Rezensionen 'F'
Ray French/Charlotte Rayner/Gary Rees/ Sally Rumbles
Organizational Behaviour
671 Seiten, Wiley & Sons, 2008, Euro 46.99,
ISBN 978-0-470-51106-0
Ein gleichwohl voluminöses wie schwergewichtiges Werk über Verhalten in Organisationen. Die vier AutorInnen, allesamt lehrend und forschend tätig an der englischen Universität von Portsmouth, stellen den neuesten Stand der Forschung dar. Unter „Organizational Behaviour” (OB) verstehen sie das Verhalten von Individuen und Gruppen in Organisationen, das sie mit einer breiten Palette von Themen erklären wollen. Die drei Hauptteile unterscheiden individuelle Differenz und Leistung, Steuerung von Gruppendynamik und Teamleistung sowie Management von Prozessen und Leistung in Organisationen zu steuern. Dazu werden die aktuellen Forschungen und Theorien zu Leistungsvermögen, Lernen, Motivation, Arbeitsgestaltung, Kommunikation und Konflikt, Führung, Organisationskultur und Veränderung von Organisationen dargestellt.
Interessant ist nicht nur die Aufarbeitung der Forschungsergebnisse, sondern auch, wie sie von den AutorInnen vermittelt werden. Jedes der 12 Kapitel beginnt mit den damit angestrebten Lernzielen und einer Fallvignette, die OB-Themen in Alltagssituationen beschreibt. Die Schlüsselwörter der Kapitel lassen sich schnell in den Randtexten sowie im umfangreichen Glossar finden. Die „OB in action boxes“ wollen mit praktischen Beispielen aus internationalen Kontexten oder Forschung zum Nachdenken anregen. Wer Forschungsfragen vertiefen will, findet entweder am Ende jedes Hauptteils einen einschlägigen wissenschaftlichen Artikel oder weitere auf der begleitenden Website. Die Fallstudien am Ende jedes Kapitels und nach den Hauptteilen beleuchten innovative Aspekte in Organisationen. Zu jedem Thema wird auch „Widerspruch“ zu den derzeit gängigen Theorien formuliert, indem alternative Perspektiven eingenommen werden. Natürlich findet der eilige Leser am Kapitelende auch eine Zusammenfassung der Ergebnisse zu den formulierten Lernzielen. Für die weitere Arbeit werden inhaltliche, anwendungsbezogene und forschungsorientierte Fragen gestellt. Insbesondere Studierende können mit Ideen für individuelle oder Gruppen-Projekte einzelne Themen weiter verfolgen.
Das Buch ist sowohl für (Organisations-)Berater, Dozenten, als auch für Führungskräfte sehr zu empfehlen, weil es die wichtigen Themen in Organisationen wissenschaftlich fundiert und didaktisch interessant aufbereitet. (HK)
Jörg Freiling
Entrepreneurship
Theoretische Grundlangen und unternehmerische Praxis
Verlag Vahlen, München 2006, 393 Seiten, Euro 30,
ISBN 3-8006-3277-2
Das Buch des Bremer Lehrstuhlinhabers für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship beginnt mit einer Fallstudie über Madonna, die seit 25 Jahren erfolgreich ist, aber weder eine außergewöhnliche Stimme hat, noch tänzerisch Exzellentes bietet. Sie ist auch keine Super-Schönheit und komponiert kaum selbst. Was also sind ihre besonderen Kompetenzen, um das „Unternehmen Madonna“ so anhaltend erfolgreich zu machen? Der Autor fand heraus, dass es folgende Faktoren und Funktionen sind: Ein Ansatz permanenter Erneuerung, ein völlig anderes Geschäftsverständnis (Stil und Auftritt) wie ihre Wettbewerber, sie achtet auf Elemente, die Kontinuität stiften und hat eine hohe Koordinationsleistung. Der Schlüssel zum Verständnis des Unternehmens Madonna liegt in den Funktionen Innovation, Arbitrage (Ausnutzung von unerkannten Chancen) Koordination und Risikomanagement.
Mit der tieferen Analyse dieser Funktionen füllt der Autor die Inhalte des Entrepreneurship, wobei er vor allem auf den Kontext und das Management von Gründungen abzielt.
Dieses Lehrbuch fächert gut lesbar und in solider Tiefe die inhaltlichen Grundlagen des Gründungsmanagements auf, woraus (Existenz-) Gründer, Berater, Coaches und Mentoren sehr gute Grundlagen und Empfehlungen ziehen können.
Das Buch eignet sich auch als Quelle für Seminare von Intrapreneuren, deren Rolle heute in vielen Unternehmen propagiert wird, bzw. für die Gründung von Beratungsunternehmen. (KT)
Six Sigma. Erfolg durch Breakthrough-Verbesserungen
Hanser Pocket Power, München/Wien 2003, 128 Seiten, Euro 9.90, ISBN 3-446-22294-4
Das Buch bietet einen kompakten Überblick über die Six Sigma-Methodik, die inzwischen von vielen Unternehmen als Qualitätsstrategie etabliert wurde, um Kostensenkungen bei gleichzeitigen Produktivitätsverbesserungen zu erreichen.
Das Büchlein liest sich nicht ganz so flott wie andere aus der Pocketreihe, was z.T. auch am Six Sigma Konzept liegen mag. Es liegt aber auch daran, dass die Anwendungsbeispiele nur in Form kleiner "Erfolgs-Clips"' in den Text eingestreut werden, statt die Vorgehensweise an einem anschaulichen Beispiel zu erläutern. Deshalb bleibt vieles auf einer abstrakt-konzeptionellen Ebene. Das heisst, das Buch ist nicht schlecht, aber nicht ausreichend Kunden (sprich Leser-)gerecht. Da könnte man doch gleich mit Six Sigma drangehen.
Peter Gomez, Daniel Fassnacht, Christoph Wasserer, Reto Waldispühl
Komplexe IT-Projekte ganzheitlich führen. Ein praxiserprobtes Vorgehen
Haupt-Verlag Bern 2002, 184 Seiten, EURO 29.90, CHF 48.-, ISBN 3-258-06349-4
Die Durchführung komplexer IT-Projekte in Organisationen stellt nach wie vor ein risikoreiches Unterfangen dar, das mit erheblichen Problemen verknüpft ist. Entsprechend laut sind die Klagen, die immer wieder aus Unternehmen und anderen betroffenen Organisationen zu hören sind. Hier schlagen die Autoren ein differenziertes Vorgehensmodell vor, das der Komplexität des Prozesses in einem sich dynamisch wandelnden Umfeld und im Kontext heterogener Interessenslagen gerecht werden soll. Ausgehend von einer sorgfältigen Charakterisierung des Projektumfeldes einschliesslich einer eingehenden Stakeholderanalyse, durch die alle relevanten Einflussfaktoren berücksichtigt werden sollen, werden kritische Erfolgsfaktoren abgeleitet und in einem Netzwerk der integrierten Projektführung zueinander in Beziehung gesetzt. Simulationsmodelle helfen die vorab nicht voll abbildbare Realität weitgehend in den Griff zu bekommen, die eingebauten Frühindikatoren machen Probleme sichtbar und ermöglichen proak- tive und präventive Interventionen. Durch eine Auswertung der Projekterfahrungen trägt das Vorgehensmodell auch zu einer Entwicklung der lernenden Organisation bei. Das Vorgehensmodell stellt eine durchdachte und fundierte Handlungsstrategie dar, aus der potentielle Anwender ganz sicher eine Reihe von Anregungen gewinnen können. Ein Grundproblem bleibt meiner Ansicht nach jedoch unausgesprochen, obwohl dies viele Schwierigkeiten in IT-Projekten bewirken dürfte. Die zweckrationale Logik der Informationstechnologie, die ja auch die Experten in IT-Projekten prägt, beisst sich in vielem mit der Logik von Change-Management: Beherrschbarkeit versus Unvorhersehbarkeit, geplantes, sequentielles Vorgehen versus Handeln in Unbestimmtheit, Verkettung von sachlichen Bedingungen versus Umgang mit Emotionen. Ich denke, dass einige der Probleme bei komplexen IT-Projekten aus der schwierig zu bewältigenden Ambivalenz dieser beiden Logiken entspringt. Die an der St. Gallener Denkschule orientierten Autoren sehen zwar die Komplexität und Unbestimmtheit, tendieren dann aber doch zu einem Modell, dass diese irgendwie beherrschbar und managebar machen soll. Hier liegt meiner Ansicht nach die Schwäche des Modells. Nur ein Indiz dafür ist, dass das Wort "Emotionen" im Stichwortverzeichnis gar nicht auftaucht - und das bei komplexen IT-Projekten?
Mechtild Bencke-Galm/ Gerhard Fatzer/ Rosemarie Rutrecht (Hrsg.)
Schulentwicklung als Organisationsentwicklung
Edition Humanistische Psychologie, Köln 1999, 619 Seiten, DM 68.-
Die Nutzung der OE in der Schulentwicklung, oder genauer in der Entwicklung der Schulentwicklung, hat bereits eine längere Tradition in einigen Ländern Europas, vor allem in Dänemark, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Die Herausgeber haben es sich meiner Meinung nach in dem wichtigen, nützlichen und hilfreichen Buch zu einfach gemacht, indem sie die Gliederung der vielen informativen und problematisierenden Beiträge nach Ländern vorgenommen haben. Das erschwert den Vergleich. Zudem ist das für die Schulentwicklung so tragende und Impulse setzende Landesinstitut in Soest überhaupt nicht vertreten. Das ist ein eklatanter Mangel in dem sonst so empfehlenswerten Buch. Dennoch wird es zu einem wesentlichen Übersichts- und Referenzwerk der Schulentwicklung werden.
Gerhard Fatzer / Kornelia Rappe-Giesecke / Wolfgang Looss
Qualität und Leistung von Beratung, Supervision, Coaching, Organisationsentwicklung
Edition Humanistische Psychologie, Köln 1999, 198 Seiten
Drei ausgewiesene Berater, die auch konzeptionell bzw. theoretisch denken und dies in die Praxis übersetzen können, haben wichtige und sehr empfehlenswerte Beiträge zur Beratung im OE-Feld, der Supervision und Coaching vorgelegt. Ein Vorzug dieses Buches ist die Leichtigkeit des Stils, was den Zugang sehr erleichtert. Herr Fatzer gibt im ersten Teil einen sehr guten Überblick über die relevanten Veränderungskonzepte und Grundmodelle der OE. Für Einsteiger sehr geeignet und für ältere Hasen eine Auffrischung und Kontextualisierung. Im vierten Teil zeigt Fatzer die Wurzeln und Konzepte der OE auf und die Anwendungsfelder. In der Kürze muss einiges subjektiv bleiben, aber es ist unbedingt zu empfehlen. Schliesslich gibt Fatzer am Schluss Empfehlungen zu ausgewählter Literatur im Feld, wobei mehr Bücher zur Beratung hätten dabei sein können. Die zwei anderen Höhepunkte dieses Buches sind der Beitrag von Frau Rappe-Giesecke zur Supervision. Eine wirklich fundierte und gleichzeitig komprimierte Übersicht, die auch in die Tiefe geht. Ebenso der Beitrag des Coaching-Experten Looss, der seine Einführung in das Coaching unter dem Aspekt der Qualitätsüberlegungen stellt und auch Beratungsprozesse darin einschliesst. Dies Buch kann nicht nur externen Beratern, Coaches und SupervisorInnen sehr empfohlen werden, sondern gerade auch der steigenden Zahl Interner Fachkräfte in diesem Feld.
Gerhard Fatzer (Hrsg)
Organisationsentwicklung und Supervision: Erfolgsfaktoren bei Veränderungsprozessen
Edition Humanistische Psychologie, Köln 1996
Der Herausgeber hat bereits in den zurückliegenden Jahren durch eine Reihe von Sammelbänden die Diskussion um OE und Supervision befruchtet. Im vorliegenden Band liegt der Fokus überwiegend bei dem Bemühen, Verständnis für die Eigenlogik organisationsbezogener Veränderungsprozesse und deren Steuerung zu gewinnen. Erfreulicherweise ist es dem Herausgeber wieder gelungen, interessante Arbeiten von Chris Agyris, Peter Senge, W.N Isaacs und Ed Schein einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Damit wird auch bei uns die Auseinandersetzung um Konzepte «defensiver Routinen», des «dialogischen Prinzips» und anderer Elemente der lernenden Organisation, wie sie am MIT in Boston ausgearbeitet worden sind, befördert. Darüberhinaus enthält der Band eine Reihe weiterer lesenswerter Beiträge, wie etwa den von W. Looss zum Thema der «nicht-lernenden Organisation» und ihrer grundlegenden Spielmuster. Im 3. Teil des Bandes finden sich interessante Arbeiten zur Schulentwicklung, zum Gesundheitswesen bzw. zu anderen Organisationen, in denen helfende Berufe im Vordergrund stehen. Insoferne erfüllt der Band seinen Anspruch, für Professionals in den diversen Anwendungsfeldern einen praxisorientierten Leitfaden in einer immer unübersichtlicher werdenden Berufsszene abzugeben und dabei vor allem die Brükken zwischen Supervision und Organisationsentwicklung im Auge zu behalten. Eine grundlegende theoretische Fundierung des Unterschiedes zwischen diesen beiden professionellen Unterstützungsformen zur Bearbeitung von Problemen in Organisationen unterbleibt allerdings auch in diesem Band. Ein «kleiner» Schönheitsfehler ist dem Autor dadurch unterlaufen, dass er die wichtige Arbeit von Leopold Vansina und Tharsi Taillieu über Business Process Reengineering als Originalbeitrag anführt, obwohl sie vorher bereits in der OE (Heft 2/95) erschienen war. (RW)
Michael Faust, Peter Jauch, Petra Notz
Befreit und entwurzelt: Führungskräfte auf dem Weg zum "internen Unternehmer"
Rainer Hampp Verlag, München und Mering 2000, 472 S., DM 68.05, EURO 34.80
In den Unternehmen wird die marktgängige, flexible Führungskraft immer mehr zum neuen Modell erklärt. Das dadurch entstehende Spannungsfeld für die Führungskräfte kann grösser kaum sein. Einerseits können sie an dem persönlichen Nutzen der neuen Rollenkonzeptionen für das eigene Fortkommen zweifeln, weil die bekannte Kaminkarriere in abgeflachten Hierarchien immer unwahrscheinlicher wird und nicht wenige Manager selbst Opfer der Rationalisierungsmassnahmen werden. Andererseits können sie sich als neue Heroen des Unternehmens feiern lassen, weil sich den "Unternehmern im Unternehmen" ganz neue Einflussmöglichkeiten bieten. Berater erleben in Reorganisationsprojekten immer wieder diesen Zwiespalt der Führungskräfte und müssen sich auf deren Ängste, Hoffnungen und Erwartungen einstellen. Das Buch von Michael Faust, Peter Jauch und Petra Notz ist eine grossangelegte Untersuchung über den Wandel des mittleren Managements von einem fachlichen und sozialen Puffer zwischen Topmanagement und Produktion hin zu internen Unternehmern. Sie knüpfen mit dieser Untersuchung an die Studie von den SOFI-Wissenschaft-lern Martin Baethge, Joachim Denkinger; Ulf Kadritzke (1995) über leitendende Angestellte, der Arbeit von Hermann Kotthoff (1997) über Führungskrafte im Wandel der Firmenkultur und Peter Walgenbach (1994) über das mittleres Management an. Im Mittelpunkt der Arbeit der drei Tübinger Wissenschaftler steht die Veränderung in der Arbeitswelt von Führungskräften: Wie nehmen die Führungskräfte den Wandel der Anforderungen wahr? Wie bewerten sie ihre Arbeits- und Berufssituation und deren Veränderung? Wie werden die beruflichen Anforderungen in die übrigen Lebensbereiche integriert? Entstehen durch die Anforderungen neue Formen der Interessensvertretung? (S. 15) Die Autoren arbeiten mit einem für die Industriesoziologie eher ungewohnten Mix aus quantitativen und qualitativen Methoden. Die Grundlage der Studie bilden dabei Expertengespräche, Interviews mit Führungskräften aus vier Unternehmen und eine schriftliche Befragung von rund 1000 Führungskräften. Während die qualitativen Interviews teilweise tiefe Einblicke in die Denkweise des mittleren Managements vermitteln, erschliesst sich der Nutzen der quantitativen Auswertungen nicht sofort ö ein Problem, das auch von dem Autorenteam thematisiert wird. Durch das Buch wird in verschiedenen Facetten deutlich, wie sich der "implizite Vertrag" zwischen Unternehmen und Führungskräfte verändert. Der "Organization Man", den der amerikanische Soziologe Whyte in den fünfziger Jahren beobachtete, konnte sich noch auf einen "impliziten Vertrag" zwischen ihm und dem Unternehmen verlassen und brauchte nicht alle Leistungen und Gegenleistungen vollständig vertragsförmig und formell festzulegen. Er konnte darauf setzen, dass seine Rücksichtsnahme auf kurz-fristige Anforderungsveränderungen des Unternehmens langfristig durch eine Karriere belohnt werden würde. Unter Bedingungen einer zunehmenden Vermarktlichung der internen Unternehmensprozesse geht das Vertrauen, dass die wechselseitige Verpflichtung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern auf eine langfristige Beziehung angelegt ist, verloren. Immer mehr Mitarbeiter gehen dazu über, kurzfristige Berechnungen im Verhältnis zum Unternehmen anzustellen (S. 112) Das Buch liefert insgesamt keine nennenswerten Ðberraschungen, erstellt dafür aber ein sehr komplexes und materialreiches Bild der deutschen Führungskräfte. Wenn man sich das Denken, Handeln (und Fühlen) von mittleren Führungskräften wissenschaftlich fundiert erschliessen will, wird man an diesem Buch nicht vorbeikommen.
F.A.Z.-Institut / Ernst & Young (Hrsg.)Corporate Governance. Deutsche Unternehmenskultur im Wandel - Gespräche mit führenden Köpfen aus Wirtschaft und Wissenschaft.
FAZ Institut, Frankfurt/Main 2002, 70 Seiten, ¤ 48.-
Die Corporate Governance Richtlinien, sowohl in Deutschland wie auch in anderen Ländern, werden die Kontrollmechanismen von Unternehmen nicht nur modifizieren sondern stark verändern. Berater des Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsunternehmens und eine FAZ-Institut Redakteurin haben Top-Manager aus Unternehmen, Verbänden, der Gewerkschaften und Investmentfirmen zu den Funktionen, Wirkungen und Anwendungen des neuen Verhaltenskodex befragt. Einige von ihnen waren Mitglieder der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Die Gespräche bzw. die Antworten auf jeweils verschiedenen Fragen und Themengebieten sind höchst aufschlussreich, so langweilig wie überraschend. Für einige Manager ändert sich wenig, für andere viel. Einige (Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und Gewerkschaftler) sind sehr kritisch, andere befürworten die Grundsätze, beanspruchen aber Differenzierung in der Anwendung. So wird sehr deutlich, wie die vorherrschende Unverbindlichkeit nicht nur im Kodex angelegt ist, sondern auch aus dem Mangel an Anwendungserfahrung resultiert. Die Anwendung ist also ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Es wird sich zeigen, ob es der einer Aufweichung oder stringenterer Regeln wird. Keiner der Befragten will das angelsächsische Modell unverändert übernehmen. Man ist erst mal zufrieden mit dem freiwilligen Verhaltenskodex auf der Basis von Leitlinien. Im Anhang der Broschüre werden die Reformwünsche als eine To-do-Liste aufgeführt. Letztlich ist diese Publikation nicht nur eine wichtige Informationsquelle, sondern auch ein hilfreiches Werkzeug zur Argumentationsübung. (KT)
Steven Cavaleri/ David Fearon (Hrsg.)
Managing in Organization that Learn
Blackwell Publ. Ltd., Cambridge – USA/ Oxford – GB 1996, 548 Seiten, DM 90.–
Nachdem ich das Buch im Kontext des Organisationslernens häufiger zitiert fand, entschloss ich mich zur Anschaffung und Rezension. Nach der ersten Durchsicht kamen mir Zweifel, ob es eine Rezension wert ist. Das kann jetzt klar verneint werden – und dennoch erwähne ich es hier, um davor zu warnen. Erstmal ist der Titel irreführend, denn es geht nicht um das Management des Organisationslernens, sondern um Managementaufgaben bzw. -verhalten im Kontext von Organisationen, die alle Arten von Lernen praktizieren. Dann ist die Mehrzahl der Beiträge über das Lernen in Organisationen eher auf dem Niveau amerikanischer Kleinstadt-Universitäten angesiedelt, bzw. man merkt, dass sich die professoralen Autoren der Praxis anbiedern und die andere Hälfte der Autoren aus dem Management versuchen, wissenschaftlich zu überhöhen. Lediglich der Beitrag über die Folgen der Autonomie für das Lernen in Organisationen, in dem das Konzept der Autopoiesis mittels des abgeleiteten «autognomics» (= Eigen-Wissen, als Gegenstück zur Maschine) angewandt wird, und der Beitrag von Craig C. Lundberg über «Management in einer Kultur, die Lernen wertschätzt», sind wirklich lesenswert. Die Krone der Unerträglichkeit kann dem letzten Buch-Beitrag des amerikanischen TQM-Spezialisten und -Professor aufgesetzt werden, der in dem Titel «Creating a World-Class Total Learning Organization» völlig ungeniert alle modischen Management-Begriffe unterbringt und sicher darauf noch stolz ist.
Jeffrey R. Fear
Organizing Control. August Thyssen and the Construction of German Corporate Management
Harvard University Press, Cambridge Mass. and London 2005, 956 Seiten, 61.95 £, ISBN 0674014928
Das ist ein bemerkenswerter Band, der am Beispiel einer detaillierten Firmengeschichte zeigt, dass sich vor dem zweiten Weltkrieg in Deutschland eine spezifische Form der Corporate Governance herausgebildet hat. Der Autor weist nach, wie sich jenseits Dynamik, die vor allem durch die Gründerunternehmer in die Organisationen hineingetragen wurden, in den darunter liegenden mittleren Führungsfunktionen differenzierte und ausgeklügelte Formen der Steuerung und Kontrolle bildeten. Das bezieht sich vor allem auf Ansätze im Bereich der organisatorischen Strukturierung sowie der Planung und des Rechnungswesens. Es wurden dort schon frühzeitig Techniken der Aufgaben- und Verantwortungsgliederung sowie der Vernetzung von Informationen konzipiert, nicht zuletzt, um die schnell wachsenden Unternehmungen konsistent führen zu können. Der Autor entwickelt die These, dass sich so auch ein spezifisch deutscher Weg der Führung und Entwicklung von Unternehmungen bildete, dessen Würdigung und Weiterführung allerdings durch den nachfolgenden Nationalsozialismus nicht mehr möglich war. Nach Kriegsende haben wir uns darauf beschränkt, Führungskonzepte aus den Vereinigten Staaten zu importieren und ist es ein Zufall, dass ein solches Buch von einem Amerikaner geschrieben wurde? Wie dem auch sei, es erscheint mir unentbehrlich im Zusammenhang mit der notwendigen Diskussion in Deutschland, wie wir Führung begreifen und glaubwürdig machen wollen. Der Autor hat für seine Arbeit ausserordentlich umfangreich recherchiert und so einen konzeptionell runden und faktenreichen Band vorgelegt. Das Buch ist zudem auch sehr gut lesbar. (JF)
Harri Fechtner/Klaus-Jürgen Heimbrock/Hubert Lindenblatt
Erfolgsfaktor Mensch. Im Spannungsfeld zwischen Führen und Dienen.
Luchterhand Verlag 1996, 307 Seiten
Dass für diese Artikelsammlung nur ein sehr kleiner gemeinsamer Nenner gefunden werden konnte, zeigt sich im sehr allgemeinen Buchtitel – Schüler und Kollegen von Fritz Bisani haben sich für eine Festschrift zusammengefunden. Im breiten Spektrum findet sich manch Aufgewärmtes, viel Akademisches und vereinzelt Exotisches. Zu letzterem etwa zählt ein Beitrag über Personalwirtschaft in der Filmbranche mit einem Ausflug in die Künstlersozialversicherung und zwei Seiten Literaturangaben. Wenn in einem anderen Artikel Fallstudien, Unternehmensplanspiel und Rollenspiel als besonders geeignete Alternativen der Führungskräfteentwicklung angepriesen werden, meint man, sich in eine Seminararbeit Erstsemestriger verirrt zu haben. Die x-te Analyse von Stellenanzeigen bringt auch keinen hohen Neuigkeitswert. Wo Praktiker über PE-Instrumente geschrieben haben – Beurteilung, Outplacement, computergestütztes Personalmanagement – wird es leidlich informativ, aber auch hier fehlen die innovativen Würfe. Zur ausnehmend schönen Cover-Gestaltung darf man dem Verlag gratulieren, vom Umschlagtext-Versprechen «ein neues Selbstverständnis der Personalfunktion mit zukunftsweisenden, organisatorischen und strategischen Konzepten» wird leider sehr wenig eingelöst. (FB)
Peter Hommelhoff/ Klaus J. Hopt/ Axel von Werder (Hrsg.)
In Gemeinschaft mit Dieter Feddersen und Klaus Pohle
Handbuch Corporate Governance. Leitung und Überwachung börsennotierter Unternehmen in der Rechts- und Wirtschaftspraxis
Verlage Otto Schmidt Köln und Schäffer-Poeschel Stuttgart 2003, 811 Seiten , Euro 99.95, ISBN 3-504-30011-6 und 3-7910-1997-X
Im Jahre 2002 hat eine Regierungskommission aus Managern, Wissenschaftlern und Beratern den Deutschen Corporate Governance Kodex vorgelegt. Der Kodex ist schon eigenartig, weil er einerseits als Mittel der Selbstregulierung angepriesen wird, d. h., die Befolgung ist freiwillig, aber die Unternehmen müssen publizieren, ob sie sich daran halten. Einer der Autoren (Hommelhoff) postuliert, dass diese "Vorschrift" im Aktiengesetz verfassungswidrig sei, weil der Bundestag nicht auf einer ausgewogenen Zusammensetzung der Kommission bestanden habe. Es ist das Ziel dieses Handbuchs, ein Standardwerk zu schaffen, das sich an Wissenschaftler ebenso wie an Praktiker richtet und den Themenkomplex interdisziplinär in seinen rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten umfassend ausleuchtet.
Behandelt werden:
- Regelungsquellen und Regelungsebenen der Corporate Governance
- Corporate Governance durch Mitbestimmung
- Vorstand und Aufsichtsrat: Strukturen, Besetzung, Aufgaben, Organisation, Vergütung
- Kernprozess der Corporate Governance im Unternehmen: Das Zusammenspiel von Vorstand und Aufsichtsrat
- Die Rolle der Banken bei der Corporate Governance
- Corporate Governance und Unternehmensübernahmen
- Besonderheiten in internationalen Unternehmen und Konzernen
- Transparenz und Prüfung der Corporate Governance in Unternehmen: Rechnungslegung, Abschlussprüfung und Kommunikation
- Evaluation und Sanktionierung der Corporate Governance: Anteilseigner, Selbstkontrolle, Staatsaufsicht.
Der interdisziplinären Grundstruktur des Werkes entspricht auch die hochkarätig besetzte Herausgeber- und Autorengemeinschaft, an der zahlreiche bekannte Vertreter aus Wissenschaft und Praxis beteiligt sind. Und dem interdisziplinären Ansatz trägt auch die Zusammenarbeit der beiden beteiligten Verlage Rechnung, deren Kompetenzfelder Wirt- schaftsrecht auf der einen und Wirtschaftswissenschaft auf der anderen Seite sich in diesem Werk ideal ergänzen. Wichtige Beiträge sind der von Axel v. Werder zu den ökonomischen Grundfragen der Corporate Governance, der auch durch seine Thesen zur Mitbestimmung in diesem Kontext (siehe Internet-Seiten) bekannt wurde. Das Werk ist in Teilen sehr ideologielastig, wenn beispielsweise der Siemens-Vorstand H.-J. Neuburger eine Einschränkung der Arbeitnehmer-Mitbestimmung im Aufsichtsrat fordert. Der Beitrag von W. A. Oechsler zur Qualifikation und personellen Besetzung des Vorstands und Aufsichtsrates ist ohne Zweifel wichtig und lesenswert, wie etliche andere Beiträge auch. Insgesamt bietet dieses Werk auf der Basis eines Zusammenwirken von Ökonomen und Juristen den besten Überblick über dieses auch in unserer Zeitschrift heftig diskutierte Instrument für eine bessere Führung und Kontrolle in Unternehmen. (KT)
Ante Felsch
Personalentwicklung und Organisationales Lernen.
2. überarbeitete Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 1999
Die theoretische Verknüpfung von Persönlichkeits-, Personal- und Persönlichkeitsentwicklung zu leisten, ist Anspruch dieses Buchs, eine als beste ihres Jahrgangs ausgezeichnete Dissertation. Als solche spricht das Buch vor allem theoretisch interessierte Leser an. Die Autorin referiert die gängigen Konzepte der Personalentwicklung, der Persönlichkeitsentwicklung und erarbeitet in deren kritischen Würdigung jeweils die Leistungen und «Schwächen» der vorgestellen Modelle. Sie weist auf blinde Flecken – wie z.B. das Nichtwahrnehmen impliziten Lernens on the job als Element von Personalentwicklung oder das Nichtberücksichtigen von akteurbestimmten Interessen. Eine gelungene Verbindung persönlichen und organisationalen Lernens erfordert die Verminderung der Differenz zwischen persönlichen und organisationalen Risiken – oder anders formuliert: In der sinnvollen Kopplung von Interessen der Akteure (persönliche Ziele) mit organisationaler Durchsetzungsmöglichkeit (Organisationsziele realisieren).
Armin Felten/ Bernhard Petry
Gut geführt. Personalentwicklung und Personalführung in der Kirche
Klett Cotta, Stuttgart 2001, 166 Seiten
Es geht um Personalführung in der evangelischen Kirche und in diesem Zusammenhang vor allem um den Wert von professionell geführten Mitarbeitergesprächen. Was für die Wirtschaftsunternehmen die Profitorientierung ist für die Arbeit in der Kirche die Seelsorge. Um ihre Ziele zu erreichen benötigen beide Personal, sowohl Manager - auch wenn diese im kirchlichen Bereich sich Pfarrer, Gemeindereferenten, Gemeindeschwester, Oberkirchenrat usw. nennen - als auch so genannte Mitarbeiter. Von der Art, wie dieses Personal geführt wird, hängt nicht nur die Zufriedenheit dieser Menschen ab, sondern weitgehend auch die Produktivität und Qualität ihrer Arbeit. FELTEN und PETRY vermitteln anschaulich anhand von konkreten Beispielen und Checklisten sehr praxisnah, wie professionell geführt werden kann und vor allem welche Formen von Gesprächen dazu von Nutzen sind. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen direkt und indirekt als Haupt- und als Ehrenamtliche in kirchlichen Einrichtungen beschäftigt sind oder sich für kirchliche Zwecke engagieren, ein lobenswertes Unterfangen. Denn gerade Institutionen, die sich auf höhere Werte hin ausrichten, sind gefährdet, menschliche Grundwerte zu vernachlässigen. Wenn auch hier auf das Gemeindemanagement der evangelischen Kirche gemünzt, so kann die von den Autoren zitierte Aussage von MICHAEL HERBST durchaus auf andere Konfessionen verallgemeinert werden: "Man kann die Dinge einfach besser machen, und das Evangelium hat es verdient." (KD)
Kurt Femppel
Das Personalwesen in der deutschen Wirtschaft Eine empirische Untersuchung
Rainer Hampp Verlag, München und Mering 2000, 240 Seiten
"Ist das Personalwesen heute Teil des strategischen Managements eines Unternehmens oder ist es nach wie vor auf dem administrativen Niveau eines 'Personalbüros' angesiedelt?". Der Klappentext beschreibt prägnant, worum es in dieser empirischen Untersuchung des Personalwesens in der deutschen Metallindustrie geht. Während die Untersuchung von Wunderer/Dick eher perspektivisch auf die Einschätzungen gerichtet ist, was in ca. 10 Jahren sein wird, geht Femppel der Frage nach, was sich im Personalwesen jetzt eigentlich seit den 80er Jahren entwickelt hat. Befragt wurden Personalleiter und Betriebsräte, wobei die in Teilbereichen unterschiedlichen Einschätzungen der beiden Befragungsgruppen auch zeigen, wie wenig die Betriebsräte in die personalpolitischen Planungen einbezogen sind. Das Fazit des Autors ist eher ernüchternd. Die Aufgabenfelder des Personalwesens nahmen zwar zu, doch ist dieser Bedeutungszuwachs eher quantitativ statt qualitativ. Dies lässt sich an einer Vielzahl von Aspekten zeigen: Nach wie vor ist die Personalplanung eher operativ denn strategisch. Die Führungskultur und Führungsfähigkeit, die ja auch Indiz für das Wirken des Personalwesens ist, sind weiterhin unterentwickelt, "die Übereinstimmung zwischen Führungsgrundsätzen, Führungstil und Realität gering" (S. 174). Noch wenig ist davon zu spüren, dass das Personalwesen tatsächlich eine unternehmerische Funktion ausübt. Noch befindet es sich in einem "Teufelskreis", den der Autor in Anlehnung an Legge beschreibt: "...aufgrund der geringen Wertschätzung seitens des Linienmanagements (wird es) nicht in die unternehmerischen Planungsprozesse einbezogen..., wodurch personalpolitische Probleme entstehen, die vom Personalwesen kurzfristig und unter hohem Zeitdruck gelöst werden sollen. Die Folge davon ist ein ständiges Krisenmanagement, welches alle Versuche stärker konzeptioneller und planerischer Arbeit verhindert - wiederum Ursache der geringen Wertschätzung des Linienmanagements für die Aktionen des Personalressorts und dessen Akzeptanz." Die empirischen Befunde bieten für die anstehende Selbst-Reflexion des Personalwesens viel Material, auch wenn man sich - es ist ein wissenschaftliches Buch - erst durch längere, aber nicht uninteressante Darstellungen zur Entwicklung des Personalwesens und seiner Gestaltungsmöglichkeiten (als Soll-Profil) durcharbeiten muss.
Dorothea Ch. Ferenszkiewicz / Ekkehart Frieling und 3 weitere Co-Autoren
Das Initiatorenmodell. Personal- und Organisationsentwicklung in mittleren Unternehmen
Rainer Hampp Verlag, München und Mering 1999, 193 Seiten
In dem vorliegenden Buch werden theoretische Grundlagen und Praxiserfahrungen aus einem geförderten und wissenschaftlich begleiteten Projekt vorgestellt, das sich mit der Gestaltung von Personal- und OE-Prozessen in 10 mittleren Unternehmen in den neuen Bundesländern über einen Zeitraum von 3,5 Jahren beschäftigt hat. Kern des Projektes ist das sog. Initiatoren-Modell, mit dem über die Schaffung von Initiatoren-Stellen in den verschiedenen Unternehmen der Transfer von externem Know-how durch Training und Beratung in die UE dadurch verbessert werden sollte, dass eben diese Qualifizierungs- und Trainingsmassnahmen langfristig an die UE selbst gekoppelt wurden. Dies geschah durch Lerngruppen, die die Anforderungen des Unternehmens kontinuierlich reflektieren und zur Grundlage der eigenen Qualifizierung machten. Weiterhin sollte das erworbene Wissen sofort für die UE nutzbar gemacht werden und durch externe (Forschungs-)Begleitung stimuliert und unterstützt werden. Das Buch ist aus 2 Gründen zu empfehlen: Einmal ist die Idee der Initiatoren hoch interessant und in dieser Ausprägung in der OE weniger diskutiert und erprobt (hier wird das Konzept des Organisationslernens in die OE integriert), und zum anderen werden die Erfahrungen (Erfolge, Probleme, Prozesse) in den verschiedenen Unternehmen nutzbringend ausgewertet. Diese Auswertung erfolgt aus verschiedenen Perspektiven (öffentliche Förderung, Personal und Unternehmen). Manche statistische Auswertung und theoriesierende Rechtfertigung kann überlesen werden. Aber insgesamt verdient das Buch Beachtung und sollte für Überlegungen beim Konzeptualisieren eigener Entwicklungsstrukturen gelesen werden.
Herbert Feser
Umgang mit suchtgefährdeten Menschen Sauer-Verlag, Heidelberg 1997, 106 Seiten, DM 20.-
Suchtgefährdung ist an sich kein Thema, das direkt mit Organisationsentwicklung verbunden wäre. Dennoch: Der ständige Veränderungsdruck, zunehmende Arbeitsverdichtung und die Unsicherheit der Arbeitsplätze finden ihr Echo auch in einem steigenden Suchtmittelkonsum, zu dem nicht nur Alkohol, Nikotin oder Heroin/ Kokain gehören, sondern auch eine ganze Palette von Arzneimitteln. Dieses Büchlein ist insofern nützlich, als es kurzgefasste Darstellungen über das Spektrum und den Umfang des Drogenkonsums, seine innerbetriebliche Referenz sowie über die bestehenden disziplinarischen, therapeutischen und juristischen Massnahmen enthält - allerdings stark auf bundesdeutsche Verhältnisse ausgerichtet.
Gerhard Hrebicek/ Markus Fichtinger (Hrsg.)
Handbuch Corporate Governance. Leitfaden und Praxisbeispiele für transparente Unternehmensführung und -überwachung
Aktienforum (Österreichischer Verband für Aktien-Emittenten und -Investoren, Lothringerstr. 12, A-1031 Wien = Bezugsadresse des Eigenverlages), Wien 2003, 416 Seiten
Zur Zeit korrelieren 2 Dinge beim Thema Corporate Governance: die steigende Zahl der Publikationen sowie die kritischen Berichte die den Nachweis erbringen, dass vieles (oder alles) nur Kosmetik ist und im Grunde gerade durch die vielen Aktivitäten und Lippenbekenntnisse die letzte Konsequenz (das Schlimmste) verhindert werden soll. Das gilt vor allem für die sog. Wirtschaftsführer und Kommissionsmitglieder - sicher aber nicht für einige Unternehmen, wie bspw. den Finanzdienstleister AWD Holding AG in Hannover, dessen Mitarbeiter Dr. Küsters (Leiter OE und Corporate Governance) eine von 5 Unternehmensbeispielen beigesteuert hat.
Allerdings sind alle Beiträge und die restlichen 4 Fallstudien auf Österreich bzw. den österreichischen Corporate Governance Kodex bezogen.
In Österreich wurde der Kodex von einer hybriden Kommission aus der Wirtschaft erarbeitet, während es in Deutschland eine von der Regierung eingesetzte Kommission gab. Dieser Kodex ist insofern schärfer als die anderer EU-Länder, weil die gesetzliche Pflicht zur Abgabe einer Corporate Governance-Erklärung besteht. Wir sind allerdings konsequenter, auch in der Konstruktion der Schlupflöcher, hinsichtlich der Vielzahl von Regeln mit Empfehlungscharakter.
Wer sich also mit Corporate Governance intensiver beschäftigt - gerade im internationalen Vergleich, dem sei dieses Buch empfohlen, weil es auch einen Vergleich der Kodizes der verschiedenen europäischen Länder bietet. (KT)
Rudolf Fisch / Dieter Becker (Hrsg.)
Komplexitäts-Management. Methoden zum Umgang mit komplexen Aufgabenstellungen in Wirtschaft, Regierung und Verwaltung
VS Verlag für Sozialwissenschaften, (GWV Fachverlage), Wiesbaden 2004, Euro 39.90, ISBN 3-531-14437-5
Dieses Buch, herausgegeben von zwei Wissenschaftlern der Verwaltungshochschule Speyer, klärt auf über Möglichkeiten und Grenzen moderner entscheidungsunterstützender Verfahren beim Umgang mit komplexen Aufgabenstellungen in Organisationen von Wirtschaft, Regierung und Verwaltung. Die vorgestellten Verfahren aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sind dabei im wörtli- chen Sinne als unterstützend anzusehen, um eine Balance zwischen inhaltlicher Qualität und Akzeptanz von Entscheidungen zu finden. Die Komplexität von Handlungen und Entscheidungen hat in den letzten Jahrzehnten fast exponentiell zugenommen, d.h. die immer höhere Anzahl von Elementen einer Handlungsentscheidung ist in immer vielfältiger Form miteinander verknüpft. Auch wenn Entscheidungen zum grössten Teil von Intuitionen geprägt sind (wirksame Erfahrungen), so ist es erforderlich, den Rationalitätsanteil zu erhöhen, aber auch immer mehr Beteiligte (Stakeholder, Experten, Umsetzer) zu koppeln. Und gerade dafür bietet das Buch eine exzellente Unterstützung. Im ersten Teil werden die psychologischen Ansätze zur Handhabung komplexer Aufgaben untersucht. Im 2. Kapitel die unterstützenden Verfahren und Bedingungen ihres Einsatzes (Kepner-Tregoe, Vernetztes Denken, SWOT-Analyse, Mind Mapping, Delphi -Technik, Szenario-Analyse, Entscheidungstafeln usw. usw.) knapp dargestellt. Hier kann man wirklich sehr konkreten Nutzen aus dem Buch ziehen, muss aber für Details die genannten Quellen herausziehen. Im 3. Kapitel werden ausgewählte Verfahren zur Handhabung komplexer Aufgaben (vor allem Vester’s Vernetzungs-Konzept) dargestellt. Im 4. und 5. Teil geht es um hochinteressante Praxisbeispiele und die praktischen Konsequenzen. Es ist teilweise ein Werkzeug-Buch, auf sehr breiter Reflexions- und systematischer Basis. Es kommen eben Wissenschaftler und Berater zu Wort, die eine anregende Mischung bieten. (KT)
Rudolf Fisch / Dieter Becker / Birte Englisch (Hrsg.)
Projektgruppen in Organisationen
Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen 2001, 378 Seiten
Der Sammelband umfasst zum einen eher praxisbezogene Beiträge über Projektgruppenarbeit in Wirtschaft und Verwaltung, zum anderen neuere Forschungsarbeiten aus dem Gebiet der Arbeits- , Organisations- und Sozialpsychologie zum Thema Projektgruppen. Der einleitende Beitrag der Herausgeber gibt einen guten Überblick zum Stand der Forschung. Insgesamt sind die Beiträge eher für ein wissenschaftliches Publikum geschrieben, d.h. der Praktiker muss sich in die thematisch breit gefächerten Beiträge einlesen, um einen Nutzwert aus der Lektüre zu erzielen. Da kann er jedoch durchaus fündig werden.
Joachim Fischer / Ralf Hluchy (Hrsg.)
Prozessteams als eigenständige Akteure im Unternehmen
Physica-Verlag (Springer), Heidelberg 2001, 232 Seiten
In diesem Buch wird sehr konkret und anhand von 3 Unternehmen (Aluminium-Giesserei, Badmöbel-Hersteller und Automobil-Zulieferer) gezeigt, wie kundenorientierte Prozessteams aus Mitarbeitern gebildet werden, die Geschäftsprozesse eigenverantwortlich steuern und diesen Erfolg mit verständlichen PC-basierten Controlling- und Kostenrechnungsinstrumenten ermitteln. Die Organisationsentwicklung basiert auf dem AMOR-Modell, d.h. einem Phasenmodell als Entwicklungsspirale (Analysieren, Modellieren, Organisieren und Realisieren). Und nach diesen Zyklen (Prozesse und Teams bilden, Prozessteams unterstützen, Prozes-se ergebnisorientiert steuern) ist auch das Buch gegliedert. Eingerahmt wird das von Prozessen der Leitbilderstellung und Prototyping, um den Innovationsprozess (be)greifbar zu machen und die Qualifizierung des Prozessteams. Es ist schon erstaunlich, aber auch zu geniessen, was Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsinformatik (Paderborn) an handfesten Hinweisen, Methoden, Instrumenten und eingewobener Philosophie bieten. Sie bieten uns ihre Schätze in diesem Buch an.
Peter Fischer
Neu auf dem Chefsessel. Erfolgreich durch die ersten 100 Tage
Redline Wirtschaft, Frankfurt 2005, , 8. akt. und erw. Auflage, 206 Seiten, Euro 38.–, ISBN 3-636-01201-0
Dieser vor zehn Jahren erstmals erschienene Bestseller ist sicherlich auch einer der wenigen, der nicht nur angelesen wird, weil die Manager höchsten Nutzen daraus ziehen können. Und nicht nur die, sondern auch Coaches und Berater. Es sind sehr praktische und übersichtlich aufbereitete Empfehlungen, die Führungskräften gegeben werden, wie sie die ersten 100 Tage nach dem Positionswechsel so gestalten können, dass Fehler vermieden, Chancen genutzt, Netzwerke aufgebaut und die Faktoren berücksichtigt werden, die einen erfolgreichen Wechsel ausmachen. Heute übernehmen Führungskräfte durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre eine neue Position. Und da sind auch die bekannten 100 Tage eher knapp geworden, in denen es darauf ankommt, Ausgangssituationen konstruktiv zu analysieren, Veränderungen nicht sofort, aber wirkungsvoll zu initiieren, Symbole und Rituale zu nutzen statt sie abzulehnen usw. Das Buch ist ein Klassiker und dennoch soll für jüngere Kollegen und Führungskräfte noch mal die dringende Empfehlung für dieses Buch anlässlich der 8. Auflage gegeben werden, in der der Autor noch mehr auf die internationalen Wechsel eingeht. Da sich Führungskräfte zudem in Zukunft immer stärker auf Veränderungsprozesse konzentrieren werden, ist das Buch wohl auch für Organisationsentwickler wichtig und anregend. (KT)
Daniela Kudernatsch/ Peter Fleschhut, HRSG.
Management Excellence. Strategieumsetzung durch innovative Führungs- und Steuerungssysteme
SchäfferPoeschel, Stuttgart 2005, 495 Seiten, Euro 49.95, ISBN 3791032888
Der Leitgedanke des vorliegenden Bandes von Aufsätzen richtet sich auf die kohärente Abstimmung der unterschiedlichen Führungs- und Steuerungsansätze, die in den meisten Unternehmen aber von unterschiedlichen Funktionen wahrgenommen und daher selten wirklich integriert und abgestimmt werden. Das beginnt mit den wertschöpfenden Prozessen, den unterschiedlichen Optimierungsansätzen und reicht über Planung, Reporting bis hin zu Leistungsfeedback und Leistungsanreizen. In diesem Buch stellen die Autoren praktische Beispiele der Unternehmenssteuerung aus ihren Arbeitsumfeldern dar und dieser Duktus charakterisiert auch die zahlreichen Beispiele. Die Fallstudien sind überwiegend sehr anschaulich und auch in verständlicher Weise präsentiert. Wichtig erscheint mit zudem, dass es den Autoren nicht nur um Steuerung mit Hilfe von Instrumenten und Systemen geht, vielmehr wird immer auch der Zusammenhang zu organisatorischen und strategischen Lernen hergestellt. Noch schöner wäre es gewesen, etwas von den praktischen Mühen und Problemen bei der Einführung solcher Konzepte mitzubekommen, dafür etwas weniger Erfolgsgeschichten. (JF)
Patrick C. Flood/Martin J. Gannon/Jaap Paauwe
Managing Without Traditional Methods. International Innovations in Human Resource Management
Addison-Wesley, 1996, 345 Seiten, $ 36.50
Ein gescheites, informatives, unprätentiöses Buch über neue Trends in der Personalentwicklung – die Autoren leuchten knapp und präzise aus, welche Schlüsselqualifikationen durch PE unterstützt werden können, entwerfen Bilder, wie Organisationen ohne klassische Strukturen funktionieren, beschreiben die mögliche Rolle der PE bei Management Buyouts, beschreiben eine unternehmerische Zukunft mit hohem Leasingpersonal-Anteil und die PE ohne Personalentwickler. Zu jedem Kapitel gibt es kurz gefasste Praxisbeispiele, meist aus Europa und den USA, Literaturangaben, sparsame, aber aussagekräftige Grafiken und einen transparent gemachten theoretischen Hintergrund. Self-managing teams und neue Total Quality-Ansätze runden das Bild ab. Der Untertitel verspricht nicht zuviel: innovative Personalentwicklungs-Trends, die weit in die Organisationsentwicklung hineinreichen. (FB)
Jork de la Fontaine
Das Firmenjubiläum. Marketing- Kommunikation zu einem besonderen Anlass.
Für Unternehmen, Verbände und Institutionen
Luchterhand Verlag, Neuwied 1999, 223 Seiten, DM 88.ö
Jubiläen bieten eine einmalige Chance: Interne und externe Zielgruppen schenken dem Unternehmen, der Institution oder der Marke besondere Aufmerksamkeit. Diese gilt es zu nutzen. Zum Beispiel für höhere Bekanntheit, bessere Imagewerte, Verkaufsoffensiven oder mehr Motivation bei den Mitarbeitern. Kurzum: für die Unterstützung strategischer Ziele. Richtig verstanden und gut geplant, erwirtschaften Jubiläumsmassnahmen Vorteile, wird das Jubiläum zur Investition in die Zukunft. Die Verantwortlichen stehen oft zum ersten Mal vor dieser alle fachlichen Grenzen und Erfahrungen überschreitenden Aufgabe. Hier leistet das Buch wertvolle Hilfestellung. Es begleitet den Leser von der Ist-Analyse über die Strategieentwicklung bis zur Umsetzung. Und das mit vielen praktischen Tipps, Grafiken und Checklisten. Alle Planungsschritte sind nachvollziehbar dargestellt. Fehlerquellen und Erfolgskriterien werden plastisch beschrieben. 20 Fallstudien bekannter Unternehmen und Einrichtungen zeigen, welche Chancen in dem Ereignis Jubiläum stecken: Unternehmen, Institutionen und Markenartikler bieten einen Einblick in Zielsetzung, Planung und Durchführung, in Ergebnisse und Highlights. Die Autoren, erfahrene Marketing-Kommunikations-Berater, haben ihre Erfahrungen aber für eine gründliche, anregende und erfolgreiche Planung und Gestaltung kondensiert. Eine von Ihnen hat z. B. das 100jährige Firmenjubiläum der Allianz AG betreut. Natürlich können die Anleitungen, Checklisten u.a. als Hinweise auch für andere Grossveranstaltungen genutzt werden, denn es wird auch ausführlich auf die Methodik der Planung (Gruppen, Brainstorming etc.) eingegangen.
Mathias Fontin
Das Management von Dilemmata. Erschliessung neuer strategischer und organisationaler Potentiale
Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 1997, 421 Seiten, DM 118.-
Mit dem Anstieg der Komplexität nehmen Situationen (insbesondere in der Führung) zu, in denen es keine eindeutigen Handlungsmuster zu geben scheint, bzw. die vermeintlichen Handlungsmöglichkeiten scheinen nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung zu führen: man findet sich in Dilemma-Situationen wieder, aus denen man sich scheinbar nicht wirksam befreien kann. Dieses wiederholte «scheinbar» soll darauf hinführen, dass sich Dilemmata doch effektiv managen, also auflösen lassen. Es geht offensichtlich immer mehr um die Kunst, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Eine entscheidende Quelle der Dilemmata stellt, nach Erkenntnissen des Verfassers, der laufende Wandel dar. Die grundlegende Herausforderung für das Management liegt in der Bewältigung von Dilemmata, für die der Verfasser geeignete Umgangsstrategien evaluiert und vier Bausteine eines Managements von Dilemmata entwickelt, die in dem ADINO-Verfahren (Aufhebung von Dilemmata in Organisationen) münden, als ein unmittelbar anwendbares Werkzeug zur aktiven Bearbeitung (Aufhebung, Auflösung) von Dilemmata. Damit können wirklich wichtige, notwendige und ertragsreiche Handlungspotentiale erschlossen werden. Nach der Begriffsabgrenzung und Klärung des Problemfeldes (mit vielen Beispielen) wird eine Fallstudie zur Ausgestaltung der Dilemmata in der Unternehmenspraxis vorgestellt, sowie die Umgangsmuster ausführlich diskutiert. Am Ende des 6. Kapitels wird dann das bereits erwähnte ADINO-Werkzeug abgeleitet und ausgearbeitet. Dies besteht, kurz gesagt, in der Anlage und Durchführung eines Prozesses zur Erkennung (als grundsätzliche Fähigkeit), zur Akzeptierung, Wunsch nach Beseitigung, analytischer Durchdringung von Dilemmatas und noch mehr, wie der Aufhebung von ineffektiven (alten) Verknüpfungen, Schaffung von neuen Bezugspunkten usw. Wir haben in der Redaktion einmal aufgrund meiner Initiative beschlossen, Bücher nur kurz vorzustellen, aber auf jeden Fall zu bewerten, also klare Empfehlungen zu geben und die Leser nicht mit langen Inhaltsangaben und Diskussionen zu beschäftigen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Normalerweise fällt mir das als Rezensent nicht so schwer, aber von diesem Buch hätte ich gerne detaillierter berichtet, bzw. einiges gerne diskutiert. Da wir aber den Autor gebeten haben, uns sein ADINO-Werkzeug in einem Artikel (1998) vorzustellen und ich den Redaktionskollegen ein Leser-Forum zur Diskussion vorschlagen möchte, fasse ich mich kurz (bei bereits überschrittener Grenze). Ich halte das Buch für sehr wichtig, um insbesondere Prozesse des Wandels effektiver zu gestalten bzw. zu nachhaltigen Erfolgen zu führen. Neuberger hat bereits in den 80er Jahren die Führungsdilemmata thematisiert und Strategien zum Umgang vorgeschlagen. Das vorliegende ADINO-Verfahren geht aber im Lichte der systemtheoretischen, konstruktivistischen und anderen neueren Ansätzen tiefer. Ich meine, dass hier Manager und Berater noch viele Hausaufgaben machen müssen, um eine zentrale Effektivitätsbarriere zu überwinden. Das wird nicht ohne erweitertes Lernen in kognitiver und sozialer Hinsicht gehen. Es ist auch ein Verdienst dieses Buches, dies deutlich gemacht zu haben.
Das Buch ist nicht nur empfehlenswert hinsichtlich des Dilemmata-Themas, sondern auch weil es in der Aufbereitung der Grundlagen eine Rei- he excellenter Darstellungen und Interpretationen der wesentlichen Theorien, Konzepte und Ansätze gibt. Um so weniger verstehe ich, dass der Autor das ADINO-Werkzeug am Ende nicht zur leichteren und besseren Orientierung zusammenfassend (strukturiert und bildlich) darstellt. Das würde es Praktikern erleichtern, erstmal quer zu lesen, das Werkzeug zu entdecken und dann bei den Grundlagen ausführlicher zurückzu»lesen». Aber besser ein Wermutstropfen als ein Wassertropfen oder Luftbläschen. Der Preis ist allerdings kein kleiner Tropfen. Er könnte beim potentiellen Leser ein Dilemma auslösen, was er aber ohne die Lektüre des Buches nicht auflösen kann. Hoffentlich leistet dazu diese empfehlende Rezension ein Beitrag.
Günter Müller-Stewens/`Mathias Fontin
Management unternehmerischer Dilemmata. Ein Ansatz zur Erschliessung neuer Handlungspotentiale
Schäffer-Poeschel Verlag/NZZ-Verlag, Stuttgart/Zürich 1997, 72 Seiten, DM 48.-
Die Schriftenreihe «Entwicklungstendenzen im Management» des Instituts für Betriebswirtschaft der Hochschule St. Gallen entwickelt sich immer mehr zu einer sehr wertvollen Quelle übersichtlicher, klarer, kurzer und preislich attraktiver Einführungen bzw. Unterstützungen für den Praktiker (siehe die Publikationen von Bleicher zu Leitbilder, den cashflow von Siegwart, Dienstleistungsmanagement von Lehmann usw.). Im vorliegenden Band handelt es sich um eine Hilfe für den Umgang mit Dilemmata, die in Zeiten erhöhten Wandels zunehmen. Die Arbeit beruht auf den Erkenntnissen der oben vorgestellten Dissertation von M. Fontin. Hier wird aber auf die praktische Darstellung von Fallstudien mit typischen Dilemmata fokussiert und es werden konkrete und wirklich sehr hilfreiche Workshop-Designs vorgestellt. Beide Bücher ergänzen sich bzw. unterscheiden sich in Tiefe und etwas in Praxisnähe, erzeugen also kein Erwerbs-Dilemmata! Man hätte sich für den Praktiker noch ein paar Seiten über die Werkzeuge der Dilemmata-Auflösung aus der Dissertation wünschen können, aber auch so wird sehr gut und eindringlich dargestellt, wie neue Handlungspotentiale in Unternehmen erschlossen werden können.
Leonhard Fopp, Johann C. Schiessl
Business Change als neue Management Disziplin. Wie der Chief Change Officer (CCO) den Unternehmenswandel mitgestaltet
Campus Verlag Frankfurt 1999, 254 Seiten, DM 78.ö
Der zunehmende Ersatz der Organisationsentwicklung durch Change Management, zumindest im Namen, repräsentiert ja auch den Bedeutungswandel der Methode und Funktion. Der Wandel wird eine Sache der Linie und bleibt nicht ein Feld von Spezialisten allein.
Die St. Gallener Berater (SCG Consulting Group) ziehen mal wieder als erste die expliziten Konsequenzen aus dieser Entwicklung und liefern ein erstes programmatisches Buch, um sie inhaltlich zu füllen. Allerdings ist auch noch viel Füllmaterial vorhanden, in diesem ersten Ansatz, der auch Unsicherheit bzw. Mangel an Erfahrung hindeutet, was aber nicht den Autoren angelastet werden kann.
Im ersten Teil werden die fundamentalen Veränderungen der unternehmerischen Umwelt beschrieben, um dann dazu überzugehen, die Prozesse des Wandels, die Rollen darin und die Veränderung der Funktionsfelder und Rolle der Berater zu beschreiben und zu systematisieren. Im Zentrum steht der Versuch, das neue Aufgabenfeld des Chief Change Officer (CCO) zu entwerfen. Es gibt viele positive, aber auch kritische Aspekte in diesem Buch. Das Wandelkonzept wird in den Business Kontext gestellt, wovon die OE viel lernen kann. Zudem wird beispielsweise deutlich, wie sich das Personalmanagement verändern wird. Aber ob das nur als Wissensmanagement tätig werden wird, ist jetzt schon zu verneinen.
Kritisch sehe ich auch die wohl bewusste Vernachlässigung der Errungenschaften der OE bezüglich des Managements sozialer Prozesse. Zwar wird das Buch von Doppler/Lauterburg angeführt, aber eher am Rande. Das Buch unterliegt noch ganz der ÷konomisierungs-Bewegung, die sich aber bereits abschwächt.Ich bin gespannt, wann der erste CCO ernannt wird im deutschsprachigen Unternehmensraum. Die/der sollte dann dieses Buch lesen! Aber auch den OE'lern sei die Lektüre sehr empfohlen, damit sie rechtzeitig erfahren, wo die Wettbewerber sich aufbauen.
Dirk Fornahl/ Thomas Brenner, ED.
Cooperation, Networks and Institutions in Regional Innovation Systems
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos.2003, 368 Seiten, ca. Euro 98.–, ISBN 1840649836
Der Einfluss räumlicher Aspekte auf Kommunikation, Kooperation und Austausch in innovativen Entwicklungen ist theoretisch schon länger ausgearbeitet, praktisch aber immer noch unterschätzt. Die Autoren dieses Sammelbandes zeigen, dass innovative lokale Cluster sich entlang spezifischer Muster und in rekonstruierbaren Phasen entwickeln. Dabei spielen einzelne Akteure, insbesondere natürlich Entrepreneure eine treibende Rolle, die sich in einem entsprechenden institutionellen Umfeld, lokalen Kulturen, kognitiven Bezugssystemen und Netzwerken entfalten bzw. umgekehrt diese generieren. Von besonderem Interesse ist, dass verlierende Regionen nicht zuletzt aufgrund von lähmenden Lernpathologien und defensiven Kognitionen entstehen und ihren Niedergang gleichsam selber erzeugen. Hingegen verbreitet sich in prosperierenden Regionen ein Klima des auf sich Vertrauens und des Aufbruchs. Die Beiträge zeigen exemplarisch, wie genau solche mentalen Modelle entstehen und vergehen. Das Buch besticht dadurch, dass die theoretische Fundierung durch viele Fallbeispiele hinterlegt wird. Zugleich enthält es eine Reihe von praktischen und politischen Empfehlungen, so dass es nicht nur für den theoretisch interessierten Leser geeignet ist, sondern gerade auch für Kollegen, die sich praktisch mit nachhaltiger Entwicklung von Regionen, Institutionen und Netzwerken befassen, um innovatives Potenzial freizusetzen. (JF)
John D. Blair, Myron D. Fottler, Grant T. Savage (Hrsg.)
Advances in Health Care Management - Volume 1
(Jai Press) Elsevier Sience, Amsterdam 2000, 465 Seiten
Vor einem Jahr (Nr. 2/2002) habe ich den Band 2 dieser Forschungsberichte zum Gesundheitswesen vorgestellt. Er hatte mein Interesse für den 1. Band geweckt, was nicht enttäuscht wurde. Meistens ist der erste Band gehaltvoller und enthält mehr Grundsatzbeiträge. Das ist auch hier der Fall.
Dieser Band stellt eine Reihe sehr empfehlenswerter Aufsätze zusammen. Beispielsweise den von Goes/Friedman/Seifert und Buffa zur Theorie, Forschung und Praxis der Veränderungsmodelle in der Anwendung auf Gesundheitssysteme. Er gibt eine exzellente Übersicht über die Wandelkonzepte, wie ich sie in der komprimierten Form noch nicht gesehen habe. Oder der Aufsatz von Burns/ Wholey über die Kooperations-Optionen für Ärzte im turbulenten Umfeld. Einige Aufsätze befassen sich mit den neuen Versorgungs-systemen und strategischen Fragen, vor allem aber mit den Herausforderungen für das Management in den sich stark verändernden Gesundheitssystemen. Eine kurze aber informative Übersicht über die Gesundheitssysteme verschiedener Länder rundet den Band zu einer sehr empfehlenswerten Lektüre ab. Die Autoren sind Forscher, Gesundheitsmanager und teilweise Ärzte von der Grundausbildung her. (KT)
Dietmar Franke/ Martina Boden (Hrsg.)
Personalhandbuch 2004
Luchterhand Verlag, Neuwied 2003, 846 Seiten
Das Personalhandbuch erscheint alljährlich neu und enthält zu allen Themen der betrieblichen Personalarbeit und des Arbeitsrechts praktische und konkrete Darstellungen, die sich vor allem an betriebliche Praktiker wenden. Auch innovative Fragen werden aufgegriffen, etwa Diskussionen zu den Hartz-Gesetzen oder zur Balanced Scorecard. So hat sich das Handbuch in den letzten Jahren zu einem wichtigen Rat- und Ideengeber entwickelt, das man bei auftretenden Fragestellungen immer wieder gerne zur Hand nimmt. Hilfreich dabei ist eine sehr übersichtliche Gliederung und Gesamtpräsentation, ebenso ein äusserst umfangreiches Stichwortverzeichnis. Eine CD-Rom ist dem Band beigefügt, so dass man das Werk auch elektronisch nutzen kann.
Dietmar Franke/ Martina Boden (Hrsg.)
Personal Jahrbuch 2003. Wegweiser für zeitgemässe Personalarbeit
Luchterhand Verlag, Neuwied 2003. 505 Seiten mit CD Rom, EURO 86,00
Dieses periodisch erscheinende Werk enthält wiederum eine didaktisch sehr gut aufbereitete Sammlung von Beiträgen zu den relevanten operativen Leistungsfeldern betrieblicher Personalarbeit und der Führung. Die Beiträge sind kompakt, lesefreundlich und enthalten zahlreiche Anregungen für die praktische Arbeit, von Rechenbeispielen über Checklisten bis hin zu Beispielabläufen. Sie erheben keinen grösseren theoretischen Anspruch, sondern wenden sich an Praktiker, die eine schnelle Problemlösung oder Anregung suchen. (JF)
Otmar Franz/ RKW (Hrsg)
RKW-Handbuch Führungstechnik und Organisation (HFO), Ergänzbare Ausgabe in 4 Spezialordnern
Erich Schmidt Verlag, Berlin, 4318 Seiten, DM 196.-
Das auf vier prallgefüllte Ordner angewachsene RKW-Handbuch zu Führungstechnik und Organisation ist ein gutes Nachschlagewerk, in dem Wissenschaftler und Praktiker in unabhängigen Beiträgen Aspekte der betrieblichen Praxis durchleuchten. Während Band 1 Beiträge zur Grundfragen von Führung und Organisation enthält, gehen die Bände 2 und 3 schwerpunktmässig auf Führungstechniken im Kontext der Organisation ein. In Band 4 geht es vorrangig um einzelne Unternehmensbereiche; dieser Band enthält auch ein ausführliches Literaturverzeichnis. Nach und nach erhält man Ergänzungslieferungen, die man in die Ordner einfügen kann.
Viele der Beiträge sind interessant, praxisorientiert und gut zu lesen. Allerdings muss man natürlich berücksichtigen, dass die ältesten Beiträge noch aus den 70er Jahren stammen und in der Schnelllebigkeit unserer Zeit (gerade was Managementmoden anbelangt) eher historische Interessen befriedigen (so z.B. auch Burkard Sievers Beitrag über Organisationsentwicklung aus dem Jahr 1978). Man darf auch nicht erwarten, dass die Themenfelder systematisch abgehandelt werden. Die Beiträge kommen, wie sie kommen und werden in ein vorgegebenes Gliederungsschema eingefügt - ob das heute immer noch ganz passend ist, daran habe ich meine Zweifel. Allerdings ermöglicht das ausführliche Stichwortregister ein dennoch rationelles Arbeiten mit dem Werk. Aktuell neu hinzugekommen sind informative Beiträge von Kobayashi über seinen ganzheitlichen Ansatz zur Optimierung von Geschäftsprozessen sowie von Göbel zum Themenfeld «Outsourcing».
Felix Frei/ Hermann J.Schmelzer/ Wolfgang Sesselmann
Geschäftsprozessmanagement in der Praxis.
Kunden zufrieden stellen – Produktivität steigern – Wert erhöhen
Hanser Verlag, München 2006, 5. Auflage, 580 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-446-40589-5
Horst Ellringman/ Hermann J.Schmelzer
Geschäftsprozessmanagement inside
Hanser Verlag, München 2004, 7 Hefte im Ordner, Loseblattwerk, Euro 149, ISBN 3-446-22961-2
Ich war schon bei der Besprechung einer früheren Auflage des Buches von Schmelzer/Sesselmann in Heft 3/02 sehr angetan von der prägnanten Darstellung der Konzepte der Geschäftsprozesse und der unterschiedlichen Methoden der Prozessoptimierung und -erneuerung. Nach wie vor halte ich das Buch für eines der besten Methodenhandbücher auf diesem Gebiet. Über die verschiedenen Auflagen hinweg sind neben einzelnen thematischen Ergänzungen wie z.B. Six Sigma vor allem weitere Praxisbeispiele und Erfahrensberichte aus Unternehmen hinzugekommen, aber auch weite Teile des Buches überarbeitet und aktualisiert worden. Die Autoren weisen auch auf das Diskussionsforum «Prozesse und Geschäftsprozessmanagement» im Internet hin (www.qm-infocenter. de/forum/prozessmanagement), das inzwischen knapp 300 Einträge aufweist.
Auch die Loseblattsammlung, die Schmelzer zusammen mit Ellringmann inzwischen herausgibt, bietet eine gute Mischung aus Heften, in denen das Thema grundsätzlich aufgearbeitet wird (etwas dickere Hefte von je 100 Seiten Umfang) und Anwendungsberichte aus Unternehmen, die etwa 40 Seiten umfassen. Im Eröffnungsschober waren dies Darstellungen von Infineon, Kurz Gruppe, Vaillant Hepworth und ZF Sachs AG. Dreimal jährlich gibt es Ergänzungslieferungen für 98 Euro (Stand 2004). Für den, der viel mit Geschäftsprozessen zu tun hat, ist auch dies eine lohnende Lektüre. Die optisch ansprechende Aufmachung hat allerdings ihren Preis. (HM)
Joachim Freimuth / Michael Zirkler (Hrsg.)
Lizenz zum Führen? 360-Grad-Feedback in der Personal- und Organisationsentwicklung
Windmühle Verlag, Hamburg 2001, 154 Seiten
Angesichts der in unserer Zeitschrift veröffentlichten kritischen Analyse des 360-Grad-Feedbacks von Neuberger und geplanten Stellungnahmen von Sprenger in diesem Heft-Jahrgang, ist das neue Buch von hohem Interesse. Mein Kommentar: Auf der einen Seite erstaunt mich die geringe kritische Distanz zu dem Instrument, auf der anderen Seite werden doch deutliche Hinweise darauf gegeben, wie es differenziert, sorgfältig geplant und vor allem zweckgebunden eingesetzt werden sollte. Hochschullehrer, externe und interne Berater sowie PE- und OE-Leiter aus Unternehmen stellen aufgrund eigener Erfahrungen dar, was 360-Grad-Feedback (frei übersetzbar: Fütterung von hinten) soll, was es ist und was es kann bzw. bewirken sollte. Ein erfreulicher Fokus ist auf die strukturellen Veränderungswirkungen gerichtet (Führungskultur, Innovationsmanagement, Veränderungsprozesse usw.), also nicht nur auf personelle Wirkungen. Von daher ist das Buch eine Ermunterung für die Anwender, es umfassender als nur zur Verhaltensrückmeldung an Führungskräfte einzusetzen.
Joachim Freimuth (Hrsg.)
Die Angst der Manager
Verlag für Angewandte Psychologie, Göttingen 1999, 311 Seiten, DM 45.–
Nach der wichtigen Dissertation von R. Bröckermann (Führung und Angst, 1989) und dem früher hier besprochenen, weniger relevanten Buch von Pause/Stegmann (Kostenfaktor Angst, 1996) und der grundlegenden Arbeit von Fritz Riemann (Grundformen der Angst, 1962) sowie von H.-E. Richter (Umgang mit Angst, 1992), hat Joachim Freimuth jetzt einen Sammelband herausgegeben, der das bisher eher tabuisierte, aber zunehmend an Bedeutung gewinnende Thema Angst aus sehr verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Dabei kommen wirklich kompetente und über Erfahrungen mit dem Phänomen in der Praxis verfügende Autoren zu Wort. Es werden psychologische und organisations-theoretische Grundlagen, die Ursachen, Folgen und der Umgang mit Angst in Veränderungsprozessen, konkrete Erfahrungen sowie konzeptionelle Ansätze dargestellt. Und zwar immer in der Spannbreite der Angst als Resource oder wichtiger Hinweis für Veränderungen in Führung und Beratung sowie der Angst als Blockade- oder Belastungs-Faktor in Institutionen. Es wird nicht der Versuchung unterlegen, Angst nur auf der persönlichkeits-spezifischen Ebene zu untersuchen, sondern vor allem auch als systemischer Faktor betrachtet. Wer sich mit der Angst als wichtiger Einflussfaktor im Management beschäftigen will, dem kann dieses Buch sehr empfohlen werden. Auch wenn mir eine Diskussion im Kontext des Unsicherheits-Management fehlt. Gerade hier liegt doch eine wichtige Führungsfunktion.
Joachim Freimuth/ Anna Meyer (Hrsg.)
Fraktal, fuzzy oder darf es ein wenig virtueller sein?
Rainer Hampp Verlag, München/Mering 1998, 239 Seiten, DM 54.20
Dieser Sammelband ist den Fragen und Antworten dazu gewidmet, wie sich die betriebliche Personalarbeit im Kontext der Verschlankung, Virtualisierung oder Fraktalisierung verändert bzw. verändern muss. Es werden nicht nur Konzepte der virtuellen Personalabteilung diskutiert, sondern auch Ansätze, die den Stellenwert der Personalarbeit mit der schwierigen Frage der Mitarbeiterbindung und -identifikation in entgrenzten Strukturen verbinden, weil sich hier das Rollengefüge und die betrieblichen Austauschprozesse verändern werden. Die Herausgeber, kompetente und bekannte Fachleute, haben hier allerdings Beiträge mit unterschiedlicher Qualität der Analyse- und Gestaltungsmassnahmen zusammengestellt. Den enttäuschensten Beitrag (gemessen an dem Titel) liefert Sattelberger mit seinen Thesen zu Human Ressources in virtueller werdenden Organisationen. Eine Sammlung modischer Begriffe wird gemixt – von Virtualität keine Spur. Da bietet der Beitrag von Wächter/Metz schon viel mehr und Weiterführendes, ebenso wie die Darstellung seines bekannten Ansatzes über die virtuelle Personalabteilung von Ch. Scholz. Da bieten die HerausgeberInnen in ihren Beiträgen auch Brauchbares (Anna Meyer zur Personal-Führung jenseits des Rollenhandelns und Joachim Freimuth zur Renaissance des Personalmarketing im Zeitalter der Elektronik). Auch der Beitrag von Walter A. Oechsler ist wichtig, kritisch und anregend, wenn er fragt, ob wir mit dem (heutigen) arbeitsrechtlichen Regelungsrahmen aus der Industrie- in die Informationsgesellschaft wechseln können. Ebenso lesenswert ist der Beitrag von B. Heitger, Ch. Schmitz und B. Zukker zu den neuen internen Dienstleistern. Hier werden Unterschiede gemacht, Rollenmuster entworfen und der systemische Kontext hergestellt. Das Buch bietet viele Anregungen, gibt viele Hinweise in einem breit gespannten Rahmen, hätte aber doch bezüglich der Auswahl der Beiträge kritischer angelegt sein müssen.
Hans A. Wüthrich/ Andreas F. Philipp/ Martin H. Frentz.
Vorsprung durch Virtualisierung. Lernen von virtuellen Pionierunternehmen
Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 1997, 303 Seiten, DM 78.–
Die Virtualisierung wird in diesem praxisorientierten Buch im Kontext temporärer Wertschöpfungsnetzwerke betrachtet, die die traditionellen Allianzformen ablösen können. Die Autoren, Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München, zeigen anhand von über 50 untersuchten und 6 ausführlich dargestellten Fallstudien das Spektrum virtueller Wertschöpfungsmöglichkeiten auf und entwickeln ein vertieftes Verständnis für die Mechanik virtuell operierender Pionierunternehmen. So kann der Leser auch den Eignungsgrad seiner Branche für eine Virtualisierung der Wertschöpfung erkennen sowie – soweit geeignet – die für sein Unternehmen geeignete Form der Virtualisierung ableiten. Die Entscheidungshilfen im dritten Teil des Buches sind sehr hilfreich, wenngleich nicht so leicht konsumierbar. Die Autoren mussten erkennen, dass es kein Referenzmodell der virtuellen Organisation gibt. Feststellbar war ein breites, sehr unterschiedlich ausgestaltetes Spektrum denkbarer Virtualisierungsformen. Also muss man sich schon bemühen und viel in die Eigenentwicklung investieren. So einfache Rezepte gibt es nicht.
Karolina Frenzel, Michael Müller, Hermann Sottong
Das Unternehmen im Kopf. Schlüssel zum erfolgreichen Change-Management
Carl Hanser Verlag, München 2000, 194 Seiten, DM 59,80
Wir kennen das, als Manager und Berater: Es gibt eine Vision, die Ziele des Wandels sind einsichtig formuliert und die Massnahmen klar umrissen und aufeinander abgestimmt. Eine ideale Situation und doch hakt es, es kommt zu Widerständen, das Veränderungsrad dreht sich immer langsamer und alles versandet. Die Autoren, Inhaber eines Beratungsnetzwerkes, stellen für die Situationen eine Methode, die des storytelling vor, mit der es gelingen kann, die verborgenen Spielregeln des Unternehmens, eben das "Unternehmen im Kopf" sichtbar, d.h. erzählbar und nutzbar zu machen. Aus der Praxis für die Praxis wird sehr lebendig und mit vielen Beispielen belegt, Anregungen gegeben, warum und wie diese Methode genutzt werden kann. Man lässt sich Geschichten von den Mitarbeitern erzählen (z.B. Ursprung des Unternehmens, Rivalitätskämpfe, Konfliktepisoden usw.) und erhält so mittels strukturanalytischer Textinterpretationen mentale Lernkarten, die in den Köpfen der Mitarbeiter vorhanden sind, und die zeigen, wo es hakt, d.h. wo es Wahrnehmensunterschiede, Probleme, Zögerlichkeiten, Widerstand u.a. gibt. Soweit ist das Buch sicher für viele Leser interessant und hilfreich, die in ihren Köpfen nah an dieser Methode sind. Und das Buch ist zu empfehlen, mir selber hat es viele Anregungen gegeben und Interventionen vermittelt.
Erich Frese (Hrsg.)
Organisationsmanagement. Neuorientierung der Organisationsarbeit
Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart 2000, 388 Seiten
Wie alle klassischen Zentralbereiche der grossen Unternehmen steht auch der Bereich "Organisation" vor der Herausforderung, den Übergang von der Ordnungs- zur Dienstleistungsfunktion zu bewältigen und das Verhältnis von zentralen und dezentralen Aufgabenstellungen auszubalancieren. Und in Zeiten der permanenten Veränderung stellt sich auch ihm die Frage, wie von der Organisation einer dauerhaften Ordnung zu einer Organisation des Wandels zu gelangen ist. Das aus dem Arbeitskreis "Organisation" der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft hervorgegangene Buch gibt einen guten Überblick über diesen Transformationsprozess. In einer Mischung aus konzeptionellen Grundsatzbeiträgen und Berichten aus den am Arbeitskreis beteiligten Grossunternehmen werden u.a. Fragen der Organisation des Organisationsbereichs, von In-und Outsourcing, der Organisierung des Wandels und der Einbindung der MitarbeiterInnen und ihrer Vertretung behandelt. Die Thesen zu Beginn des Buches geben dabei einen guten Überblick, worum es grundsätzlich geht. Ich hätte mir gewünscht, dass noch etwas stärker auf die Verwerfungen und Widersprüchlichkeiten dieses Transformationsprozesses eingegangen wird, bei dem der Organisationsbereich nicht nur Mit-Träger sondern zugleich auch Objekt der Veränderung ist. Dennoch eine brauchbare Grundlage für alle, die im Organisationsbereich arbeiten.
Michael Frese (Hrsg)
Erfolgreiche Unternehmensgründer. Psychologische Analysen und praktische Anleitungen für Unternehmer in Ost- und Westdeutschland
Verlag für Angewandte Psychologie, Göttingen 1998, 230 Seiten, DM 69.–
Das Buch präsentiert praxisorientiert die Ergebnisse der ersten umfassenden Untersuchung von west- und ostdeutschen Kleinunternehmen und stellt die wichtigsten praktischen Konsequenzen aus dieser Studie vor. Es wird aufgezeigt, wie bedeutend psychologische Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmensführung sind, unter welchen Gegebenheiten diese Faktoren besonders relevant sind und welche Konsequenzen sich daraus für die Praxis ergeben. Dazu wird u.a. die Bedeutung von Gründungsmotiven, kulturellen Faktoren sowie Unterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland für den unternehmerischen Erfolg behandelt und dem Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und erfolgreichen Handlungsstrategien nachgegangen. Es werden nicht nur Kompetenzen, Eigenschaften und Strategien für erfolgreiche Unternehmer dargestellt und begründet, sondern man erfährt viel über Persönlichkeitsskalen und deren Operationalisierung. So ganz nebenbei werden die drastischen Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen (Klein-) Unternehmen wieder deutlich bestätigt: Die ostdeutschen Unternehmer haben ein grösseres Dominanzbedürfnis, sind rigider und autoritärer, während die westdeutschen viel freizeitorientierter, weniger identifiziert mit der Arbeit und weniger innovativ sind. Wo will man da entscheiden, was ablehnungswerter oder zu bevorzugen ist? Und die ganze Untersuchung wurde mit minimalsten finanziellen Mitteln im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes realisiert. In jeder Beziehung also nicht gerade ein übliches Buch und daher sehr lesenswert bzw. nutzenswert.
Christel Frey
Die intrapersonelle Balance-Theorie im Führungsverhalten
Gabler Edition Wissenschaft, Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 1995, 396 S., DM 118.00.
Es ist immer wieder überraschend, mit wie wenig Sorgfalt der Titel für ein Buch ausgewählt wird. Der Rezensent legt es dann rasch auf den Stapel des noch zu Lesenden, wenn es die Zeit erlaubt. Das gilt leider auch für dieses Buch, dessen aseptisch-akademischer Titel verbirgt, dass dahinter eine wissenschaftliche Arbeit steckt, die sich wie wenige umfassend mit der Frage «Frau als Führungskraft» auseinandersetzt. Die biologisch sicher richtige Unterscheidung zwischen Mann und Frau hat bis heute dazu verführt, sie auch auf die Unterschiedlichkeit im Verhalten zu übertragen, was für beide Geschlechter zu starren Lebensformen und zu Stereotypen geführt hat, die sich nur langsam auflösen. Im ersten Teil befasst sich die Autorin mit dem Begriff des Selbst-Konzeptes, von dem aus Männer und Frauen ihre Rollen und Wertungen aufbauen. Die damit verbundene Geschlechtstypisierung führt im traditionellen System der Führung zu Einstiegs- und Karrierebarrieren für Frauen und zu einem unausgewogenen Verhaltensrepertoire bei Männern und Frauen. Das Buch ist eine Dissertation und damit für den Normalleser mit dem üblichen Problem des theoretischen und methodischen Overheads belastet. Dennoch ist schon allein die Übersicht über den Stand der Forschung zu diesem Thema wertvoll für diejenigen, die sich fundamentaler mit Überlegungen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen oder genauer: mit der Förderung eines ausbalancierten Führungsrepertoire befassen, mit dem sich Frauen und Männer gleichermassen erfolgreich bewegen können.
Michaela Frey
Verwaltungs-Organisationskulturveränderung durch Personalentwicklung im Neuen Steuerungsmodell
Raabe-Fachverlag, Düsseldorf 1998, 255 Seiten
Die kommunale Verwaltungsreform kommt nur mühsam voran. In ihrer, von den Professoren Hill und Klages, begutachteten Dissertation setzt sich die Autorin mit den bisherigen Veränderungsbemühungen im Rahmen des Neuen Steuerungsmodells auseinander. Ausgehend von der richtigen Feststellung, dass der Fokus der bisherigen Reformbemühungen zu sehr auf einer bloss betriebswirtschaftlichen Ebene lag, während der kulturelle Kontext vernachlässigt wurde, entwickelt sie ein Verwaltungs-Organisationskultur-Modell, das in seinen Grundzügen auf Schein's Ausführungen zur Organisationskultur basiert, und leitet daraus ein Personalentwicklungskonzept ab. Deutlich herausgearbeitet wird, dass die herkömmlichen Grundsätze des Berufsbeamtentums trotz aller Reformbemühungen einer sinnvollen Personalentwicklung nach wie vor enge Schranken setzen. Auch die bisherigen Personalentwicklungsaktivitäten der Kommunen, die überwiegend auf Anreiz-Modellen basieren, tragen nach Ansicht der Autorin wenig zur kulturellen Transformation bei. Als Gegenkonzept entwickelt sie einen am Identifikationsmodell von Wunderer/Mittmann orientierten PE-Ansatz, der anhand der, allerdings etwas unkritisch übernommenen, werteorientierten Personalpolitik der BMW AG näher erläutert wird. Zu recht arbeitet die Autorin heraus, dass bei der Umsetzung entsprechender Elemente im Bereich der öffentlichen Verwaltung der Führungspraxis eine Schlüsselrolle zukommt. So unbestritten die Notwendigkeit von Personalentwicklung in der Öffentlichen Verwaltung ist, bin ich doch skeptisch, ob dieser Ansatz nicht zu kurz greift, um einen wirklichen kulturellen Wandel zu bewirken. Statt nur im System müsste stärker noch am System gearbeitet werden, d.h. die «weichen» Faktoren müssten die «harten» nicht nur ergänzen, sondern in den konkreten Prozessen miteinander verknüpft werden. Hier zeigen sich m.E. Grenzen des Organisationskultur-Modells und des daraus abgeleiteten PE-Ansatz, der doch zu sehr auf der reinen Verhaltensebene operiert. Dennoch: Wer sich mit Fragen der Verwaltungsreform beschäftigt, dem bietet das Buch eine Reihe von konzeptionellen Denkanstössen, mit denen sich auseinander zu setzen lohnt.
Sören Frickenschmidt/ Kemal Görgülü/ Wolfgang Jäger
Human-Resources im Internet 2001
2. Auflage, Luchterhand Verlag, Neuwied 2001, 177 Seiten, ¤ 84.-
Electronic Human Resources Management (eHRM) war eines der Projekte im Gefolge der New Economy, aus denen sich Personalführung und - management neue Impulse für die Systematisierung und Nachhaltigkeit ihres Tuns erhofften. Es begann mit Formen der netzgestützten Personalsuche und E-Learning, von dort aus weiteten sich die Konzepte in andere klassische Bereiche der Personalführung aus. Der vorliegende Band liefert eine empirische Studie unter den 100 grössten deutschen Firmen, aus welcher der Verbreitungs- und Durchdringungsgrad von eHRM deutlich wird. Die Untersuchungen zeigen, dass zwar 90% der Unternehmen über einen Auftritt verfügen, aber im Detail werden viele Unterschiede deutlich, der vor allem aus dem notwendigen Pflegeaufwand resultiert, der etwa für Internet-Auftritte unumgänglich ist. Eine weitere Schwachstelle ist die Interaktivität der Ansätze. Die gerade hier liegenden, einzigartigen Potenziale der neuen Technologien werden am wenigsten genutzt, vermutlich auch, weil der Aufwand sehr hoch ist und der Nutzen schwer nachweisbar ist. Auch hier wird deutlich, nach dem Hype folgt offenbar die Ernüchterung und die Reduktion von eHRM auf das, was man als unerlässliche Pflichtübung begreift. (JF)
Herwig R. Friedag, Walter Schmidt
Balanced Scorecard Mehr als ein Kennzahlensystem
Haufe Verlagsgruppe, Freiburg 1999, 262 Seiten, DM 58.ö
Die Balanced Scorecard ist als neue Management-Methode weit mehr als ein Kennzahlensystem. Es ist ein Führungs- und Kommunikationsinstrument, und das ist nicht nur für Controller nützlich, sondern eben für die Unternehmensführung insgesamt. Sie ist ein operatives Führungsinstrument, was die Vision und Strategie auf verschiedenen Gebieten (Mitarbeiter, Geschäftsprozesse, Finanzen, Kunden usw.) in opera- tive Ziele fasst, die dann umgesetzt und controlled werden. Bisher gab es eine Reihe von Aufsätzen, die die Philosophie, Zielsetzung und das Grobkonzept darstellten. In unserer Zeitschrift wurde bereits in der Nr. 2/1998 von U. Schmidt, Personalentwickler der KNOLL AG, beschrieben, wie es umgesetzt werden kann. Der vorliegende Band ist eines der ersten deutschsprachigen Bücher, in dem anhand von vorwiegend mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen gezeigt wird, wie man mit der Balanced Scorecard arbeiten kann, d. h. wie man sie zur Steigerung der Leistung, Zielerreichung und dem Wandel einsetzen kann. Es wäre sicher nützlicher gewesen, wenn statt der Vielfalt der Unternehmen der Tiefe der Beispiele mehr Raum gegeben worden wäre. Aber auch so ist das Buch nicht nur für Strategen und Controller zu empfehlen, sondern auch für Organisationsentwickler, um damit die Forderung nach mehr Fachwissen an sie erfüllen zu können.
Brian S. Friedmann / James A. Hatch / David M. Walker (Arthur Andersen)
Mehr-Wert durch Mitarbeiter
Luchterhand, Neuwied, Kriftel, 1999; 220 Seiten.
Unternehmen sind auf Mitarbeiter angewiesen. Und Mitarbeiter sind Teil des immateriellen Vermögens eines Unternehmens, das gemessen, bewertet und gesteigert werden kann. Das sind die Axiome, auf denen das vorliegende Buch basiert. Die Autoren - Berater der Arthur Andersen-Gruppe - stellen die These in den Mittelpunkt, dass Investitionen in das Human-Kapital in globalen Unternehmen von zentraler Bedeutung sind, dass diese Investitionen aber eine hohe, messbare Rendite erbringen müssen. In einem einleitenden Kapitel grenzen sich die Autoren gegen den Begriff der (lokalen) "Human Ressources" ab und begründen statt dessen den Begriff des (globalen) "Human Capital". Mitarbeiter als wertvolles Gut, dessen Wert sich durch gezielte Investition noch steigern lässt. Dabei soll diese Investition durch den Markt und die Unternehmensstrategie in voller unternehmerischer Freiheit bestimmt werden. Staatliche Vorgaben im Personalbereich werden entschieden abgelehnt. Die Autoren stellen dann eine Methode - das Human Capital Apraisal - vor, um Human Capital Programme systematisch zu bewerten und diese Massnahmen auf die Unternehmensziele auszurichten. Die einzelnen Schritte werden detailliert dargestellt. Im dritten Teil wird gezielt auf die Bewertung von Human Capital-Programmen eingegangen unter den Gesichtspunkten Kongruenz zur Unternehmensstrategie, Kosten und Wert, wobei im letzten Teil besonders Fragen der Effektivitätsmessung und der rechnerischen Erfassung aufgegriffen werden. Praxisberichte und ein ausführlicher, interessanter Anhang runden das Buch ab. "Mehr-Wert durch Mitarbeiter" ist vorerst einmal eine herbe Herausforderung an Leser und Leserinnen mit einem humanistischen Hintergrund. Hier wird die Instrumentalisierung der Mitarbeitenden, die Oekonomisierung des Potenzials Mensch konsequent durchgezogen. "Mehr-Wert durch Mitarbeiter" ist vielleicht auch eine Enttäuschung, weil das so spektakulär eingeführte Instrument des Human Capital Apraisal doch letztlich nur die klassischen Schritte eines Organisationsentwicklungsprozesses umfasst. Und die Umsetzung von Aussagen in Zahlen ist ja spätestens seit der Balanced Score Card auch nicht mehr neu. "Mehr-Wert durch Mitarbeiter" kommt auch breitspurig daher: Studien werden angetippt, Klassifizierungssysteme zitiert, im Vorbeigehen noch ein Überblick über die Weltwirtschaft ... Und doch können Fachleute der Personalentwicklung und des Personalmanagements von der Lektüre profitieren, weil das Buch Anregungen vermittelt, Tabus aufbricht, aber auch eine Fülle von Checklisten, Fragerastern und Instrumenten enthält. In weiten Teilen eine gute, handwerkliche Anleitung zu einer sorgfältigen Evaluation und Planung von Programmen im Personalbereich.
Uwe Böning/ Brigitte Fritschle
Herausforderung Fusion. Die Integration entscheidet!
FAZ Buch, Frankfurt 2001, 281 Seiten
Das Buch basiert auf umfangreichen Recherchen. Die Autoren beziehen die wichtigen empirischen Untersuchungen über Merger aus den letzten Jahren ein und analysieren zugleich auch sehr ausführlich Fallbeispiele für spektakuläre Unternehmenszusammenschlüsse, die auch durch die Presse gegangen sind. Besonders die chronologische Darstellung dieser Prozesse verdeutlicht sehr instruktiv Hintergründe und Zusammenhänge. Sie werden im Text plausibel mit Zahlen und Fakten hinterlegt. Die Autoren zeigen dabei vor allem, wie wenig Erfahrungen wir mit solchen komplexen Prozessen haben und welche kapitalen Fehler dort immer wieder gemacht werden. Letztendlich scheitern die meisten dieser Vorhaben an überzogenen Machtansprüchen, Unterschätzung der Komplexität solcher Vorhaben und mangelhafter Sensibilität. Die Autoren plädieren für eine gesamtheitliche Vorgehensweise, die technische, strukturelle, strategische und kulturelle Faktoren im Blick haben muss. Dies Notwendigkeit müsste auch bei der Integration der beteiligten Berater bedacht werden, Finanzexperten, Strategieberater und Change-Berater. Sie arbeiten selten Hand in Hand, im Gegenteil. Das Buch endet mit einer Reihe von Empfehlungen für die Gestaltung von Fusionen, die gemessen an den weltenzertrümmernden Attitüden vieler Berater wohltuend bescheiden und pragmatisch wirken. (JF)
Adrian W. Fröhlich
Mythos Projekt. Projekte gehören abgeschafft. Ein Plädoyer
Galileo Press, Bonn 2002, 249 Seiten, Euro 24.90
Das Projektmanagement wird auf den Prüfstand gestellt. Projekte kosten oft zuviel, werden zu spät fertig und liefern nicht das, was man erwartet. Das Konzept, die Methoden bzw. konkreter die Anwendung müssen überprüft werden. Zu fragen ist auch, ob nicht ein System- oder eben Paradigmenwechsel erwogen werden soll. In dem vorliegenden Buch wird die provokative These aufgestellt, dass unsere heutigen Projekte abgeschafft gehören und durch etwas anderes ersetzt werden müssen. Die Anwendung eines Veränderungsmanagements mit der Folge eines radikalen Umbaus zu einer Entwicklungsorganisation wird gefordert und scheint mir auch zweckmässig. Um es deutlich zu sagen: nicht das Projekt-Management als Basis-Konzept grösserer Entwicklungsvorhaben (Gebäude, Fusionen usw.) muss hinterfragt werden, sondern die Inflation der vielen mittleren und kleinen Entwicklungs- und Veränderungs-Vorhaben als "Projekte" ist zu kritisieren. Der Aufwand der parallelen Organisation zur Linie (die immer das Sagen behält) ist zu hoch. Es wird Autorität verschoben und der hohe Abstimmungsaufwand ist zunehmend unökonomisch. Wir werden noch in 2003 in dieser Zeitschrift ein Forum zum Thema einrichten. Im vorliegenden Buch des IT-Beraters geht es vornehmlich um Software-Entwicklungsprojekte, deren Ineffizienz im ersten Teil des Buches untersucht werden. Im zweiten Teil entwirft der Autor ein adäquates Management-Modell der Entwicklung, was an vielen Stellen langatmig und nicht immer ganz präzise ist. Aber es stösst ein Thema leidenschaftlich und nüchtern zugleich an und gibt viele Hinweise auf schriftliche Entwicklungsstrukturen und Management-Konzepte. (KT)
Werner Fröhlich (Hrsg)
Value Development. Zukunft der Personalarbeit
DataKontext-Fachverlag, Frechen 1998, 450 Seiten, 89.– DM
«Value Development» stellt den Versuch dar, die Shareholder Value-Betrachtung mit dem Stakeholder Value-Ansatz zu verbinden. Das Konzept selbst wird aber in diesem Buch nicht systematisch entwickelt, der Untertitel nennt präziser, worum es geht: um zukünftige Konzepte der Personalarbeit. In verschiedenen Beiträgen werden eine Vielzahl von Themen angesprochen – eine stärkere thematische Fokussierung und eine intensivere Auswahl der Beiträge hätte meines Erachtens dem Buch gut getan. Dennoch: Wer sich für Veränderungsprozesse im Personalwesen interessiert und gezielt nach Beiträgen sucht, findet in diesem Buch manch Lohnenswertes. Aber das Grundproblem bleibt, warum sich das Personalwesen vielerorts so schwer tut, neue Wege zu gehen. Hier bleibt das Buch dann doch zu sehr im Bereich der konzeptionellen Anregungen. Die Frage der Umsetzungsprobleme hätte – zumindest in den Praxisbeispielen – etwas intensiver durchleuchtet werden können.
Marlies W. Fröse (Hrsg.)
Management sozialer Organisationen. Beiträge aus Theorie, Forschung und Praxis – Das Darmstädter Management-Modell
Haupt Verlag, Bern/Stuttgart 2005, 404 Seiten, Euro 41.–, ISBN 3-258-06877-1
Das Buch mit Beiträgen renommierter WissenschaftlerInnen und ausgewiesenen Praktikern bietet durch eine theoretisch-analytische, aber auch praxisbezogene Fülle eine anregende und weiterführende Lektüre über die Führung und Leitung sozialer Organisationen. Die Herausgeberin, Professorin an der Evangelischen FH in Darmstadt, sowie Organisationsberaterin (bei Trigon) hat Beiträge zusammengestellt, die den Wandel auf gesellschaftlicher und organisatorischer Ebene aufgreifen und Konzepte der Veränderung entwickeln. Hervorzuheben sind die Beiträge von Fritz Glasl über die Frage, ob das Zukunftsdenken des Managements der Vergangenheit angehört. Hier setzt sich der Autor mit den wichtigen Werten in der Organisationsgestaltung und der Führung auseinander. D. Greiling fragt dann, ob die Balanced Scorecard auch ein Steuerungsinstrument für NGO™ ist. Aufgrund der spezifischen (komplexen) Eigenarten der NGO’s ist ihre Antwort eher von Skepsis geprägt. Neben Beiträgen zur grenzenlosen Pflege, dem Verhältnis von Ökonomie, sozialer Arbeit und Management, der Kulturveränderung als entscheidender Motor des change management und der Bedeutung der Personalentwicklung in Nonprofit-Organisationen sowie der Leistungsdiversifikation in der Sozialarbeit und ihren Folgen sind zwei Arbeiten von Cornelia Edding über Beheimatungsprozesse (Gestaltung von Prozessen häufigen Wechsels) sowie der Beitrag von Frau A. Bauer über Angstbindung und Angstproduktion in Organisationen besonders hervorzuheben, bzw. haben mich sehr beeindruckt. Organisationen binden Angst der Mitglieder, aber sie produzieren auch Ängste. Wie, warum, zu welchen Zwecken und mit welchen Prozessen das geschieht, untersucht die Autorin aus psychoanalytischer Sicht. Am Ende stellte die Herausgeberin das Darmstädter Management-Modell vor, also das Konzept eines Master-Studienganges für Fach- und Führungskräfte in sozialen Institutionen, was vier verschiedene Konzepte zu einer fünften Konzeption integriert. Für leitende Fachkräfte, Personal- und Organisationsentwicklung bietet das Buch eine Fülle von Anregungen und ist im Feld des Managements und der Gestaltung sozialer Institutionen eine wichtige Veröffentlichung. (KT)
Klaus Doppler/ Hellmuth Fuhrmann / Birgitt Lebbe-Waschke/ Bert Voigt
Unternehmenswandel gegen Widerstände. Change Management mit den Menschen
Campus Verlag, Frankfurt 2002, 419 Seiten, Euro 58.-; CHF 99.-
Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder voranzukommen. In einem gewissen Sinne geht auch dieses Buch einen Schritt zurück - hinter die Modekonzepte des Change Management zum historisch "älteren" Konzept der Gruppendynamik - und damit zur Kernfrage, warum trotz aller methodisch ausgefeilter Konzepte das Ergebnis der Veränderungsbemühungen vielmals eher dürftig ausfällt und die Erwartungen nicht erfüllt, die man zu Beginn des Prozesses hegte. Und warum fällt es so schwer, den Übergang zu einer zeitgemässen Organisationsform mit ihren Leitbildern einer horizontalen Prozessverantwortung, Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen und Systematisierung von Rückkoppelungs- und Lernprozessen tatsächlich hinzukriegen ?
Im 1. Teil des Buches geht es um die neuen Organisationsarchitekturen und die Frage, welche gruppendynamischen Kräfte bei der Umsetzung dieser Veränderungsansätze sich geltend machen: Woran hapert es z.B. in Projektorganisationen? Was sind die gruppendynamischen Tücken der auf dem Papier so elegant wirkenden Matrix-Organisationen? Was wirkt sich in Netzwerken aus? Es sind immer wieder die typischen Muster, die Veränderungsvorhaben zum Scheitern bringen: Das Macherverständnis von Managern, das Ausklammern der Emotionen, die Keule des Zeitdrucks, das Bild vom Menschen als einer zu funktionierenden Maschine, das fehlende Vertrauen. Die Alternative, die das Buch aufzeigt, ist mit den vorhandenen gruppendynamischen und emotionalen Kräftefeldern zu arbeiten, sie zu verstehen und kompetent zu steuern - und damit den Treibstoff "Gruppendynamik" als Antriebsenergie für Veränderungen zu nutzen.
Im 2. Teil des Buches geht es um das Verstehen der gruppenbezogenen Dynamiken - das Innenleben von Gruppen, den Mythos, der sich um Führung rankt, die Voraussetzungen effizienter Teamarbeit, die Rolle der Gefühle und der sozialen Wahrnehmung und die Kunst des Feedback -; der 3. Teil öffnet dann den Werkzeugkasten: Diagnostische Bögen zur Selbstführung und -steuerung von Gruppen, Instrumente für die Team- und Bereichsentwicklung, ein gruppendynamisches Trainingsdesign zur Erlangung sozialer Kompetenz, aber auch die Gestaltung von Führungsaufgaben wie die Einführung und den Abbau von Mitarbeitern.
Das Buch ist für den Normalbürger geschrieben und so ist die Sprache: griffig und anschaulich, an Beispielen verdeutlicht. Dinge werden beim Namen genannt und nicht sprachlich "verquast". Das gruppendynamische Geschehen soll greifbar und damit nutzbar gemacht werden für die, die sich in Veränderungsprozessen bewegen. Es ist also ein pragmatisches Buch von Praktikern des Change Management für Praktiker geschrieben - weniger für den an (systemischer) Theorie Interessierten - dafür bleibt es vielfach auf einer eher phänomenologischen Ebene, ohne deshalb oberflächlich zu werden. Nicht fündig wird allerdings, wer nach Big Bang-Methoden oder Schalterkonzepten sucht, bei denen man nur den Hebel umlegen muss, um Neues zu schaffen: Veränderungsarbeit ist nun mal ein widersprüchlicher Prozess, der häufig mühsamer und langwieriger Prozesse der Einbindung bedarf. Ein partnerschaftliches Vorgehen darf andererseits nicht mit basisdemokratischen Illusionen verwechselt werden, mit denen nur falsche Erwartungen geweckt werden. Vielmehr drückt der Spannungsbogen des Buchtitels zum Sub-Titel - Unternehmenswandel gegen Widerstände. Change Management mit den Menschen - gerade die Ambivalenz aus, die es in der Veränderungsarbeit zu meistern gilt. Gegenüber der 4. Auflage sind im Werkstatt-Teil die Kapitel "Strategieentwicklung", "Fusionen und Akquisitionen" sowie "Teamentwicklung" hinzugekommen, an Themen wird neu auf Informationstechnologie und neue Märkte, Geschäftsprozessoptimierung, Interkulturelles Management und Grossgruppen-Workshops eingegangen. Das graduelle Aufnehmen neuer Themen in diesem Buch zeigt, dass Change Management kein starres Konzept ist, sondern immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. Es ist ein kontinuierlicher Lernprozess, der in sich offen gehalten werden muss. Gerade weil gekonnt vermarktete Heilsbotschaften immer wieder die Illusion zu erzeugen versuchen, sie hätten den Königsweg der Veränderung gefunden, an dessen Drehbuch man sich nur zu halten hätte, ist es wichtig, geduldig darauf hinzuweisen, dass Veränderungsarbeit immer und vor allem auch eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen und Verhaltensweisen ist: "Die echte Veränderung beginnt immer bei einem selbst - beim eigenen persönlichen Engagement" (Vorwort zur 10. Auflage.) (HM)
Adrian Furnham
The Psychology of Labour at Work. The Individual in the Organization
2 nd Ed. Psychology Press, Hove and New York 2005, 821 Seiten, GBP 24, 95, ISBN 0-84169-504-1
Dies ist ein erfolgreiches Lehrbuch, das in umfangreicher und systematischer Weise die unterschiedlichsten Facetten des Zusammenwirkens von Menschen, menschlicher Arbeit und Organisationen thematisiert. Das Spektrum des Bandes umfasst die klassischen Themenfelder wie Führung, Arbeitsmotivation, Stress, Macht, Zusammenarbeit, Gruppen- und Entscheidungsprozesse, Change und internationale Kooperationen. Die übersichtlichen Kapitel sind einheitlich strukturiert. Sie beginnen jeweils mit kurzen Einführungen, klassischen und modernen Befunden der Forschung und Zusammenfassungen. Zu jedem Abschnitt gibt eine umfangreiche Bibliografie, die auf weiterführende und vertiefende Themenstellungen verweist. Es handelt sich um eine sehr gelungene, äußerst materialreiche und klar aufbereitete Darstellung, die kaum ein Thema offen lässt. Man kann den Text auch als Handbuch verwenden, um sich gezielt zu Detailfragen kurze und schnelle Anregungen zu holen. Es richtet sich somit an alle Leser, die in Organisationen tätig sind und sich dort mit Fragen der menschlichen Arbeitleistung und Motivation theoretisch und praktisch befassen. (JF)
Peter Fürstenau
Psychoanalytisch verstehen. Systemisch denken. Suggestiv intervenieren
Leben lernen 144, Pfeiffer bei Klett-Cotta, Stuttgart 2001, 175 Seiten
Der Autor zählt seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Vertretern der deutschsprachigen Berater- und Therapieszene. Mit seinen Aus- und Weiterbildungsangeboten wie mit einer Reihe von Publikationen hat er einen nachhaltigen Einfluss auf die betroffenen Professionen gewonnen, nicht zuletzt deshalb, weil er sich den feldspezifischen Dogmatisierungstendenzen der unterschiedlichsten Richtungen und Schulen konsequent und mit Erfolg verweigert hat. Das vorliegende Buch bleibt dieser Linie treu. Es fasst eine Reihe von Arbeiten der letzten Jahre zusammen, die bislang verstreut in zum Teil schwer zugänglichen Publikationsorganen erschienen sind. Fürstenaus Engagement gilt zum einen dem Zustand der Psychotherapie in unserer Gesellschaft und hier insbesondere der Frage, welchen Platz die Psychoanalyse in diesem Kontext einnimmt. Die Art und Weise, wie sich der Autor diesen Themenfeldern nähert, weist ihn als nüchternen Gesellschaftsanalytiker aus, der die Entwicklungen im Feld der psychotherapeutischen Versorgung - eingebettet in die eigentümliche Dynamik hochentwickelter Gesellschaften - erörtern kann. Vor diesem weiteren Horizont begreift und schildert er die Evolution vielfältiger Behandlungsmethoden, sowie die darin eingebaute Innovationsdynamik, die Ausformung spezieller, häufig miteinander konkurrierender Schulen und entsprechender Ausbildungswege, die wichtige, aber keineswegs unproblematische Rolle der Wissenschaft in diesem Prozess gesellschaftlicher Legitimationsbeschaffung. So stehen die sich ändernden Bedürfnisse der Patienten, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und darin eingebettet die Kassen mit ihren reglementierenden Festlegungen sowie die Anbieter psychotherapeutischer Versorgungsleistungen in einem wechselseitig sich vorantreibenden Verhältnis der Koevolution. Eine besondere Dynamik erhält diese Dreieckskonstellation durch die unvermeidliche Paradoxie, einerseits bewährte Behandlungsmethoden in diesem zu institutionalisieren und in ihrer kontinuierlichen Weiterentwicklung zu pflegen, andererseits aber auch offen zu sein für ganz neue heilungswirksame Verfahren, die stets eine Phase des Experimentierens und des systematischen Wissensaufbaus benötigen. Es ist unverkennbar, dass dem Autor in diesem Zusammenhang das Schicksal der Psychoanalyse ein besonderes Anliegen ist.
Anknüpfend an Freud spricht er von einer "doppelten Gestalt" der Psychoanalyse (S. 51 ff). Seit jeher gab es die Tendenz, die psychoanalytische Behandlungsmethode Schritt für Schritt auszuarbeiten und zu perfektionieren. Darauf zielen bis heute im wesentlichen die Professionalisierungsbemühungen, wie sie in den entsprechenden Vereinigungen national und international gepflegt werden. Zum anderen waren darüber hinausgehend stets auch vielfältige Anstrengungen beobachtbar, den sich erweiternden Theoriefundus der Psychoanalyse in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten fruchtbar zu machen (wie z.B. in der Gruppendynamik, in der Organisationsberatung, in der Pädagogik etc.). Diese Felder "angewandter Psychoanalyse" haben ihre je eigenen Theoriegebäude professionellen Handelns gebaut, in die psychoanalytisches Gedankengut mehr oder weniger explizit Eingang gefunden hat und weiterentwickelt wird. Für den ersten Traditionsstrang sieht der Autor die ernste Gefahr einer schrittweisen gesellschaftlichen Selbstisolation und Marginalisierung, auf die sich die Profession der Psychoanalytiker durch ihre orthodoxe, gesellschaftliche Veränderungen negierende Ausrichtung hinbewegt. Im Brennpunkt seiner Kritik steht dabei sowohl das psychoanalytische Behandlungssetting (mehrmals wöchentlich und dies über viele Jahre) als auch die zu Grunde liegende Interventionsmethode, die seiner Ansicht nach dazu verführt, Regressionszustände der Analysanden zu verstärken und auf Dauer zu stellen. Fürstenau plädiert demgegenüber für eine gezielte "Integration fokussierter Übertragungsanalyse und lösungsorientierter Methodik" (S. 48). In diesem Punkt spiegelt sich seine Überzeugung, dass die geglückte Kombination von psychoanalytischen Praxiskonzepten (vor allem bezogen auf die Übertragungsanalyse) mit systemischen Therapiekonzepten, wie sie in erster Linie durch die Arbeiten von Steve de Shazer und seiner lösungsfokussierten Kurztherapie vorangetrieben wurden, eine optimale Antwort auf viel Problemlagen abgibt, die heute vielfach an Therapeuten herangetragen werden.
Neben diesen professionspolitischen Auseinandersetzungen mit der Zukunft von Psychotherapie und Psychoanalyse enthält das Buch auch eine Reihe von Arbeiten zu nichttherapeutischen Feldern wie der Supervision und der Organisationsberatung. Der Leser spürt auch hier auf Schritt und Tritt die profunde Kenntnis des Autors der Charakteristika der betroffenen Professionen und ihrer spezifischen Widersprüche, die ihre jeweilige Entwicklung heute letztlich vorantreiben. Auch auf diesen therapieferneren Gebieten entwickelt Peter Fürstenau auf eindrucksvolle Weise seine Grundidee, wie sich psychoanalytisches Wissen und darauf aufbauende Interventionsformen mit systemtheoretisch fundierten Konzepten der Beratung wirkungsvoll verbinden lassen. Er wird dabei nicht müde, immer wieder zu betonen, dass die Aufgaben- und Zielorientierung eines Beratungsprozesses jeweils den spezifischen Organisationskontext ins Spiel bringt, dessen professionelle Bearbeitung heute für alle beteiligten Rollenträger immer höhere Anforderungen stellt. Zum anderen sind es immer noch Personen und Gruppen, die sich in ihrem Aufgabenkontext auf höchst komplexe Weise emotional miteinander verwickeln und in der Beratung auch darauf eine Antwort suchen. Hier schafft eine recht verstandene Psychoanalyse bzw. Gruppendynamik nach wie vor eine unverzichtbare Orientierung. Der kreativen Verknüpfung dieser beiden Realitätsdimensionen gehört wohl die Zukunft des Beratungsgeschäftes. Der Autor legt deshalb zu Recht soviel Wert auf den Bindestrich zwischen "psychoanalytisch" und "systemisch". Es ist sehr zu wünschen, dass die sich immer weiter ausdifferenzierenden Beratungsfelder diesen Sammelband als Grundlagenorientierung ihrer professionellen Identitätsfindung nutzen werden.
Perter Fuss
Das Groteske. Ein Medium des kulturellen Wandels
Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2001, 513 Seiten
Das Medium der Groteske ist in der Kunst sehr geläufig, zumal viele bekannte Künstler - nicht nur Goya - es virtuos genutzt haben, um nicht nur in der Aufklärung durch Überzeichnung Akzeptanz oder Nachdruck für wichtige Botschaften zu finden. Dabei ist es nicht immer leicht, die Grenze zum Absurden, zur Satire und zum Phantastischen zu ziehen. Viele Menschen stufen Wandel oder Teile des Wandels in Unternehmen sicher als Groteske ein und deshalb soll das Buch hier besprochen werden, weil es dienen könnte, das Verborgene oder Unaussprechbare sichtbar und bearbeitbar zu machen. Schliesslich findet die Rolle des Narren auch zunehmend Eingang in das Management als Rolle zur Gestaltung des Grotesken. Durch die Benennung des scheinbar nicht Hinterfragbaren wird eine Menge kreative Kompetenz freigesetzt und kann dadurch zum Anschub oder Revitalisierung der Transformation (nicht nur von Kulturordnungen) beitragen. Sicherlich ist diese Dissertation zu umfassend und sowohl kunsthistorisch als auch literaturwissenschaftlich zu tief angelegt, um direkt Nutzen für das Management in Organisationen daraus zu ziehen. Aber durch die vielen Fallbeispiele und den starken Bezug zu Riten und Mythen lässt sich bei selektiver Lektüre viel aus dem Buch an Hinweisen ableiten, beispielsweise wie man moralischen Gehalt von Konzepten und Massnahmen herausfiltert. Die Bezüge zum Poststrukturalismus und Dekonstruktion bieten nicht nur der konstruktivistischen Systemtheorie viele Hinweise.

