Rezensionen 'P'

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Michel Prezewowsky

Demografischer Wandel und Personalmanagement

Herausforderungen und Handlungsalternativen vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung

Deutscher Universitäts Verlag (Gabler), Wiesbaden 2007 (2. Aufl.), 269 Seiten, Euro 49.90, ISBN 978-3-8350-0824-3

 

Das Wissen um den demografischen Wandel und dessen Folgen steht in keinem guten Verhältnis zu den Anstrengungen von Profit- und Nonprofit-Unternehmen, sich intensiv und umfassend darauf vorzubereiten. Es gibt eine große Zahl von Unternehmen, die das Thema konsequent angehen, aber die Mehrzahl redet mehr darüber, als sie handeln. Auch hier kann das oft schwache Personalmanagement zudem nicht seine Mitwirkung im strategischen Management durchsetzen. Es sieht so aus, als ob hier wieder eine Reparaturleistung vorprogrammiert wird, wenn die Folgen des demografischen Wandels in Unternehmen wirksam werden. Und dabei gibt es inzwischen genug Untersuchungen und Fallbeispiele, wie Maßnahmen geplant werden können.

Eine dieser Arbeiten ist die vorliegende Dissertation, die ebenso konzeptionell interessant wie praktisch relevant angelegt ist.

Anhand ausgewählter Fallstudien, insbesondere des DB Werks Dessau, untersucht Michel Prezewowsky die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland aus personalwirtschaftlicher Perspektive. Der Autor analysiert unterschiedliche betriebliche Ausgangssituationen; dabei steht die Leistungsfähigkeit der Belegschaften, insbesondere die Gesundheit und Qualifikation der Mitarbeiter, im Fokus. Er entwickelt ein Instrumentarium, mit dem Unternehmen auf die jeweiligen Herausforderungen rechtzeitig und angemessen reagieren können. Es wird deutlich, dass das betriebliche Personalmanagement ganzheitliche, auf die jeweilige Unternehmenssituation ausgerichtete, nachhaltige Konzepte implementieren sollte, die insbesondere auf die Minimierung altersbedingter Gesundheits- und Qualifizierungsrisiken abzielen.

Nach einer anfänglichen Problemanalyse (, die eilige Manager selektiv lesen können) konkretisiert der Autor im letzten Drittel der Arbeit die Systematisierung betrieblicher Einflussfaktoren aufgrund der demografischen Herausforderungen. Dies ist sehr hilfreich für die Projektgrundlagen im eigenen Unternehmen. Sodann folgen Handlungsempfehlungen für das betriebliche Personalmanagement, die schließlich in sehr konkreten Handlungsempfehlungen für das DB Werk Dessau münden, dem Hauptfallstudienprojekt dieser Untersuchung.

Es wird sehr deutlich, dass hier nur von einem Muster ausgegangen werden kann. Die Arbeit bietet aber sehr gute Hinweise, auf was die Unternehmen situationsspezifisch eingehen müssen. Das Buch bietet also eine sehr empfehlenswerte Anleitung zur Handlungsplanung in Unternehmen. (KT)

 

 

 

Der Präsident des Bundesrechnungshofes
Einsatz externer Berater in der Bundesverwaltung
Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2006, 119 Seiten, Euro 15, ISBN 978-3-17-019783-1

 

Diese Anleitung ist ebenso nützlich wie problematisch. Auf der einen Seite ist es für externe Berater, deren Einsatz in der öffentlichen Verwaltung steigt, wichtig zu wissen, welche Kriterien die Bundesverwaltung für den sachgerechten Einsatz externer Berater anlegt, nachdem der Bundesrechnungshof in einer Untersuchung festgestellt hat, dass sich folgende Phasen des Beratereinsatzes als besonders wichtig, zugleich aber auch als besonders fehleranfällig erwiesen haben:

- die Prüfung der Notwendigkeit des Beratereinsatzes

- die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit

- das Vergabeverfahren

- die Erfolgskontrolle, sowie

- die Umsetzung und Nutzung der Beratungsergebnisse.

Der Inhalt der Beratung wird nicht erwähnt. Das liegt sicher nicht daran, dass sie weniger fehlerhaft sind, sondern dass sie sich eher einer genauen Beurteilung entziehen.

Immerhin, die Anleitung legt dar, wie die oben genannten Phasen zu gestalten sind, d.h. welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie vorzugehen ist und wie der Beratereinsatz zu prüfen ist. Dabei werden Hinweise auf eigene Schwächen der Bundesverwaltung in diesen Prozessen nicht ausgespart (fehlendes Fachwissen). Aber für die Berater bieten die Checklisten sowie das Fallbeispiel für die Eckpunkte der Gestaltung des Beratereinsatzes („e-learning-seminar“) eine gute Orientierung.

Auf der anderen Seite ist das zugrunde liegende Beratungsverständnis gemessen an heutigen Erkenntnissen und Anforderungen milde ausgedrückt, völlig überholt. Es liegt ein mechanistisches Verständnis von Beratung zugrunde, nach dem Inhalte und Prozesse der Beratung planbar und determinierbar sind. Das, was für private Unternehmen gilt, gilt auch für die Bundesverwaltung: der Mangel an professioneller Kompetenz beim Klienten, mit situativ wechselnden Anforderungen und Gestaltungsparametern flexibel sowie mit Ungewissheiten und Ambiguitäten umzugehen. Aber vielleicht folgt zum Beratungsverständnis und -inhalt noch ein Bändchen zum state-of-the-art.

Beim unzureichenden Beratungsverständnis sind auch die Ausführungen über die Wirtschaftlichkeit problematisch, weil sie nicht so einfach messbar ist. Der Einsatz einer Polizeipistole wird ja nicht nur daran gemessen, welche Handlungsabsichten von Tätern (auf welche Weise auch immer) vereitelt wurden, sondern ob die Polizisten im Fall der Fälle mit der Waffe verantwortungsbewusst und situationsbedingt umgehen. Wie will man das quantitativ rechnen? (KT)

 

Alison Pullen/Stephen Linstead (Ed.)

Organization and Identity

Routledge, London and New York 2005, 318 Seiten, GBP 80, ISBN 0 415 32231 6

 

Dieser Sammelband greift die klassische Arbeit von Sennett auf, der das Konzept der ‚Erosion’ der Persönlichkeit in fluiden Arbeits- und Sozialwelten hervorgebracht hat. Inzwischen ist dieses Phänomen Gegenstand breiter internationaler Forschung, einige ihrer Ergebnisse sind in dem vorliegenden Band zusammengestellt. Der erste Teil besteht zunächst aus konzeptionellen Überlegungen zur Bildung von Identität, im nachfolgenden Abschnitt werden individuelle und kollektive Ansätze der Identitätsentwicklung dargestellt, der letzte Teil der Beiträge befasst sich mit der eher paradoxen Frage, wie Identität entstehen kann, wenn es immer weniger Kontinuität und Kohärenz in unserem Leben und unserer Arbeit gibt. Interessant an diesem Band ist die breite und differenzierte Sicht der versammelten Autoren, die nicht nur aus der Ökonomie, sondern auch der Philosophie, Anthropologie und Sozialwissenschaft stammt. Dieser Trend zur interdisziplinären Sicht reflektiert, dass wir es mit diesen durch die globale Ökonomie ausgelösten Einflüssen auf Biographien mit einer fundamentalen Frage zu tun haben, auf die es wenig Antworten und noch weniger Lösungen gibt.

Das Buch regt zum Nachdenken an und macht auch verständlich, warum Wandel und Veränderungen oftmals als existenzielle Bedrohung wahrgenommen und emotionalisiert werden. Insofern ist das Buch für alle Professionellen lesenswert, die sich in diesem Arbeitsfeld bewegen. (JF)

 

 

Francesco Perrini (Ed)

The New Social Entrepreneurship

What Awaits Social Entrepreneurial Ventures?

Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos.2006, 341 Seiten, GBP 69.95, ISBN 1 84542 781 8

 

Die globale Ökonomie generiert zwischen marktwirtschaftlicher und staatlicher Steuerung zunehmend Probleme und Themen, die dort nicht wahrgenommen und gelöst werden können. In dieser Lücke entsteht ein zunehmender Bedarf an sozialen Innovationen, ihr Treiber sind soziale Entrepreneure, die vor diesem Hintergrund ebenso wichtig wie unterschätzt sind. Der vorliegende Sammelband widmet sich der Entstehung und Wirkung dieser Rollen, der von ihnen gebildeten Institutionen und der angestoßenen Prozesse sozialer Innovation. Ein Teil der Beiträge ist konzeptioneller Natur und widmet sich der Analyse der Merkmale und der unterschiedlichen Betätigungsfelder von Social Entrepreneurs, möglicher Strukturen von Ventures, ihren kritischen Erfolgsfaktoren und nicht zuletzt der Finanzierung solcher Vorhaben. Der zweite Teil des Bandes besteht aus verschiedenen internationalen Fallstudien. Sie befassen sich mit sozialen Problemen, etwa im Bereich der Drogenarbeit oder dem würdigen Umgang mit älteren Menschen, aber auch mit nachhaltiger Entwicklung oder Fair Trade.

Es ist ein lesenswerter Band, der einen guten Überblick zum Stand der Theorie gibt, ebenso einen breiten Einblick in die vielen praktischen Felder, wo wir soziale Innovationen benötigen. (JF)

 

Patrick C. Flood/Martin J. Gannon/Jaap Paauwe
Managing Without Traditional Methods. International Innovations in Human Resource Management
Addison-Wesley, 1996, 345 Seiten, $ 36.50

Ein gescheites, informatives, unprätentiöses Buch über neue Trends in der Personalentwicklung – die Autoren leuchten knapp und präzise aus, welche Schlüsselqualifikationen durch PE unterstützt werden können, entwerfen Bilder, wie Organisationen ohne klassische Strukturen funktionieren, beschreiben die mögliche Rolle der PE bei Management Buyouts, beschreiben eine unternehmerische Zukunft mit hohem Leasingpersonal-Anteil und die PE ohne Personalentwickler.

Zu jedem Kapitel gibt es kurz gefasste Praxisbeispiele, meist aus Europa und den USA, Literaturangaben, sparsame, aber aussagekräftige Grafiken und einen transparent gemachten theoretischen Hintergrund. Self-managing teams und neue Total Quality-Ansätze runden das Bild ab. Der Untertitel verspricht nicht zuviel: innovative Personalentwicklungs-Trends, die weit in die Organisationsentwicklung hineinreichen. (FB)

 

Helga Schuler und Johanna Pabst (Hrsg.)
Personalentwicklung im Call Center der Zukunft. Fluktuation verhindern, Mitarbeiter langfristig binden.

Luchterhand Verlag
Neuwied, Kriftel 2000
324 Seiten, DM 78.--

Der Untertitel macht es schon deutlich: Call Center haben nicht nur ein Image-Problem, was Arbeitszufriedenheit betrifft, sondern auch Bedingungen, die sehr schwer für alle Anspruchsgruppen befriedigend zu organisieren sind. Der vorliegende Sammelband befasst sich mit ganz unterschiedlichen Aspekten: Personalrekrutierung, Personalqualifikation und -entwicklung, dem MitarbeiterInneneinsatz und Arbeitszeitmodellen, den Aufstiegsmöglichkeiten, den Kontroll-, Coaching- und Monitoringprozessen, der Team-Entwicklung u.a. Mehrere Kapitel sind der Führung im Call Center als einer besonders neuralgischen Funktion gewidmet.

Die Texte spiegeln wohl den Stand der Entwicklung dieses neuen Arbeitsfeldes, das sich ja schon wegbewegt vom Call Center zum umfassenden Kunden-Interaktions-Zentrum. Vieles wirkt wenig spezifisch, beschreibt längt Vertrautes und letztlich Selbstverständliches aus der Personal- und Führungsarbeit. Manchmal werden auch kritische Punkte vermieden, z.B. in den Ausführungen zur Teamentwicklung, wo die Schwierigkeit kaum angesprochen wird, wie diese Mitarbeitenden mit ihren extrem flexiblen Arbeitszeiten und ihren isolierenden Arbeitsprozessen und -strukturen überhaupt in Kontakt miteinander stehen können. Zudem gibt es sehr viele Wiederholungen.

Dazwischen gibt es aber interessante Kapitel, die sich mit den ganz besonderen Anforderungen des Call Center befassen, die Zukunftsperspektiven ansprechen oder die auch mal die aus Sicht der Mitarbeitenden sehr heiklen Punkte angehen. Schade, dass die Herausgeberinnen das Buch nicht straffer redigiert haben; weniger wäre mehr gewesen. Trotzdem: denjenigen, die sich spezifisch mit Personalfragen in Call Center befassen wollen oder müssen, werden hier wichtige Anregungen vermittelt.

 

Martin Hartmann/ Michael Rieger/ Brigitte Pajonk
Zielgerichtet moderieren. Ein Handbuch für Führungskräfte, Berater und Trainer Beltz Verlag, Weinheim/Basel 1997, 156 Seiten, DM 44.–

Diese sehr praxis- bzw. benutzer-orientierte Anleitung zur Moderation ist neben den Standardwerken geeignet, sich in dieses Verfahren einzuarbeiten. Sie ist zu empfehlen, weil nicht nur die Technik dargestellt wird (oder – wie so häufig – auf ein Visualisierungs-Engineering reduziert wird), sondern weil ein Plausibilitäts-Kontext geschaffen wird, der erklärt, warum die Moderation für die unterschiedlichsten Situationen so angelegt sein könnte. In diesem Sinn ist das «zielgerichtet» im Titel doppeldeutig zu verstehen.

Leider folgt aber auch dieses Buch der Entwicklung, die Ursprünge der Methode (zwar nicht schlecht) aber doch selektiv darzustellen. Metaplan wird mit keinem Wort erwähnt (nur die damaligen Mitarbeiter, die die Methode mitentwickelt haben) und die politischen Hintergründe (wie sie Freimuth in unserer Zeitschrift 3/97 dargelegt hat), werden nicht erwähnt. So entwurzeln wir uns zunehmend, was Folgen für den Sinnverlust der Moderation haben kann. Hier hätte ich mir eine Seite mehr in diesem sonst guten Buch gewünscht.

 

Brigitte Palass / Hans-Gerde Servatius
WissensWert. Mit Knowledge Management im E-Business
SchäfferPoeschel Verlag, Stuttgart 2002. 235 Seiten, Euro 79,90

Das Buch hinterliess einen widersprüchlichen Eindruck. Auf der einen Seite positionieren die Autoren Wissensmanagement sehr klar Als Antwort auf zu kurz gegriffene Konzep-te von Reengineering und Prozessmanagement. Sie beziehen sich auch auf klassische (Nonaka) und neuere Ansätze (Wenger) im Wissensmanagement, die vor allem auf die Bedeutung von Wissensgemeinschaften reflektieren. Andererseits bleiben die Autoren aber doch sehr in einem eher technokratischen Verständnis der Wissensentstehung und -verteilung befangen, das sich auf unterschiedliche Formen von elektronischen Infrastrukturen stützt. Was nun Kommunikation und Interaktion in virtuellen Räumen wirklich bedeutet, ist mir nicht klar geworden. Die Autoren bleiben vielfach in einer zuweilen bombastischen Terminologie stecken, die im ersten Moment viel verspricht, aber wenig hält. Viele Empfehlungen wirken plakativ und wenig handlungsleitend. Ein Beispiel: "In der Praxis müssen Unternehmen eine Art Hybriden Wissensraum zu schaffen, der kreativen Freigeistern ebenso Platz bietet wie strukturierten Teams und beide in Netzwerke einbindet." (S. 196) Da hilft es denn auch nichts, wenn dem zunächst verwirrten, dann enttäuschten Leser versichert wird, Dass diese Einsicht durch die Komplexitätstheorie gestützt wird, wonach sich solche Systeme ‚am Rande des Chaos' bewegen. Im übrigen ist das Buch voll mit Grafiken, die teilweise hilfreich sind, teilweise einen trivialen Tatbestand aber auch nicht substantieller machen. Eine tiefere Durchdringung der Fragestellungen mit Hilfe von Sprache hätte der Sache mehr gedient. (JF)

 

Bettina Palazzo
Interkulturelle Unternehmensethik. Deutsche und amerikanische Modelle im Vergleich
Deutscher Universitäts-Verlag (Gabler), Wiesbaden 2000, 287 Seiten


Diese Münchener Dissertation arbeitet sowohl die theoretischen Konzepte der amerikanischen und deutschen Unternehmensethik auf, als auch die Konsequenzen und Empfehlungen für die interkulturelle Unternehmenspraxis.

In Deutschland und den USA herrschen unterschiedliche Wert- und Moralvorstellungen. Dies wird nicht nur in der Politik, sondern auch im Wirtschaftsleben der beiden Länder deutlich. Eine fundierte systematische Aufarbeitung der amerikanischen Business Ethics in Theorie und Praxis fehlte allerdings bisher.

Bettina Palazzo analysiert die unternehmensethischen Debatten und Diskurse sowie die zugrunde liegenden kulturellen Hintergrundannahmen in beiden Ländern und untersucht ihre konkrete Umsetzung in die unternehmerische Praxis. Ziel ist die Weiterentwicklung der Unternehmensethik sowie eine effektivere transatlantische bzw. interkulturelle Verständigung. Dazu gehört auch das Verständnis, warum das praktische Ethikmanagement in den amerikanischen Unternehmen viel weiter verbreitet ist. Eingedenk der Lewin'schen Sentenz, dass nichts so praktisch ist, wie ein gute Theorie, können aus dieser Arbeit sehr wichtige Materialien für das interkulturelle Ma-nagement gewonnen werden.

André Papmehl (Hrsg.)
Absolute Customer Care
Signum-Verlag, Wien 1998, 320 Seiten, DM 54.–

Noch ist in vielen Unternehmen Kundenorientierung eher Lippenbekenntnis denn gelebte Praxis. Wird Kundenorientierung wirklich ernst genommen, muss sie «als kontinuierlicher Veränderungsprozess das ganze Unternehmen erfassen», wie es Fahlbusch im Vorwort des Buches richtig formuliert. Was dies heisst, wird in den einleitenden Grundlagenartikeln herausgearbeitet. So ist z.B. Schröder zuzustimmen, wenn er gelebte Kundenorientierung als Resultat eines langwierigen Veränderungsprozesses beschreibt, bei dem die Mitarbeiterorientierung zum kritischen Erfolgsfaktor wird. Eine Reihe von Praxisbeschreibungen aus dem Service- und Industriebereich fächert das Thema Kundenorientierung weit auf.

Dass der Erkenntnisgewinn dabei mehr in die Breite als in die Tiefe geht, ist wohl nicht zu vermeiden, doch wäre der Lerngewinn grösser, wenn sich die Autoren dazu hätten durchringen können, ihre Beiträge nicht nur als «Erfolgsstory» zu verfassen, sondern mehr auch Auskunft über die Widrigkeiten und Hemmnisse der abgelaufenen Prozesse zu geben.

Gerade weil das Thema in vielen Facetten ausgebreitet wird, hätte man sich vom Herausgeber mehr Orientierung durch einen Bezugsrahmen gewünscht. Doch schon die Auswahl der Beiträge lässt den Eindruck aufkommen, dass das Sammeln von Autoren wichtiger war als die inhaltliche Durchdringung des Themas (So wirkt der Beitrag von Wollert über Imageprobleme des Handels als Fremdkörper, die Reflexionen von Sprenger und Fuchs zum Thema «Kundenorientierung» sind sich nicht nur im einleitenden Beispiel sondern auch in ihrer inhaltlichen Botschaft zu ähnlich. Warum die abschliessenden Beiträge unter dem Stichwort «Perspektiven» gesammelt wurden, ist mir ausser beim Beitrag von Walsh nicht recht klar geworden). Leider nutzt auch der Herausgeber in seinem Schlusskapitel nicht die Möglichkeit, das Thema kritisch zu reflektieren, sondern liefert eher ein Patchwork von Gedankensplittern und Schlagworten ab. So bleibt der Eindruck, den das Buch hinterlässt, doch eher zwiespältig.

 

André Papmehl/Rainer Siewers (Hrsg)
Wissen im Wandel. Die lernende Organisation im 21. Jahrhundert
Wirtschaftsverlag Ueberreuter, Wien/Frankfurt 1999, 448 Seiten, DM 48.–

Dieser Sammelband bietet 15 Originalbeiträge zumeist bekannter Autoren, um einen Überblick über die wissenschaftlichen und praxisrelevanten Entwicklungen auf dem Gebiet der lernenden Organisation zu geben. Der Titel ist doppelsinnig, denn er bezieht sich nicht nur auf das Management des Wissens, sondern auch auf das Wissen im Management dieses Organisations- und Wandel-Feldes. Durchgängig wird die These begründet, dass wir nicht nur Instrumente, sondern vor allem unser Denken (von linear-deterministischen Kausalitäten zu system-dynamischen Regeln) verändern müssen bzw. sich schon verändert hat. Dies wird aus unterschiedlichen Perspektiven und Themenstellungen begründet.

Sehr erfrischend sind die Beiträge von Papmehl selbst, von Fuchs und Siewers. Eher Bekanntes, aber deswegen nicht weniger Relevantes, bieten Schmitz/ Zucker (Wissen entwickeln), Katzenbach (Teamarbeit), Vester (Neues Denken) und Schwanninger (Intelligente Organisationen). Einige Beiträge hätten kürzer ausfallen können (Grässle: Netzwerke und Comunities) und Volkmann (über die XENIA WerkStadt als Verknüpfung der Innovation und Umsetzung). Letzterer bringt es fertig, nur sich selbst zu zitieren, was zu psychologischen Deutungen Anlass geben könnte. Die beiden Praxisberichte von Schneider (Siemens) und Dammermann-Priess (Teamlernen in der Führungskräfteentwicklung) sind empfehlenswert und sehr nützlich, letzterer in besonderem Masse.

Wir müssen skeptisch bleiben bei der Flut der Literatur zu diesem Thema. Bei diesem Band ist sie nicht angebracht, denn er lohnt sich in vielerlei Hinsicht: überwiegend frischer Stil, hilfreich in den Klärungen und anregend für die eigene Arbeit.

 

RICHARD T. PASCALE, LINDA GIOJA, MARTIN HERRMANN
Chaos ist die Regel. Wie Unternehmen Naturgesetze erfolgreich anwenden
Econ Verlag, München 2002, 303 Seiten


R. T. Pascale, Lehrer und Autor, der mit Büchern zum japanischen Management und Artikeln in der Harvard Business Review bekannt wurde, hat mit 2 Co-Autoren ein Buch zur Anwendung der Chaos-Theorie im Management von Unternehmen geschrieben. Naturgesetzmässigkeiten werden - insbesondere im Kontext der Selbstorganisation - auf Unternehmen übertragen und zwar ausschliesslich an Beispielen von Unternehmen. Die Chaos-Theorie wird so "nebenbei" sehr anschaulich erklärt und in den Wirkungen und Möglichkeiten beschrieben.
Es geht in dem Buch um die Eigenarten lebender Systeme und das Komplexitätsmanagement: Die Welt ist nicht chaotisch, sie ist komplex. "Chaos ist dagegen jene seltene Situation, in der sich keine Muster finden lassen und die Zusammenhänge nicht erklärbar sind!" Wer am Rande des Chaos lebt, ist (notgedrungen) viel experimentier- und veränderungsfreudiger und organisiert sich ständig neu, so dass neue Formen und Verhaltensweisen entstehen. Gleichgewichts- und Harmoniestreben sind oft tödlich. Zentrale Elemente der Chaos-Theorie sind Flexibilität, ständiges Lernen und Veränderungsfähigkeit.
Hier wird ein für das Management sehr relevantes Konzept populärwissenschaftlich dargestellt, um anhand von sehr vielen Beispielen die praktische Relevanz aufzuzeigen. Stil und Anlage des Buches machen es gerade für Manager sehr empfehlenswert. Vor allem mit der provozierenden These, dass bewusst herbeigeführte Krisen viel mehr Chancen für den Unternehmenserfolg bieten als die sogenannten Optimierungsprogramme. (KT)

 

MICHAEL PASCHE / ANJA WEIDEMANN / DANIELA TURCK / CHRISTIAN STÖWE
Assessment-Center professionell. Worauf es ankommt und wie Sie vorgehen
Luchterhand-Verlag, Neuwied 2003, 320 Seiten, ISBN 3-472-05057-8


Das Buch bietet einen kompetenten Einblick in die Assessment-Center-Methode. Wer sich besonders für die praktische Umsetzung eines AC interessiert, erhält eine detaillierte, praxisbezogene Darstellung der Bausteine und Vorgehensweisen dieser Personalentwicklungsmethode. Ausgehend von den Varianten des Assessment-Center wird dargestellt , wie Anforderungsprofile entwickelt und Rahmenkonzepte erstellt werden und welche Kommunikation in AC-Projekten zu leisten ist. Gut fand ich das ausführliche Kapitel zu Bausteinen und Simulationen, weil hier nicht einfach Standardübungen wiedergegeben werden, sondern die thematischen AC-Bausteine - Interviews, Analytisch-konzeptionelle Übungen, Gesprächssimulationen, Gruppenübungen, Präsentationen und Testverfahren - fundiert aufbereitet und in einen Kontext gestellt werden. In den abschliessenden Kapiteln des Buchs geht es dann um das Beobachten und Bewerten, um die praktische Organisation und um die Aufbereitung und Verwendung der AC-Ergebnisse.
Etwas zu kurz kommt hingegen die Reflexion und kritische Hinterfragung des Instruments: Was bewegt Organisationen, zu diesem Verfahren zu greifen? Wie lässt sich auf zukünftiges Verhalten in noch nicht vorhersehbaren Sitationen schliessen? Man kann dies dem Buch aber nicht vorwerfen, weil dies nicht Ziel der AutorInnen war. Als praxisorientierte Einführung in die AC-Methode ist das Buch auf jeden Fall empfehlenswert. (HM)


 

Richard W. Woodman / William A. Pasmore
Research in Organizational Change and Development
Volume 9, Jai Press, Greenwich (USA) London 1996, 242 Seiten, DM 110.-

Der inzwischen vorliegende 9. Band dieser Reihe über die «Fortschritte, Methoden und Forschungen der OE» enthält wieder eine Reihe interessanter Aufsätze zur OE aus den verschiedensten Arbeitsgebieten und Systemen (Förderung und Widerstand des Wandels, Kulturfragen der Implementierung, multi-organisationale Zusammenarbeit im globalen Wandel, usw.). Der von dieser Zeitschrift in der Nr. 2/95 veröffentlichte Beitrag von Vansina zur kritischen Analyse des Business Process Reengineering ist auch enthalten.

Insgesamt wird aber von Jahr zu Jahr deutlicher, dass die OE keine wesentlichen Fortschritte in Ansätzen und Methodik macht, sondern sich höchstens noch ausdifferenziert. Eine Folge davon ist, dass dann zur Sicherung der Aufmerksamkeit eher grössenwahnsinnig anmutende Beiträge aufgenommen werden, wie der von Joanne Preston (Herausgeberin des OD Journals) und Jan Barber, Berater in Spanien, über ein «mögliches» Modell des Transformations-Wandels, angewandt auf Südafrika. Allein schon der Titel zeigt den Zwang, umfassend alles zu vereinen, um modern zu klingen.

Ein, zwei Aufsätze sind nützlich, aber ich werde beim nächsten Band entscheiden, ob ich weitere noch rezensieren werde.

William A. Pasmore/ Richard W. Woodman
Research in Organizational Change and Development
Volume 10/1997, Jai Press Inc., Greenwich/USA and London/GB, 322 Seiten, ca. DM 150.–

Dieser 10. Band der wichtigsten OE-Reihe ist schon interessanter und lohnender als der Band 9/1996. Hervorzuheben sind 5 Beiträge über empowerment, der empfehlenswerte Beitrag von Susan + Allan Mohrman über Organisationslernen, sowie der Beitrag von Linda St. Clair und Robert Quinn über die Handhabung der Zweideutigkeit bzw. Unsicherheit als Lerninstrument für organisationale Phänomene.

Offensichtlich deutet sich in den USA eine Revitalisierung der OE mittels Substanzzunahme an. Das ist erfreulich, zumal wenn es anhaltenden bzw. nachhaltigen Charakter hat. (KT)

WILLIAM A. PASMORE/RICHARD W. WOODMAN (HRSG.)
Research in Organizational Change and Development Volume 14
Jai Press/Elsevier Science Verlag, Oxford/Amsterdam 2003, 315 Seiten, ISBN 0-7623-0994-6


In dem Band finden sich gleich mehrere Studien zur Organisationskultur bzw. deren Rolle in Prozessen des Wandels und zu Grossgruppen bzw. large scale change auf Länderebene.
Die empirische Studie über den Wandel in Mexico untersucht die Wandelrolle grosser Verbände und Institutionen für und in der Gesellschaft und enthält einen sehr informativen Teil über die Kultur Mexicos.
Bemerkenswert, und sicher ein nützlicher Beitrag zur Begründung und Ausformung des Paradigmenwechsels von der OE zum Change Management ist der Beitrag von Struckman und Yammarino zur Kategorisierung von Typen des Wandels nach verschiedenen Dimensionen wie Bereitschaft, Prozess und auch Zeit. Indem sie Erkenntnisse der Biologie, Sozialpsychologie, Physik und Umweltwissenschaft einbeziehen, erarbeiten sie eine Arbeitsdefinition von organisatorischem Wandel. Dieser Beitrag gibt sicherlich sehr brauchbare Hinweise, um den beobachteten bzw. postulierten Konzeptwechsel etwas mehr zu füllen. (KT)

RICHARD W. WOODMAN/WILLIAM A. PASMORE (HRSG)
Research in Organizational Change and Development
Volume 15
Elsevier/JaiPress, Amsterdam/Boston 2005, 327 Seiten, Euro 87, ISBN 0762311673


Dieser 15. Band der hier regelmäßig besprochenen Reihe bringt einige interessante Beiträge, zumindest von Titel und Thema her.

Ein Beitrag beschäftigt sich mit der Zeit-Dynamik in Veränderungsprozessen. Ein anderer mit dem Wissensmanagement und ein weiterer mit einer Fallstudie über Selbstorganisation von Wandelprozessen in einer staatlichen Einrichtung in den USA.

Sehr bemerkenswert ist der Aufsatz von Falkenberg und Kollegen über die momentanen Wandel-Exzesse, wobei sie herausfiltern, dass die vielen Projekte meistens nicht miteinander verknüpft oder in Beziehung gesetzt werden. Ich meine, dass das ein wichtiges Thema in der OE werden wird, bzw. bereits schon ist.

Golembiewski, der Altmeister, untersucht OE Projekte in interkulturellem Kontext, insbesondere in den Kulturen, wo konfuzianische Ideen vorherrschen. Dann ist noch ein Beitrag über ein Aktionsforschungs-Projekt enthalten sowie eine Untersuchung über den Stand der appreciative inquiry-Programme in Veränderungsprojekten.

Also bietet der Band eine breite Vielfalt und viele Anregungen. Einige der Beiträge sind durchaus lesenswert, nachdem die Reihe in den letzten Jahren etwas flacher geworden war. (KT)

 

Stephen C. Lundin / Harry Paul / John Christensen
FISH. Ein ungewöhnliches Motivationsbuch
Verlag Ueberreuter Wirtschaft, Wien / Frankfurt 2001, 120 Seiten


Die tieffliegenden Fische am Pike Place Fish Market in Seattle bereiten inzwischen nicht mehr nur den Büroangestellten aus den umliegenden Geschäften Spass: das zugrunde liegende Motivationskonzept hat sich am amerikanischen Trainingsmarkt inzwischen zum Bestseller entwickelt und es ist zu erwarten, dass es auch in Deutschland seine Anhänger findet.

Die Botschaften, für die die Angestellten am Fischmarkt stehen, sind einfach und vielleicht gerade deshalb wirkungsvoll: Wähle Deine Einstellung - Spiele / Hab Spass bei der Arbeit - Bereite anderen Freude - Sei präsent.

Das wahr's. Und dennoch kann man sich des mitreissenden Schwungs nicht entziehen, den vor allem das (allerdings sehr teure) Lehrvideo mehr noch als das Buch vermittelt. Natürlich geht einem sofort durch den Kopf: Passt das überhaupt in den kulturellen Kontext der Service-Wüste Deutschland. Andererseits: warum soll man sich nicht davon inspirieren lassen?

Das Buch entwickelt aus den Erfahrungen am Fishmarkt die Geschichte einer Abteilungsleiterin, die in einem Finanzinstitut eine Abteilung übernimmt, die im Hause nur "Giftmülldeponie" genannt wird. Inspiriert durch die Besuche am berühmten Fischmarkt gelingt es ihr, einen neuen Geist in ihrer Abteilung zu erwecken: Dies ist die typisch amerikanische Erfolgsstory, in der alles ganz leicht und ganz schnell geschieht, die sich zwar flott liest, in der aber auch eine Gefahr liegt: dass das Konzept wie schon so häufig zu einer Mode wird, zum Kochrezept. Dabei ist das Geschehen am Fischmarkt in Seattle durchaus wert, dass man sich damit auseinandersetzt. Und es kann eine Quelle des Empowerments auch für Veränderungsprozesse sein, denn ein bisschen mehr Spass beim Prozess des Veränderns täte vielerorts gut. Dennoch muss jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden und seinen eigenen Rhythmus. (HM)

 

Kurt Pawlik / Mark R. Rosenzweig (Hrsg.)
The International Handbook of Psychology
Sage Publ., London / Thousand Oaks 2000, 629 Seiten

Eigentlich sollte ein Psychologie-Handbuch nicht in einer OE-Zeitschrift besprochen werden. In diesem Fall lohnt es aber, auf verschiedene Kapitel dieses internationalen Sammelwerkes, das von dem Psychologen Kurt Pawlik der Universität Hamburg mit herausgegeben wurde, hinzuweisen.

So werden Gefühle in Organisationen immer mehr zum relevanten Thema und das Kapitel dazu ist eine wichtige Grundlage. Zum Gebiet des Wissensmanagements sind auch die Prozesse der Wissensaufnahme eine wichtige Voraussetzung. Da die Verknüpfung von organisatorischen Gestaltungen und Persönlichkeit immer weiter voranschreitet (siehe die 360° Feedback-Methode), ist auch im Bereich der angewandten Psychologie der Überblick über die Testverfahren und psychologische Begutachtung beachtenswert. Selbstverständlich soll auch das Kapitel über die Arbeits- und Organisationspsychologie nicht unerwähnt bleiben. Ebenso der Beitrag des chinesischen Psychologen Jing, von der Universität Peking, über die internationale Psychologie und das Kapitel des türkischen Psychologen Kagitcibasi über die interkulturelle Psychologie.

Einige Kapitel bzw. Themen sind unbefriedigend oder auch ärgerlich. So der Beitrag über Motivation von Gollwitzer und Delius von der Universität Konstanz, und der Forscherin Oettingen vom Max Planck Institut Berlin. Gerade die deutschen Wissenschaftler sollten dieses Konzept problematisieren, zumal doch Sievers, Sprenger und jetzt auch Malik Motivation als Ersatzinstrument kritisieren. Diese Zweifel werden mit keinem Wort thematisiert.

Insgesamt ist das Handbuch aber ein brauchbares Nachschlagewerk, da es einen schnellen Überblick und Einblick in die (angewandte) Psychologie gibt.

 

JANINE BERG-PEER
Outplacement in der Praxis. Trennungsprozesse sozialverträglich gestalten
Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, 205 Seiten, Euro 39.90

Leider gibt der Titel nicht an, dass es sich um ein Buch zur Outplacement-Beratung handelt, geschrieben von einer Beraterin in diesem Feld. Es geht also nicht so sehr um die Entscheidung eines Outplacement, also auf deutsch: wie die Trennung von Mitarbeitern geht, sondern um die Beratungsprozesse dabei: Und hier geht es vornehmlich darum, wie die Mitarbeiter, von denen sich Unternehmen trennen, auf diese Trennung vorbereitet und beraten werden, damit kompetenter umzugehen. Es geht sehr konkret zu, mit Zeitplanungen, Praxisbeispielen und Anleitungen. Aber alles eher auf der Persönlichkeitsebene und weniger der strukturellen Ebene. So stehen auch Persönlichkeitstests im Mittelpunkt (Myers-Briggs-Typen-Indikator, Bochumer Inventar, Karriereanker usw. Von diesem Aspekt her ist das Buch zu empfehlen, eben wie die Trennung unkompliziert und durch Stärkung und Perspektiventwicklungen für die Mitarbeiter, von denen man sich trennt, organisiert und umsichtig ablaufen kann.
Aber: gemessen an dem (zufällig?) irreführenden Titel wird kaum etwas darüber gesagt, wie solche Entscheidungen zum Outplacement getroffen werden, und vor allem, was die Konsequenzen für die Daheimgebliebenen sind. Das hat Kets de Vries einmal sehr kompetent und in der grossen Bedeutung in dieser Zeitschrift dargelegt. Und das alles ist m. E. wesentlicher Bestandteil einer Outplacement-Beratung. Wenn Sie sich also für das Thema interessieren, sind Sie bezüglich der Diskrepanz von Titel und Inhalt (der nicht schlecht ist) vorgewarnt.

Ulrich Pekruhl
Partizipatives Management. Konzepte und Kulturen
Hampp Verlag, München und Mering 2001. 302 Seiten, Euro 27,20

Partizipatives Management zielt vor allem darauf, die Mitarbeiterpotenziale eines Unternehmens nutzbar zu machen. Das geschieht vor allem durch unterschiedliche Formen der Gruppenarbeit. Der Autor versucht zu zeigen, dass es sich dabei nicht um eine kurzfristige Mode handelt, sondern um eine Alternative zu traditionellen arbeitsteiligen Organisationsformen. Der zweite Teil des Buches setzt sich dann mit den Einflüssen der Organisationskultur in diesem Zusammenhang auseinander. Der Autor versucht dabei, einen Vorschlag zu entwickeln, wie Kulturen analysiert und systematisch verändert werden können. Der Text bezieht eine grosse Menge neuerer und relevanter Literatur, empirischer Studien, aber auch Falldarstellungen mit ein. Es entstand so eine ausführliche, fundierte und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Auch wenn der Autor sich sehr verständlich ausdrückt, ist der Text vom Charakter her eher wissenschaftlich gehalten, auch wenn er beteuert, er wende sich primär an Praktiker. (JF)

Bram Peper/ Anneke Van Doorne-Huiskes/ Laura Den Dulk, EDS.
Flexible Working and Organisational Change. The Integration of Work and Personal Life
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos.2005, 342 Seiten, 75 £, ISBN 1843766183

Dieser Sammelband greift zwei wichtige Trends auf, die westliche Industriegesellschaften in den letzten Jahren charakterisieren. Einmal flexibilisieren sich die traditionellen Formen der Arbeit und der Besch&äuml;ftigung, zum anderen haben wir es auch mit stark ver&äuml;nderten Konstellationen in Familien zu tun, die Zahl der Doppelverdiener nimmt zu und zugleich erleben wir ein Ansteigen der Besch&äuml;ftigung von Frauen. Die Autoren des Buches gehen den Risiken, Konflikten und Dilemmata nach, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben. Darüber hinaus bemühen sie sich auch um Antworten, die im Blick auf eine neue Struktur und Dynamik künftiger Arbeitspl&äuml;tze auf den europ&äuml;ischen Arbeitsm&äuml;rkten gegeben werden müssen.

Die versammelten Autoren arbeiten in Forschungsprojekten an europ&äuml;ischen Hochschulen und Instituten, so dass sich ein breites und empirisch hinterlegtes Spektrum aus europ&äuml;ischer Perspektive ergibt. Die Problemlagen für die Besch&äuml;ftigten sind dort mehr oder weniger vergleichbar, Lösungsrichtungen sind ansatzweise erkennbar, was jedoch notwendig erscheint sind umfassendere und nicht zuletzt mutige Antworten. Im Moment laufen wir mehr oder weniger den Trends hinterher und verlagern Risiken, h&äuml;ufig einseitig. (JF)



MICHAEL NIPPA / KERSTIN PETZOLD / WOLFGANG KÜRSTEN (HRSG.)
Corporate Governance - Herausforderungen und Lösungsansätze
Physica-Verlag, Heidelberg 2002, 237 Seiten, ¤ 34,95

Die Corporate Governance, d.h. die Regelung und Gestaltung des Einflusses der Share- und Stakeholder Interessen auf die Unternehmenssteuerung und -kontrolle hat nicht zuletzt durch die Vertrauenskrise in der Wirtschaft eine hohe Bedeutung und Aktualität erfahren.

15 Autoren (Wissenschaftler, Berater, Rechtsanwälte, Manager und Gewerkschaftler) bearbeiten die Vielfalt der Themen die zur Zeit unter dem Begriff Corporate Governance diskutiert werden und präsentieren die Perspektiven der wichtigsten Akteure in deren Spannungsfeld: Wissenschaft, Unternehmen, Aktionäre und Gewerkschaft.

Mit den 3 Hauptkapiteln gibt der Band einen guten Überblick über das Thema in konzentrierter Form. Im ersten Kapitel der konzeptionellen Gestaltungsansätze von Corporate Governance Systemen wird auch ein internationaler Vergleich vorgenommen, der sehr nützlich ist. Im zweiten Kapitel werden die Sichtweisen und das Verständnis der Akteure untersucht. Hier wird auch die Rolle der Mitbestimmung, die Anwendung auf Familienunternehmen und beispielsweise EntscheidungCHFagen von Investoren bearbeitet. Im dritten abschliessenden Kapitel werden ausgewählte Instrumente der externen und internen Unternehmenssteuerung und -kontrolle kritisch bewertet (Vergütung, Investor Relations im Internet, wertorientierte Steuerung). Einige Passagen bzw. Darstellungen sind mit den differenzierten Berechnungsmethoden theoretisch angelegt (mit praktischen Nutzen). Aber auch für den eiligen Praktiker wird ein guter Überblick in relativ kurzen Abschnitten geboten. (KT)

 

Armin Felten/ Bernhard Petry
Gut geführt. Personalentwicklung und Personalführung in der Kirche
Klett Cotta, Stuttgart 2001, 166 Seiten

Es geht um Personalführung in der evangelischen Kirche und in diesem Zusammenhang vor allem um den Wert von professionell geführten Mitarbeitergesprächen. Was für die Wirtschaftsunternehmen die Profitorientierung ist für die Arbeit in der Kirche die Seelsorge. Um ihre Ziele zu erreichen benötigen beide Personal, sowohl Manager - auch wenn diese im kirchlichen Bereich sich Pfarrer, Gemeindereferenten, Gemeindeschwester, Oberkirchenrat usw. nennen - als auch so genannte Mitarbeiter. Von der Art, wie dieses Personal geführt wird, hängt nicht nur die Zufriedenheit dieser Menschen ab, sondern weitgehend auch die Produktivität und Qualität ihrer Arbeit.

FELTEN und PETRY vermitteln anschaulich anhand von konkreten Beispielen und Checklisten sehr praxisnah, wie professionell geführt werden kann und vor allem welche Formen von Gesprächen dazu von Nutzen sind. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen direkt und indirekt als Haupt- und als Ehrenamtliche in kirchlichen Einrichtungen beschäftigt sind oder sich für kirchliche Zwecke engagieren, ein lobenswertes Unterfangen. Denn gerade Institutionen, die sich auf höhere Werte hin ausrichten, sind gefährdet, menschliche Grundwerte zu vernachlässigen. Wenn auch hier auf das Gemeindemanagement der evangelischen Kirche gemünzt, so kann die von den Autoren zitierte Aussage von MICHAEL HERBST durchaus auf andere Konfessionen verallgemeinert werden: "Man kann die Dinge einfach besser machen, und das Evangelium hat es verdient." (KD)

Hans A. Wüthrich/ Andreas F. Philipp/ Martin H. Frentz.
Vorsprung durch Virtualisierung. Lernen von virtuellen Pionierunternehmen
Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 1997, 303 Seiten, DM 78.–

Die Virtualisierung wird in diesem praxisorientierten Buch im Kontext temporärer Wertschöpfungsnetzwerke betrachtet, die die traditionellen Allianzformen ablösen können. Die Autoren, Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München, zeigen anhand von über 50 untersuchten und 6 ausführlich dargestellten Fallstudien das Spektrum virtueller Wertschöpfungsmöglichkeiten auf und entwickeln ein vertieftes Verständnis für die Mechanik virtuell operierender Pionierunternehmen. So kann der Leser auch den Eignungsgrad seiner Branche für eine Virtualisierung der Wertschöpfung erkennen sowie – soweit geeignet – die für sein Unternehmen geeignete Form der Virtualisierung ableiten. Die Entscheidungshilfen im dritten Teil des Buches sind sehr hilfreich, wenngleich nicht so leicht konsumierbar.

Die Autoren mussten erkennen, dass es kein Referenzmodell der virtuellen Organisation gibt. Feststellbar war ein breites, sehr unterschiedlich ausgestaltetes Spektrum denkbarer Virtualisierungsformen. Also muss man sich schon bemühen und viel in die Eigenentwicklung investieren. So einfache Rezepte gibt es nicht.

 

Gordian Philipps
Das Konzept der Organisationsentwicklung. Ansätze und Kritik sowie Konsequenzen für die Ausgestaltung von OE-Prozessen in der Praxis
Verlag Peter Lang AG, Frankfurt am Main/Bern 1999, 310 Seiten, DM 98.ö

Die Dissertation des Beraters G. Philipps weckt vom Titel her einige Erwartungen, enttäuscht dann aber doch. Und zwar in dem Beitrag zur erweiterten Fundierung des OE-Konzeptes und Perspektiven für die Entwicklung. Das Buch zeigt allerdings den Nutzen der OE auf, wenn die Anwender die Kritik an der OE beachten und deren Schwächen so überwinden. Beispielsweise in der stärkeren Verbindung der OE von betriebswirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Konzepten.

Der Autor stellt zu Beginn wie üblich die Inhalte, Entwicklung und Konzepte der OE dar, um sie dann kritisch zu beleuchten, bzw. genauer: die bekannte Kritik zusammenzufassen, um Beurteilungskriterien für die Wirkungsverbesserung der OE zu gewinnen. Auch dabei werden viele wichtige Beiträge nicht verarbeitet, die beispielsweise in dieser Zeitschrift veröffentlicht wurden. Im zweiten Teil des Buches werden zwei OE-Projekte als Fallstudien für OE-Prozesse beschrieben und mit verschiedenen Instrumenten systematisiert und anhand der aufgestellten OE-Beurteilungskriterien analysiert.Gerade in diesen beiden Fallstudien repräsentiert sich eine Ursache für die defizitäre Entwicklung der OE in den vergangenen Jahrzehnten: es machen zu viel Berater etwas unter dem OE-Label, der bei näherer Prüfung diesem Anspruch nicht standhält.

Es geht ja um Menschen, um deren Beziehungen, deren strukturbedingte Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit. Und davon versteht ja (fast) jeder etwas und kann mit subjektiver Gewissheit loslegen, die selbstverständlich nicht reflektiert werden darf. (KT)

 

NAKIYE AVDAN BOYACOGILLER/RICHARD ALAN GOODMAN/MARGARET E. PHILLIPS, EDS.
Crossing Cultures. Insights from Master Teachers
Routledge, London and New York 2003, 331 Seiten, 29.99 £, ISBN 0415312043


Dies ist kein neuer Band über interkulturelles Management, das zum wiederholten Male und in stupider Stereotypie Hofstede oder Trompenaars nachbetet. In diesem Buch haben sich Experten aus unterschiedlichen Disziplinen, Anthropologie, Soziologie, Verhandlungs- und Konfliktforschung, Pädagogik, Ethik oder ökonomie versammelt, die zunächst aus der Perspektive ihrer Disziplinen auf Kulturen und kulturelle Differenzen schauen. Dann richtet es sich vornehmlich an Leser, die im weitesten Sinne den Umgang mit Kulturen, Normen, Unterschiedlichkeit und Diversität «lehren» oder trainieren. Die Aufmachung der jeweiligen Kapitel ist vor diesem Hintergrund sehr originell und adressiert gezielt didaktische Interessen. Jeder Beitrag beginnt mit einer Darstellung seines konzeptionellen Hintergrundes, es folgen Anregungen, wie das Material der Zielgruppe präsentiert und dargestellt werden kann, schliesslich sensibilisiert er für Schwierigkeiten und Konflikte, die mit diesem Stoff verbunden sind und die anregungsreiche didaktische Situationen kreieren können. Die Autoren liefern keine Rezepte, sondern offene Situationen, die es ermöglichen, die eigene Lösungsphantasie und Sensibilität ins Spiel zu bringen. Sie repräsentieren und lehren Bescheidenheit und Respekt. Insofern heben sie sich sehr wohltuend von vielen grossspurigen Gurus ab, die uns suggerieren, die Lösungen schon in der Tasche zu haben. Dabei sind diese oftmals selber eher das Problem. (JF)

 

GERHARD PICOT
Handbuch Mergers & Acquisitions
Planung, Durchführung, Integration

3. Auflage, Schäffer Poeschel, Stuttgart 2005, 585 Seiten, Euro 79.95, ISBN 3 7910 2363 2
Dieses Handbuch ist inzwischen schon fast zu einem Standardwerk geworden, kein Wunder, dass in kurzer Zeit bereits die dritte Auflage vorliegt. Der wesentliche Mehrwert dieses Bandes besteht darin, dass er Merger & Acquisitions aus einer interdisziplinären Perspektive betrachtet. Er enthält fundierte Beiträge zu rechtlichen und steuerlichen Aspekten, ebenso wie zur Due Diligence, der finanziellen Bewertung von Unternehmen und dem Erfolgscontrolling des Zusammenschlusses. Weitere Abschnitte befassen sich mit Aspekten der Restrukturierung, der personellen und kulturellen Integration sowie der Kommunikationspolitik. Die einzelnen Kapitel sind sehr differenziert dargestellt, enthalten zahlreiche Quer- und Quellenverweise, dennoch behält man bei der Lektüre stets den Überblick. So soll ein Handbuch auch aufgebaut sein. Die vorliegende Neuauflage ist um einige wichtige Aspekte ergänzt und überarbeitet worden, womit die Autoren neueren Trends und Entwicklungen gerecht werden, die insbesondere durch veränderte Gesetzgebungen ausgelöst wurden. Das gilt nicht nur für das Übernahmegesetz oder das Schuldrecht, sondern auch für den Kündigungsschutz und das Betriebsverfassungsrecht. Die relevanten Veränderungen finden sich in den einzelnen Beiträgen wieder, so dass der Leser einen umfassenden und aktualisierten Ratgeber in der Hand hält. Auch für Experten, die eher im Bereich der strukturellen oder kulturellen Integration arbeiten, ist die Kenntnis der gesamten Komplexität von Merger&Acquisitions hilfreich, um wirklich Unterstützung im Prozess geben zu können. Mit dem vorliegenden Band kann man sich leicht einen fundierten Überblick verschaffen. (JF)

Arnold Picot/ Helmut Dietl/ Egon Franck
Organisation Eine ökonomische Perspektive
4. Auflage, Verlag Sch&äuml;ffer-Poeschel Stuttgart 2005, 430 Seiten, Euro 29.95, ISBN 3791023713

Das Ziel dieses Bandes besteht in erster Linie darin, ein konzeptionelles Verst&äuml;ndnis für die Gestaltung und Entwicklung von modernen Organisationen in verst&äuml;ndlicher Form zu vermitteln. Der Ansatz der Autoren stammt aus der neueren Institutionenökonomie, der davon ausgeht, dass Strukturen im Umfeld von Unternehmen und an ihren Grenzen einen erheblichen Einfluss auf die interne Strukturierung haben. Der Begriff der Institution fokussiert dabei insbesondere auf die Beherrschung von komplexen Wertschöpfungsketten, die an den Grenzen der Organisation nicht aufhören.

Das Buch entfaltet systematisch diesen Ansatz und erschliesst Schritt für Schritt neuartige und überraschende Sichten auf die Organisation. Insbesondere neuartige Ph&äuml;nomene, wie etwa Netzwerke, Outsourcing oder Kooperationen erschliessen sich in diesem Lichte im Rahmen einer koh&äuml;renten Theorie. Anf&äuml;nglich f&äuml;llt es dem Leser möglicherweise etwas schwer, sich an die neuartige Sprache dieses Ansatzes zu gewöhnen, weil er im Vergleich zur traditionellen Sicht in der Tat auf einem ver&äuml;nderten Paradigma beruht. Wenn man sich aber auf die Lektüre einl&äuml;sst, erschliesst sich jedoch zunehmend die überraschende Fruchtbarkeit und der Facettenreichtum dieses Ansatzes. (JF)

Picot, A.,/Reichwald, R./ Wigand, R.
Die grenzenlose Untemehmung Information, Organisation und Management
Gabler Verlag, Wiesbaden, 1996, 579 S., DM 68.-

Es wird immer schwieriger, Unternehmen als in sich geschlossene Gebilde zu identifizieren. Die immer enger werdende kommunikative Vernetzung mit Märkten und anderen Unternehmen weicht Grenzen zwischen «innen und aussen» zunehmend auf, und der Titel des «Lehrbuchs zur Unternehmungsführung im Informationszeitalter» trifft ins Schwarze. Dabei wird die altbekannte, aber wichtige Tatsache, dass Unternehmen, Märkte und Gesellschaft sich durch Kommunikation konstituieren durch die rasante Leistungssteigerung bei den Informations- und Kommunikationstechnologien (IuKT) wieder ins Bewusstsein gerückt.

Die Autoren spannen in klarer Sprache und unaufgeregter Weise einen weiten thematischen Bogen auf: von Organisationstheorien über Modelle der Information und Kommunikation, von technologischen Potentialen der IuKT, hin zu neuen Formen der Marktkoordination in elektronischen Märkten. Entgegen der heute immer noch häufig anzutreffenden Technikgläubigkeit weist das Buch auf die fehlende direkte Korrelation zwischen IuK-Technikeinsatz und erzeugtem Wert hin. Vielmehr besitzen die beschriebenen Informations- und Kommunikationsmodelle ein beträchtliches betriebswirtschaftliches Anwendungspotential für die Erklärung und Diskussion der verschiedenen Kommunikationsstörungen in und zwischen Unternehmen, und zwar unabhängig vom Einsatz von IuKT.

Schliesslich entdecken die Autoren die menschliche Arbeit als primäre Unternehmensressource wieder. Führungskräfte müssen im Informationszeitalter den «Faktor Mensch» mit seinen psychologischen und sozialen Eigenschaften in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit rücken. Nach der Lektüre des reichhaltigen und im besten Sinne des Wortes interessanten Buches wird klar, dass die Autoren hier keine Plattitüde aussprechen.

 

Sabine Grinda/Ansgar Pieper/Josef Strötgen/Maike Süthoff
Erfolgreich Reorganisieren. Management und Controlling von Veränderungsprozessen
Institut der Deutschen Wirtschaft, 50942 Köln, Postfach 51 06 69, Köln 1997, 327 Seiten, (Handring-Buch incl. einer CD-ROM), DM 11.50

Dieses Handbuch entstand aus dem vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekt WideO (Wirtschaftlichkeit dezentraler Organisationsentwicklung - Dokumentation von Kosten, Nutzen und Verfahren).

Moderne (dezentrale) Organisationsformen sind nicht mehr allein durch Anordnungen und Detailkontrollen zu führen, sondern mehr durch die Vereinbarung von Zielen. Die Frage entsteht, ob derart angelegte Prozesse ohne zentrales Controlling nicht «aus dem Ruder laufen» bzw. wie kann man solche Strukturen dennoch effektiv steuern und entwickeln.

Die Projektgruppe beantwortet diese Fragen durch die Begleitung von 5 Reorganisations-Projekten in Unternehmen vor Ort. Das generelle Prinzip lautet: sorgfältige und systematische Planung und Entwicklung solcher Reorganisationsprojekte (Ziele setzen, Gruppen entwickeln, Selbstkontrolle usw.).

Aber in dem Handbuch sind die Antworten viel detaillierter und erfahrungsbasiert. Viele kopierfähige Folienvorlagen und Arbeitsblätter stellen die Zusammenhänge und notwendigen Arbeitsschritte übersichtlich dar.

Der Preis ist für dieses Handbuch noch mehr als spottbillig, der Nutzen aber exponentiell höher.

 

Ansgar Pieper (Hrsg.)
Mehr Erfolg in der Unternehmensnachfolge. Fälle und Einfälle für Berater
Institut der deutschen Wirtschaft, Postfach, 51 06 69, 50942 Köln, Fax Nr. 0221-4981-854, 2001, ca. 150 Loseblatt-Seiten


Dieser Werkzeugkasten in Buchform ist als Nachschlagewerk angelegt, das Beratern dabei helfen soll, Fälle zu strukturieren, Probleme hinter den Problemen zu erkennen und Lösungswege zu erkennen. Es werden viele authentische Fälle dargestellt, Arbeitshilfen dazu geboten (z.B. über Aufstellungen der Organisation und Beziehungen), Rollen der Berater erörtert u.v.m. Der Ringordner ist sehr gut strukturiert, und als Sahnebonbon gibt es hervorragende Karikaturen aus dem Buch des Kölner Universitätsverlages "Nix geregelt. Unternehmer und ihre Nachfolger".

Viele Berater werden heute mit dem Problem der Nachfolgeregelung konfrontiert und sind schon von der Dynamik her häufig überfordert, einen hilfreichen Zugang zu Verfahren und Strategien der Problemlösung zu finden. Das Buch wendet sich nicht nur an OE- und UE-Berater, sondern auch an Berater in Kammern, Verbänden und Wirtschaftsförderungsinstituten. Durch die Anlage als Ringbuch kann es in jedem Kapitel mit eigenen Arbeitshilfen und -verfahren ergänzt werden.

Michael Kleinaltenkamp, Wulff Plinke (Hrsg)
Markt- und Produktmanagement. Die Instrumente des Technischen
VertriebsSpringer-Verlag 1999, 731 Seiten, DM 179.–/ ÖS 1307.–/ SFR 162.–

In der Reihe «Technischer Vertrieb» veröffentlicht der Springer-Verlag fundierte Beiträge, die vielfach auf wissenschaftlichen Ausarbeitungen aus dem Weiterbildenden Studium Technischer Vertrieb der FU Berlin beruhen, in dem man sich sehr um eine zeitgemässe Deutung der Rolle des Technischen Vertriebs im heutigen Business-to-Business-Geschäft bemüht. So auch dieser Band, der einen guten Überblick über das Aufgabenspektrum im technischen Produktmanagement bietet. Differenziert wird auf Methoden und Ansätze in der Gestaltung des Leistungsprogramms, der Distributionsleistung und der Kommunikationsleistung eingegangen. Zwei ergänzende Kapitel zur Gestaltung des Leistungsentgelts und zur Vertragsgestaltung runden das Ganze ab.

Dieses Wissen wird auch für Organisationsentwickler zunehmend relevant, da sich der Brennpunkt der unternehmensbezogenen Veränderungsprozesse immer mehr von der Gestaltung der internen Prozesse (und damit auch der Beschäftigung mit den inneren Funktionsgruppen) hin zur Befassung mit den Grenzbeziehungen der Unternehmen verlagert – womit auch die Zielgruppe der Aussendienstmitarbeiter ins Blickfeld rückt. Die gewachsene Aussendienst-Kultur mit ihren Elementen der Einzelkämpfermentalität und weitgehend technischen Orientierung steht den erforderlichen Veränderungsprozessen noch vielfach «sperrig» gegenüber. Die Probleme dieser Transformationsprozesse sind nicht explizit Gegenstand des Buches, es bietet dafür aber eine inhaltliche Grundlage, die auch in die spezifische Terminologie dieses Prozessfeldes einführt.

 

Peter Hommelhoff/ Klaus J. Hopt/ Axel von Werder (Hrsg.)
In Gemeinschaft mit Dieter Feddersen und Klaus Pohle
Handbuch Corporate Governance. Leitung und Überwachung börsennotierter Unternehmen in der Rechts- und Wirtschaftspraxis
Verlage Otto Schmidt Köln und Schäffer-Poeschel Stuttgart 2003, 811 Seiten , Euro 99.95, ISBN 3-504-30011-6 und 3-7910-1997-X

Im Jahre 2002 hat eine Regierungskommission aus Managern, Wissenschaftlern und Beratern den Deutschen Corporate Governance Kodex vorgelegt. Der Kodex ist schon eigenartig, weil er einerseits als Mittel der Selbstregulierung angepriesen wird, d. h., die Befolgung ist freiwillig, aber die Unternehmen müssen publizieren, ob sie sich daran halten. Einer der Autoren (Hommelhoff) postuliert, dass diese "Vorschrift" im Aktiengesetz verfassungswidrig sei, weil der Bundestag nicht auf einer ausgewogenen Zusammensetzung der Kommission bestanden habe.

Es ist das Ziel dieses Handbuchs, ein Standardwerk zu schaffen, das sich an Wissenschaftler ebenso wie an Praktiker richtet und den Themenkomplex interdisziplinär in seinen rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten umfassend ausleuchtet.

Behandelt werden:

  • Regelungsquellen und Regelungsebenen der Corporate Governance
  • Corporate Governance durch Mitbestimmung
  • Vorstand und Aufsichtsrat: Strukturen, Besetzung, Aufgaben, Organisation, Vergütung
  • Kernprozess der Corporate Governance im Unternehmen: Das Zusammenspiel von Vorstand und Aufsichtsrat
  • Die Rolle der Banken bei der Corporate Governance
  • Corporate Governance und Unternehmensübernahmen
  • Besonderheiten in internationalen Unternehmen und Konzernen
  • Transparenz und Prüfung der Corporate Governance in Unternehmen: Rechnungslegung, Abschlussprüfung und Kommunikation
  • Evaluation und Sanktionierung der Corporate Governance: Anteilseigner, Selbstkontrolle, Staatsaufsicht.


Der interdisziplinären Grundstruktur des Werkes entspricht auch die hochkarätig besetzte Herausgeber- und Autorengemeinschaft, an der zahlreiche bekannte Vertreter aus Wissenschaft und Praxis beteiligt sind. Und dem interdisziplinären Ansatz trägt auch die Zusammenarbeit der beiden beteiligten Verlage Rechnung, deren Kompetenzfelder Wirt- schaftsrecht auf der einen und Wirtschaftswissenschaft auf der anderen Seite sich in diesem Werk ideal ergänzen.

Wichtige Beiträge sind der von Axel v. Werder zu den ökonomischen Grundfragen der Corporate Governance, der auch durch seine Thesen zur Mitbestimmung in diesem Kontext (siehe Internet-Seiten) bekannt wurde. Das Werk ist in Teilen sehr ideologielastig, wenn beispielsweise der Siemens-Vorstand H.-J. Neuburger eine Einschränkung der Arbeitnehmer-Mitbestimmung im Aufsichtsrat fordert. Der Beitrag von W. A. Oechsler zur Qualifikation und personellen Besetzung des Vorstands und Aufsichtsrates ist ohne Zweifel wichtig und lesenswert, wie etliche andere Beiträge auch.

Insgesamt bietet dieses Werk auf der Basis eines Zusammenwirken von Ökonomen und Juristen den besten Überblick über dieses auch in unserer Zeitschrift heftig diskutierte Instrument für eine bessere Führung und Kontrolle in Unternehmen. (KT)


MICHAEL HAUSDORF/ERICH POLZER
Die Führungskraft als Coach. Trainingsbausteine zur Gestaltung von 2–3-tätigen Seminaren
Managerseminare Verlags GmbH, Bonn 2004, 222 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-936075-15-8


Auf der einen Seite müssen Mitarbeiter von Vorgesetzten wirkungsvoll gefördert werden, um gute Leistungen zu erbringen. Auf der anderen Seite ist das Coaching von Mitarbeitern durch die Führungskraft vom Setting her schwieriger als das durch externe Coaches. Es gibt Misstrauen über die Verwendung der im Coaching erhaltenen Informationen hinsichtlich der Konsequenzen für die jährlichen Beurteilungen, nächste Karriereschritte usw.. So konzentriert sich das Coaching durch Vorgesetzte meistens auf eine Unterstützung bei übertragenen Aufgaben, Projektmanagement und kritischen Entscheidungs- oder Problemlösungs-Situationen.

Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung und auch Training der Führungskräfte, damit die Fehlerquellen minimiert werden. Das Ziel dieses Buches ist es, das erforderliche Analyse- und Methodenwissen für die Führungskräfte bereit zu stellen.

Die geschäftsführenden Gesellschafter von STS-Bildungseinrichtungen machen dafür in diesem Buch ihr langjähriges Berater-Know-how für insgesamt drei Lesergruppen verfügbar: Personalentwickler profitieren von variierbaren Konzeptvorschlägen für die interne Schulung ihrer Führungsmannschaft. Trainer wiederum erhalten zur Bereicherung ihres bestehenden Trainingsdesigns eine Sammlung von 59 methodischen Impulsgebern. Der geschulten Führungskraft wiederum stehen Analysetools, Checks und Selbsttests für die erfolgreiche Umsetzung von Mitarbeiter-Coaching zur Verfügung.

Die Trainingsbausteine bieten eine breit angelegte Palette an Themen, angefangen vom Führungsprozess, über das Führungsverhalten und Mitarbeitermotivation, bis hin zur Erarbeitung des eigenen Coach-Profils mit den dazugehörigen Selbsttests. Den Abschluss bilden Elemente zum Coaching-Prozess, insbesondere zum Ablauf des Coaching-Gesprächs.

Typisch für alle Bücher der beiden Autoren ist das abschliessende Kapitel: Dort erhalten die Trainingsdienstleister unter den Lesern Argumentationshilfen für eine wirkungsvolle Vermarktung des Trainingsthemas. Schliesslich sind diese angesichts knapper Bildungsbudgets immer stärker gefordert, ihre Auftraggeber vom geldwerten Nutzen der Massnahmen zu überzeugen.

Es ist ein schlichtes Werkzeug-Buch, an einigen Stellen eher trivial und schematisch. Aber es vermittelt doch sehr nützliche Trainingsbausteine und konzeptionelle Hinweise. Von daher ist es der genannten Zielgruppe auch zu empfehlen. (KT)

 

MARION BÖNSCH, KATHRIN POPLUTZ
Stolpersteine meistern. Schwierige Seminarsituationen in den Griff bekommen
Windmühle, Hamburg 2003, 199 Seiten, ISBN 3-922789-90-0


Fast jeder, der im Organisations- und Personalentwicklungsbereich tätig ist, hat es schon erlebt - Seminarsituationen, in denen es nicht mehr läuft und Konflikte die konstruktive Lernarbeit zu blockieren scheinen. Die beiden Autorinnen haben solche verfahrene Situationen aus der Praxis von TrainerInnen gesammelt und zu typischen Problemsituationen verdichtet. Vor dem Hintergrund eines an TZI orientierten Analyserasters werden dann unterschiedliche Bewältigungs- und Reaktionsmöglichkeiten aufgezeigt, wie solche schwierigen Situationen aufgelöst werden können.
Für Diejenigen, die sich ihre "Seminarroutinen" erst noch aneignen, bietet das Buch ganz nützliche Anregungen, zumal es nicht den einen Weg, sondern verschiedene Möglichkeiten eröffnet. Checklisten mit reflektierenden Fragen zur jeweiligen Situation bieten weitere Hilfestellungen. (HM)

 

TONY PORTER
Technology, Governance and Political Conflict in International Industries.
Routledge Verlag, London, 2002, 195 S.


Porter untersucht die Bedeutung von Technologien für die Organisation und Governance internationaler Industrien. Im ersten Kapitel geht es um Begriffe und Konzepte, die helfen, die komplexen Beziehungen von Technologien, Staaten und internationalen Industrien zu erfassen. Technologie wird dabei als soziale Kategorie verstanden, da sie Regeln (z.B. Standards) mit materiellen Artefakten (z.B. Computern) kombiniert, und damit - oft unbewusst - erheblichen Einfluss auf menschliches Denken und Handeln ausübt.
Diese Theorien wendet Porter dann auf die langfristigen Entwicklungen der "grossen Industrien" an (Baumwolle, Stahl, Elektrotechnik, Chemie, Automobil- und Halbleiter-Industrie). Dabei identifiziert er die evolutionären Entwicklungsphasen "Entstehung", "Wachstum" und "Reife", in denen jeweils spezifische Konstellationen und Abhängigkeiten zwischen den Akteuren dominieren, die widerum spezifische Implikationen für die wirtschaftlichen Institutionen haben. Aus wirtschaftlicher Sicht zeigt sich die praktische Bedeutung der Theorien insbesondere in der abschliessenden Identifikation und Analyse von Grundmustern industrieller Entwicklungspfade.
Als Governance-Phänomen der Gegenwart stellt Porter die Herausforderung des staatlichen Monopols über die Gestaltung, Mobilisierung und Regulation sozialer Verhältnisse durch alternative Konzepte heraus. Diese können zentralisiert sein (z.B. multinationale Unternehmen) oder dezentrale Formen aufweisen (z.B. das Internet oder die internationalen Finanzmärkte). Nur die historische Nähe zum 19. Jahrhundert, in dem die Macht der Nationalstaaten ihren Zenit hatte, ist für Porter der Grund, warum wir Staaten heute oft als die beste Form zur Organisation von Gesellschaft ansehen. Wenn der Zeitgeist durch das Gefühl permanenter und schneller Veränderung geprägt ist, dürfte das Buch besonders für diejenigen Leser interessant sein, die hinter der Vielfalt von Phänomenen nach sinnstiftenden Theorien suchen, die Hintergründe erhellen, und Orientierungsmöglichkeiten bieten. Diesen Zweck dient Porter vorzüglich. Insgesamt ist das Buch wieder ein Beleg für die Klasse der Routledge Serie "advances in international political economy". (HP)

 

GERNOT GRABHER/WALTER W. POWELL, EDS.
Networks
Edward Elgar Publishing Ltd., Cheltenham UK, 2004, 2 Bände mit 596 und 690 Seiten, 305 £, ISBN 843760355


Diese beiden Bände sind eine wertvolle Sammlung von einsichtsvollen und wegweisenden Aufsätzen zur Entstehung, Struktur und Dynamik von Netzwerken, die in den letzten Jahren in ganz unterschiedlichen Quellen erschienen. Die Sammlung enthält Fallstudien, empirische Untersuchungen, theoretische Begründungen und zahllose Beispiele für Anwendungsfelder, die Autoren umfassen bekannte Namen von Williamson über Granovetter bis hin zu John Seely Brown. Im ersten Band sind Texte versammelt, die sich konzeptionell mit Netzwerken aus der Perspektive von Governance und Steuerung befassen. Hinzu kommen Beiträge, die ihre Aufmerksamkeit auf die Funktionsbedingungen solcher Strukturen richten, Austauschbeziehungen, Kohäsion, Identitätsentwicklung sowie Macht und Kontrolle. Der zweite Band enthält Aufsätze zu Fragen der Wissensdiffusion und Lernprozessen, der Mobilisierung von Ressourcen in Netzen, der Verbreitung von Innovationen und Zugängen zu Netzen. Schliesslich werden Typologien von Netzwerken betrachtet, informelle Netze, Projektstrukturen, regionale Cluster und Netzwerke in Wirtschaftsbetrieben. Die Aufzählung macht vielleicht andeutungsweise klar, wie breit die Thematik inzwischen diskutiert wird. Sie belegt auch die grosse Relevanz von Netzwerken als Kooperations- und Kommunikationsform, die neben Hierarchie und Märkten tritt. Die beiden Bände legen davon Zeugnis ab und stellen daher ein «Muss» für Theoretiker und Praktiker dar, die sich mit Organisationen und Organisationsveränderungen befassen. Sie werden hier reichlich Anregungen finden, Zusammenhänge erhellt bekommen und Hintergründe verstehen. (JF)

 

Alfred Janes / Karl Prammer / Michael Schulte-Derne
Transformations-Management. Organisation von Innen verändern
Springer Verlag, Wien / New York, 2001, 264 Seiten


Orientierung darüber zu gewinnen, welche Veränderungskonzepte Berater wie Manager in ihrer Praxis leiten und welche Optionen und Risiken sich daraus ergeben, ist zentral für das konsistente Gestalten von Veränderungen in Unternehmen - und damit für ihr Gelingen. Die Autoren leisten mit ihrem konzisen Buch wichtige und pointierte Begriffserklärungen. Insbesondere entwickeln sie als drei idealtypische Veränderungsansätze in ihrer Unterschiedlichkeit zueinander heraus: die Organisationsentwicklung (Zieloffenheit, partizipationsorientierte prozesshafte Steuerung), Changemanagement ("von aussen" vorgegebene Ziele und pointierter Zeitrahmen) und Transformationsmanagement als integrierendes Konzept, das die Eigenlogik des Systems (OE) aktiv mit externen Inputs und von aussen vorgegebenen Zielen verknüpft, den Transformationsprozess aber rekursiv steuert.

Dieser dritte Ansatz ist als Antwort auf den radikaler gewordenen und schneller zu realisierenden Veränderungsbedarf in Organisationen zu verstehen. Zugleich geht es darum, aus den in der Praxis erwiesenen Schattenseiten des OE Konzeptes (Dauer und Beharrungstendenzen) einerseits und des Changemanagement-Konzeptes (Implementierungswiderstände, übersehene Systemlogik) Impulse für das Modell des Transformationsmanagements zu entwickeln. Die theoretische Fundiertheit und die grosse praktische Erfahrung der Autoren als Berater und Gestalter solcher Prozesse macht die Lektüre dieses Buches sehr gewinnbringend.

Anhand dreier Fallstudien (Arbeiterkammer - Bayer AG Leverkusen - Daimler Chrysler AG Gaggenau) beschreiben sie jeweils drei spezifische Settings: Transformation von innen durch Strukturinputs (Organisationsdesign), durch Begleitung (Prozessdesign) und durch Reflexion, Qualifikation von "Keyplayern" (Lerndesign). Wer sich als Leser auf die differenzierten Casestudies einlässt, hat viel davon: die Autoren ergänzen die konkreten Beschreibungen von Architektur und Prozess mit den jeweils angewandten Theorien und Modellen und ihrer eigenen sowie der Auswertung des Projektes durch Kunden bzw. Auftraggeber.

Das Zusammenspiel zwischen Managern, internen und externen Beratern wird darin sehr deutlich, sehr pointiert und klar auch das Selbstverständnis und einige grundlegende Interventionen der Autoren als systemisch orientierte Berater solcher Transformationsprozesse. Daher grosse Leseempfehlung für Changemanager und Berater.

 

Müller H.-E./ Prangenberg A.
Outsourcing-Management, Handlungsspielräume bei Ausgliederung und Fremdvergabe
Bund-Verlag Köln 1997

Unter dem Motto «Schneller – schlanker – flacher – kundenäher» standen viele Organisationstransformationen der letzten Jahre. Und für nahezu jedes Unternehmen, das sich mit seinem organisatorischen Redesign beschäftigte, bildete das «Outsourcing» von Unternehmensfunktionen eine mögliche Organisationsalternative.

Für die strategische Option einer «Konzentration auf das Kerngeschäft» bietet Outsourcing ein scheinbar universell taugliches Patentrezept. Die Frage des «make or buy» wird jedoch häufig nicht immer ausreichend sorgfältig reflektiert sondern gerne auch als «Glaubensbekenntnis» verwendet.

Die beiden Autoren Müller und Prangenberg aus dem Umfeld der Hans Böckler Stiftung des DGB haben die Vor- und Nachteile dieses organisatorischen Modetrends empirisch kritisch unter die Lupe genommen: Konnten die erwarteten positiven Effekte in den Unternehmen tatsächlich realisiert werden oder führt Outsourcing mehr zu einer (teilweisen) Amputation so mancher Kernkompetenz, die nach Hamel/Prahalad die Wurzeln des Erfolgs eines Unternehmens bildet?

Die beiden Verfasser illustrieren anhand mehrerer Beispiele, dass bei Auslagerungsentscheidungen häufig nicht alle versteckten strategischen Nachteile ausgewogen mitbilanziert werden. In einem praxisnahen Vorgehensmodell wird ein ganzheitliches Raster angeboten, das die Vernachlässigung von wichtigen Einzelaspekten verhindern soll.

Im zweiten Teil, dem «Sourcing-Management», wird die Organisationsalternative des Outsourcings vor der Hintergrundfolie mehrerer bekannter strategischer Konzepte erörtert. Für den Kenner nicht wirklich neu, aber durch die reichhaltige Illustrierung mit Fallbeispielen aus der deutschen Industrielandschaft sehr leserfreundlich aufbereitet.

Im dritten Teil werden die positiven und die negativen Outsourcing-Erfahrungen anhand detailreicher Fallstudien (von Siemens, Volkswagen, Lufthansa, ABB, Digital, Stadtwerke und aus dem Bankenbereich), die teilweise von unternehmensinternen Co-Autoren dargestellt werden, sichtbar gemacht.

Alles in allem kann dieses Buch allen jenen Lesern und Leserinnen nützlich sein, die sich mit der Frage des Outsourcings oder des Insourcings beschäftigen. Mir hat an diesem Buch besonders die Kombination einer verständlichen betriebswirtschaftlichen Darstellung mit einer empirischen Fundierung durch die Auswertung von 70 Praktiker-Workshops und die kritische aber nicht ideologisch verengte Einstellung der dem DGB-nahestehenden Autoren gefallen.

 

Andreas Preissner
Balanced Scorecard anwenden. Kennzahlengestützte Unternehmenssteuerung
Hanser Pocket Power, Reihe Controlling, München/Wien 2003, 128 Seiten Euro 9.90, ISBN 3-446-22258-8

Es gibt grössere, es gibt dickere und es gibt teurere Bücher zu diesem Thema. Die meisten davon sind aber nicht besser. Es freut mich immer wieder, wie gut es der Pocket-Reihe des Hanser-Verlags gelingt, wichtige Konzepte kompakt und prägnant darzustellen und praxisgerecht aufzuarbeiten. Dies lässt auf ein gutes Händchen bei der Auswahl der Autoren schliessen.

Auch in diesem Band gelingt es dem Autor, die Entwicklung einer Balanced Scorecard Schritt für Schritt darzustellen. Gut ist, dass nicht nur mit den sonst üblichen 08/15-Messgrössen gearbeitet wird, sondern mit differenzierten praktischen Anwendungsbeispielen. Sicherlich findet in diesem Büchlein keine vertiefende Reflexion des Instruments BSC statt. Aber als praxisnahe und preiswerte Darstellung des Konzepts ist der Band zu empfehlen.

 

CORNELIA WEBER/ALFRED PREUSS
Potenzialorientiertes Coaching
Klett-Cotta, Stuttgart 2006, 263 Seiten, Euro 23, ISBN 3 608 89039 4


Potenzialorientierung im Coaching heißt für die beiden Autoren, dass jeder Klient gleichsam über schlummernde Ressourcen verfügt, die ihm aber aufgrund von Fehlleitungen und Prägungen im Charakter nicht voll zu Verfügung stehen. Das Buch ist in erster Linie ein systematischer Praxisleitfaden, der darauf zielt, diese Muster zusammen mit dem Coachee zu erkennen und zu verändern. Die Autoren tragen im Wesentlichen systematisch zusammen, was hier aus ihren langjährigen Erfahrungen wirksam und erfolgreich war. Das gilt auch für die Verwendung von Theorie-Bausteinen, die von ihnen recht pragmatisch verwendet werden. Ebenso erfahrene Berater werden hier also nichts grundlegend Neues finden.

Das Werk ist aber gleichwohl lesenswert, weil man durch die vielen praktischen Beispiele, die sehr gelungene didaktische Aufbereitung und die anschauliche Visualisierung von komplexeren Zusammenhängen viele Anregungen findet, etwa für den Einstieg in eine Coaching Begegnung oder für einen laufenden Prozess. Die Darstellungen der Autoren lassen sich zum Teil auch ohne weiteres in Coachings übertragen, etwa um Klienten Zusammenhänge oder Hintergründe zu erläutern und zu vergegenwärtigen. Man kann das Buch häufiger zur Hand nehmen, etwa wenn man sich auf eine Sitzung vorbereitet, etwas darin herumblättern, herum lesen und es zum Einstieg in die eigene Ideenfindung für eine geeignete Vorgehensweise verwenden. (JF)


Birger P. Priddat
Moralischer Konsum. 13 Lektionen über die Käuflichkeit
S. Hirzel Verlag, Stuttgart/Leipzig 1998, 236 Seiten, DM 42.–

Dieses Buch handelt von Fragen der Moral, des Konsums, der Kaufhandlung und Verwandten. Seine `Lektionen' sind weniger Vorlesungen als Essays: Sie enthalten Gedanken, die man gewöhnlich nicht zu lesen bekommt, Fragen der Moral werden nicht immer moralisch, und Fragen der Ökonomie werden nicht immer ökonomisch behandelt». So beginnt der Autor, Professor für VWL und Philosophie an der Privatuniversität Witten/Herdecke sein originelles und auch amüsantes Buch, was nicht nur die 68er interessiert, wenn er seine eigenen Erfahrungen dieser Generation bezüglich der Themen Moral und Konsum beschreibt.

Natürlich hat das auch sprachlich excellente Buch eine Gliederung und thematische Bündelungen. Aber die sind eigentlich nicht entscheidend für die Bearbeitung der These, dass sich Moral im Konsumverhalten ausdrückt. Es werden nämlich viele Antwortversuche auf Fragen gemacht, die sich normalerweise niemand stellt: Warum deutsche Häuser hässlich sein müssen/warum Biertrinken ein mentales Phänomen ist/ warum sich Deutsche so ungern bedienen lassen/warum man heute mehr weg wirft als früher/warum man Trinkgeld gibt/ob man Arbeit, Werte und Manager kaufen kann, usw. usf.

Ja, man soll fröhlich und munter konsumieren, aber bitte nicht mit einer bigotten Moral. Etwas Reflektion ist schon sinnvoll. Man soll zu seinen Süchten und Verführungsschwächen schon stehen. Letztlich handeln wir doch alle rationaler als wir denken.

 

Tom Davenport / Gilbert Probst (Hrsg.)
Knowledge Management Case Book - Siemens Best Practises
Wiley VCH-Verlag, Weinheim/Publicis MCD-Verlag München 2000, 270 Seiten


Man muss sich in das - englisch geschriebene - Buch schon einarbeiten, um seinen Nutzen zu erkennen. Gegliedert ist das Buch in 4 Teile mit jeweils mehreren Fallberichten. In "Knowledge Transfer" kreisen die Fallstudien um die zentrale Frage, wie relevantes Wissen identifiziert und an die Stellen gebracht wrden kann, an denen es benötigt wird. In "Communities of Practise" geht es um das Teilen von Wissen und den schwierigen Prozess, eine Balance zu finden zwischen dem Management einer solchen Community und dem Grad ihrer Selbstorganisation. Im Abschnitt "Added Value of Knowledge Management" befassen sich die Fallstudien mit Prozessen der Wissensanwendung, in "Measuring Knowledge Management" schliesslich mit der Frage, wie Wissensbeiträge gemessen und belohnt werden können.

Die einzelnen Fallstudien sind von durchgängig gutem Niveau - man spürt, dass sie nicht einfach zusammengestellt , sondern für das Buch erarbeitet wurden. Dass der Stolz der Siemens Knowledge Worker auf das Knowledge Management ihres Unternehmens immer wieder durchscheint, während die kritische Reflexion etwas unterbleibt, ist bei einem solchen Buch zu verschmerzen.

 

Hans-Jürgen Probst
Balanced Scorecard leicht gemacht
Verlag Ueberreuter Wirtschaft Wien, Frankfurt 2001, 224 Seiten


Zugegeben: schon der Buchtitel hat mich skeptisch gemacht. Erstens ist die Einführung eines strategischen Steuerungssystems in Organisationen nicht leicht. Jeder, der tatsächlich schon damit zu tun hatte - sei es als Führungskraft oder als Berater - weiss, dass es intensiver Kommunikation und Abstimmung bedarf, um aus strategischen Perspektiven strategische Ziele der Subeinheiten zu entwikkeln und geeignete Messsysteme zu gestalten, die die Strategie wirklich stützen, dass sich da auch einiges in den Köpfen ändern muss.

Zweitens: warum sollte es auch leicht sein, wenn ein Unternehmen daran geht, seine Zukunft langfristig und nachhaltig zu sichern. Muss die Botschaft an die Führungskräfte und vor allem das obere Management nicht eher lauten: Macht das nicht so nebenbei, macht es vernünftig oder garnicht. Schliesslich ist ein Unternehmen keine Fast-Food-Pommes-Bude.

Das Buch bestätigt die schlimmsten Erwartungen. Da wird viel rumschwadroniert, ohne irgendetwas zu klären. Ohnehin taucht Balanced Scorecard nur als Stichwort auf, um alten Berater-Kaffee aus den letzten Jahrzehnten wieder neu aufzuwärmen. Verräterisch ist schon ein Satz aus dem Vorwort: "Alles wird beleuchtet". Wer alles beleuchtet, erhellt wenig. (HM)

 

Kuno Schedler/ Isabella Proeller
New Public Management.
Verlag Paul Haupt; Bern/Stuttgart 2000, (UTB-Taschenbuch), 299 Seiten, DM 34.80

New Public Management (NPM) ist der Oberbegriff, der weltweit relativ einheitlichen «Gesamtbewegung» der Verwaltungsreformen. Es gibt nicht ein NPM-Modell, sondern zahlreiche nationale Ausprägungen. Die deutsche Variante des NPM ist das Neue Steuerungsmodell (NSM), das speziell für den kommunalen Bereich entwickelt wurde. In der Schweiz und in Österreich spricht man von «Wirkungsorientierter Verwaltungsführung (WOV)». Obwohl die Literatur zu diesem Thema seit den 90er Jahren immer reichhaltiger wird, fehlt es an brauchbaren und hilfreichen Übersichten für Einsteiger ins Thema, die die wichtigsten Zusammenhänge des NPM aufzeigt. Das will dieses Buch leisten, und es tut es auch.

Es hat einen starken betriebswirtschaftlichen Bezug und stellt die Inhalte und Aufgaben der öffentlichen Verwaltung, ihre Krisen und dann die Grundprämissen des NPM dar. Danach folgen die strategischen, strukturellen und prozessualen Elemente im Konzept des NPM, was auf den Entstehungskontext, die Universität St. Gallen hindeutet. Zentrale Inhalte sind die ergebnisorientierte Steuerung durch Leistungsvereinbarung von Wettbewerb und Marktmechanismen. Dann werden die Potentiale Wissen, Human Potential und Technik, also Informations- und Personalmanagement erörtert. Abschliessend werden auf 30 Seiten die kulturellen Aspekte im Konzept des NPM dargestellt, sowie die internationalen Entwicklungen.

Als Übersicht und für Einsteiger ein sehr nützliches und empfehlenswertes Buch.

 

Chris Provis
Ethics and Organisational Politics
Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2004, 288 Seiten, 59,95 £, ISBN 1-8437-6784-8

Im Zentrum dieses Buches stehen Dilemma-Situationen von Führungskräften, die sich "irgendwie" entscheiden und diese Entscheidungen ggfs. auch kommunizieren müssen, etwa wenn Informationen noch vertraulich sind, andererseits aber Offenheit gefordert wird. Oder wie geht man mit einer Situation um, in der kulturell bedingt "Geschenke" zum Geschäftsgebaren gehören, aber im "Code of Conduct" des Unternehmens jede Form von Bestechung untersagt wird? Wie vereinbart sich politisches Taktieren mit der Notwendigkeit, in komplexen Organisationen zuweilen Interessen abzuwägen und Koalitionspartner suchen zu müssen? Natürlich gibt es für solche Fragen keine einfache oder klare Antwort. Der Autor zeigt aber, dass ein Unternehmen gleichwohl normative Richtlinien formulieren sollte. Sie geben einmal Verhaltensbandbreiten an und signalisieren den Führungskräften auch, dass dem Unternehmen diese Thematik wichtig ist und Handlungshilfen gegeben werden sollen. Die wichtigste Wirkung von Normen besteht aber darin, dass auf diese Weise erst das Widerspruchsfeld des Dilemmas aufgespannt wird. In diesem Spannungsfeld muss sich jeder einzelne Akteur für eine Option entscheiden, die er für sich vertreten kann. In der Kommunikation der Entscheidung kann er dann die Optionen verdeutlichen sowie die entscheidenden Beweggründe für die Wahl, so dass für die Betroffenen das Dilemma und das Ringen um eine Entscheidung nachvollziehbar werden, wenngleich sie auch hätte anders ausfallen können. Das Buch ist flüssig geschrieben und verbindet auf gelungen Weise fundierte Theorie und viele praktische Beispiele. (JF)

 

Harald Pühl (Hrsg.)
Supervision und Organisationsentwicklung Handbuch 3
Leske + Budrich, Opladen 1999, 493 Seiten, DM 88.–

Die klassischen Arbeitsfelder von Supervision sind sichtlich in Bewegung geraten. Ausgelöst durch die sich zusehens verschärfende Finanzkrise des Staates sowie vieler staatsnaher Einrichtungen geraten viele Organisationen dieser gesellschaftlichen Bereiche (Krankenhäuser, Altenpflege, Wohlfahrtseinrichtungen, Sozialfürsorge etc.) unter einen für sie in dieser Schärfe neuen Effizenzdruck. Die dadurch angestossenen Reorganisationsmassnahmen bringen vielfach das historisch aufgebaute und ohnehin recht prekäre Gleichgewicht zwischen den dort arbeitenden Professionen (Ärzten, Pflegekräfte, Lehrer, Sozialarbeiter, Therapeuten etc.) und den organisationsverantwortlichen Führungskräften erheblich durcheinander. Denn Organisationsveränderungen haben ohne ein verstärktes Wahrnehmen von Führungsfunktionen, für die es gleichzeitig eine breite Akzeptanz zu gewinnen gilt, keine Chance. Die damit eingeleitete Suche nach einem neuen integrativen Verhältnis von Professions- und Organisationslogik berührt ganz nachhaltig den bisherigen Stellenwert von Supervision, die sich in der Vergangenheit ja primär der Qualitätssicherung professioneller Arbeit in solchen Einrichtungen verpflichtet gefühlt hat. Hier ist eine Repositionierung angesagt, zumal für die anstehenden Organisationsentwicklungsaufgaben vielfach andere Beratungsprofessionen herangezogen werden.

Das recht sorgfältig edierte Buch gliedert sich in vier grosse Abschnitte. Am Beginn spannt der Herausgeber gekonnt das gesamte Themenfeld auf. Dann folgen Beiträge von P. Heintel sowie von Ch. Morgenroth und O. Negt, die aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive aktuelle gesellschaftliche Veränderungen mit kritischem Engagement beleuchten und ihre Überlegungen gleichsam als Hintergrundfolie für alle an Reflexion orientierten beratenden Berufen zur Verfügung stellen. Der nächste Abschnitt ist dem Fokus Supervision gewidmet und enthält eine Reihe von interessanten Beiträgen, die in Summe eine gelungene Standortbestimmung abgeben. Der Abschnitt mit dem Fokus Organisationsentwicklung präsentiert wohl eine Reihe wichtiger Aspekte, die diese Art von professioneller Orientierung beleuchten. Aber er lässt letztlich doch eine fundierte Auseinandersetzung mit der gerade laufenden Diskussion um die künftige Rolle von OE vermissen (vgl. dazu das seit dem Heft 3/98 laufende Forum in dieser Zeitschrift). Den Abschluss bilden Arbeiten, deren Intention es ist, am Beispiel unterschiedlicher Praxisfelder (Psychiatrie, Hochschule, Altenarbeit, Jugend- und Sozialarbeit, öffentl. Verwaltung, Schule, Wirtschaft) die Innovationskraft von Supervision und OE zu zeigen. Insgesamt bietet der Band reichhaltige Anregungen für die aktuellen professionspolitischen Auseinandersetzungen wie auch für die Orientierungssuche angesichts neuer Herausforderungen im Feld.

 

PÜHL HARALD (HRSG.)
Mediation in Organisationen. Neue Wege des Konfliktmanagements: Grundlagen und Praxis.
Leutner-Verlag, Berlin 2003


Harald Pühl, einer der bekanntesten Repräsentanten der Supervisionsszene in den deutschsprachigen Länden, hat sich in den letzten Jahren zunehmend der Mediation in Konzeptualisierung und Ausbildung zugewandt. Das vorliegende Buch gibt Auskunft über weite Verbreitung dieses Beratungsansatzes. Dabei überzeugt es dadurch, dass Pühl und seine variantenreich ausgewählten Autoren nicht bei allgemeiner Beschreibung dieses Konfliktmanagementansatzes stehen bleiben, sondern sehr detailliert ihr jeweiliges Vorgehen beschreiben. Pühl ist es gelungen, unterschiedlichste Einsatzgebiete der Mediation aufzuzeigen: Vermittung zwischen Tarifparteien - Betriebsrat und Unternehmensleitung (P. Knapp & A. Novak), Mediation in der Organisation Schule (K. Waniorek), Konflikte durch Unternehmensfusion (H. Özdemir) und Konfliktmoderation in der Teamentwicklung (A. Redlich). Mediation wird als Methodik bei Mobbingsprozessen vorgestellt (C. Kolodej) und als Möglichkeit der Hilfe in der Rollenklärung aufgezeigt (I. Heisig). A. Budde erläutert ihr Ausbildungsprogramm für betriebliche Konfliktlotsen als Teil eines intergrierten Konfliktmanagementsystems grosser Organisationen.
Ganz besonders hervorzuheben scheint mir der Beitrag von P. Heintel & G. Falck, Personalumbau: Wirtschaftsmediation am Beispiel eines Bankenkonfliktes, der durch seine Detailgenauigkeit des Vorgehens des Mediationsteams besticht. Ein wirklich hochgradig didaktisch sinnvoller Beitrag, da der Beratungsprozess minutiös dargelegt wird, den das Moderatorenteam begleitete. Neben der Darstellung ihrer methodischen Schritte, können wir Leser an den beraterisch-reflexiven Überlegungen teilnehmen, danke dafür! Anders als die häufig anzutreffenden kursorisch dargestellten "Fallbeispiele" ermöglicht ihr Beitrag den Lesern, Mediatoren quasi live bei der Arbeit zuzuschauen, eigene Überlegungen anzustrengen und sich immer wieder von den Profis überraschen zu lassen. Zu erwähnen ist die exzellente Analyse der Hintergründe ansteigenden Nachfrage nach Mediation im Wirtschaftsleben (doch lesen Sie selbst!).
Der Herausgeber versucht in einem abschliessenden Kapitel die Organisationsmediation in den Kontext zu verwandten Beratungsverfahren zu stellen. Diese absolut notwendige konzeptuelle Arbeit, gelingt ihm nur zum Teil. Ich möchte dies Harald Pühl jedoch nicht ankreiden, denn diese Aufgabe - so wichtig sie ist, so diffizil ist sie auch. Er hat einen Anfang gemacht. Die saubere Definitionsarbeit ist eine Aufgabe, die von der gesamten Community der Berater und Beraterinnen zu leisten ist und wir befinden uns noch auf dem Weg. Dieser sollte jedoch weiter beschritten werden - auch um dem Kunden mehr Transparenz im Beratungsdschungel zu ermöglichen, das Schindludertreiben mit Beratungskonzepten zu verhindern und last but not least - die Awareness für uns selbst, die wir in Organisationen arbeiten, zu erhöhen, was es denn nun genau es ist, was wir da gerade tun.


Karl Heinz Pullig
Innovative Unternehmenskulturen. Zwölf Fallstudien zeitgemässer Sozialordnung
Rosenberger Fachverlag, Leonberg 2000, 327 Seiten

Das Buch enthält mehr oder weniger ausführliche Fallstudien zu 12 Unternehmen, die hinsichtlich ihrer Sozialordnung als innovativ eingestuft werden. Sozialordnung meint dabei die gelebte Beziehungsstruktur innerhalb des Unternehmens als mit prägender Teil der Unternehmenskultur: sie wird hinsichtlich der Faktoren "dispositive Arbeitsgestaltung" (Regelung der Entscheidungs- und Koordinationsrechte und -pflichten und der damit verbundenen Kommunikations- und Koordinationsprozesse), "materiell-inhaltliche Arbeitsgestaltung" (Regelung der Arbeitsinhalte der Mitarbeiter und der Arbeitsbedingungen), "Vergütungssystem" und "Gestaltung der Eigentumsverhältnisse" analysiert.

Mit drei Ausnahmen (Siemens Nixdorf AG, MLP Finanzdienstleistungen AG und dm-drogerie markt) handelt es sich um kleinere Unternehmen mit bis zu 300 Mitarbeitenden, die sehr stark durch die Leitmotive der Unternehmerpersönlichkeit, oft aus einem christlichen bzw. anthroposophischen Hintergrund, geprägt sind. Kennzeichnend für diese Unternehmen sind in der Regel eine intensive Kommunikationskultur, partizipative Elemente der Mitverantwortung jedes Einzelnen sowie Mitarbeiterbeteiligungsmodelle - wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Positiv ist, dass in den Fallstudien keine heile Welt gezeigt wird, sondern durchaus auch kritische Stimmen aus der Belegschaft zu den Mitunternehmer-Konzepten und der ausgeprägten Kommunikationskultur referiert werden.

Insgesamt: ein anregendes Buch, speziell für kleinere und mittlere Familienunternehmen: man kann die Fallbeispiele nicht imitieren, aber man erhält Anstösse, über die eigene Sozialordnung und die eigene firmen-individuelle Unternehmenskultur nachzudenken.