Rezensionen 'M'

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Marianne Mille Bojer/Heiko Roehl/Marianne Knuth/ Colleen Magner

Mapping Dialogue

Essential Tools for Social Change

Chagrin Falls: Taos Institute Publications 2008, 145 Seiten, Euro 25.99, ISBN 978-0-9712312-8-3

 

Die Entstehung dieses Buchs geht auf eine Initiative des Centre of Memory and Dialogue der Nelson Mandela Foundation in Johannesburg zurück. Die Stiftung wollte den Dialog in Südafrika – vor allem den Dialog um schwierige soziale Fragen und mit allen beteiligten Interessengruppen – weiter fördern. Zu diesem Zweck hat sie eine ganze Reihe von Dialog-Ansätzen und -Werkzeugen unter die Lupe genommen. Aus der Studie und den eigenen Erfahrungen mit verschiedenen Formen des Dialogs entstand schließlich dieses Buch.

 

Mapping Dialogue stellt 23 partizipative Methoden für Dialog und Veränderung vor. Darunter sind bereits sehr bekannte Methoden wie World Café, Appreciative Inquiry, Zukunftskonferenz und Open Space Technology. Doch nicht nur. Man findet darin auch weniger bekannte Methoden, die gleichwohl viel Beachtung verdienen: beispielsweise Story Dialogue, Deep Democracy, The Circle, Sustained Dialogue und Dynamic Facilitation, um nur ein paar zu nennen. Auch das auf Otto Scharmers Arbeit basierende Change Lab und eng damit in Verbindung stehende Methoden wie Learning Journeys und Dialogue Interviewing werden vorgestellt. Zehn der Methoden werden ausführlich und mit einem anschaulichen Fallbeispiel dargestellt. Weitere dreizehn werden auf jeweils einer Seite beschrieben. Immer sind Hinweise zu vertiefenden Büchern oder zu Internetseiten dabei. Zu jeder der zehn ausführlich beschriebenen Methoden wird eine Checkliste bereitgestellt, die rasch einen Überblick gibt, zu welchen Zwecken und Situationen die jeweilige Methode passt.

Der Wert dieses Buchs besteht aus meiner Sicht darin, dass es sich nicht um einen dicken Wälzer, sondern um ein relativ kurzes und handliches Buch handelt. Denn den Wälzer gibt es ja bereits in Form von The Change Handbook von Peggy Holman et al. Da Mapping Dialogue viel kürzer ist, kann man sich damit rasch einen Überblick verschaffen und diesen dann je nach Interesse mit weiterer Literatur vertiefen. Natürlich hat ein kurzes Buch auch seine Beschränkungen.

Mapping Dialogue hat an vielen Stellen eine afrikanische Note. Interessant fand ich z.B. im Epilog die Beschreibung des Legkotla – eine traditionelle Form des Rat-haltens in afrikanischen Gemeinschaften. (MB)

 

 

Henry Mintzberg/Joseph Lampel/ Bruce Ahlstrand
Strategy Bites Back

Strategy Is Far More, and Less, Than You Ever Imagined …

Prentice Hall 2005/2008, 223 Seiten, Euro 21.99,

ISBN 0273721844

 

"Strategy for Fun" ist die Einleitung überschrieben, und diese Grundhaltung, gepaart mit jeweils einem Schuss Ironie und fröhlichem Anarchismus, kann man dem ganzen Buch bescheinigen. Es versammelt zahlreiche "Bites" aus den unterschiedlichsten Denkrichtungen, von ernsthaften, seriösen Fachartikeln über pointierte Kolumnen bis hin zu "exterritorialen" Fundstücken aus den unterschiedlichsten Gebieten, von Dichtung bis Soziobiologie und von Mao Tse Tung über Napoleon bis zum Duke of Wellington. Gemeinsam ist ihnen, dass sie aus sehr unterschiedlichen Perspektiven Schlaglichter auf das Thema Strategie werfen, die geeignet sind, zu illustrieren, zu irritieren und/oder zu inspirieren. Bewusst haben sich die Herausgeber auf leicht verdauliche "Bissen" von (in der Regel) höchstens drei Seiten beschränkt, und durch die Zusammenstellung zahlreicher sehr unterschiedlich gewürzter Häppchen, die man sonst kaum je in einem Menü fände, lösen sie ein, was der Titel verspricht, nämlich dass die Strategie "zurück beißt".

Eine gewisse Ordnung in die Menüfolge bringen die Herausgeber, indem sie die Häppchen in sieben Gängen servieren, plus einem Amuse-Geule und ein paar abschließenden Petits-Four, genannt "Final Food for Thought". Die sieben Gänge stehen für verschiedene Ansätze, Strategie zu betrachten und zu betreiben. Das Menü wird eröffnet mit einer Perspektive, die dem Strategen damit schmeichelt, dass sie ihn nicht nur als Dirigenten eines großen Orchesters sieht, sondern zugleich als den Komponisten des ausgeführten Werks. Etwas trockener geht es weiter mit dem strategischen (Detail-)Planer, den die Herausgeber mit feinem Spott sowohl in amerikanischen Großkonzernen als auch in kommunistischen Bürokratien orten, sowie dem Strategen als systematischem Analytiker des Wettbewerbsumfelds, dessen zentrale Herausforderung darin besteht, die richtige Positionierung für das jeweilige Business zu finden. Im vierten Gang werden die visionären Ansätze gereicht, bevor – sozusagen als Zwischengang – die kognitiven Psychologen folgen, die das Denken der Strategen (welcher Strategen?!) zu ergründen suchen. Als deftiger Hauptgang folgt alsdann "Strategy a Step a Time", die tastend-explorative Strategieentwicklung, bevor zum krönenden (?) Abschluss Unternehmenskultur und -politik aufgerufen werden: "Strategy with the Gloves Off and the Halo On".

Die Küchenchefs eröffnen die Kapitel jeweils mit einer kurzen Einführung, die das Besondere an dem jeweiligen Ansatz herausarbeitet, eine Vorschau auf den nachfolgenden Gang gibt und so eine Hilfe zu deren kundigem Genuss liefert. Trotz der guten Präsentation ist dieses originelle Sieben-Gänge-Menü nicht für Einsteiger geeignet; sie ließe es wohl verwirrt und desorientiert zurück. Ein Hochgenuss ist es hingegen für erfahrene Feinschmecker, die mit strategischen Themen vertraut sind – und trotzdem noch bereit, sich sowohl irritieren als auch inspirieren zu lassen. Ihnen ist es unbedingt zu empfehlen, zumal die Lektüre amüsant ist und auch im Zustand reduzierter Konzentrationsfähigkeit, etwa bei abendlichen Flügen oder Bahnfahrten, leicht goutiert und verdaut werden kann. (WB)

 

 

 

Jens O. Meissner
Herausforderung Computerkommunikation

Carl Auer 2007, 216 Seiten, Euro 21.95,

ISBN 978-3-89670-385-9

 

Organisationen nutzen vermehrt moderne Kommunikationsmedien wie zum Beispiel Online-Chats, E-Mail, etc. Diese Art der Kommunikation hat Auswirkungen auf Beziehungen im virtuellen Kontext, was in Zukunft insbesondere für Berater von höchster Relevanz sein muss. Der Autor beschäftigte sich im Rahmen dieser Arbeit mit den Veränderungen von Kooperationsbeziehungen durch den Einsatz von Kommunikationstechnologie. In den Kapiteln 2, 3 und 4 wird der theoretische Hintergrund dargestellt. Darin werden zum Beispiel Themen wie Beziehungen, Kommunikation, Sozialkapital und Informationstechnologie verknüpft und dabei eine klare konstruktivistische Perspektive eingenommen. Der theoretische Teil ist sehr umfangreich und könnte meiner Meinung nach auch kürzer gestaltet werden.

Wer weniger Zeit oder Interesse an Theorie hat, kann direkt mit dem praktischen Teil beginnen (Kapitel 5), denn die Ergebnisse der qualitativen Studie (Kapitel 6 und 7) sind beeindruckend aufbereitet und lassen sich sehr gut lesen. Jens O. Meissner erarbeitet aus dem Material Empfehlungen (Kapitel 8) zu wichtigen Schwerpunktthemen wie z.B. Probleme in Bezug auf örtliche und zeitliche Trennung, Erreichbarkeiten und Informationsflut. Er beschließt die Arbeit mit einem Modell, das die Wichtigkeit von Beziehungen in computervermittelter Kommunikation hervorhebt.

Das Werk stellt meiner Meinung nach einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Arbeit im virtuellen Kontext dar. Darüber hinaus ist es auch allen Praktikern zu empfehlen, die sich mit virtueller Kommunikation beschäftigen. (GK)

 

 

Claude Ménard (Hrsg)
The International Library of the New Institutional Economics
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos. 2004, 7 Bände, 4280 Seiten, GBP 950, ISBN 1 84064 382 X
 

Die Wurzeln der neuen institutionellen Ökonomie gehen zurück in die 30er-Jahre, aber ihre volle Entfaltung und Ausdifferenzierung haben wir in den letzten Jahrzehnten erlebt. Sie hat fundamentale Einsichten in die Formen von modernen Organisationen, ihren jeweiligen Austauschbeziehungen und ihre Einbettung in ihre institutionellen Kontexte geliefert. Die vorliegende mehr als opulente Sammlung umfasst über den Zeitraum einer Generation nahezu alle relevanten Zeitschriften-Beiträge, die zu den unterschiedlichen Themensträngen erschienen sind.

Der erste Band enthält im Wesentlichen die grundlegenden Artikel u.a. von Coase und Williamson, die lange Zeit zunächst nicht zu Kenntnis genommen worden sind. Im zweiten Band sind die entsprechenden Beiträge zu Transaktionskosten und Verfügungsrechten versammelt. Das nächste Buch enthält das vorhandene Spektrum zur Kontrakttheorie. Im folgenden Band werden die Formen der Organisation aus der institutionsökonomischen Perspektive betrachtet. Dazu gehören marktbezogene und hierarchische Formen, Ansätze der vertikalen Integration sowie der Netzwerkbildung. Der fünfte Band ergänzt diese Überlegungen, hier geht es im Kern um Strukturbildung, Einfluss und Kontrolle, Motive und Interessen sowie um Entscheidungsprozesse. Der folgende Band verfolgt den Zusammenhang zwischen der institutionellen Einbettung, kulturelle, politische und soziale Kontexte und der Ausbildung von Organisationsformen. Der abschließende Band dieser Sammlung thematisiert schließlich kontroverse Fragen der institutionellen Ökonomie. Es ist ziemlich unmöglich, diese Ausgabe im Detail zu diskutieren. Es kann aber keinen Zweifel daran geben, dass es nichts Vergleichbares gibt. Der gesamte Diskussionsstand zur Thematik wird hier in einem Kompendium präsentiert, an dem niemand, der sich mit Organisationen und Institutionalisierung befasst, vorbeikommt. Es handelt sich hier um eine einmalige Quelle und eine unverzichtbare Fundgrube, auf die man immer wieder zurückgreifen kann. Es enthält auch Beiträge von wegweisenden Autoren, die nicht unmittelbar der Diskussion zugeordnet werden, die aber mittelbar Beiträge geleistet haben. Leider ist es so, dass die meisten der vorliegenden Beiträge ausgesprochen theoretisch gehalten sind, was nicht unbedingt gleichbedeutend mit unverständlich sein muss. Der Transfer in die Beratungspraxis dürfte daher nicht einfach sein. Deshalb richtet sich diese Ausgabe in erster Linie an Leser, die ein Forschungsinteresse haben, aber auch an Praktiker, die an einem umfassenden Konzept ihrer Arbeit interessiert sind. (JF)

 

Anna Meyer
Unternehmerfamilie und Familienunternehmen erfolgreich führen
Unternehmertum fördern – Führungskultur entwickeln – Konflikte konstruktiv lösen
Gabler Verlag, Wiesbaden 2007, 199 Seiten, Euro 39.90, ISBN 978-3-8349-0340-2
 

Die Autorin berät seit über 15 Jahren Familienunternehmen. Sie war selbst langjährig leitende Führungskraft in Unternehmen und sie ist Mitglied in Beiräten von Familienunternehmen, verfügt also über viel Erfahrung. Und das schlägt sich in dem Buch nieder, das mit vielen Fallstudien durchzogen ist. 

Die Unternehmerfamilie lässt sich maßgeblich von Emotionen leiten. Gefühle wie Liebe, Vertrauen und Treue sind ein Geheimnis ihres Erfolgs. Schlagen diese primären Gefühle jedoch um in Empfindungen wie Rivalität, Neid oder gar Hass, können Menschen persönlich zerbrechen, Familien zerstört und Unternehmen vernichtet werden. Das Familienunternehmen wiederum folgt anderen Kriterien. Es kann nur durch klare Wettbewerbsorientierung, Leistung und Effizienz, Verstand und Gefühl am Markt bestehen.

Für die Langlebigkeit von Familienunternehmen ist es elementar, dass Familie und Unternehmen gleichermaßen kompetent geführt werden, um die Integrationsleistung zu schaffen. Weder die einseitige Fokussierung auf familienbezogene Fragestellungen noch die einseitige Betonung unternehmensrelevanter Themen wird den Erfordernissen der Unternehmerfamilie und ihres Unternehmens gerecht. Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Führung der Unternehmerfamilie und des Familienunternehmens. 

Anna Meyer beschreibt die enge Verbindung, den Zusammenhang und die Wechselwirkungen zwischen Eigner- und Unternehmensstrategie. Parallel dazu erläutert sie anhand zahlreicher Beispiele die Besonderheiten, Herausforderungen und die vielfältigen Anforderungen, denen die Mitglieder einer Unternehmerfamilie gegenüberstehen. Sie benennt konkret Ursachen von Spannungen und Konflikten und Verhaltensweisen und zeigt konstruktive Lösungsansätze.

Es ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis und ist daher für Angehörige von Unternehmerfamilien, Gesellschafter, Beiräte, Aufsichtsräte, Nachfolger und Berater gleichermaßen nützlich. (KT)

 

Werner R. Müller/Erich Nagel/Michael Zirkler

Organisationsberatung

Heimliche Bilder und ihre praktischen Konsequenzen

Gabler Verlag, Wiesbaden 2006, 242 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-8349-0230-6

 

Die Autoren, Professoren und Wirtschaftswissenschaftler der Universitäten Basel und Luzern wenden als theoretischen Hintergrund den sozialen Konstruktivismus an, um durch Befragung von 32 Beratern und Klienten zu erfahren, wie Beratung von ihnen erlebt wird. Es kristallisierten sich drei typische Bilder und die damit verbundenen Spiele in der Beratungspraxis heraus: Beratung als Dienstleistung, als politisches Spiel und als Emanzipierungsprozess. Diese „Spiele“, eine systemische Kategorie, werden von Aussagen und Berichten über Geschichtenerzählung belegt und die praktischen Konsequenzen aufgezeigt. Zudem werden konkrete Empfehlungen gegeben, wie Praktiker ihre eigenen Bilder erkunden und damit ihre Beratungspraxis überprüfen und neu ausrichten können. Eingebettet ist alles in systemische Perspektiven der Beratung, d.h. Funktionen, Rollen, Strukturen, Prozesse usw.

 

Allein das 4. Kapitel über die Gestaltung der Beratungswelten ist der Teil des Buches, für den die Anschaffung (bzw. besser noch) die Lektüre des Buches sehr lohnt. Er basiert zwar auf den Arbeiten der ersten drei Kapitel, ist aber für Berater und Klienten (!) von großem Nutzen. Hier werden wesentliche Anregungen und Anleitungen zur Reflektion und Gestaltung der Haltung, Konzepte, Rollen und Methoden der Beratung angeboten, an denen man sich verorten kann. Und das wird durch Beraterbeispiele belegt.

Ein „hervorragendes“ Buch, weil es theoretisch unterlegt ist, aber eine sehr klare bildhafte Sprache hat, die den Zugang sehr erleichtert. Die Reflektion wird unterstützt, ohne mit einem erhobenen Zeigefinger rechnen zu müssen. (KT)

 

SYLVIA SCHROLL-MACHL
Die Deutschen - Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, 216 Seiten, Euro 25.-/CHF 43.-, ISBN 3-525-46164-X

Doing Business with Germans. Their Perception - Our Perception
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, Euro 24.90/CHF 42.80, ISBN 3-525-46167-4


Literatur zur multikulturellen Zusammenarbeit bedeutet in der Regel eine Annäherung an das Fremde. Dies dreht sich hier in gewisser Weise um: es ist eher eine Annäherung an das Vertraute - allerdings aus Sicht von Fremden. Die Deutschen selbst stehen im Mittelpunkt der Betrachtung - gesehen jedoch aus den vielfältigen Augen derjenigen, die als Fremdkulturelle mit Deutschen kooperieren. Warum es sich lohnt, dieses Buch auch als Deutscher zu lesen? Weil es uns sen- sibel machen kann für unsere eigene Wirkung im fremdkulturellen Umfeld und weil es Reaktionen verständlich macht, die andere auf unser Verhalten zeigen. Thema sind die Kulturstandards, die das Bild der Deutschen prägen - unsere Vorliebe für das Sachliche, Strukturierte, Geplante und Geregelte, um nur einige davon zu nennen.
Die den LeserInnen der OrganisationsEntwicklung schon bekannte Autorin - siehe auch den Beitrag von ihr und Kienast über multikulturelle Konflikte in diesem Heft - zeigt anhand sehr anschaulicher Beispiele aus ihrer Trainings- und Beratungspraxis die typischen Probleme und kommunikativen Missverständnisse, die aus den unterschiedlichen Kulturstandards der Beteiligten entstehen. Zugleich versucht sie, das "typisch Deutsche" den anderen verständlich zu machen. Dadurch ist das Buch auch gut geeignet für multikulturelle Teams mit deutscher Beteiligung - als Vorbereitung und kommunikativer Brückenschlag für den jeweiligen Umgang miteinander. Dafür gibt es das Buch dann auch gleich noch in englischer Übersetzung, so dass sich auch die der deutschen Sprache nicht so Mächtigen mit den typisch deutschen Gewohnheiten vertraut machen können.

 

ALEXANDER THOMAS, EVA-ULRIKE KINAST, SYLVIA SCHROLL-MACHL, STEFAN KAMMHUBER (HRSG)
Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation.
Band 1: Grundlagen und Praxisfelder
Band 2: Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, 464 bzw. 400 Seiten, zusammen Euro 85.-, ISBN 3-525-461860


Aufmerksamen Lesern der OrganisationsEntwicklung sind die den beiden Bänden zugrunde liegenden Konzepte sicher bereits aus dem Artikel von Kinast/Schroll-Machl in ZOE 3/03 und den Beiträgen von Schroll-Machl zum Forum über Interkulturelles Management vertraut.
Die beiden Handbücher geben einen umfassenden Überblick über die unter Leitung von Professor Thomas an der Universität Regensburg erarbeiteten Forschungsergebnisse zur interkulturellen Zusammenarbeit und ihre Umsetzung in der länderübergreifenden betrieblichen Praxis.
Band 1 enthält vorrangig die grundlegenden Modelle und Theorien zu den Kulturstandards sowie die interkulturellen Aspekte zentraler Managementbereiche wie Rhetorik, Verhandlungsführung, Konflikt-, Projektmanagement usw.. Ausserdem werden grundlegende Anforderungen für die Entwicklung interkultureller Handlungskompetenzen durch Training und Coaching dargestellt.
Band 2 thematisiert zunächst die unterschiedlichen kulturellen Standards ausgewählter Länder aus Europa (Frankreich, England, Deutschland, Tschechien, Russland, Polen), Amerika (USA, Kanada, Argentinien), Asien (China, Japan, Indonesien) und Afrika (Ägypten, Ostafrika), bevor dann im zweiten Teil auf interkulturelle Tätigkeitsfelder wie interkulturelles Management, interkulturelle Personalent- wicklung usw. eingegangen wird.
Beide Handbücher vermitteln wichtiges Grundlagenwissen. Da auch die Sprache - wenn auch akademisch geprägt und deshalb manchmal auch etwas trocken - durchgängig verständlich ist, eignen sich die Bände nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Fach- und Führungskräfte, die sich ganz praktisch mit Aspekten der Interkulturalität auseinander setzen müssen. Zumindest in den entsprechenden Fach- und Stabsabteilungen sollten die Bücher als Nachschlagewerke griffbereit sein. (HM)

 

SYLVIA SCHROLL-MACHL, KATARZYNA WISKOSKI
Interkulturelle Kommunikation im deutsch-polnischen Geschäftsalltag
Wirtschaftshandbuch Polen, Bd. 8, F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen GmbH, Frankfurt 2003, 26 Seiten, Euro 30.- inkl. Versand


Noch eine weitere Veröffentlichung, die auf den Regensburger Konzepten beruht und die dieses mal im Din A4-Magazinformat mit praktischen Schlaufen zum Abhängen in entsprechende Ordner daher kommt. Auch diese Broschüre folgt dem bewährten Prinzip, nach dem Autorinnen mit unterschiedlicher kultureller Prägung die jeweiligen Kulturstandards der entsprechenden Länder erläutern, um ein Reflektieren, Vergleichen und Verstehen der jeweiligen kulturellen Orientierungssysteme zu ermöglichen.
Die Broschüre ist repräsentativ gestaltet, doch finde ich den Preis von etwa einem Euro pro Seite doch etwas üppig - dafür könnte man im Innern der Broschüre schon etwas mehr an Layout-Gestaltung (Karikaturen, Grafiken etc.) erwarten.
Herausgeber der Broschüre sind neben dem F.A.Z.-Institut die Deutsch-Polnische Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Rödl & Partner GbR, der OWC-Verlag für Aussenwirtschaft und die DATEV eG - die Broschüre kann über das F.A.Z.-Institut, Länder- und Branchendienste: laender@faz-institut.de www.laenderdienste.de bestellt werden. (HM)

 

Bernd J. Maddaus
Handbuch Projektmanagement
Schäffer-Poeschel-Verlag
6.Aufl.; Stuttgart 2000
640 Seiten, DM 148.--; ATS 1080.--, SFR 131.--

Der "Maddauss" hat sich im Rahmen der Projektmanagementliteratur längst den Ruf eines "Klassikers" erworben ö gerade im Hinblick auf internationale Grossprojekte. In der 6. Auflage wurde er überarbeitet und durch neue Kapitel über Risikomanagement und zur Globalisierungsthematik ergänzt.

Der Schwerpunkt des Handbuchs lag schon immer im methodischen (technokratischen) Bereich, während die sozialen und psychologischen Aspekte nur am Rande thematisiert werden. Dies trifft leider auch auf das Thema Globalisierung zu. Ausser dass durch die Globalisierumg Projektmanagement weiter an Bedeutung gewinnt bzw. gewinnen sollte, ist diesem neuen Kapitel nicht viel zu entnehmen. Dass nicht mehr nur die Luft- und Raumfahrtindustrie und nicht mehr nur die Grosskonzerne, sondern zunehmend auch mittelständische Unternehmen aus allen Bereichen mit international besetzten Projekten arbeiten, hätte auch Anlass sein können, sich eingehender mit den multikulturellen Aspekten der Zusammenarbeit zu befassen (wie es diese Zeitschrift in ihrem Forum tut). Doch dies wird leider nicht thematisiert. Da bleibt das Handbuch doch zu sehr in seinen vorgegebenen Bahnen ö was seinen diesbezüglichen Nutzen nicht schmälern soll.

 

Bernd Maelicke (Hrsg)
Handbuch Sozialmanagement 2000. Grundwerk der Loseblattsammlung
Nomos Verlag, Baden Baden 1998, 700 Seiten, DM 148.–

Die schon längere Zeit angekündigte Loseblattsammlung liegt jetzt im Grundwerk vor. Es ist den Themen des Gestaltens und Lenkens sozialer Organisationen gewidmet. Bisher wurden von Experten 14 Themenbereiche aufgearbeitet: Sozialpolitische Rahmenbedingungen, Zielfindung, Planung, Problemlösung, Aufbau und Ablauf-Organisation, Personalmanagement, Finanzierungs-Management, Sponsoring, Budgetierung, Öffentlichkeitsarbeit, Selbstevaluierung und Controlling u.a. .Die Qualität der Kapitel ist unterschiedlich und entspricht in der Tiefe nicht immer dem state of the art. Leitbild und Corporate Identity zu verbinden (was nur auf Modeorientierung hinweist) oder Stellenbeschreibungen überhaupt noch aufzunehmen, ist mehr als eine Schwäche. Budgetierung ist ebenfalls ein sehr zweifelhaftes Konzept, weil es der grösste Kostentreiber ist, den es gibt. Gut, ich lege als Rezensent vielleicht zu extreme Massstäbe an, denn zu verschweigen ist nicht der Vorzug der guten Systematik und konkreten Hilfestellung, wenn sich Sozialmanager einem ihnen bisher eher weniger bekannten Instrument oder Konzept nähern. Unter diesem Aspekt ist das Werk sehr nützlich.

Thomas Maess/Jack Max Misteli/ Klaus Günther
Das Unternehmer Jahrbuch 2002. Praktische Unternehmensführung in Mittelstand und Handwerk
Luchterhand Verlag, Neuwied 2002, 512 Seiten mit CD Rom, EURO 86,00

Eigentlich ist das kein Jahrbuch, im Sinne einer zielgruppenorientierten Sammlung von aktuellen Themen und Fragen. Vielmehr handelt es sich hier um eine sehr praktisch orientierte allgemeine Betriebswirtschafts- und Führungslehre für kleinere und mittlere Unternehmen, wie aus dem Untertitel auch klar wird. Es werden mit kurzen Erklärungen und anschaulichen Beispielen Einführungen in alle betrieblichen Funktionen, Prozesse und relevante Führungssituationen gegeben. Die Leser erhalten so ein schnelles Problemverständnis und praktische Hinweise. Die Darstellungen sind sehr einsichtig und allesamt didaktisch gut aufbereitet. Ein umfangreiches Stichwortverzeichnis, zahllose Checklisten, Muster und Grafiken erleichtern das Arbeiten mit dem Band. (JF)

 

Kerstin Maess / Thomas Maess
Personal-Jahrbuch 2000
Luchterhand-Verlag, Neuwied 1999, 441 Seiten (mit CD Rom)

Das in 6. Ausgabe erschiene Personal-Jahrbuch des Luchterhand-Verlags ist eine kompakte, gut handhabbare Informationsquelle für die im Personalbereich Verantwortlichen. Im Buchdeckel integriert ist eine CD-Rom mit Informationen zur Förderdaten-bank Aus- und Weiterbildung sowie Mus terverträge und Formulare zur Personalarbeit. Auch das Buch selbst enthält gut 400 Checklisten, Beispielrechungen, Musterlösungen etc.

Abgehandelt werden alle relevanten Handlungsfelder des Personalmanagements - von den rechtlichen Grundlagen und Gestaltungsmöglichkeiten über die Personalorganisation und -planung bis hin zur Per-sonalführung, -förderung und -entwicklung. Auch wenn das Personal-Jahrbuch sich vorrangig an die Praktiker des Personalwesens wendet, ist es auch für die im Beratungsbereich Tätigen nützlich, weil es viel - z.B. auch juristisches - Hintergrundwissen in einer auch für Laien verständlichen Form vermittelt, das bei der Arbeit mit Menschen in Organisationen berücksichtigt werden muss. Hilfreich ist auch die klare Strukturierung der jeweiligen Themengebiete (so sind die Checklisten auch gut in der Prozessarbeit als Gliederungshilfe oder Gedächtnisstütze verwendbar).

 

RODRIGO MAGALHAES
Organizational Knowledge and Technology.
An Action-Oriented Perspective on Organisation and Information Systems

Edward Elgar Publishers, Cheltenham 2004, 256 Seiten, GBP 65, ISBN 84376 282 X


Der Autor dieses Buches schlägt einen sehr weiten Bogen, indem er versucht, Management- und Organisationskonzepte, Wissensmanagement und moderne Informationstechnologie zusammenzubringen. Dabei bezieht er sich sehr kenntnisreich auf einen umfassenden theoretischen Hintergrund. Er begreift Organisationen und ihre Strategien im Sinne der modernen Theoriebildung, verwendet Konzepte wie Komplexität, Selbstregulation und Systemdynamik, begreift diese aber als Ausdruck und Form von Managementhandlungen. Traditionell wurden informationstechnologische Konzepte aber selten so gesehen, eher im Sinne von neutralem technischem Fortschritt. Wer jedoch in der Praxis etwa mit SAP-Projekten oder CRM-Ansätzen zu tun hatte, hat vermutlich völlig gegenteilige Erfahrungen gemacht. Der Autor zeigt, dass solche Bemühungen in Organisationen nicht nur massiv Arbeitsorganisationen verändern und etablierte Wissensbasen entwerten. Sie greifen so auch in die politischen Gleichgewichte ein und sind zugleich Ausdruck von taktischen Kalkülen. Das Überzeugende an diesem Band ist die gelungene und theoretisch durchdrungene Durchleuchtung von Organisationsdynamik, Wissen und Technologie-Konzepten. Es hilft allen Beratern und Praktikern, die sich in diesem Umfeld bewegen, stellt allerdings einige Ansprüche bei der Lektüre. (JF)

 

Dag Kroslid, Konrad Faber, Kjell Magnusson, Bo Bergmann
Six Sigma. Erfolg durch Breakthrough-Verbesserungen
Hanser Pocket Power, München/Wien 2003, 128 Seiten, Euro 9.90, ISBN 3-446-22294-4

Das Buch bietet einen kompakten Überblick über die Six Sigma-Methodik, die inzwischen von vielen Unternehmen als Qualitätsstrategie etabliert wurde, um Kostensenkungen bei gleichzeitigen Produktivitätsverbesserungen zu erreichen.

Das Büchlein liest sich nicht ganz so flott wie andere aus der Pocketreihe, was z.T. auch am Six Sigma Konzept liegen mag. Es liegt aber auch daran, dass die Anwendungsbeispiele nur in Form kleiner "Erfolgs-Clips"' in den Text eingestreut werden, statt die Vorgehensweise an einem anschaulichen Beispiel zu erläutern. Deshalb bleibt vieles auf einer abstrakt-konzeptionellen Ebene. Das heisst, das Buch ist nicht schlecht, aber nicht ausreichend Kunden (sprich Leser-)gerecht. Da könnte man doch gleich mit Six Sigma drangehen.

Judith Mair
Schluss mit Lustig. Warum Leistung und Disziplin mehr bringen als emotionale Intelligenz, Teamgeist und soft skills.
Eichborn Verlag, Frankfurt/Mail 2002, 183 Seiten, Euro 24.90

Dieses provozierende Buch erregt einiges Aufsehen, zumal es auch in wichtigen Zeitschriften und Zeitungen besprochen wurde. Die Gründerin des Kölner Kommunikationsbüros "Mair u.a." (als Satireantwort auf Scholz & Friends) plädiert für eine Wiederbelebung konventioneller Führungs- und Managementgrundsätze. Die Autorin plädiert für Arbeit als Broterwerb und nicht als berufliche Selbstverwirklichung. Leidenschaft und Sinn sind nur hinderlich. Wichtig sind viel mehr Fachkompetenz, Leistung, klare Regeln und verbindliche Umgangsformen.

Leidern fördern viele Rezensionen den Fehlschluss, dass es der Autorin um die Renaissance alter Werte, den Abbau des Sozialen und die Ineffizienz-Wirkungen der soft-Faktoren geht. Die entscheidende und so wichtige Entlarvung liegt vielmehr darin, dass das modische laissez-faire, die neuen Emotionalisierungs-Mythen, das Propagieren eines kollektiven Wir-Gefühls, Teamarbeit usw. usw. im Grunde nie wirklich gelebt werden und deshalb nicht nur zu permanenten Enttäuschungen der MitarbeiterInnen führen (die die Autorin verhindern will), sondern auch als Täuschungen angelegt sind, um MitarbeiterInnen besser ausbeuten zu können. Die Autorin und Chefin will mit einem Regelwerkkatalog ihres Büros (20 Punkte) eben nicht mehr täuschen und enttäuschen, sondern klare Verhältnisse schaffen (kein Duzen, feste Arbeitszeiten, keine Arbeit zu Hause, Arbeit macht nicht nur Spass, keine Mobiltelefone am Arbeitsplatz, formelle Arbeitskleidung, Vorgesetzte haben das letzte Wort; alles was in ist, ist out usw. usw.). Damit wird ja Entwicklung erst möglich und nicht vorgegaukelt.

Das Buch ist unbedingt zu empfehlen, zumal es auch sehr lesbar geschrieben ist.

Nicht die besserwisserische Entzauberung der New Economy ist das Thema, sondern die Konfrontation mit der Realität des Drucks, der Verunsicherung und Ängste, die reduziert werden sollen. Ich meine, dass dies Buch mehr zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen beiträgt, als die meisten gut gemeinten Ratgeber-Bücher und engagierten Publikationen zur menschengerechten Führung und Organisation.

Die Autorin (die sicherlich einen sehr guten Ghost-Writer hatte) entlarvt, und zwar nicht auf die moralische Tour, sondern nüchtern klar und direkt. Das Buch hat die Aufmerksamkeit verdient und ist ohne Zweifel zum Nach-Denken sehr geeignet. (KT)


Peter Maier (Hrsg)
Reengineering - Fluch oder Segen? Die Erfahrungen namhafter Unternehmen. Verlag Th. Gabler, Wiesbaden 1997, 241 Seiten, DM 78.-

Über dies Buch könnte man die gleiche Frage wie die im Titel stellen. Die Antwort ist zwar nicht Fluchen, wohl aber Ent-Täuschung.

In einer Zeit, wo der Abgesang auf das Reengineering bereits begonnen hat (was folgt wohl danach?), noch eine oberflächliche Darstellung der Projekte von Best Western Hotels, IKEA, Jenoptik, Klöckner, Minolta, Rhône-Poulenc, Samsung, Senats

verwaltung Berlin, Universität Leipzig, Verbundnetz Gas und VW zu wagen, ist schon eine Zumutung. Erstens wegen der oberflächlichen Darstellung und zweitens, weil es nur scheinbar gelungene Projekte sind. Dazu kommt, dass das GKN-Löhr & Bromkamp-Projekt sehr tief und erfolgreich war, hier aber in einer instrumentellen Beschreibung steckenbleibt. Gerade hier hätte deutlich werden können, was es für ein erfolgreiches Reengineering eigentlich braucht und was nach neuesten Zahlen nur 6% der Unternehmen geschafft haben. Löhr & Bromkamp beliefert heute Toyota!

Das 3,5 Seiten Interview über das Deutsche Bahn-Projekt ist schlicht eine Frechheit von Phrasendrescherei. Bei anderen Projekten, z.B. IBM, wird deutlich erkennbar, warum mehr als 60% der Reengineerings-Projekte gescheitert sind: weil sie sich erstens nur so nannten und zweitens (wie es am Schluss des sonst lesenswerten Grundsatz-Beitrages von Siegfried Roth, Gewerkschaftler im Ford-Aufsichtsrat heisst), weil «das Scheitern vieler betrieblicher Reorganisationsprojekte nicht in erster Linie an konzeptionellen Mängeln liegt. Die Ursachen sind vielmehr in den Denkstrukturen und den daraus resultierenden Verhaltensweisen zu finden». Im Klartext: sie sind an der Unfähigkeit der Manager gescheitert. Ich warne vor dem Buch. Ich habe die Zeitinvestition mit der Rezension bereits für alle getätigt.

 

CORINNE MAIER
Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun
Goldmann Verlag, München 2005, ISBN 3 442 30113 0, 155 Seiten, Euro 12.–


Dieses Buch ist eigentlich flach und bewegt sich sprachlich auf dem Niveau der Bild-Zeitung. Gleichwohl oder vermutlich gerade darum steht es in den Bestseller-Listen, zunächst in Frankreich, nun auch in Deutschland, neben den Werken der Management- Gurus, deren Einfluss auf die Wirtschaft die Autorin (u.a.)verdammt. Es handelt sich um eine Rundum-Klatsche gegen alle Erscheinungsformen der vom Shareholder-Value getriebenen ökonomischen Kultur, denen wir in modernen Organisationen heute begegnen. Die Autorin bringt die Enttäuschung und den Zynismus vieler Arbeitnehmer auf den Punkt. Ihre Empfehlung lautet Leistungsverweigerung, ohne sich erwischen zu lassen. Bei der Dummheit und Feigheit der meisten Vorgesetzten, so die Autorin, dürfte das auch kaum ein Problem sein. Nicht das Buch an sich, sondern die Tatsache, dass es sich so gut verkauft, sollte nachdenklich stimmen. Offenbar drückt es Zeitgeist aus. (JF)

 

PETER MAKIN/CHARLES COX
Changing Behaviour at Work
Routledge, London und New York 2004, 167 Seiten, GBP 19.99, ISBN 0 415 32304 5


Das ist ein praktisch orientiertes und sehr gut lesbares Buch, das vor allem darauf fokussiert, bei Führungskräften ein tieferes Verständnis für die Entstehung und Veränderung von kollektiven Verhaltensmustern in Organisationen zu entwickeln. Häufig stoßen Führungskräfte bei der Einführung von Konzepten etwa der Kosten-, Qualitäts- oder Produktivitäts- verbesserung auf für sie unverständliches Verhalten, zum Teil nehmen sie es nicht bewusst wahr, spüren aber diese Widerstände.

Die Autoren entwickeln am Beispiel von Fallstudien und Theoriebausteinen für solche Reaktionen ein Verständnis. Zugleich erläutern sie, welche Möglichkeiten es gibt, um adäquat darauf zu reagieren. Die Darstellungen beziehen sich sowohl auf Individuen als auch auf größere Gruppen. Der Leser wird dabei nicht nur mit Techniken versorgt, sondern auch darauf hingewiesen, dass der Schlüssel für erfolgreichen Wandel häufig genug auch in der eigenen Person und der Reflexion der eigenen Rolle als Führungskraft liegt. Das Buch kann man vor allem Führungskräften empfehlen, die sich mit Veränderungsmanagement befassen müssen. (JF)

Herta Singer/ Christine Malcherczyk
Teamentwicklung.
Basisbibliothek Gemeindeleitung, Bd.1, Hrsg. von Bernhard Petry. 144 Seiten, Kartoniert, Euro 12.95, CHF 23.80, ISBN 3-579-05562-3

Viele religiöse Gemeinden sehen sich vor mehrfache Herausforderungen gestellt: Die wirtschaftlichen Ressourcen nehmen ab, die religiösen Dienstleistungen müssen überprüft und gegebenenfalls neu definiert werden, das dazu notwendige vorhandene und noch zu weckende Engagement der Gemeindemitglieder muss möglichst effizient organisiert werden. In diesem Rahmen spielt die Zusammenarbeit der Betroffenen eine ganz besondere Rolle. Das vorliegende kleine Buch ist ein in hohem Mass praktischer Ratgeber für alle diejenigen, die in einer Führungsrolle sich diesen Herausforderungen in einer Gemeinde zu stellen haben. Zu allen in diesem Zusammenhang relevanten Themen und Fragestellungen gibt es detaillierte Checklisten, sehr praxisnahe kleine Fallstudien, woraus nicht nur deutlich wird, worauf zu achten ist, sondern auch welche Klippen es zu vermeiden gilt.

Ein sehr empfehlenswertes Hilfsmittel, damit sich gut gemeintes hohes Engagement mit Professionalit&äuml;t verbindet, und dadurch die Chancen für Wirksamkeit deutlich verbessert werden. (KD)

MATTHIAS ZUR BONSEN / CAROLE MALEH
Appreciative Inquiry (AI). Der Weg zu Spitzenleistungen
BELZ WEITERBILDUNG, WEINHEIM 2001, 120 Seiten, Euro 21.47, CHF 38.70


Wer die Methode "Appreciative Inquiry" kennen lernen möchte, erhält mit diesem Buch eine fundierte Darstellung des Konzepts. In komprimierter Form hat die Mitautorin den methodischen Ansatz und die Vorgehensweise schon in Heft 1/01 der ZOE vorgestellt. Im Buch wird zusätzlich noch explizit auf den Appreciative Inquiry-Summit eingegangen. Im Anhang sind ferner Beispiele für AI-Interviews sowie AI-Summit-Abläufe enthalten.

Autorin und Autor, beide als Exponenten von Grossgruppenmethoden bekannt, stehen dem AI-Ansatz sehr "wertschätzend" gegenüber. Die kritische Reflexion des Kontextes, in dem Appreciative Inquiry als Methode entstanden und heute vermarktet wird, kommt demgegenüber zu kurz. Wünschenswert wären auch Erfahrungsberichte, in denen nicht nur dargestellt wird, wie die Methode angewandt werden kann, sondern was sie nachhaltig in den Unternehmen und Organisationen bewirkt. Schliesslich erhebt Appreciative Inquiry ja den Anspruch mehr als nur eine Methode für den Trainermarkt zu sein. (HM)

 

Carole Maleh
Open Space. Effektiv arbeiten mit grossen Gruppen
Beltz-Verlag
Weinheim und Basel 2000
156 Seiten, DM 48.--

Die grüne Weiterbildungsreihe des Beltz-Verlags hat einen guten Ruf, Themen aus dem Trainings- und Seminarbereich praxisnah und umsetzungsfähig aufzubereiten. Dies trifft auch auf Maleh's Buch über die Open-Space-Konferenz-Methode zu. Ausführlich, zugleich aber auch prägnant und gut lesbar, wird dargestellt, was die Methode kennzeichnet, worauf es bei ihr ankommt, mit welchen Werkzeugen gearbeitet wird, wie sie durchgeführt, vor- und nachbereitet wird. Abschliessend noch eine kleine Erhebung zum Einsatz der Methode im deutschsprachigen Raum sowie Antworten auf häufig gestellt Fragen.

Das Thema Grossgruppenkonferenz hat ja im deutschsprachigen Seminarbereich in den letzen Jahren einen gewissen Boom erlebt (zu dem auch unsere Zeitschrift mit den Beiträgen von zur Bonsen, Weisbord und Petri beigetragen hat). Wer mit der Methode arbeiten oder sie auch nur kennenlernen möchte, dem sei das Buch von Maleh sehr empfohlen. Man empfindet nach der Lektüre nicht nur den Wunsch, damit zu arbeiten, sondern entwickelt auch das Gefühl, jetzt auch alles dafür Notwendige zu wissen. Man sollte jedoch bedenken, dass die Anforderungen an die Moderation nicht zu unterschätzen sind. Und: Open Space ist nur eine Möglichkeit, Veränderungsprozesse zu gestalten. Auch sie hat ihre Grenzen.

 

Christian Malorny
TQM umsetzen. Der Weg zur Business Excellence
Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart 1996, 616 Seiten, DM 98.–

«Offensichtlich hat sich noch nicht hinreichend die Erkenntnis durchsetzen können, das ein normatives QM-System zwar eine Notwendigkeit im Sinne eines qualitätssichernden Instruments ist, der eigentliche Nutzen jedoch erst mit der Weiterentwicklung und ständigen Verbesserung des Systems beginnt.» (S. 45) Wer glaubt, mit der Iso-Zertifizierung sei es getan und man könnte wieder in die alte Routine zurückfallen, dem sei das mit dem «European Quality Award for Theses on TQM 1996» ausgezeichnete Buch von Malorny wärmstens empfohlen.

Nicht nur wegen der intensiven, kritischen Auseinandersetzung mit den Zertifizierungsverfahren und Auditierungsprozessen, die auf einer ausführlichen Literatur- und Dokumentenanalyse und eigenen empirischen Erhebungen basiert. Nicht nur wegen der umfangreichen, dabei stets kritisch abwägenden Darstellung der Geschichte, Methodik und Inhaltsaspekte der «Quality Awards» in Japan, USA und Europa, die einen Einblick in Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten der Qualitätsphilosophie der jeweiligen Kulturen vermittelt – und nebenbei deutlich macht, wo Deutschland international hinterherhinkt.

Lohnend ist vor allem die detailreiche Darstellung, wie sich TQM im Unternehmen einführen und umsetzen lässt. Ausgehend von der richtigen These, dass Qualität in erster Linie prozessbezogen verstanden werden muss, werden über vier Entwicklungsstadien und acht Handlungsfelder hinweg eine Fülle von Erfahrungen, Praxisbeispielen, Ideen und Konzepte vermittelt, die – obwohl alles unter dem Titel TQM firmiert – in vieler Hinsicht auch Bausteine hin zu einer lernenden Organisation sind.

Trotz des Umfangs und der Fülle von Literaturanmerkungen liest sich das Buch durch seine klare Strukturierung recht gut (Eine Reduzierung der Rand-Stichworte würde eine Orientierung noch mehr erleichtern). Gut auch, dass die Kapitel jeweils in sich abgeschlossen sind, so dass je nach Interesse eine selektive Lektüre möglich ist. Das Buch ist informativ, ebnet den Weg zu den relevanten Literaturquellen, und es ist zugleich sehr praxisbezogen.(HM)

 

BENOIT B. MANDELBROT/RICHARD L. HUDSON
Fraktale und Finanzen. Märkte zwischen Risiko, Rendite und Ruin
Piper Verlag, München und Zürich 2005, ISBN 3 492 04632 0, 446 Seiten, Euro 24.90


Für die klassische und neoklassische ökonomie lieferte das Kausalitätsverständnis der Newton’schen Physik das Leitkonzept. Um die zunehmenden Unvorsehbarkeiten und Ausschläge der entwickelteren Märkte und vernetzterer ökonomien zu verstehen und abzubilden, gewannen im folgenden Jahrhundert probabilistische Ansätze an Bedeutung. Sie ermöglichten es, trotz beträchtlicher «Randunschärfen», an einer relativen Kausalität, beruhend auf Schätzungen, festzuhalten, damit auch den Glauben an regelhafte Muster, Voraussicht und kalkulierbaren Risiken. Diese Hoffnung wird nun ihrerseits fragwürdig, wie die extremen Schwankungen der globalen Finanzmärkte und Börsengeschäfte belegen. Der Entdecker der fraktalen Geometrie Mandelbrot und der Journalist Hudson zeichnen in diesem Buch zunächst nach, welche Anstrengungen in der angewandeten Mathematik im Rahmen der verschiedenen Paradigmen gemacht wurden und wo die Grenzen ihrer Erklärungsmächtigkeit liegen. In diesem auch wissenschaftshistorisch interes- santen und mit erlebten Beispielen angereicherten Band legen die Autoren dann dar, welche Erklärungsansätze und Darstellungsmöglichkeiten für die Rekonstruktion von Mustern in scheinbar ungeordneten Marktprozessen sich aus den Konzepten der fraktalen Geometrie ergeben. Sie kommen damit dem menschlichen Bedürfnis nach, auch in scheinbar chaotischen Strukturen noch einen Sinn zu konstruieren. Zugrunde liegt dem Ansatz ein verändertes Konzept von Abhängigkeit bzw. Wechselwirkung. Die Autoren zeigen, dass sich dynamische Systeme nicht völlig regellos entwickeln, vielmehr schaukeln sich kleinere Einflüsse gleichsam auf und führen dann zu scheinbar unvermittelten Aus- oder Einbrüchen.

Der Text ist anspruchsvoll, aber dennoch gut verständlich geschrieben. Die formalen Ausflüge beschränken sich zumeist auf die Fussnoten, so dass man durchaus auch mit einer schwächeren Note in Mathematik ohne Probleme durch den Text kommt. (JF)


R. Attems/ M. Hauser/ C. Mandl/ H. Mandl/ K. Sohm/ J.M. Weber
Führen. Zwischen Hierarchie und .... Komplexität nutzen. Selbstorganisation wagen
Versus-Verlag , Zürich 2001, 164 Seiten, EURO 29,80/CHF 48.-. ISBN 3-908143-84-5

Das Buch entstand aus der gleichnamigen Metalog-Konferenz, eine Konferenzform, die bei einem Minimum an Strukturen ein Höchstmass an Selbststeuerung anstrebt und dialogische Gesprächsqualität fördert. TeilnehmerInnen dieser Konferenz haben ihre Konferenz-Erfahrungen weiterverarbeitet und daraus ein Lesebuch gemacht, das sich nicht als stringente, abgeschlossene thematische Ausarbeitung sondern als Einladung zum Dialog versteht.

Die Klammer, die die auch in der Form recht heterogenen Beiträge zusammenhält, ist das Thema Führung und die Frage, wie selbststeuernde Strukturen funktionieren, funktionieren können. Es geht um die Veränderung von Organisationen, weg von den klassischen hierarchischen Strukturen hin zu ...,ja, wohin nun eigentlich? Deutlich wird in den Beiträgen, wie schwierig es ist, darauf eine konkrete Antwort zu geben, wie mit Komplexität umgegangen und Selbstorganisation gewagt werden kann. Dialog, Open Space, Selbstverantwortung, Autonomie und Authenzität sind immer wieder auftauchende Stichworte zur Kennzeichnung eines Weges, der schwierig ist, weil er auf Abwehrroutinen und erstarrte mentale Modelle in den noch hierarchisch geprägten Strukturen trifft.

Man kann das Buch nicht in einem Stück lesen, sondern muss sich einlassen auch auf die Diversität der Beiträge - auf die Gespräche, die Reflexionen, die Ausarbeitungen -, dann findet man genügend Inspirierendes auch für eigene Gedanken. (HM)

Andreas Manteufel; Günter Schiepeck
Systeme spielen. Selbstorganisation und Kompetenzentwicklung in sozialen Systemen
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, 237 Seiten, DM 48.ö

Endlich mal wieder ein System-Buch, welches neue Perspektiven aufgrund profunder Kenntnisse bietet. Der überwiegende Teil der Publikationen zum Systemkonzept sind doch nur Belege für die Belesenheit und Versuche, die Rezeption des komplizierten Stoffes wieder zu externalisieren, um sich zur Strukturierung des eigenen Speichers zu veranlassen.

Der Titel "Systeme spielen" ist eine sprachliche Kippfigur: Sie bedeutet einerseits, dass in diesem Buch anhand praktischer Fälle beschrieben wird, wie die Spiele der Kommunikation beschaffen sind, mit denen sich komplexe soziale Systeme selbst ihre Struktur und Ordnung schaffen. Die Autoren gehen der Frage nach, wie Selbstorganisation in sozialen Systemen funktioniert und mit welchen Theorien und Methoden Prozesse der Strukturbildung und des Strukturwandels angemessen zu beschreiben sind. Mit anderen Worten: Was passiert, wenn Organisationen lernen?

Die zweite Bedeutung des Titels spricht ein neues Spiel an: In Systemspielen, einer Variation des bekannten Planspiel-Ansatzes, lässt sich die Dynamik sozialer Systeme inszenieren, miterleben, teilnehmend beobachtenö und empirisch beforschen. Es wird über die Erfahrungen in und mit der Durchführung von Systemspielen sowie das damit verbundene Forschungsprogramm einer sozialwissenschaftlichen Synergetik berichtet (einschliesslich empirischer Ergebnisse und Methoden). Zentral wird schliesslich die Frage behandelt, wie Selbsterfahrung und der Erwerb von praxisrelevanten Handlungskompetenzen in komplexen Systemen beim Systeme-Spielen möglich sind, Mit anderen Worten: Wie erwirbt man Systemkompetenz?

Die Autoren, Psychologe in einer psychiatrischen Klinik der eine, Privatdozent an der Universität Bamberg und 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für komplexe Systeme und nichtlineare Dynamik der zweite, haben sicherlich nicht das ultimative Instrument gefunden, um über Spiele Systemkompetenz zu erwerben. Aber sie haben wesentliche Grundlagen gelegt, diese auf die Wirkungen hin untersucht und damit entscheidende Anstösse gegeben. Das Spielszenario "Psychosoziale Versorgung" (mit Spielanleitungen, Rollenbeschreibungen und Methoden zur Erfassung des Spielgeschehens) bietet ein nützliches Instrument für die, die dieses Spiel selber nutzen wollen, um zumindest die Anforderungen an den Erwerb von Systemkompetenz durch Spiele zu erkennen.

 

GILLIAN M. MARCELLE
Technological Learning. A Strategic Imperative for Firms in the Developing World
Edward Elgar Publishing Ltd., Cheltenham UK, 2004, 232 Seiten, 55 £, ISBN 843766922

Der Autor diskutiert die These, welchen Einfluss die Fähigkeit von Unternehmungen haben könnte, im Rahmen eines systematischen Konzeptes die Entwicklung und Einführung von Technologien in Fertigungs- und Produktbereichen zu managen. Zu Grunde liegt dabei ein Modell, das er als «Technological Capability Building» bezeichnet. Im Fokus steht hier insbesondere die Fähigkeit, in der Organisation und mit Lieferanten gemeinsam zu lernen, kollektives Wissen zu entwickeln, Change-Prozesse zu gestalten und Führungssysteme zu entwickeln. Jenseits der unmittelbaren technischen Fähigkeiten sind somit auch Metakompetenzen von Bedeutung. Die empirischen Belege der Studie beziehen sich auf eine Reihe von afrikanischen Entwicklungs- und Schwellenländer, Tansania, Ghana, Südafrika und Uganda. Dabei wird besonders deutlich, wie wichtig die Einbettung in verlässliche Infrastrukturen und kalkulierbare Institutionen sind, die wir in entwickelten Ländern einfach voraussetzen. (JF)

 

Mie Augier, James March, EDS.
The Economics of Choice, Change and Organization. Essays in Memory of Richard M. Cyert
Edward Elgar Publishing Ltd., Cheltenham 2002, 461 Seiten, Euro 95.-

Richard Cyert gehört neben James March und Herbert Simon zu einer Tradition der amerikanischen Organisations- und Managementtheorie, die sich schon in den 50er- und 60er-Jahren von vereinfachten mechanistischen Modellen verabschiedet hatten und auf einen hohem theoretischen Niveau Beiträge zur Organisationsanalyse und zum Verständnis von Entscheidungs- und Veränderungsprozessen lieferten. Die Rezeption in Deutschland war leider nur sehr begrenzt, dort herrschte die klassische BWL vor. Der vorliegende Band enthält nun eine umfangreiche Sammlung von originären Aufsätzen von Kollegen, Freunden und Schülern Cyerts, um sein Werk in gebührender Form zu würdigen und weiter zu entwickeln. Die versammelten Beiträge beziehen sich u.a. auf die verhaltenswissenschaftliche Analyse von Unternehmungen, der Bedeutung von kognitiven Prozessen für das Verhalten in Organisationen, der Dynamik von organisatorischen Veränderungs- und Lernprozessen und schliesslich dem Einfluss der Informationstechnologie auf die Evolution organisatorischer Strukturen. Es ist gelungen, einen repräsentativen Überblick in das umfassende theoretische Schaffen dieses Klassikers der Organisations- und Entscheidungstheorie zu vermitteln, das in den einzelnen Beiträgen aufgegriffen und systematisch weiter entwickelt wird.

 

BERNARD MARR (HRSG.)
Perspectives on Intellectual Capital. Multidisciplinary Insights into Management, Measurement, and Reporting.
Elsevier Butterworth-Heinemann, Amsterdam 2005, 256 Seiten, Euro 62.95, ISBN 0-7506-7799-6


Das Buch bietet im ersten Kapitel einen aktuellen, disziplinären Suchraum für Forschungsfragen in den Bereichen economics, strategy, accounting, finance, reporting, marketing und human relations aus Sicht vieler bekannter Autoren (u.a. Leif Edvinson, Baruch Lev, Jan Mouritsen, Göran Roos, David Teece). Das zweite Kapital sucht unter dem Titel «Interdisciplinary Views» aus der Perspektive der public policy, der interfirm collaborations sowie aus wissensorientierter und epistemologischer Sicht nach Fragen und Antworten zum intellektuellen Kapital. Zwar wird der Anlass der Trennung in ein disziplinäres und ein interdisziplinäres Kapital nicht unmittelbar deutlich. In beiden Kapiteln werden gleichermassen Forschungslücken aufgezeigt und Sackgassen offensichtlich. Für LeserInnen dieser Zeitschrift sind vermutlich folgende Beträge von besonderem Interesse: Augier und Teece kritisieren den leichtfertigen, neoklassischen Umgang mit technologischem und organisationalem Wissen und plädieren wie auch Marr und Roos nachdrücklich für eine Verknüpfung der Betrachtungen in organisationale Prozesse und Routinen (S. 4). Johanson bemängelt, dass komplexe technische Instrumente mit überaus detaillierten Standards zur Messung und Bewertung intellektu- ellen Kapitals entworfen werden, ohne dabei auf die tatsächliche Verhaltenswirkung dieser Instrumente Bezug zu nehmen (S. 103). Marr und Roos verweisen darauf, dass Bilanzen ein «snapshot in time» sind (S. 34f.); nach Mouritsen, Bukh und Marr muss deshalb die Bedeutung der Veränderungen und wechselseitigen Interdependenzen von Ressourcen mehr Beachtung finden (S. 69). Lev, Cañibano und Marr schätzen ein, dass die Mehrheit der Investitionen in immaterielle Ressourcen nicht bilanzierbar ist und derzeit eine Gefahr für creative accounting practices resp. earnings management besteht.

Daneben werden neue Denkweisen zur Messung und Bewertung von intellektuellem Kapital sichtbar. Bespielweise wird hervorgehoben, dass Mess- und Bewertungsinstrumente beeinflussen, was in Organisationen diskutiert wird (Beitrag Johanson, S. 97). Es werden Möglichkeiten der Darstellung der Interaktion verschiedener Ressourcen vorgestellt (z.B. Beitrag Marr/Roos), alternative Bilanzierungsmethoden für immaterielle Ressourcen abgewogen (Beitrag Lev et al.) und eine organische Sicht auf organisationale Prozesse propagiert (Beitrag Mouritsen et al., S. 69).

Der Herausgeberband findet in einer umfassenden Übersicht zur Entwicklung der Diskussion zum intellektuellen Kapital durch Bernard Marr seinen Abschluss. Im Ausblick wird hervorgehoben, dass es nicht auf eine Angleichung der Terminologie ankommt, sondern auf das Verständlichmachen ihrer Bedeutung im jeweiligen Kontext, dass die Diskussion um das intellektuelle Kapital von einer individuellen Zuschreibung Abschied muss und dass langzeitorientierte, kritische Untersuchungsmethoden die traditionell positivistischen Verfahren ergänzen müssen.

Auffällig ist, dass ein ernsthafter Definitionsversuch immaterieller Ressourcen resp. der Kapitalarten nur in zwei Beiträgen in Angriff genommen wird. Durch die Beiträge von Spender und Marr sowie Roos wird nicht, wie häufig üblich, intellektuelles Kapital kategorisiert und beispielhaft untermauert (LeserInnen müssen sich das jeweils Typische einer Kategorie meist selbst denken), sondern das Wesen des intellektuellen Kapitals (hier: Wissen) aus verschiedenen Perspektiven ergründet. Dies ist nicht unerheblich, denn «the way people believe knowledge is created has an impact on the way knowledge is managed» (S. xvii). Vermutlich wird durch eine solche Herangehensweise auch zukünftig die Frage entschieden werden (müssen), wie genau intellektuelles Kapital überhaupt gemessen werden kann und muss.

Bleibt zum Schluss: Der Herausgeberband bietet einen State of the Art und die Problematik der Forschungen zum intellektuellen Kapital an, zeigt Forschungsfragen auf und zeichnet die Komplexität des Feldes nach. Damit dürften Forschende zu dieser Thematik in jedem Falle fündig werden. (AF)

 

DAVID MARSDEN U.A. (HRSG)
Veränderungsprozesse in Organisationen
Schwerpunktheft der Zeitschrift "Industrielle Beziehungen" 5 (1998) 1,
Rainer Hampp Verlag, Meringzeller Str. 16,
86415 Mering, 128 Seiten, DM 56.80

Dieses interessante und empfehlenswerte Schwerpunktheft setzt sich nicht mit den Konzepten der OE auseinander, sondern enthält eine Reihe sehr lesenswerter Beiträge zu spezifischen Projekten und Konzepten der Veränderungsprozesse in Organisationen.

Ein Beitrag setzt sich mit der veränderten Organisation angesichts der Anforderungen des Wissensmanagements und Organisationslernens auseinander (A. Kieser), mit dem Organisieren als Kommunizieren: "Über die allmähliche Verfestigung der Organisation beim Reden". Wie andere Arbeiten von Kieser, ist dies wieder erfrischend und klar, und wichtig, wegen der konstruktivistischen Perspektive.

Ein sehr nützlicher Beitrag beschäftigt sich mit der Rolle des Betriebsrates bei den Veränderungsprozessen. Dieser eher vernachlässigte Aspekt wird zunehmend relevanter, und so ist dieser Aufsatz sehr hilfreich und stimulierend.

Der vierte Beitrag setzt sich mit dem Mythos und der Realität des "Intrapreneurs" auseinander, d.h. den Möglichkeiten, aber auch der Verunsicherung der Mitarbeiter der mittleren und unteren Ebene, bei der Übertragung von mehr Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnissen. Das ist auch mit Kompetenz-Verantwortungs-Dilemmata verbunden.

Der Preis ist nicht gerade gering, aber die Investition lohnt sich, gerade für die Entwicklung in der Unternehmenspraxis. (KT)

 

Sieghard H. Marzian, Wolfhardt Smidt
Vom Vertriebsingenieur zum Market-Ing. Kunden gewinnen mit System
Springer-Verlag 1999, 163 Seiten DM 59.–/ÖS 431.–/SFR 54.–

Die Gestaltung der Markt- und Kundenbeziehungen wird immer mehr zum Fokus der organisationalen Bemühungen der Unternehmen, sich in einem turbulenten Umfeld zu behaupten. Darüber gerät auch der klassische Aussendienst-Mann ins Gerede (Frauen sind im technisch orientierten business-to-business-Geschäft leider immer noch fast durchgängig auf kaufmännische Zuarbeits-Funktionen reduziert). Mit der Propagierung des Market-Ing. als neues Berufsbild im Vertrieb versuchen die Autoren der Tatsache Rechnung zu tragen, dass im Investitionsgütergeschäft das klassische Transaktions-Marketing zunehmend durch das Beziehungs-Marketing abgelöst wird. Das Buch ist sehr praxisnah auf DV-unterstütze Anwendung bezogen und in einer einfachen Sprache geschrieben: störend finde ich allerdings den manchmal doch etwas überheblichen Unterton: auch wen ich die Ansicht teile, dass sich das «Weltbild» der Aussendienstler ändern muss, muss man sie nicht gleich «für dumm verkaufen».

Gut gelungen und ausführlich behandelt finde ich die Schritte, wie sich Wissen über die Kunden aufbauen lässt, das die Vertriebsmitarbeiter in die Lage versetzt, Kunden zu bewerten, Prozesse zu analysieren und Kausalitäten zu erkennen. Nicht nur seitenmässig dünner ist hingegen der Teil, bei dem es um die Gestaltung der Beziehungsqualität zum Kunden geht. Was mir fehlt ist auch die Reflexion der Konsequenzen, die die veränderte Orientierung zum Kunden für die internen Strukturen und Prozesse hat: so die Notwendigkeit verstärkt im Team zu arbeiten, statt als «Einzelkämpfer» sein Glück beim Kunden zu versuchen, sowie die Neustrukturierung der Schnittstellenkommunikation zu den internen Unternehmensbereichen, die ja zunehmend selbst in direkte Kundenkontakte eingebunden sind. Fazit deshalb: eine insgesamte brauchbare Einführung in die Thematik, die aber noch inhaltlicher Ergänzungen bedarf, um den Anforderungen eines neuen Berufsbildes gerecht zu werden.

 

FRED MASSARIK, MARISSA PEI-CARPENTER
Organization Development und Consulting
Jossey-Bass/Pfeiffer (Wiley), San Francisco 2002, 247 Seiten

Fred Massarik ist einer der Gründungsmitglieder des NTL Instituts in den USA, der Geburtsstätte der Gruppendynamik und OE.
Sein neues Buch stellt seine Überzeugungen und Erfahrungen und die zentralen OE-Werte in den Mittelpunkt. Gerade in der Zeit, wo die OE als beendet und das Change Management propagiert wird, ist dies ein wichtiges Buch, weil die wesentlichen Ansätze der OE auch in der Entwicklungs-Dimension dargestellt und mit dem persönlichen Engagement verbunden werden. Es ist geronnene Erfahrung, die hier präsentiert wird. Es ist also ein sehr praktisches Buch, was nicht auf konzeptionelle Reflexion verzichtet. So erstaunt es nicht, wenn die Autoren das Buch als "NTL-Buch" deklarieren, weil es die etablierte OE darstellt.
Die Autoren stellen den personellen Ansatz in den Mittelpunkt (der Berater und Klienten) und vor allem das Gefühl und die Intuition als entscheidende Grundlage von Planung, Gestaltung, Prozess, Intervention und Evaluierung. Das mag etwas "romantisch" anmuten, zeigt aber, was über Jahrzehnte Basis der OE war und letztlich bei aller Methodik Technologie und Systematik noch ist. Damit lässt sich auch begründen, warum "Schnellschüsse" und lineare Ansätze nicht zu nachhaltigem Wandel führen.
Es ist kein Einführungstext in die OE und doch Anfängern unbedingt zu empfehlen, weil es gelebte Werthaltungen deutlich macht und eindringlich begründet. Es hat mich auch an die "gute, alte Zeit" erinnert, mehr noch aber aufzeigt, was im neuen Change Management oft auf der Strecke bleibt, insbesondere auch in den Berater-Haltungen. (KT)


 

CHRISTENSEN, JENS FRÖSLEV/MASKELL, PETER, EDS.
The Industrial Dynamics of the New Digital Economy
Edward Elgar Publishing LTD, Cheltenham U.K. 2003, 288 Seiten, 65 £

Ist die New Economy nun tot, lebt sie noch oder ist sie wieder auferstanden, wie auch immer, es kann keinen Zweifel daran geben, dass die digitale Informationstechnologie und das Internet einen nachhaltigen Einfluss auf die Produktionsstrukturen und -prozesse der industriellen Ökonomie hatte und hat. Die verschiedenen Autoren stellen dabei die Bedeutung der Vernetzung in und zwischen Organisationen heraus und zeigen, wie sich neuartige Kooperationsformen und organisatorische Gestalten herausbilden. Auch Labour Relations und die Beschäftigungsstrukturen bleiben von diesen Transformationen nicht unberührt. Die universelle Verfügbarkeit von Informationen und Wissen führt zu höheren Produktivitäten, so dass sich auch Preis,- Wettbewerbs- und Marktgefüge grundlegend verändern. Der vorliegende Sammelband ordnet diese Entwicklungen in einen historischen Zusammenhang und liefert einen theoretischen Kontext. Er zeigt dann insbesondere an zahlreichen empirischen Studien, wie sich die digitale Ökonomie in verschiedenen Fertigungs- und Dienstleistungsbranchen konkret auswirken. (JF)

 

RYAN MATHEWS/WATTS WACKER
Bunte Hunde - Mit abseitigen Ideen zum Erfolg
Europa Verlag, Hamburg 2003, 352 Seiten, 24.90 Euro, ISBN 3-203-80146-9

Innovationen im Konsens sind wohl eine seltene Ausnahme. Die besten Konzepte und Lösungen gedeihen oft im Verborgenen und werden zunächst ganz ohne Kenntnisnahme der Unternehmensführung durchgeführt. Sie gehen zurück auf Einzelne oder Minderheiten, die auf sich allein gestellt die Courage haben, Neues zu schaffen. Viele dieser Leute bleiben dabei zwar auf der Strecke, doch einige haben Erfolg und denen folgt irgendwann die Masse. Wer es also versäumt, die "bunten Hunde" in seinem Unternehmen zu wecken, der läuft Gefahr, Innovationen zu verschlafen.
In diese Richtung gehen auch die Überlegungen von Ryan Mathews und Watts Wacker in ihrem Werk "Bunte Hunde". Die Zukunftsforscher von "First Matter" in Westport/USA vermuten, dass es in Unternehmen gerade deshalb nicht zu Innovationen kommt, weil unermüdlich versucht wird, Mitarbeiter mit abweichenden Ideen kalt zu stellen oder zu entfernen. Sie plädieren folglich dafür, den Abweichlern und Spinnern in Unternehmen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, weil gerade die ungezähmten Ideen dieser "Bunten Hunde" der Rohstoff sind, aus dem zukünftige Markterfolge erwachsen. Mathews/Wacker untermauern ihre These einleitend anhand einer Vielzahl von Beispielen, wie etwa dem wachsenden Einfluss der wiedergeborenen Christen in den USA, der Entwicklung des Wrestlings oder den glamourösen Karrieren des Ganoven "Bugsy" Siegel sowie des vielseitigen Unternehmers und Virgin-Chefs Richard Branson. Diese Erfolgsstories gehen jeweils auf Leute zurück, die oft "fremdartig, unbequem, zuweilen sogar offen feindselig und gefährlich sind", ihre Ideen aber hartnäckig weiterverfolgen.
Doch wie lässt es sich erklären, dass aus den vordergründigen Verrücktheiten dieser Aussenseiter schliesslich doch erfolgreiche Geschäftsmodelle werden? Handelt es sich dabei um Zufall oder liegt dem ein Muster zugrunde? Mathews/Wacker glauben an die Zwangsläufigkeit solcher Entwicklungen und verdeutlichen dies im ersten Teil ihres Buches an einer Art Evolutionsmodell des Abweichenden. Auf jeder Etappe - vom Niemandsland, in dem eine Idee unbemerkt bleibt, über den Rand der Wahrnehmung durch avantgardistische Zirkel zum Nimbus des Coolen bei Trendsettern und schliesslich von der Modeerscheinung im Mainstream zur gesellschaftlichen Konvention im Massenmarkt - nimmt der kommerzielle Wert einer zunächst abwegigen Idee stetig zu.
Dass es aber überhaupt dazu kommen kann, führen die Autoren auf Entwicklungen zurück, die zu einer immer schnelleren Auflösung ehemals stabiler Kontextbedingungen beitragen. Diesen "kulturellen Treibstoff, der den Motor des unternehmerischen Wandels in Gang setzt", entdecken sie in allen Bereichen des Lebens. Während sich etwa die Sexualität langsam aus ihrem Schattendasein am prüden Rand der Gesellschaft löste, begannen zahlreiche "Bunte Hunde" damit, an diesbezüglichen Angeboten zu feilen und trugen schliesslich dazu bei, dass die Pornoindustrie zu einer der Boombranchen werden konnte.
Wenngleich die Ausführungen zu den dramatischen Umbrüchen in Bereichen wie Sexualität, Sprache, Wissenschaft und Kunst zu den interessantesten des Buches gehören, stellt man sich streckenweise die Frage, welche praktischen Konsequenzen für die Wirtschaft aus den Umbrüchen im Umfeld erwachsen und was das Management unternehmen muss, um davon profitieren zu können. Der Schlüssel dazu - so die schlichte Erkenntnis von Mathews/Wacker - ist die Etablierung abweichender Unternehmenskulturen. Denn - so ihre zweifellos richtige Erkenntnis - sorgfältig gepflegte Kulturen wirken wie Antikörper, die den Unternehmensorganismus vor allen Chancen abschirmen. Doch leider bleiben sie bei dieser Diagnose stecken. Hinweise, die über die üblichen Vorschläge, wie Beseitigung der aufgeblähten Leitungs- und Kontrollgremien, die Rückführung patriarchalischer Führung oder die Gewinnung nonkonformistischer Führungspersönlichkeiten, hinausgehen, sucht man vergeblich. Konkreter werden die Autoren allein bei ihren Vorschlägen zur abweichenden Produkt- und Markengestaltung. Hier schimmert die Profession der Autoren durch und man merkt, dass sie im Marketing zu Hause sind: Einleuchtend schildern Mathews/Wacker, wie selbst mit einem zunächst kostenlosen Produkt wie dem Linux-Betriebssystem eine Menge Geld verdient wird und wie Marken, die auf Nonkonformismus setzen (z.B. Harley-Davidson), immer neue Absatzmärkte nach sich ziehen (z.B. für Harley-Davidson-Plüschtiere).
Von solchen Stories lebt das Buch. Insbesondere jene Beispiele, die hierzulande weniger bekannt sind (z.B. die Erfolgsgeschichte der Hippies Ben&Jerry, die ihr Eiscremeunternehmen für 326 Mio. Dollar an Unilever verkauften) und stellenweise skurril anmuten (z.B. Sado-Maso-Barbie-Puppen!), offenbaren dem Leser, dass unzählige erfolgreiche Geschäftsmodelle kaum als geplant gelten können, da sie letztlich auf die abseitigen Ideen kauziger Personen zurückgehen. Zwar sind viele der gewählten Anekdoten bekannt - auch der "3M-Post-it-Klassiker" fehlt nicht - und möglicherweise lässt die stellenweise vollmundige Rhetorik beim flüchtigen Leser den faden Beigeschmack von (anglo-amerikanischen) Managementbestsellern zurück. Doch hebt sich "Bunte Hunde" gerade von diesen Werken ab, die für sich beanspruchen, Innovationen planend bewältigen zu können und somit den Irrglauben nähren, man könne mit Stäben, Marktforschungsabteilungen und Innovationszirkeln das Neue aufspüren. Das Buch regt zweifellos zum Nachdenken an und es ist nicht auszuschliessen, dass einige Manager nach der Lektüre von "Bunte Hunde" geneigt sein werden, den kreativen, verschrobenen Mitarbeitern mehr Vertrauen entgegen zu bringen.

 

KARLHEINZ A. GEISSLER / STEFANIE HAJAK / SUSANNE MAY ( HRSG.)
Könnte es nicht auch anders sein? Die Erfindung des Selbstverständlichen
Hirzel Verlag, Stuttgart 2003, 153 Seiten

Dies ist ein kurzweiliges und intelligentes Buch, das in kurzen, phantasievollen und teilweise schön illustrierten Aufsätzen grundlegende Elemente unserer Kultur und Gesellschaft in den Blick nimmt und ihre Entstehung rekonstruiert. Dabei wird deutlich, dass Selbstverständlichkeiten, wie Geld, Schrift, Politik oder Lernen Erfindungen waren, die sich erst durchsetzen mussten und dann unsere Formen des Lebens und Arbeitens so nachhaltig geprägt haben, dass sie für uns heute fast unsichtbar sind. Von daher ist die Lektüre zugleich eine Art Entdeckungsreise. Ein hübsches Geschenk für Freunde, Kollegen oder Kunden. (JF)

 

WERNER WEBER/WOLFGANG MAYRHOFER/WERNER NIENHÜSER/RÜDIGER KABST
Lexikon Personalwirtschaft
Verlag SchäfferPoeschel, Stuttgart 2005, ISBN 3 7910 2304 7, 384 Seiten, Euro 19.95

Dieses Lexikon beschränkt sich auf die kurze und prägnante Darstellung und Klärung von personalwirtschaftlichen Grundbegriffen, wobei insbesondere auch Themen aus dem Arbeitsrecht, der Führungslehre sowie aus Randgebieten, wie etwa dem Datenschutz, eingegangen sind. Die zweite nun vorliegende Ausgabe wurde um viel aktuelle Aspekte ergänzt, so dass hier ein repräsentatives und aktuelles Nachschlagewerk vorliegt. Der interessierte Leser kann es verwenden, um sich schnell einmal zu einem Thema kundig zu machen. Wenn mehr Tiefgang notwendig ist, wird das durch eine Vielzahl von Querverweisen und Literaturquellen ermöglicht. Das Buch enthält als weitere Arbeitshilfe ein umfassendes Stichwortverzeichnis. (JF)



Daniela Mayrshofer/ Hubertus A. Kröger

Prozesskompetenz in der Projektarbeit. Ein Handbuch für Projektleiter, Prozessbegleiter und Berater.
Windmühle GmbH Verlag, Hamburg 1999, 253 Seiten, DM 52.–

Das Buch ist in jeder Hinsicht praxisnah. Es beginnt mit der Spiralbindung, die es aufgeschlagen lässt, wo man gerade damit arbeiten will. Und es gibt eine Menge von Listen, Anleitungen und Abbildungen, die für die Alltagsarbeit sehr nützlich sind. Es ist schon fast als triviale Erkenntnis zu bewerten, dass Projekte fast nie an fehlender fachlicher Kompetenz scheitern, sondern daran, dass die Projektgruppe die komplexen Zusammenhänge innerhalb des Projektes und zwischen dem Projekt und seinem Umfeld nicht bewältigt. Also haben die Berater-Autoren ihre Erfahrungen und Erkenntnisse systematisch zu einer Prozessbegleitung und -gestaltung aufbereitet. Manches gerät dabei etwas oberflächlich (Teamentwicklung, Konflikte beispielsweise), aber das kann man leicht um andere Quellen ergänzen.

Wichtig und hilfreich sind die einfach strukturierten und erläuterten Hinweise zum Prozessmanagement in Projekten. An vielen Stellen bietet das Buch auch alten Projekt-Hasen ein Repetitorium, wenngleich es eher für die gedacht scheint, die noch nicht so viel Erfahrung, aber dafür eine grössere Verantwortung haben. Ihnen wird geholfen, und zwar in einer Weise, die implizit nicht noch mehr Anforderungen stellt und die Unsicherheit auffängt.

 

Fritz Maywald
Der Narr und das Management. Leistungssteigerung im Unternehmen zwischen Shareholder-Value und sozialer Verantwortung.
Gerling Akademie Verlag GmbH, München 2000, 203 Seiten, DM 39.-

Das Buch war lange fällig - und nicht erst, seitdem die Branche der Unternehmensberatung boomt. Es steht zu fürchten, dass die Zahl der Narren damit eher proportional abnimmt. Der Narr als Berater war ein hochintelligenter Kunstgriff, um sich der Realität zu stellen und sich gleichzeitig noch Wahlfreiheiten in den Konsequenzen und Reaktionen zu erhalten. Der Autor, Unternehmensberater und Trainer in Wien, entdeckt den Narren für das Management: seine praktische Klugheit, seine Unerschrockenheit, seine Unabhängigkeit. Der Narr ist sowohl Symbol für die Lust an der Veränderung als auch für Kreativität und Engagement. Alles Eigenschaften, die für ein zukunftsorientiertes Management unerlässlich sind. Der Narr ist ein Wanderer, der an den Rändern des gesellschaftlichen Lebens existiert. Er hat keine Angst vor Veränderung. Sein Witz und Ironie lockern festgefahrene Situationen auf. Sein Einfallsreichtum findet Auswege aus Sackgassen. Seine Respektlosigkeit deckt Verkrustungen auf.

In dem vorliegenden Buch nutzt Fritz Maywald diese Eigenschaften und Fähigkeiten für Veränderungsprozesse in Unternehmen. Fritz Maywalds überzeugende Botschaft lautet: Nur wenn kluge, furchtlose und erfinderische Narren Einzug in die Unternehmen halten, nur wenn die Manager närrischer werden, kann eine Brücke zwischen Menschlichkeit und Veränderung geschlagen werden. Denn nur solche Manager sind frei genug, um mutige neue Wege zu beschreiten, die den geforderten wirtschaftlichen Erfolg und die Zufriedenheit der Mitarbeiter sicherstellen.

Die Fragetechnik in der systemischen Beratung weckt wohl direkt die Assoziation zum Berater. So wird auf Seite 127 das Sprichwort zitiert, dass ein Narr mehr fragen kann, als sieben Weise beantworten können. Nicht die Leitfigur des Narren ist allein der Inhalt des Buches, sondern vielmehr die Arbeitsinhalte der Berater, die närrisch angereichert werden, so dass man ganz vernarrt sein könnte, wenn nicht gerade in diesem Teil die Schwächen des Buches zu finden wären.

 

Reinhard Meckl (Hrsg.)
Personalarbeit und Outsourcing
Datakontext-Verlag, Frechen 1999, 224 Seiten, DM 79.–

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im 1. Teil befasst sich der Herausgeber grundsätzlich mit der Outsourcing-Entscheidung im Personalbereich. Auf Basis einer empirischen Untersuchung zeigt er u.a., dass Outsourcing-Überlegungen vorrangig unter Kostengesichtspunkten erfolgen. Zu recht wendet der Autor dagegen ein, dass diese Betrachtungsweise zu kurz greift, weil sie die strategische Frage, inwieweit Funktionen des Personalwesens Relevanz für die Kernkompetenzen eines Unternehmens besitzen, zu wenig berücksichtigt. Anhand von Entscheidungsmatrixen, die die Kernkompetenzrelevanz, die Spezifität der personalwirtschaftlichen Leistung und das KnowHow-Niveau berücksichtigen, entwickelt der Autor eine differenzierte Grundlage für diesbezügliche Entscheidungen.

Der 2. Teil enthält eine Zusammenstellung von Artikeln verschiedener Autoren, die grundlegende Aspekte der Durchführung und konkreten Ausgestaltung des Outsourcing behandeln. Im 3. Teil wird, ebenfalls anhand von Artikeln verschiedener Autoren, speziell auf das Outsourcen der Entgeltabrechnung eingegangen. Diese beiden Teile bieten eine gute Materialsammlung, die für diejenigen Nutzen bringen, die konkret vor solchen Entscheidungen stehen, ohne die vom Herausgeber angeschnittene Kernproblematik weiter zu vertiefen.

 

Gerda Mehta, Klaus Rückert, Hrsg.
Mediation und Demokratie
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2003, 398 Seiten

Dieser Sammelband thematisiert das Thema Konfliktlösung und Mediation vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der einerseits Konfliktpotenziale durch unterschiedlichste Interessengruppen rapide zunehmen, andererseits aber die institutionellen Möglichkeiten der Konfliktregelung durch Recht und Exekutive immer weniger greifen, etwa weil sie zu zentralistisch aufgebaut sind oder nur sehr unflexibel reagieren können. Aus diesem Grund werden dezentrale und eigenverantwortliche Formen der Konfliktregulierung immer wichtiger und entwickeln sich zu einem entscheidenden Baustein der demokratischen Zivilgesellschaft. Dieser Aspekt der modernen Demokratieentwicklung wird in unterschiedlichen Beiträgen des Bandes konzeptionell systematisch begründet und gewürdigt. Ein weiterer Teil der versammelten Aufsätze widmet sich dann unterschiedlichen konkreten Fallbeispielen, der letzte Abschnitt stellt Interventionsmethoden und -konzepte dar. Das Buch wirkt aus einem Guss und atmet den gleichen Geist, das Interesse an intelligenten Formen der institutionellen Weiterentwicklung von Demokratie und Zivilgesellschaft ohne staatliche Macht. Zugleich aber werden auch Kontroversen ausgetragen, etwa durch Glasl, der in einem Beitrag zeigt, dass der Begriff Mediation eigentlich überflüssig ist, weil er substantiell zum bereits entwickelten Instrumentarium des Konfliktmanagements nichts Neues beiträgt.

 

Dirk Meissner / Daniel Dickopf
Nix geregelt.... Unternehmer und ihre Nachfolger
Kölner Universitäts-Verlag, Postfach 510670, Köln, 2000, 83 Seiten

Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln führt zur Zeit unter Leitung des ebenso rührigen wie kompetenten Ansgar Pieper ein Projekt zur Konzeption und Realisierung von Gesprächen zur Unternehmensübergabe (KONTINUUM) durch. Hier werden Experten und Betroffene aus den verschiedensten Fachgebieten zusammengeführt, um "Werkzeuge zur Bearbeitung vor allem der emotionalen Probleme zu formen".

Im Kontext dieses Projektes ist ein Karikaturenband konzipiert und herausgegeben worden, in dem höchst treffende Karikaturen und scharfzüngige Texte zu Denkanstössen zur Unternehmensnachfolge verbunden werden. Textprobe: Vater zum Sohn: "Bei Deiner Qualifikation wäre es für die Firma das beste, Du würdest die Geschäftsführung bei der Konkurrenz übernehmen..." Man muss nicht selbst mit Familienunternehmen familiär oder beraterisch verbunden sein, um den Komplex der Probleme aus diesem einen Bild vor Augen geführt zu bekommen.

Ein sehr köstlicher Humor, neben dem aber sofort die Tragik erscheint, was auch in den Texten unverhüllt zum Vorschein kommt.

CHRISTIAN MENCKE
Vertrauen in sozialen Systemen und in der Unternehmensberatung. Eine Grundlagenanalyse und Hinweise für eine vertrauenssensible Beratungspraxis am Beispiel größerer mittelständischer Unternehmen
Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2005, 451 Seiten, Euro 59.90, ISBN 3-8350-0106-X


Aus der Perspektive der Neueren Systemtheorie wird als Grundlage dieser Dissertation ein Verständnis des Begriffes bzw. Sozialelementes Vertrauen entwickelt. Dabei erinnerte ich mich sehr deutlich und angenehm, dass das Buch von Luhmann: Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität (erschienen 1969) wohl eines der Bücher ist, was mich damals (und heute andauernd) am meisten beeindruckt hat. Das war für mich angewandte Sozialwissenschaft. Und so bin ich nicht erstaunt, dass der Autor sich in seiner Verständnis- und Verstehensarbeit des Vertrauens vornehmlich auf Luhmann bezieht.

In dem Buch geht es aber hauptsächlich um den gezielten Einsatz von Vertrauen in der Beratungsarbeit, die nämlich nur dann effektiv und wirksam wird. Der Autor zeigt am Beispiel mittelständischer Unternehmen auf, wie auf die spezifischen Formen des Einsatzes von Vertrauen bei der Beratung zurückgegriffen wird und wie es erzeugt werden kann.

Fast im Mittelpunkt der Arbeit steht die paradox erscheinende Erkenntnis, «dass Vertrauen in der besonderen Sozialbeziehung Beratungsverhältnis dann nicht zielführend ist, wenn der Klient beraterischen Impulsen vertraut, die er durch kritisches Hinterfragen auch verstehen könnte. Beratung braucht die kritische Distanz des konstruktiven Diskurses und dieser benötigt für sein Zustandekommen das Vertrauen als Rahmenbedingung.»

Personal- und Organisationsentwickler sowie viele Berater werden sich nicht durch 400 Seiten (System)theoretischer Exkurse durcharbeiten wollen, die für die Ableitung der zentralen Empfehlung wichtig sind. Aber eine selektive Lektüre der wichtigen Erkenntnisse ist von dieser Zielgruppe verlangt, um direkten Nutzen als Klient und Berater ziehen zu können. Auch diese Arbeit macht deutlich, wie die Anwendung der neueren Systemtheorie (radikal-konstruktivischer Prägung) praxisnahe und vor allem in der Praxis verwendbare Forschungsergebnisse liefern kann. (KT)

 

Taschenguide's
1. Wolfgang Mentzel
Mitarbeitergespräche
2. Hans-D. Litke/Ilonka Kunow
Projektmanagement
3. Wolfgang Krüger
Teams führen
4. Anita Bischof/Klaus Bischof
Besprechungen effektiver und effizient
STS Standard Tabellen & Software Verlag
(Haufe Verlagsgruppe) Planegg 1999 bis 2001 (versch. Aufl.), jeweils um 125 Seiten


Diese Reihe, in der bisher knapp 50 Taschenguides zu relevanten Organisations- und Führungs-Themen erschienen sind (Bilanzen, Controlling, Kostenrechnung, Marketing, Konflikte, Rhetorik, Arbeitszeugnisse usw. usf.) aber denen empfohlen werden, die sich schnell und relativ differenziert einen Überblick über ein Thema verschaffen wollen bzw. es Klienten in die Hand drücken wollen. Die Bücher sind sehr gut strukturiert, enthalten viele Checklisten und geben erste Anleitungen für Übungen.

Würden Manager den Empfehlungen in den Büchern folgen, wäre schon sehr viel erreicht und systematisch bearbeitet, beispielsweise zu den 4 hier angeführten Titeln. Und immer scheint eine positiv konotierende Grundhaltung durch, wenig Moral und Instruktion. Das Lektorat ist also zu beglückwünschen.

Selbstverständlich gibt es zu allen Themen sehr viel tiefgründige, theoretisch begründete und innovativere Bücher bzw. Anleitungen. Die hier vorgestellte Reihe soll auch nur der Hinweis auf einen schnellen Zugriff und Übersicht sein, den man zur ersten Orientierung braucht und der hilft, eine erste Strukturierung des Problemfeldes zu leisten. Die Guide's gibt es schon in vielen Bahnhofsbuchhandlungen.

 

Hans-Lothar Merten
Unternehmensberater erfolgreich einsetzen. Qualifikation, Auftrag, Vertrag, Vergütung, Durchführung, Erfolgskontrolle
Metropolitan Verlag, Düsseldorf/Regensburg 1998, 256 Seiten, DM 58.–

Dieses Buch enthält alles und nichts zugleich. Als Stichwortsammlung, um zu wissen, an was man alles denken kann und sollte, ist es nützlich. Auch das Muster eines Beratungsvertrages ist sehr hilfreich, aber man muss sich schon selbst etwas bemühen. Ansonsten wird fast jedes Thema angerissen und wenig vertieft. Und es wird immer gewarnt, aber nie problematisiert oder Hintergründe erörtert. Die Tabelle, warum Unternehmensberater eingesetzt werden, ist nur ein minimaler Ausschnitt auf sehr konkreter Ebene, erwähnt aber beispielsweise so grundlegende Gründe, das spezifische Wissen nicht vorhalten zu können, nicht.

Es geht auch um Finanzberatungen, Nachfolgeberatung und den Börsengang. Alles bleibt oberflächlich und plakativ. Wem soll das nutzen? Am Schluss gibt es noch Exkurse über den Shareholder Value und dann 34 Seiten Adressen von Beratern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Listen sind äusserst willkürlich, und die über Coaching-Berater nennt auf keinen Fall die besten und profiliertesten Coaches, wie z. B. Dr. Looss. Ich weiss nicht, was soll es bedeuten.

 

KAI MERTINS/KAY ALWERT/PETER HEISIG (HRSG)
Wissensbilanzen. Intellektuelles Kapital erfolgreich nutzen und entwickeln.
Springer Verlag, Berlin 2005, 392 Seiten, Euro 39, ISBN 3-540-23719-4


Die Einsicht, dass herkömmliche Controlling- und Managementinstrumente unzureichend Auskunft über die nicht-materiellen Vermögenswerte von Unternehmen geben, hat sich mittlerweile in der Controllingliteratur durchgesetzt. An Instrumenten mangelt es unterdessen ebenso nicht. Und auch nicht an der Einsicht, dass dies ein schwieriges, wenn nicht – je nach Anspruch – fast unmögliches Unterfangen ist. Deshalb ist Zeit für eine Bestandsaufnahme der Methoden und Erfahrungen.

Kai Mertins, Kay Alwert und Peter Heisig haben dazu 21 Beiträge zusammengestellt, die nach ihren Angaben aktuelle Arbeiten der Wissensbilanzierung im europäischen Raum und Ergebnisse deutscher Unternehmen zusammenführen. Sie erlegen ihrem Band jedoch keine Struktur auf. Es sind darin in loser Reihenfolge Überblicksarbeiten zu verbreiteten Bewertungsansätzen im europäi- schen Raum (z.B. Alwert et al.), im deutschen Maßstab (z.B. Alwert und Vorsatz) und Länderinitiativen (z.B. Edvinsson, Heisig) vertreten; Arbeiten, die eher Probleme, Herausforderungen und den Ablauf des Erstellungsprozesses einer Wissensbilanz ins Visier nehmen (z.B. Bornemann et al., Leitner, Reinhard und Flicker) wie auch Beiträge, die die Methoden der Wissensbilanzierung und deren praktische Anwendung präsentieren (z.B. Bornemann et al., Nagel und Mohr, North und Grübel, Mouritsen und Bukh). Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Wissensbilanzierung für Forschungseinrichtungen ein (z.B. Alwert, Biedermann und Graggober, Blum und Borrmann, Grasenick).

Die Fragen, die sich mit dem Titel des Buches stellen, liegen auf der Hand: Was unterscheidet eine Wissensbilanz von anderen Instrumenten der Messung und Bewertung? Was ist eine Wissensbilanz? Warum nun gerade der Begriff der Wissensbilanz traktiert wird, beantworten Mertins, Alwert und Heisig nicht und überlassen dies im Einzelnen und mit unterschiedlichem Ergebnis den Autoren und Autorinnen im Band. Von einer Bilanz erwartet man im Allgemeinen Auskunft über die Mittelverwendung und -herkunft der Investitionen in das Wissen einer Organisation. Mithin stehen auf den ersten Blick die interne und externe Dokumentation, Gewinnerermittlung und Informationsfunktion im Mittelpunkt. Wie jedoch aus einer Bestandserfassung von Wissen, dessen Steuerung und Nutzung möglich wird, ist eine der entscheidenden Fragen. Beantwortet der Band diese Frage? Ja und Nein.

Ja, indem die Beiträge Kennzahlen als Bestandteil der Wissensdokumentation zwar thematisieren, gleichzeitig aber darauf verweisen, dass es hier um ein erweitertes Verständnis organisationaler Wertschöpfung geht. Und dies bedeutet in Organisationen vor allem eine andere, erweiterte Kommunikation mit dem Ziel gemeinsam geteilter Vorstellungen und Verständnisse zur eigenen Wissensbasis (siehe Beträge von Alwert et al., Bornemann et al.). Dies rückt die Diskussion um die Messung und Bewertung von Wissen in die Nähe der Organisationsentwicklung und damit von der reinen Bewertung in Richtung eines Managements von Wissen.

Nein, da die Analyse und Analytik der Effekte der Messung, Bewertung und Steuerung von Wissen auf Appellebene verbleibt. Gerade diese Analyse (oder wenigstens deren Ergebnisse) würde Praktiker jedoch ebenso befähigen. Der Anfang ist zwar gemacht, geht es in diesem Buch nicht mehr allein um eine Instrumenten- oder Modellbesprechung, sondern zunehmend um Messinstrumente als Hilfsmittel für Kommunikation, Wandel und Personalentwicklung (sie-he Beiträge von Bornemann et al., Koch und Pircher, Reinhardt und Flicker) und um die Schwierigkeiten und Herausforderungen ihrer Anwendung (siehe Beiträge von Andriessen, Leitner). Eine Analyse eben jener Schwierigkeiten verbleibt in den Beiträgen jedoch auf der Ebene unstrukturiert gesammelter Erfahrungen.

Im Ergebnis ist es ein Band, in dem sich Praktiker Informationen zur Verbreitung und Anregung zum Entwurf entsprechenden Messinstrumentariums abholen können – Wie geht man vor? Worauf ist zu achten? – und in dem sie Hinweise finden, die eine Sensibilisierung gegenüber Implementierungsproblemen bewirken können. (AF)

 

Kai Mertins / Peter Heissig / Jens Vorbeck (Hrsg.)
Knowledge Management. Best Practices in Europe
Springer-Verlag, Heidelberg 2001, 236 Seiten


Wer nach weiteren Fallstudien zum Wissensmanagement sucht, kann auch zu diesem - ebenfalls in englischer Sprache verfassten - Band greifen. Er ist aus dem Kontext der umfassenden Benchmarking Studie über Wissensmanagement in Europa des Competence Center Knowledge Management am Fraunhofer IPK in Berlin entstanden.

Im ersten Teil stellen die Autoren den konzeptionellen Rahmen vor: Peter Heisig verknüpft Wissensmanagement mit den Konzepten der Geschäftsprozessoptimierung. Jens Vorbeck und Ina Finke skizzieren ein Motivationsmodell des Wissenmanagement und beschreiben die dafür erforderlichen Aufgaben des human resource management. Heisig, Vorbeck und Johannes Niebuhr zeigen die Relevanz des "intellectual capital" für eine wissensbasierte Ökonomie auf und setzen sich mit Fragen seiner Messung auseinander. Ingo Hoffmann schliesslich listet Instrumente des Wissensmanagement auf, allerdings mit starker Orientierung an ausschliesslich techno-logischen Methoden. Der mittlere Teil des Buches enthält die ausführlichen Untersuchungsergebnisse zur Praxis des Wissensmanage- ments aus einer Befragung deutscher und europäischer Top-Unternehmen, der umfangreiche dritte Teil beinhaltet ausgewählte Fallstudien über Best Practises nun nicht mehr nur einer Firma, sondern einer ganzen Reihe: Arthur D.Little; British Aerospace; Booz Allen & Hamilton; Celemi AB; Hewlett Packard Austria; IBM Global Services; Phonak; Roch Diagnostics; Skandia und Thomas Miller & Co.

Auch dieses Buch ist eine informative Fundgrube. Die kompakten Fallstudien sind insgesamt eher konzeptionell beschreibend, denn die Praxis reflektierend, bieten aber einen guten Überblick. In einem abschliessenden Service-Teil werden dann noch europäische Institute vorgestellt, die sich mit Fragen des Wissensmanagements beschäftigen.

Joachim Freimuth/Anna Meyer (Hrsg.)
Fraktal, fuzzy oder darf es ein wenig virtueller sein?
Rainer Hampp Verlag, München/Mering 1998, 239 Seiten, DM 54.20

Dieser Sammelband ist den Fragen und Antworten dazu gewidmet, wie sich die betriebliche Personalarbeit im Kontext der Verschlankung, Virtualisierung oder Fraktalisierung verändert bzw. verändern muss. Es werden nicht nur Konzepte der virtuellen Personalabteilung diskutiert, sondern auch Ansätze, die den Stellenwert der Personalarbeit mit der schwierigen Frage der Mitarbeiterbindung und -identifikation in entgrenzten Strukturen verbinden, weil sich hier das Rollengefüge und die betrieblichen Austauschprozesse verändern werden. Die Herausgeber, kompetente und bekannte Fachleute, haben hier allerdings Beiträge mit unterschiedlicher Qualität der Analyse- und Gestaltungsmassnahmen zusammengestellt.

Den enttäuschensten Beitrag (gemessen an dem Titel) liefert Sattelberger mit seinen Thesen zu Human Ressources in virtueller werdenden Organisationen. Eine Sammlung modischer Begriffe wird gemixt – von Virtualität keine Spur. Da bietet der Beitrag von Wächter/Metz schon viel mehr und Weiterführendes, ebenso wie die Darstellung seines bekannten Ansatzes über die virtuelle Personalabteilung von Ch. Scholz. Da bieten die HerausgeberInnen in ihren Beiträgen auch Brauchbares (Anna Meyer zur Personal-Führung jenseits des Rollenhandelns und Joachim Freimuth zur Renaissance des Personalmarketing im Zeitalter der Elektronik). Auch der Beitrag von Walter A. Oechsler ist wichtig, kritisch und anregend, wenn er fragt, ob wir mit dem (heutigen) arbeitsrechtlichen Regelungsrahmen aus der Industrie- in die Informationsgesellschaft wechseln können. Ebenso lesenswert ist der Beitrag von B. Heitger, Ch. Schmitz und B. Zukker zu den neuen internen Dienstleistern. Hier werden Unterschiede gemacht, Rollenmuster entworfen und der systemische Kontext hergestellt. Das Buch bietet viele Anregungen, gibt viele Hinweise in einem breit gespannten Rahmen, hätte aber doch bezüglich der Auswahl der Beiträge kritischer angelegt sein müssen.

 

Jens Aderhold/ Matthias Meyer/ Ralf Wetzel (Hrsg.)
Modernes Netzwerkmanagement- Anforderungen, Methoden, Anwendungsfelder
Gabler Verlag, Wiesbaden 2005, 426 Seiten, Euro 34.90, ISBN 3 409 14335 1

Spätestens seit den 1990er Jahren ist es in Wissenschaft und Praxis gleichermassen üblich, neben den informations- und kommunikationstechnischen auch gesellschaftliche und organisationale Welten als sich in Form von «Netzwerken» und deren «Logiken» reproduzierende zu beschreiben. Die betriebswirtschaftliche Management- und Organisationslehre hat unter dem Stichwort «fokale Netzwerke» bei ihren Adressaten in der Praxis bereits früh die Hoffnung genährt, man könne Netzwerke nicht nur beobachten, sondern mit Hilfe geeigneter Management-Methoden und -Tools im Hinblick auf die Optimierung betriebswirtschaftlicher Zielgrössen positiv beeinflussen.

Titel und Ankündigungstext des hier besprochenen Sammelbands deuten bereits darauf hin, dass die Herausgeber und Autoren im Wesentlichen an diesem Steuerungsoptimismus festhalten. Im «systematisierenden» Auftakt begründen die Herausgeber das relativ heterogene Spektrum der im Sammelband enthaltenen 17 Autorenbeiträge auf einem durchaus an die Erfolgsrhetorik von Management-Bestellern erinnernden sprachli- chen Niveau damit, dass die Einsicht in die Notwendigkeit eines «angemessenen Umgangs mit dem Netzwerk» es erforderlich mache, die derzeitigen Grenzen der Arbeitsteilung zwischen wenig problemorientierter, «hilfloser Wissenschaft» auf der einen Seite und «wider besseres Wissen» vereinfachender «Ratgeberliteratur» auf der anderen Seite zu sprengen. Entgegen der in der Überschrift angekündigten Reihenfolge beginnt der Sammelband in Teil I nicht mit der Klärung der «Anforderungen», sondern mit der kommentierten Darstellung von fünf praktischen Fallbeispielen. Die Bandbreite reicht dabei von gescheiterten, virtuellen Unternehmen über genossenschaftliche Netzwerke bis hin zu regionalen Netzwerken. Die in Teil II versammelten Beiträge zu einer Theorie des Netzwerkmanagements verbinden die Unterscheidung Netzwerk/Kooperation mit der in der BWL-Literatur bislang kaum genutzten systemtheoretischen Unterscheidung Aktualität/Potenzialität und entwickeln hieraus ein mehr oder weniger plausibles Zyklus-Modell von Netzwerkpotenzial und kooperativer Realisierung. Während die soziologisch vorinformierten Autoren aus Teil II für den Einsatz sanfter Management-Konzepte wie «Sleep Mode Management» oder «Laterales Führen» plädieren, bemühen sich die Autoren der in Teil III versammelten «Methoden»-Beiträge vor allem darum, die in der Unternehmenspraxis bereits etablierten Instrumente des «Controllings» und der «Evaluation» um Netzwerk-Aspekte zu erweitern. Sieht man einmal von den Systematisierungs- und Theoretisierungsversuchen der Herausgeber ab, beschränkt sich die Einheit in der Vielfalt der z. T. durchaus lesenswerten Beiträge auf die gemeinsame rhetorische Verwendung des Netzwerkbegriffs. In wieweit die im Grenzgebiet zwischen Wissenschaft und (Berater-) Praxis entstandenen Beiträge bei der angestrebten Lesergruppe tatsächlich «anschlussfähig» sind, wird sich in der Praxis zeigen. (AH)

 

WALTER GANZ/THOMAS MEYREN/MICHAEL WOYWODE (HRSG)
Schnelles Unternehmenswachstum. Personal – Innovation – Kunden
Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2005, 250 Seiten, Euro 27, ISBN 3-17-0018922-0


Spätestens mit dem Hype am Aktienmarkt ist das Interesse an den jungen Unternehmen vorrangig im Technologiebereich gewachsen und ebenso schnell wieder gesunken, als sich herausstellte, dass manches Wachstum doch eher auf Sand gebaut war. Doch es gibt Unternehmen, die damals aber auch heute noch schnell wachsen. Und diesen Unternehmen galt das Interesse des Verbundvorhabens «Arbeit und Beschäftigung in schnell wachsenden Unternehmen» des Bundesministerium für Bildung und Forschung, über dessen Forschungsergebnisse dieses Buch Bericht erstattet. Der Untertitel weist auf drei zentrale Bereiche hin, in denen der Grundstein für nachhaltiges Unternehmenswachstum gelegt wird – nämlich Mitarbeiterorientierung, Innovationsorientierung und Kundenorientierung. Auf diese Themenfelder gehen auch die einzelnen Beiträge des Sammelbandes ein.

Woywode knüpft in seinem einleitenden Beitrag über Archetypen des Human Resource Management in schnell wachsenden Technologieunternehmen an das Standford Project on Emerging Companies an, in dem 170 Silicon Valley Companies untersucht wurden und an unterschiedlichen Ausprägungen der drei Dimensionen Mitarbeiterselektion, -bindung und Koordination und Kontrolle vier Archetypen des HRM unterschieden wurden: Commitment Modell, Star Modell, Engineering Model und Factory Modell. Eine vergleichbare Analyse deutscher Unternehmen zeigt, dass sich hier sehr ähnliche Archetypen des HRM herausgebildet haben, wobei sich als Sondercluster «patriarchalisch geführte Familienunternehmen» ergaben, die offensichtlich typisch für deutsche Mittelstandsunternehmen sind. In den weiteren Beiträgen zum Komplex Mitarbeiterorientierung geht es u.a. um Themen wie Führen über Zie- le und Werte, Anreizsysteme für Führungskräfte in schnell wachsenden Unternehmen oder die Frage, inwieweit partizipative Formen der Arbeitsbeziehungsgestaltung zu einer Substituierung herkömmlicher Formen der repräsentativen Vertretung von Mitarbeiterinteressen durch den Betriebsrat beitragen – eine Frage, deren Brisanz sich ja nicht zuletzt durch die Vorgänge bei SAP gezeigt hat. Für Organisationsentwickler und Berater, die in diesen schnell wachsenden Unternehmen arbeiten, bieten die Forschungsergebnisse durchaus eine Menge von Anregungen, zeigen sie doch etwas von der spezifischen Kultur auf, die in diesen erfolgreichen Unternehmen prägend sind. Dies gilt auch für die Beiträge zum Innovations- und Kundenmanage- ment in schnell wachsenden Unternehmen, die deutlich machen, warum die besondere Berücksichtigung dieser Dimensionen wahrscheinlich zum Phänomen des schnellen Wachstums in diesen Unternehmen beitragen. Fazit: Eine gute Sammlung interessanter Forschungsergebnisse, die sich zudem noch ganz gut lesen lässt. (HM)

 

NICO SCHAD / WERNER MICHL (HRSG)
Outdoor-Training. Personal- und Organisationsentwicklung zwischen FlipChart und Bergreich
Luchterhand Verlag, Neuwied 2002, 308 Seiten, Euro 25.-, ISBN 3-472-04794-1


Outdoor-Trainings haftet im Kontext der Personal- und Organisationsentwicklung noch immer der Ruch des Exotischen an - häufig mit Assoziationen an Survival-Praktiken verknüpft. Daran sind auch einige Anbieter nicht unschuldig, die eher eine bestimmte Ideologie verkaufen wollen, denn sinnvolle Lernmöglichkeiten für Individuen und Gruppen. Schnell steht dann nur noch das vage "Erleben" im Vordergrund, als die Ziele, um die es gehen soll.
Hier hebt sich der Sammelband von Schad und Michl positiv ab, weil er nicht mit zu viel Ideologie befrachtet ist, sondern in mehreren Beiträgen sehr nüchtern analysiert, was Outdoor-Training ist, wie es wirkt und wofür man es einsetzen kann. Im 2. Teil des Buches geben dann mehrere Praxisfälle Einblick in das konkrete Outdoor-Geschehen. Insgesamt bietet das Buch eine informative Grundlage für die Auseinandersetzung mit dieser besonderen Form der Personalentwicklung (HM)


Claus Miethe
Leistung und Vermarktung unterschiedlicher Formen der Unternehmensberatung
Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 2000, 250 Seiten

Die einfache Fragestellung dieser Dissertation "Wie können Berater ihre Leistungen gezielt vermarkten", bringt eine scheinbar ebenso einfache wie nützliche Antwort: durch die systematische Bezugnahme auf die konkrete Beratungsleistung (also den Klientenbedarf). Nicht modische Produktschlagworte, Konzepte oder die charismatische Persönlichkeit fördern den Erfolg, sondern ein fundiertes Beratungsverständis, auf das dann die Marketing-Konzeption aufbaut.

Der Autor, heute Berater bei der Boston Consulting Group, stellt anhand von drei idealtypischen Beratungsformen (gutachterliche Beratungstätigkeit, Expertenberatung und OE) den Prozess der Leistungserstellung dar und arbeitet die spezifischen Probleme heraus, die sich im Hinblick auf ihre Vermarktung stellen. Anschliessend entwickelt er ein adäquates Marketing-Konzept für eine gezielte Vermarktung der jeweiligen Beratungsform.

So ganz "nebenbei" liefert der Autor eine ebenso hilfreiche wie nützliche Bestandsaufnahme der OE in den verschiedenen Entwicklungsphasen.

Ein durchgängiges Thema ist das Wechselspiel von Fiktion und Realität durch den (OE-)Berater. Dazu eine wichtige Kostprobe von Seite 173-174:

"Die Fiktion der Selbstbestimmung des Klienten ist Bedingung der Möglichkeit der Organisationsentwicklung, aber sie ist dies nur als Fiktion, das heisst, nur so lange, wie der Berater sich ihres fiktiven Charakters auch bewusst ist. Sobald der Berater die Fiktion beziehungsweise das Ziel der Organisationsentwicklung mit der Realität im Beratungsprozess verwechselt und den Klienten für immer schon selbstbestimmt hält, verliert die Organisationsentwicklung ihre Möglichkeit, den Lernprozess des Klienten zu unterstützen. Auf diese Weise ist in der Vergangenheit der Ruf der Organisationsentwicklung erheblich geschädigt worden."

Diese ebenso leicht zu lesende wie lohnenswerte Lektüre ist nicht nur marketingrelevant für Berater, sondern eine empfehlenswerte Studie für alle OE-Berater, seien sie Mavericks oder alte Häsinnen.

 

BJÖRN MIGGE
Handbuch Coaching und Beratung. Wirkungsvolle Modelle, kommentierte Falldarstellungen, zahlreiche Übungen
Beltz Verlag, Weinheim 2005, 633 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-407-36431-8


Der Autor, Berater und früher Oberarzt, hat ein voluminöses Handbuch erarbeitet, was Modell und Methoden, Theorie und Praxis, Handlungsanleitung und Reflektion sehr optimal miteinander verknüpft. In dem Handbuch sind alle wesentlichen Ansätze des Coaching, der Beratung und psychologischen Lebensberatung integrativ verbunden und auch stringent gegliedert.

Das Buch ist ein praxisorientiertes methodenübergreifendes Lehrwerk, was sowohl der Einführung als auch der Anwendung der Modelle und Methoden dient.

Auf der einen Seite ist es ein sehr empfehlenswertes Anleitungsbuch für Dozenten und Absolventen. Wenn angehende Coaches dieses Buch durcharbeiten, haben sie die wesentlichen Grundlagen erworben und können sich dann auf die Einarbeitung und Auswertung der eigenen Erfahrungen und Fertigkeiten konzentrieren. Auf der anderen Seite ist das Buch auch als Nachschlagewerk für Anregungen und schnelle Konzeptüberblicke geeignet. Das voluminöse Angebot rechtfertigt den Preis. Zudem werden sehr viele Fälle, Übungen und Anleitungen geboten.

Mich stören eigentlich nur zwei Dinge an dem Handbuch: Einmal werden die Konzepte und Theorien zu unkritisch dargestellt. Es muss ja keine Wertung vorgenommen weden, aber doch auch angeführt werden, dass es durchaus berechtigte Kritik und Probleme mit den Modellen gibt. Zum Beispiel wird die (übrigens nicht mehr existierende) Gesellschaft für OE mit der damals (1982) propagierten doppelten Zielsetzung zitiert und als Übung eingebaut, ohne die Relevanz und Gültigkeit heute zu reflektieren.

Zum anderen sind mir zu viele Konzepte und Modelle der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie enthalten, die ein darin nicht qualifizierter Leser nur in Bruchteilen verarbeiten kann. Das gilt auch für Fall- darstellungen, wie die Nr. 21 über wiederholte Vergewaltigungen. Damit wird leider der Tendenz Vorschub geleistet, dass sich Coaches oft als hilfreiche Psychotherapeuten sehen und munter drauf los therapieren. Das mag mit der beruflichen Vorerfahrung des Autors zu tun haben, ist aber eine für mich unzulässige Ermunterung, sich dilettantisch in einem Feld zu bewegen, was oft eher Schaden anrichtet, als Nutzen zu stiften.

Allerdings macht das Buch auch deutlich, dass die Diskussion darüber, wo die Grenzen von Coaching resp. Beratung und Psychotherapie liegen längst überfällig ist.

Auch wenn ich mit Respekt vor dem breiten Wissen des Autors und den knappen und fokussierten Darstellungen das Buch empfehlen kann, dann muss dem Leser deutlich sein, dass er sich nicht unkritisch verführen lassen darf. (KT)

 

VOLKER BIETA/JOHANNES KIRCHHOFF/ HELLMUTH MILDE/WILFRIED SIEBE
Risikomanagement und Spieltheorie. Wie Global Player mit Risiken umgehen müssen
Galileo Business Press, Bonn 2002, 404 Seiten, Euro 49.90


Dieses praxisorientierte Buch über die Zusammenhänge des heute bedeutenden Risikomanagements und Spieltheorie wird in den Kontext von Basel II gestellt, welches mit der Umorientierung auf zukunftsorientierte Bewertungskriterien hin das Standard-Risikomanagement auf den Kopf stellt: Nicht mehr das Eigenkapital, sondern vor allem die Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer wird zum entscheidenden Faktor für die Finanzierungssicherheit. Damit wird das Management bzw. dessen Qualität insbesondere hinsichtlich der Strategiekompetenz mehr denn je gefordert.
Die Autoren, die zum Umkreis des Spieltheoretikers und Nobelpreisträgers Reinhard Sebten gehören, sind Mitbegründer des Kölner Beratungsunternehmens Riskvision GmbH, die sich, wie nur wenige Beratungsunternehmen, durch eine solide theorie- und konzeptgeleitete Arbeit auszeichnen.
Die Autoren untersuchen zunächst das Risikomanagement als Kunst oder Wissenschaft (?), um dann die Spieltheorie ins Spiel zu bringen. Sie fragt stets danach, was das richtige Spielmodell ist, was aus der Situation heraus entwickelt werden muss. Dies oder diese Modelle dienen dazu, in Entscheidungsszenarien die Komplexität stark zu reduzieren.
In den abschliessenden Kapiteln wird dargestellt, wie das Risikomanagement strategisch auszurichten ist, und sie entwickeln ein Drehbuch für die Strategie als Umsetzungshilfe.
Das Buch bietet wichtige und nützliche Hinweise und konkrete Anleitungen für die Gestaltung des Risikomanagements. Es ist nicht so mal eben auf der Bahnfahrt von Köln nach Hannover zu konsumieren sondern verlangt eine intensive Lektüre. Erst damit ist der Gestaltungsnutzen abzuschöpfen. Aber der Stil ist flüssig und nicht überladen.

 

Mark Miller/ Jan Deecke/ Oliver von Sperber Christian Keyser/ Arner Burfeind (Hrsg)
Familienunternehmer heute. Herausforderungen, Strategien, Erfahrungen
Verlag Gabler, Wiesbaden 1998, 247 Seiten, DM 58.–

Den ersten Kongress 1997 richteten 5 Studenten als Projekt aus, die auch die Herausgeber dieses Bandes sind. Darin finden sich die Reden sehr bekannter Unternehmer (Wössner, Steilmann, Schoeller sen., Mittelsten Scheid, Bahlsen u.v.a.), aber auch vieler anerkannter Experten, wie der Dekan Priddat, Cuno Pümpin, Schwass, Baecker o.a. sowie unseres Mitherausgebers Rudi Wimmer. Nun sind die Reden nicht einfach abgedruckt, sondern zum grössten Teil von Studententeams zusammengefasst und in den wesentlichsten Aussagen wiedergegeben worden. Das ist äusserst nützlich, weil es nicht nur Zeit spart, sondern auch strukturierend ist.

Der Band bringt insgesamt eine Vielzahl sehr guter und empfehlenswerter Beiträge (neben wenigen durchschnittlichen bis schlechten Aufsätzen), so dass der Kauf zum akzeptablen Preis keine Fehlinvestition ist.

 

MARC MINOR
Manager im Dialog. Coaching-Fälle aus der Praxis
Verlag moderne industrie, München 2002, 368 seiten, Euro 24,90/CHF 45.70, ISBN 3-478-37110-4LAG


Abgesehen vom einleitenden Teil und dem Anhang besteht das Buch aus Verlaufsprotokollen von Coaching-Sitzungen mit Unternehmern und Führungskräften. Die 22 Fälle zeigen ein ganzes Kaleidoskop von typischen Problemsituationen, mit denen Verantwortungsträger konfrontiert sind. Führungskräfte, die sich auf das Buch einlassen, können so auch eine ganze Menge über sich selbst erfahren. Ich befürchte nur, das viele Führungskräfte sich die Zeit nicht nehmen werden, weil keine schnellen Lösungen geboten werden, sondern Aufforderungen zur Auseinandersetzung und Reflexion. Sehr gut sind die jeder Fallschilderung angefügten Kapitel Ver-Dicht-ung , in denen verallgemeinernde Schlussfolgerungen gezogen werden, und Ver-Wert-ung, mit Leitfragen zur Eigenreflexion des Lesers.
Dies ist kein Buch , in dem einen erläutert wird, wie Coaching geht, aber an dem man nachvollziehen kann, was es bewirkt. (HM)




Henry Mintzberg, Bruce Ahlstrand, Joseph Lampel.
Strategy Safari – eine Reise durch die Wildnis des strategischen Managements
Ueberreuter, Wien 1999

Strategie und ihre Entwicklung sind als «Intervention» zu denken, ist die implizite Ausgangsthese Mintzbergs. Darauf aufbauend stellt er die gängigsten «Strategieschulen» vor – Strategieentwicklung als konzeptioneller Prozess («Designschule»)
• als formaler Prozess («Planungsfokus»)
• als analytischer Prozess (Strategische Positionierung)
• als visionärer Prozess (Strategie der Unternehmer)
• als kognitiver Prozess (Strategie als mentaler, rationaler Prozess)
• als sich herausbildender Prozess (gemeinsames Lernen)
• als Verhandlungsprozess (Steuerung durch Macht)
• als kollektiver Prozess (Kultur)
• als Transformationsprozess (Konfigurationsschule)

Das Autorenteam beschreibt Modell und Prämissen jeder dieser Schulen, erarbeitet eine kritische Würdigung, die den Nachteilen und Beiträgen jedes Ansatzes zur «Safari» der Strategiearbeit gerecht wird.

Wie komplex, wie integriert und wie generisch – also einzig- oder neuartig – sollen Strategien sein und wie stark gesteuert, wie kollektiv und veränderungsfördernd der Prozess ihrer Entwicklung – das sind Meta-Entscheidungen derer, die Strategiearbeit gestalten und für die der Vergleich der Konzepte und ihre geschichtliche Einordnung bzw. ihr inhaltlicher Vergleich ein ausserordentlicher Lesegewinn sind.

 

Tom Sommerlatte / Michael Mirow/ Christel Niedereichholz/ Peter G. von Windau (Hrsg.)
Handbuch der Unternehmensberatung. Organisationen führen und entwickeln
Erich Schmidt Verlag Berlin 2004, Grundlieferung 656 Seiten, Euro 78.-, ISBN 3-503-07846-0

Dieser Relaunch des Handbuches von 1976 ist mit einem völlig neuen Konzept bezüglich Inhalt und Verfasser ausgestaltet worden. 36 bekannte Berater und Klienten äussern sich zu Themen, warum, wann und wie Beratung von Nutzen ist (einschl. der Rollen von Beratern), was die wichtigsten Beratungsprodukte und -prozesse sind, welche Erfolgsfaktoren es gibt und wie Beratungsunternehmen gemanagt werden (können).

Das Handbuch ist als Loseblattsammlung angelegt, d.h., es baut auf Nachlieferungen auf, was Hoffnung gibt, denn bisher fehlt der umfangreiche Adressen- und Institutionen-Teil, der im alten Handbuch so nützlich war. Das Kapitel über OE steht erst mit der 1. Nachlieferung zur Verfügung.

Mit dem Erwerb dieses Handbuches werden individuelle Zugangsdaten für den Käufer mitgeliefert, über die man Zugriff auf Arbeitshilfen als Powerpoint-Dateien hat, die für die eigene Arbeit verwendet werden können.

Die Beiträge sind meist kurz und prägnant und vermitteln nicht nur Know-how sondern auch Anregungen zur Weiterentwicklung. Einige Beiträge sind etwas problematisch, weil Titel und Inhalt nicht zusammenpassen. Beispielsweise das Kapitel "Controlling in mittelständischen Unternehmen", worin es um Finanzierung geht. Noch dominiert der ökonomisch-technologische Aspekt der Beiträge. Man darf also auf die Folgelieferungen gespannt sein. (KT)

Thomas Maess/Jack Max Misteli/ Klaus Günther
Das Unternehmer Jahrbuch 2002. Praktische Unternehmensführung in Mittelstand und Handwerk
Luchterhand Verlag, Neuwied 2002, 512 Seiten mit CD Rom, EURO 86,00

Eigentlich ist das kein Jahrbuch, im Sinne einer zielgruppenorientierten Sammlung von aktuellen Themen und Fragen. Vielmehr handelt es sich hier um eine sehr praktisch orientierte allgemeine Betriebswirtschafts- und Führungslehre für kleinere und mittlere Unternehmen, wie aus dem Untertitel auch klar wird. Es werden mit kurzen Erklärungen und anschaulichen Beispielen Einführungen in alle betrieblichen Funktionen, Prozesse und relevante Führungssituationen gegeben. Die Leser erhalten so ein schnelles Problemverständnis und praktische Hinweise. Die Darstellungen sind sehr einsichtig und allesamt didaktisch gut aufbereitet. Ein umfangreiches Stichwortverzeichnis, zahllose Checklisten, Muster und Grafiken erleichtern das Arbeiten mit dem Band. (JF)

 

TRAUDE KOGOJ, KONRAD MITSCHKA (HRSG.)
Wandelwörter Konversationslexikon für Change und Management.
Linde Verlag, Wien, 160 Seiten, Euro 22.–, ISBN 3-7093-0072-X


Das letzte Zitat im Buch auf der letzten Seite stammt von Botho Strauss: «Meine Uhr geht nach wie vor». Diese Doppel- bzw. Mehrdeutigkeit durchzieht das ganze Lexikon: es ist heiter, ironisch, komisch, aber auch bitter Ernst, weil es Berater- und Managerverhalten aufs Korn nimmt.

Man braucht heute eben mundgerechten Stoff zum Mitreden bei Change-Prozessen, sie bestimmen ja einen grossen Teil unserer Alltagswirklichkeit. Um Karriere zu machen, müssen Sie am Smalltalk teilnehmen können. Es fehlen natürlich nicht die leidigen Konzepte wie benchmark oder das modische Coaching, aber auch Persönlichkeiten (Gorbatschow, Marx, Einstein) werden ins Wort gebracht. Mir fehlen leider Stichworte wie Emotionalisierung, balanced score card oder outsourcing. So tief dringen die Journalisten-Autoren dann wohl doch nicht vor.

Wie heisst es so schön in der Presseinformation zum Buch: Kaufen und noch besser lesen Sie das Wörterbuch «wenn Sie lachen wollen, weil Ihnen zum Weinen zumute ist.» (KT)

 

Rolf Wunderer/Josef Mittmann
Identifikationspolitik. Einbindung des Mitarbeiters in den unternehmerischen Wertschöpfungsprozess
Schäffer Poeschel Verlag Stuttgart, 1995, 184 Seiten, DM 78.–, ÖS 570.–

Dass der Abschied von den klassischen Motivationstheorien auch jenseits von Sprenger (nach-)vollzogen wird, ist erfreulich. Dass dabei wissenschaftlich sauber, korrekt und unspekulativ wie in diesem Buch vorgegangen wird, ist hochanständig, dass im mittleren Fallstudienteil zahlreiche, meist amerikanische Untersuchungen dargestellt und bis hin zum übersetzten Fragebogen wiedergegeben werden, ist serviceorientiert und bemüht, angesichts der Überfülle untersuchter Thesen aber nicht immer hilfreich. Dass im letzten Buchteil unter «Gestaltungsansätze» schöne grafische Darstellungen, plausible Ansatzpunkte und Kriterien aneinandergereiht werden, ist wahrscheinlich das bestmögliche, was mit einem solchen Ansatz zu erreichen ist.

Dennoch verliess mich im ganzen Buch nicht das Gefühl, dass all das zu kurz greift, um zu beschreiben, was Menschen wirklich packt, wo der Beruf zur Berufung wird. Mit gutgemeinten Ratschlägen wie «Leitbilder muss man leben» erreicht man die Wurzeln menschlicher Motivation und Identifikation nicht, so wie das beste Medizin-Lehrbuch wenig über den Sinn des Lebens zu sagen vermag – vielleicht sind es Philosophie und Psychologie, vielleicht aber «nur» Menschenkenntnis und Lebensweisheit, die hier weiterhelfen.(FB)

 

Heidi Möller
Was ist gute Supervision? Grundlagen - Merkmale - Methoden
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2001, 339 Seiten


Die Autorin, Privatdozentin für Klinische Psychologie an der TU Berlin sowie Lehrtherapeutin und Lehrsupervisorin in freier Praxis, weiss, wovon sie schreibt. Das wird in jeder Zeile dieses erfrischenden, klaren Buches deutlich. Es ist theoretisch sehr fundiert und sehr praktisch zugleich. Es kann Psychotherapeuten, Arbeits- und Organisationspsychologen, Sozialarbeitern, Unternehmensberatern, Organisationsentwicklern, aber auch Führungskräften und Supervidierten uneingeschränkt empfohlen werden, weil es auch innovativ und sehr deutlich und ehrlich ist.

Nach einer Einleitung über die Geschichte der Supervision und eine sehr gute Übersicht über die grundlegenden Ansätze, wird das methodische Vorgehen bei einer eigenen Untersuchung über die Theorie und Praxis der Supervision erläutert. Die Autorin stellt dann, anhand von theoretischen Reflexionen und konkreten Fällen dar, wie die integrative sowie psychoanalytische Supervision als grundlegend verschiedene Ansätze und Methoden angelegt sind, und zwar auf der Basis realer und analysierter Supervisionen aus der Praxis. Hier wurde deutlich, wie der Schameffekt in der Supervisionsforschung den Datenzugang und -auswertung erschwert hat.

Das wohl wichtigste 5. Kapitel stellt die Merkmale exzellenter Supervision im stationären Setting dar. Hier werden die Literaturauswertung mit eigenen Überzeugungen und Empfehlungen zu sehr konkreten Hinweisen verknüpft. Besonders hat mir gefallen, dass Frau Möller immer wieder davor warnt, sich in Zeiten der geforderten Effizienzkontrolle und Qualitätssicherung zu schnell unter Druck setzen zu lassen. Viel entscheidender sind in der Tat die eigene profunde Qualifizierung und Herausbildung persönlicher Überzeugungen und Standards.

Michael Mohe (Hrsg.)
Innovative BeratungskonzepteAnsätze, Fallbeispiele, Reflexionen
Rosenberger Fachverlag, Leonberg 2005, 319 Seiten, Euro 39.80; CHF 66.50, ISBN 3-931085-51-1

Dass sich der Beratermarkt im Umbruch befindet, wurde auch in dieser Zeitschrift schon vielfach thematisiert. Mohes Buch enthält zum einen Beiträge, die diesen Veränderungsprozess, insbesondere was das Spannungsverhältnis von Fach- und systemischer Prozessberatung betrifft, kritisch hinterfragen und reflektieren. Zum anderen vereint er Beiträge, die unterschiedliche Beratungskonzepte und methoden wie Organisations-Aufstellung, Coaching, Supervision, Mediation, Unternehmenstheater darstellen und differenzieren.

Im ersten Teil spürt man in den Artikeln zum Stand der Beratungsansätze auch die Unsicherheit der aktuellen Situation. Die Beiträge werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben. So hinterfragt PFRIEM in seinem Beitrag die auch in der ORGANISATIONSENTWICKLUNG postulierte stärkere Ausrichtung der OE an den ökonomischen Notwendigkeiten und Prozessen, und betont, dass gesellschaftliche Entwicklungen stärker als Herausforderungen zukünftiger Unternehmenspolitik thematisiert werden müssten. Er wirft die Frage auf, wie Unternehmen strategisch prinzipiell offene Zukünfte entwickeln können, und welchen Beitrag Organisationsberatung dazu leisten kann, ohne dazu aber bereits dezidierte Antworten geben zu können. MOLDASCHL stellt der Experten- und Prozessberatung als Alternative die reflexive Beratung gegenüber. So wichtig die von ihm dargestellten reflexiven Momente der Beratung sind, so sehr stellt sich mir die Frage, ob eine fundierte systemische Beratung nicht diesen reflexiven Gehalt und damit auch die kritische Distanz zum eigenen Vorgehen nicht immer schon beinhaltet hat. Was das Neue sein soll, das die reflexive Beratung als etwas Drittes differenziert, hat sich mir nicht so ganz erschlossen. KÖNIGSWIESER, SONUC und GEBHARDT schlagen Tandems von Fachberatern und Prozessberatern vor und erläutern an Fallbeispielen die Schwierigkeiten dieser «Vernunftehe». Dies ist sicher eine Möglichkeit – ob immer praktikabel ist die Frage.

Was mir in den Beiträgen zu kurz kommt, ist eine stärkere Reflexion, was sich in den Unternehmen selbst und im Management in letzter Zeit verändert und so mit dazu beigetragen hat, dass die Grenzen der jeweiligen Beratungskonzepte sichtbar und die Frage ihrer Verknüpfung oder Gegensätzlichkeit zum Thema wurde. Aus meiner Sicht verläuft die Debatte zu sehr aus der begrenzten Perspektive der Beratungsansätze heraus und zu wenig aus der Perspektive der Systeme, auf die sich Beratung bezieht. Vielleicht erwachsen aus der Entwicklung der organisationalen Systeme heraus Notwendigkeiten an Beratung, die die alten Gräben der Beratungsansätze relativieren.

Etwas ab fällt für mich der Beitrag von RADATZ zur evolutionären Organisationsberatung. Ich finde den skizzierten Ansatz reichlich idealistisch und geprägt von einer Harmonie-Mentalität, die Veränderungen möglichst reibungslos und widerspruchsfrei vollbringen möchte. Widerstand nur als Resultat falschen Handelns und nicht in seiner systemischen Qualität als Bestandteil von Veränderungsprozessen zu sehen, führt meines Erachtens nicht nur zu Illusionen, was die Erfordernisse heutiger Veränderungsprozesse anbelangt. Es verkennt auch die Chancen, die gerade in den Gegensätzen und Konflikten, im Nicht-Reibungslosen der Veränderungen liegen.

Im zweiten Teil des Buches, der Darstellung unterschiedlicher Beratungsansätze, hat mich der Beitrag von GROTHE zu den Organisationsaufstellungen sehr angesprochen, weil er die Wirkungsweise der Aufstellungen kritisch durchleuchtet und hinterfragt – und dies mit mehr Substanz als viele der Success-Stories, die Aufstellungsbücher bisher meist kennzeichnen. A. SCHREYÖGG, BUCHINGER und PÜHL stellen Coaching, Supervision und Organisationsmediation vor. Die Beiträge bieten eine jeweils gute Darstellung, was angesichts der Kompetenz der Autor/-innen auch zu erwarten ist, enthalten für mich aber keine Ansatzpunkte, die prinzipiell neue Perspektiven eröffnen. CERNOTA und HEINECKE loten das Irritationspotenzial künstlerischer Interventionen aus. Markus Berg bietet einen guten Überblick über differenzierte Einsatzmöglichkeiten des Unternehmenstheaters. Der Herausgeber stellt in seinem abschliessenden Beitrag das Konzept der Meta-Beratung vor, ein Beratungsansatz, der die Professionalisierung des Klientensystems im Umgang mit Beratungsunternehmen zum Fokus hat. Das Konzept ist noch wenig bekannt, und es stellt sich die Frage, ob es als eigenständiger Ansatz aus einem Nischendasein herausfinden kann. Dass mehr Professionalität der Klienten im Umgang mit Beratern wichtig ist, ist unbestritten. Meine Frage ist, ob diese Professionalisierung nicht immanentes Moment einer Beratung sein muss, die das Verhältnis von Klienten und Beratern als gemeinsamen Lernprozess sieht. Und dies aus ganz egoistischen Motiven heraus. Nach meiner Erfahrung arbeitet sich mit professionell vorgebildeten Klienten wesentlich leichter und ergiebiger. Ob es deshalb immer noch einen «Beobachter 3. Ordnung» bedarf, ist die Frage.

Fazit: ein Buch mit vielen interessanten Beiträgen. Weniger ein wegweisendes Buch als eine reflexive Bestandsaufnahme. (HM)

Michael Mohe
Klientenprofessionalisierung.
Strategien und Perspektiven eines professionellen Umgangs mit Unternehmensberatung

Metropolis-Verlag, Marburg 2003, 420 Seiten, EURO 36.80, ISBN 3-89518-434-9

Die Branche der Berater durchlebt momentan turbulente Zeiten: Immer mehr gescheiterte Beratungsprojekte gelangen an die Öffentlichkeit, die Unzufriedenheit und Kritik der Klienten wächst. Üblicherweise wird deshalb für mehr Professionalisierung auf der Beraterseite plädiert.

Michael Mohe stellt diesen schon festzementierten Zusammenhang in seiner Dissertation in Frage. Dazu nimmt er die Klientenseite in den Blick und zeigt, dass der Klient keineswegs die passive Rolle in der Beratung einnimmt, die ihm überblicherweise zugewiesen wird. Sobald man den Klienten jedoch als aktiven Akteur positioniert, stellt sich auch für ihn die Frage eines professionellen Umgangs mit Beratung. Um diese Ausgangsthese zu untermauern, wird herausgearbeitet, dass Klienten einen grossen Teil der Unzufriedenheit mit Beratung selbst verantworten. Damit fällt auch einiges an der Kritik, die in der Regel an die Beraterseite adressiert wird, auf die Klienten zurück. Dies wird mit zahlreichen Beispielen illustriert, welche die Notwendigkeit zur Klientenprofessionalisierung zusätzlich deutlich machen: Berater werden oftmals auf Zuruf engagiert, Beratungsziele werden nur selten konkret formuliert, in einigen Unternehmen herrscht ein regelrechter "Beraterwildwuchs", Projekte werden teilweise doppelt bearbeitet und Synergieeffekte verschenkt.

Nach der Aufdeckung dieses Problemzusammenhangs werden Konzepte eines professionellen Umgangs mit Unternehmensberatung erarbeitet. Dazu werden expertenorientierte und reflexive Professionalisierungsstrategien unterschieden. Im Rahmen der ex- pertenorientierten Klientenprofessionalisierung wird aufgezeigt, in welchen Feldern Klienten mehr Expertise aufbauen können: Angefangen von der Optimierung der Beraterauswahl durch Buying Center, Beschaffungsstrategien und Auswahlverfahren über zentrale Steuerungskonzepte für Consultants bis hin zum Aufbau eigener Beratungsexpertise in Form eines Inhouse Consulting. Klientenprofessionalisierung erfolgt hier vor allem durch die Akkumulation von mehr Wissen. Dass eine solche Logik des Mehr desselben jedoch schnell an Grenzen stossen kann, wird in einem nächsten Schritt aufgezeigt und für einen Perspektivenwechsel in Richtung eines reflexiven Umgangs mit Unternehmensberatung plädiert.

Bei der reflexiven Klientenprofessionalisierung wird vor allem auf systemische Theorien zurückgegriffen. Hier wird diskutiert, wie Klienten das Konzept der Beobachtung 2. Ordnung für sich nutzen können, wie sie vom einfachen zum reflexiven Lernen durch und über Beratung gelangen und inwieweit sich die Idee der dezentralen Kontextsteuerung für Klienten fruchtbar machen lässt. Von der Theorieebene kommend, werden auf diese Weise praxisnahe Implikationen zur Klientenprofessionalisierung abgeleitet.

Schliesslich wird ein zusammenfassender Blick auf beide Professionalisierungsansätze geworfen. Über die Diskussion einzelner Verbindungspfade gelangt die Arbeit zu einem integrativen Verständnis der Klientenprofessionalisierung. Beispielhaft wird aufgezeigt, wie Klienten das Zusammenspiel expertenorientierter und reflexiver Professionalisierungsstrategien organisieren können und damit beispielsweise ein Impression Management gegenüber den Beratern inszenieren können. In einem Ausblick werden ausserdem Ideen für weiterführende Forschungen und für die Beratungspraxis generiert.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Buch mit der Betrachtung der Klientenseite ein bisheriges Vakuum in der Beratungsforschung ausfüllt. Allein durch die umfangreiche Literatur- und Theorieverarbeitung erweist sich das Buch als Fundgrube für den Forscher. Dennoch richtet sich das Buch nicht nur an Akteure der Beratungsforschung, sondern auch an den an Theorie interessierten Praktiker. Zahlreiche Beispiele (z.B. Strategien des Inhouse Consulting bei Volkswagen oder die Organisation eines Beratungsclearing bei Infineon) kommen aus der Praxis und werden auf ihren Beitrag zur Klientenprofessionalisierung diskutiert.

Dieses Buch lohnt sich nicht nur für Klienten, auch für Berater dürfte es von grossem Interesse sein, da wertvolle Einblicke über momentane Entwicklungen auf der Klientenseite gegeben werden.

 

Niko Mohr
Kommunikation und organisatorischer Wandel. Ein Ansatz für ein effizientes Kommunikationsmanagement im Veränderungsprozess
Gabler Verlag, Wiesbaden 1997, 408 Seiten, DM 118.-

Dass Widerstand der siamesische Zwilling von Veränderung ist, ist mittlerweile wohl eine Binsenweisheit. Dass Kommunikation im konstruktiven Umgang mit Widerstand eine massgebliche Rolle spielt, ist auch im Prinzip nichts Neues. Aber genau an diesem Punkt setzt die vorliegende Dissertationsarbeit von Niko Mohr an. Die Ausgangshypothese seiner Forschungsarbeit lautet: «Je effizienter die unternehmensinterne Kommunikation im Veränderungsprozess eingesetzt wird, desto geringer ist der Widerstand der Mitarbeiter.» Dass im Rahmen der Forschungsarbeit der kausale Zusammenhang zwischen der unternehmensinternen Kommunikation und dem Änderungswiderstand der vom Wandel betroffenen Mitarbeiter bestätigt wird, überrascht Fachleute sicher nicht. Was diese Schrift interessant macht, ist der sorgfältige theoretische Bezugsrahmen, d.h. eine explizite und fundierte Beschreibung, in welcher Weise die beiden Themenbereiche Change Management und unternehmensinterne Kommunikation miteinander zu verbinden sind, damit Kommunikation im Veränderungsprozess wirksam wird. Dazu werden in kurzer präziser Form die wesentlichen Ansätze und Modelle der Organisationstheorie, (z.B. Scientific Management, Human-Relation-Ansatz, Systemtheorie, Situativer Ansatz, Entwicklungsmodelle, Selektionsmodelle, Lernmodelle), wesentliche Aspekte bei der Initiierung und Implementierung von Wandel (z.B. Wandel als Prozess, Interventionstechniken, zu Grunde liegende Managementkonzepte, Begriff und Rolle des Change Agent), und als wesentliches Problem im Veränderungsprozess der Änderungswiderstand und die Instrumente zu seiner Reduzierung beschrieben. In einem zweiten Teil werden die theoretischen Grundlagen der Kommunikation beschrieben, ihre Gesetzmässigkeiten, ihre spezielle Funktion in Unternehmen, ihre Struktur, Rolle und die speziellen Probleme, die auftauchen. In einem dritten theoretischen Teil wird konkret skizziert, wie unternehmensinterne Kommunikation gestaltet werden kann, damit sie einen wesentlichen Beitrag zum geplanten organisatorischen Wandel zu leisten in der Lage ist. Es ist vor allem dieser theoretische Bezugsrahmen mit seinen Praxisbezügen, der dieses Buch lesenswert macht, für solche Manager und Change Agents, die Sozialpsychologie nicht als Studienfach hatten - und trotzdem interessiert sind, eine komprimierte Theorie zu den wichtigsten Begriffen und Namen, die in diesem Feld etwas gelten, in petto zu haben. Es wäre zu begrüssen, wenn es bald eine Managementfassung gäbe mit den wesentlichen Theorieteilen und Praxisbezügen und unter Verzicht des empirischen Teils.

 

Niko Mohr/ Jens Marcus Woche (Diebold)
Widerstand erfolgreich managen –professionelle Kommunikation in Veränderungsprojekten
Campus Verlag, Frankfurt/New York 1998, 239 Seiten, DM 78.–

Die Diebold-Berater beschäftigen sich insbesondere mit Fragen des Veränderungsmanagements. Und dies Thema dominiert das Buch, nicht das Widerstands-Phänomen und dessen Reduzierung. Zwar wird immer wieder darauf eingegangen, wie sich Widerstand managen lässt, indem die Autoren erklären, wie Widerstand rechtzeitig erkannt werden kann, von welchen Mitarbeitern er zu erwarten ist, wie man ihn überwindet oder gewinnbringend nutzt usw. Aber die Botschaft ist, dass ein offensives Kommunikationsmanagement das wirksamste Mittel zum Umgang mit Widerständen ist. Aber leider bleibt der Ansatz, Widerstand zu managen, bald auf der Strecke. Und so ist ein Buch über Kommunikations-Management daraus geworden. Der Titel will wohl eher an die Leiden der Praxis andocken. Es gibt eine Menge Tabellen, Verhaltensempfehlungen und nützliche Interpretationen, aber letztlich wird viel zu viel thematisiert, und die Fülle der plakativen Hinweise überfordert eher, als Handlungsorientierung zu geben. Ich kenne dieses Gefühl, Kunden mit immer neuen Ansätzen und Massnahmevorschlägen zu überschütten, um auch die Wirkungslosigkeit der Angebote zu überdecken.

 

HENK T. VAN DER MOLEN/YVONNE H. GRAMSBERGEN-HOOGLAND
Communication in Organizations. Basic Skills and Conversation Models
Psychology Press, Hove 2005, 200 Seiten, GBP 14.95, ISBN 1 84169 556 4


Dies ist ein sehr praxisorientiertes Buch, das dabei behilflich sein kann, individuelle kommunikative Kompetenzen in unterschiedlichsten Feldern zu erkennen und systematisch zu verbessern. Im einführenden Teil legen die Autoren einige Grundlagen zum Thema. Der zweite Teil zeigt verschiedene Vorgehensweisen in Interviews. Das Spektrum reicht dabei von Einstellungsgesprächen über Beurteilungs- und Verkaufsgespräche bis hin zu Konzepten für das Überbringen kritischer Nachrichten an Mitarbeiter. Im dritten Teil des Bandes gehen die Verfasser auf Gruppenprozes- se ein. Sie geben wertvolle Hinweise für das Gestalten von Entscheidungsprozessen, Konfliktlösungen, Strategien der Verhandlungsführung und Präsentationen. Der Text ist klar und verständlich geschrieben und überzeugt nicht zuletzt durch eine durchdachte didaktische Aufbereitung. Es ist ein Lehrbuch, das sich an alle wendet, die sich selber in Sachen Kommunikation qualifizieren wollen oder mit Qualifizierungen in diesem Bereich professionell befasst sind. (JF)


James F. Moore

Das Ende des Wettbewerbs. Führung und Strategie im Zeitalter unternehmerischer Ökosysteme.
Klett Cotta, Stuttgart 1998

Strategiearbeit vor dem Hintergrund der ökologischen Metapher ist das Thema dieses lesenswerten, «süffig geschriebenen» Buchs. Der Prozess der Koevolution – das gleichzeitige Zusammenspiel von Wettbewerb und Kooperation als strategische Notwendigkeit verändert das strategische Denken in seinen Grundfesten und macht es notwendig, das eigene Unternehmen als Teil eines übergreifenden und sich immer wieder neu ordnenden Ökosystems wahrzunehmen – über die herkömmlichen Industriezweige hinweg. Moore ruft ein neues Stadium des Wettbewerbs aus – das der Koevolution, bei dem es darum geht, mit anderen Unternehmen «attraktive» Zukunftsvorstellungen zu entwerfen und zu gemeinsamem Agieren anzuspornen («Marktgemeinschaften»). Moore knüpft damit an die Diskussion der virtuellen Unternehmen (Davidove & Malone) und die der Kernkompetenzen und «Competing for the Future» (Hamel, Prahalad) an.

Er beschreibt jeweils anhand konkreter Beispiele die Phasen des strategischen Lebenszyklus (Pionier-, Expansions-, Autoritäts- und Erneuerungsphase).

Interessant bei der Lektüre sind die Casestudies renommierter Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen (Autoindustrie, IT, Handel, Gesundheitsversorgung etc.).

 

Gareth Morgan
Imagin . i . zation. New Mindsets for Seeing, Organizing and Managing
Sage Publ./Berrett-Koehler-Publ., Thousand Oaks/London/San Francisco 1997, 347 Seiten, DM 35.-


Cliff Oswick/David Grant (Hrsg)
Organisation Development. Metaphorical Explorations
Pitman Publ., London 1996, 254 Seiten, DM 60.-

Hier sollen zwei englischsprachige Bücher zur Bedeutung, Wirkung und Nutzung von Metaphern in der OE bzw. im Organisations-Management vorgestellt werden. Das Buch von Morgan ist die kartonierte Ausgabe der Erstauflage von 1993 und nach seinem faszinierenden Buch von 1986 über die «Bilder von Organisationen» geschrieben (jetzt endlich in deutscher Sprache erschienen. Die Besprechung erfolgt in OE 1/98).

Im vorliegenden Buch werden Bilder, wie «politischer Fussball» (für das Management von Wandelprozessen), «ausgetrockneter Teich» (bürokratische vs. innovative Organisationen) usw. usw., lebendig erörtert und dann dargestellt, wie die Arbeit mit Bildvorstellungen (imaginization) angewandt und genutzt werden kann, insbesondere für Prozesse des Wandels.

Der Sammelband von Oswick u.a. enthält Aufsätze zur OE als Gestaltung einer Reise, Organisation als humane Ganzheit, Metaphern zur Kultur, usw., sowie Beiträge zur Entwicklung und Gebrauch von Metaphern in der OE. Beide Bücher sind empfehlenswert, obwohl der zweite Band die Virtuosität von Morgan nicht erreicht.

GARETH MORGAN
Löwe, Qualle, Pinguin - Imaginieren als Kunst der Veränderung
Klett Cotta, Stuttgart 1998, 372 Seiten, 78.- DM

"Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen - Um neue Fragen und neue Möglichkeiten aufzuwerfen, um alte Probleme aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, bedarf es kreativer Vorstellungskraft. Sie erst ermöglicht wirklichen Fortschritt der Wissenschaft."

Diese Haltung von Albert Einstein, die dem Buch als Zitat vorangestellt ist, könnte auch ergänzt werden, mit Bezug auf die Unternehmenspraxis, insbesondere um Veränderungen wirksamer und nachhaltiger zu gestalten.

Gareth ist der Experte in der Arbeit mit Metaphern in Organisationen. Nach seinem grundlegenden Buch "Bilder der Organisation" erscheint nun die Übersetzung von Imaginization (von 1993!). Das Buch ist nicht nur voller Bilder, sondern ist eine Unterstützung in der Arbeit, mit Bildern und Metaphern, um uns aus unseren eigenen Vorstellungen zu befreien und eher spielerisch Zugang zur Entwicklung neuer Vorstellungen zu entwickeln, um Veränderungen möglich zu machen und zu erleichtern.

Es ist leicht und unterhaltsam geschrieben und fördert so den Zugang zu neuem Denken über unsere Organisationen bzw. zu kreativem Potential.

Hingenommene Selbstverständlichkeiten können überprüft werden und zu neuem Verstehen und Handeln führen.

Löwe, Qualle und Pinguin u.a. sind nur einige der Metaphern, die Gareth untersucht, um Einstellungen zu Organisationen zu konkretisieren und zu überprüfen.

Mehr muss über das Buch eigentlich nicht gesagt werden, ausser dem Hinweis: sofort erwerben! (KT)


 

Josef Moser/ Brigitta Nöbauer/ Martin Seidl (Hrsg.)
"Vom alten Eisen und anderen Ballast". Tabus, Schattenseiten und Perspektiven in betrieblichen Veränderungsprozessen
Rainer Hampp-Verlag, München und Mering 2001. 166 Seiten, EURO 22.70, ISBN 3-87988-598-2

Das Buch basiert auf der gleichnamigen Tagung an der Universität Linz, die das Ziel hatte, Führungskräfte, Personalverantwortliche, Berater und Betriebsräte in einen Austausch zu bringen. Es wendet sich erfreulicherweise einmal nicht den schillernden Konzepten der Veränderungsprozesse zu, sondern - wie schon der Untertitel verrät - den oft schwer wiegenden Begleiterscheinungen solcher Prozesse, den "blinden Flecken", die oft unhinterfragt und tabuisiert die Veränderungspraxis prägen.

In empirisch unterstützten Ausführungen analysieren Pongratz Triebkräfte und Widerstände in betrieblichen Veränderungsprozessen, Steinmetz die neue Rolle der Industriemeister. Jasper, Rohwedder, Schletz gehen der Frage nach, wie Innovieren mit alternden Belegschaften möglich ist. R. Königswieser untersucht die emotionalen Auswirkungen beim Überbringen schockierender Nachrichten, Freimuth und Asbahr befassen sich mit Angst und Angstverdrängung bei Führungskräften. In einem weiteren Beitrag stellt Resch ein österreichisches Beratungsmodell zur Unterstützung von Betriebsräten und Betriebsrätinnen in betrieblichen Veränderungsprozessen vor, deren Rolle in den Change-Prozessen oft ausgeblendet wird (siehe dazu auch das Forum in diesem Heft).

Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, weil es konsequent die andere (dunkle?) Seite der Veränderungsprozesse ausleuchtet und darüber neue Perspektiven aufzeigt. (HM)

 

Kathrin M. Möslein
Bilder in Organisationen. Wandel, Wissen und Visualisierung
Deutscher Universitäts-Verlag (Gabler), Wiesbaden 2000, 307 Seiten


Für die Unternehmenstheorie und -praxis ist die Rolle von Bildern in Organisationen ein höchst aktuelles Thema, denn Bilder erweitern das Kommunikationsrepertoire von Unternehmen und bieten damit neue Möglichkeiten der organisatorischen Gestaltung.

Ausgehend von den Potenzialen neuer Formen der Visualisierung analysiert die Autorin, Mitarbeiterin der TU München, die Bedeutung des Bildes für organisatorische Wandlungsprozesse und für das Management verteilten Wissens. Sie zeigt, wie Bilder als Leitbilder, Wegweiser und Denkwerkzeuge organisatorische Innovationsprozesse unterstützen, die Koordination erleichtern und die Wissensgenerierung ermöglichen können.

Es geht also nicht um die Darstellungstechnik und Transparenz von Informationen allein, sondern um die Externalisierung der Bilder im Kopf der Mitarbeiter und der Unternehmen, um die Erleichterung, Präzisierung und Prüfungsmöglichkeit der Kommunikationen im weitesten Sinne.

Natürlich wird auch Morgan verarbeitet, aber seine berühmten "Bilder" sind nur ein Teilaspekt dieser "Visualisierung", die heute auch die Nutzung der elektronischen Medien einschliesst. Die Bilder über die Beziehungen, die Zukunft, die Intentionen, die Ziele und Verhältnisse, sind sehr wichtig für die betriebswirtschaftliche Organisationstheorie - und die Unternehmenspraxis.

Die besonderen Formen der organisatorischen Kommunikation nutzen die Visualisierung immer stärker, um "im Bilde" zu sein, sich ein "Bild machen" und etwas ins "Licht rücken" zu können. Es geht ja nicht nur um Weitergabe, sondern auch das Teilen und Nutzen von Wissen.

Diese Dissertation ist nicht nur theoretisch, sondern auch sehr fundiert angelegt, aber sie wartet nur darauf, von der Praxis ausgebeutet zu werden. Nicht nur mit dem entworfenen Visualisierungstool der HYPERMAP, als Landkarte für die Unternehmung.

Sie sollten ihr Buch-Budget strapazieren für den Kauf.

 

Christiane Müller
Grenzen ernst nehmen - und ihnen den Ernst nehmen. Zu den Voraussetzungen systemisch orientierter Empirie am Beispiel multinationaler Arbeitsgruppen
Verlag für Systemische Forschung im Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2000, 232 Seiten


Die Autorin bearbeitet im Rahmen ihrer Doktorarbeit einen zweifachen Themenschwerpunkt. Zum einen geht es ihr darum herauszufinden, was es heisst, empirische Sozialforschung zu betreiben, wenn man sich als Forscherin einem systemischen Hintergrund verpflichtet fühlt. Zum anderen möchte sie diese forschungstheoretische Fragestellung an Hand der Untersuchung "interkultureller Zusammenarbeit in multinationalen Arbeitsgruppen" einmal beispielhaft durchspielen. Mit beiden Fragestellungen betritt die Autorin wissenschaftlich gesehen ganz schwieriges Terrain, auf dem es bislang nur ganz wenige orientierungsschaffende Vorarbeiten gibt.

In seinen Hauptabschnitten setzt sich das Buch mit dem Entwicklunsstand der neueren Systemtheorie auseinander, unter anderem mit dem Ziel herauszuarbeiten, was man zu sehen bekommt, wenn man mit dieser Perspektive auf ihren Forschungsgegenstand ("interkulturelle Zusammenarbeit in multinationalen Teams") blickt. Dabei kommt die Autorin zwar zu einigen aus ihrer Sicht nützlichen Erkenntnissen, ohne jedoch bei der erforderlichen Präzisierung des Kulturbegriffs wirklich fündig zu werden. Als ähnlich schwierig erweist sich das Unterfangen, so etwas wie eine systemisch orientierte Empirie zu konzipieren. In der Auseinandersetzung mit dieser Frage liegt das eigentliche Hauptverdienst der Autorin, denn in der komplexen Theoriearchitektur der neueren Systemtheorie Luhmann'scher Prägung haben die üblichen Fragestellungen empirischer Sozialforschung eigentlich keinen Platz. Da liegen scheinbar unüberbrückbare Welten dazwischen. Mit einem bewundernwerten Argumentationsaufwand und unter Einbeziehung eines reichhaltigen Fundus an einschlägiger Literatur kommt die Autorin letztendlich doch zu Lösungen, wie sozialwissenschaftliche Feldforschung mit einer systemtheoretischen Perspektive nutzbringend betrieben werden kann. Auf dieser Grundlage konzipiert sie im letzten Abschnitt ihres Buches ein detailliert ausgearbeitetes Forschungskonzept, wie man die Frage nach der Relevanz multikultureller Zusammensetzung von Arbeitsteams auf die Spur kommen kann, ohne allerdings andere Einflussfaktoren, die die Arbeitsfähigkeit solcher Teams prägen, ausser Acht zu lassen. Wenn man die wachsenden Probleme globalisierter Unternehmen im Management ihrer organisationsinternen Unterschiedlichkeit sieht, dann kann man die Bedeutung solcher Forschungsanstrengungen gar nicht hoch genug einschätzen. In diesem Sinne ist es dem Buch zu wünschen, dass es trotz seiner zum Teil recht schwierigen Rezipierbarkeit als Sparringpartner für ähnlich praxisorientierte Forschungsinteressen dienen mag. (RW)

 

Franziska Müller Tiberini
Wenn die Familie den Laden schmeisst. Modelle zur Führung von Familienunternehmen
Orell Füssli Verlag AG, Zürich 2001 174 S., Euro 29.50

Ein Buch, das sich einem erst auf den zweiten Blick erschliesst. Auf den ersten Blick wirkt einiges zu verallgemeinernd und wenig aktualisiert, z.B. generelle Aussagen zu gesellschaftlichen Themen, zur Familie, zur Erziehung von Kindern heute oder zur Situation von Frauen im Erwerbsleben. Zu vieles wird eingeflochten, z.B. das Thema der Aufnahme einer freiberuflichen Tätigkeit oder der Unternehmensgründung durch Frauen oder der kurze Abriss des familientherapeutischen Ansatzes von Murray Bowen. Zu wenig dicht und aussagekräftig wirken die zwischengeschalteten Fallbeispiele.

Liest man das Buch aber konsequent aus der Sicht von Angehörigen von Unternehmerfamilien, so stellt es eine echte Fundgrube dar. Ausgehend von den drei sich überschneidenden Einflussbereichen Familie - Unternehmen - Kapital wird hier so ziemlich alles angesprochen, was für Unternehmerfamilien relevant ist. Und vor allem, und das ist wohl das grösste Verdienst der Autorin, alles, was in Unternehmerfamilien erfahrungsgemäss leicht tabuisiert wird. Der Text ist sehr knapp gehalten; in einigen Passagen hat er fast den Charakter von Checklisten. Und dies sind nicht die unwichtigsten Themen, aber vielleicht die heikelsten. Vielleicht macht es erst diese Knappheit, dieses kurze, aber präzise Antippen, möglich, die hier ausgesprochenen Dinge wirklich an sich herankommen zu lassen. Da wird deutlich, wer von der Lektüre dieses Buches am meisten profitieren kann und wer es auch lesen sollte: Unternehmer (und natürlich Unternehmerinnen, nur gibt es davon leider viel weniger) mit einem eigenen Unternehmen, ihre Ehepartnerinnen und -partner, die erwachsenen Kinder und möglichen Nachfolger und Nachfolgerinnen, die angeheirateten Familienmitglieder. Wichtige Erkenntnisse bringt das Buch aber auch Führungskräften in Familienunternehmen und externen Beraterinnen und Beratern. Ihnen hilft es nicht nur, vieles besser zu verstehen, sondern auch die richtigen Fragen zu stellen.

Die Autorin ist selbst Angehörige einer Unternehmerfamilie, Mutter und Inhaberin eines Beratungsunternehmens. Nicht erstaunlich also, dass sie besonders auch die Rolle der Frauen in Familienunternehmen thematisiert: Die Rolle der Ehefrau des Unternehmers, die Rolle der Mutter von Kindern der Nachfolgegeneration, die Rolle der Tochter mit eigenen beruflichen Ansprüchen und Perspektiven, die Rolle aber auch der Mitarbeitenden im Familienbetrieb.

Und nicht erstaunlich auch, dass sie die Familien- und Erziehungsthematik aus der Sicht der Lebensbedürfnisse der betreffenden Individuen und nicht nur aus der Sicht der Ansprüche der Familie oder der Erfordernisse des Unternehmens thematisiert.

Sie leistet damit einen Beitrag, den es unseres Wissens vergleichbar in der Fachliteratur nicht gibt. Und der das Buch insbesondere für Männer lesenswert macht!

Einige kritische Bemerkungen seien noch an den Verleger gerichtet, der sich offensichtlich nicht leicht tat mit der Autorenschaft einer Frau. Die Titelgebung wirkt besonders in den Teilen, die sich mit der Rolle der Frau und dem Familiengeschehen im engeren Sinne befassen, zu dominant und ist teilweise auch nicht nachvollziehbar (z.B. "Frauen haben Zeit"). Wenig einschlägig ist auch der Untertitel "Modelle zur Führung von Familienunternehmen". "Herausforderung Familienunternehmen" oder "die Synthese von erfolgreichem Unternehmertum und lebendiger Familienkultur" würde dem Buch wohl eher gerecht. (CP)



Müller
H.-E./ Prangenberg A.

Outsourcing-Management, Handlungsspielräume bei Ausgliederung und Fremdvergabe
Bund-Verlag Köln 1997

Unter dem Motto «Schneller – schlanker – flacher – kundenäher» standen viele Organisationstransformationen der letzten Jahre. Und für nahezu jedes Unternehmen, das sich mit seinem organisatorischen Redesign beschäftigte, bildete das «Outsourcing» von Unternehmensfunktionen eine mögliche Organisationsalternative.

Für die strategische Option einer «Konzentration auf das Kerngeschäft» bietet Outsourcing ein scheinbar universell taugliches Patentrezept. Die Frage des «make or buy» wird jedoch häufig nicht immer ausreichend sorgfältig reflektiert sondern gerne auch als «Glaubensbekenntnis» verwendet.

Die beiden Autoren Müller und Prangenberg aus dem Umfeld der Hans Böckler Stiftung des DGB haben die Vor- und Nachteile dieses organisatorischen Modetrends empirisch kritisch unter die Lupe genommen: Konnten die erwarteten positiven Effekte in den Unternehmen tatsächlich realisiert werden oder führt Outsourcing mehr zu einer (teilweisen) Amputation so mancher Kernkompetenz, die nach Hamel/Prahalad die Wurzeln des Erfolgs eines Unternehmens bildet?

Die beiden Verfasser illustrieren anhand mehrerer Beispiele, dass bei Auslagerungsentscheidungen häufig nicht alle versteckten strategischen Nachteile ausgewogen mitbilanziert werden. In einem praxisnahen Vorgehensmodell wird ein ganzheitliches Raster angeboten, das die Vernachlässigung von wichtigen Einzelaspekten verhindern soll.

Im zweiten Teil, dem «Sourcing-Management», wird die Organisationsalternative des Outsourcings vor der Hintergrundfolie mehrerer bekannter strategischer Konzepte erörtert. Für den Kenner nicht wirklich neu, aber durch die reichhaltige Illustrierung mit Fallbeispielen aus der deutschen Industrielandschaft sehr leserfreundlich aufbereitet.

Im dritten Teil werden die positiven und die negativen Outsourcing-Erfahrungen anhand detailreicher Fallstudien (von Siemens, Volkswagen, Lufthansa, ABB, Digital, Stadtwerke und aus dem Bankenbereich), die teilweise von unternehmensinternen Co-Autoren dargestellt werden, sichtbar gemacht.

Alles in allem kann dieses Buch allen jenen Lesern und Leserinnen nützlich sein, die sich mit der Frage des Outsourcings oder des Insourcings beschäftigen. Mir hat an diesem Buch besonders die Kombination einer verständlichen betriebswirtschaftlichen Darstellung mit einer empirischen Fundierung durch die Auswertung von 70 Praktiker-Workshops und die kritische aber nicht ideologisch verengte Einstellung der dem DGB-nahestehenden Autoren gefallen.

 

Karolina Frenzel, Michael Müller, Hermann Sottong
Das Unternehmen im Kopf. Schlüssel zum erfolgreichen Change-Management
Carl Hanser Verlag
München 2000
194 Seiten, DM 59,80

Wir kennen das, als Manager und Berater: Es gibt eine Vision, die Ziele des Wandels sind einsichtig formuliert und die Massnahmen klar umrissen und aufeinander abgestimmt. Eine ideale Situation und doch hakt es, es kommt zu Widerständen, das Veränderungsrad dreht sich immer langsamer und alles versandet.

Die Autoren, Inhaber eines Beratungsnetzwerkes, stellen für die Situationen eine Methode, die des storytelling vor, mit der es gelingen kann, die verborgenen Spielregeln des Unternehmens, eben das "Unternehmen im Kopf" sichtbar, d.h. erzählbar und nutzbar zu machen.

Aus der Praxis für die Praxis wird sehr lebendig und mit vielen Beispielen belegt, Anregungen gegeben, warum und wie diese Methode genutzt werden kann. Man lässt sich Geschichten von den Mitarbeitern erzählen (z.B. Ursprung des Unternehmens, Rivalitätskämpfe, Konfliktepisoden usw.) und erhält so mittels strukturanalytischer Textinterpretationen mentale Lernkarten, die in den Köpfen der Mitarbeiter vorhanden sind, und die zeigen, wo es hakt, d.h. wo es Wahrnehmensunterschiede, Probleme, Zögerlichkeiten, Widerstand u.a. gibt. Soweit ist das Buch sicher für viele Leser interessant und hilfreich, die in ihren Köpfen nah an dieser Methode sind. Und das Buch ist zu empfehlen, mir selber hat es viele Anregungen gegeben und Interventionen vermittelt.

 

MICHAEL ZIRKLER / WERNER R. MÜLLER (HRSG.)
Die Kunst der Organisationsberatung Praktische Erfahrungen und theoretische Perspektiven
Haupt Verlag, Bern 2003, 252 Seiten, Euro 25.00, ISBN 3-258-06628-0


Ein zunächst sehr anspruchsvoller Titel, in dem Selbstüberschätzung anklingt oder Werbung. Dann fällt mir ein Wort von G. Benn ein: Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint. Aber wenn man das Buch liest, dann öffnet sich ein anderer Kontext für die Beiträge: die Beratung bzw. das Verständnis und die Ansätze der Beratung haben sich bzw. sind dabei sich stark zu verändern und eine nützliche Beratung wird angesichts der heutigen Problemlage eher zur Kunst, im Sinne, die Wirklichkeit differenziert und anders zu verstehen, als sie sich auf den ersten Blick zeigt.
Der Sammelband fasst einige Präsentationen eines Kongresses im Frühjahr 2002 in Zürich zusammen, die die Herausgeber (Wissenschaftler der Universität Basel) in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum derselben Universität veranstaltet haben. Leider wird im Vorwort vergessen zu erwähnen, dass unsere Zeitschrift auch Mitveranstalter war.
Die Mehrzahl der Beiträge stammt von sehr bekannten und wichtigen Autoren (Freimuth, Wimmer, Baecker, Baitsch u.a.) und den Herausgebern selbst. Und viele Beiträge sind wirklich wichtig und wegweisend, weil sie alle die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Organisationsberatung in den Mittelpunkt stellen. Es wird untersucht, wie Berater durch Definitionsmacht auch Einfluss ausüben, wie die Lernfähigkeit von Organisationen gesteigert werden kann, was ein Berater in selbstorganisierenden Systemen tut, welche Gestaltungsräume in der Beratung bestehen und wie sie inszeniert werden, wie Beratung als Verführungskraft wirken kann u. a.
Warum darf in so einem Buch auch das Modethema Aufstellungen nicht fehlen und die Darstellung eher klassischer Ansätze oder Unterscheidung von Beratungsmodellen?
Ich meine, dass dies Buch Beachtung und Leser finden sollte und finden wird. Vor allem bei Beratern, die sich um die Weiterentwicklung ihrer Konzepte und Rollen bemühen. Aber auch Klienten kann die Lektüre sehr empfohlen werden, und sei es nur darum zu erfahren, wie verführbar sie sein können. (KT)

 

ROBERT MUSIL
Der Manager ohne Eigenschaften
Ueberreuter Verlag, Frankfurt und Wien 2003, 230 Seiten, ISBN 3-8323-0911-X


Dieser Roman eines anonymen Autors orientiert sich in seinem Aufbau, den handelnden Akteuren und insbesondere dem Geist an Musils Jahrhundertroman. Er stellt am Beispiel eines erfolgshungrigen und rücksichtslosen Managers in der New Economy dar, wie dieser sich nach und nach von sich und seinen Freuden entfremdet. Sogar in seinem wenigen Privatleben prostituiert er sich für die Karriere. Dem Autor gelingt es systematisch und Kapitel für Kapitel zu zeigen, wie der "Held" so gleichsam zur Charaktermaske verkommt, dem am Schluss nur noch der Freitod verbleibt, der für seine Umgebung natürlich völlig unverständlich erscheint. Phasenweise nimmt die Handlung des Romans absurde und groteske Formen an, aber man hat stets das Gefühl, es könnte so oder ähnlich durchaus geschehen sein. Der Text enthält zudem zahlreiche Bezüge zu aktuellen Geschehnissen aus der grossen weiten Welt des globalen Business, die vom Autor geschickt in die Kulisse dieser bizarren Konstruktion eingearbeitet werden. (JF)

 

Bernhard von Mutius
Die Kunst der Erneuerung. Was die Erfolgreichen anders machen: 12 Gebote des Gelingens
Campus Verlag, Frankfurt, 1994, 208 Seiten, DM 48.–, ÖS 375.–, SFR 48.–

13 Fallbeispiele, 12 Gebote und viele absatzkurze, wie skizzenhaft hingeworfene Anregungen und Ideen – Mutius’ Buch dreht sich um die Gestaltung von Prozessen und Beziehungen, um die Einbeziehung und Vernetzung von Mitarbeitern, um ein «neues Gestaltungsvermögen». Dazu mögen Beispiele und Gebote hilfreich sein, wer daraus sein eigenes Handeln in Veränderungsprozessen ableiten will, muss allerdings scheitern.

Wenn auch die Kritik an traditionellen Zugangsweisen des Managements von Veränderungsprozessen berechtigt ist, so kann ein Rezeptbuch nicht an ihre Stelle treten. Wer die wiedergegebenen Gespräche als Fundgrube für praktische Hinweise und generelle Leitlinien nimmt, ist mit dem kleinformatigen Buch gut bedient. Wer endlich gesagt bekommen will, wie es geht, wird auch damit nicht glücklich werden. (FB)

Alexander Dieter Myhsok
Mehr Erfolg mit Moderation. Ein Gesprächsleitfaden für die Gesprächsleitung
Verlag: OWB, Oberschwäbische Werkstätten für Behinderte gem.GmbH, Ravensburg. 2. Auflage 2000, ISBN 3-9807045-0-5

Das Buch bietet eine gute, systematisch strukturierte Einführung in die methodischen Grundlagen der Moderationstechnik und eignet sich deshalb auch gut als Begleittext für Moderationsausbildungen. In einem Extra-Kapitel thematisiert Anna Elisabeth Jäger spezielle Erfahrungen, die man als Frau in der Moderationsrolle sammeln kann.

Das Buch wird von der Oberschwäbischen Werkstätte für Behinderte gmbH herausgegeben, das auch Moderations- und Präsentationsmaterial vertreibt. Unternehmen, die eine Ausgleichsabgabe für einen nicht besetzten Schwerbehinderten-Pflichtarbeitsplatz zahlen, können den Rechnungsbetrag teilweise mit dieser Abgabe verrechnen. (Informationen unter: www.owb.de). (HM)