Rezensionen 'St'

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Jürgen F. Studt
Nachhaltigkeit in der Post Merger Integration
Gabler Edition Wissenschaft 2008, 267 Seiten, Euro 49.90, ISBN 978-3-8349-1397-5

Jürgen F. Studt ist ein umfassende Studie zum Thema PMI gelungen. Seine Untersuchung versucht aufzuzeigen, mit welchen Maßnahmen eine PMI erfolgreich umgesetzt werden kann. Er weist deutlich daraufhin, dass die Zusammenführung von Unternehmen Veränderungen auf Ebene der harten und weichen Faktoren bedingen und eine nachhaltige PMI nur erreicht werden kann, wenn das damit einhergehende Change Management primär auf die wirtschaftlichen, organisationalen (inkl. sozialen) und qualifikatorischen Aspekte zielt. Die Erkenntnisse sind das Ergebnis seiner ganzheitlichen Beleuchtung des Themas: Erstens beruhen die Ausführungen auf einem interdisziplinärer Ansatz, der bewährte Management- und Führungsmodelle aus der Betriebswirtschaft (z.B. Business Process Reengineering, Nutzung von Synergien entlang der Wertschöpfungskette, Unternehmensstrukturen) und sozialwissenschaftliche Konzepte (z.B. Macht, Kultur) integriert und diese in einen sinnvollen Wirkungszusammenhang bringt. Zweitens werden die Perspektiven der Lösungen (z.B. Markenstrategie) und des Vorgehens im Integrationsprozess (z.B. Change Management) aufgegriffen. Drittens fließen theoretisch fundierte Überlegungen wie auch wertvolle Praxiserfahrungen ein. Eine Fallstudie dient der Illustration der Theorie sowie der weiteren Exploration des Themas. Die innovative Leistung des Buches besteht darin, dass es die Relevanz anerkannter Konzepte aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen für die PMI herausschält und verknüpft. Abgerundet wird die Studie mit organisationstheoretischen Überlegungen zur PMI und einer kritischen Würdigung.

Die Ausführungen sind logisch und klar strukturiert, die wichtigen Begriffe und Konzepte werden kurz vorgestellt und mit nützlichen Darstellungen illustriert. Dank der theoretischen Fundierung und dem empirischen Teil schafft es der Autor, die Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Aus diesem Grunde ist dieses Buch allen zu empfehlen, die sich in der Lehre, Forschung und/oder Praxis mit PMI befassen. (GS)

 

 

Ralph D. Stacey

Strategic Management and Organisational Dynamics
The Challenge of Complexity

FT Prentice Hall 2007 (5. Aufl.), 496 Seiten, Euro 55.99, ISBN 978-0273708117

 

Ralph Stacey ist Professor für Management in England und hat sich als einer der ersten seiner Zunft systematisch mit dem Thema Komplexität auseinander gesetzt. Sein Lehrbuch erschien in der ersten Auflage schon 1993, und seine Arbeit war damals wegweisend im Hinblick auf den Umgang mit Aussagen der Komplexitätstheorie, welche mit Schlagworten wie Chaos, Non-Linearität, und Complex Adaptive Systems verbunden ist.

In der nun vorliegenden fünften Auflage hat sich sein Ansatz gleichzeitig erweitert und verengt. Erweitert im Hinblick auf eine Einordnung der Komplexitätstheorie in eine grundsätzlich systemische Herangehensweise an Organisation, wobei auch die Kybernetik erster und zweiter Ordnung, die Psychodynamik von Organisationen, und die wichtigen Konzepte der „bounded rationality“ und „strategy as process“ berücksichtigt werden. Verengt hat sich sein Ansatz insofern, als er komplexitätstheoretischen Aussagen – und einem „systemischen“ Ansatz überhaupt – nur noch sehr beschränkte Aussagekraft für die Organisationswirklichkeit zuweist. Stattdessen werde diese fundamental durch Kommunikationshandeln von Menschen gestaltet, welches er mit seinem Modell der „responsive processes“ zu beschreiben versucht. Er hat somit, kurz gesagt, den Menschen und das soziale Handeln in der Organisation (wieder) gefunden. Organisationen sind halt keine Maschinen, und sie sind nicht mathematisch beschreibbar. So weit so gut – als Beispiel für die Lernkurve eines Vordenkers, welche von der Faszination der Mathematik über die Ausweitung in systemische Modellwelten hin zur zentralen Bedeutung des mitmenschlichen Alltagshandelns führt. Leider greift er in dessen Beschreibung dann jedoch zu kurz. Er ignoriert kurzerhand die sozialwissenschaftliche Organisationslehre und behilft sich stattdessen mit der Kommunikationstheorie G.H. Meads aus den dreißiger Jahren. Das ist für Praktiker dann noch anschaulich, aber er verpasst den Anschluss an die zeitgemäße Debatte. (MK)

 

RALPH STACEY, ED.
Experiencing Emergence in Organizations
Local Emergence and the Emergence of Global Pattern


Routledge, London and New York 2005, 205 Seiten, GBP 19.99, ISBN 0 415 35133 2

Die Beiträge dieses Sammelbandes gehen der Frage nach, wie Organisationen in ihren komplexen Umfeldern und mit ihren eigensinnigen internen Akteuren dennoch Steuerungs- und Koordinationsleistungen hervorbringen können, um sich zu entwickeln und zu überleben. Die Autoren zeigen, dass Strategien oder politische Konzepte nicht zentral, basierend auf höheren Einsichten oder Macht, erfunden und umgesetzt werden. Vielmehr sind sie das Ergebnis der Kommunikation in lokalen Beziehungen, aus denen sich globale, um- fassende und orientierende Muster herausbilden. Dieser Zusammenhang wird als Emergenz bezeichnet. Die praktisch orientierten Autoren, Berater und Führungskräfte, zeigen in ihren Beiträgen konkret, wie aus dieser konzeptionellen Perspektive Selbstorganisation und verantwortliches dezentrales Handeln begriffen und gefördert kann. Die Beispiele stammen aus Unternehmen und der Politik. Interessant sind besonders zwei Aufsätze, die sich mit der sozialen Formbestimmtheit von Technologien und ihren Rückwirkungen auf soziale Beziehungen befassen. Die Texte sind Belege aus praktischer Erfahrung, aber gleichwohl mit einem hilfreichen und verständlichen konzeptionellen Verständnis hinterlegt. Leser, die sich mit Komplexität bzw. Konflikten in Verbindung mit den Themenbereichen Führung, Entwicklung und Beratung von Organisationen befassen, werden hier originelle Perspektiven und anregende Beispiele finden. (JF)

 

DOUGLAS GRIFFIN/RALPH STACEY, EDS.
Complexity and the Experience of Leading Organizations
Routledge, London and New York 2005, 208 Seiten, GBP 19.99, ISBN 0 415 36693 3


Dies ist gleichfalls ein aufschluss- und erkenntnisreicher Sammelband, der sich mit der Verarbeitung von Komplexität in Organisationen und insbesondere mit der damit zusammenhängenden Entwicklung von Führungsrollen beschäftigt. Die Autoren beschreiben und untersuchen die kommunikativen Prozesse, in denen die Redner und Akteure ihre Realität mit gemeinsamem Sinn erfüllen. Niemand kann sich außerhalb dieser Prozesse und der dort kreierten Muster stellen. Auch die Führungsrolle beruht dementsprechend auf einem kontinuierlichen (co-created) Fortgang der Aushandlung und Interpretation von Fremd- und Selbstwahrnehmung. Diese spezifische Rolle entfaltet sich nachhaltig in offenen Entscheidungssituationen, wo sich zeigt, wer in der Lage ist, die sinnstiftende Interpretation eines Problems oder eine erleuchtende Idee auszulösen und die Gruppe gleichsam mit auf die Reise zu nehmen. Die Beiträge der Autoren, die wiederum konkrete Erfahrungen aus praktischer Führungs- und Beratungsarbeit einbringen, beziehen sich in drei Beiträgen auf die Lösung von Konflikten und Paradoxien in offenen Problemlösungsprozessen. Sie arbeiten dabei die Bedeutung und Wirkungen von gemeinsamen Werten und Normen in der Führungsrolle heraus. Der Zusammenhang von Reflexivität und Führung wird in zwei Beiträgen bearbeitet, die über Erfahrungen mit Coaching sowie mit Qualifizierungen von Führungskräften berichten. Die beiden Herausgeber leiten den Band mit einem grundlegen- den Text ein, der die generellen Anforderungen an Führungsrollen in modernen Organisationen herausarbeitet. Insgesamt ein gut lesbares und kohärentes Werk, das sich durch eine gute Ergänzung von Konzeption und Anwendung auszeichnet. (JF)

 

DOUGLAS GRIFFIN/RALPH STACEY, EDS.
A Complexity Perspective on Researching Organisations
Taking Experience Seriously
Routledge, London and New York 2005, 206 Seiten, GBP 19.99, ISBN 0 415 35131 6


Die hier und im Folgenden vorgestellten vier Sammelbände beruhen auf einem gemeinsamen Forschungs- und Praxiskonzept am Complexity and Management Centre der Business School in Hertfordshire. Ihre Repräsentanten und die Autoren begreifen Organisationen weniger als formale Systeme, sondern als verwobene Netze kooperativer und kompetitiver Beziehungen von Einzelakteuren und Gruppen, in denen sie laufend ihre Realität deuten und Handlungen koordinieren. Sie bringen gleichsam zwangsläufig sinnstiftende Muster und Deutungen hervor, die sich generalisieren, aber auch korrigieren. So entstehen einerseits relativ verlässliche Kontexte, zum anderen aber auch Grundlagen für neue Fragen in offenen und konfliktreichen Entscheidungssituationen, die kreative Antworten verlangen. Organisationen, Abläufe und Strategien werden also nicht von oben her vorgegeben und umgesetzt. Sie werden interpretiert, bewertet und modifiziert, verändern sich also laufend und werden mit neuem Sinn erfüllt. Nur auf diese Weise kann es – so die Autoren – laufend gelingen, lokal und konkret auf offene Fragen und Probleme Antworten zu finden. Diesen Ansatz bezeichnen seine Vertreter als «complex responsive process of relating». Die Führungsrolle wird in diesem Konzept folgerichtig darin gesehen, für hinreichend Offenheit zu sorgen, um neue dezentrale Sinnbildungsprozesse zu initiieren, gleichzeitig aber auch für die Herausbildung von globalen Mustern zu sorgen, die gemeinsame Orientierung und kollektives Handeln ermöglichen. Der hier vorliegende Übersichtsband ermöglicht gleichsam einen Einblick in die Denkwerkstatt dieser Gruppe. Er leuchtet in verständlicher Form ihre systematischen, konzeptionellen und methodischen Hintergründe aus. Dabei folgen sie dem alten Grundsatz von Kurt Lewin, dass nichts praktischer ist, als eine gute Theorie. Interessanterweise greifen sie in ihrer Konzeptualisierung auf zwei Ikonen der westlichen Sozialwissenschaften aus den 30er-Jahren zurück, auf George Herbert Mead und auf Norbert Elias. Mead hat gezeigt, dass Menschen in ihrem Denken und Handeln «immer schon» die Wirkungen auf ihr soziales Umfeld antizipieren (gesture-response), woraus folgt, dass Bewusstheit ein sozialer Prozess ist, in dem Bedeutungen und Bedeutung aus einem Mix von eigenen und sozialen Bezügen entstehen. Der Beitrag von Elias ist bedeutsam, weil er verdeutlicht, dass wir in Beziehungen zu anderen von ihnen zugleich behindert und befördert werden. Daraus entstehen Gruppen- und Machtbeziehungen, die Grundlage bilden für das Gefühl und die Wahrnehmung von Zugehörigkeit und Identität. Beide frühen Konzepte verbinden die hier vorgestellten Autoren mit den Erkenntnissen der modernen Komplexitätsforschung. Die in diesem Band versammelten Beiträge beschäftigen sich auf diesen skizzierten Grundlagen mit den kategorialen Grundlagen, der empirischen Erfassung und der praktischen Steuerung von Organisationen. Er umfasst anfänglich zwei eher methodische Beiträge, gefolgt von einem Aufsatz, der den Zusammenhang von Organisationsberatung und -forschung thematisiert. Die nachfolgenden drei Beiträge handeln von Veränderungsprojekten, in denen die Autoren die Fruchtbarkeit ihres Ansatzes bei der Anwendung auf organisatorische Selbsttransformationen und der Entwicklung von Selbststeuerungskompetenz unter Beweis stellen. Das Buch liefert zahlreiche Anregungen für das Verstehen von Mustern und Verhalten in Organisationen, das Verstehen der Entstehung von spontanen Ordnungen in lokalen Interaktionen sowie der Veränderung solcher Muster. Es eignet sich daher insbesondere für Leser, die sich in Theorie und Praxis mit Veränderungen in Organisationen befassen und dort insbesondere Prozesse der Selbstorganisation verstehen oder gestalten müssen. (JF)

 

DOUGLAS GRIFFIN/RALPH STACEY, EDS.
Complexity and the Experience of Managing in Public Sector Organizations
Routledge, London and New York 2005, 197 Seiten, GBP 19.99, ISBN 0 415 36732 8


Dieser Sammelband überträgt die oben skizzierten Ansätze der Musterbildung und ihrer Veränderung auf Modernisierungsvorhaben in öffentlichen Organisationen. Die Beispiele stammen dabei primär aus dem Gesundheits- und auch aus dem Erziehungswesen, die eher konservativ sind und wenig Offenheit für Veränderungen zeigen. Die im Band dargestellten Fallbeispiele legen ein vielfaches Zeugnis davon ab, wie tradierte Behördenkulturen auf Change-Vorhaben reagieren, die mehr oder weniger «von Oben» diktiert werden. Die Autoren zeigen diesen Zusammenhang u.a. am Beispiel der Einführung von zentralen Controlling- und Leistungsförderungssystemen, die zum Teil massiv in die etablierten Organisations- und Arbeitskulturen eingreifen. Sie werden von den Betroffenen sehr selten verstanden oder gar akzeptiert. Die Anforderungen dieser Systeme werden daher ignoriert, verschleppt, unterlaufen oder vordergründig abgearbeitet. Gleichzeitig entstehen Ängste, Gefühle von Schuld, Enttäuschung und Zynismus. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel bildet die Darstellung der Einführung eines Konzeptes für Risiko-Management in einem Krankenhaus. Dieses Konzept erfüllte nicht die erhofften Erwartungen, einmal weil die reale Komplexität dort nicht abgebildet werden konnte, zum anderen weil die betroffenen Akteure es nicht zum Teil ihres professionellen Handelns machten. Dieses Verwirrspiel führt zu schweren Komplikationen und Irritationen, bis hin zum tragischen Tod eines Patienten. Die Bemühungen der Betroffenen richteten sich dann darauf, gleichsam die Spuren zu verwischen. Insgesamt entstand so eine verhängnisvolle, destruktive und paralysierende Kultur, die jede Orientierungsfunktion vermissen ließ. Wie dieses Bei- spiel eindrücklich verdeutlicht, werden Leser hier Anregungen finden, die mit der Führung und Beratung von Organisationen befasst sind und wenig Offenheit dafür vorfinden, übrigens auch in der Privatwirtschaft. (JF)

Christian Stadtler
Unternehmenskultur bei Royal Dutch/Shell, Siemens und DaimlerChrysler
Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004, 359 Seiten, Euro 40.-, ISBN 3-515-08339-1

Das Ziel dieser Arbeit ist es, ein tiefer gehendes Verständnis der kritischen Entwicklung von Unternehmenskultur in multinationalen Konzernen zu entwickeln und der Frage nachzugehen, wie sich das Unternehmenskulturverständnis im Laufe des 20. Jahrhunderts im Allgemeinen und bei den 3 Konzernen im Speziellen gewandelt hat. Ein wichtiges Thema ist auch, wie Kultur gemanagt wird (Seite 124ff).

Auf den ersten 140 Seiten wird das Kulturkonzept für Unternehmen dargestellt und die verschiedenen Ansätze analysiert. Ein Teil bildet auch die kritische Analyse der Kultur der 3 Konzerne, woraus das Gemeinsame und Verschiedene herausgefiltert wird. Und dann werden die Kulturen der 3 Konzerne ausführlich und auch nicht unkritisch dargestellt. Abschliessend werden die Transformationsprozesse der 3 Untenehmen im letzten Jahrhundert untersucht.

Das Buch ist ein schönes Beispiel dafür, wie Unternehmenskultur analysiert und in den wesentlichen Charakteristika dargestellt werden kann. Man erhält viele methodische und inhaltliche Hinweise für die eigene Herangehensweise an so eine Analyse. (KT)

Esther Hürlimann / Adrian Stähli
Die letzten Hürlimänner
Verlag Orell Füssli, Zürich 2000, 155 S

1997 wurde nach einer Fusion die Zürcher Traditionsbrauerei Hürlimann geschlossen und damit ein Familienunternehmen mit 160-jähriger Geschichte aufgelöst. Im vorliegenden Buch gehen die Publizistin Esther Hürlimann - selbst ein Mitglied der Brauer-Familie - und der Fotograf Adrian Stähli zwei Jahre später der Frage nach, was aus den Mitarbeitenden geworden ist. Die über 30 Porträts geben einen interessanten Einblick in die verschiedensten Leben, die nur eines gemeinsam haben: den Bruch durch die Betriebsschliessung. Sie geben aber auch Einblick in die Verschiedenheit eines Betriebes. Mitarbeitende mit den unterschiedlichsten Funktionen kommen zu Wort: Telefonistin und Pferdebetreuer, Brauer und Brauerlehrling, Personalchef und Gewerkschafter.

Natürlich entsteht das Bild eines alten Handwerks, natürlich ist von Berufsethos und abhanden gekommenen Werten die Rede. Aber das Buch ist mehr als Nostalgie. Es zeigt, wie die Prozesse zustande kamen aus der Sicht derer, die sie verantworten mussten, und wie sie erlebt wurden von denen, die die Entscheide zur Kenntnis nahmen. Die Porträtierenden machten auch vor oberen Chargen nicht Halt: der Direktor, der der Besitzerfamilie angehört; der Verwaltungsratspräsident, der die Fusion initiierte; der Geschäftsführer und Delegierte des Verwaltungsrates und andere Führungskräfte setzen sich nochmals mit der schwierigen Phase der Betriebsschliessung auseinander. Und schliesslich kommt auch der Zürcher Stadtpräsident stellvertretend für das betroffene Gemeinwesen zu Wort.

Wohltuend, aber auch provozierend ist, dass auf zusammenfassende Kommentare und Erklärungen verzichtet wird. Es gibt die Porträts, etwas Brauereigeschichte, ein Glossar zum Brauerhandwerk; nur dies. Ein Buch ohne Happy End. Eine distanzierte, dokumentarische Darstellung eines heute alltäglichen und für die Beteiligten doch so einschneidenden Geschehens. Ein Buch, das auf eindrückliche Art Komplexität übermittelt und Fragen offen lässt.

 

Eberhard Stahl
Dynamik in Gruppen. Handbuch der Gruppenleitung
Beltz PVU Verlag, Weinheim, Basel und Köln 2002, 400 Seiten

Im ersten Hauptteil des Buches legt der Autor das Gruppenentwicklungsmodell von Tuckmann (Forming, storming...) zugrunde und zeigt im Detail anhand einer durchgängigen Systematik, was eine Gruppe in diesen Phasen auszeichnet und wie ein Coach mit solchen Problemen umgehen kann. Im folgenden Hauptteil legt er zur Kategorisierung unterschiedlicher Gruppenstrukturen das Schema von Riemann/Thomann zugrunde, das Gruppentypen anhand der beiden Spannungsfelder Distanz/Nähe bzw. Kontinuität/ Wandel unterscheidet. Auch hier werden die einzelnen idealtypischen Formen im Detail charakterisiert und Anregungen für den Umgang mit ihnen gegeben. Der abschliessende Teil enthält zwei sehr ausführliche Praxisfälle. Das Buch verfügt über einen sehr klaren theoretischen Rahmen, der mit einer Fülle von ebenso klaren und einsichtsvollen Hinweisen über die Dynamik von Gruppen versehen wird. Die Sprache ist schnörkellos und um Verständnis bemüht. Das Buch ist pädagogisch hervorragend aufgemacht, enthält immer wieder Zusammenfassungen, Beispiele, Grafiken oder Übungen. Ein anregungsreiches und nützliches Buch für jeden, der mit Gruppen arbeitet und sowohl theoretisch fundierte als auch praktikable Hinweise und Anregungen sucht. (JF)

 

Heinz K. Stahl
Modernes Kundenmanagement. Wenn der Kunde im Mittelpunkt steht
expert-Verlag, Renningen-Malmsheim 1999, 209 Seiten, DM 59.–

Weil Kundenorientierung längst zum Schlagwort geworden ist, nimmt sich der Autor all die Begriffe vor, die sich das Wort «Kunde» einverleibt haben und versucht Kundennähe, Kundenbindung, Kundenbeziehung, Kundenzufriedenheit, um nur einige dieser Begriffe zu nennen, wieder einen Inhalt zu geben.

Da sich das Buch als Weiterbildungsbuch versteht, hat es mitunter einen etwas lexikalischen Charakter, was den Fluss der Lektüre gelegentlich stört. Dennoch kann es dazu beitragen, die Diskussion um das Thema Kundenorientierung zu fundieren und vor falschen Illusionen zu warnen, die sich mancherorts im Umkreis von Kundenzufriedenheits-Barometern breitgemacht haben. So können z.B. die Ausführungen zu den Stichworten «Kundenabwanderung» und «Kundenbewertung» dazu beitragen, wieder ein etwas realistischeres Bild zu gewinnen.

 

Peter M. Hejl/Heinz K. Stahl (Hrsg.)
Management und Wirklichkeit. Das Konstruieren von Unternehmen, Märkten und Zukünften.
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2000, 456 Seiten


Eine der Grundannahmen systemischen Managements liegt in der Auffassung, dass Wirklichkeit nicht von sich aus besteht, sondern vom jeweiligen Betrachter der Welt hergestellt, konstruiert wird. Das bedeutet, dass es nicht eine einzige, "wahre" Wirklichkeit gibt, sondern dass jeder Betrachter seine Wirklichkeit "erfindet". Für das Management von Unternehmen ergeben sich daraus folgende Fragen:

(1) Wie wird "Wirklichkeit" in und durch Unternehmen "konstruiert"?

(2) Wie verändert sich das Verständnis des Managements, wenn Unternehmen als Systeme verstanden werden, die "ihre" Wirklichkeit selbst erzeugen und sich in Teilen selbst regeln?

(3) Wie erscheinen aus einer solchen Perspektive Phänomene wie Vertrauen und Misstrauen, Zeit und Sachzwänge, die Rationalität von Managern oder die Rolle von Metaphern für die Organisation, für die Unternehmenskultur und für die Hierarchie?

(4) Welche Konsequenzen hat das z.B. für die Kommunikation im Unternehmen und nach aussen, für die Wirkung von Werbung oder für die Beziehung zwischen Kunden und Lieferanten?

Auf diese Fragen antworten hier neben den Herausgebern Peter M. Hejl und Heinz K. Stahl so renommierte Autoren, wie Dirk Baecker, Alfred Kieser, Niklas Luhmann, Gerhard Roth, Siegfried J. Schmidt und Rudolf Wimmer.

Es ist der grosse Verdienst der Herausgeber, die Möglichkeiten, Inhalte und die Wirkungen eines systemischen Managements aufzuzeigen und auch die Lernenden zu ermutigen.

 

Stalder, B. et al. (1997)
Frauenforderung konkret. Handbuch zur Weiterbildung im Betrieb.
Zürich: vdf Hochschulverlag, 356 Seiten plus CD-ROM

Die Bemühungen um Gleichstellung von Frau und Mann in der Arbeitswelt sind alt und kaum einer wird sich öffentlich dagegen wenden. Aber so recht vorwärts gehen will es nicht. Die Begründungen dafür sind ebenso zahlreich wie fadenscheinig und wir werden sie weiter zu hören bekommen. Einige Scheinargumente aber sind seit dem Vorliegen dieser Publikation unbrauchbar geworden. Die Argumente etwa, ein zeitgemässes Weiterbildungsmanagement und Gleichstellungspolitik vertrügen sich nicht, New Public Management habe keinen Platz für die spezifischen Anforderungen wie Frauenförderung oder gar die Ansicht, berechtigte Forderungen nach Gleichstellung seien schön und recht, aber nicht praktisch umsetzbar, was durch ihre mangelnde Realisierung hinlänglich bewiesen sei.

Nach der Lektüre dieses Buches kann derartiges nicht mehr mit gutem Gewissen behauptet werden. Es ist aufschlussreich, dass es drei gewichtige öffentliche Institutionen (das Eidgenössische Personalamt, die Fachstelle für Gleichberechtigungsfragen des Kantons Zürich und die Fachstelle für Frauenfragen der Stadtverwaltung Zürich) sind, die damit deutlich machen, dass zukunftsweisende Personalpolitik auf die Förderung der Potentiale von Frauen geradezu angewiesen ist. Neu ist letzteres zwar nicht. Neu jedoch ist die Aufbereitung, die von den Autorinnen geleistet wurde und ihre konsequente Ausrichtung auf praktische Umsetzbarkeit.

In einem umfangreichen ersten Teil (140 S.) belegt Beatrice Stalder die strategische Notwendigkeit, betriebliche Weiterbildung auf Chancengleichheit auszurichten. Dazu konzipiert sie ein differenziertes Modell der Programmentwicklung, das auch Elemente wie Qualitätssicherung und Optimierung vorsieht. Ausführlich wird dabei auf Fragen der häufig vernachlässigten Evaluation eingegangen: Indikationen, Durchführung und Auswertung werden für mehrere Instrumente zur Kurs- und zur Programmevaluation präzise präsentiert und nachvollziehbar begründet. Ähnliches gilt für die wichtige Akteursgruppe der Vorgesetzten, denen im Rahmen von Transferprozessen bekanntlich eminente symbolische und reale Beachtung zukommt. Ihnen wird durch die Diskussion und praktische Aufbereitung in Form von Checklisten für das Mitarbeitergespräch und Transfermanagement unmittelbare Unterstützung angeboten. Diesen Buchteil abschliessend stellt Beatrice Stalder Personalentwicklung und Bildungsmanagement in den grösseren Kontext von Gleichstellung im Betrieb. Die Realisierung von Gleichstellung wird als Indikator für die Entwicklungsfähigkeit von Organisationen beschrieben.

Der zweite Teil des Buches ist konkreten Erfahrungen mit Gleichstellungsprojekten und betrieblicher Bildungsarbeit gewidmet. Wie bereits im ersten Teil wird die theoretische Fundierung nicht ausgebreitet, sie ist eingeflossen in die Konzipierung der Projekte und Programme, bildet wie selbstverständlich das Rückgrat – in diesem Genre leider gar nicht so selbstverständlich.

Berichtet wird aus ganz unterschiedlichen Erfahrungsfeldern. Marie-Louise Ries erläutert prototypische Verläufe und Besonderheiten der frauenspezifischen Bildungsarbeit in Betrieben. Beatrice Bühlmann systematisiert Konzepte wie Praxisberatung und -begleitung, Supervision und Coaching, Teamentwicklung und Organisationsentwicklung. Sie beschreibt typische Abläufe und illustriert dies nicht zuletzt mit den Auseinandersetzungen, die sich dabei üblicherweise zwischen Männern und Frauen einstellen. Anita Fetz und Bennina Orendi haben mit einer öffentlichen Verwaltung ein Programm entwickelt, das auf die nonlinearen Laufbahnmuster von Frauen ausgerichtet ist. Ein hoch innovatives und zukunftsweisendes Programm, welches übrigens, nachdem es sich bewährt hatte, auch für Männer geöffnet wurde...

Ursula Bläser-Bysäth und Esther Kälin Plezer beschreiben massgeschneiderte und teambezogene Bildungsarbeit mit multikulturellen Arbeitsgruppen. Christina von Passavant beschäftigt sich, nachdem sie Ordnung in die Begrifflichkeit gebracht hat, mit Coaching von Frauen in Führungs- und Schlüsselpositionen. Carin Mussmann verbindet am Beispiel von Sekretariaten die Thematik mit Arbeits- und Organisationsgestaltung und macht damit deutlich, dass sich Frauenförderung, vermittelt über die Abläufe, Arbeitsteilung und Kompetenzverteilung im Arbeitsalltag ständig ereignen kann – oder eben nicht ereignet. Christina von Passavant plädiert in ihrem zweiten Beitrag für die effektive Einbeziehung von Frauen in die Gestaltung von Reorganisationsprozessen. Erst dies, so die plausiblen Ausführungen, stelle die notwendige Vorbedingung dar, dass Gleichstellungsanstrengungen auch wirklich greifen können. Christiane Schiersmann, die einzige Autorin, die nicht aus der Schweiz stammt, zieht kritisch Bilanz aus über 10 Jahren gleichstellungsorientierter berufsbezogener Bildungsarbeit in Deutschland. Der eher enttäuschenden Bilanz stellt sie eine mehrgleisige Strategie gegenüber.

Der dritte Teil des Buches wird als Tool-box angekündigt. Er enthält neben einigen Hintergrunddokumenten (Gesetzestexte sowie exemplarisch ein bereits praxiserprobtes Gleichstellungsprogramm) in kopierfähiger Form die Werkzeuge und Instrumente, die in Teil 1 vorgestellt wurden. Diese Unterlagen sind zugleich auf einer beigelegen CD-ROM enthalten, können also beliebig auf den spezifischen Fall ein-/angepasst werden, angesichts des üblichen Handlungsdrucks ein sicher geschätzter Service. Mit diesem Hilfsmittel, das Planung und Durchführung von Gleichstellungsmassnahmen, ihre konkrete Evaluation und die Öffentlichkeitsarbeit praktisch unterstützt, erweist diese Publikation sich endgültig als eigentliches Arbeitsbuch, das man nach der einmaligen Lektüre nicht getrost auf die Seite legen kann. Insgesamt ein theoretisch und konzeptionell fundiertes, Phantasie anregendes, Mut machendes und angesichts dessen, was als machbar vorgeführt wird, auch beschämendes Buch. Das Geld ist gut angelegt.

 

Rolf Bronner, Helmut Staminski (Hrsg)
Evolution steuernö Revolution planen. überdie Beherrschbarkeit von Veränderungs- prozessen
InnoVatio Verlag, Bonn 1999, 396 Seiten, DM 49,80

Der Mainzer Betriebswirtschaftler und ein Unternehmensentwicklungsberater haben ein Buch herausgegeben, in dem weitgehend in der Szene unbekanntere Autoren, auch aus der Praxis, wie otelo, VEW, A.T. Kearney, GTZ usw. den Wandel analysieren, Veränderungsprozesse beschreiben, die Rolle von Training und Beratung darstellen, Ergebnisse einer Expertenbefragung referieren und Konzepte für die Anforderung der Bewältigungen entwerfen. Aufbauend auf der Know-How-Darstellung werden also Gestaltungsempfehlungen abgeleitet.

Den Beiträgen ist vielfach anzumerken, dass sie weniger auf die Erfahrungen aus OE-Prozessen zurückgreifen, sondern aus einer Management-Perspektive heraus stammen. Erfrischend ist der Versuch, die Anlage und Dynamik von Wandel auch wissenschaftlich zu erfassen. Hierzu ist z.B. die Arbeit von Elke Weik zu nennen, die ja schon durch andere Arbeiten bekannt wurde, mit der sie der Philosophie Einzug in die angeblich so sachrationale Unternehmenswelt verschafft. So ist das Buch eher Managern und Studierenden als Beratern zu empfehlen.

 

Lionel F. Stapley
The Personality of the Organisation. A Psycho-Dynamic Explanation of Culture and Change
Free Association Books, London/New York 1996, 230 Seiten, DM 42.-

Der Autor will Beratern und Managern einen tieferen Einblick in das Wesen von Organisationen bzw. Organisationskultur vermitteln, um die Entwicklung von und das Verhalten in Organisationen einmal anders zu verstehen.

Dabei geht er von einer psychoanalytischen Deutung aus und erklärt damit die Psychodynamik von Organisationskultur. In diesem Kontext werden Organisation, Symbole, Lernprozesse, Sozialisation, Kreativität und Grenzen näher untersucht, woraus er seine Dynamik-Erklärungen konstruiert. Die «Persönlichkeit» ist daher weniger reduktionistisch gemeint, sondern bezieht sich eben auf die psychoanalytische Perspektive.

Ein höchst interessantes und wichtiges Buch für einen anderen als nur den systemtheoretischen oder betriebswirtschaftlichen Zugang zu diesem Feld.

 

SANTO CILAURO/TOM GLEISNER/ROB SITCH
LAURENCE J. GOULD/LIONEL F. STAPLEY/ MARK STEIN (HRSG.)

Experiential Learning in Organizations. Applications of the Tavistock Group Relations Approach
Karnac Books, New York, London 2004, 192 Seiten, Euro 40.–, ISBN 1-85575-979-0


Der rote Faden dieses Sammelbandes ist das Lernen durch Erfahrung, im Kontext des Tavi- stock Ansatzes von Autorität, Führung und Kultur. Das Buch der drei in den USA und England sehr bekannten Experten befasst sich beispielsweise auch mit der Geschlechterbeziehung und Rassenfragen.

Das Buch wurde zu Ehren von Eric J. Miller, einem der bedeutendsten Forscher und Anwender im Tavistock Institute herausgegeben, der vor 2 Jahren gestorben ist. Alle – auch ich – haben von seiner Art der Arbeit und seinem enormen Wissen und deren Vermittlung sehr viel gelernt.

In dem Buch sind so bekannte Autoren wie die Herausgeber, aber auch Larry Hirschhorn, Susan Long und der in München wirkende Ross A. Lazar vertreten, die sich eben mit den verschiedensten Aspekten des Erfolgslernens, Lernen in Gruppen, Lernen durch Konflikte, in verschiedenen institutionellen Rahmenbedingungen usw. beschäftigen. Dieser Ansatz, der in Deutschland eher unter «Psychodynamik» bekannt ist, ist ein Studium wert, weil er eben gerade für Personal- und Organisationsentwickler neue Perspektiven eröffnet. (KT)

 

LAURENCE J. GOULD/LIONEL F. STAPLEY/MARK STEIN
The Systems Psychodynamics of Organizations. Integrating the Group Relations Approach, Psychoanalytic, and Open Systems Perspectives.
Karnac Books, New York, London 2001, 227 Seiten, Euro 45.–, ISBN 1-892746-89-1


In diesem Sammelband geben viele der bekanntesten Vertreter des systemisch-psychoanalytischen Ansatzes des Tavistock Institutes Gelegenheit, sich mit den Basiskonzepten vertraut zu machen. Autoren sind beispielsweise Wesley Carr, der Dean der Westminster Kathedrale ist, oder der Israeli Samuel Erlich, ein excellenter Vertreter des Faches, oder auch der bekannte Anton Obholzer, der auch in Deutschland als Supervisor und Berater tätig ist.

In den einzelnen Kapiteln werden wesentliche Inhalte des Tavistock Ansatzes dargelegt wie Rollenberatung, Gruppenbeziehungen, Umgang mit Komplexität, Dilemmata des Wandels, Bedeutung der Kultur und Führung.

Ich weiss, dass dieser systemisch-psychoanalytische Ansatz hierzulande noch nicht so bekannt, verbreitet und in Anwendung ist, aber es lohnt sich m.E. schon, sich näher mit diesem Konzept zu beschäftigen, weil er in diesen Zeiten wirklich interessante und oft überraschende Hinweise liefert. (KT)

 

Elke Zwingmann / Walter Schwertl / Maria L. Staubach / Günther Emlein
Management von Dissens. Die Kunst systemischer Beratung von Organisatoren
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2000, 2. Auflage, 230 Seiten, DM 58.-

Die Autoren beraten als GesellschafterInnen des Instituts für systemische Theorie und Praxis in Frankfurt vor allem Nonprofit Organisationen. Bereits in der 2. erweiterten Auflage ist jetzt ihr Buch erschienen, in dem sie ihre Erfahrungen und Lehren für die systemische Beratung darlegen. R. Königswieser hat ein Vorwort zu dieser Sammlung von Fällen und theoriegeleiteten Reflektionen geschrieben. Die AutorInnen bieten anhand von Beispielen aus ihrer Beraterpraxis einen anschaulichen Einblick in die Arbeitsprozesse mit ihren Kunden. Der Blick über die Schulter der Berater macht deutlich, wie sie sich in die interne Logik der Kundensysteme einfinden und welche Stilmittel sie anwenden, um Kunden zur Lösung von Problemen in den Bereichen Führung, Kooperation und Teamentwicklung hinzuführen.

So ist ein Buch entstanden, was gerade in der Mischung von Reflexion in Praxis und Theorie den Lesern nicht nur viel nützliche Anregungen gibt, ihr tieferes Verständnis systemischer Beratung fördert, sondern auch Unterstützung gibt, Mut macht. Die am Anfang gebotenen Denkgrundlagen darüber, was «systemisch» ist, sind sehr klar und verständlich formuliert.

 

Elke Zwingmann / Walter Schwertl / Maria L. Staubach / Günther Emlein
Oszillodox. Virtualisierung ö die permanente Neuerfindung der Organisation
Klett-Cotta 2000
Stuttgart

Auf originelle Weise Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen und scheinbar selbstverständliche Annahmen über virtuelle Unternehmen gegen den Strich zu bürsten, ist Anliegen dieses Buches.

Die wesentliche Leitdifferenz der traditionellen Organisation von "oben und unten" wird abgelöst von der von "innen nach aussen" ö radikale Marktausrichtung, sensibles Grenzenmanagement und die Akzeptanz von kontinuierlich zu steuernden (nicht auflösbaren!) Organisationsparadoxien sind zentrale Managementthemen. Traditionelle Rationalitäts-, Steuerungs- und Kontrollvorstellungen werden damit noch deutlicher desillusioniert.

Ebenso deutlich wird das Fehlen von Managementmodellen und Praxiskonzepten für das, was sich im Managementsprachgebrauch bereits als "virtuelles Unternehmen" etabliert hat. Darum, das zu entwickeln, geht es beiden Autoren entlang von den Kernthemen Netzwerkmanagement, Arbeit in virtuellen Unternehmen und Kundenorientierung und Marktführung. Auf Basis der Systemtheorie entwickeln Littmann und Jansen im Modell fundiert und in Auseinandersetzung mit den aktuellen Organisations- und Steuerungstheorien Untersuchungsergebnisse. Beispiele und neue Modelle, z.B. Typologie virtueller Unternehmen, ihren Lebenszyklus, schaffen den Bezug zur Praxis. Grosse Leseempfehlung.

 

ERICH STAUDT U. A.
Kompetenzentwicklung und Innovation. Die Rolle der Kompetenz bei Organisations-, Unternehmens- und Regionalentwicklung
Waxmann Verlag, Münster 2002, 494 Seiten, Euro 29.90


Nach Fertigstellung aber vor Drucklegung dieses sehr praxisrelevanten Forschungsberichtes ist der ebenso kompetente wie engagierte, ja oft kämpferische Hauptherausgeber und langjähriger Leiter des Instituts für angewandte Innovationsforschung an der Universität Bochum leider verstorben.
Das mit Mittel des Europäischen Sozialfonds über das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungs- und Entwicklungsprogramm "Kompetenzentwicklung für den wirtschaftlichen Wandel" hat die Erkenntnisse des Paradigmenwechsels von der Weiterbildung zur Kompetenzentwicklung aufgegriffen und vertieft. In Bochum wurden insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Kompetenzentwicklung und Organisations-, Unternehmens- und Regionalentwicklung strukturiert. Das vorliegende Ergebnis ist nicht nur für die Forschung, sondern gerade und insbesondere für die Weiterbildung und PE in Unternehmen und sozialen Organisationen von allergrösster Bedeutung. Staudt und Kriegesmann legen gleich in den ersten beiden Beiträgen die Latte sehr hoch: in ihren Beiträgen zum "Zusammenhang von Kompetenz, Kompetenzentwicklung und Innovation" sowie zur "Weiterbildung": Ein Mythos zerbricht (nicht so leicht!)!
Weitere Aufsätze in diesem Kontext (Systemkompetenz und Innovation, Entwicklung der individuellen Handlungsfähigkeit u.v.a.) sind alle eine Fundgrube für die Gestaltung der Kompetenzentwicklung in organisatorischen und strukturellen, also sozialen Kontext.
Ich meine, dass dieser Sammelband allen Weiterbildungsexperten und Personalentwicklungsfachleuten dringend empfohlen werden kann, die schliesslich ein hohes Interesse daran haben müssen, über die Massnahmen und die Bedingungen für die Planung, Steuerung und Kontrolle von Kompetenzentwicklung in Wandelprozessen entscheidend Neues und konkrete Gestaltungsanleitungen zu erfahren.

 

Jörg Staute
Das Ende der Unternehmenskultur. Firmenalltag im Turbokapitalismus
Campus Verlag, Frankfurt/New York 1997, 222 Seiten, DM 44.–

Wie das, wird man sich fragen, wo doch heute alle auf die Bedeutung der weichen Faktoren hinweisen, Werte-Management propagieren und die vielen Reden von der Kultur bereits die Veränderungstechnokraten animiert? Nein, es geht nicht um den Sinn der Unternehmenskultur, sondern um die Kluft von Schein und Sein im Alltag. Um den rücksichtslosen ökonomischen (Ertrags-) Terror, um die schlechte Stimmung, den Verlust der Glaubwürdigkeit und was so alles an schönen Konzepten und Worten auf der Strecke bleibt. Das Patentrezept dagegen lautet: Offenheit. Und es wird noch konkreter: das rheinische Konsens-Modell wäre wünschenswert. Das könnte die vielen Lügen (der Kundenorientierung, Qualität usw.) und die Überforderung des Managements vermeiden bzw. überwinden helfen.

Dieser Autor hat noch nicht von dem lösungs- statt problem-orientierten, dem ressourcen- statt defizit-orientierten Ansatz im konstruktivistischen System-Kontext gehört. Er sollte es mal mit einem Seminar oder Buch versuchen. Ja, wir haben alle unsere Frustration, Pessimismus und Lamentierphasen. Aber muss ich daraus ein Buch machen? Und was nutzt es, die Unternehmenskulturen in depressiv, paranoid, narzistisch und schizoid zu klassifizieren, ausser für Analysezwecke.

Wenn Sie sich Ihren Frust von der Seele lesen wollen, dann los zum Buchhändler. Aber vielleicht sind DM 44.– besser in ein Essen mit einem dieser Ekel von Manager investiert, der Ihnen dann von seinen Zweifeln, Ängsten und Druck erzählt. Dann beginnen Sie zu verstehen – und dann ist mehr erreicht als durch die Lektüre des Buches.

 

Antje Steffen
Universitätskrankenhäuser im reformierten Gesundheitswesen. Multifunktionale Organisationen im Spannungsfeld von Krankenversorgung, Medizinforschung und Lehre.
Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2001, 287 Seiten

Die Probleme der Universitätskrankenhäuser sind mir aus eigener Beratungsarbeit vertraut. Hochkonservative (vor allem) leitende Ärzte, die sich heute häufig den Kaufm. Leitern (und deren einseitigem Kosten-Management) hierarchisch unterordnen, sich versteifendes und abgrenzendes Beziehungsmanagement der verschiedenen Funktionsgruppen usw. usw., sind nur ein Teil der ungelösten Probleme in diesen Trägerinstitutionen des medizinischen Fortschritts und Ausbildung.

Die Autorin untersucht in ihrer Dissertation einen weiteren Hemmnisfaktor für die Entwicklung und Effizienzsteigerung, die Gesundheitsstruktur-Reform von 1995 und ihre Folgegesetze.

Bezugnehmend auf die Institutionen-Ökonomie analysiert Antje Steffen die Reformmodelle der einzelnen Bundesländer im Kontext der komplexen rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen in der Hochschulmedizin. Die Autorin zeigt Zielkonflikte zwischen Gesundheits- und Wissenschaftspolitik auf und macht deutlich, dass die von den Bundesländern verfolgten Modell weitgehend strukturkonservativ sind und Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung nicht ausreichend nutzen. Innovative Vorschläge für ein Forschungsklinikum, ein ausseruniversitäres Forschungsinstitut, eine medizinische Fachhochschule und ein vernetztes Gesundheitszentrum werden entwickelt und kritisch diskutiert.

Gerade diese letzten Vorschläge und Empfehlungen enthalten viele praktische Hinweise, die zumindest als Diskussions- bzw. Willensbildungs-Grundlage dienen können. Und so was ist für die Lösung aus dem System-Clinch dringend notwendig. (KT)

 

KARL-HEINZ STEFFEN
Das wirtschaftliche Handeln der Kommunen auf dem Prüfstand
Rainer Hampp-Verlag, München und Mering 2001, 247 Seiten, Euro 27.20


Dass immer mehr Kommunen sich dem Bankrott näher, pfeiffen inzwischen nicht nur die Spatzen sondern gurren sogar die stadtbekannten Tauben von den Rathausdächern. Die Ineffizienz der Ökonomie des deutschen kommunikativen Sektors, die sich in einer hohen Verschuldungsrate und einem kontinuierlichen Rückgang der Investitionsquote niederschlägt, ist Ausgangspunkt des Buches von Steffen, der auf eine langjährige kommunale Erfahrung zurückblicken kann. Aus Sicht des Autors ist die Wirtschaftlichkeit des kommunalen Sektors unter Anwendung des richtigen ökonomischen Instrumentariums optimierbar, wenn - so seine Untersuchungsthese - eine umfassende kommunale Strukturpolitik entwickelt wird, die sich u.a. mit der Reduzierung des kommunalen Sektors und der Ökonomisierung der Kommunalverwaltung befasst und durch die Entwicklung einer kommunalen Qualitäts- und Wettbewerbspolitik sowie eines ökonomisch- strategischen Managements ergänzt wird.

Nach einer ausführlichen Darstellung und Analyse der Theorien und Konzepte aus dem kommunalen Reformprozess und der Entwicklung eines idealtypischen Kommunalprofils zeigt der Autor anhand von Untersuchungen und Fallbeispielen unterschiedliche Möglichkeiten auf, das wirtschaftliche Handeln zu optimieren:

  • Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen durch Privatisierung und Public Private Partnership
  • Beeinflussung der kommunalen Wirtschaftsstruktur durch gestalterische Einwirkungen und Entwicklung des kommunalen Marketings
  • Gestaltung der Gebühren (Präferenzaufdeckung)

    Produktivitätssteigerung durch Optimierung der institutionellen Infrastruktur und Verwaltungsreform

    Qualitätsmanagement und Wettbewerbspolitik

    Zu Recht weist der Autor am Ende seiner Darstellung darauf hin, dass die Realisierung dieser Möglichkeiten von der Qualität des ökonomisch-strategischen und des ökonomisch-operativen Managements abhängt. Und da ist noch einiges zu tun, um eine kommunale "Lernkultur" zu entwickeln, um die im Buch herausgearbeiteten Empfehlungen wirklich nutzen zu können. (HM)

     

    SCHOLZ, CHRISTIAN/STEIN VOLKER/BECHTEL, ROMAN, HRSG.
    Human Capital Management. Wege aus der Unverbindlichkeit
    Luchterhand Verlag, Neuwied 2004, 296 Seiten


    Wenn Mitarbeiter das viel beschworene wichtigste Kapital, insbesondere in der modernen Wissensökonomie sind, lässt sich dieser Wert dann irgendwie auch quantitativ berechnen? Das ist die Leitfrage des vorliegenden Bandes, die sicherlich originell, innovativ und wichtig ist, etwa wenn der Börsenwert oder der sog. Goodwill eines Unternehmens zur Diskussion steht. Die Autoren geben zunächst einen sehr breiten Einblick, welche unterschiedlichen Ansätze sich mittlerweile in diesem Zusammenhang entwickelt haben, erläutern was sie leisten und wo sie zu kritisieren sind. Dann stellen sie einen eigenen Ansatz vor, der Vor- und Nachteile der vorliegenden Konzepte vereinen, aber gleichwohl pragmatisch sein soll. Man kann das alles leicht kritisieren, aber jeder weiss, dass es hier nur um einen heuristischen Ansatz gehen kann, der sich der Problematik in einer verlässlichen und aussagefähigen Weise nähert. Dazu ist mit diesem Buch sicher ein Schritt in die richtige Richtung gelungen. Hervorzuheben ist nicht zuletzt die hervorragende didaktische Aufbereitung des Bandes und die zahlreichen Beispiele, die die Argumentationsführung immer nachvollziehbar erscheinen lassen. (JF)

     

    HORST STEINMANN/GEORG SCHREYÖGG
    Management. Grundlagen der Unternehmensführung
    6. Auflage, Gabler Verlag, Wiesbaden 2005, 952 Seiten, Euro 44.90, ISBN 340963312X


    Dieses umfangreiche und erfolgreiche Lehrbuch liegt in einer neuen Auflage vor. Das Buch wurde von den Autoren einmal in eine optisch ansprechendere Form gebracht, so dass die Lesefreundlichkeit deutlich verbessert ist. Zum anderen wurden die insgesamt 15 Kapitel des Bandes um wesentliche neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse bereichert, woraus nicht zuletzt deutlich wird, wie dynamisch sich das Wissensgebiet entwickelt. Die verschiedenen Abschnitte des Werkes befassen sich mit den konzeptionellen Grundlagen des Managements, mit den Prozessen von Planung und Kontrolle, Organisation und Führung sowie schliesslich mit Personalführung. Diese klassischen Teildisziplinen des Managements wurden in der neuen Auflage u.a. angereichert mit Erkenntnissen aus den Bereichen der Netzwerkforschung, des Change-Managements, des Wissensmanagements und neueren Konzepten aus der Diskussion über Führungsstile. Den Autoren ist es gelungen, auch schwierige theoretische Zusammenhänge verständlich darzustellen, optisch gelungen zu präsentieren und durch praktische Beispiel und Fallstudien zu ergänzen. Das Buch eignet sich ausgezeichnet als Nachschlagewerk für einzelne Themen oder Fragestel-lungen, umfangreiche Literaturverweise ermöglichen darüber hinaus eine vertiefte Auseinandersetzung. Aber auch wer Fallbeispiele oder Fallstudien sucht, wird schnell fündig werden. (JF)

     

    GORDON REDDING/BRUCE W. STENING
    Cross-Cultural Management
    Vol. I The Theory of Culture, Vol II Managing Cultural Differences, Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2003
    Vol. I, 707 Seiten, Vol II, 742 Seiten


    Diese beiden sehr umfangreichen Bände sind in erster Linie als Reader zu verstehen. Sie enthalten ausschliesslich Originalwiedergaben von klassischen Aufsätzen und Textausschnitten, die sich im Verlaufe der letzten Jahrzehnte mit interkulturellem Management befasst haben. Der erste Theorieband enthält etwa Darstellungen, die von Max Weber über Berger/Luckman und Karl Polanyi bis hin zu Hofstede und Granovetter reichen. Gleiches gilt für den zweiten Band, der sich mit mehr praktischen Aspekten des Themas befasst. Hier finden sich Klassiker, wie natürlich wieder Hofstede, aber auch Nancy Adler sowie Beiträge von bekannten Management-Theoretikern wie Moss Kanter oder Ghoshal. Beide Bände enthalten aber auch eine grosse Zahl von weiteren, durchaus auch neueren Beiträgen zum Thema, die in Zeitschriften und Textbänden veröffentlicht wurden, aber in Deutschland nicht so einfach zur Verfügung stehen. Insofern handelt es sich bei der vorliegenden Veröffentlichung um eine absolut wertvolle Quellensammlung, auf die immer wieder zurückgegriffen werden kann. Die Autoren haben lange und sorgfältig recherchiert und nicht nur eine sehr umfangreiche, sondern auch gut sortierte, repräsentative Zusammenstellung von unterschiedlichen Beiträgen zum Thema vorgelegt.

     

    Günter Müller-Stewens / Christoph Lechner
    Strategisches Management. Wie strategische Initiativen zum Wandel führen. Der St. Gallener General Management Navigator.
    Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2001, 587 Seiten


    Mit diesem neuen Lehrbuch soll ein Standardwerk für die universitäre Ausbildung und für die Weiterbildung von Führungskräften geschaffen werden, das das Entwickeln strategischer Initiativen sowie deren Umsetzung in Projekten organisatorischen Wandels direkt miteinander verbindet. Der General Management Navigator (GMN), also der übergreifende Bezugsrahmen soll dabei einerseits helfen, den Prozess der Strategiearbeit zu strukturieren, andererseits soll er Orientierungshilfe in einem äusserst komplexen Themenfeld bieten.

    Und ich meine, dass das den Autoren sehr gut gelungen ist, womit das Buch sicherlich zu einem Standardwerk strategischen Managements werden wird. Es hebt sich von ähnlichen Versuchen dadurch ab, dass es auf die langjährigen Forschungsarbeiten zur Theorie und Realisierung der Unternehmensentwicklung in St. Gallen zurückgreifen kann, und das Veränderungsmanagement als wesentlichen Umsetzungsfaktor in den Mittelpunkt stellt. Das 5. Kapitel über "Veränderung" ist dann auch für sich allein genommen schon ein Leckerbissen für OE'ler und UE'ler, weil es sowohl historisch als auch operativ die Konzepte des Wandels sehr gut zusammenstellt.

    Im 1. Kapitel wird der General Management Navigator in seinem Aufbau und den 4 plus 1 Arbeitsfeldern (Initiierung, Positionierung, Wertschöpfung, Veränderung und Performance-Messung) vorgestellt. Die Kapitel 2 - 6 vertiefen jeweils eines seiner 5 Arbeitsfelder. Und das geschieht mit sehr vielen Beispielen, Instrumenten, Tabellen, Grafiken und Anleitungen, so dass es immer griffig und lebendig bleibt.

     

    Thomas A. Stewart
    Intellectual Capital -The New Wealth of Organizations.
    Currency Doubleday, New York 1997, 261 Seiten, $ 27.-

    Der Begriff «Wissensmanagement» macht Karriere - Wissen als Kapital besonderer Art zu begreifen ist Voraussetzung, um eine adäquate Steuerungsarchitektur und wirksame Gestaltungsstrategien für Wissensmanagement als neuen Managementfokus zu entwickeln.

    Thomas Stewart, manchen vielleicht auch als pointierter, auch ironischer Analytiker aktueller Managementkonzepte des Fortune Magazine bekannt, widmet sich in seinem Buch «Intellectual Capital - The New Wealth of Organizations» dieser Thematik. Der Autor gibt zunächst einen Überblick über die Entwicklung zur Wissensökonomie, zum wissensbasierten Unternehmen und zum «Wissensarbeiter» und entwirft daran anknüpfend ein Konzept des «Intellektuellen Kapitals» - bestehend aus drei Elementen, die einander bedingen, miteinander interagieren müssen, um wirksam zu werden: Humankapital, Strukturkapital und Kundenkapital (bzw. «Relationenkapital»). Stewart beleuchtet die Charakteristika jeder dieser Kapitalformen und veranschaulicht an innovativen Beispielen, wie sich ihr jeweiliger Beitrag zum Wissensmanagement als Wettbewerbsvorteil gestalten lässt. Seine Autorenperspektive als Wirtschaftsjournalist, die pointierten Praxisbeispiele und ihre klare Reflexion verdeutlichen auch, welche Impulse Management für das Generieren und Nutzen von Wissen, d.h. intellektuellem Kapital setzen kann und wo sich Wissen direktem Wissensmanagement eben auch entzieht. Darin und in seiner Praxisnähe liegt vor allem der Gewinn bei der Lektüre dieses Buches.

    So geht Stewart beispielsweise ausführlich auf «Communities of Practice» als Plattformen der Wissensentwicklung ein, auf die Notwendigkeit von «Knowledge Managern» als Architekten und Impulsgebern für Wissensmanagement, Wissensflüsse («Wissen als Prozess») und Wissensbörsen speichern.

    Er beschreibt typische Fallen wie Überinformation und «push»- statt «pull» getriebener Wissenssysteme und entwickelt Gestaltungsstrategien, wie das Kapital in Kundenbeziehungen ( - das wäre wohl um andere Wertschöpfungspartnerrelationen zu erweitern -) genutzt und entwickelt werden kann. Den Abschluss bilden Ansätze für das Bewerten und Evaluieren dieser Kapitalformen. Insgesamt also grosse Empfehlung.

     

    Günter Müller-Stewens/Mathias Fontin
    Management unternehmerischer Dilemmata. Ein Ansatz zur Erschliessung neuer Handlungspotentiale
    Schäffer-Poeschel Verlag/NZZ-Verlag, Stuttgart/Zürich 1997, 72 Seiten, DM 48.-


    Die Schriftenreihe «Entwicklungstendenzen im Management» des Instituts für Betriebswirtschaft der Hochschule St. Gallen entwickelt sich immer mehr zu einer sehr wertvollen Quelle übersichtlicher, klarer, kurzer und preislich attraktiver Einführungen bzw. Unterstützungen für den Praktiker (siehe die Publikationen von Bleicher zu Leitbilder, den cashflow von Siegwart, Dienstleistungsmanagement von Lehmann usw.).

    Im vorliegenden Band handelt es sich um eine Hilfe für den Umgang mit Dilemmata, die in Zeiten erhöhten Wandels zunehmen. Die Arbeit beruht auf den Erkenntnissen der oben vorgestellten Dissertation von M. Fontin. Hier wird aber auf die praktische Darstellung von Fallstudien mit typischen Dilemmata fokussiert und es werden konkrete und wirklich sehr hilfreiche Workshop-Designs vorgestellt.

    Beide Bücher ergänzen sich bzw. unterscheiden sich in Tiefe und etwas in Praxisnähe, erzeugen also kein Erwerbs-Dilemmata! Man hätte sich für den Praktiker noch ein paar Seiten über die Werkzeuge der Dilemmata-Auflösung aus der Dissertation wünschen können, aber auch so wird sehr gut und eindringlich dargestellt, wie neue Handlungspotentiale in Unternehmen erschlossen werden können.

     

    Günter Müller-Stewens (Hrsg)
    Virtualisierung von Organisationen
    Schäffer-Poeschel Verlag/NZZ-Verlag, Stuttgart/Zürich 1997, 96 Seiten, DM 48.-

    Bei diesem Buch stimmt alles: Inhalt, Länge, Qualität, Lesbarkeit und Preis.

    Wenn Sie sich präzise und schnell über die Ursachen, die Grundzüge, die informations- und kommunikations-technologischen, Netzwerkmanagement- und Human-Ressourcen-Aspekte der virtuellen Organisation informieren wollen, kann dies Buch nur dringend empfohlen werden.

    Es wird von immer mehr Unternehmen eine extrem hohe Flexibilität verlangt, mit der Konsequenz, dass Unternehmen sich immer weniger in festen Strukturen und Prozessen betreiben lassen, sondern ein hohes Mass an Offenheit verlangen. Die Unternehmen virtualisieren sich.

    Das ist aber kein unabwendbares Schicksal, sondern sollte rechtzeitig proaktiv vorbereitet und gestaltet werden. Dafür bietet das Buch eine erste Unterstützung, d.h. Einführung, Übersicht und konkrete Anleitung. Für unser Fach (das Management des Wandels) ist es schon interessant, zu lesen, was man z. B. für und mit «heimatlosen» Mitarbeitern tun kann.

     

    CHRIS STEYAERT / DANIEL HJORTH, EDS.
    New Movements in Entrepreneurship
    Edward Elgar Publishing LTD, Cheltenham U.K. 2003, 365 Seiten, 69.95 £


    Ob Mitarbeiter als Unternehmer, Manager als Entrepreneure oder neuerdings die berühmte "Ich-AG", an vielen Stellen wird daran herumgerätselt, welche Geheimnisse hinter erfolgreichen Gründungen verborgen sind. Es lohnt sich daher auch für uns, einmal einen Blick auf die internationale Diskussion zum Thema zu werfen. Der hier vorliegende Sammelband mit unterschiedlichen Aufsätzen liefert dazu einen ausgezeichneten Querschnitt. Aus ihnen wird deutlich, dass wir zunächst mit dem Bild des einsamen, ideenreichen und durchsetzungsstarken Helden aufräumen müssen, dass noch auf Schumpeters Glorifizierung in seiner Konjunkturtheorie zurückreicht. Die Darstellungen der Autoren zeigen, dass auch Unsicherheit, Scheitern oder Glück ebenso dazu gehören, wie insbesondere die umfangreiche und weitreichende Vernetzung von Entrepreneuren, die ihnen Ressourcen, Informationen und nicht zuletzt emotionale Unterstützung gibt. Unternehmerische Chancen werden als Perzeptionen vorgestellt, die sich in Interaktionen verdichten und sich ihre eigene Wirklichkeit schaffen. Unterstrichen wird dabei auch die Wichtigkeit von regionalen Clustern und virtuellen Gemeinschaften, aus denen heraus innovative Ideen geboren und entwickelt werden. Innovation und erfolgreiche unternehmerische Projekte sind keine einzelnen Kraftakte, sondern vernetzte Projekte, das ist für mich die zentrale Anregung aus diesem Sammelband. (JF)


    Rolf Th. Stiefel
    Förderungsprogramme. Handbuch der personellen Zukunftssicherung im Management
    Rosenberger Fachverlag, Leonberg 2003, 430 Seiten, Euro 49.80, ISBN 3-931085-42-2

    Das Erfreuliche am Buch von Stiefel ist, dass es nicht den ganzen Sums der sonst üblichen Personalentwicklungsaktivitäten ausbreitet, sondern klar Stellung bezieht. Insbesondere seine Kritik am potentialdiagnostischen Zauber, der im Moment in vielen Organisationen krassiert, hat es verdient, innerhalb der PE ernst genommen zu werden. Wenn statt Potentiale zu entwickeln, sie fast nur noch gemessen werden, dann sind die Schritte zu einer falschen Lernkultur in Unternehmen schon gestellt.

    Ausgehend von grundsätzlichen Überlegungen zur Gestaltung einer strategieumsetzenden Personalentwicklung entwickelt der Autor in den 3 Kapiteln "System der Normierung, Zulassung, Auswahl und Einschätzung", "System des Lernens" und "System der Auswertung und der Verwertung des Lernens im Unternehmen" seine Vorstellung der Entwicklung einer sinnvollen, auf die Unternehmensstrategie bezogenen Lernkultur, und setzt sich streitbar mit Tendenzen auseinander, die seiner Meinung nach die PE in die Sackgasse führen. Insgesamt findet man hier viel Wichtiges, Richtiges und Erfrischendes - zumindest Dinge, an denen man sich reiben kann. Gegen Ende ufern die jeweiligen Kapitel immer etwas aus. Hier macht sich doch bemerkbar, dass das Buch viele früheren Veröffentlichungen zusammenfasst. Eine stärkere Konzentration auf die wesentlichen Aspekte hätte meiner Meinung nach dem Buch hier gut getan.

    Der Autor zitiert fast ausschliesslich angelsächsische Literatur, an deutschsprachiger eigentlich nur sich selbst. So als würde es in diesem Sprachraum ansonsten keine relevante Literatur zu diesen Themen geben. Bei mir ruft dies den Eindruck eines Alleinstellungsanspruchs hervor, der etwas den Eindruck bei diesem ansonsten wichtigen und empfehlenswerten Buches trübt.


    Andrea Back/ Oliver Bendel/ Daniel Stoller-Schai
    E-Learning im Unternehmen. Grundlagen - Strategien - Methoden - Technologien
    Orell Füssli Verlag, Zürich 2001, 310 Seiten, CHF 64.-/EURO 38.50, ISBN 3-280-02749-7

    Wurde das Buch aus dem Klett-Cotta-Verlag als gute Einführung charakterisiert, so wäre dieses Buch - übertragen gesprochen - als Fortgeschrittenen-Kurs zu titulieren. Die AutorInnen - ein Lob dafür, dass sie die Frage der geschlechtergerechten Sprache nicht in eine Fussnote verdrängen - stellen das E-LearningKonzept in ein umfassenderes Referenz-Modell - dem St. Gallener Drei-Ebenenmodell des Business Engineering. Von diesem Ausgangspunkt aus ergibt sich auch die im Subtitel enthaltene Gliederung des Buches, nach der nach den grundlegenden Fragen die Teile Strategien - Methoden - Technologie folgen. Jeder Teil wird dann noch einmal thematisch in Start - Think - Do - Move On gegliedert. Ich habe mich bei der Lektüre vorrangig auf den strategischen Teil konzentriert Hier gelingt den VerfasserInnen eine gute Darstelllung der grundlegenden Aspekte einer E-Learning-Strategie im Unternehmen, der sich im Abschnitt "THINK" dann eine Reflexion der Umsetzung der E-Learn-Strategie als Change-Prozess anschliesst. Im Kapitel E-Learning-Strategie-Prozess wird dann gegliedert nach den Phasen: Ausgangslage - Vision - Strategieplan - Strategieumsetzung - Kommunikationsprozess - Controlling und Evaluation ein idealtypischer Strategieprozess formuliert (hier spürt man die St. Gallener Schule - im positiven wie im negativen Sinne) . Dennoch finde ich den grundlegenden Ansatz - E-Learning als strategische Resource einzusetzen und damit auch in den Kontext der Unternehmensentwicklung zu stellen, wichtig, damit daraus nicht nur ein lerndidaktisches Instrument wird.

  • Im Methoden-Teil geht es dann darum , diese strategischen Ansätze mit einer methodischen Gestaltung von E-Learning-Massnahmen zu vernetzen - um die Lernarchitektur, die Lernräume und -prozesse. Im abschliessenden Teil steht die Technologie- und System-Ebene des E-Learning-Modells im Vordergrund. Angehängt ist ein Glossar der wichtigsten Begriffe.

    Das Buch ist aus einem konzeptionellen Guss - die einzelnen Teile sind anspruchsvoll: der Lohn der Lektüre ist ein systematischer Orientierungsrahmen für ein unternehmerisches E-Learning-Konzept. (HM)



    JOHN STOREY, ED.
    Leadership in Organizations. Current Issues and Key Trends
    Routledge, London and New York 2004, 349 Seiten, ca. Euro 35.–, ISBN 0415310334

    Der Herausgeber dieses Sammelbandes ist seit Jahren ein kritischer Beobachter von Trends und Entwicklungen im HR-Management. Er arbeitet an der Open University und verfügt zugleich über zahlreiche praktische Erfahrungen aus Training und Beratung. In diesem Geist hat er Theoretiker und Praktiker versammelt. Die Autoren aus dem akademischen Umfeld argumentieren weniger auf der Basis eines umfassenden Theorie-Gebäudes, sondern sind eher empirisch orientiert, die Autoren aus der Praxis verstehen sich als reflektierende Praktiker. Ihre Beiträge befassen sich mit den veränderten Anforderungen an Führung und Führungsrollen, mit Fragen der Kompetenz- und Karriereentwicklung sowie mit dem Zusammenhang von Führung und strategischer Entwicklung. Ein Abschnitt widmet sich den besonderen Führungsherausforderungen im öffentlichen Sektor.

    Das Buch richtet sich primär an Spezialisten im Bereich der Personal- und Management-Entwicklung. Es vermittelt ihnen einen theoretisch fundierten und praktisch soliden Überblick von aktuellen Themen und Trends in ihrem Professionsfeld. (JF)

     

    JOHN STOREY ED.
    The Management of Innovation
    Edward Elgar Publishing Ltd., Cheltenham UK, 2004, 2 Bände mit 734 und 569 Seiten, 300 £, ISBN 843764296


    Die beiden vorliegenden Sammelbände enthalten die wichtigsten Aufsätze führender Autoren der letzten 25 Jahre zum Thema Innovationsmanagement. Der Herausgeber hat damit in verdienstvoller Weise gezeigt, welch einen komplexen Spannungsbogen die Thematik mittlerweile umfasst. Diese vielfältigen Perspektiven sind in beiden Bänden gebündelt und in übersichtlicher Weise präsentiert. Der erste Band vereint zunächst theoretische Perspektiven, Diskussionen zu nationalen Besonderheiten von Innovationsprozessen und in den beiden folgenden Abschnitten überlegungen zu den Zusammenhängen von Geschäftsstrategien und Innovationen bzw. zum Technologie- und Produktentwicklungsmanagement. Im zweiten Band finden sich Beiträge zu den Bedingungen und Widerständen bei Innovationen, den Einflüssen von organisatorischen Strukturen und HR-Prozessen, den Führungsrollen, zum Change- und Wissensmanagement und schliesslich zur Bedeutung von Allianzen und Netzwerken für die Entwicklung und Diffusion von Neuerungen. Die Bände sind vor allem für Leser von Interesse, die sich systematisch mit Innovationen und Veränderungen befassen. Sie finden hier eine einmalige Fundgrube mit einschlägigen Texten, die zum Teil auch aus nicht so einfach verfügbaren Quellen stammen. Zum anderen kann man die Bände auch lexikalisch nutzen, wenn etwa gezielt Hinweise zu Einzelfragen gesucht werden, wie etwa die Produktentwicklung oder den Umgang mit Widerständen. (JF)

     

    MICHAEL PASCHE / ANJA WEIDEMANN / DANIELA TURCK / CHRISTIAN STÖWE
    Assessment-Center professionell. Worauf es ankommt und wie Sie vorgehen
    Luchterhand-Verlag, Neuwied 2003, 320 Seiten, ISBN 3-472-05057-8


    Das Buch bietet einen kompetenten Einblick in die Assessment-Center-Methode. Wer sich besonders für die praktische Umsetzung eines AC interessiert, erhält eine detaillierte, praxisbezogene Darstellung der Bausteine und Vorgehensweisen dieser Personalentwicklungsmethode. Ausgehend von den Varianten des Assessment-Center wird dargestellt , wie Anforderungsprofile entwickelt und Rahmenkonzepte erstellt werden und welche Kommunikation in AC-Projekten zu leisten ist. Gut fand ich das ausführliche Kapitel zu Bausteinen und Simulationen, weil hier nicht einfach Standardübungen wiedergegeben werden, sondern die thematischen AC-Bausteine - Interviews, Analytisch-konzeptionelle Übungen, Gesprächssimulationen, Gruppenübungen, Präsentationen und Testverfahren - fundiert aufbereitet und in einen Kontext gestellt werden. In den abschliessenden Kapiteln des Buchs geht es dann um das Beobachten und Bewerten, um die praktische Organisation und um die Aufbereitung und Verwendung der AC-Ergebnisse.
    Etwas zu kurz kommt hingegen die Reflexion und kritische Hinterfragung des Instruments: Was bewegt Organisationen, zu diesem Verfahren zu greifen? Wie lässt sich auf zukünftiges Verhalten in noch nicht vorhersehbaren Sitationen schliessen? Man kann dies dem Buch aber nicht vorwerfen, weil dies nicht Ziel der AutorInnen war. Als praxisorientierte Einführung in die AC-Methode ist das Buch auf jeden Fall empfehlenswert. (HM)

     

    Ralf E. Strauss
    Determinanten und Dynamik des Organizational Learning
    Deutscher Universitäts Verlag (Gabler), Wiesbaden 1996, 306 Seiten, DM 98.–

    Diese Dissertation hat es sich zum Ziel gesetzt, ein empirisches Untersuchungsdesign zu entwickeln, um die Einflussfaktoren, Phänomene und Wirkungszusammenhänge auf der mikroskopischen Ebene anhand von Daten aus der Unternehmenspraxis eingehender zu untersuchen.

    Mit dieser Zwecksetzung ist das Buch also für den «schnellen» Praktiker nicht ergiebig, denn nur 100 Seiten sind den konzeptionellen Grundlagen des Organisationslernens gewidmet, der grosse Rest beschäftigt sich mit der empirischen Untersuchung.

    Aber wenn ausser Forschern auch die Praktiker Nutzen aus der Arbeit ziehen wollen, die nicht nur an einem «quick fix» interessiert sind, dann geben gerade die Zusammenstellung der Einflussfaktoren, Phänomene und die Wirkungszusammenhänge sowie der kondensierte Fragebogen wesentliche und wertvolle Hinweise für die Aktionsforschung im Unternehmen.

    Auch die theoretischen Grundlegungen zur Einführung sind eine wichtige Quelle, wenn beispielsweise der Lernzyklus nach March und Olsen ausführlich diskutiert wird. Ich meine, dass eine zunehmend verlangte Kompetenz der Praktiker darin besteht, wissenschaftliche Arbeiten geschickt und nicht nur oberflächlich, also effektiv für die Nutzung vorhandenen Wissens auszuwerten, um Neues entstehen zu lassen.(KT)


     

    Streibl, Ulrich
    Organisationsgestaltung in der Kommunalverwaltung. Aufgaben – Ziele – Strukturen
    Gabler Edition Wissenschaft; Deutscher Universitätsverlag; Wiesbaden 1996, DM 118.–

    Das vorliegende Buch ist eine ausserordentlich differenzierte Auseinandersetzung mit der Frage nach sinnvollen Organisationsstrukturen in der öffentlichen Verwaltung. Ausgehend von den beiden Kernaufgaben Bürgerbetreuung und Potentialsicherung entwickelt der Autor eine Typologie der kommunalen Verwaltungsaufgaben, die sich für die Klärung organisatorischer Bedingungen als hilfreich erweist.

    Auf diesem Hintergrund wird ein Grundkonzept für die strukturelle Organisationsgestaltung gesucht. Dabei bezieht sich der Autor konsequent auf Aufgaben und Ziele der jeweiligen Verwaltungseinheit und lässt sich nicht durch scheinbar verwaltungsfreundliche oder moderne Strukturen an sich verführen. Die gewählten Gestaltungsprinzipien (überschaubare Bereiche – hohe Eigenverantwortung – nicht-hemmende Schnittstellen und Marktdruck) sind gut handhabbar. Interessant ist, dass die Lösungen an ihrer Koordinationswirkung und an ihrer Motivationswirkung für die MitarbeiterInnen gemessen werden.

    Leicht lesbar ist das Buch nicht; es wirkt trocken und etwas abgehoben. Durch die konsequente Systematik ist es aber gut möglich, Themen nachzulesen; das Buch kann durchaus auch als Nachschlagewerk genutzt werden. Für Beraterinnen und Berater in der öffentlichen Verwaltung, aber auch für Führungskräfte und an Verwaltungsfragen interessierte Politikerinnen und Politiker ist es jedenfalls zu empfehlen.

     

    Stefan Strohmeier
    Software Kompendium Personal . Anbieter, Produkte, Marktübersicht
    Datakontext-Fachverlag, Frechen 1999, 558 Seiten, DM 196.–

    «Das Software Kompendium Personal bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle marktgängige Anwendungssoftware für die Personalwirtschaft. Basierend auf einer Vollerhebung sind 1380 Produkte vertreten, 215 Produkte werden im Detail vorgestellt.»

    Der Klappentext des Verlags macht schon deutlich, wie umfangreich inzwischen das Software-Angebot im Personalbereich ist und wie unübersichtlich damit die Situation für diejenigen, die ihrer Personalarbeit eine fundierte, informationstechnologische Unterstützung geben wollen. Hier kann das Kompendium gute Dienste leisten, sich zumindest einen ersten Überblick über das Marktangebot zu verschaffen. Nützlich ist auch die Beschreibung und Zuordnung der jeweiligen Software im Hinblick auf die jeweiligen personalwirtschaftlichen Funktionen. In diesem Kontext zeigt sich ein vielfältiges Angebot für die Bereiche Personalplanung, -einsatz, -vergütung, und -information, während die Bereiche Personalbeschaffung, -freisetzung, -entwicklung und vor allem -führung ein deutlich geringeres Angebotsspektrum aufweisen.

    Unternehmens- und Personalchefs, die die Einführung von Personalsoftware planen, sollten das Buch als Informationsquelle in ihrem Schrank haben. Fragt sich nur, wie lange die «Halbwertzeit» des Wissens dieses Buches ist, angesichts der rasanten Entwicklung auf diesem Markt.


    Lutz Stührenberg
    Professionelle betriebliche Kommunikation
    Erfolgsfaktoren der Personalführung
    Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, 275 Seiten, 32.90, ISBN 3409123164

    Dieser Band vermittelt einen Überblick über Führungskonzepte, wobei aber die innere Logik der Themenauswahl wenig nachvollziehbar ist. Er enth&äuml;lt auch keine wesentlichen Neuigkeiten, im Gegenteil, ERIC BERNE oder MILGRAM habe ich irgendwann mal in den 80er-Jahren gelernt. Das Buch ist daher eher geeignet für eine Zielgruppe, die sich erstmals mit Kommunikation und Führung befasst und eine verst&äuml;ndliche Einführung benötigt. (JF)


    ROLF DUBS/DIETER EULER/JOHANNES RÜEGG-STÜRM/CHRISTINA E. WYSS (HRSG.)
    Einführung in die Managementlehre. (5 Bände)
    Paul Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien 2004, 1825 Seiten, Euro 122.–, ISBN 3-258-06999-9

    Mit einer 5-bändigen Einführung legen die Herausgeber eine Managementlehre vor, die auf dem neuen St. Gallener Management-Modell basiert. Alle wichtigen Wissenschaftler, Dozenten und Berater der Universität St. Gallen (nicht zu verwechseln mit dem Management Zentrum St. Gallen (MZG) von Prof. Malik) kommen in der umfangreichen Einführung zur Schrift. Die grossen Kapitel der Bände entsprechen den sechs Grundkategorien des neuen Modells: Umweltsphären, Anspruchsgruppen, Interaktionsthemen, Ordnungsmomente, Prozesse sowie Entwicklungsmodi.

    Jeder dieser sechs Teile wird mit der Schil-derung eines aktuellen Falls aus dem Wirtschaftsalltag eingeführt. Im anschliessenden Lehrbuchteil werden die mit dem Fall verbundenen Fragestellungen zusammen mit den notwendigen konzeptionellen Grundlagen erörtert. Am Ende des jeweiligen Teils finden sich Lösungshinweise, wie mit den geschilderten Fragestellungen sinnvollerweise zu verfahren wäre. Kontrollfragen, Aufgaben zur Nachbearbeitung des Stoffes sowie ausführliche Literaturhinweise runden diese klar aufgebaute Einführung methodisch ab.

    Natürlich drängt sich der Vergleich mit dem Management-Buch von K. Bleicher auf, was vor über 10 Jahren erschien. Dies hier ist viel differenzierter, ausführlicher und didaktisch besser aufbereitet. Und es geht von den Weiterentwicklungen des St. Gallener Modells aus, was Kritiker immer noch als teilweise illusorisch sehen, weil Systeme so rational nicht planbar sind, das Management schon gar nicht. Beiden Werken gemeinsam ist die integrative Leistung der Forscher und Lehrer der Universität. Hier kocht nicht jeder sein Süppchen, sondern stimmt sich (auch zu Marketingvorteilen) in einem Modell ab. Sehr nütz- lich und wirklich nutzbar sind die Darstellungen der wesentlichen Theorien, Konzepte, aber vor allem die Bezüge zur Handlungspraxis mit den Instrumenten, Methoden und Anleitungen.

    Ich vermisse aber im Band 4 (Unternehmensentwicklung) die Organisationsentwicklung oder das Veränderungsmanagement. Die OE wird mit keinem Wort erwähnt. Das hat mich natürlich zuerst interessiert und dabei fiel mir das dürftige Register am Ende des 5. Bandes auf. Dafür wird aber auch das Public Management sehr gut bearbeitet, wie die meisten Kapitel sehr gute Einführungen darstellen, die sich durch die Struktur hervorragend zum Selbststudium eignen. Die Alltagsfälle stützen das und eine innovative E-Learning-Plattform zum Buch wird auch geboten.

    Insgesamt ist das Buch eine reiche Quelle gerade für Manager, Entwickler und Berater – wenn man dann methodisch mit dem Planungs- und Determinierungsansatz übereinstimmen kann. Der Mangel der Wandelbearbeitung kann auch ein Hinweis darauf sein, dass man sich in einem deterministischen Modell mit dem Entwicklungsaspekt sehr schwer tut. (KT)




    Daniel Hjorth/ Chris Stywart, EDS.
    Narrative and discursive Approaches in Entrepreneurship
    Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2004, 328 Seiten, 65 £, ISBN 1-8437-6589 6

    Dieser Sammelband befasst sich mit einer bislang wenig ausgeleuchteten Perspektive auf Unternehmertum, nämlich ihre Selbstkonzeptualisierungen und narrativen Konstruktionen, die sie auch faktisch zu dem werden lassen, was sie sind. Visionen, Bilder und Geschichten werden erfunden, weiter gesponnen und in Varianten erzählt, die auch neue Facetten der Unternehmensentwicklung kreativ aufnehmen und verarbeiten. So entsteht kulturelle Kontinuität und Identität, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet. Interessant an diesem Band ist auch, dass die Perspektive des "Storytelling" anhand von unterschiedlichsten Fallstudien in ganz verschiedenen Ländern und Kulturen konkretisiert wird, wie etwa Venezuela oder Russland. Unternehmertum ist übrigens vornehmlich eine männliche Kategorie, auf diesen Gender-Aspekt macht eine Autorin in diesem Band aufmerksam. (JF)


    Sabine Grinda/Ansgar Pieper/Josef Strötgen/Maike Süthoff

    Erfolgreich Reorganisieren. Management und Controlling von Veränderungsprozessen
    Institut der Deutschen Wirtschaft, 50942 Köln, Postfach 51 06 69, Köln 1997, 327 Seiten, (Handring-Buch incl. einer CD-ROM), DM 11.50

    Dieses Handbuch entstand aus dem vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekt WideO (Wirtschaftlichkeit dezentraler Organisationsentwicklung - Dokumentation von Kosten, Nutzen und Verfahren).

    Moderne (dezentrale) Organisationsformen sind nicht mehr allein durch Anordnungen und Detailkontrollen zu führen, sondern mehr durch die Vereinbarung von Zielen. Die Frage entsteht, ob derart angelegte Prozesse ohne zentrales Controlling nicht «aus dem Ruder laufen» bzw. wie kann man solche Strukturen dennoch effektiv steuern und entwickeln.

    Die Projektgruppe beantwortet diese Fragen durch die Begleitung von 5 Reorganisations-Projekten in Unternehmen vor Ort. Das generelle Prinzip lautet: sorgfältige und systematische Planung und Entwicklung solcher Reorganisationsprojekte (Ziele setzen, Gruppen entwickeln, Selbstkontrolle usw.).

    Aber in dem Handbuch sind die Antworten viel detaillierter und erfahrungsbasiert. Viele kopierfähige Folienvorlagen und Arbeitsblätter stellen die Zusammenhänge und notwendigen Arbeitsschritte übersichtlich dar.

    Der Preis ist für dieses Handbuch noch mehr als spottbillig, der Nutzen aber exponentiell höher.




    Roderich Stuart
    58 Spiele zur Teamentwicklung
    275 Seiten, 1998, DM 350.ö

    Mike Woodcock
    50 Aktivitäten zur Teamentwicklung
    141 Seiten, 1995, DM 280.ö

    Training Media GmbH, 61476 Kronberg, Frankfurter Str. 26

    Die beiden Ring-Ordner sind viel praktischer als die gebundenen englischen Original-Ausgaben bzw. die deutsche übersetzung, die vom 2. Band auch beim Windmühle-Verlag erschienen ist. Der erste Ordner mit 58 Spielen von Stuart ist eine Mischung von einfachen und komplexeren, für Seminarräume und für Aussenaktivitäten gedachte übungen. Sie sind allerdings auch unterschiedlich in der Qualität bzw. dem Nutzen. Es kommt darauf an, die Spiele herauszusuchen, die zum eigenen Ansatz und Person des Teamentwicklers passen. Es sind nicht die Standardspiele, wie man sie bei Antons oder Pfeiffer/Jones findet. Eine 10seitige übersicht gruppiert die Spiele nach Zielsetzungen und da wieder nach spezifischen Zwecken. Insgesamt ein hilfreicher Band, wenn man Spiele einbringen mag und das für entwicklungsfördernd hält, denn alle Anlässe einer Teamentwicklung sind dafür wohl nicht geeignet.

    Der Ordner von Woodcock stellt die veränderte und verbesserte Version des bekannten Buches Team Development Manual von 1979 dar. Die Spiele sind nach meinem Geschmack sehr viel fachbezogener (Effektivität, Lernformen, Diagnose etc.) und auch eher für Führungskräfte geeignet. Das Gefangenen-Dilemma-Spiel ist hier mit einer sehr guten Anleitung versehen, was ich sonst vermisse. Das gilt auch für andere Aktivitäten. Die Preise für beide Bände sind gesalzen. Sie erwerben aber damit das Recht zur Unterlagen-Vervielfältigung für die Anwendung in inhouse-Seminaren.