterscheidung zwischen der Rechtsprechung gemacht, die Erwartungen sichern soll, und der Politik, die Verhalten steuern soll. Der Bürger erwartet also von der Rechtsprechung Gerechtigkeit und von der Politik nur "soziale Gerechtigkeit", wie es in einer Rezension zu einem Buch über das Bundesverfassungsgericht in der FAZ zu lesen war. Möglicherweise gilt Letzteres zumindest auch für das Management. Gerechtigkeit ist ja ein zentrales Handlungsmotiv bei den sich verknappenden Ressourcen auf der Erde und folglich in den Unternehmen. In dem 14. Band der immer exzellenten Reihe der Managementforschung der wirklich hervorragenden Forscher und Lehrer G. Schreyögg und P. Conrad wird untersucht, ob Corporate Governance Gerechtigkeit schaffen kann, wie sich zwei Ansätze zur Integration von sozialer Verantwortung und strategischer Unternehmensführung kritisch darstellen und was im Unternehmen gerecht ist. Sehr wichtig für unsere Leser dürfte auch der Beitrag zur Fairness als Voraussetzung für die Tragfähigkeit psychologischer Verträge sein sowie die Analysen zur Organisation und Gerechtigkeit. In einem abschliessenden Beitrag zu "Management, Organisation und die Gespenster der Gerechtigkeit" wird auf die vom Philosophen Jacques Derrida entwickelte dekonstruktive Idee von Gerechtigkeit (bzw. deren Unmöglichkeit) Bezug genommen und nach Implikationen für das Verständnis von Organisation und Management gefragt. Auch wenn dieser Sammelband sich nicht in erster Linie an den Management-Praktiker richtet, so lohnt sich ohne Zweifel die Geduld bei der Lektüre auch für sie, denn die behandelte Fragestellung ist ein zentrales Moment für jeden nachhaltig erfolgreichen Manager. (KT)



Georg Schreyögg / Peter Conrad

Organisatorischer Wandel und Transformation
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2000, 222 Seiten

Die beiden Autoren des vorliegenden Buches zählen zu den unbestrittenen Pionieren, wenn es darum geht, die Aufstellungsarbeit auch für nichtfamiliale Beratungszusammenhänge nutzbar zu machen. Sie haben aufbauend auf unterschiedlichen Therapietraditionen und diese auf äusserst kreative Weise integrierend eine ganz eigenständige Herangehensweise erarbeitet und diese über viele Jahre hinweg in ganz unterschiedlichen Anwendungsfeldern erprobt. In der Zwischenzeit verfügen sie über einen fundiert ausgearbeiteten Ansatz, der auf ein breit gefächertes Interventionsrepertoire an unterschiedlichen Aufstellungsformen zurückgreifen kann. Im Unterschied zu den möglicherweise bekannteren Organisationsaufstellungen (vgl. dazu das von Gunthard Weber Hrsg. Buch "Praxis der Organisationsaufstellungen") orientieren sich die Autoren in ihrer Arbeit an der Eigenlogik von Problemen und nicht an der Rollenkonfiguration der zu bearbeitenden sozialen Situation. Sie entziffern die Tiefenstrukturen von Problemstellungen und entwickeln dafür spezifische Grundformen der Aufstellungsarbeit, die sie unter dem Oberbegriff "systemische Strukturaufstellungen" zusammenfassen. Bekannte Beispiele dafür sind die Tetralemmaaufstellung, wenn es bei einem Problem um charakteristische Gegensätze geht, oder die Glaubenspolaritätenaufstellung, die sich besonders für Problemkonstellationen eignet, denen tiefsitzende, vielfach einander widersprechende Grundüberzeugungen zugrunde liegen. Das Buch kann natürlich die persönliche Erfahrung im Umgang mit dieser Interventionsform nicht ersetzen. Schon gar nicht eignet es sich als Rezeptbuch, das den praktischen Einsatz solcher Methoden in der Arbeit mit Teams und Organisationen anleiten könnte. Die Autoren führen den Leser auf eine höchst einfühlsame Weise in ihre Denkwelt ein, sie ermutigen ihn zu kleinen Experimenten der Selbstanwendung, die zu ganz spannenden Entdeckungsreisen geraten können, wenn man sich persönlich darauf einlässt. Sie sind in ihrer Ausdrucksform sehr um eine leicht rezipierbare Sprache bemüht, was den Zugang zu diesem schwierigen Themenfeld ausgesprochen angenehm macht. Gleichwohl soll man sich als Leser nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um eine äusserst komplexe Angelegenheit handelt, deren Grammatik und innere Logik sich erst über intensive und kontinuierliche Übung und Selbsterfahrung erschliesst; zu ungewöhnlich und fremd sind viele der hier vorgestellten Vorgehensweisen, sowie die zugrundeliegenden konzeptiven Überlegungen und Theoriewurzeln. Kurzum ein Buch, das nachhaltigen Appetit auf eine eingehendere Beschäftigung mit diesem ungewöhnlichen Interventionsrepertoire macht, das ohne Zweifel noch grossen Einfluss auf die prozessorientierte Beratung von Organisationen gewinnen wird.



Dietrich Budäus/ Peter Conrad/ Georg Schreyögg (Hrsg.)
New Public Management
Managementforschung-Reihe Band 8 Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998, 253 Seiten, DM 148.–

Diese wichtige und ausgezeichnete Reihe zu den neuen Ergebnissen der Managementforschung ist um den Band 8 zum New Public Management erweitert worden. Auch dieser Band ist ein «Muss» vor allem für die, die sich mit der Veränderung oder Modernisierung (muss das so wertend gefasst werden?) der öffentlichen Verwaltung beschäftigen bzw. darin wesentliche Aufgaben erfüllen. Neben der Einführung und theoretischen Grundlegung geht es um Themen wie Benchmarking (die Kerbe in die Sitzbank schlagen!), interkommunale Kooperation in der Region, Verwaltungsmodernisierung als Machtspiel, Budgetierung und Prozessdesign. Hervorzuheben ist neben diesen sehr guten Beiträgen die Arbeit von Oechsler/Vaanholt zu den Auswirkungen des New Public Management auf ein zeitgemässes Personalmanagement in der öffentlichen Verwaltung. Ich sehe schon jetzt mit grossem Interesse dem geplanten Band über den organisatorischen Wandel und Transformation entgegen. Von den Herausgebern Schreyögg, Conrad und Sydow darf man zuversichtlich noch eine Menge an Entwicklungsimpulsen erwarten.

 

Fang Lee Cooke
HRM, Work and Employment in China
Routledge, London and New York 2005, 236 Seiten, GBP 21.99, ISBN 0 415 32784 9

Das Interesse an einem umfassenden Werk über die Bedingungen und Besonderheiten von HRM in China ist angesichts der ausgeprägten Investitionstätigkeiten in diesem so widerspruchsvollen Land offenkundig. Erstmals liegt aus meiner Kenntnis ein solcher Band hier vor. Er gliedert sich grob in drei große Teile. Im ersten Drittel wird ein umfassendes Gesamtbild der sozialen, ökonomischen und insbesondere der arbeitsmarktpolitischen Situation dargestellt, basierend auf einer breiten empirischen Basis. Im folgenden Abschnitt erläutert der Autor unterschiedliche Organisationsformen und Governance-Strukturen in China, die ihrerseits einen Einfluss haben auf die jeweiligen HRM-Strategien und Konzepte. Der letzte Teil widmet sich dann im Kern der gesamten Wertschöpfungskette von HRM und ihren Einflüssen auf die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit chinesischer Beschäftigter. Der Autor untersucht besonders diesen Aspekt mit äußerster Differenziertheit und gibt zahlreiche Hinweise auf Erfahrungen, empirische Befunde und kulturelle Besonderheiten. Beispielhaft mögen hier die Bemühungen um eine Leistungsbeurteilung sein. Er legt dar, dass solche Systeme von vielen größeren und privat geführten Unternehmen breit eingeführt wurden und teilweise auch den Bedürfnissen von Mitarbeitern nach Feedback entsprechen. Andererseits scheitert die nachhaltige Wirkung noch an den wenig ausgebildeten Kompetenzen und dem Mut von Führungskräften, differenziert und distanziert individuelles Feedback zu geben. Er führt in diesem Zusammenhang auch kulturelle Barrieren als Ursache auf. Das Buch ist reichhaltig versehen mit Beispielen dieser Art, beruht auf intimen eigenen Anschauungen und fügt in umfassender Weise die wichtigsten aktuellen Studien zu den jeweiligen Teilthemen ein. Es kann daher als ein unverzichtbarer Standard für alle Leser gelten, die sich theoretisch und praktisch mit HRM in China befassen. Es liefert aber auch zugleich anregende Hinweise für Interessierte, die generell in globalen und entwicklungspolitischen Veränderungsprojekten unterwegs sind. (JF)

 

Verena Kusstatscher/ Cary L. Cooper
Managing Emotions in Mergers and Acquisitions
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos., 212 Seiten, GBP 55, ISBN 1 84542 081 0

Die beiden Autoren sehen Merger&Acquisitions primär aus der Perspektive der Betroffenheit von Mitarbeitern, ihrer Identität, ihrer Hoffnungen und Ängste vor dem Verlust von beruflichen Perspektiven und sozialen Verbindungen. Sie zeigen, dass ein hoher Prozentsatz (bis zu 70 Prozent) von Zusammenschlüssen die Rendite-Hoffnungen nicht erfüllen, welche die Kaufleute vorher berechnet haben. Besonders eindrucksvoll sind die umfangreichen vier Fallstudien, in denen es gelungen ist, mit methodischer Sensibilität die Tiefenstrukturen von Organisationen auszuloten, die sich in solchen Prozessen befinden. Die Autoren verwenden dabei einen Ansatz, der analog einer Fieberkurve auf verschiedenen hierarchischen Ebenen und über einen Zeitraum von zwei Jahren emotionale Betroffenheit rekonstruiert. Die deutlichsten Ausschläge lassen sich unmittelbar bei der Ankündigung solcher Prozesse zeigen. Und je offener, schneller und fairer die Kommunikation wahrgenommen wird, je glaubwürdiger die vermittelte Vision bzw. Zukunftsperspektive ist, umso weniger Stress und Unruhe wird insgesamt erzeugt. Das war zwar zu erwarten, aber es wird in diesem Buch mit wissenschaftlicher Stringenz noch einmal nachgewiesen. Es richtet sich primär an eine Leserschaft, die sich wissenschaftlich fundiert mit Mergers&Acqui- sitions befasst. Die Praktiker werden eher an den Fallstudien sowie an den abschließenden praktischen Hinweisen Interesse haben. (JF)

Norbert Copray, Hrsg.
Ethik Jahrbuch 2004
Fairness-Stiftung, Frankfurt/Main 2004, 310 Seiten, ISBN 3-0001-3534-0

Dieser gut sortierte Sammelband enthält 30 lesenswerte, kurze und kompakte Aufsätze zu ethischen Fragen, die eine moderne Gesellschaft bewegen. Sie berühren ein umfangreiches Spektrum, das von Bioethik über das Verhalten von Unternehmern, Berater oder Politikern, bis hin zur Wissenschaftsethik und Menschenrechtsproblematiken reicht. Überall wird deutlich, dass Entscheider vor Dilemma-Situationen stehen, in denen es keine richtige oder wahre Entscheidung gibt. Das verbindende Element aller hier versammelten Autoren und ihrer Beiträge besteht darin, dass es gleichwohl Massstäbe gibt und geben muss, weil sonst Beliebigkeit das Prinzip wäre. Diese Massstäbe können im weitesten Sinne auf eine von allen Beteiligten und Beobachtern erlebte Fairness zurückgeführt werden. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Beteiligten angesichts der Unterschiedlichkeit von Kulturen, Traditionen, Zielen und Interessen darüber verständigen müssen, was genau darunter verstanden werden kann. Legitimität entsteht durch Diskurse und das dahinter zu erkennende Bemühen um Verständnis und Einigung. (JF)

 

Peter Makin/ Charles COX
Changing Behaviour at Work
Routledge, London und New York 2004, 167 Seiten, GBP 19.99, ISBN 0 415 32304 5

Das ist ein praktisch orientiertes und sehr gut lesbares Buch, das vor allem darauf fokussiert, bei Führungskräften ein tieferes Verständnis für die Entstehung und Veränderung von kollektiven Verhaltensmustern in Organisationen zu entwickeln. Häufig stoßen Führungskräfte bei der Einführung von Konzepten etwa der Kosten-, Qualitäts- oder Produktivitäts- verbesserung auf für sie unverständliches Verhalten, zum Teil nehmen sie es nicht bewusst wahr, spüren aber diese Widerstände.
Die Autoren entwickeln am Beispiel von Fallstudien und Theoriebausteinen für solche Reaktionen ein Verständnis. Zugleich erläutern sie, welche Möglichkeiten es gibt, um adäquat darauf zu reagieren. Die Darstellungen beziehen sich sowohl auf Individuen als auch auf größere Gruppen. Der Leser wird dabei nicht nur mit Techniken versorgt, sondern auch darauf hingewiesen, dass der Schlüssel für erfolgreichen Wandel häufig genug auch in der eigenen Person und der Reflexion der eigenen Rolle als Führungskraft liegt. Das Buch kann man vor allem Führungskräften empfehlen, die sich mit Veränderungsmanagement befassen müssen. (JF)

 

Stuart Crainer
The Management Century. A Critical Review of 20th Century. Thought & Practice
Jossey-Bass Publ. (zu beziehen über Wiley, London)
San Francisco 2000, 263 Seiten, DM 65.--

Dieses Strategy & Business Book, herausgegeben von dem Beratungsunternehmen Booz-Allen & Hamilton, beschreibt sehr leicht und lebendig die Geschichte der wesentlichen Management-Ideen (und Perioden) von 1900 bis 2000. Es ist kein wissenschaftliches Buch, sondern für Manager im Alltag und als Seminarunterlage gedacht, dennoch ist es nicht nur trivialisierend. Es verknüpft die Abfolge der zentralen Ideen und Entwicklungsperioden, zeigt das jeweils Neuartige, die Ursachen für die Veränderungen, die Stärken, aber auch die Schwächen der Ideenbündel auf. Das Buch ist auch deswegen sehr interessant und zu empfehlen, weil die Ideengeschichte immer mit wichtigen Daten über Unternehmen (Gründung, Erfolge, Krisen) verknüpft wird. Und viele kleine Details sind in ihrer Ðbersicht sehr hilfreich, beispielsweise der Wandel der Werbeslogans von CocaCola von 1904 - 1993 (Seite 227). Das ist ja eng mit den gesellschaftlichen (und politischen) Entwicklungen verknüpft, in deren Kontext auch die Managementkonzepte und seine Veränderungen zu betrachten sind. Manches in dem Buch wirkt etwas überzogen, auch wenn nur Daten geliefert werden. So hat der amerikanische News & World Report 1991 neun Menschen genannt, die die Welt verändert haben: das beginnt mit Apostel Paulus und endet mit dem Qualitätspapst W. Edward Deming. Bei den Amerikanern ist man sich nie so sicher, ob sie nur naiv sind oder Opfer ihres eigenen Kategorisierungsfanatismus werden. Sicher, vieles ist sehr plakativ, teilweise auch oberflächlich. Aber es ist nie falsch. Das Kapitel über die Strategie-Bewegung (1961 - 1970) zeigt sehr plastisch, wie über Clausewitz, Ansoff, Drucker und Mintzberg dies Management-Konzept entstand, sich entwickelte und verfeinert wurde, auf 24 Seiten.




Philip B. Crosby
Qualitätsmanagement
Rosabeth Moss Kanter
Global denken - lokal handeln - Weltklasse erreichen
Reihe Management Bibliothek, Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter, Wien/Frankfurt 2000, 312 bzw. 512 Seiten.

In der Reihe Management Bibliothek bringt der Ueberreuter-Verlag wichtige Buchtitel, die noch nichts an Aktualität verloren haben, in neuer Aufmachung und zu einem erstaunlich günstigen Preis heraus. Wem die Bücher noch fehlen, der kann seine Bibliothek auf diese Weise preiswert ergänzen - denn in diese gehören die beiden Standardwerke allemal. Das Buch von Crosby enthält keine Checklisten, Merksätze und Tabellen - es ist pure Erfahrungsverarbeitung. Vielleicht hat es gerade dadurch seine Wirkung entfalten können - denn nach wie vor ist Qualität keine Sache von aufgelisteten Check-Marks, sondern eine der inneren Einstellung: "Qualitätsmanagement hat nichts mit Inspektion, Materialprüfung, Systemzertifizierung und dergleichen unterhaltsamen Beschäftigungen zu tun" (S. 14). "Vielmehr muss man den Menschen verständlich machen, dass sie Teil einer Kultur sind, in der richtiges Vorgehen und richtige Resultate erwünscht sind" (S. 19). Und: "Der Qualitätstandard richtet sich nach dem Standard des Managements" (S. 20). Die letzen 40 Seiten enthalten eine Zusammenfassung der Überlegungen für Schnellleser. Das 1995 erstmals veröffentlichte Buch der Harvard-Professorin Rosabeth Moss Kanter über das Spannungsfeld zwischen den Globalisierungstendenzen und den lokalen Auswirkungen hat nichts von seinem Reiz verloren. Ohne die Probleme zu leugnen, setzt sich Kanter doch dafür ein, Globalisierung als Chance für den lokalen Wohlstand und nicht als Bedrohung zu begreifen. Allerdings - so ihre Botschaft an die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung - bedarf es dafür auch einer klaren strategischen Orientierung auf lokaler Ebene. Wie man auch in globalem Massstab Erfolg haben kann, wenn man sich auf die jeweiligen Schlüsselfaktoren Concepts (herausragende Kenntnisse und die neuesten Ideen), Competence (die Fähigkeit, überall dem höchsten Leistungsstandard zu genügen) und Connections (die besten Beziehungen, die rund um den Erdball Zugang zu den Ressourcen anderer Menschen und Organisationen eröffnen) konzentriert, wird an den Beispielen Boston (Denker), South Carolina (Macher) und Miami (Händler) ausgeführt. Man muss nicht alle ihre Gedanken teilen, zum Nachdenken regt es allemal an.

 

Robert G. Cross
Revenue Management
Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter, Wien/Frankfurt 1997, 264 Seiten, DM 68.–

In den achtziger Jahren waren die etablierten amerikanischen Fluggesellschaften durch das Gesetz über die Deregulierung des Luftfahrtverkehrs in eine prekäre Situation geraten. Billiganbieter wie Peopleexpress kamen mit neuen Strategien auf den Markt und unterboten die erfolgsgewohnten Airlines bei den Tickets um erhebliche Beträge. Dies ist zurückverfolgt die Geburtsstunde von Revenue Management. Wie nicht anders zu erwarten, reagierten die angeschlagenen Riesen mit internen Downsizing und Kostensenkungsprogrammen. Ein durchschlagender und längerfristiger Erfolg blieb leider aus. Cross und einige andere wollten weg von den internen Umstrukturierungsprogrammen und sahen bedeutendere Chancen eher in einer externen Strategie des Wachstums. Revenue Management (was übersetzt soviel wie «Ertragssteuerung oder Ertragsmanagement» bedeutet) versteht sich als Methode, «die Kundennachfrage auf Ebene der Mikromärkte genau zu prognostizieren und ausgehend von der Prognose den Preis und die Verfügbarkeit der Produkte zu optimieren». So schildert der Autor in vielen kleinen und zwei grossen Fallstudien die Erfolge von Revenue Management insbesondere bei grossen amerikanischen Fluggesellschaften. Umfangreich und detailliert wird auf die Grundlagen dieser Managementmethode eingegangen., wobei ausdrücklich auf die nicht unerheblichen Vorbereitungsarbeiten (insbesondere auch auf der technischen Ebene) hingewiesen wird. Mit der praktischen Umsetzung der Ertragssteuerung wird die gesamte Aufmerksamkeit des Unternehmens auf Massnahmen am Markt gerichtet. Dieser Ansatz, nicht nur über eine Steigerung des Umsatzes, sondern insbesondere durch Einnahmesteigerungen Erfolge zu erzielen, erscheint mir trotz seiner Komplexität in der Praxis für die Zukunft vielversprechend zu sein. Für diejenigen, deren Interesse nun geweckt ist, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen, empfehle ich für den Anfang die grossen Fallbeispiele beiseite zu lassen und sich zuerst mit den Grundlagen und Hintergrundgedanken auseinanderzusetzen.

 

Barbara Czarniawska, ED.
Organization Theory. Vol 1, Central Topics, Vol 2, Current Trends and Disciplinary Reflection
Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2006, Vol. 1 510 Seiten, Vol. 2 303 Seiten, GBP 195, ISBN 1 84376 937 9

Diese wiederum sehr verdienstvolle Sammlung des Verlages enthält 36 klassische Artikel zum Verständnis der Entwicklung von Organisationen aus dem Zeitraum 1961 bis 2000, die zum Teil weitläufig verstreut publiziert wurden. Der erste Band befasst sich mit Schlüsselthemen der Organisationswissenschaften und -entwicklung. Der Bogen reicht von Entscheidungsprozessen und Organisationslernen über Führung, Macht und Kontrolle bis hin zur Kultur von Organisationen. Einleitend wird im Band in einigen Beiträgen der Gegenstand der Organisationstheorie diskutiert. Autoren wie March, Argyris, Schein, Weick, Luhmann oder Ouchi kommen hier mit ihren zum Teil wegweisenden Beiträgen zu Wort. Im zweiten Band werden eher aktuellere Trends und Themen aufgegriffen. Die Abschnitte untergliedern sich dort wie folgt: Institutionalismus, Sinnstiftung in Organisationen, Postmoderne Ansätze, feministische Or- ganisationstheorie sowie zwei Kapitel über Methoden und Theorie-Verständnis. Auch hier gibt es Beiträge von Autoren, die nachhaltig die Diskussion beeinflusst haben: Morgan, Mintzberg oder Tichy. Beide Bände stellen sicher nur eine Auswahl dar, die aber als sehr gelungen bezeichnet werden kann. Sie geben einen ausgezeichneten Überblick der internationalen Diskussion in den letzten Jahren zu diesem geradezu explodierenden Thema. Es handelt sich aus meiner Sicht um zwei unverzichtbare Quellenbände für Theoretiker und Praktiker, die eine zusammenfassende Schau der Konzeptentwicklung in diesem Feld suchen und über neuere Entwicklungen im Bilde sein wollen. (JF)