Rezensionen 'B'

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Fritz Böhle/Annegret Bolte/Markus Bürgermeister (Hrsg.)

Die Integration von unten

Der Schlüssel zum Erfolg organisatorischen Wandels

Verlag für systemische Forschung 2008, 117 Seiten, Euro 16.95, ISBN 978-3896709073

 

Fritz Böhle, Professor in Augsburg, hat sich umfassend mit der praktischen Bedeutung des unausgesprochenen und informellen Erfahrungswissens in Unternehmen befasst. Dieses liegt ja bei den unmittelbar im Arbeitsprozess stehenden Mitarbeitern, und müsste von Leitungskräften, Beratern und anderen Experten immer erst gehoben werden. In diesem Band wird an sechs Fallbeispielen aus technologie-orientierten Klein- und Mittelunternehmen dargestellt, wie betriebliche Modernisierung mittels der Einbindung der Mitarbeiter besser umgesetzt werden kann. Es geht um die Einrichtung eines Veränderungskreises zur Begleitung von Dezentralisierung, um flexible Kommunikation als Element von Qualitätsmanagement, die Beteiligung von Mitarbeitern an der Gestaltung von ERP, ein Austauschprogramm zur Förderung der Integration zweier fusionierter Betriebe sowie die Dezentralisierung von Produktionsentscheidungen.

Ein Beispiel: Ein seit längerem eingeführtes ERP-System soll an die sich entwickelnden Arbeitsabläufe angepasst und damit wieder für den Betrieb tauglich gemacht werden. Man könnte nun eine IT-Task Force einrichten – es ist aber allen Beteiligten klar, dass das benötigte Wissen über die realen Abläufe bei den Nutzen des System liegt; außerdem kann die kleine Firma es sich nicht leisten, ein großes ERP-Anpassungsprojekt zu starten. Die Lösung bestand darin, die Nutzer selbst zu Gestaltern der Anpassung zu machen. Dabei mussten neue Lösungen geschaffen werden, zum Beispiel, um die Nutzer für diese Aufgabe zu qualifizieren und um der Betriebsleitung das Vertrauen zu geben, den Prozess auch einmal loszulassen. Das Buch ist auf maximale Zugänglichkeit hin geschrieben – mit kurzen und anschaulichen Beispielen. Wer als Berater in kleinen und mittleren Unternehmen an Modernisierungsprojekten arbeitet, wird dieses Buch nutzen können, um Leitung und Mitarbeitern Vorbilder und Denkanstöße für die mitarbeiterzentrierte Einführung der geplanten Maßnahmen zu geben. (MK)

 

 

Robert Bachert/Dietmar Vahs

Change Management in Nonprofit-Organisationen

Schaeffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2007, 309 Seiten, Euro 39.95,

ISBN 978-3-7910-2584-1

 

Dieses Buch bietet handwerklich einige nützliche Beiträge. Es gibt eine Übersicht über die Bereiche, in denen in NPOs Veränderungs-, bzw. Entwicklungsbedarf besteht. Und daraus werden das Management und die Unternehmensentwickler Anregungen entnehmen können. Es gibt auch viele Praxisbeispiele, an denen sich die Leser orientieren können. Insofern ist das Buch als Werkzeugkiste geeignet und für die Zielinstitutionen NPOs auch in Teilen hilfreich.

Aber es hat auch viele Schwächen, so dass für die Gestaltung und Realisierung der Veränderung in NPOs noch andere Quellen hinzugezogen werden müssen. Das Kapitel zur Entwicklung der Organisationskultur ist nicht handlungsstützend und wie im gesamten Buch ist die relevante Literatur zu den Themenbereichen (OE, Veränderungsmanagement) nicht zitiert und verarbeitet, was das Fehlen einer Übersicht über wichtige Erkenntnisse zum Change Management aus der Literatur deutlich macht. Dafür zitieren sich die Autoren meistens selbst. So werden wichtige Themen eher oberflächlich dargestellt.

Die Idee, Kurzbeiträge zu Praxiserfahrungen von anderen Autoren und Kollegen in den Text einzuweben, halte ich für sehr interessant. Aber warum wird das im Inhaltsverzeichnis überhaupt nicht, und im Vorwort nur knapp und anonym erwähnt?

Das Buch ist für OE- und Veränderungsprofis insgesamt weniger zu empfehlen, wohl aber für Manager von NPOs, die jetzt oft von der Veränderungsnotwendigkeit gefordert werden und sich einen thematischen Überblick verschaffen können. (KT)

 

 

Markus C. Becker/Nathalie Lazaric (Hrsg)

Organizational Routines

Advancing empirical Research

Edward Elgar 2009, 291 Seiten, GBP 79.95, ISBN 978 84720 194

 

Das Wort Routine hat eigentlich einen negativen Klang, weil es mit Langeweile oder mangelnder Innovationsfähigkeit in Zusammenhang gebracht wird. Dabei sind Routinen die Bedingung der Möglichkeit von Wirtschaftlichkeit, haben ihren Ursprung in Innovationen und beruhen ihrerseits auf spezifischen Lernprozessen. Und wenn man Organisationen im Rahmen von Change auf einen neuen Pfad bringen will, müssen die Protagonisten die Entstehung von Routinen verstehen, um Impulse für ihre Veränderung geben zu können.

Hier hat sich, vom Mainstream etwas abgesondert, eine eigenständige, empirisch und konzeptionell recht elaborierte Forschungsrichtung herausgebildet, zu der dieser gut komponierte Sammelband einen ausgezeichneten Überblick liefert. Das Buch enthält anregende Beispiele über neue Forschungsmethoden, etwa zur Analyse der Entstehung von Ereignis-Sequenzen. Die Autoren erläutern die Bedeutung von Stabilität in Organisationen, gerade in Zeiten der Ambiguität und des stetigen Wandels. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit der Frage, wie man aus der Perspektive von Veränderung sinnvoll an Routinen anknüpfen kann.

Alle elf Beiträge beruhen auf Fallbeispielen und empirischen Projekten, so dass die theoretischen Bezüge gehaltvoll erscheinen und anschaulich gemacht werden. Das Buch richtet sich an Theoretiker und Praktiker, die die Entwicklung und Veränderung von Organisationen vom Standpunkt der Bedingungen ihrer Stabilität und Konstanz begreifen wollen. Das ist ein Perspektivenwechsel, der äußerst anregend ist. (JF)

 

 

 

Reinhard Bachmann/Akbar Zaheer (Eds)

Handbook of Trust Research

Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos. 2006,

422 Seiten, GBP 120,

ISBN 978 1 84376 745 1

 

Gesellschaften, Organisationen und Gruppen können ohne Vertrauen nicht überleben bzw. sie sind gezwungen einen hohen Anteil ihrer Ressourcen aufzuwenden, um die Unbestimmtheit von Beziehungen zu regeln und zu überwachen. Die Bedeutung und Entstehung von Vertrauen ist in den letzten 10 – 15 Jahren Gegenstand ausführlicher und interdisziplinärer Forschung gewesen. Der vorliegende Sammelband gibt mit 22 unterschiedlichen Aufsätzen aus diesem Zeitraum einen gut strukturierten und repräsentativen Überblick des Diskussionsstandes. Die Autoren gehören zu den Meinungsbildnern in diesem Forschungsbereich. Ihre Beiträge sind unter vier Gesichtspunkten geordnet: sie beziehen sich zunächst auf die Ebene von Gruppen und Führungsbeziehungen, dann auf den Bereich von Organisationen und den Beziehungen zwischen Organisationen sowie schließlich auf die Bedeutung von Vertrauen in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Beiträge sind kompakt und geben auch dem praktisch interessierten Leser einen schnellen Einblick in den Stand der Diskussion. Berührt werden Themen wie Netzwerk-Bildung, Austauschbeziehungen in Gruppen, die Bedeutung von Verträgen oder der Zusammenhang von Führung und Vertrauen. Das sind alles Fragen, die Managern, Beratern oder Trainern täglich begegnen. Die Lektüre der vorliegenden Beiträge erhöht die Sensibilität für die Fragilität aller Formen des sozialen Austauschs sowie für die Bedingungen ihrer Möglichkeit. (JF)

 

 

 

 

Christian Berndt/Claudia Bingel/Brigitte Bittner

Tools im Problemlösungsprozess.

Leitfaden und Toolbox für Moderatoren

managerSeminare Verlags GmbH, Bonn 2007,

309 Seiten, Euro 49.90, ISBN-13: 978-3-936075-62-5

 

Drei Aspekte zeichnen dieses Buch aus: Erstens, man spürt durchgehend, dass hier Praktiker am Werk waren, die sowohl wissen, in welchen speziellen Moderationssituationen eine ganz spezielle Methode hilfreich sein kann, die aber gleichzeitig auch profunde Erfahrung haben, wie das Werkzeug gestaltet sein muss, damit es wirklich greift. Zweitens, alle Tools sind im Einzelnen so klar beschrieben und aufbereitet, dass auch ein Anfänger ohne langwierige zusätzliche Sondierungen direkt damit arbeiten kann. Drittens, die Reichhaltigkeit der Tools beeindruckt – und zwar vor allem deshalb, weil die beschriebenen Tools sehr unterschiedliche Dimensionen von Prozessverläufen abdecken. Es geht eben nicht nur darum, die Teilnehmer Kärtchen schreiben zu lassen, diese dann zu gruppieren, um damit den Meinungsbildungs- und gegebenenfalls auch den Entscheidungsprozess zu steuern – worin sich für Viele die Moderation erschöpft –, sondern das Buch gibt auch Hilfestellung zu Themen wie zum Beispiel Kraftfelder von internen und externen Einflüssen sowie spezielle Stadien in Gruppenprozessen, deren rechtzeitiges Erkennen und Bearbeiten oft der eigentliche Schlüssel zum Erfolg ist.

Fazit: ein exzellentes Kochbuch nicht nur für Moderatoren, sondern auch für Change Manager. (KD)

 

Rudi Ballreich/Friedrich Glasl

Mediation in Bewegung

Ein Lehr- und Übungsbuch mit Filmbeispielen auf DVD

Verlag Concadora, Stuttgart 2007,

276 Seiten, Euro 89, ISBN 3-940-11200-3

 

Das Abschlusskapitel beginnt mit dem Satz: „Dieses Buch und der Film auf der DVD bilden ein Ganzes. Zusammen ermöglichen sie gut fundiertes Wissen und Verstehen und fördern das kritische Sehen und Unterscheiden von Konfliktphänomenen.“ Die Rezensentin stimmt dem zu. Ein lohnenswertes Buch! Erstens ist es ein gut aufgebautes Lehr- und Übungsbuch. Zweitens sind diese Inhalte für unsere zunehmend instabilen Gesellschaften, Organisationen und für uns Menschen notwendig. Drittens: „Dieses Buch enthält zum einen Theorien zum Verständnis von Konflikt und Mediation, und zum anderen bietet es zahlreiche Übungen, mit denen sich die LeserInnen Grundkenntnisse und Basisfähigkeiten der Mediation aneignen können.“

Nun zu den Details: Die Autoren Rudi Ballreich und Friedrich Glasl stellen ihren seit Jahren entwickelten Mediationsansatz vor, basierend auf den theoretischen Erkenntnissen des Konfliktmanagements. Mediation in Bewegung wendet sich an PraktikerInnen und Lehrende, die sich mit der Theorie und der Praxis der Mediation auseinandersetzen wollen. Für jene, die sich intensiver theoretisch damit beschäftigen wollen, sei auf das Standardwerk Glasls „Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater“ (2004, 8. Aufl.) hingewiesen.

Nach einer Einführung in das Konfliktverständnis und in die Mediation werden fundierte Informationen zu sozialen Konflikten und deren Auswirkungen (wie auch Deformationen) auf das Denken, Handeln, Fühlen und Wollen aufgezeigt. Denn wie schnell geraten wir Menschen in Simplifizierungen, Zuschreibungen, Pauschalisierungen, in Sturheit, Rigidität, Stress oder Empathieverlust? Erforderlich ist es, zu wissen: Was sind Konflikte? Wie können Konflikte eingeschätzt werden? Auf welcher Eskalationsstufe befindet sich der Konflikt? Wie hängen Stress und Bedürfnisfrustrationen mit der Konfliktdynamik zusammen? Unerlässliche Fragen, die nicht nur für die Lehre/Ausbildung verwendet werden können, sondern auch für Führungskräfte in Unternehmen, um das eigene Konfliktverhalten zu analysieren.

Im Weiteren wird der Ablauf einer Mediation dargestellt. Das Rollenverständnis wird thematisiert, Ziele und Grundstrukturen dargelegt sowie problembezogene, visionsgeleitete oder prozessfolgende Phasenmodelle beschrieben. Das nächste Kapitel wendet sich den wichtigsten Basismethoden der Mediation zu: Wie wird gefragt? Wie wird das Denken geklärt? Wie fasst man zusammen? Wie regt man Perspektivenwechsel an? Wie klärt man Gefühle, Bedürfnisse? Wie kann eine Suche nach neuen Handlungsoptionen geleitet werden? Wie können Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse moderiert werden? Dazu gibt es Übungen und Antworten. Des Weiteren beschäftigen sich die Autoren eindringlich mit der Frage: Wie können MediatorInnen ihre eigene Dialog- und Konfliktfähigkeit weiterentwickeln? Diese Frage geht uns alle an. Wie können wir mit schwierigen Situationen und Gefühlen umgehen? Denkanregungen, die auch für unseren Alltag hilfreich sein können. Gerade die beiden vorab genannten Teile präsentieren ein beeindruckendes Handwerkszeug: Es werden Modelle und über 90 Übungen mit sehr guten Anleitungen für die Arbeit mit Gruppen vorgestellt.

Anschließend wird eine Wirtschaftsmediation präsentiert. Dazu wurde eine in den Niederlanden erstellte DVD als Übungsmaterial produziert, ein Film, der einen Wirtschaftskonflikt eindrücklich beschreibt. Diese DVD können Konfliktpartner zum Kennenlernen der Mediation und zum Abbau von Ängsten und Vorbehalten gegenüber der Mediation sehr wirkungsvoll einsetzen. Das abschließende Kapitel wendet sich grundsätzlichen Thesen zu: Jeder Konflikt erfordert ein situationsgerechtes Vorgehen, welches nondirektive und direktive Interventionen sowie einen flexiblen Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft benötigt. Die qualitative Wendeerlebnisse werden dafür in den Vordergrund gestellt. Abgerundet wird das Buch durch begleitende Dokumente zum Film.

Zusammenfassend kann gesagt werden, das Buch „Mediation in Bewegung“ beeindruckt durch die interdisziplinäre Verwendung von Theorie und Praxis. Es geht um das Initiieren von Wendepunkten auf der kognitiven, emotionalen und intentionalen Ebene mit dem Ziel, des Erarbeitens nachhaltiger Lösungen. Sehr zu empfehlen! (MWF)

  

 

Sonja Bruchhausen

Misserfolgsfaktoren im Projektmanagement

Grundlagen und Analysen

Vdm Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2007,

109 Seiten, Euro 49, ISBN-10: 3-8655-0821-9

 

Das ebenfalls kurze Buch von Bruchhausen kommt mit der schicken Frage nach „Misserfolgsfaktoren“ daher. Es gelingt der Autorin aber nicht, jenseits der bekannten Forschung zu „Erfolgsfaktoren“ einen eigenen Blickwinkel zu etablieren. Der empirische Teil des Buches besteht aus einer Auswertung von 20 Fallstudien und 15 Querschnittsstudien, welche durch zehn Interviews mit Praktikern ergänzt wurden. Insgesamt ist diese Arbeit als Einführung für ein deutschsprachiges Publikum in die meist englischsprachigen Texte zur Erfolgsfaktorenforschung geeignet, als substantiellen Beitrag zur Fortentwicklung der Profession kann man es allerdings nicht betrachten. (MK)


 

Helga Brüggemann/Kristina Ehret-Ivankovic/Christopher Klütmann
Systemische Beratung in fünf Gängen
1. Ein Leitfaden, 149 Seiten, Euro 19.90
2. Praxiskarten, 25 Karten, Euro 16.90
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-49096-9 und ISBN 978-3-525-49097-6

 

Die Systemische Beratung ist ohne Zweifel ein wichtiger Beratungsansatz geworden, weil sie in Zeiten zunehmender Komplexität, Problemverdichtung und dem Druck der Kurzfristigkeit neue Ansätze, Methoden und Instrumente bereitstellt, die auflösend, spielerisch und perspektiverweiternd wirken.

In diesem Büchlein und den Praxiskarten (zur Übung und Anleitung) wird die systemische Beratung in fünf Gängen vorgestellt: 1. Beziehung aufbauen, 2. Anliegen konkretisieren, 3. Bearbeitungs- und Lösungsebene finden, 4. Impulse geben und 5. Gespräche abschließen. Diese Gänge werden im Konzept, in der Methode und jeweils mit Beispielen aus der Praxis von Profit- und Nonprofit-Organisationen dargestellt. In einem leichten und ermutigenden Stil. Und so sind das Buch und die Karten durchaus für Anfänger zu empfehlen. Die Praxiskarten (am Anfang schwer zuordenbar, da nicht die römischen Zahlen der Buchkapitel wiederholt werden) sind für gezielte Gesprächsvorbereitungen, als Gedächtnisstütze und Vertiefung gedacht, sodass man in der Beratungsarbeit nicht das Buch zu Hilfe nehmen muss, sondern kleine Karten nutzen kann, die auch gute Beispielfragen enthalten.

Vom Konzept und dem Inhalt ist beides also zur Einarbeitung und Unterstützung durchaus nützlich. Aber darin liegt auch eine Gefahr: Zu häufig wird der Systemische Ansatz auf die Instrumente und Techniken reduziert und als einfach konsumierbar dargestellt. Das wollen die Autoren offiziell nicht, aber die „fünf Gänge“ im Titel suggerieren das unbewusst. In der Eigenwerbung für Seminare am Schluss des Buches wird es auch deutlich (ein Seminartag soll Aperitif, Vorspeise, Hauptgang, Nachspeise und Digestif liefern). Damit setzt man sich der Gefahr aus, sich zu überfressen und man kann nur auf einen guten Verdauungsapparat hoffen. In einigen Beispielen gefällt mir auch die Duzerei in den Gesprächsbeispielen nicht. Da schwappt die Distanzlosigkeit der Esoterik rüber. Und in der Fußnote auf Seite 101 wird statt des Begriffes „Aufstellung“ der der „Struktur“ vorgeschlagen, da sich die Autoren von den jüngsten Praktiken Bert Hellingers distanzieren. Da machen es sich die Autoren doch zu einfach, denn Helden tauscht man nicht so leichtfertig aus, schon gar nicht deren Inhalte.

Wenn sie Distanz zu den Garnituren der servierten Mahlzeiten halten und Nahrungsaufnahme nicht nur technisch sondern auch als Teil der Lebensphilosophie begreifen, ist das Buch durchaus hilfreich. (KT)

 

Cornelius Boersch/Rainer Elschen (Hg.)
Das Summa Summarum des Managements.
Die 25 wichtigsten Werke für Strategie, Führung und Veränderung.
Gabler, Wiesbaden 2007, 280 Seiten, Euro 37.90, ISBN-10: 3834905194

 

Das Buch Das Summa Summarum des Managements der beiden Autoren Cornelius Boersch (in der Wirtschaft tätig) und Rainer Elschen (Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Banken, Universität Duisburg) bietet jenen, die anfangen wollen, sich mit bedeutenden Werken für Strategie, Führung und Veränderung zu beschäftigen, einen fundierten Einblick. Wie dies schon der Untertitel hervorhebt, werden die nach Meinung der Autoren 25 wichtigsten Werke präsentiert. Ihr Ziel ist es offensichtlich, durch die differenzierte Darstellung ausgewählter Werke, den gegenwärtigen Moden entgegen zu wirken. Fünf Kapitel mit entsprechenden Einleitungen charakterisieren dies: Führung und Organisation, Informationsmanagement, Personalmanagement, Leistungsmanagement und Finanzmanagement. Jedes Kapitel präsentiert fünf ausgewählte Bücher. Kurz, knapp und bündig wird jedes systematisch vorgestellt: Über den Autor, zur Geschichte des Buches, zum Thema, zu Problemen und ausgestattet mit einem kommentierten Inhaltsverzeichnis.

Ausgewählt wurden Bücher aus den letzten 25 Jahren. Im ersten Kapitel „Führung und Organisation“ finden sich bedeutende theoretische Ansätze u.a. aus der Institutionenökonomik (Picot, Reichwald, Wigand oder Williamson), die heute aus der Volkswirtschaft nicht mehr wegzudenken sind. Aber auch Imai und Drucker gehören zum Standardprogramm modernes Managementwissens. Kapitel zwei beschäftigt sich mit Publikationen aus dem Informationsmanagement, wie etwa von Moore und Kaplan. Im dritten Kapitel Personalmanagement werden wegweisende organisationspsychologische Managementpublikationen erläutert, wie die von Bennis, Schmidtbauer oder Hofstede. Das vierte Kapitel Leistungsmanagement nennt die Standardwerke von Hamel, Prahalad, Porter oder Kotler. Abgerundet wird dies im fünften Kapitel mit Publikationen zum Finanzmanagement (Rappaport, Stern, Copeland, Velthuis u.a.).

Folgen sollen jedoch fünf kritische Anmerkungen: Erstens drängt sich der Eindruck auf, es könnte eine gezielte Werbung für die dort präsentierten Bücher sein. Das ist legitim. Für sinnvoller hätte ich es gehalten, wenn ein Teil dieser Bücher, z.B. im regulären Lexikon ökonomischer Werke (Herz/Weinberger 2006) aufgenommen worden wäre. Zweitens stellt sich für mich die Frage: Sind es tatsächlich die wichtigsten Werke? Dies würde ich eher verneinen. Drittens finden sich nur Publikationen, die in den letzten 25 Jahren entstanden sind. Interessant wäre es hier gewesen, wenn ein weiteres Kapitel hinzugefügt worden wäre: Welches sind die wichtigsten Werke in der Geschichte des Managements. Viele der heutigen Publikationen basieren auf diesen alten Büchern; zu nennen wären Werke über Taylor (da wir bereits gerade in Deutschland schon wieder in der Re-Taylorisierung sind), über Kurt Lewin (prägend für die gesamte Entwicklung in der Organisationsentwicklung), Max Weber (um das Funktionieren von Organisationen/Verwaltungen zu verstehen) oder über Henry Mintzberg, Wolfgang Stähle und andere. Viertens bleibt die Auswahl eher auf der klassischen technokratischen Ebene des Managements stehen. Fünftens: Diskussionswürdiges, kritisches und fragwürdiges zu jedem dieser Bücher wurde kaum hinzugefügt – von daher: Die kritische Tiefenschärfe fehlt. Ergo, es bleibt bei einem zwar fundierten aber schlichten Nachschlagewerk.

Positiv hervorzuheben: Die Struktur der einzelnen Beiträge ist sehr übersichtlich und kompetent zusammengestellt worden. Empfehlenswert wäre jedoch das Lesen einzelner Werke. Man kann nur hoffen, dass dieses Sammelwerk auf das einzelne Buch neugierig macht. Andererseits: Lobenswert ist dieses Unterfangen schon. Es bietet der/dem Lesenden einen ersten Überblick und Einstieg in verschiedenste relevante Managementthemen. Übrigens funktioniert dieses Buch wie eine moderne Talkshow in öffentlich-rechtlichen Sendern. Kurz, knapp und bündig wird Managementliteratur vorgestellt. Das Buch kann ohne Wenn und Aber bei Small Talks zwischen Führungskräften bestehen bzw. für angehende Manager ein hilfreiches Nachschlagewerk zur Orientierung sein. (MWF)

 

Kurt Buchinger/Herbert Schober
Das Odysseusprinzip
Leadership revisited
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2006, 245 Seiten, Euro 24.50, ISBN 978 3 608 94143 2
 

Das ist ein Buch über Teams, Teamarbeit und Teamsteuerung, was aus dem Titel nicht ohne weiteres deutlich wird. Und es ist ein sehr gutes Buch, das sich durch eine gelungene Verbindung von verständlicher und durchgearbeiteter Theorie und kenntnisreicher Praxis auszeichnet. Die Autoren zeigen zunächst, dass Arbeiten und Lernen in verschiedenen Teams Ausdruck von Steuernotwendigkeiten moderner Organisationen sind. In bemerkensweiter Klarheit legen sie dar, dass erfolgreiche Teams Klarheit, Vertrauen und Orientierung benötigen. Das bringt eine neue Führungsrolle hervor, die sich insbesondere mit den emotionalen bzw. affektiven Logiken von Gruppen auseinandersetzen muss; dazu gehören Angst sowie Aggression und Trauer, Neugierde und Lust. Im Gegensatz zum Einzelkämpfer-Typus Achilles als Leitbild für eine entsprechende Führungsrolle referenzieren die Autoren auf den listigen Odysseus, der die Kunst des Fragens, der Einbindung, der Steuerung von Komplexität und der Entscheidung meisterlich beherrschte.

Die Autoren argumentieren fundiert, klar und strukturiert. Darüber hinaus bieten sie dem Leser vielerlei sehr konkrete Hinweise durch praktische Beispiele, Checklisten und anschauliche Visualisierungen. Das Buch ist lesenswert für alle Kollegen, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Entwicklung von Teams beschäftigen. (JF)

 

Heinz Becker
Mythos Macht
Wie ist wirksamer Einfluss möglich?
Redline Wirtschaft, Frankfurt 2005, 140 Seiten, Euro 15.90, ISBN 3-636-01266-55
 

In seinem Buch „Mythos Macht“ stellt der Autor einen durch Führungshandeln gestalteten Problemlösungsprozess in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Dabei werden die Betroffenen systematisch eingebunden und es wird um die jeweils passende Lösung gerungen. 
Im Prolog und im ersten Kapitel seines Buches setzt er sich mit den Begriffen Macht, Konsens, Commitment, Kompromiss oder Kommando auseinander und beschreibt, wie z.B. schwierige Entscheidungen fallen oder wie Entscheidungsautismus entsteht.

Unter der Überschrift „Der Fahrplan zum einheitlichen Handeln“ (zweites Kapitel) stellt der Autor in vier Phasen vor, wie passende Lösungen gefunden werden können, die von den Beteiligten gemeinsam getragen werden.

Im dritten Kapitel erörtert er Phänomene wie Rivalität und Starrsinn sowie Unwilligkeit und gibt einen Leitfaden zu Klärungsgesprächen und Teamsitzungen. Mit zwei Praxisbeispielen, die dem Leser den Transfer der erörterten Inhalte in den Unternehmensalltag nochmals verdeutlichen sollen, schließt er dieses Kapitel ab.

Das von einem Managementberater geschriebene Buch lebt sehr von den Beispielen, die das jeweils Geschilderte anschaulich und nachvollziehbar machen. Eine breitere Auseinandersetzung mit dem Mythos Macht, so wie ich sie angeregt durch den Haupttitel des Buches erwartet hätte, findet jedoch nicht statt. Mehr dem Untertitel des Buches entsprechend zeigt der Verfasser auf, wie im Rahmen von Gruppenprozessen Führungshandeln auszurichten ist, damit gemeinsam getragene Lösungen entstehen.

Für (neu ernannte) Führungskräfte, die ihre ersten Schritte in die gerade beschriebene Richtung gehen, hält es Hinweise und Vorgehensweisen parat. (FI)

  

Martin Beirne
Empowerment and Innovation
Managers, Principles and Reflective Practice
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos. 2006, 144 Seiten, GBP 39.95, ISBN 1 84376 246
 

In diesem schmalen Band geht es dem Autor um die 1 Million Euro-Frage: Gibt es einen strikten Zusammenhang zwischen Partizipation, organisatorischem Lernen und Innovation. Oder handelt es sich nur um die emanzipatorischen Träume von unverbesserlichen Industrieromantikern? Er formuliert seine Antwort basierend auf der empirischen Untersuchung von drei unterschiedlichen Projekten: der Einführung von Teamarbeit, der benutzerzentrierten Implementation von IT-Lösungen und der Gestaltung von kulturellem Wandel in einer Organisation. Aus der Perspektive erfahrener Organisationsentwickler und Change-Manager sind die Resultate allerdings wenig überraschend. Der Autor zeigt in seinen Beispielen unter anderem, dass dezentrale Formen der Arbeitsorganisation oder partizipative Veränderungsprozesse keineswegs Selbstgänger sind. Oftmals scheitern wohlgemeinte Ankündigungen an den vielen Schwierigkeiten bei der konkreten Umsetzung. Einer der zentralen Problembereiche sei das Verhalten der unmittelbar in Veränderungen involvierten Führungskräfte, die in Dilemma-Situationen durch überzogene Reaktionen ihre Glaubwürdigkeit verlieren und damit oftmals die Akzeptanz für den Prozess. Ganz interessant ist das Schlusskapitel des Buches, eher ein Appendix, in dem der Autor unterschiedliche nationale und europäische Initiativen zur Optimierung der Arbeitsorganisation zusammenfassend schildert. (JF)

 

Christel Laue/ Reinhard Bachmann (Hrsg)
Trust within and between Organizations
Conceptual issues and empirical applications
Oxford University Press, Oxford 1998, 334 Seiten, ca. DM 135.–

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA bzw. der englischsprachigen Managementwelt wird dem Thema Vertrauen als Mechanismus leistungsfähigerer und menschlicherer Organisationsgestaltung mehr Aufmerksamkeit gewidmet. So erschien die Nr. 3/1998 (Jg. 23) der Academy of Management Review als Schwerpunktheft über «Vertrauen in und zwischen Organisationen» mit einer Reihe beachtenswerter und nützlicher Aufsätze. Der vorliegende Band ist auch hilfreich, vor allem mit einer Reihe darin vertretener Autoren, wie John Child, Horst Kern, Jörg Sydow, u.a., aber er bleibt doch eher eine Aneinanderreihung von Einzelaufsätzen, ohne konzeptionellen Rahmen. Es geht mehr um das Phänomen in verschiedenen organisatorischen und industriellen Kontexten und weniger um den Bezugsrahmen. In dieser Hinsicht ist das Buch aber anregend und kann als Steinbruch genutzt werden.

 

Andrea Back/ Oliver Bendel/ Daniel Stoller-Schai
E-Learning im Unternehmen. Grundlagen - Strategien - Methoden - Technologien
Orell Füssli Verlag, Zürich 2001, 310 Seiten, CHF 64.-/EURO 38.50, ISBN 3-280-02749-7

Wurde das Buch aus dem Klett-Cotta-Verlag als gute Einführung charakterisiert, so wäre dieses Buch - übertragen gesprochen - als Fortgeschrittenen-Kurs zu titulieren. Die AutorInnen - ein Lob dafür, dass sie die Frage der geschlechtergerechten Sprache nicht in eine Fussnote verdrängen - stellen das E-LearningKonzept in ein umfassenderes Referenz-Modell - dem St. Gallener Drei-Ebenenmodell des Business Engineering. Von diesem Ausgangspunkt aus ergibt sich auch die im Subtitel enthaltene Gliederung des Buches, nach der nach den grundlegenden Fragen die Teile Strategien - Methoden - Technologie folgen. Jeder Teil wird dann noch einmal thematisch in Start - Think - Do - Move On gegliedert. Ich habe mich bei der Lektüre vorrangig auf den strategischen Teil konzentriert Hier gelingt den VerfasserInnen eine gute Darstelllung der grundlegenden Aspekte einer E-Learning-Strategie im Unternehmen, der sich im Abschnitt "THINK" dann eine Reflexion der Umsetzung der E-Learn-Strategie als Change-Prozess anschliesst. Im Kapitel E-Learning-Strategie-Prozess wird dann gegliedert nach den Phasen: Ausgangslage - Vision - Strategieplan - Strategieumsetzung - Kommunikationsprozess - Controlling und Evaluation ein idealtypischer Strategieprozess formuliert (hier spürt man die St. Gallener Schule - im positiven wie im negativen Sinne) . Dennoch finde ich den grundlegenden Ansatz - E-Learning als strategische Resource einzusetzen und damit auch in den Kontext der Unternehmensentwicklung zu stellen, wichtig, damit daraus nicht nur ein lerndidaktisches Instrument wird. Im Methoden-Teil geht es dann darum , diese strategischen Ansätze mit einer methodischen Gestaltung von E-Learning-Massnahmen zu vernetzen - um die Lernarchitektur, die Lernräume und -prozesse. Im abschliessenden Teil steht die Technologie- und System-Ebene des E-Learning-Modells im Vordergrund. Angehängt ist ein Glossar der wichtigsten Begriffe. Das Buch ist aus einem konzeptionellen Guss - die einzelnen Teile sind anspruchsvoll: der Lohn der Lektüre ist ein systematischer Orientierungsrahmen für ein unternehmerisches E-Learning-Konzept. (HM)

 

Wilhelm Backhausen/ Jean- Paul Thommen
Coaching. Durch systemisches Denken zur innovativen Personalentwicklung
Gabler Verlag, Wiesbaden 2003, 386 Seiten, Euro 39.90

Die Dichte und der Umfang des Textes stellen einige Anforderungen an den Leser, so dass es eher als Handbuch denn als Gelegenheitslektüre eingestuft werden kann. Ich war ständig versucht, andere Coaching-Definitionen bzw. Beschreibungen zu entwickeln, was auf den hohen Anregungswert des Buches schliessen lässt. Hier wird nicht postuliert, vorgeschrieben oder dogmatisiert, sondern ein Angebot nach den anderen gemacht, durch die systemisch-konstruktivistische Grundhaltung, die eine systemische Beratungsexpertise begründet und ein strategisches Modell des Coaching und der Beratung entstehen lässt.
Die beiden Autoren, Coach und Berater (W. Backhausen) sowie Hochschullehrer (J.-P. Thommen) haben ihre Kompetenzen und Erfahrungen zu einen der besten Coaching-Bücher gekoppelt, die mir bekannt sind. Als äusserst angenehm empfinde ich, dass die Autoren es nicht systemisches Coaching betitelt haben. Und sie warnen in der Einleitung vor der Gefahr bzw. den Folgen, wenn man sich auf die systemisch-konstruktivistische Perspektive einlässt: "man verliert die Unschuld der Sicherheit und damit die Sicherheit der Unschuld". Im ersten Teil des Buches wird auf knapp 100 Seiten eine systematische und komprimierte Einführung in das systemisch-konstruktivistische Denken gegeben. Diese halte ich, gemessen an dem Umfang, für eine der besten Überblicke die ich kenne. Der zweite Teil bietet die Modellentwicklung des Coaching hinsichtlich Prozess und Methoden des Coachings. Hier wird es sehr konkret, d. h. es werden Praxisanleitungen geboten. Der dritte Teil des Buches bietet auf 160 Seiten eine Übersicht über Coaching Programme in der Praxis: bei der Bank Julius Bär, der Schweizerischen Post, bei der SWISS Re, Vorwerk und last but not least bei VW, wo das wohl beste und umfassendste Coaching-Programm etabliert wurde, was sich durch Qualität und deren Sicherung hinsichtlich Coach-Konzept, Coach-Auswahl und Durchführung sowie Weiterentwicklung auszeichnet. Es ist das Resultat einer kongenialen Zusammenarbeit von Dr. Hartz und Frau Dr. Kaul.
Fazit: ein anstrengendes, aber ebenso nützliches wie reichhaltiges Buch. Die Anschaffung kann unbedingt empfohlen werden, vor allem zu dem Preis. Wenn Sie dieses Buch und das von Wolfgang Looss gelesen haben, sind Sie mehr als gut vorbereitet, Ihre Erfahrungen zur eigenen Kompetenzerweiterung auszuwerten.

 

Niklas Luhmann (Dirk Baecker, Hrsg.)
Einführung in die Systemtheorie
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2002, 347 Seiten

Die neuere Systemtheorie ist nach wie vor das wohl fruchtbarste wissenschaftliche Paradigma, das die Theorieentwicklung in ganz unterschiedlichen Forschungsbereichen seit geraumer Zeit ausserordentlich stimuliert. Deshalb ist es ein Gewinn, dass Luhmann's Vorlesungen zu diesem Themengebiet, die bislang nur in Form von Tonbändern zugänglich waren, nun auch in Buchform vorliegen. Der Herausgeber, Dirk Baecker, hat einfühlsam darauf geachtet, dass für den Leser der mündliche Sprachduktus erhalten geblieben ist. Auf diese Weise ist ein aussergewöhnliches Arbeitsbuch entstanden, das den interessierten Leser Schritt für Schritt in das Theoriegebäude der neueren Systemtheorie einführt. Luhmann entfaltet mit grosser Sorgfalt die einzelnen Denkkonzepte seiner äusserst komplexen Begriffsarchitektur und zeigt dabei auf anschauliche Weise, an welchen Stellen er gegenüber den bisherigen Denktraditionen Neuland betritt und welche Erkenntnisgewinne damit verbunden sind. Für jeman- den, der beispielsweise die OE-Tradition mit einer systemtheoretischen Brille beobachtet, ist Luhmann's Beschäftigung mit dem "open system approach" der ja den soziotechnischen Systemansatz gedanklich geprägt hat, von grossem Interesse. Die theoretischen Grundannahmen dieser ersten Generation von Systemtheoretikern und Kybernetikern prägen heute noch das Denken eines Peter Senge in bezug auf die Lernfähigkeit von Organisationen oder eines Dave Nadler in seinem Change Managementkonzept oder eines Fred Malik in seiner Version des St. Gallener Managementansatzes. Diese Konzepte der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts haben wichtige Weichen gestellt, auf denen die neuere Systemtheorie aufbaut, aber in ganz zentralen Punkten auch darüber hinaus gegangen ist. Luhmann zeigt dies an seinem differenztheoretisch gewonnenen Systembegriff, an seiner für vieles weitere grundlegenden These der operationalen Geschlossenheit von Systemen, an seinem Verständnis von Selbstorganisation und Autopoiesis. Eine Schlüsselstelle im Übergang von der Kybernetik erster rdnung zur "second order cybernetics" im Sinne eines Heinz von Foerster nimmt die Rolle des Beobachtens und des Beobachters ein. Entsprechend grosse Prominenz gewinnt dieses Konzept auch bei Luhmann nicht zuletzt deshalb, weil es nicht nur weitreichende erkenntnistheoretische Konsequenzen besitzt, sondern letztlich auch unser Verständnis von sozialen Systemen, insbesondere auch von Organisationen revolutioniert. Die produktiven Möglichkeiten, die in der Unterscheidung organisationaler Selbst- und Fremdbeobachtung liegen, in Verbindung mit dem Kommunikationsbegriff der neueren Systemtheorie haben ja auch das Selbstverständnis der systemischen Organisationsberatung bis heute nachhaltig geprägt.
Im zweiten Teil seiner Vorlesung dekliniert Luhmann seine Theorielandkarten an einigen soziologischen Schlüsselbegriffen durch: Zeit, Sinn, zum Verhältnis von psychischen und sozialen Systemen, Kommunikation, Konflikt, etc. Erst in diesem Teil erschliesst sich die ganze Tragweite des Luhmann'schen Denkens, wenn er zum Beispiel zeigen kann, wie theoretisch gewinnbringend es ist, den Menschen als Umwelt sozialer Systeme zu konzeptualisieren, wie gewöhnungsbedürftig solche Theorieentscheidungen aber auch sind und wie schwer es uns unsere eigenen Denkgewohnheiten und traditionellen Wertorientierungen machen, uns auf solche Weichenstellungen ernsthaft einzulassen. Diese Einführung führt uns vor Augen, dass die neuere Systemtheorie eben nicht so nebenbei als ein Denkkonzept unter anderem konsumierbar ist. Sie nimmt einen heftig in Beschlag und im Moment ist es noch gar nicht so klar, wie der theoretische Standpunkt ausschauen kann, von dem aus man sie wieder loswerden kann. Deshalb Vorsicht, wenn man damit zu experimentieren beginnt!! Luhmann selbst zeigt am Ende seiner Vorlesung für diese Annäherungsschwierigkeiten vollstes Verständnis: "Durchkonstruierte Theorien sind komplizierte Geflechte, Kunstwerke in gewisser Weise. Es ist schwierig, sich auf sie einzulassen und dann noch zu wissen, wie man das wieder relativiert oder wie man davon wieder loskommt" (S. 342). Wie werden Sie sich als LeserIn entscheiden?

 

Dirk Baecker
Organisation als System: Aufsätze
Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1434
Frankfurt am Main 1999, 377 Seiten

Der Autor ist bekannt für seine intelektuell brillianten, immer etwas schräg gegen den Strich gebürsteten organisationstheoretischen Ðberlegungen. In dem vorliegenden Band hat er eine Reihe von Aufsätzen, die er zu unterschiedlichen Organisationsfragen in zum Teil recht schwer zugänglichen Zeitschriften bereits veröffentlicht hat, neu überarbeitet, aktualisiert und mit einem roten Faden versehen, in einem eigenen Buch zusammengefasst (zwei der Arbeiten sind auch der OE, Heft 2/97 und 3/98 entnommen). Die Arbeiten spiegeln allesamt das intensive Bemühen des Autors wieder, den bisherigen Traditionen einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Phänomen Organisation eine eigenständige systemtheoretische Perspektive gegenüberzustellen. Dies geschieht ganz offensichtlich nicht mit dem Ziel, ö eingebettet in die Logik akademischer Reputationsgewinnung ö sich krampfhaft vom Mainstream etablierter Ðberlegungen abzugrenzen. Ihm geht es sichtlich darum, mit einer nach wie vor ungewöhnlichen Theoriearchitektur zu experimentieren, um neue Möglichkeiten zu entdecken, wie die von uns allen spürbaren, tiefgreifenden Veränderungen im Verhältnis der modernen Gesellschaft zu ihren Organisationen begriffen werden können. Hinter diesem bemerkenswerten Engagement steht die Einsicht, dass ein Nachdenken über den rasanten Strukturwandel unserer gesellschaftlichen Verhältnisse ohne ein gesellschaftstheoretisch angeleitetes Verständnis dessen, was das soziale Phänomen Organisation heute ausmacht, nicht weiterführend ist. Organisationen sind zum unausweichlichen Schicksal der modernen Gesellschaft geworden. In diesem Punkt teilt Dirk Baecker voll und ganz die Sicht Max Webers. "Was in ihnen nicht entschieden werden kann, wird nirgendwo entschieden. Und was hier nicht ausprobiert werden kann, hat dann nur noch die Möglichkeit, im folgenlosen Gespräch unter den Leuten als blosse Möglichkeit beschworen zu werden." (S.9) Es würde zu weit gehen, der vorliegenden Zusammenstellung von Aufsätzen den Anspruch auf eine Gesellschaftstheorie der Organisation zu unterstellen. Was sie allerdings schon alle miteinander verbindet ist der Ehrgeiz, "die organisationstheoretischen Ðberlegungen dort auf- zunehmen und weiterzuführen, wo sich Konsequenzen für die Gesellschaftstheorie abzeichnen". (S. 10)

Im Einzelnen beschäftigen sich die Beiträge des Buches mit sehr unterschiedlichen Themenfeldern: mit Fragen des Organisiertheitsgrades von Organisationen, ihrer scheinbaren Ðberkomplexität, mit Themen wie Kommunikation, Wissen, Kultur in und von Organisationen, mit dem Stellenwert von Hierarchie, mit Profit und Management, letzlich mit der Frage, ob und wie Unternehmertum gelehrt/gelernt werden kann. Der Autor selbst sieht vier Kernthemen, die dieses reichhaltige Spektrum an inhaltlichen Schwerpunkten durchziehen. Da ist einmal die Betonung des autonomen Systemcharakters von Organisationen. Diese schaffen sich ihre Identität selbst und entwickeln dieselbe auf Basis ihrer eigenen Geschichte, ihrer eigenen Strukturen und Zukunftsvorstellungen weiter. Organisationen werden nicht von Aussen gesteuert, auch wenn der Kapitalmarkt und seine Analysten mit Hilfe der Shareholder-Value-Philosophie diese Suggestion neuerdings wieder zu revitalisieren versuchen. Seit Jahren wird man nicht müde, auf die unzulässige Komplexitätsteigerung von Unternehmen hinzuweisen. Die Sehnsucht nach Einfachheit prägt viele (beratergestützte) Veränderungsvorhaben. Für Dirk Baecker ist die beobachtbare Steigerung der Eigenkomplexität von Organisationen eher die Lösung des Problems betriebswirtschaftlicher Optimierungen als das Problem selbst. Er zeigt, wie die vielfältigen Versuche, alles wieder zu vereinfachen, letzlich das Ganze nur noch komplizierter machen. Dem Thema Komplexität ist selbst wiederum nur mehr mit Komplexität beizukommen. Deshalb plädiert er für flexible Organisationsarchitekturen mit "hinreichend robuster Komplexität", die neue Umweltanforderungen im System nach eigenen Selektionskriterien bearbeitbar machen. Das dritte Leitthema des Buche sieht der Autor in der Frage der Selbstorganisation. Dieser Begriff hat bei ihm weniger mit dem normativen Begriff der OE-Tradition zu tun, die diesen gerne als Gegenbegriff zur Hierarchie stilisierte. Gerade vor diesem Hintergrund ist der ganz ausgezeichnete Artikel "Mit der Hierarchie gegen die Hierarchie" in dem vorliegenden Buch wärmstens zu empfehlen. Im Kontext der Fragen der Selbstorganisation diskutiert Baecker auch das vielstrapazierte Thema der Organisationskultur. Unter der kulturellen Perspektive zieht die Organisation für sich selbst eine Vergleichsebene ein, die es ihr ermöglicht, im Unterschied zu anderen zu sehen, was das Besondere der eignen historisch gewachsenen Identität ausmacht, und was davon für künftige Realitäten noch brauchbar erscheint. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur besitzt die paradoxe Konsequenz, dass all das, was einem bislang als so selbstverständlich, gleichsam "natürlich" schien, plötzlich kontingent wird. Als viertes Kernthema identifiziert Baecker das der Reflexion. Wenn Komplexität nur mit Komplexität zu "bekämpfen" ist, dann ist die Steigerung der Reflexionsfähigkeit von Organisationen jene zentrale Kompetenz, die die Antwortfähigkeit von Organisationen angesichts der Unkalkulierbarkeit ihrer relevanten Umwelten sichern hilft. Diesen Zusammenhang bearbeitet er am Beispiel der an sich schon paradoxen Frage, was Universitäten zur Ausbildung von Unternehmen beitragen können.

Insgesamt ein durch und durch intelligentes Buch, mit viel Sprachwitz geschrieben, zweifelsohne nicht im üblichen Sinne "konsumierbar" (einfach so nebenbei drüberfliegend und nach Bestätigung eigener Ðberzeugungen suchend). Seine eigentliche Fruchtbarkeit entfalten die einzelnen Beiträge erst, wenn man das Ganze da drin enthaltene Irritationspotential bei sich selbst zur Geltung kommen lässt, manches mehrfach liest und wenn man in Kontext eigener Erfahrungen mit den verwendeten Kategorien und Argumentationsmustern selbst zu experimentieren beginnt. Diese Art von Aneignung ist jedem, der professionell mit Organisationen zu tun hat, heftig zu empfehlen. Der Zugewinn an Beobachtungsmöglichkeiten wird den Aufwand um ein Vielfaches entlohnen.

 

Dirk Baecker
Organisation und Management
Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2003, 347 Seiten

Der vorliegende Band enthält eine Reihe von Aufsätzen, die in den letzten Jahren entstanden sind und das Ringen des Autors um ein dem Komplexitätsniveau einer globalisierten Weltgesellschaft angemessenes Organisationsverständnis wiedergeben. Eingebettet in dieses Verständnis kristallisiert sich Schritt für Schritt eine Managementlehre heraus, die sich kompromisslos dem gegenwärtigen Stand einer systemtheoretisch inspirierten Theorieanlage verpflichtet fühlt, aber doch auch um Brücken zu traditionelleren Führungs- und Managementtheorien bemüht ist. In diesem Sinne greift er an mehreren Stellen das am weitesten verbreitete Bild von Organisation auf, derzufolge diese eine ausgefeilte Technik ist, "mit gegebenen Mitteln ein gegebenes Ziel auf möglichst sparsame und effiziente Art und Weise zu erreichen" (S. 28). Diese instrumentelle Sicht legt es nahe, das Kernproblem von Organisationen darin zu sehen, mit höchstmöglicher Rationalität einen gegebenen Input in den erwünschten Output zu transformieren. "Tatsächlich sind Organisationen aber nur insofern am Erreichen eines Zweckes interessiert, als dieser Zweck sicher stellt, dass sie weitermachen können" (ebenda). Diese Annahme legt es nahe, Organisationen als sich selbst organisierende, lebende Sozialgefüge zu verstehen, deren Energien allesamt auf die Fortsetzung ihrer Existenz gerichtet sind. Dafür sind sie bereit und in der Regel auch in der Lage, Mittel und Ziele auszutauschen, wenn dies dem eigenen Überleben dient.
Dirk Baecker macht bereits in seiner Einleitung eindrucksvoll deutlich, was es beispielsweise bedeutet, mit einem derartigen Blick auf Wirtschaftsorganisationen zu schauen. Bei diesem Typus ist es besonders selbstverständlich, von einer schlichten Zweck/Mittelrelation auszugehen. Allen ist klar, es geht um Wertschöpfung, um Kapitalbildung, um die Erwirtschaftung einer überdurchschnittlichen Rendite. Diese unhinterfragte Selbstverständlichkeit übersieht allerdings, dass diese Fähigkeit keineswegs mit der "Natur" von Organisationen schon grundgelegt ist, sondern unter ganz voraussetzungsvollen Bedingungen erst erzeugt werden muss. Denn beobachtet man Organisationen als Unternehmen, "dann unterwirft man sie einem ihnen an sich fremden Gesichtspunkt, nämlich der Frage, ob sie mit einem akzeptablen Kostenaufwand dazu beitragen können, wirtschaftliche Gewinne zu erzielen" (S. 11). Die Möglichkeit der Anwendung des ökonomischen Kalküls auf Organisationen trifft auf kein von vornherein grundgelegtes Potenzial. "Denn in Organisationen geht es alles andere als wirtschaftlich zu" (ebenda). Wenn wir von Unternehmen sprechen, dann gehen wir immer schon von dem Umstand aus, dass wir es hier mit einer an sich ökonomischen Veranstaltung zu tun haben. Deswegen "kann in letzter Konsequenz der Eindruck entstehen, als sei die Unternehmung eine wirtschaftliche Organisation. Tatsächlich muss sie dazu immer erst und zwar durch die Anwendung einer ganz bestimmten Unterscheidung gemacht werden" (ebenda).
Man kann hinzufügen, dieses "Zur-Unternehmung-Machen" ist kein einmaliger Akt, sondern muss von Tag zu Tag aufs neue gegen die widerspenstige Eigendynamik organisationalen Geschehens durchgesetzt werden. Unter anderem an dieser Stelle braucht es so etwas wie Führung und Management, um die Organisation jeweils mit jenen Soll/Istdifferenzen zu versorgen, die die Fortsetzung der eigenen Suche nach Überlebenschancen erfolgreich möglich machen. Das neue Buch von Dirk Baecker "nährt" den/die interessierte(n) LeserIn mit einer Fülle solcher Einsichten, die uns helfen, die Selbstverständlichkeit unserer eingespielten professionellen Sehgewohnheiten überhaupt erst einmal zu entdecken und dabei dann auch auszuprobieren, wohin es führt, einmal auch mit ganz anderen Brillen zu experimentieren. Dieses Buch ist gerade für Theorieinteressierte aus der OE-Szene eine wahre Fundgrube, ihre tradierten Grundannahmen über Organisation, Management und Beratung auf den Prüfstand zu stellen.



Dirk Baecker (Hrsg.)
Schlüsselwerke der Systemtheorie
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, 352 Seiten, Euro 24.90, ISBN 3-531-14084-1

Dirk Baecker leitet seinen Herausgeberband mit dem Blues des Bedauerns vergangener Zeiten ein. Er konstatiert, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt um die Systemtheorie neben einem «kleinen Zirkel unverdrossener Systemtheoretiker» still geworden sei. Konkret heißt dies, dass es aus seiner Sicht in jüngster Vergangenheit keine tragfähigen Beiträge zur Entwicklung der erkenntnistheoretischen Grundlagen der Systemtheorie gibt: Diese Grundlagen speisen sich heute im Wesentlichen aus biologischen und soziologischen Forschungsergebnissen der 40er- bis 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts und beeinflussen nach Baecker derzeitig vor allem die Szenerie der systemischen Berater und Therapeuten; in andere Forschungsprogramme werden sie allenfalls fragmentartig eingespeist. Diese Feststellung erfolgt nicht ohne den Unterton eines Rufes nach Korrektur. Das Buch soll archivarische Arbeit leisten. Es ist eine Sammlung zu Schlüsselwerken der Systemtheorie. Schlüsselwerke sind dabei nach eigener Definition solche Bücher, die Überlegungen entfalten, auf deren Basis die Entwicklung einer spezifischen Systemtheorie möglich war oder ist. Die Darstellung und Aufarbeitung der Schlüsselwerke wird nicht von den Autoren selbst, sondern (in deutscher Sprache, teilweise übersetzt aus dem Englischen oder Französischen) von Autoren aus den Forschungsgebieten der Biologie, Mathematik, Pädagogik, Politologie, Psychologie und Soziologie vorgenommen, die seit längerem in diesem Themenfeld publizieren. Leitend war bei der Auswahl der Werke, so in der Einleitung, dass diese ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb des systemtheoretischen Diskurses aufweisen und dennoch zur Systemtheorie als gemeinsamen Rahmen beitragen. Vorab erarbeitet Dirk Baecker in acht Punkten Kernfragen der Systemtheorie rund um die Idee der Kommunikation, des Subjektes, des Seins, der Differenz, des Beobachters, der Temporalisierung, der Kritik und der Kognition. Besprochen werden daraufhin unter anderem Bücher (auf jeweils drei bis dreißig Seiten), die die Position des radikalen Konstruktivismus (Maturana und Varela 1980; Varela 1979; von Neumann 1958), der Kybernetik erster und zweiter Ordnung (Ashby 1952; Pasks 1961; Wiener 1948) begründen, die die Position des Beobachters verdeutlichen (Ruesch und Bateson 1951; von Foerster 1981), das Konzept der operationalen Geschlossenheit psychischer Systeme erarbeiten (McCulloch 1965; Parsons 1951) oder solche, die die Differenz zwischen Umwelt und System beleuchten (Luhmann 1984).  Die Erarbeitung der «Schlüsselwerke» im Band folgt keiner einheitlichen Struktur. So nehmen die Beiträge kaum explizit auf den Terminus «Schlüsselwerk» im Baecker’schen Verständnis Bezug. Die meisten Beiträge beschränken sich auf einen darstellenden Zugang (z.B. Beiträge zu Parsons 1951, Pasks 1961, Spencer-Brown 1969, Wiener 1948), wenige nehmen eine Einordnung des Buches im Gesamtwerk der Autoren vor oder setzen das jeweils besprochene Buch zum allgemeinen Diskurs der Systemtheorie in Beziehung (z.B. Beiträge zu Deutsch 1963, Ruesch und Bateson 1951). Es ließe sich nun mutmaßen, dass eine Zusammenstellung von Kommentaren zu Werken der Systemtheorie Studierenden einen ersten Überblick gewährt oder Promovierenden eine Einordnung ihres systemtheoretischen Zuganges im Gesamtdiskurs ermöglicht. Eine generelle Aussage ist dazu nicht möglich, da die Autorinnen und Autoren des Bandes eine recht unterschiedliche Herangehensweise in der Aufarbeitung der Werke wählen.

Der Herausgeberband leistet ohne Zweifel archivarische Arbeit. Der Anspruch wird damit recht tief gehangen, jedoch lässt sich die Frage nach der Zielgruppe auf diese Weise nicht vom Tisch wischen. Bücher bzw. Herausgeberbände haben Adressaten (nicht das Archiv!), diese bleiben – auch wenn man sich einmal zur Lektüre entschlossen hat – unklar. Vielleicht liegt die Leistung des Bandes darin, dass es den im organisationstheoretischen Zugriff oftmals anzutreffenden Fokus («Die Systemtheorie ist soziologisch und von Niklas Luhmann.») relativiert und systemtheoretisches Denken als ein im Kern eklektisches, auf externe Anregung angelegtes darstellt. Allein das ist im gelegentlich ideologieschwangeren Getümmel um die Systemtheorie eine durchaus nützliche Erinnerung. (AF)

 

Dirk Baecker/ Frank E.P. Dievernich/ Thorsten Schmidt (Hrsg.)
Strategien der Organisation. Ressourcen – Strukturen – Kompetenzen
DUV-Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, 448 Seiten, Euro 59.90, ISBN 3-8244-0771-X

Um es gleich vorweg zu sagen: dies ist kein Sammelband über strategisches Management, sondern über Organisation, die allerdings strategiebasiert ist und sein sollte. Strategien, so Dirk Baecker im Vorwort, ergeben sich aber «aus der Analyse der Möglichkeiten der Organisation mit den Mitteln der Organisation», Organisation ist Voraussetzung und Produkt ihrer Strategie zugleich. «Organisation ist bereits eine Strategie, wenn Führung und Management weitere Strategien aus ihr gewinnen und an sie, als käme sie von aussen, herantragen.» Die Beiträge des Buches sind ein Exempel für einen immer auch strategischen Umgang der Organisation mit sich selbst. Auch dieser wichtige und sehr empfehlenswerte Sammelband resultiert aus Diplomund Hausarbeiten von Studenten der Universität Witten/Herdecke. Mit genauem Blick auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen wird die Organisation «als historisches, soziales und nichttriviales System betrachtet ..... dass die verschiedenen Ebenen zu einer eigenwilligen und eigendynamischen Struktur kombiniert.»  Die einzelnen Beiträge beschäftigen sich mit Organisationen und ihrer Identität (J. Günther) und den Machtspielen im Unternehmen. Diese anspruchsvolle Beitrag ist als interessanter Perspektivwechsel der Mikropolitik-Diskussion zu sehen. Nicht weniger fordernd ist der zweiteilige Beitrag von M. Flötotto-Wanga zur Koevolution von Organisation und Management, also mehr als deren Wechselwirkung. D. Metz beschäftigt sich in dem Beitrag über die Beratung komplexer Organisationen mit einer Analyse des Interaktionsverständnisses aus expertenorientierter und systemtheoretischer Perspektive. Es geht um die Steuerung und die Prozesse der Beratung. Einen Reformulierungsversuch der klassischen Steuerungskonzeptionen des Controlling auf Basis der neuen Systemtheorie wagt Th. Zimmermann in ihrem Beitrag über das Controlling als Steuerungsinstrument in komplexen Systemen. Diese Aufsatz ist eine Pflichtlektüre für reflektionsbereite Controller. Der in einer Handelshaus Praxis entstandene Beitrag von D. Albrecht zu den Zielen und Prozessen des Handelns versucht eine Antwort auf die Frage zu finden, wann Händler auftreten können. Ebenso wie dieser Aufsatz, bietet auch der Beitrag von H. Koch zur Transformation polnischer Agrarbetriebe (Auswege aus dem Dilemma der europäischen Landwirtschaft?) einen Perspektivwechsel, eben und gerade wenn man nicht Händler oder Agrarexperte ist. Hier wird gezeigt, wie die Strategien der Organisation wirken, die ja Teil der Organisation selbst in einem bestimmten Kontext sind. Ich würde unsere Leser gerne ermuntern, sich der Mühe der Lektüre (auch selektiv) zu unterziehen, weil man zur Neugier motiviert wird und damit offen wird für neue Fragen. Antworten bekommen Sie ja zuhauf, täglich, kostenlos und überall. (KT)

 

Dirk Baecker/ Frank E.P. Dievernich/ Thorsten Schmidt (Hrsg.)
Management der Organisation. Handlung – Situation – Kontext
DUV-Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, 492 Seiten, Euro 65.90, ISBN 3-8244-0770-X

Schwierig wird es in sozialen Systemen dann, so Dirk Baecker in seinem Vorwort, wenn zu möglichen Handlungen und vorliegenden Situationen zusätzlich eine Organisation mit ins Spiel kommt. Denn diese ist «ein intervenierender Faktor, der bewirkt, dass unterschiedliche Handlungsverständnisse und unterschiedliche Situationsbewertungen aufeinander stossen, die sich zum Teil ergänzen, sich zum Teil widersprechen und sich zum Teil gleichgültig sind. Das Management dieser unterschiedlichen Handlungsverständnisse und Situationsbewertungen ist die Bewährungsprobe des Managements. Es besteht diese Bewährungsprobe nur, wenn es sich darauf beschränkt, Mittel im Hinblick auf Ziele und Ziele im Hinblick auf Mittel zu kalkulieren.» «Im Kontext von Organisation kann nur ein Management bestehen, das zusätzlich zum Kalkül der Ziele und Mittel über Go- und Stopregeln für die einzelnen Projekte, Massnahmen, Absichten und Vorgehensweisen der Organisation verfügt.... Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit den Fragen, wie diese Regeln des Managements in Organisationen aussehen, deren Strategien, Routinen und Ressourcen laufend auf dem Prüfstand stehen.» Die Beiträge resultieren aus Diplom-Arbeiten an der Universität Witten/Herdecke und sind ein Zeugnis der höchsten Qualität der Studenten bzw. der Institution und zugleich exzellente Beispiele für die Anwendung der Systemtheorie, schliesslich lautet die Devise von Lehrstuhlinhaber Baecker, dass sich «erst in der Theorie die ganze Praxis erschliesst». Im ersten Beitrag untersucht H. van Zijderfeld am Beispiel der Deutschen Bahn AG das Strategische Management als Transformationsfaktor komplexer Unternehmen. Auch Ch. Hoefert beschäftigt sich mit dem strategischen Management unter der Fragestellung, welchen Unterschied Akquisitionsentscheidungen machen. Einen weiteren sehr bemerkenswerten Beitrag leistet F.T. Greschkowitz mit seiner Untersuchung über die Relevanz der Unternehmenskultur für den Erfolg von Fusionen, Übernahmen und Allianzen. Es ist ein wirklich wichtiges Thema. K. Glatzel setzt sich sehr lebhaft mit den Wachstumsschmerzen von jungen Unternehmen auseinander, bzw. wie diese als Folge des Wachstums ihre Formalisierungsprozesse steuern. D. Schumann liefert eine der wenigen aber sehr nützlichen Arbeiten zu Corporate Universities bzw. deren strategischem Implementierungspotenzial.
Im 6. Kapitel entwirft St. Greca ein Konzept für Schulkonformes Management, was für die Leser, die sich mit der OE der Schule beschäftigen, von allergrösstem Interesse sein dürfte. Nicht weniger interessant und bemerkenswert ist der Beitrag von Ch. Braun, der heu-te als Kundenmanager am Nationaltheater Mannheim wirkt, über Ökonomie und Kunst an einem Opernhaus. Er untersucht die organisatorischen und strategischen Besonderheiten. Dieser Band kann ohne jede Einschränkung auch denen empfohlen werden, die nicht ihren spezifischen Arbeitskontext abgebildet finden. Es ist nur zu bedauern, dass in den Marketing getriebenen Verlagen der ganze Schwachsinn von unreflektierten Moden mit griffigen Titeln so viele Abnehmer findet, während so wichtige Analysen, Konzeptentwürfe und Aufklärungen im nützlichen (nicht ideologischen) Sinne wie dieses Buch ein Schattendasein in einem Wissenschaftsverlag erleiden. (KT)

 

Dirk Baecker
Poker im Osten. Probleme der Transformationsgesellschaft
Merve Verlag, Berlin 1998, 144 Seiten

Seit der Novemberrevolution 1989, dem Falle der Berliner Mauer und dem dadurch ermöglichten Prozess der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ist nun fast ein Jahrzehnt vergangen. Willy Brand's Prognose, dass zusammenwachsen wird, was zusammengehört, ist nur sehr bedingt in Erfüllung gegangen. Wohl haben die staatlichen Strukturen sich einander formell angeglichen, gleichzeitig sind viele alte Differenzen aufrecht geblieben, so manche neue sind in diesen Jahren entstanden und haben sich vertieft. Die Euphorie der ersten Monate ist einer tiefen Ernüchterung auf beiden Seiten gewichen. Dirk Baecker liefert in seinem Buch eine faszinierende Beschreibung des Transformationsprozesses der alten DDR-Gesellschaft in das wiedervereinigte Deutschland, so wie es sich dem Beobachter heute präsentiert. Er nutzt den Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, um zu zeigen, dass hier nicht die eine Gesellschaftsformation über die andere gesiegt hat. Unterliegt man nicht den alten ideologischen Entgegensetzungen des Ost-Westkonfliktes, dann entdeckt man die "Einheit des Systems, in dem Sozialismus und Kapitalismus zwei Seiten einer Medaille sind. Sie sind zwei Ausprägungen des neuen Systems der modernen Gesellschaft, nur durch eine Falte, eine Nicht-Linearität, eine Diskontinuität voneinander getrennt" (S.19). Mit Hilfe eines elaborierten gesellschaftstheoretischen Begriffsrepertoires entschlüsselt der Autor die entscheidenden Paradoxien, in die der scheinbar so triviale Transformationsversuch einer abgewirtschafteten sozialistischen Gesellschaft in eine kapitalistische geraten ist. So ganz nebenbei kann sich der Leser anlässlich dieser brillianten Analysen auch über einen Transformationsbegriff informieren, der dem Komplexitätsgrad solch weitreichender gesellschaftlicher Veränderungen wirklich angemessen ist. An dieser Stelle mag sich gerade auch der Organisationsfachmann viele Anregungen für sein Verständnis organisationsbezogener Umgestaltungsprozesse holen, wenn er sich auf die zugrundegelegte Theoriesprache einzulassen vermag. Besonders wichtig halte ich Baecker's These, dass die Wiedervereinigung nicht nur die Identität der Bürger in den neuen Bundesländern nachhaltig berührt hat, sondern dass auch die identitätsmässigen Rückwirkungen auf die westdeutsche Gesellschaft nicht zu unterschätzen sind. "Die Ironie der Transformation des Sozialismus in den Kapitalismus liegt darin, dass es längst auch um eine Transformation des Kapitalismus geht" (S.126). Hält man sich die radikalen Strukturveränderungen einer globalisierten Weltwirtschaft vor Augen und deren Auswirkungen auf die darin operierenden Unternehmungen, so wie wir sie in den letzten Jahren auf das Intensivste beobachten können, dann lassen sich unzählige Belege für diese These finden. Am Ende des 20. Jhdt. sind wir selbst in einschneidenden Umbrüchen und Übergängen befangen, die zu begreifen und beschreibbar zu machen, alle Anstrengungen erfordert. Vieles deutet daraufhin, "dass wir es nicht mit einem Problem der Transformation des Sozialismus in den Kapitalismus zu tun haben, sondern mit Problemen einer Transformationsgesellschaft, die weder nach dem Modell des Sozialismus noch nach dem Modell des Kapitalismus verstanden werden können. Statt dessen sucht diese Gesellschaft nach einem neuen Verhältnis von Organisation und Gesellschaft, dem sowohl die Suggestion des Sozialismus (das haben alle gemerkt) als auch die Suggestion des Kapitalismus (das werden wir noch merken) geopfert werden mussten..." (S. 113). Diese Diagnose weist ein weiteres mal darauf hin, wie zentral die Auseinandersetzungen um die Zukunft der Organisationsentwicklung heute geworden ist und wie wichtig für diese Frage ein fundierter gesellschaftstheoretischer Hintergrund ist. Für beides bietet das vorliegende Buch eine ganz exzellente Grundlage. (RW)

 

Dirk Baecker/Michael Hutter
Systemtheorie für Wirtschaft und Unternehmen.
Heft 1/1999 der Zeitschrift «Soziale Systeme»
Verlag Leske + Budrich, Leverkusen 1999, 207 Seiten, DM 48.–

Der vorliegende Band enthält die Vorträge einer Konferenz gleichen Namens, die die beiden Herausgeber 1998 an der Universität Witten/Herdecke ausgerichtet haben. Mit der Konferenz ist auch die Frage verbunden, «ob es der Systemtheorie, die nach dem Tod von Niklas Luhmann in ihre zweite Phase übergeht, und der so stark von ihm als einem einzigen Autor geprägten Gesellschaftstheorie gelingt, ein Forschungsprogramm zu entwickeln, das für den ständigen Gebrauch in den einzelnen Sozialwissenschaften taugt.» Die 10 Aufsätze zeigen beispielhaft, wie eine kommunikations-orientierte systemtheoretische Perspektive die Beobachtung von Unternehmensorganisationen und ihrer Wirtschaft verändert. Einige sollen hier beispielhaft erwähnt werden: R. Stichweh untersucht die Globalisierung von Wirtschaft und Wissenschaft, M. Hutter die Geschichte und Zukunft der knappen Resourcen, D. Borger den Sinn des Rechnungswesens, G. Walger und F. Schenkrug die Dienstleistungen, A. Menne-Haritz die Schliessung und Öffnung der Verwaltungsentscheidung, R. Wimmer die Möglichkeiten der Grenzen einer radikalen Transformation von Organisation und F.B. Simon Organisation und Familien als soziale Systeme, worüber er in diesem Heft auch einen Beitrag veröffentlicht. Dieser Band ist in der Anwendungsarbeit der Systemtheorie bedeutend und sicherlich eine wichtige Veröffentlichung, die das Bemühen um die Relevanz aber auch die noch vorhandenen Grenzen der Systemtheorie spiegelt.

 

Susanne von Baeckmann
Downsizing - zwischen unternehmerischer Notwendigkeit und individueller Katastrophe
Hampp-Verlag, München 1998. ISBN 3-87988-336-X

Dieses Buch erschien bereits 1998 - weil sein Thema sehr aktuell ist, haben wir uns entschieden, es zu rezensieren. Susanne Baeckmann hat ihre Dissertation dem Thema "Downsizing" gewidmet und so liest sich das Buch mit wissenschaftlichem "Touch", ohne deshalb allerdings weniger brauchbar für die Praxis zu sein. Das gilt vor allem für den 1. Teil, in dem die Autorin aus psychologischer und soziologischer Perspektive Konzepte und Konsequenzen von Downsizing für Individuen und Organisationen herausarbeitet und darstellt, wie Downsizingprozesse die Relation Mitarbeiter - Unternehmen beeinflussen und verändern. Für Führungskräfte und Changemanager sehr kognitiv und emotional anforderungsreiche Situationen, geht es doch darum, der jeweils persönlichen Logik des emotionalen Verarbeitungsprozesses auf der Seite des Individuums gerecht zu werden (vgl. Modell von Noer aus "healing the wounds") und die kontraproduktiven Folgen auf der Ebene von Gruppen und der Organisation (z.B. Defensivroutinen, Ressourcenkosten, Kontrolle zentralisieren, Polarisieren, Misstrauen in Führung) hintanzuhalten. Dabei widmet sie dem "Survivor Syndrom" und was Führung tun kann, um negative Auswirkung zu vermeiden, gebührend Aufmerksamkeit und fasst in diesem Kontext vor allem die amerikanische Managementliteratur klar und übersichtlich zusammen. Das gibt einerseits Orientierung und Ideen für die Managementpraxis - zugleich vermisst man als Leser aus Deutschland oder Österreich (in der Schweiz ist die Situation noch einmal anders) das Zusammenwirken von Management und Betriebsräten - mit all seinen Licht- und Schattenseiten. Im 2. Teil fasst Baeckmann die Ergebnisse der qualitativen Sozialforschung-Interviews mit "Tätern" (Entscheider, Verantwortliche, "Überlebenden"/bleiben im Unternehmen) und "Opfern" (verlassen das Unternehmen) zusammen und entwickelte daraus einen Fragebogen, aus dessen Ergebnissen sie praktische Gestaltungsstrategien ableitet. (BH)

 

Christoph Badelt (Hrsg)
Handbuch der Nonprofit-Organisation Strukturen und Management
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997, 475 Seiten, DM 78.-

Die Handbücher für das Management, Organisation und Entwicklung von Nonprofit-Organisationen werden zahlreicher, kein Wunder bei der Vielzahl der Bemühungen, diese Systeme (bei geringerem Know how) ökonomischer zu gestalten, ohne die humanitären Ziele auf dem Altar des Mammon zu opfern. Der Begriff Nonprofit muss allerdings in der negativen Konotation hinterfragt werden. Es müsste doch heute Non-for-Profit beziehungsweise sozialwirtschaftliche Organisation/Unternehmen (Graf) heissen. Die Sammlung von Experten-Aufsätzen zu allen Aspekten des Managements und Organisation (und Veränderung) von NforPs bietet eine umfassende Thematisierung, wobei auch die deutschen, österreichischen und schweizerischen Verhältnisse berücksichtigt werden. Neben der betriebswirtschaftlichen werden auch die volkswirtschaftliche, die soziologische und die juristische Dimension behandelt. Insgesamt also ein systematischer und umfassender Überblick, den der Wiener Professor Ch. Badelt herausgegeben hat, der aber notgedrungen nicht immer die Tiefe erreichen kann, die man sich wünscht (so z.B. bei den Organisationsstrukturen oder dem systemischen Veränderungsmanagement). Aber die vielen Literaturhinweise ermöglichen eine weitere Vertiefung, was eigentlich vorausgesetzt werden muss.

 

Christof Baitsch, Ines Delbrouck, Karin Jutzi (Hrsg.)
Organisationales Lernen. Facetten aus Theorie und Praxis

Rainer Hampp Verlag
München und Mering 1999
106 S., DM 34.80

In diesem 9. Band der Schriftenreihe "Arbeit, Organisation und Personal im Transformationsprozess" werden Beiträge einer Fach-tagung des Projektes Lernmobil der TU Chemnitz präsentiert. Der Ansatz ist interessant: die klare Abgrenzung des organisationalen Lernens vom Lernen der Individuen in der Organisation und die Fokussierung auf Klein- und Mittelbetriebe. Da werden differenzierte Lernkonzepte vorgestellt, es wird mit Mythen der Lernenden Organisation abgerechnet, und es werden Fragen aufgenommen, die sonst meist euphorisch übergangen werden. Wie initiiere ich ein Lern-Projekt in einem Unternehmen, wenn das ganze Unternehmen nur die Grösse einer Projektgruppe hat? Was, wenn personelle und materielle Ressourcen direkt aus den zentralen Geschäftsbereichen abgezogen werden müssen, weil das Unternehmen klein ist und die meisten Funktionen in Personalunion wahrgenommen werden? Ein Wermutstropfen ist die schwere Lesbarkeit der Texte. Hier waren Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen am Werk, und sie sind leider bei ihrer innenorientierten Sprache geblieben. Um zu verstehen, muss man schon wissen... Schade, damit bleibt gerade die Zielgruppe der beschriebenen Forschung, die pragmatisch orientierten Klein- und Mittelbetriebe, aussen vor.

 

Tim G. Andrews/ Nartlanin Chomprusi/ Bryan J. Bladwin
The Changing Face of Multinationals in Southeast Asia
Routledge, London and New York 2003, 333 Seiten, 22.99 £, ISBN 0415260956

Das Bild von Asien im Business wurde Ende des letzten Jahrhunderts von Japan und wird heute von China und zunehmend auch von Indien geprägt. Dabei sind andere Volkswirtschaften und Kulturen, die vom Potenzial her locker an europäische Dimensionen heranreichen, etwas aus dem Blick geraten. Dazu zählen besonders Thailand, Indonesien, Malaysia, aber auch die Philippinen, Vietnam, Laos, Myanmar, Kambodscha und Singapur. Natürlich lässt sich angesichts der unterschiedlichen Geschichten und Voraussetzungen dieser Länder kein einheitliches Bild darstellen. Andererseits hat die wirtschaftliche Krise in den 90er-Jahren die Rahmenbedingungen für diese Nationen und den dort tätigen mulinationalen Unternehmungen vor vergleichbare Herausforderungen gestellt. Sie mussten sich von Mitabeitern trennen, Strukturen den globalen Wettbewerbsbedingungen anpassen und ihre strategischen Ausrichtungen verändern. Damit gingen Konflikte einher, die ihre Ursachen in lokalen Besonderheiten und Kulturen hatten. Die Autoren zeigen im Detail, wie diese Konflikte einmal in den Binnenstrukturen und HR-Strategien der Unternehmungen gelöst wurden, zum anderen aber auch in veränderten Marketing-Strategien. Sie zeigen an interessanten und anschaulichen Beispielen, wie sich dort Kompromisse herausgebildet haben, etwa bei der Präsentation globaler Marken in der Werbung, die aber auf lokale Besonderheiten und kulturelle Sensibilitäten Rücksicht nehmen müssen. Dieser Band ist wichtig, weil er jenseits vom populären Mainstream asiatischer Wirtschaftsliteratur auf diese gleichfalls wichtige Region und ihre Entwicklungsbedingungen aufmerksam macht. (JF)

 

Marc Balsiger
Wandel durch Verständigung . Das Management unternehmerischer Veränderungen zwischen Strategien und Realitäten
Paul Haupt Verlag, Bern/Stuttgart 1998, 400 Seiten, DM 76.–

In dieser Dissertation aus der Wandel-Werkstatt der Universität St. Gallen wird aufgezeigt, und zwar anhand einer eingehenden Beobachtung und Auswertung des Wandelprozesses bei der Firma Sulzer Thermtec AG, dass nicht zusätzliche Informationsanstrengungen oder verstärkter Kommunikationsaufwand den effektiven Wandel fördern können. Die Erfahrungen aus praktischen Forschungsarbeiten haben aufgezeigt, dass das skizzierte Kommunikationsverständnis des «Informierens» und «Mitteilens» verkürzt ist: Um zielorientierten Wandel in Organisationen tatsächlich zu ermöglichen, müssen sich zwangsläufig die Erwartungen der Beteiligten verändern. Den Prozess des wechselseitigen Bildens von Erwartungen – eben die Verständigung – zu verstehen, wird somit zu einer zentralen Herausforderung für Unternehmen. Nach einer Kontexterläuterung und einem theoretischen Beitrag (Theorien und Konzepte der Kommunikation und Verständigung) werden diese konzeptionellen Überlegungen im 3. Teil mit den dargestellten Beobachten aus der Praxis verbunden. Dieses Buch entwickelt aus der Beobachtung verschiedenster Veränderungsprojekte ein neues Verständnis der Begriffe Wandel und Verständigung. Darauf aufbauend werden zahlreiche Management-Instrumente zur Verbesserung der Verständigung vorgestellt und auf ihre Nützlichkeit hin beurteilt. Dieses Buch zeigt sehr eindringlich und hilfreich, dass das Kommunikations-Konzept, wie wir es normalerweise verwenden, nie ausreichen kann, um Wandel wirklich zu fördern und zu erzielen.

 

Theodor M. Bardmann / Thorsten Groth (Hrsg)
Organisation, Management und Beratung.
Zirkuläre Positionen 3
Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, 370 Seiten

Theodor M. Bardmann, Privatdozent am Institut für Soziologie an der TH Aachen und Professor für Medienkommunikation an der FH Niederrhein und der wissenschaftliche Mitarbeiter Thorsten Groth, haben ein Buch herausgegeben, das in verschiedener Hinsicht sehr empfohlen werden kann. Die 3 im Titel bedeutet den 3. Band einer Buchreihe, die schon viel Aufmerksamkeit erregt und Anerkennung gefunden hat. Im vorliegenden neuen Band wurden viele namhafte Autoren (Forscher und Berater), die auf der Entwicklung und Nutzung der systemtheoretischen Ansätze Einfluss genommen haben, auf wirklich sehr kompetente Weise interviewt, um gezielt und sehr klar deren Position im Denken und Handeln darzustellen. March, Baecker, Ortmann, Kieser, Weick, Willke, Probst, Wimmer, Sprenger, Simon, Sackmann, Gomez, Malik und Geisslinger werden sehr fokussiert und stimulierend befragt, so dass die Antworten sehr lebendig und informativ, aber auch abgrenzend, provokant und weiterführend sind. Diese ausgezeichnete Leistung des Herausgebers basiert nicht nur auf einem sehr breiten und profunden Wissen, sondern offensichtlich der Begabung, die Essenz aus Ansätzen herauszufiltern und die Interviewpartner damit nicht nur zu einer Antwort zu veranlassen, sondern diese auch noch zu Weiterführungen zu stimulieren. Einige zentrale Fragen aller Interviews sollen hier exemplarisch genannt werden: was heisst Management in den von der Systemtheorie neu konzipierten Organisationen? Wie können sich Organisationen permanent verändern, ohne dass sie ihre Identität verlieren? Wie gelingt es Management, eine Balance zwischen Fremd- und Selbstorganisation zu finden? Welche Aufgaben übernimmt Beratung dabei? Und wie muss die Theorie fortgeschrieben werden, damit sie die Komplexität der Systeme auch weiterhin im Blick behält? Nach jedem Interview haben kompetente und kritische Experten kommentierende Begleittexte nicht nur zum Interview, sondern auch zur Person und deren Arbeit verfasst. Es ist sehr schwer, hier einige der Persönlichkeiten hervorzuheben, denn alle bieten ungewöhnliche Aspekte und hervorragende Leistungen im Feld der Systemtheorie. Als Berater hat mich natürlich das Interview mit meinem Kollegen Rudi Wimmer und der Kommentar von Stefan Kühl zunächst neugierig gemacht. Und darüber, was er über (systemische) Organisationsberatung sagt, bin ich schon sehr bereichert worden. Sowohl bei ihm als auch bei Fritz B. Simon wird wieder deutlich gemacht, dass man nicht systemisch arbeiten, "wohl aber ein Handeln bzw. die zugrunde liegende Entscheidung systemisch begründen kann". Der Titel "systemisch" ist in vielen Fällen nur Makulatur und deutet vielleicht sogar auf professionelle Defizite hin. Was mich irritiert hat, ist das Interview mit Fredmund Malik. Er hatte seine Verdienste, aber lieferte doch in den letzten Jahren weder etwas Neues noch Notierenswertes. Geärgert hat mich der kommentierende Text von Fatzer zu R.K. Sprenger. So was hat Sprenger nicht verdient. Der Kommentar verrät, dass Fatzer offensichtlich nicht systemisch interpretieren kann: Herr Sprenger ist Täter, aber auch das Produkt des Managements. Ihm vorzuwerfen, Manager mit Trivialitäten zu bewerfen, ist wohl eine zu einseitige Schuldzuweisung. Sprenger hat wohl mehr zum Nachdenken vieler Manager beigetragen als OE'ler, deren gesamte Identität sich aus amerikanischen OE-Grössen begründet.Es macht wirklich Spass und regt ungeheuer an, diese Interviews zu lesen. Wie gesagt, sie sind oft viel lebendiger und fokussierter in ihren Aussagen, als Originaltexte, die häufig operationell geschlossen sind.

 

Theodor M. Bardmann/ Alexander Lamprecht
Systemtheorie verstehen. Eine multimediale Einführung in systemisches Denken - CD-ROM
Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 1999, PC und Macintosh

Das vorliegende Lehr- und Lernprogramm einer CD-ROM wurde im Medienzentrum der Fachhochschule Niederrhein am Fachbereich Sozialwesen von TH. M. Bardmann (dessen Sammelband Zirkuläre Positionen 3 wir im letzten Heft vorgestellt haben) und Alexander Lamprecht (dem Medienexperten) gemeinsam entwickelt. Es ist didaktisch so aufbereitet, dass die Theorie in der ihr angemessenen Form erfahrbar wird: Systemtheorie ist ein Hypertext, der den Nutzer zum Navigator seines eigenen Lernens werden lässt. Es ist eine multimediale Einführung in das systemische Denken, wobei das Medium die Zirkularität, Beginnlosigkeit, Mehrgipfligkeit und labyrintische Verschachtelung des Theoriebaus zum Ausdruck bringt. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, die Raffinessen der eigenen Formen im Medium angemessen mit zu präsentieren. In Buchform lässt sich nämlich gerade bei der Systemtheorie Theorie- und Darstellungsform nicht so (leicht) in Einklang bringen, was schon immer ein Problem für Autoren und Leser war. Dieses Lehr- und Lernprogramm eröffnet gleich mehrere Zugänge zum systemischen, konstruktivistischen und kybernetischen Denken: In Lehreinheiten werden dem Nutzer die Schwerpunkte der Systemtheorie präsentiert - 47 Grafiken und 12 Animationen veranschaulichen der Lehr- und Lerninhalte - 137 Arbeitsaufgaben dienen der Einübung und Vertiefung systemtheoretischer Konzepte - 207 Begriffe sind in einem Glossar zusammengestellt und miteinander vernetzt - in 34 Videosequenzen melden sich führende Experten systemischen Denkens selbst zu Wort (u.a. Luhmann, von Foerster, Baecker) - in 10 Interviews werden systemtheoretische, konstruktivistische und kybernetische Modelle praxisorientiert entfaltet - 10 kommentierende Begleittexte loten die Reichweite der Systemtheorie aus.

Der lernende (und lehrende) Benutzer (im ursprünglichen Sinne des Wortes) kann sehr verschiedene Zugänge auswählen, gezielt Teile aufrufen, immer wieder nach eigenen Interessen einsteigen und auf einem Notizblock im PC-Speicher eigene Anmerkungen, Fragen etc. festhalten. Man kann über die Interviews, kommentierenden Begleittexte, Definitionen oder auch Arbeitsaufgaben Zugang finden. Manche starten gerne mit der Theorie, andere mit dem Glossar. Ein Till Eulenspiegel übernimmt (neben der Programmleiste) die Rolle des Helfers, indem er Zugang zu Sonderfunktionen ermöglicht (Druckfunktion, Notizblock, Internet-Anbindung, Ausstieg aus dem Programm etc.) und Erläuterungen zur Navigation und Bedienung anbietet. Nach dem Start der CD-ROM befindet sich der Nutzer im unmarked space, einem schwarzen, nicht weiter markierten Raum, aus dem heraus eine Stimme dazu auffordert, eine beliebige Unterscheidung zu treffen und damit ein Universum entstehen zu lassen. "Draw a distinction - and you create a universe!" Damit ist bereits ein Kernstück der vorzustellenden Theorie inszeniert, denn Systemtheorie geht als ein konstruktivistischer Ansatz davon aus, dass die Vielfältigkeit der Welt durch Unterscheidungen, mit denen Beobachter die Welt betrachten, erst erzeugt wird. Das Begleitheft ist sehr stimulierend und einladend formuliert. Mir fehlt darin allerdings eine grafische Visualisierung der Inhaltsteile, die nur textlich angeboten wird. Aber das ist eine marginale Schwäche. Sicher kann man über die eine oder andere Definition oder Theoriedarstellung inhaltlich streiten, aber das zu provozieren, ist ja beabsichtigt.

 

Klaus Wittkuhn/ Thomas Bartscher (Hrsg.):
Improving Performance. Leistungspotentiale in Organisationen entfalten
Luchterhand-Verlag, Neuwied 2001, 324 Seiten, EURO 39,00/CHF 78,00, ISBN 3-472-04141-2

Der Ansatz des Performance Improvement hat inzwischen in den USA eine stärkere Verbreitung gefunden, während er in Europa noch eher zurückhaltend rezipiert wird. Deshalb versuchen die Herausgeber durch eine Mischung aus grundlegenden und anwendungsbezogenen Beiträgen eine Art einführendes Kompendium für den deutschsprachigen Raum zu entwickeln und eine Brücke zu den systemischen Ansätzen zu schlagen. Bei der Human Performance technology handelt es sich um einen Set von Instrumenten, um menschliches Verhalten und menschliche Leistung unter dem Gesichtspunkt der Kosten-Effektivität zu beeinflussen. Dabei wird zwischen verschiedenen Performance-Ebenen differenziert, der Aufgaben-, der Prozess- und der Organisationsebene. Nach einer Darstellung der Grundlagen des Ansatzes wird anhand unterschiedlicher Beiträge auf die Phasen der Analyse, Interventionen/Design, Implementierung/Change Management und Evaluation eingegangen. Obwohl in den einzelnen Beiträgen durchaus lesenswerte Details versteckt sind, bleibt mir der ganze Ansatz zu sehr kybernetischen System-Vorstellungen verhaftet und bildet ein eher technokratisches Idealbild von Organisationen ab. Vielleicht gerade deshalb weist der Ansatz Defizite in der Umsetzung aus, die auch die Herausgeber zugestehen. Deshalb greifen sie beim Thema Implementierung/Change Management auf das SIM-Modell von Königswieser/Königswieser zurück - doch fehlt dann gerade hier der Bezug zum Performance Improvement-Ansatz. Fazit: Interessante Ansätze im Detail aber als Gesamtkonzept hat der Ansatz für mich eine zu beengte Perspektive. (HM) 

 

Paul Bate
Cultural Change. Strategien zur Änderung der Unternehmenskultur
Gerling Akademie Verlag, München 1997, 366 Seiten, DM 68.–

Unternehmen können nicht nur träge werden, sondern auch an Sichtverzerrungen und Realitätsverlust leiden. Sie ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus und sind gefangen in starren Verhaltensweisen. Das führt zu Teufelskreisen, die auch durch überstürzte Restrukturierungsversuche nicht durchbrochen werden. Gibt es überhaupt wirksame Strategien, eine Unternehmenskultur zu ändern, oder vollzieht sich ein Paradigmenwechsel hinter unser aller Rücken? Paul Bate stellt ein ganzes Bündel von Änderungsstrategien vor, vom Bombenwurf, der gleichsam alles plattmacht, über die Technik der Indoktrination bis hin zum gemeinsam mit Mitarbeitern erarbeiteten Vorgehen. Die exzellent geschriebene Studie zeichnet sich vor allem durch differenzierte praxisbezogene Ratschläge aus und vermeidet das in der Managementliteratur geläufige Vorgehen nach der «KISS»-Methode: keep it simple, stupid.

 

Walter Gora / Harald Bauer (Hrsg)
Virtuelle Organisationen im Zeitalter von E-Business und E-Government. Einblicke und Ausblicke
Springer Verlag, Berlin / Heidelberg 2001, 489 Seiten

Die Management- und Technologieberater Walter Gora und Harald Bauer haben in diesem Sammelband 33 Beiträge von 44 Autoren aus Forschung und Praxis gesammelt, die über Konzepte, Voraussetzungen und Technologien dieser neuen Organisationsform informieren. Darüber hinaus findet man Praxisbeispiele aus der Wirtschaft - wie Tele lernen in der PE, Virtual Banking und virtuelles Teilemanagement in der Kfz-Zulieferindustrie - sowie aus der Öffentlichen Verwaltung. Die Beiträge zum E-Government bewegen sich zum grössten Teil im Bereich des Visionären, stellen aber auch konkrete Entwürfe vor, wie etwa eine virtuelle Universität oder das virtuelle Bauamt gestaltet werden können. Auf der einen Seite propagieren viele Autoren die Virtualisierung ("Vernetzung in den Köpfen") und zeigen, wie das angelegt sein muss und welche Ergebnisse (Schnelligkeit, Wirtschaftlichkeit usw.) damit zu erzielen sind. Andererseits gibt es aber auch kritisch-reflektierende Stimmen, wie die von Järisch / Preissler und Roehl (einem Fachredakteur dieser Zeitschrift). Sie betonen die weiterhin notwendigen sozialen Kontexte virtueller Organisationen und zeigen auf, wie diese beachtet werden können (ein kurzer, lebhafter und sehr ergiebiger Beitrag!). Eine dritte Gruppe von Beiträgen legt dar, wie Virtualisierung wo und wann in technologischer, organisatorischer und auch führungsmässiger Hinsicht geht und welche Erfahrungen vorliegen. Kein Zweifel, wir können alle von einem virtuellen Bauamt nicht nur zeitlich profitieren. Aber es gilt auch, die Folgen in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen abzuschätzen und rechtzeitig Korrekturen oder Veränderungen einzuarbeiten. Deren (auch politische) Bedeutung hebt dieses Buch hervor und macht sie plausibel. Somit ist den Herausgebern ein guter Wurf gelungen.

 

Volker Bauer
Der interne Prozessbegleiter
Handbuch für Controller in Organisationsentwicklungsprozessen
ibidem-Verlag, Stuttgart 2002, 324 Seiten

Man muss kein Prophet sein, um zu betonen, dass das laufende Jahrzehnt die Organisationen der öffentlichen Verwaltung unter einen ganz besonderen Veränderungsdruck bringen wird. Die Anzeichen dafür sind an allen Ecken und Enden nur allzu deutlich spürbar. Wie werden diese Organisationen mit diesem Druck umgehen? Die Diskussion um das "New Public Management" hat in vielen Bereichen gedanklich den Boden für die vor uns befindlichen Transformationsprozesse aufbereitet. An vorbildhaften Fallbeispielen fehlt es vielfach aber noch. Das vorliegende Buch ist rund um ein solches Beispiel gebaut. Es geht um eine einschneidende Reorganisation der niedersächsischen Polizei in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre. Ein wichtiger Stellhebel dieses Prozesses war die Installierung einer gänzlich neuen Rolle, nämlich die von Controllern, deren Hauptaufgabe darin bestand, den mehrjährigen Veränderungsprozess als interne Prozessbegleiter zu unterstützen. Das Buch spiegelt in seinen einzelnen Abschnitten die organisationale wie beraterische Fundierung dieses innovativen Rollenkonzeptes; einfühlsam eingebettet in die spezifische Logik der öffentlichen Verwaltung und ihrer schwierigen Veränderbarkeit.
Als aussenstehender Beobachter fragt man sich natürlich sofort, warum gerade der Controllingfunktion diese zentrale Rolle im OE-Prozess zugemessen worden ist. Dies hängt hier unmittelbar mit einem neuen Steuerungsmodell der Verwaltung zusammen, das diesem Reformprojekt zugrunde gelegt wurde, und das die tradierten Vorstellungen von bürokratischer Führung und Organisation ablösen soll. Den Verantwortlichen für diese Veränderung war es wichtig, dem aufbau- und führungsorganisatorischen Strukturwandel mit einer tragfähigen Führungsphilosophie und einem entsprechend kulturprägenden Führungsverhalten im Alltag ein festes Fundament zu verschaffen. Für diesen Entwicklungsprozess standen die Controller den Führungskräften zur Seite, indem sie aus einem kybernetischen Steuerungsverständnis heraus, deren Führungsarbeit eine neue Ausrichtung gaben. In diesem Verständnis geht es gerade nicht um obrigkeitliche Kontrolle, sondern um den Einbau von Beobachtungs- und Rückmelderoutinen ins operative Geschehen, die Abweichungen vom vereinbarten Weg rechtzeitig feststellbar und wenn erforderlich durch geeignete Führungsinterventionen korrigierbar machen sollen. Der Begriff des Controlling steht hier symbolisch für alle Bemühungen, die die "Selbststeuerungsfähigkeit" der Organisation festigen und verbessern helfen (S. 19). Der Autor beschreibt vor diesem Hintergrund sehr praxisnah und durchgängig um das Verständnis seiner LeserInnen bemüht das professionelle Handwerkzeug, das jemand mit so einem Rollenprofil zur Begleitung komplexer Veränderungsprojekte benötigt: ein Konzept für Veränderungsmanagement, einen diagnostischen Blick für komplexe Organisationszusammenhänge, eine professionelle Orientierung für das schwierige Geschäft interner Beratung. Er greift dabei auf das Denkinstrumentarium der systemischen Organisationsberatung zurück, das er äusserst kompetent für den Kontext seiner Fragestellungen entfaltet. Insgesamt ein Praktikerhandbuch, das man all jenen ans Herz legen kann, die aktuell Ermutigung für die Umgestaltung von Organisationen der öffentlichen Hand suchen.



Philippe Baumard
Tacit knowledge in Organizations
Sage Publications, London 1999, 264 Seiten, ca. DM 50,ö

Wir haben es geahnt, und wissen es jetzt in zunehmendem Masse, dass nicht die radikalen Verfahren und das explizite Wissen die wirklich wichtigen Entscheidungshilfen sind, sondern eher das implizite (tacit) Wissen, die Intuition, die in unsicheren und zweideutigen Situationen aktiviert werden, um Handlungsfähigkeit herzustellen. Ungewissheit und Komplexität werden am effektivsten durch implizites Wissen bewältigt. Dies und die Navigation in mehrdeutigen Situationen determiniert die Befähigung der Manager. Das ist die zentrale These des aus dem Französischen übersetzten Buches, die anhand von 4 Fallstudien aufbereitet und belegt wird. Und daran wird auch gezeigt, wie sehr Manager dazu tendieren, durch formale Planungen und Beschaffung von explizitem Wissen zu über-managen, d.h. zu übersteuern. Die untersuchten Unternehmen sind die australische Quantas Airways, der Indigo Fachverlag in Paris, die New York Indosuez Bank und Pechiney, die französische Aluminium-Industrie-Gruppe. Es sind Fälle, in denen die Unternehmen vor ungewissen Entscheidungen standen, nach einer Fusion, extremen Marktveränderungen, Informationssystem-Defekten usw. und das implizite Wissen kollektiv mobilisierten und nutzten. Das wird anhand von Bewegungen in einer Vierfelder-Matrix aus explizitem bzw. impliziten und individuellen bzw. kollektiven Wissen systematisiert, die im ersten Teil des Buches entwickelt wurden. Das ist nicht für Praktiker konzipiert, aber doch sehr klar und leseleicht. Es ist auch nicht nur für Wissenschaftler geschrieben, obwohl es voller positiv konotierter Kritiken an den Forschungskonzepten, vor allem der USA ist. Es ist ein Buch für Planer, Berater und Entscheidungsvorbereiter, die erfahren können, wie man das Erfahrungs-, also das implizite Wissen optimaler zur Verbesserung des Managements nutzen kann. (KT)

 

Max H. Bazerman, ED.
Negotiation, Decision Making and Conflict Management
Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2005, ISBN 1 84376 377 X, 3 Bände, 450 £

Diese ausserordentlich opulente und verdienstvolle Sammlung von klassischen, bislang verstreuten und zum Teil schwer auffindbaren Texten zur Konfliktentstehung, Entscheidung in komplexen und konfliktreichen Kontexten sowie zu Verhandlungsstrategien ist sehr verdienstvoll. Sie gehört als Nachlagewerk und Quellensammlung in die Bibliothek jedes Professionellen, Spezialisten oder Forschers, der sich in diesem an Bedeutung täglich zunehmenden Feld bewegt. Der erste Band enthält klassische Grundlagentexte etwa von John Nash oder auch Mach/ Simons Arbeit zur limitierten Rationalität. Ein weiterer Teil befasst sich mit unseren individuellen Limitierungen und Begrenzungen in konfliktreichen Entscheidungen. Dazu u.a. gehören die klassischen Untersuchungen von Kahneman/Tversky. Der zweite Band enthält eine Reihe von Texten über Verhandlungsstrategien und Konfliktlösungen, u.a. basierend auf der Spieltheorie und Marktmodellen. Die folgenden Beiträge befassen sich mit dem Einfluss und Ausgleich von Interessen sowie mit Ansätzen, die unter dem Gesichtspunkt von Fairness und Gerechtigkeit Konfliktlösungsmöglichkeiten ausloten. Der dritte Band greift in einem speziellen Abschnitt die besondere Dynamik von Dilemmata auf. Weitere Abschnitte untersuchen die Rolle der «dritten Partei» sowie Lösungsmöglichkeiten für Konflikte, wenn mehrere Wettbewerber um ein knappes Gut konkurrieren, wie etwa bei Auktionen. Das letzte Kapitel widmet sich den Bedingungen der Möglichkeit von Lernen und Reflexion in konfliktären Verstrickungen. Diese mehr als umfangreiche und repräsentative Sammlung fasst so in überzeugender Weise den Stand der Diskussion der letzten Jahrzehnte, in der wir die öffnung und Entgrenzung von Systemen massiv erleben und verarbeiten mussten, in einer übersichtlichen und gut strukturierten Form zusammen. (JF)

 

Christian Scholz/ Volker Stein/ Roman Bechtel, Hrsg.
Human Capital Management. Wege aus der Unverbindlichkeit
Luchterhand Verlag, Neuwied 2004, 296 Seiten

Wenn Mitarbeiter das viel beschworene wichtigste Kapital, insbesondere in der modernen Wissensökonomie sind, lässt sich dieser Wert dann irgendwie auch quantitativ berechnen? Das ist die Leitfrage des vorliegenden Bandes, die sicherlich originell, innovativ und wichtig ist, etwa wenn der Börsenwert oder der sog. Goodwill eines Unternehmens zur Diskussion steht. Die Autoren geben zunächst einen sehr breiten Einblick, welche unterschiedlichen Ansätze sich mittlerweile in diesem Zusammenhang entwickelt haben, erläutern was sie leisten und wo sie zu kritisieren sind. Dann stellen sie einen eigenen Ansatz vor, der Vor- und Nachteile der vorliegenden Konzepte vereinen, aber gleichwohl pragmatisch sein soll. Man kann das alles leicht kritisieren, aber jeder weiss, dass es hier nur um einen heuristischen Ansatz gehen kann, der sich der Problematik in einer verlässlichen und aussagefähigen Weise nähert. Dazu ist mit diesem Buch sicher ein Schritt in die richtige Richtung gelungen. Hervorzuheben ist nicht zuletzt die hervorragende didaktische Aufbereitung des Bandes und die zahlreichen Beispiele, die die Argumentationsführung immer nachvollziehbar erscheinen lassen. (JF)

 

Rudolf Fisch/ Dieter Beck (Hrsg.)
Komplexitäts-Management. Methoden zum Umgang mit komplexen Aufgabenstellungen in Wirtschaft, Regierung und Verwaltung
VS Verlag für Sozialwissenschaften, (GWV Fachverlage), Wiesbaden 2004, Euro 39.90, ISBN 3-531-14437-5

Dieses Buch, herausgegeben von zwei Wissenschaftlern der Verwaltungshochschule Speyer, klärt auf über Möglichkeiten und Grenzen moderner entscheidungsunterstützender Verfahren beim Umgang mit komplexen Aufgabenstellungen in Organisationen von Wirtschaft, Regierung und Verwaltung. Die vorgestellten Verfahren aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sind dabei im wörtli- chen Sinne als unterstützend anzusehen, um eine Balance zwischen inhaltlicher Qualität und Akzeptanz von Entscheidungen zu finden. Die Komplexität von Handlungen und Entscheidungen hat in den letzten Jahrzehnten fast exponentiell zugenommen, d.h. die immer höhere Anzahl von Elementen einer Handlungsentscheidung ist in immer vielfältiger Form miteinander verknüpft. Auch wenn Entscheidungen zum grössten Teil von Intuitionen geprägt sind (wirksame Erfahrungen), so ist es erforderlich, den Rationalitätsanteil zu erhöhen, aber auch immer mehr Beteiligte (Stakeholder, Experten, Umsetzer) zu koppeln. Und gerade dafür bietet das Buch eine exzellente Unterstützung. Im ersten Teil werden die psychologischen Ansätze zur Handhabung komplexer Aufgaben untersucht. Im 2. Kapitel die unterstützenden Verfahren und Bedingungen ihres Einsatzes (Kepner-Tregoe, Vernetztes Denken, SWOT-Analyse, Mind Mapping, Delphi -Technik, Szenario-Analyse, Entscheidungstafeln usw. usw.) knapp dargestellt. Hier kann man wirklich sehr konkreten Nutzen aus dem Buch ziehen, muss aber für Details die genannten Quellen herausziehen. Im 3. Kapitel werden ausgewählte Verfahren zur Handhabung komplexer Aufgaben (vor allem Vester’s Vernetzungs-Konzept) dargestellt. Im 4. und 5. Teil geht es um hochinteressante Praxisbeispiele und die praktischen Konsequenzen. Es ist teilweise ein Werkzeug-Buch, auf sehr breiter Reflexions- und systematischer Basis. Es kommen eben Wissenschaftler und Berater zu Wort, die eine anregende Mischung bieten. (KT)




Rudolf Fisch / Dieter Becker / Birte Englisch (Hrsg.)
Projektgruppen in Organisationen
Hogrefe Verlag für Psychologie, Göttingen 2001, 378 Seiten

Der Sammelband umfasst zum einen eher praxisbezogene Beiträge über Projektgruppenarbeit in Wirtschaft und Verwaltung, zum anderen neuere Forschungsarbeiten aus dem Gebiet der Arbeits- , Organisations- und Sozialpsychologie zum Thema Projektgruppen. Der einleitende Beitrag der Herausgeber gibt einen guten Überblick zum Stand der Forschung. Insgesamt sind die Beiträge eher für ein wissenschaftliches Publikum geschrieben, d.h. der Praktiker muss sich in die thematisch breit gefächerten Beiträge einlesen, um einen Nutzwert aus der Lektüre zu erzielen. Da kann er jedoch durchaus fündig werden.


 

Manfred Becker
Personalentwicklung
Bildung, Förderung und Organisationsentwicklung in Theorie und Praxis
4. Auflage, Verlag Sch&äuml;ffer-Poeschel Stuttgart 2005, 621 Seiten, Euro 34.95, ISBN 3791024485

Dieses Buch ist ausserordentlich differenziert durchgegliedert und liefert so eine umfassende Sicht auf die Personal- und Organisationsentwicklung. Die ersten Kapitel holen sehr weit aus und besch&äuml;ftigen sich mit den systematischen und normativen Voraussetzungen der Personalentwicklung. Die beiden folgenden umfangreichen Abschnitte widmen sich dann der Bildung und der Förderung, wobei Bildung sich auf die Entwicklung von Kompetenzen am aktuellen Arbeitsplatz bezieht und Förderung eher auf die Entwicklung von künftigen Potenzialen. Diese beiden Abschnitte sind sehr detailliert, werden stets auch in Kontexten (etwa von Führungstheorien) dargestellt und geben eine Vielzahl von praktikablen Hinweisen, für den Leser etwa zu Coaching, Mentoring, Mitarbeitergespr&äuml;chen und Zielvereinbarungen. Der Abschnitt über Organisationsentwicklung referiert die g&äuml;ngigen Ans&äuml;tze und gibt einen guten Überblick. Die abschliessenden Kapitel befassen sich mit der professionellen Rolle des Personalentwicklers und der Organisation der Personalentwicklung.

Es handelt sich um ein übersichtliches, umfassendes und gut lesbares Lehrbuch, auf das man immer wieder auch zurückgreifen kann, um sich einen Überblick zu verschaffen oder Anregungen zu holen. (JF)


Larissa Becker
Personalabteilung im Unternehmenswandel. Anforderungen, Aufgaben und Rollen im Change Management
Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2001, 254 Seiten

Die Autorin entwickelt in ihrer Dissertation an der Universität Giessen (W. Krüger) Empfehlungen für die Gestaltung von Personalmanagement-Massnahmen, ausgehend von den personellen Aufgaben im Change Management. Sie gibt Hinweise zum Einsatz der Personalabteilung im Unternehmenswandel und untersucht den Wandel der Personalabteilung selbst, wobei sie viel Material und Unterstützung von den Stadtwerken Osnabrück erhielt. Der Bezug zur Praxis ist darüber hinaus durch zahlreiche Anwendungsbeispiele gegeben. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Rollenkonzept, d.h. diesem Dynamikelement in Organisationen, mit dem Aufgaben und Verhalten der Personalmitarbeiter gekoppelt werden. Anhand des Wandels der Personalabteilung in den Osnabrücker Stadtwerken wird auch der Bedarf, die Bereitschaft und Fähigkeit zum Wandel aufgezeigt. Die Verknüpfung dieser beiden Elemente führt zur Schlussfolgerung, dass der Wandel der Personalabteilung Voraussetzung für ihre Rollen im Wandel (Prozess) ist. Dieser Wandel bestand darin, dass die Personalabteilung strategischer Partner, Koordinator der Umsetzung, Berater und Dienstleister wurde bzw. diese Rollen prägnanter, kreativer und nützlicher ausformulierte und erprobte. Nun ist der Inhalt dieses notwendigen Wandels keine Überraschung. Der Wert des Buches liegt vielmehr in der Systematik und Unterstützung der Gestaltung der eigenen Veränderung und ist so für das Personalmanagement in Unternehmen eine wichtige und nützliche Quelle. (KT)




Lutz Becker/Johannes Ehrhardt (Hrsg.)
Business Netzwerke. Wie die globale Informations-Infrastruktur neue Märkte erschliesst
Verlag Schäffer Poeschel, Stuttgart 1996, 181 Seiten, DM 68.–, ÖS 497.–

Ein anspruchsvolles, ein informatives, ein wichtiges Buch: Johannes Ehrhardt entwirft in seinem Einleitungsartikel ein klares Bild des radikalen Wandels, in dem wir uns befinden – der wirtschaftlich-technischen Emergenz. Sie bezeichnet (nach Kelly’s «Out of Control», 1994) das Phänomen, dass sich gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse bei ihren sprunghaften, schwer vorherbestimmbaren Bewegungen plötzlich auf neuen Ebenen mit grundsätzlich neuem Systemcharakter reorganisieren. Selbstorganisation ist dabei eine wesentliche Voraussetzung. Das Buch hält sich trotz des komplexen Themas fern von der Sprache der Systemtheoretiker, wird in Lothar Schnitzlers «Made in Nirgendwo» sogar reisserisch-journalistisch, verliert aber niemals Konkretheit und Anschaulichkeit. Die Auswirkungen der Informations-Internationalisierung auf Forschung, Fertigung, Marketing, Vertrieb, Handel, Finanzierung und Medienentwicklung werden von einer kompetenten Autorenreihe untersucht – ein wichtiger Szenario-Baustein für Global Player.(FB)


 

Luise Behringer
Lebensführung als Identitätsarbeit – Der Mensch im Chaos des modernen Alltags
Campus, Frankfurt am Main 1998. 243 S., DM 49.80

Der spannende Titel versprach Anregungen für die Personalentwicklung. Diese Hoffnung hat sich nicht bewahrheitet. Das hat mit dem Ansatz des Buches zu tun: in einer empirischen Studie – Interviews mit 16 freiberuflichen Journalistinnen und Journalisten – werden Alltagswelten untersucht. Dieses Sample ist klein und die Zielgruppe wenig repräsentativ. Dennoch enthält das Buch viel Interessantes, angefangen von den grundsätzlichen Überlegungen zu «Lebensführung und Identität als Themen der Moderne», wo unter anderem der Begriff der Offenheit differenziert dargestellt wird, bis hin zu den Kompetenzen und Bewältigungsstrategien der Einzelnen, die vielfältiger nicht sein könnten. Ein Buch, das gewissermassen Anleitung zum Nachdenken über Lebenswirklichkeiten gibt und gleichzeitig Sprache und Konzepte vermittelt für Phänomene, die wir wohl erahnt haben, aber so genau nicht fassen konnten.



Stefan Kühl, Gerhard Kullmann
Gruppenarbeit. Einführen, bewerten und weiterentwickeln

Philipp Radtke, Dirk Willmes, Alexander Bellabarba
Leitfaden zur Excellence. Das Berliner TQM-Umsetzungsmodell

Claudia Kostka, Sebastian Kostka
Der kontinuierliche Verbesserungsprozess und seine Methoden

Hanser Verlag, München/Wien 1999. Jeweils 124 Seiten, DM 19.80/ATS 145/CHF 19.10

Wissen für die Hosentasche. In seiner Reihe "Pocket Power" bietet der Hanser-Verlag kompaktes Wissen in handlich kleinen, spiralgebundenen Broschüren. Die drei hier vorgestellten sind nur eine Auswahl aus der inzwischen umfangreichen Veröffentlichungsliste. Kühl/Kullmann erläutern, was Gruppenarbeit ist, wie man sie einführt und sich dafür qualifiziert. Sie skizzieren in den wesentliche Erfolgsfaktoren, verschweigen aber auch nicht die Dilemmata, in denen sich Gruppenarbeit vielfach bewegt. Radtke et al. beschreiben ihr am EFQM-Ansatz orientiertes TQM-Umsetzungsmodell anhand von Modulen, die eine Schritt-für-Schritt-Einführung des Qualitätsmanagements ermöglichen. Kostka/Kostka schliesslichö last but not leastö erklären die Grundlagen von KVP, erläutern die Implementierung anhand eines 4 Phasen-Modells und gehen auf prozessbegleitende Schritte wie z.B. Moderationstraining, Prozessmapping, Zielvereinbarung ein. Stets wiederkehrende Headlines wie "Worum geht es?", "Was bringt es?", "Wie gehe ich vor?" machen deutlich, dass es Führer für die Praxis sind. Die Inhalte sind gescheit und es spricht somit nichts dagegen, bei entsprechendem Bedarf eine kleine Sammelbestellung (zu reduzierten Preisen) aufzugeben, um die Broschüren als kleine Motivationshilfe an FK und MA auszuteilen, die sich durch diese Prozesse kämpfen.

 

Christian Belz (Hrsg.)
Verkaufskompetenz. Chancen in umkämpften Märkten
Ueberreuter Verlag
Wien/Frankfurt 1999, 320 Seiten; DM 98.--/ ATS 715.ö/ SFR 91.--

Das Buch des St. Gallener Professors für Marketing bietet einen informativen Ðberblick über aktuelle Tendenzen im Verkaufsmanagement. Ausgehend von empirisch gestützten Untersuchungen zu aktuellen Problemstellungen und Lösungsansätzen im Verkauf werden Konzepte und Ansatzpunkte zur Verkaufsstrategie, zur Kunden- und Leistungsselektion, zur Gestaltung des Verkaufsprozesses und zur Organisation und Führung des Verkaufsbereichs entwickelt und referiert. Das Buch ist eher systematisch, überblicksartig aufgebaut, was dem Praktiker jedoch ermöglicht, den eigenen Verkaufsbereich diagnostisch zu überprüfen (hierzu werden im Anhang auch Instrumente angeboten). Die Vielzahl der Ðbersichten und Abbildungen macht die Lektüre jedoch manchmal etwas mühsam. Fazit: ein umfassender, thematischer Ðberblick, mit dem man gut arbeiten kann ö der Neuigkeitswert hält sich jedoch in Grenzen.

 

Karl Benien
Schwierige Gespräche führen.
Modelle für Beratungs-, Kritik- und Konfliktgespräche im Berufsalltag.

Rowohlt Verlag. Reinbek. (2003)

Karl Benien macht sich mit seinem Buch sehr verdient. Er erklärt vor dem Hintergrund der "Hamburger Kommunikationsschule" um Friedemann Schulz von Thun innerpsychische Vorgänge der beteiligten Personen in ihren verschiedenen Rollen sowie die Dynamiken in der Interaktion. Der Autor arbeitet mit vielen (typischen) Beispielen, die das Buch ausgesprochen praxisnah machen. Benien scheut sich auch nicht, der Leserin und dem Leser konkrete Hinweise und Leitfäden zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung "schwieriger" Gespräche an die Hand zu geben.
Für Menschen, die den Schulz von Thunschen Ansätzen bereits aus anderer Lektüre oder eigener Aus- und Weiterbildung nahe stehen, ist dieses Buch eine weitere Vertiefung und nützliche Anwendung in einem bestimmten Praxisfeld. Für alle Anderen möglicherweise ein guter Einstieg, sich mit der Kunst gelingender Kommunikation und den Fragen beziehungsweise Problemen ihres Missglückens zu beschäftigen. Ob jedoch die für Nicht-PsychologInnen in einigen Teilen gewöhnungsbedürftige Sprache (welche jedoch dem Hamburger Duktus entspricht) sowie die für meinen Geschmack manchmal allzu penetrante Didaktik (mit dem Risiko der starken Trivialisierung) der Zielgruppe, nämlich "Führungskräfte, Teamleiter oder Mitarbeiter im Personalwesen" entgegen kommt, bleibt zumindest fraglich. Doch diese Frage zu beantworten ist den Leserinnen und Lesern selbst vorbehalten, die so oder so von diesem Buch sehr profitieren können. (MZ)

 

Karl Benien
Beratung in Aktion Erlebnisaktivierende Methoden im Kommunikationstraining.
Windmühle Verlag, Hamburg 2002, 264 Seiten

Das Buch wendet sich vornehmlich an verhaltensorientiert arbeitende Trainer und Berater, die Anwendung der vorgestellten Konzepte setzt eine entsprechende professionelle Kompetenz und Erfahrung voraus. Der Band geht von unterschiedlichen Problemlagen aus, etwa die Klärung von Anliegen, unterschiedliche Verläufe von Gruppenprozessen, zwischen- oder innermenschliche Probleme, die eine Gruppe oder Einzelne behindern in der Nutzung ihrer Ressourcen. Der Autor beschreibt diese Situationen und schlägt dann Möglichkeiten der Intervention vor, diskutiert sie und wägt sie ab. Konzeptionell lässt sich der Autor keiner "Schule" zuordnen, was eher wohltuend ist, weil er sich so von den Problemen leiten lässt. Er verwendet jedoch Ansätze aus dem Psychodrama, aus dem systemischen Bezugsfeld oder auch aus den Ansätzen von Schultz von Thun. Die meisten vorgeschlagenen Techniken und Interventionen sind nicht neu, was ich auch nicht erwartet habe. Sie sind vom Autor lediglich systematisch zusammengestellt, praxisnah aufbereitet und sehr verständlich erläutert worden. Man spürt bei der Lektüre die vielen eigenen Erfahrungen, die dahinter stehen. Das Buch ist pädagogisch sehr gut gestaltet. Es basiert auch auf einer Vielzahl von erhellenden Beispielen, Grafiken, Gesprächssequenzen und zusammenfassenden Regeln. (JF)

 

Mechtild Bencke-Galm/Gerhard Fatzer/Rosemarie Rutrecht (Hrsg.)
Schulentwicklung als Organisationsentwicklung
Edition Humanistische Psychologie, Köln 1999, 619 Seiten, DM 68.-

Die Nutzung der OE in der Schulentwicklung, oder genauer in der Entwicklung der Schulentwicklung, hat bereits eine längere Tradition in einigen Ländern Europas, vor allem in Dänemark, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Die Herausgeber haben es sich meiner Meinung nach in dem wichtigen, nützlichen und hilfreichen Buch zu einfach gemacht, indem sie die Gliederung der vielen informativen und problematisierenden Beiträge nach Ländern vorgenommen haben. Das erschwert den Vergleich. Zudem ist das für die Schulentwicklung so tragende und Impulse setzende Landesinstitut in Soest überhaupt nicht vertreten. Das ist ein eklatanter Mangel in dem sonst so empfehlenswerten Buch. Dennoch wird es zu einem wesentlichen Übersichts- und Referenzwerk der Schulentwicklung werden.
 

Warren Bennis
Menschen führen ist wie Flöhe hüten
Campus Verlag, Frankfurt/New York 1998, 251 Seiten, DM 44.–

Im ersten Teil des Buches diagnostiziert Bennis die allgemeine Führungskrise in Wirtschaft und Politik. Der zunehmende Vertrauensverlust der Menschen in die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik, alarmierende und ökologische Entwicklungen sowie heiss umkämpfte Märkte in Zeiten des Wandels und der Globalisierung, bedeuten für Menschen, die an der Spitze stehen, neue Herausforderungen und erfordern aussergewöhnliche Qualitäten. Anschaulich und überzeugend erläutert Bennis im zweiten Teil, was effektive Führungspersönlichkeiten auszeichnet: Sie haben eine Vision, einen Traum, mit dem sie andere begeistern. Sie haben die Fähigkeit, Dinge in Bewegung zu setzen und zu verändern. Sie formulieren klare Ziele. Sie hören den anderen zu und respektieren sie. Sie verstehen es, Vertrauen auszubauen und ihre Mitarbeiter zu ermutigen, sich ihrer Stärken und Kompetenzen bewusst zu werden. Im dritten Teil spezifiziert Bennis die Herausforderungen, mit denen Manager auf Grund der Veränderungen in Gegenwart und Zukunft konfrontiert werden und weist mit zahlreichen Denkanstössen und konkreten Tips aus der Führungskrise. Menschen führen ist wie Flöhe hüten erläutert die Schlüsselbegriffe effektiven Führens und liefert eine Fülle von wertvollen Hinweisen, Kennzeichnungen und praktischen Ratschlägen.

 

Warren Bennis/ David A. Heenan
Die Macht der Nr. 2 -  Das Geheimnis erfolgreicher Führungsduos
Campus Verlag Frankfurt/New York 2000, 260 Seiten, DM 49.80

In diesem Buch geht es nicht nur um Kooperation oder Rivalität von Führungsduos, sondern vor allem um die realistische Sichtweise, dass der "Chef nicht Ðbermensch ist, sondern erster unter vielen Beteiligten und dass Führungspartnern endlich der angemessene Platz zugewiesen wird und ihnen die Wertschätzung zukommt, die sie verdienen." Bennis, einer der besten Autoren und Forscher zur Führung und sein Co-Autor analysieren und begründen ihre Botschaft an bekannten Führungspaaren: Bob Eaton und Bob A. Lutz (Chrysler), Gates und Ballmer (Microsoft), Tschou En-lai und Mao Tse Tung, Clinton und Al Gore, aber auch Thomas Middelhoff und Mark Wössner (Bertelsmann), sowie Dr. Watson und Sherlock Holmes. Logisch konsequent wird immer der zweite Mann in den Mittelpunkt gestellt. Diese Kapitel sind von einem Plädoyer für die doppelte Führung sowie über das Scheitern vielversprechender Führungspartnerschaften (Titanen-Kämpfe) und Umbauempfehlungen in der Führungsetage sowie Ratschlägen für die Nr. 2 umrahmt. Die vielen kritischen Fragen und detaillierten Empfehlungen im Buch eignen sich nicht nur für diese Projektionsfiguren, sondern eben auch für leitende Mitarbeiter in den untersten Etagen. Es geht ja (sehr locker und griffig) um die Gestaltung einer partnerschaftlichen Führungskultur.

 

Andreas Bergknapp
Ärger in Organisationen. Eine systemische Strukturanalyse
Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, 442 Seiten, ISBN 3-531-13744-1

Um es gleich vorweg zu nehmen. Für eine schnelle Lektüre eignet sich diese Dissertation (am Lehrstuhl von Prof. Neuberger an der Universität Augsburg) nicht: dazu ist sie viel zu theorielastig. Aber es braucht auch solche wissenschaftlichen Arbeiten, um ein tieferes Verständnis für die emotionalen Phänomene zu gewinnen, die das Leben in Organisationen prägen. Noch dominieren individualpsychologische Sichtweisen, wenn es um die Befassung mit Emotionen geht. Für ein umfassendes Verständnis von Ärger im Handlungsfeld ‚Organisation' greifen diese Sichtweisen jedoch zu kurz, weil sie die Zusammenhänge von Ärger und organisationalen Strukturen zu wenig erfassen. In der Arbeit von Bergknapp wird deshalb aus grundlagentheoretischer Perspektive versucht, eine Integration von psychologischen, soziologischen und organisationstheoretischen Ansätzen zu erreichen. Als integrierendes Paradigma fungiert dabei die Strukturationstheorie von Giddens, die der Autor aber erweitert, um die Emotionsdiskusssion für organisationstheoretische Fragestellungen zu öffnen.
Die Arbeit macht deutlich, dass Ärger ein genuin soziales Phänomen ist, das durch organisatorische Prozesse und Strukturen ebenso geprägt ist wie sie diese formt. Deshalb sind diese Emotionen auch nicht einfach so in den Griff zu bekommen, wie sich mancher Manager dies wünscht. Damit diese Gedanken für Manager fruchtbar gemacht werden, bedarf es aber noch einiger Übersetzungsleistung. (HM)

 

Dag Kroslid, Konrad Faber, Kjell Magnusson, Bo Bergmann
Six Sigma. Erfolg durch Breakthrough-Verbesserungen
Hanser Pocket Power, München/Wien 2003, 128 Seiten, Euro 9.90, ISBN 3-446-22294-4

Das Buch bietet einen kompakten Überblick über die Six Sigma-Methodik, die inzwischen von vielen Unternehmen als Qualitätsstrategie etabliert wurde, um Kostensenkungen bei gleichzeitigen Produktivitätsverbesserungen zu erreichen. Das Büchlein liest sich nicht ganz so flott wie andere aus der Pocketreihe, was z.T. auch am Six Sigma Konzept liegen mag. Es liegt aber auch daran, dass die Anwendungsbeispiele nur in Form kleiner "Erfolgs-Clips"' in den Text eingestreut werden, statt die Vorgehensweise an einem anschaulichen Beispiel zu erläutern. Deshalb bleibt vieles auf einer abstrakt-konzeptionellen Ebene. Das heisst, das Buch ist nicht schlecht, aber nicht ausreichend Kunden (sprich Leser-)gerecht. Da könnte man doch gleich mit Six Sigma drangehen.



Ingrid Berkel
Die Rolle der Organisationsentwicklung im Dienstleistungsqualitätsmanagement. Dargestellt am Beispiel einer Kundenbefragung im Privatkundengeschäft
Rainer Hampp Verlag (Reihe Profession der Wirtschaftsedition), München/Mering 1998, 197 Seiten, DM 49.80

Nachdem man mit dem Titel bereits einen guten Teil der Buch-Lektüre geleistet hat, kann man sich mit dieser Dissertation der systemischen Aufbereitung von Qualitätsmanagement und Kundenorientierung widmen, um dann aus der Umsetzung einer Kundenbefragung als OE-Prozess zu lernen. OE-Prozess heisst in diesem Fall die weitgehende Verlagerung der Verantwortung für das Projekt auf dezentrale Einheiten und die Betroffenen. Im Mittelpunkt dieser praxisorientierten Arbeit wird anhand einer Fallstudie aus dem Bankenbereich aufgezeigt, wie eine Ableitung, Umsetzung und Kontrolle von Massnahmen aus einer Kundenbefragung als Organisationsentwicklungsprozess gestaltet und in einer Bank implementiert werden kann. Ziel des vorliegenden Buches ist es, einen beispielhaften Organisationsentwicklungsprozess im Rahmen einer gross angelegten Kundenzufriedenheitsstudie im Privatkundengeschäft einer Geschäftsbank mit ca. 15'000 Mitarbeitern darzustellen. Anhand dieses Organisationsentwicklungsprozesses werden Promotoren und Inhibitoren identifiziert, welche als entscheidende Determinanten für nachfolgende Veränderungsprozesse – auch für andere Dienstleistungsunternehmen – massgeblich sein können.

 

Karl Berkel/ Rainer Herzog
Unternehmenskultur und Ethik
Arbeitsheft Führungspsychologie, Band 27, Verlag Sauer, Heidelberg 1997, DM 28.–

Der erste Teil des Buches bringt eine gute Einführung ins Thema Unternehmenskultur, u.a. auch mit vielen Literaturhinweisen für Lesende, die sich weiter vertiefen möchten. Interessant sind die Transferkapitel «Unternehmenskultur und Führung» und «Unternehmenskultur und Personalmanagement», und auch das Kapitel, das sich mit der Aktualität der Ethikdiskussion auseinandersetzt und mit der Formulierung von Zielen einer Unternehmensethik abschliesst. Bis dahin wirkt das Buch handlich und anregend; diese Teile könnten sehr gut für konzentrierte Information zum Thema z.B. im Rahmen von Schulungen oder OE-Prozessen genutzt werden. Die anschliessenden Grundfragen zur Ethik sind für den Laien nicht immer leicht zu erfassen und vor allem nicht leicht zu beurteilen. Man ist dankbar für die illustrativen Beispiele. Ganz anders dann der Teil «Praxis der Ethik in Unternehmen». Hier werden sehr konkrete Fragen bearbeitet und dabei eine Fülle von Analyse- und Meinungsbildungsinstrumenten angeboten. Wer in diesem Buch sichere Antworten sucht, was ethisch richtig resp. falsch ist, wird enttäuscht sein. Wer aber über Unternehmensethik nachdenken will, wer danach sucht, ethische Fragen stellen zu können, implizite Haltungen und Werte in seinem Unternehmen zu erfassen oder eine ethisch orientierte Wertebildung bei Führungskräften und Mitarbeitenden umzusetzen, findet hier Anregung und vielfältige Denkhilfen

 

Evan M. Berman
Productivity in Public and Nonprofit Organization
Strategies and Techniques
Sage Publications, Thousand Oaks/USA und London 1998, 295 Seiten, 45.- DM

Der Autor, Professor in den USA, stellt ein breites Spektrum an Strategien und Werkzeugen dar, wie Ÿber Motivation, Kostenmanagement, Kooperationsgestaltungen und der adäquaten Nutzung der Informationstechnologie die Produktivität in der öffentlichen Verwaltung und den sozialen Organisationen (NfP) erhöht werden kann. Natürlich gibt es Unterschiede von NfP zu privatwirtschaftlichen Unternehmen. Doch meine Erfahrungen zeigen, dass es vor allem die ideologischen Begründungen und Traditionen sind, die den Unterschied ausmachen. Wenn wir uns die Methoden des effektiven Managements und der Produktivitätssteigerung ansehen, werden diese Unterschiede immer geringer. Das zeigt auch dieses Buch. Hier werden viele Themen angerissen, und das ist ein Vorteil, zu erfahren, wo man ansetzen kann. Aber die Darstellung der Konzepte, Methoden und Werkzeuge ist sehr oberflächlich. Beispiel: das Verfahren der Focus-Gruppen zur Messung der ProduktivitŠt/Serviceleistung durch Untersuchungen bei Kunden durch eigene Gruppen wird auf einer Seite dargestellt. Also muss man sich Details woanders suchen, wozu der Autor aber Literaturhinweise gibt. Insgesamt also eher ein Planungs- und weniger ein konkretes Werkzeugbuch. (KT)



Markus Berndt
Global Differences in Corporate Governance Systems. Theory and Implications for Reforms
Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 2002, 143 Seiten, Euro 44.90

Der Vergleich der verschiedenen Corporate Governance Systeme (Europa/USA) ist ein wichtiges Lernfeld, so dass dieses englischsprachige Buch vom Titel her Aufmerksamkeit erregt. Es stellt zwar die sog. Insider Systeme (Japan/Europa = hohe Eigentümer Konzentration, illiquide Kapitalmärkte und hohe Vernetzung der gegenseitigen Beteiligungen) den Outsider Systemen (England/USA = Gegenteile der Insider Systeme) gegenüber, aber nicht in sozialpolitisch für jedermann/ frau verständlichen Weise, sondern in einer mikroökonomischen Untersuchung im Kontext der ökonomischen Analyse des Rechts. Auf deutsch: es wird gerechnet und in Formeln gefasst. Der Autor untersucht die Netzwerkeffekte und die Anwendung der Agent-Theorie. Von daher wird das Buch Wissenschaftler interessieren und weniger den gemeinen OE'ler, wie er in Mitteleuropa immer noch weit verbreitet ist. Ich kann die Qualität der Untersuchung auch gar nicht beurteilen, sondern möchte nur empfehlen, es vor dem Kauf zur Ansicht zu bestellen. Dabei sind die untersuchten Fragen höchst spannend: Warum funktioniert das europäische System trotz ineffektiver Strukturen? Warum werden die Regeln der Kontrolle nicht mit Eigentümerorganisationen verknüpft? Welche unterschiedlichen legislativen Ansätze sind vorhanden? (KT)

 

Bertelsmann Stiftung & Heinz Nixdorf Stiftung (Hrsg.)
Studium Online Hochschulentwicklung durch neue Medien.
Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2000, 175 Seiten

Die Inhalte beruhen auf der Arbeit des Expertenkreises "Hochschulentwicklung durch neue Medien", der von der Bertelsmann und der Heinz Nixdorf Stiftung ins Leben gerufen worden ist. Dabei handelt es sich um ein hochrangiges Gremium von Wissenschaftlern aus den Bereichen Medienmanagement, Wirtschaftsinformatik, Pädagogische Psychologie und Hochschulentwicklung (Peter Glotz, August-Wilhelm Scheer, Heinz Mandl, Detlef Müller-Böling u.a.). Wesentliches Ziel war es, den Einfluss der neuen Medien auf das Bildungssystem zu diskutieren, sich abzeichnende Trends festzuhalten und den Akteuren in Bildung und Bildungspolitik ein erstes Rüstzeug für die Neue Welt mit auf den Weg zu geben. Dem Leser wird gleich zu Beginn sehr anschaulich aufgezeigt, dass sich unser Bildungssystem in einem rasanten Wandelprozess befindet: Das Internet führt zu vollkommen neuen Formen des virtuellen Lernens und Lehrens, die Globalisierung bringt eine weltweite Öffnung und Kommerzialisierung des Bildungsmarktes mit sich, traditionelle Universitäten bekommen unerwartete Konkurrenz durch internationale Bildungskonsortien und Corporate Universities. Herzstück des Buches stellt das Szenario "Die Universität im Jahre 2005" dar, mit dem solche und ähnliche Entwicklungen sehr präzise und verständlich auf den Punkt gebracht werden. Dabei entsteht gleichsam das Bild eines "Bildungssupermarktes", in dem sich der lebenslange Lerner mit Hilfe professioneller Bildungsbroker ein auf seine spezifischen Bedarfe zugeschnittenes "Bildungsmenü" zusammenstellen kann - weltweit, immer aktuell und mit der Unterstützung neuester Technologien. Für die staatlichen Universitäten sehen die Autoren da nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie springen frühzeitig auf den Zug der neuen Medien mit auf und bieten neben Präsenzveranstaltungen eigene Formen des Online-Studiums an. Oder sie entwickeln sich zu Elite-Einrichtungen mit grosser Nähe zu den Studierenden und von besonderer wissenschaftlicher Exzellenz. Rund um das Szenario gesellen sich Beiträge, in denen einzelne Facetten des Themenkomplexes vertieft werden. So beschäftigt sich ein Beitrag mit den veränderten pädagogischen Herausforderungen, die die neuen Technologien mit sich bringen. Ein anderer bietet Handfestes zur Frage der Finanzierung virtueller Lern- und Studienangebote. Ein dritter greift das Thema Qualitätssicherung auf. Das Buch endet mit den Ergebnissen einer Benchmarking-Studie, in der verschiedene internationale Projekt mit Vorbildcharakter - etwa der internetbasierte Bildungsanbieter Unext.com oder die Motorola University - vorgestellt werden. Ich kenne bislang kein aktuelleres und ergiebigeres Buch zur Frage der IT-Integration im Bildungsbereich (und dies alles zu dem sensationellen Kaufpreis von 20,00 DM!). Hervorzuheben ist auch die Ausgewogenheit, mit der die verschiedenen Fragen der neuen Medien aufgegriffen und behandelt werden; an kaum einer Stelle ist das häufig zu beobachtende Abgleiten in die Denk- und Sprechweise der "IT-ler" zu verzeichnen. Aus einer OE-Perspektive macht das vorliegende Buch weiterhin klar, dass es dieses Mal sehr ernst werden könnte mit der Hochschulentwicklung: Nicht weil im Innern der Hochschulen schon überall die Einsicht in die Veränderungsnotwendigkeiten gereift wäre, aber weil von aussen derart schnelle und gewaltige Veränderungen auf sie zulaufen, dass Selbstveränderung schon bald zu einer Frage des puren Existenzerhalts werden könnte.

 

Christoph Bertram
Qualität in der Personalabteilung
Rainer Hampp Verlag, München und Mering 1996, 235 Seiten, DM 49.80

Obwohl dem Personalmanagement bei der Umsetzung von TQM-Programmen eine wichtige Funktion zugeschrieben wird, gibt es kaum Literatur zum Thema Qualität in der Personalarbeit selbst. Die Dissertation von Bertram soll hier eine Lücke schliessen, indem er versucht, einen angemessenen Qualitätsbegriff für das Personalwesen herauszuarbeiten. Der Autor plädiert für eine kundenorientierte Qualitätsauffassung und weist hier zurecht auf die besondere Schwierigkeit hin, die sich daraus ergibt, dass das Personalwesen im Brennpunkt heterogener und teils auch konfliktärer Kundenerwartungen (seitens der Mitarbeiter, Führungskräfte, Unternehmensleitung etc) steht. Dass schon von daher Kundenanforderungen nicht umstandslos als Qualitätsmassstäbe taugen, sondern ein sinnvoller Weg darin liegt, Qualitätskriterien mit den internen Kunden zu vereinbaren, ist schlüssig. Obwohl hier viel Richtiges steht, greift mir Bertrams Qualitätsauffassung etwas zu kurz: zu ausschliesslich ist sie auf die Ermittlung der Kundenanforderungen fokussiert, während Möglichkeiten, Kernprozesse und Produkte des Personalwesens zu identifizieren und hierbei prozessbezogene Qualitätsstandards zu entwickeln, aussen vor bleiben. Gerade dies wäre aber wichtig, um den Qualitätsbegriff mit den strategischen Zielsetzungen des Unternehmens zu verknüpfen. Manches ist mir auch zu sehr durch die Brille des Wissenschaftlers betrachtet - was bei einer Dissertation vielleicht nicht ganz zu vermeiden ist. Dies führt aber dazu, dass vieles auf einer Ebene kategorialer Differenzierung stehen bleibt, statt praktikable Vorschläge für die Umsetzung von Qualitätsmassstäben im Personalwesen zu liefern. Insofern trägt das Buch zwar einen Baustein zur Entwicklung eines auf das Personalwesen bezogenen Qualitätsbegriffs bei, am Thema selbst muss aber noch weitergearbeitet werden.

 

Burkard Sievers/ Dieter Ohlmeier/ Bernd Oberhoff/ Ulrich Beumer (HG.)
Das Unbewusste in Organisationen.
Freie Assoziationen zur psychosozialen Dynamik von Organisationen

Psychosozial-Verlag, Giessen, 2003, 562 Seiten, Euro 38.-, ISBN 3-89806-284-8


Die psychoanalytische Betrachtungsweise von Organisationen, die insbesondere setzt, wird für immer mehr interne und externe Berater (und marginal auch Manager) zu einer hilfreichen Perspektive, um die psychosoziale Dynamik von Systemen zu verstehen und damit nützliche Interventionsgrundlagen oder Einsicht in individuelles und kollektives Rollenverhalten zu erkennen.
Nach dem Buch von M. Lohmer (Stuttgart 2000), das hier ebenso besprochen wurde wie im letzten Heft das Buch über Coaching als psychodynamische Beratung von West-Leuer/Sies (Stuttgart 2003), erschien nun dieser umfangreiche und ebenso wichtige wie empfehlenswerte Reader, der weitgehend Beiträge enthält, die zuvor in der Zeitschrift Freie Assoziation erschienen sind. Es ist nicht möglich, an dieser Stelle alle Beiträge zu erwähnen oder zu würdigen. Ich möchte nur einige herausgreifen, die mich besonders beeindruckt haben oder die ich für wichtig halte, um Neugier zu wecken.
Der Band beginnt gleich mit dem Konzept des container contained, d.h. Bions Einsichten darüber, dass Menschen Halt benötigen, aber auch die gehalten sein müssen, die diesen Halt (beruflich) zur Verfügung stellen. Ein weiterer Beitrag von H. Becker stellt das Verhältnis bzw. die Erkenntnis fördernde Anwendung der Psychoanalyse auf Organisationen dar. Susan Long, eine Psychologin und Beraterin aus Melbourne, ist gleich mit drei Beiträgen vertreten: einem über die Identifikation und Identität bei der Arbeit, einem Aufsatz über Kooperation und Konflikt als zwei Seiten ein und derselben Medaille, die wirklich sehr hilfreich und erhellend sind. Sehr beeindruckt hat mich ihr dritter Beitrag über , der dieses Managementkonzept als Abwehr gegenüber Ängsten der Mitarbeiter, Manager und Systeme interpretiert. Sie schlägt zur Bearbeitung dieser sozialen Abwehrmechanismen ein Kunden-/Anbieterpaar vor, das als "Übergangspaar" den Kundendiskurs und damit die Organisation verändern helfen kann.
Die veröffentlichten Beiträge belegen also sehr deutlich, dass die Arbeit an der psychosozialen Dynamik nicht Sache einiger Exoten ist, sondern sehr erkenntnisfördernde und vor allem auch praxisrelevante Unterstützungen für die Gestaltung von Systemen bietet. Andere Beiträge beschäftigen sich mit sozialen Träumen als Arbeit am Unterbewussten zum Verhaltenverständnis (G. W. Lawrence) oder dem Management-Mythos (M. Bowles), den ich wirklich empfehlen kann. Es sind mehrere Arbeiten zur Beraterrolle oder zu Veränderungen in Organisationen enthalten, deren Lektüre Aufwand erfordert, aber sehr durch Verstehen belohnt wird. Natürlich sind auch drei der Herausgeber mit Beiträgen vertreten, so auch Burkhard Sievers mit seinen Überlegungen zur Entstehung von Autorität, zu Erbschaft und Nachfolge.
Exzellent ist auch der Rahmen dieser Publikation: mit dem hilfreichen Vorwort, aber vor allem dem Anhang über wichtige Literatur zur psychosozialen Dynamik von Organisationen, den relevanten Institutionen, Zeitschriften und Fortbildungsprogrammen.
Ich hoffe und wünsche mir und vielen "Organisationsarbeitern", dass dieses wichtige (und auch preiswerte) Buch eine grosse Verbreitung findet. Es ist gerade auch für diejenigen geeignet, die latentes Interesse und Neugier verspüren, sich auf diesem Gebiet kundig und es möglicherweise zu einem Denk- und Handlungsansatz zu machen. (KT)

 

Elaine Biech
Unternehmensberater werden und bleiben. Ein Handbuch für den beruflichen Erfolg
Rosenberger Fachverlag, Leonberg 2001, 357 Seiten mit CD-ROM

Jeder, der mit dem Gedanken spielt, sich als Berater selbständig zu machen, sollte des Buch der amerikanischen Beraterin zu seiner Pflichtlektüre machen. Schonungslos werden gleich zu Beginnn ein paar falsche Vorstellungen vom Job als selbständiger Berater demaskiert: wie sich dabei ein 1000$-Tageshonorar in ein Stundenhonorar von gerade noch 5,50$ verwandelt, wird schön vorexerziert und wird manchen sicherlich einiger Illusionen berauben. Dabei will das Buch überhaupt nicht abschrecken, selbst wenn das 11. und letzte Kapitel mit "Wollen Sie immer noch Berater sein?" überschrieben ist. Das Buch hilft einem nur, ein realistisches Bild zu gewinnen: Angefangen von den ersten Kapiteln, in denen es darum geht, sich mit den eigenen Vorstellungen und den eigenen Fähigkeiten auseinanderzusetzen, über die betriebswirtschaftlichen Fragen, was die Geschäftsgründung und die laufenden Geschäftskosten anbelangt, die wichtigen Fragen des Marketings und des Aufbaus von Klientenbeziehungen, bis hin zu Fragen der Bewältigung des Wachstums, der Ethik der eigenen Beratungstätigkeit und der Erhaltung und Weiterentwicklung der eigenen Professionalität und Kompetenz - da wird alles "hautnah" am typischen Beraterleben dargestellt, viel zum Nachdenken angeregt und etliches an brauchbaren Tipps geboten. Dass die ganzen Checklisten, Kalkulationspläne und Musterformulare auch auf der mitgelieferten CD-ROM enthalten sind, ist ein wirklich guter Service. Ich bin bei Büchern aus Amerika ja immer etwas zwiespältig - aber bei diesem Buch überwiegen eindeutig die positiven Seiten: es ist mit Witz und Charme geschrieben und wird nie langweilig - das ist einfach gut geschrieben und übersetzt und damit gut zu lesen. Auch wenn die primäre Zielgruppe Beratungs-Neulinge sein werden: auch gestandene Berater können es als eine Art TÜV-Liste für einen Zwischen-Check benutzen.

 

Franz Biehal / Günther Karner (Hrsg.)
Gratwanderung Change Management. Richtige und falsche Schritte im Large Systems Change
Luchterhand Verlag, Neuwied/Kriftel 2000, 172 Seiten

Einer unserer ausgewiesensten Kollegen im OE- bzw. Veränderungs- und Personalentwicklungs-Management, Franz Biehal, hat mit seinem Geschäftsführer-Kollegen aus der TRIGON Entwicklungsberatung in Österreich einen praxisrelevanten und aufgrund der Nützlichkeit sehr empfehlenswerten Sammelband zum Change Management herausgegeben, zu dem vor allem Berater, aber auch Personal- und Organisationsentwickler bzw. Führungskräfte aus Unternehmen 6 Fallstudien zu Change Management Projekten beigetragen haben. Strategische Neuorientierung: Flughafen Frankfurt, Kundenbegeisterung: SPAR; Unternehmensleitbild: Porsche Inter Auto, Wandel in einem Staatsbetrieb: ÖBf AG, verschiedene Beratungsansätze: Voest-Alpine-Stahl, Steiermärkische Krankenanstalten: Rolle der PE bei Veränderungsprozessen. Dabei wird nicht nur marketingorientierte Berater-Schau geliefert, sondern auch Probleme, Friktionen, und das Lernen aus falschen Schritten aufgezeigt. Friedrich Glasl, konzeptionell so einflussreicher Altmeister der OE im deutschsprachigen Raum, hat im ersten Kapitel die 6 Dilemmata der OE (wie komplex, wie breit, wie uniform, wie offen müssen Prozesse angelegt werden, um Erfolg zu haben) untersucht und daran 7 Basisprozesse der OE angeschlossen. (Über diese liesse sich trefflich streiten, z. B. ob die Diagnose wirklich heute noch so wichtig ist als gesonderter Prozess, oder ob er nicht quasi "nebenher" läuft.) Diese Differenzierung ist allerdings analytisch zu verstehen, denn in der Praxis greifen und wirken sie zusammen.

Auffallend ist natürlich, dass im Titel Change Management steht, im Text aber immer wieder von OE-Prozessen gesprochen wird. Change Management ist wohl nicht nur ein Modebegriff, sondern es soll wohl die Abgrenzung des heute ökonomisch betonten Veränderungs-Managements von der mit dem Soft-Image belasteten OE sein. Schliesslich basiert Change oder Veränderungs-Management zum grossen Teil auf den Konzepten, Methoden und Erfahrungen der OE. Und das macht auch dieses Buch deutlich.

 

Franz Biehal / Günther Karner (Hrsg.)
Gratwanderung Change Management. Richtige und falsche Schritte im Large System Change
Herrmann Luchterhand Verlag, Neuwied 2000

Das Buch umfasst Fallstudien aus der Werkstatt der TRIGON Entwicklungsberatung. Nach einem einleitenden Kapitel, in dem Friedrich Glasl Dilemmata der Organisationsentwicklung in komplexen Systemen beschreibt und sein Konzept der sieben Basisprozesse der OE skizziert, stellen unterschiedliche AutorInnen organisationsumfassende Veränderungsprozesse an Beispielen vorrangig österreichischer Unternehmen dar. Die Veränderungsprozesse werden sachlich beschrieben und jeweils Erfolgsfaktoren für Veränderungen grosser Systeme als Lernerfahrungen aus den Prozessen herausentwickelt. Wünschenswert wäre aus meiner Sicht gewesen, wenn die den Beratungsansätzen und Projektarchitekturen zugrundeliegenden Hypothesen noch stärker expliziert worden wären - wie dies ansatzweise bei der VOEST-ALPINE-Studie beim Vergleich zweier unterschiedlicher Beratungsansätze geschieht. So bleiben die durchaus fundierten Fallstudien doch meistens auf einer beschreibenden und nur gelegentlich reflektierenden Ebene, was bei der Lektüre auf Dauer dann doch etwas ermüdet.

 

Gerhard Bihl
Wertorientierte Personalarbeit.Strategie und Umsetzung in einem neuen Automobilwerk
Verlag C.H. Beck, München 1995, 166 Seiten

Zum 10. Geburtstag von BMWs «Wertorientierter Personalpolitik» stellt Lutz von Rosenstiel in einer umfangreichen Einleitung Indikatoren, Ursachen und Richtungen des gesamtgesellschaftlichen Wertewandels dar. Wer an den praktischen Ausführungen von BMW-Mitarbeiter Bihl mehr Interesse hat, kann diesen Teil getrost überspringen. Er findet auf den verbleibenden 100 Seiten eine übersichtliche Darstellung der personalpolitischen Grundsätze des Automobilerzeugers, zusätzlich werden Konzepte und Massnahmen der praktischen Personalarbeit dargestellt: Arbeitszeitmodelle, Auswahlverfahren, neue Arbeits- und Organisationsstrukturen, leistungsorientierte Entgeltpolitik, etc. Im Anhang findet sich der bereits bekannte Fragebogen zur Aufwärtsbeurteilung. Kurz, aber spannend ist das Kapitel über neue Herausforderungen und Ziele geraten. Darin schlägt Bihl eine plausible Brücke zum Lean Management Konzept und grenzt sich gegen brachiale Massnahmen ab. Wer (nach Sprenger) seine Kulturbekenntnisse auch in der Krise durchhält, wird nicht nur vom Vertrauen der Mitarbeiter belohnt, sondern auch durch Effizienzsteigerung in seinem Weg bestärkt. Ein Praktiker-Handbuch mit klarer Philosophie für alle, die in schwierigen Zeiten nach einem mitarbeiterorientierten Personal(entwicklungs)konzept suchen. (FB)

 

Joseph Galaskiewicz/ Wolfgang Bielefeld
Nonprofit Organisations in an Age of Uncertainty. A Study of Organizational Change
Aldine de Gruyter, New York (Berlin) 1998, 290 Seiten, DM 52.–

Die fälschlicherweise immer noch so genannten Nonprofit-Organisationen (von denen es nur wenige gibt, denn Überschüsse müssen auch sie erbringen), haben immer mehr Management- und Entwicklungsbedarf. Das spüren nicht nur die Berater. Um so wichtiger werden die Informationen über diese Unternehmen und für diese Unternehmen, ob sie sich eigentlich so grundlegend von privatwirtschaftlichen Systemen unterscheiden und welche Folgen das hat. Im vorliegenden Sammelband, deren Kapitel die Autoren jeweils mit Unterstützung anderer Experten geschrieben haben, und die sehr auf die amerikanischen, also sich von deutschen NPO's in Struktur und Prozessen häufig unterscheidenden Organisationen abzielen, werden die Wandelkonzepte, die verschiedenen NPO-Typen, ihr Wachstum und Niedergang, die Umfeldeinflüsse und die Prozesse des Wandels dargestellt und analysiert. Bezugspunkt und Fokus sind dabei die zunehmende Unsicherheit, in die derartige Systeme geraten. Es ist ein wissenschaftlich-konzeptionelles Buch, in dem die Praxis lediglich in den erhobenen Daten repräsentiert ist. Aber auch die sind eine Erhebungs-und Planungsgrundlage. Das Buch kann den Lesern empfohlen werden, die sich mit den konzeptionellen Fragen der NPO's beschäftigen und hier wertvolle Anregungen für Forschung und Analyse erhalten, um darauf die Planung und Gestaltung von Entwicklungsprozessen aufzubauen.

 

Volker Bieta/ Johannes Kirchhoff/ Hellmuth Milde/ Wilfried Siebe
Risikomanagement und Spieltheorie. Wie Global Player mit Risiken umgehen müssen
Galileo Business Press, Bonn 2002, 404 Seiten, Euro 49.90

Dieses praxisorientierte Buch über die Zusammenhänge des heute bedeutenden Risikomanagements und Spieltheorie wird in den Kontext von Basel II gestellt, welches mit der Umorientierung auf zukunftsorientierte Bewertungskriterien hin das Standard-Risikomanagement auf den Kopf stellt: Nicht mehr das Eigenkapital, sondern vor allem die Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer wird zum entscheidenden Faktor für die Finanzierungssicherheit. Damit wird das Management bzw. dessen Qualität insbesondere hinsichtlich der Strategiekompetenz mehr denn je gefordert. Die Autoren, die zum Umkreis des Spieltheoretikers und Nobelpreisträgers Reinhard Sebten gehören, sind Mitbegründer des Kölner Beratungsunternehmens Riskvision GmbH, die sich, wie nur wenige Beratungsunternehmen, durch eine solide theorie- und konzeptgeleitete Arbeit auszeichnen. Die Autoren untersuchen zunächst das Risikomanagement als Kunst oder Wissenschaft (?), um dann die Spieltheorie ins Spiel zu bringen. Sie fragt stets danach, was das richtige Spielmodell ist, was aus der Situation heraus entwickelt werden muss. Dies oder diese Modelle dienen dazu, in Entscheidungsszenarien die Komplexität stark zu reduzieren. In den abschliessenden Kapiteln wird dargestellt, wie das Risikomanagement strategisch auszurichten ist, und sie entwickeln ein Drehbuch für die Strategie als Umsetzungshilfe. Das Buch bietet wichtige und nützliche Hinweise und konkrete Anleitungen für die Gestaltung des Risikomanagements. Es ist nicht so mal eben auf der Bahnfahrt von Köln nach Hannover zu konsumieren sondern verlangt eine intensive Lektüre. Erst damit ist der Gestaltungsnutzen abzuschöpfen. Aber der Stil ist flüssig und nicht überladen.

 

R. Billmeier/ C. Kaul/ M. Kramer/ S. Krapoth/ M. Lauterbach/ K. Rappe- Giesecke
Der Beginn von Coaching-Prozessen. Vom Fall zum Konzept
EHP Verlag, Köln 2005, 202 Seiten, Euro 34.–, ISBN 3-89797-034-1

Der Coaching-Bereich der Volkswagen AG wurde schon früh konzeptgeleitet begründet, als das Coaching noch nicht so verbreitet und modisch war. Die Gründerin und Leiterin Frau Dr. Kaul hat von Beginn an auf die gemeinsame Entwicklungsarbeit des Coaching von volkswageninternen und externen Coaches gesetzt. Daraus entstand das wohl effektivste Coaching-Qualitätssicherungskonzept. In diesem Kontext, den Peter Hartz in seinem Vorwort hervorhebt, ist auch das vorliegende exzellente Buch entstanden.  Wolfgang Looss, einer der wohl erfahrensten und besten Coaches meint in seinem Vorwort zu Recht, dass in diesem Buch «das Leben tobt». Es geht eben wie im richtigen Leben zu, weil hier 11 Anfangssituationen von Coaching dargestellt und dann von allen Autor/ innen bearbeitet werden. Ein Coach schildert den Fall, der dann von den Kollegen kommentiert wird. Es wird gefragt, ob der Einzelfall generalisierbar ist, welchen Fokus man wählen könnte und was seine spezifische Art ist. Dann werden von einer oder vier Autor/innen Material zum theoretischen Hintergrund geliefert (oft sehr assoziativ, aber damit aus dem und für das Leben). Abschliessend schildert der Fallgeber dann die Fortsetzung des Coachings. So kann man Interpretationen und Empfehlungen wiederum am real existierenden Leben prüfen und nicht an Idealen oder Normen. Das Buch mit diesem ungewöhnlichen Konzept hat mehrfachen Nutzen: es vermittelt, was Coaching sein kann. Es ermuntert Anfänger (vor allem darin, konzeptgeleitet zu arbeiten) und es reduziert die Gefahr, der zerstörerischen Kraft von Idealen ausgeliefert zu sein, wenn man als Einzelkämpfer startet. Es ist zu hoffen, oder zumindest zu empfehlen, dass dieser exzellente Start in einer Reihe mit Themen wie dem Ende von Coaching-Prozessen, der Verbindung von Einzelcoaching und OE-Prozessen (weil es beim Coaching doch primär um Kopplung von Person als System und den umliegenden Systemen (Unternehmen) geht, oder der Verknüpfung von Persönlichkeitsdynamik und Systemkonzepten wie beispielsweise mit dem Rollen-Konzept) fortgesetzt wird. Das Potenzial dafür wurde mit dem vorliegenden Buch hinreichend unter Beweis gestellt. (KT)

 

Stephan A. Jansen/ Priddat Birger
Electronic Government. Neue Potentiale für einen modernen Staat
Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2001, 184 Seiten, ¤ 20.20

Die Modernisierung des Staates und der exekutiven Verwaltung wird - so die Autoren - die nächste grosse Revolution sein, die durch das Internet ausgelöst wird, nachdem sich die klassischen Marktbeziehungen durch B2C und B2B-Geschäfte bereits verändern. Insbesondere im Bereich der politischen Einflussnahme entfalten sich zahlreiche Möglichkeiten, dass Bürger direkt auf politische Entscheidungsprozesse Einfluss nehmen können, die bislang durch Formen der Repräsentation abgewickelt wurden. Auch die Verwaltungen müssen sich warm anziehen, denn durch transparente Prozesse können sich Bürger nun z.B. Online ein Bild davon machen, wie der Bearbeitungsstand ihres Anliegens ist und welche Qualitätsstandards erreicht wurden. Natürlich bleibt das Buch überwiegend spekulativ und die Autoren sagen selber, dass viele der skizzierten Möglichkeiten der direkten Einflussnahme und des Online-Feedback auf politische und administrative Prozesse sich so nicht durchsetzen werden. Gleichwohl ist es anregend, den Text zu lesen, zumal man sich von den beiden Autoren sagen lassen muss, dass wir in Deutschland - mal wieder? - mit Überlegungen dieser Art im internationalen Vergleich Schlusslichter sind.

 

Julian Birkinshaw, ED.
Strategic Management. 2 Bände
Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2004, 1088 Seiten, 290 £, ISBN 1-84376-278-1

Dieses umfangreiche zweibändige Werk enthält insgesamt 61 wegweisende, zum Teil schon fast klassische und immer wieder zitierte Artikel von Autoren aus dem Zeitraum von 1966 bis 1999, die nachhaltige Beiträge zum strategischen Management geleistet haben. Die meisten dieser Beiträge wurden ursprünglich in amerikanischen Fachzeitschriften publiziert, die nicht so ohne weiteres zugänglich sind. Von daher kann diese kompakte Gesamtschau der noch recht jungen Teildiszi- plin der Unternehmensführung uneingeschränkt begrüsst werden. Sie gehört in jede einschlägige Bibliothek und in jeden Bücherschrank von Experten, die sich mit diesen Fragestellungen beschäftigen. Der Herausgeber, der dieses Fach an der London Business School vertritt, hat die Beiträge nach sechs verschiedenen Denkrichtungen unterteilt, die sich aus ihren differenten Perspektiven der Natur von Geschäftsstrategien widmen und Erklärungsansätze für Unternehmenserfolg suchen. Der erste Teil unter der Überschrift Wettbewerbsstrategie wurde vor allem von Porters Beiträgen beeinflusst. Der nachfolgende Abschnitt befasst sich mit ressourcenorientierten Ansätzen, die wesentlich von dem durch Prahalad/Hamel entwickelten Konzept der Kernkompetenzen beeinflusst wurden. Unter der Überschrift "Corporate Strategy" dreht sich das nachfolgende Kapitel vor allem um Diversifikationskonzepte. Während diese drei genannten Richtungen in unterschiedlicher Weise von einer mikropolitischen Perspektive ausgehen, widmet sich der folgende Abschnitt einer auf Barnard sowie auf March/Simon zurückreichenden verhaltenswissenschaftlichen Interpretation. Strategie wird dort als ein emergenter Prozess thematisiert, der auch die diskursive Dynamik von Entscheidungen im Management-Team umfasst. Im nachfolgenden Teil werden Autoren zusammengefasst, die sich vor allem den Bedingungen von Innovationen und Entrepreneurship in Organisationen gewidmet haben. Das letzte Kapitel steht schliesslich unter dem Leitgedanken der Entwicklung von globalen Strategien auf den internationalen Märkten. Die Auswahl der Autoren und Beiträge kann alles in allem als sehr gelungen bezeichnet werden. Ihre Zuordnung in die sechs genannten Denkrichtungen ist plausibel. Etwas erstaunlich ist, dass die Sammlung im Jahre 1999 gleichsam abbricht, nicht zuletzt, weil sich in den letzten Jahren etwa auch eine Diskussion gebildet hat, die sich mit den strategischen Auswirkungen einer virtualisierten Welt beschäftigt. (JF)

 

Taschenguide's
1. Wolfgang Mentzel
Mitarbeitergespräche
2. Hans-D. Litke/Ilonka Kunow
Projektmanagement
3. Wolfgang Krüger
Teams führen
4. Anita Bischof/Klaus Bischof
Besprechungen effektiver und effizient
STS Standard Tabellen & Software Verlag
(Haufe Verlagsgruppe) Planegg 1999 bis 2001 (versch. Aufl.), jeweils um 125 Seiten


Diese Reihe, in der bisher knapp 50 Taschenguides zu relevanten Organisations- und Führungs-Themen erschienen sind (Bilanzen, Controlling, Kostenrechnung, Marketing, Konflikte, Rhetorik, Arbeitszeugnisse usw. usf.) aber denen empfohlen werden, die sich schnell und relativ differenziert einen Überblick über ein Thema verschaffen wollen bzw. es Klienten in die Hand drücken wollen. Die Bücher sind sehr gut strukturiert, enthalten viele Checklisten und geben erste Anleitungen für Übungen. Würden Manager den Empfehlungen in den Büchern folgen, wäre schon sehr viel erreicht und systematisch bearbeitet, beispielsweise zu den 4 hier angeführten Titeln. Und immer scheint eine positiv konotierende Grundhaltung durch, wenig Moral und Instruktion. Das Lektorat ist also zu beglückwünschen. Selbstverständlich gibt es zu allen Themen sehr viel tiefgründige, theoretisch begründete und innovativere Bücher bzw. Anleitungen. Die hier vorgestellte Reihe soll auch nur der Hinweis auf einen schnellen Zugriff und Übersicht sein, den man zur ersten Orientierung braucht und der hilft, eine erste Strukturierung des Problemfeldes zu leisten. Die Guide's gibt es schon in vielen Bahnhofsbuchhandlungen.

 

John D. Blair, Myron D. Fottler, Grant T. Savage (Hrsg.)
Advances in Health Care Management - Volume 1
(Jai Press) Elsevier Sience, Amsterdam 2000, 465 Seiten

Vor einem Jahr (Nr. 2/2002) habe ich den Band 2 dieser Forschungsberichte zum Gesundheitswesen vorgestellt. Er hatte mein Interesse für den 1. Band geweckt, was nicht enttäuscht wurde. Meistens ist der erste Band gehaltvoller und enthält mehr Grundsatzbeiträge. Das ist auch hier der Fall. Dieser Band stellt eine Reihe sehr empfehlenswerter Aufsätze zusammen. Beispielsweise den von Goes/Friedman/Seifert und Buffa zur Theorie, Forschung und Praxis der Veränderungsmodelle in der Anwendung auf Gesundheitssysteme. Er gibt eine exzellente Übersicht über die Wandelkonzepte, wie ich sie in der komprimierten Form noch nicht gesehen habe. Oder der Aufsatz von Burns/ Wholey über die Kooperations-Optionen für Ärzte im turbulenten Umfeld. Einige Aufsätze befassen sich mit den neuen Versorgungs-systemen und strategischen Fragen, vor allem aber mit den Herausforderungen für das Management in den sich stark verändernden Gesundheitssystemen.
Eine kurze aber informative Übersicht über die Gesundheitssysteme verschiedener Länder rundet den Band zu einer sehr empfehlenswerten Lektüre ab. Die Autoren sind Forscher, Gesundheitsmanager und teilweise Ärzte von der Grundausbildung her. (KT)

 

Kenneth Blanchard/ John P. Carlos/ Alan Randolph
Management durch Empowerment Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1998, 119 Seiten, DM 36.–

Wenn anerkannte Unternehmensberater und Managementtrainer – und K. Blanchard, J.P. Carlos und A. Randolph sind unbestritten anerkannte Unternehmensberater und Managementtrainer – ein Buch über Empowerment veröffentlichen, dann darf man gespannt sein. Nachdem in den weitaus meisten Unternehmen Kostenreduzierungs-, Lean Management und Downsizing Programme in den letzten Jahren mit mehr oder weniger Erfolg umgesetzt wurden, liegt jetzt Management by Empowerment (was soviel bedeutet wie Ermächtigung, Ausstattung mit Vollmachten oder Bevollmächtigung) im Trend. Auch diese Methode der Erfolgssteigerung richtet sich nicht primär auf den externen Markt, sondern ist eine interne Unternehmensmassnahme. Wie einfach waren aber die Zeiten der o.g. Methoden für das Management, als man quasi die Rezepte aus der Theorie übernehmen konnte und lediglich mit der Durchsetzung beschäftigt war. Empowerment dagegen fordert insbesondere vom Management eine grundlegende Änderung der Wertvorstellungen, also nicht nur diagnostische Fähigkeiten, darüber hinaus noch den Mut zur Verhaltensänderung. Ungewöhnlich ist die Art und Weise der Veröffentlichung. Schildern doch die Autoren alle wesentlichen Züge von Management by Empowerment nicht im Stile eines wissenschaftlichen Textes, sondern lassen einen Manager mit den Problemen bei der Umstellung seines Betriebes ratsuchend bei einem bereits «empowerten Unternehmen» von Mitarbeiter zu Mitarbeiter gehen, und so langsam alle Grundzüge, Elemente und Probleme von Empowerment kennenlernen. Diese Art der Vermittlung eines Konzeptes ist meiner Ansicht nach gelungen, da der Leser nicht ausschliesslich mit den Fakten konfrontiert wird.  Elementare Grundlage von Empowerment ist, wie schon geschildert, eine generelle Werte- und Verhaltensänderung im Management, darüber hinaus gibt es drei weitere Schlüsselfunktionen. Diese beinhalten kurzgefasst zum einen den Zugang zu jeglichen Informationen für alle Mitarbeiter mit gleichzeitiger Abgrenzung der Handlungsräume, um dann innerhalb dieser Grenzen autonom zu handeln, zum anderen weitgehende Aufgabe von Hierarchien um zu selbstgesteuerten Teams zu gelangen. Alle drei Funktionen stehen in «dynamischer Interaktion». «Die Reise ins Land des Empowerment» zeichnet sich somit einerseits durch Handlungsfreiheit aus, andererseits geht aber auch die Verantwortung für die Ergebnisse auf die jeweiligen Mitarbeiter über, was bekanntermassen bei vielen nicht unbedingt mit Freude aufgenommen wird. So bleibt festzuhalten, dass dieses Managementkonzept keineswegs für alle Unternehmen geeignet ist. Es wäre schon ein Erfolg, wenn sich einige wenige auf den Weg zum «Land des Empowerment» machten. Aufbau und Inhalt des Buches haben mich überzeugt, und für diejenigen, die auf halbem Wege in ihrer Organisationsumgestaltung stecken, die der Mut nicht verlassen hat, etwas gänzlich anderes einzuführen, sicher lesenswert.

 

Thorsten Blanke
Unternehmen nutzen Kunst. Neue Potentiale für die Unternehmens- und Personalentwicklung
Klett-Cotta, Stutgart 2002, 299 Seiten, Euro 30.-

Kunst für die Gestaltung und Optimierung von Unternehmen (und nicht nur das Image) zu nutzen ist ein neues Feld, was viel Beachtung verdient. Dabei sollte Kunst nicht so eng auf Malerei bezogen werden, sondern ist eher als Lebensausdruck im weitesten Sinne zu verstehen. Allerdings überwiegt in Publikationen zu diesem Beziehungsfeld immer noch der instrumentelle bzw. verwertende Charakter, d.h., die Frage nach dem Nutzen der Kunst für die Erhöhung von Wettbewerbsvorteilen, Leistungsfähigkeit, Integration und Fähigkeitenbildung der Mitarbeiter. Das ist legitim, aber auf Dauer zu eng. Hier setzt meine grundsätzliche Kritik auch an diesem Buch an, obwohl es eine hervorragende Publikation ist, die sehr empfohlen werden kann. Aber wenn der Autor sich im Vorwort diese Verwertungsfragen stellt, dann hat er eben auch einige Mühe, diesen Blickwinkel zu verlassen. Aber es gelingt ihm doch noch, eher als Ausdruck denn als Programm. Der erste Teil des Buches behandelt die grundlegenden Themen des Einsatzes, von Kunst im Unternehmen. Auf 91 Seiten gelingt dem Verfasser (Schauspieler, Regisseur und Trainer mit eigener Veranstaltungsagentur) ein ebenso anregender wie nützlicher Überblick, der die wesentlichen Themen untersucht. Was er beispielsweise zur OE, UE und Unternehmenskultur schreibt ist exzellent, im Kontext dieses Buches. Als schwächer, aber nicht weniger anregend, empfinde ich die Praxisberichte bzw. Interviews auf 193 Seiten. Hier hätte viel mehr und tiefer ausgelotet werden können. Die Meinungen von Kunstberatern, Managern, Unternehmen sind vielfältig und allemal wichtig, vor allem als Bezugssubjekte. Aber auch als Ideengeber für Anwendungen und als Ermutigung. Es geht dabei nicht nur um die Förderung der Kreativität, sondern auch des Erlebens von Organisationsfähigkeit, neue Formen des Ausdrucks, Erweiterung der Perspektiven usw. Eine weitere Schwäche - die den Wert des Buches nicht schmälert - ist der Mangel, Kunstbetrachtung und -erzeugung als projektive Methode einzusetzen. Hier wäre eine Erläuterung und Begründung der psychologischen Konzepte und Instrumente wichtig gewesen. Das wäre schliesslich ein Feld, wo MitarbeiterInnen überwiegend persönlich profitieren, weil sie etwas über sich, jenseits der Verwertung für das Unternehmen, erfahren. Aber auch Kunst ist niemals perfekt. Eine derartige Forderung würde Zerstörung bedeuten. Und dieses Buch ist in jeder Hinsicht konstruktiv, nützlich und wichtig, trotz einiger grundsätzlichen Fragen, die man stellen muss. (KT)

Knut Bleicher
Das Konzept. Integriertes Management Visionen - Missionen - Programme
Campus Verlag, Frankfurt/Main-New York 2004, (7. überarb. und erweiterte Aufl.), 710 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-593-37634-2

Knut Bleicher hat im Kontext des St. Gallener Ansatzes (den mehrere Hochschullehrer und Forscher dort gemeinsam entwickelt haben) schon 1990 die erste Auflage dieses Stan- dardwerkes zur systematischen Unternehmensentwicklung veröffentlicht. Der St. Gallener Ansatz ist eher an die klassische Kybernetik angelehnt, die stark von Stafford Beer geprägt wurde. Folglich wird ein Unternehmen als ein determiniertes, steuerbares System begriffen. Da behaupten die Systemtheoretiker genau das Gegenteil.
In der FAZ wurde diese 7. Auflage total verrissen, d. h. als überaltet und verwässert bezeichnet und die neuen Kapitel als Stückwerk-Anhang kritisiert. Diesem Urteil kann ich mich gar nicht anschliessen, denn das Konzept ist immer noch eine sehr wertvolle Anleitung zur Gestaltung eines integrierten Management, gerade weil es so viele Beispiele und Anleitungen enthält. Die wesentliche Neuerung neben vielen Ergänzungen, Präzisionen und Differenzierungen ist die Einarbeitung des von Müller-Stewens entwickelten General Management Navigators zur Positionierung strategischen Vorgehens. (KT)

 

Gerhard Blickle (Hrsg)
Ethik in Organisationen
Verlag für Angewandte Psychologie (Hogrefe), Göttingen 1998, 267 Seiten, DM 69.–

Der Dozent an der Universität Koblenz-Landau, der mit Auszeichnung über Kommunikationsethik im Management promoviert wurde und 1996 den Max-Weber-Preis für Wirtschaftsethik erhielt, legt einen Sammelband zu einem Thema vor, das zunehmend in den Mittelpunkt der Diskussion im Unternehmen rückt. Im Grunde genommen geht es um die Frage der Verantwortung in Organisationen im weitesten Sinne – und zwar in einer Zeit, wo sich Empfindungen des Kontrollverlustes verstärken und wieder Werthaltungen gefordert sind (auch in der Wissenschaft!). Auffallend ist, dass in dieser Anthologie von 17 Autoren nur einer aus der Unternehmenspraxis (Dr. Deller – debis) kommt. Ist das Thema deshalb nur für die Wissenschaft relevant oder diskutier- bzw. bearbeitbar? Offensichtlich ist es mit der viel beschworenen Selbstreflektion von Systemen und ihrer Akteure (noch) nicht so weit. Und dabei bekundet der Herausgeber, dass er nicht theorie- sondern problemorientiert konzipiert hat. Er will «die Möglichkeiten und Grenzen ethikinduzierter Gestaltungsziele an zentralen organisationalen Handlungsfeldern aufzeigen: Führung, Organisationsgestaltung, Personalauswahl, Personalentwicklung etc.». Die Beiträge gehen von sehr unterschiedlichen Blickfeldern bzw. Ansätzen aus, und es kommen eine Reihe von Autoren zu Wort, die durchaus viel und Gutes zu sagen haben: Diether Gebert, Hans Lenk, Horst Steinmann, um nur einige zu nennen. Jürgen Deller (debis) stellt ein Projekt zur Verantwortung im Management in der konzernweiten Personalentwicklung vor, das in den Handlungsforschungs-Ansatz eingebettet war und sehr positive Erfahrungen erbrachte. Ich meine, dass dies Buch für die Beschäftigung mit der Ethik in Organisationen sehr geeignet und zu empfehlen ist.

 

Peter Block
Entfesselte Mitarbeiter. Demokratische Prinzipien für die radikale Neugestaltung der Unternehmensführung
SchäfferPoeschel Verlag Stuttgart 1997, 251Seiten, DM 68.-

Das Buch spricht die Aktivisten an, die sich für Reformen im Schulwesen, in der Gesundheitsvorsorge, in Regierungen, die unter Beschuss geraten sind, und in Unternehmen auf dem privaten Sektor einsetzen. Alle Überlegungen beruhen auf den Faktoren Eigeninitiative und Eigenverantwortung als Grundeinstellungen der Mitarbeiter. Darauf aufbauend wird das autokratische Führungskonzept kritisch hinterfragt und durch ein Konzept der Treuhandschaft ersetzt. «Das Treuhandkonzept stützt sich auf das Verantwortungsgefühl jedes einzelnen, konzentriert sich aber dabei auf Dienstleistung zugunsten des Gemeinwohls statt auf Kontrolle.» In diesem Buch geht es nicht um Teiloptimierungen bestehender Managementsysteme, sondern um eine universelle, in sich konsistente Führungsstrategie, die voll ausgerichtert ist nach demokratischen Grundprinzipien, um ein Plädoyer für die Einführung von Demokratie in die Unternehmen. «Der Markt ist zum Prüfstand geworden, auf dem eine Gesellschaft zeigen muss, wie sie ihre Potentiale lebt und entfaltet. Unsere Erfahrungen innerhalb der Organisation bestimmen, ob und in welchem Ausmass wir uns für die breitergefächerten Formen der Partizipation in der Gesellschaft schlechthin einsetzen... Die Entscheidung für Vertrauen und Verantwortungsbereitschaft in unserer eigenen Einflusssphäre ist somit eine Entscheidung, die dem Wohl unserer Organisationen, unserer Gesellschaft und letztlich der grösseren sozialen Gemeinschaft aller Menschen zugute kommt.» Man muss keineswegs die Überzeugung des Autors teilen, eine demokratische Verfassung unserer Unternehmen sei der Weisheit letzter Schluss, um dennoch aus diesem Buch viele Anstösse zu beziehen. Mit grossem Engagement und tiefer psychologischer Fachkenntnis wird das nach wie vor vorherrschende autoritäre Selbstverständnis von Führung in den Unternehmen in Frage gestellt und herausgearbeitet, wie sehr diese Art von Führung die Mitarbeiter dazu einlädt, ihre Verantwortung am Eingangstor des Betriebes abzugeben.

 

Peter Block
Erfolgreiches Consulting. Das Berater-Handbuch
Campus Verlag, Frankfurt/New York 1997, 255 Seiten, DM 78.–

Die amerikanische Originalausgabe erschien bereits 1981 unter dem Titel «Flawless Consulting» und wurde von den qualifizierten OE-Beratern schnell genutzt. Leider hat die Übersetzung 16 Jahre auf sich warten lassen. Aber damit ist das Buch nicht weniger wichtig, aktuell und nützlich! Es ist kein Buch über die Theorie oder das theoretische Konzept der Beratung, sondern eine prozess-orientierte Anleitung für den OE-Berater, auf der Basis der Erfahrungen und exzellenten Qualität dieses amerikanischen Beraters, der zusammen mit Marvin Weisbord eine Sozietät gründete. Der Autor führt mit klaren Konzepten und sehr praktischen Vorschlägen durch den Beratungsprozess und gibt viele Beispiele für die Gestaltung und Umsetzung erfolgreicher Beratung. Ich erinnere mich, dass es eines der ersten amerikanischen Bücher war, wo der positive Umgang mit Konflikten so hilfreich beschrieben und begründet wurde. Das Buch muss jeder OE-Berater gelesen und zur Verfügung haben. Es kann in depressiven Momenten sehr stützend sein und helfen, elementäre Fehler zu vermeiden. (KT)

 

Annette Blumenschein/ Ingrid Ute Ehlers
Ideen-Management. Wege zur strukturierten Kreativität.
Murmann Verlag (früher Gerling Akademie Verlag) Hamburg 2002, 223 Seiten, Euro 22.50, ISBN 3-932425-43-X

Der Gerling Akademie Verlag (heute Murmann Verlag) war bekannt für die qualitativ hochwertigen und teilweise innovativen Publikationen. das gilt auch für dieses Buch von 2002, was die Grundlagen, Konzepte, Methoden und Instrumente der strukturierten Kreativität für das Ideen-Management bietet. über dieses Handlungsfeld gibt es viele gute und schlechte Bücher, aber dieses Buch ist weniger technokratisch, sondern ganz auf den Management- und Führungskontext abgestellt. Hier können Leser sich selber gut einführen und Ideen, Anleitungen und Konzepte weiter entwickeln. Die Darstellung ist sehr gut angelegt, und alle wesentlichen Ansätze werden bearbeitet. Aber: leider ist das Buch auf die personelle Ebene begrenzt, d.h. es geht um die individuelle Kreativität und zu wenig um die strukturellen Voraussetzungen und Massnahmen zum optimalen Ideen-Management. Was nützt mir die hohe Ideen-Vielfalt, die umfassendste persönliche Kreativität, wenn aufgrund von Politik, Macht oder Interessenkämpfen diese Ideen deshalb auf der Strecke bleiben? Dabei geht es nicht um den (modischen) Systemaspekt, sondern schlicht um die organisatorischen und strukturellen Förderungen und Absicherungen, d.h. die Umsetzungserleichterung der vielen guten Ideen. Und dieser entscheidende Teil wird in dem sonst empfehlenswerten Buch leider nicht so behandelt, wie es erforderlich wäre. Auch wenn das Buch über die reine Technikdiskussion hinaus geht, so bleibt der Leser mit diesem Mangel allein. (KT)

 

Dietmar Franke/ Martina Boden (Hrsg.)
Personalhandbuch 2004
Luchterhand Verlag, Neuwied 2003, 846 Seiten

Das Personalhandbuch erscheint alljährlich neu und enthält zu allen Themen der betrieblichen Personalarbeit und des Arbeitsrechts praktische und konkrete Darstellungen, die sich vor allem an betriebliche Praktiker wenden. Auch innovative Fragen werden aufgegriffen, etwa Diskussionen zu den Hartz-Gesetzen oder zur Balanced Scorecard. So hat sich das Handbuch in den letzten Jahren zu einem wichtigen Rat- und Ideengeber entwickelt, das man bei auftretenden Fragestellungen immer wieder gerne zur Hand nimmt. Hilfreich dabei ist eine sehr übersichtliche Gliederung und Gesamtpräsentation, ebenso ein äusserst umfangreiches Stichwortverzeichnis. Eine CD-Rom ist dem Band beigefügt, so dass man das Werk auch elektronisch nutzen kann.

 

Dietmar Franke/ Martina Boden (Hrsg.)
Personal Jahrbuch 2003. Wegweiser für zeitgemässe Personalarbeit
Luchterhand Verlag, Neuwied 2003. 505 Seiten mit CD Rom, EURO 86,00

Dieses periodisch erscheinende Werk enthält wiederum eine didaktisch sehr gut aufbereitete Sammlung von Beiträgen zu den relevanten operativen Leistungsfeldern betrieblicher Personalarbeit und der Führung. Die Beiträge sind kompakt, lesefreundlich und enthalten zahlreiche Anregungen für die praktische Arbeit, von Rechenbeispielen über Checklisten bis hin zu Beispielabläufen. Sie erheben keinen grösseren theoretischen Anspruch, sondern wenden sich an Praktiker, die eine schnelle Problemlösung oder Anregung suchen. (JF)

 

Gisela Bolbrügge
Selbstorganisation und Steuerbarkeit sozialer Systeme
Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1997,
126 Seiten, 36.- DM

Die Autorin untersucht in ihrer Dissertation (bei Eckard König) die Frage, "wie ein ursprünglich naturwissenschaftlicher Begriff der Selbstorganisation sinnvollerweise einer Theorie sozialer Systeme zugrunde gelegt werden kann." Denn dabei führen spez. "menschliche" Faktoren sozialer Systeme zu einer Reihe von Problemen. So greift sie alternativ auf die "kognitive Systemtheorie" von Bateson zurück und diskutiert in diesem Zusammenhang die Chancen, Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten von (erfolgreichen) Interventionen. "Konsequenz davon ist, dass eine erfolgreiche Intervention in einem sozialen System Übereinstimmung der subjektiven Deutungen hinsichtlich der Ziele der Intervention und der Art der Beziehung voraussetzt." Die Steuerbarkeit von Organisationen, schreibt König im Vorwort, "hängt also von der Übereinstimmung subjektiver Deutungen innerhalb dieses Systems über die jeweilige Intervention ab". Also muss zunächst Konsens über die Ziele dieser Intervention hergestellt werden. Die praktischen Konsequenzen sind sicher nicht nur das Aufgeben der "naiven" Form von Anweisungen, sondern eine enorme Differenzierungsarbeit beim Führen und Beraten. Diese Erkenntnis ist nicht revolutionär, aber aufwendig in der Umsetzung. Die Fallbeispiele sind übrigens sehr nützlich für die "systemische" Arbeit der Personal- und Organisationsentwickler. (KT)

 

Uwe Böning/ Brigitte Fritschle
Herausforderung Fusion. Die Integration entscheidet!
FAZ Buch, Frankfurt 2001, 281 Seiten

Das Buch basiert auf umfangreichen Recherchen. Die Autoren beziehen die wichtigen empirischen Untersuchungen über Merger aus den letzten Jahren ein und analysieren zugleich auch sehr ausführlich Fallbeispiele für spektakuläre Unternehmenszusammenschlüsse, die auch durch die Presse gegangen sind. Besonders die chronologische Darstellung dieser Prozesse verdeutlicht sehr instruktiv Hintergründe und Zusammenhänge. Sie werden im Text plausibel mit Zahlen und Fakten hinterlegt. Die Autoren zeigen dabei vor allem, wie wenig Erfahrungen wir mit solchen komplexen Prozessen haben und welche kapitalen Fehler dort immer wieder gemacht werden. Letztendlich scheitern die meisten dieser Vorhaben an überzogenen Machtansprüchen, Unterschätzung der Komplexität solcher Vorhaben und mangelhafter Sensibilität. Die Autoren plädieren für eine gesamtheitliche Vorgehensweise, die technische, strukturelle, strategische und kulturelle Faktoren im Blick haben muss. Dies Notwendigkeit müsste auch bei der Integration der beteiligten Berater bedacht werden, Finanzexperten, Strategieberater und Change-Berater. Sie arbeiten selten Hand in Hand, im Gegenteil. Das Buch endet mit einer Reihe von Empfehlungen für die Gestaltung von Fusionen, die gemessen an den weltenzertrümmernden Attitüden vieler Berater wohltuend bescheiden und pragmatisch wirken. (JF)

 

Marion Bönsch, Kathrin Poplutz
Stolpersteine meistern. Schwierige Seminarsituationen in den Griff bekommen
Windmühle, Hamburg 2003, 199 Seiten, ISBN 3-922789-90-0

Fast jeder, der im Organisations- und Personalentwicklungsbereich tätig ist, hat es schon erlebt - Seminarsituationen, in denen es nicht mehr läuft und Konflikte die konstruktive Lernarbeit zu blockieren scheinen. Die beiden Autorinnen haben solche verfahrene Situationen aus der Praxis von TrainerInnen gesammelt und zu typischen Problemsituationen verdichtet. Vor dem Hintergrund eines an TZI orientierten Analyserasters werden dann unterschiedliche Bewältigungs- und Reaktionsmöglichkeiten aufgezeigt, wie solche schwierigen Situationen aufgelöst werden können.
Für Diejenigen, die sich ihre "Seminarroutinen" erst noch aneignen, bietet das Buch ganz nützliche Anregungen, zumal es nicht den einen Weg, sondern verschiedene Möglichkeiten eröffnet. Checklisten mit reflektierenden Fragen zur jeweiligen Situation bieten weitere Hilfestellungen. (HM)

 

Matthias zur Bonsen
Real Time Strategic Change. Schneller Wandel in grossen Gruppen
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2003, 317 Seiten, Euro 30.-/CHF 51.-, ISBN 3-608-94229-7

RTSC gehört zu den Formen der Grossgruppenmoderation, die in den letzten Jahren immer mehr Verbreitung gefunden haben. Der Fokus liegt dabei auf die Entwicklung einer einheitlichen strategischen Ausrichtung einer Organisation, indem ihre Mitglieder für zwei oder drei Tage in einem Raum gemeinsam an diesem Thema arbeiten. Das Buch besteht im wesentlichen aus vielen praktischen Beispielen, die eine Vielzahl von konkreten Hinweisen für die Gestaltung von RTSC-Konferenzen enthalten, aber auch zahlreiche Anekdoten und Geschichten, die in solchen Arbeitsformen entstehen. Sie illustrieren anschaulich, wie die Arbeit dort läuft. Der Aufbau des Buches ist logisch, es werden die unterschiedlichen Bausteine und Prinzipien der Gestaltung von RTSC erläutert, die konkrete Vor- und Nachbereitung, die Moderatoren-Rolle und schliesslich logistische Hinweise. Insofern kann der Text auch im Sinne eines Handbuchs verwendet werden. Hervorzuheben ist auch, dass der Autor das ursprüngliche RTSC-Konzept um viele erlebnisorientierte Elemente bereichert hat. Dazu gehören im Wesentlichen narrative Formen und künstlerische Inszenierungen. Die Beispiele in diesem Kapitel sind sehr anregend. Eher unbefriedigend finde ich die Begründung dessen, was in Grossgruppen wirklich passiert. Das diesen moderatorischen Ansätzen zu Grunde liegende zentrale Führungsproblem der Koordination und Steuerung von diversen Funktionen und Interessen wird in Kategorien wie "Magie" oder "Energie" thematisiert, die Teilnehmer bekommen "glänzende Augen und den aufrechten Gang", das erinnert zuweilen doch sehr an Massentaumel und wirkt wenig durchgearbeitet. (JF)

 

Matthias zur Bonsen/ Carole Maleh
Appreciative Inquiry (AI). Der Weg zu Spitzenleistungen
BELZ WEITERBILDUNG, WEINHEIM 2001, 120 Seiten, Euro 21.47, CHF 38.70

Wer die Methode "Appreciative Inquiry" kennen lernen möchte, erhält mit diesem Buch eine fundierte Darstellung des Konzepts. In komprimierter Form hat die Mitautorin den methodischen Ansatz und die Vorgehensweise schon in Heft 1/01 der ZOE vorgestellt. Im Buch wird zusätzlich noch explizit auf den Appreciative Inquiry-Summit eingegangen. Im Anhang sind ferner Beispiele für AI-Interviews sowie AI-Summit-Abläufe enthalten. Autorin und Autor, beide als Exponenten von Grossgruppenmethoden bekannt, stehen dem AI-Ansatz sehr "wertschätzend" gegenüber. Die kritische Reflexion des Kontextes, in dem Appreciative Inquiry als Methode entstanden und heute vermarktet wird, kommt demgegenüber zu kurz. Wünschenswert wären auch Erfahrungsberichte, in denen nicht nur dargestellt wird, wie die Methode angewandt werden kann, sondern was sie nachhaltig in den Unternehmen und Organisationen bewirkt. Schliesslich erhebt Appreciative Inquiry ja den Anspruch mehr als nur eine Methode für den Trainermarkt zu sein. (HM)

 

Frank Boos/ Barbara Heitger (Hrsg.)
Wertschöpfung im Unternehmen
Wie innovative Dienstleister die Wettbewerbsfähigkeit steigern
Gabler Verlag, Wiesbaden 2005, 360 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-409-12748-8

In den letzten Jahren rücken die internen Unternehmensfunktionen zunehmend ins Blickfeld, da sie durch das Management von Informationen und die Entwicklung von Potenzialen, Ressourcen und Strukturen einen wichti- gen Beitrag zur Steuerung von Organisationen leisten. Unternehmen lassen sich heute nicht einfach mehr von oben steuern – die Steuerungsimpulse sind vielmehr über die ganze Organisation verteilt. Diese interne Komplexität von Organisationen stellt wachsende Anforderungen an die internen Funktionen. Diese schlagen sich dort in Umbrüchen nieder, die von einem starken Professionalisierungsdruck zeugen. Das Buch aus dem Umfeld der Forschungsgruppe Neuwaldegg will einen Beitrag dazu leisten, die Wert schöpfenden Potenziale dieser Funktionsbereiche gezielter für die Organisationen nutzbar zu machen. In ihrer Einleitung skizzieren die Herausgeber (zusammen mit Cornelia Hummer) die Entwicklungslinien und die Widersprüche und Spannungsfelder der internen Funktionsbereiche. Mit Recht kritisieren sie, dass diese Funktionen selbst noch viel zu wenig zusammen arbeiten – eine Aufgabe, die angesichts der Wechselwirkungen der jeweiligen Konzepte und Tätigkeiten dringend erforderlich wäre. Das Buch gliedert sich dann in die relevanten Funktionsbereiche: Unternehmenssteuerung, Strategie und Corporate Development, Controlling, Human Resources, Unternehmenskommunikation, IT und Interne Beratung und Organisation. In zwei bis drei Beiträgen unterschiedlicher Autoren werden jeweils zentrale Aspekte und Problemfelder der angesprochenen Bereiche analysiert. Die einzelnen Beiträge sind in ihrer Machart sehr unterschiedlich (und sicherlich aus unterschiedlichen Kontexten heraus entstanden), was einerseits reizvoll ist, weil dadurch auch deutlich unterschiedliche Aspekte durchleuchtet werden. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass in den Beiträgen der Bezug zu den in der Einleitung dargestellten Fragestellungen und Thesen deutlicher geworden wäre – insbesondere was die Rolle der jeweiligen Funktionsträger anbelangt. Das Buch bietet so eher eine gute Bestandsaufnahme der Arbeit der Neuwaldegger und ihrer Forschungspartner in den jeweiligen Funktionsfeldern, als die stringente Verfolgung des Themas, wie sich die Handlungsträger in diesen Funktionsfeldern besser auf die auf sie zukommenden Herausforderungen einstellen können, was zunehmend auch zu einer Überlebensfrage wird. Schließlich sind gerade die internen Unternehmensfunktionen immer wieder Kandidaten bei «Make or buy»-Entscheidungen. Und wenn man in diesen Bereichen als Berater arbeitet, spürt man auch immer wieder die Unsicherheit bei den Betroffenen, wie man sich strategisch aufstellen und die eigenen Potenziale entwickeln könnte. Wer sich auf die heterogenen Beiträge einlässt, kann diesbezüglich durchaus fündig werden, muss aber selbst seinen roten Faden entwickeln. (HM)

 

Ingwer Borg
Mitarbeiterbefragungen - kompakt
Hogrefe-Verlag, Göttingen 2002, 113 Seiten, ISBN 3-8017-1624-4

Das schmale Büchlein bietet eine recht brauchbare Einführung in den Themenkomplex Mitarbeiterbefragung. Erfreulich ist besonders, dass den Kontexten, in denen Mitarbeiterbefragungen entstehen, eingeführt und verwendet werden, breiten Raum eingeräumt wird - im Unterschied zu anderen Büchern zu diesem Thema, die fast ausschliesslich bei der Darstellung wissenschaftlicher Kriterien für Befragungen generell stehen bleiben, und den sozialen Kontext, in dem diese Befragungen in Organisationen stehen, darüber vernachlässigen. Zweck und Ziele einer Mitarbeiterbefragung können im betrieblichen Kontext ja sehr unterschiedlich sein - und oft beeinflussen hidden agendas eine Befragung nicht unwesentlich. Zurecht weist der Autor darauf hin, dass jede Befragung nicht einfach nur eine Messung sondern zugleich eine Intervention sind. Hier hätte man vielleicht noch intensiver ausleuchten können, was es bedeutet, wenn eine Organisatione sich selbst "beobachtet" und welche "Wirklichkeiten" dadurch konstruiert werden.
Der Autor unterscheidet verschiedene Formen der Befragung, konzentriert seine Darstellung dann jedoch vorrangig auf die übergreifende quantitative Mitarbeiterbefragung. Hier gelingen ihm sehr praxisbezogene und nützliche Darstellungen der wesentlichen Schritte bei der Einführung einer solchen Befragung und der wichtigen kommunikativen Aspekte, die dabei berücksichtigt werden müssen. Gerade weil die Darstellung nicht zu sehr wissenschaftlich überfrachtet ist, bietet sie einen gut strukturierten Leitfaden für ein solches Vorhaben. (HM)

 

David Bornstein
Die Welt verändern. Social Entrepreneurs und die Kraft neuer Ideen
Klett-Cotta, Stuttgart 2005, 409 Seiten, Euro 24.50, ISBN 3 608 94411 7

Dieses Buch greift eine ebenso wichtige, wie unterschätzte Problematik auf. In zunehmenden Maß können die sozialen Probleme der modernen Welt nicht mehr durch den staatlichen oder privatwirtschaftlichen Sektor gelöst werden. Das gilt nicht nur für die so genannte dritte Welt – viele ihrer Probleme haben inzwischen auch westliche Industriegesellschaften eingeholt. Der Bedarf an nachhaltigen Innovationen, die das friedliche Zusammenleben, medizinische Versorgung oder Chancengleichheit ermöglichen, ist immens. Hier wirken die Social Entrepreneurs, die für die Zivilgesellschaft eine vergleichbare Rolle haben, wie Unternehmer in der Privatwirtschaft. Sie treiben mit Visionen, Tatkraft und persönlichen Opfern große und kleine Ideen für Veränderungen voran, oftmals schon lange bevor Regierungen und internationale Gremien reagieren. Daher werden diese Treiber auch von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, sie wirken im Stillen und oftmals unauffällig. Man findet sie auch in allen Schichten und Berufsgruppen. In seinem überaus lesenswerten Buch beschreibt Bornstein an vielen, zum Teil bewegenden Fallbeispielen aus der ganzen Welt die Rolle und Wirkung dieser Innovatoren. Zugleich versteht er es, diese Beschreibungen in einen Kontext zu stellen, aus dem sich die wachsende Bedeutung von Innovationen in der Zivilgesellschaft erschließt. Da soziale Innovationen das tägliche Geschäft von Organisationsentwicklern sind, wird die Lektüre dieses Bandes vielseitige Anregungen vermitteln. Darüber hinaus richtet er sich an alle Leser, die sich mit Veränderungen in globalen Projekten der Entwicklungshilfe und der technischen Zusammenarbeit befassen. Das Buch macht Mut und es fordert auf, sich weiter systematisch mit dieser drängenden Problematik zu befassen. (JF)

 

Yury Boshyk (HRSG.)
Action learning worldwide. Experiences of leadership and organizational development
Palgrave Macmillan, New York 2002

Diese Sammlung von 21 Beiträgen zum Action learning haben bei mir gemischte Gefühle (von Interesse bis Skepsis) ausgelöst.
Die drei einführenden Beiträge sind weder in der Übersicht noch thematisch geeignet, hilfreich auf das Thema vorbereitet zu werden. Revans wird als Autor und Leiter eines Forschungsinstitutes zu sehr in den Mittelpunkt gestellt.
Wenn man aber mit dem Ansatz des Aktionslernens (über das es noch nicht so viele Publikationen gibt) vertraut ist, dann sind die 18 Fallstudien aus Nord- und Südamerika als Anregungen gut geeignet. Mich stört allerdings auch da die Vermarktungstendenz, da etliche Begriffe und Konzepte als eingetragene trade marks™ zu sehr hervorgehoben werden.
Ich meine, dass das Buch weniger etwas für die ist, die sich einführen lassen wollen, sondern für Experten, die ihr methodisches Know-how erweitern wollen. (KT)



 

Roman Boutellier / Oliver Gassmann / Maximilian von Zedtwitz
Managing Global Innovation. Uncovering the Secrets of Future Competitiveness
Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 1999, 626 Seiten, DM 89.-

Das Buch handelt von den Notwendigkeiten bzw. Wirkungen der Globalisierung für Verbesserungen der Wettbewerbsposition von Unternehmen. Gerade die Daimler Chrysler AG, deren F & E - Konzept in diesem Buch auch vorgestellt wird, hat vielleicht am meisten gerade im F & E - Bereich aus der Fusion profitiert. Das ist ein konkretes Beispiel dafür, wie die Globalisierung zu Innovationsschüben geführt hat. Und darum geht es in diesem Buch: der Steigerung der Innovationsfähigkeit und -leistungen durch Internationalisierung. Zunächst werden die Herausforderungen, Trends und Muster des globalen F & E - Management untersucht, auf der Basis von 240 Interviews. Dann werden auf knapp 400 Seiten, also 2/3 des Buches, 18 Fallstudien internationaler Unternehmen ausführlich vorgestellt (DuPont, Roche, Schering, Nestlé, Xerox, IBM, SAP, ABB, Hitachi, MTU und viele andere). Abschliessend wird daraus ein Resumée zur Organisation globaler F & E - Bereiche gezogen. Das Buch wendet sich an Forschungsingenieure und -manager und sie werden sich bei der Lektüre dieses Fachbuchs auch leichter tun. Ich bin aber der Meinung, dass aus der systematischen Aufbereitung und der Verbindung der verschiedenen Elemente zu einem System auch andere Funktionsbereiche für die Globalisierungs-Strategien entscheidende Anregungen entnehmen können.


 

Nakiye Avdan Boyacogiller/ Richard Alan Goodman/ Margaret E.Philipps, EDS.
Crossing Cultures. Insights from Master Teachers
Routledge, London and New York 2003, 331 Seiten, 29.99 £, ISBN 0415312043

Dies ist kein neuer Band über interkulturelles Management, das zum wiederholten Male und in stupider Stereotypie Hofstede oder Trompenaars nachbetet. In diesem Buch haben sich Experten aus unterschiedlichen Disziplinen, Anthropologie, Soziologie, Verhandlungs- und Konfliktforschung, Pädagogik, Ethik oder ökonomie versammelt, die zunächst aus der Perspektive ihrer Disziplinen auf Kulturen und kulturelle Differenzen schauen. Dann richtet es sich vornehmlich an Leser, die im weitesten Sinne den Umgang mit Kulturen, Normen, Unterschiedlichkeit und Diversität «lehren» oder trainieren. Die Aufmachung der jeweiligen Kapitel ist vor diesem Hintergrund sehr originell und adressiert gezielt didaktische Interessen. Jeder Beitrag beginnt mit einer Darstellung seines konzeptionellen Hintergrundes, es folgen Anregungen, wie das Material der Zielgruppe präsentiert und dargestellt werden kann, schliesslich sensibilisiert er für Schwierigkeiten und Konflikte, die mit diesem Stoff verbunden sind und die anregungsreiche didaktische Situationen kreieren können. Die Autoren liefern keine Rezepte, sondern offene Situationen, die es ermöglichen, die eigene Lösungsphantasie und Sensibilität ins Spiel zu bringen. Sie repräsentieren und lehren Bescheidenheit und Respekt. Insofern heben sie sich sehr wohltuend von vielen grossspurigen Gurus ab, die uns suggerieren, die Lösungen schon in der Tasche zu haben. Dabei sind diese oftmals selber eher das Problem. (JF)

 



Peter Reason / Hilary Bradbury (Hrsg.)
Handbook of Action Research. Participative Inquiry & Practice
Sage Publications, London 2001, 468 Seiten

Dieses umfangreiche Handbuch über die Aktionsforschung (AR), also eine von Kurt Levin bevorzugte und zur Reife entwickelte Forschungs- und Veränderungsmethode, stellt die neuesten Forschungs- und Anwendungsergebnisse zusammen. Die Aktionsforschung ist ja eine Interventionsmethode der OE und gleichzeitig eine ihrer Ursprünge, wenn man nicht nur die Michigan-Methode der Datenerhebungs- und Rückkopplungsverfahren heranzieht. Leider wird dieser Aktionsforschungsansatz in der betrieblichen OE-Praxis zu wenig genutzt bzw. praktiziert, wohl weil sie fundiertes Wissen und Erfahrung voraussetzt. Und doch sind Elemente oder Grundansätze in vielen OE-Projekten vorhanden: die partizipative Erforschung einer Frage oder eines Problems und die eingeleiteten unmittelbaren Veränderungsmassnahmen, deren Wirkungen wiederum erfasst werden. Das wichtige und empfehlenswerte Handbuch ist in 4 Teile gegliedert: Grundlagen (Einführungen, AR am Arbeitsplatz, AR und ihr Verhältnis zum sozialen Konstruktivismus und Systemansatz usw., die aber oberflächlich geraten sind). Der 2. Teil ist der Praktizierung gewidmet. Hier sind Aufsätze von Ed Schein über die klienteninitierte Forschung, sowie die Bedeutung der Sprache und AR im Prozess grosser Gruppen (was heute relevanter wird) von Bedeutung für uns. Der 3. Teil enthält 15 Anwendungsbeispiele, vor allem im klinischen und Forschungs-Bereich und der Entwicklungshilfe. Der abschliessende 4. Teil ist den Fertigkeiten bzw. deren Vermittlung gewidmet, die AR benötigt. Leider ist die Unternehmenswelt nur wenig einbezogen, aber das ist nur ein Mangel, keine Schwäche. Engagierten PE und OE'lern kann dieses Buch wirklich empfohlen werden.

 

David L. Bradford/ W. Warner Burke (Hrsg.)
Reinventing Organization Development. New approaches to change in organizations
Pfeiffer (John Wiley) San Francisco 2005, 230 Seiten, Euro 30.–, ISBN 0-7879-8118-4

Die Organisationsentwicklung (OE) befindet sich vor allem in den USA in einer Krise. Und das wird in diesem Sammelband wesentlicher OE-Experten auf der einen Seite analysiert, auf der anderen Seite versuchen einige Autoren Wege aufzuzeigen, wie OE wieder an Fahrt und Relevanz gewinnen könnte. J.B. Harvey plädiert allerdings für eine würdevolle Beerdigung der OE. Durchgängig wird diagnostiziert, dass die OE ihre zentrale Rolle verloren hat, nur noch in den unteren Ebenen der Unternehmen eingesetzt wird, um Probleme zu beseitigen, zu sehr auf humanistische Werte begrenzt ist, sich nur noch mit Prozessen beschäftigt ist usw. usf. Die Herausgeber plädieren im letzten Kapitel des Buches dafür, dass der «O»-Teil mehr betont werden muss, dass es nicht nur um menschliche Prozesse der Kooperation u.a. gehen kann und die (humanistischen) Werte nicht allein die zentralen Rollen spielen dürfen. Nur Greiner und Cummings (der ehrwürdige Programmatiker einerseits und der exzellente Buchautor andererseits) entwerfen ein Programm im 6. Kapitel, was OE an die veränderten Kontextbedingungen der Organisationen anzupassen versucht: mehr Aktivitäten im strategischen Feld, auf den oberen Ebenen, und im Personalmanagement. Verschiebung des OE-Fokus auf ökonomische Aspekte der Effektivität und mehr Arbeit an den Perspektiven und Visionen. Dies hier kurz gefasste Programm wird in diesem Jahr noch in einem Aufsatz von Cummings in dieser Zeitschrift begründet. So ganz überzeugend sind die Überlebens- und Verbesserungsempfehlungen der OE von Argyris, Schein, Petrella, Vaill u.a. in diesem Buch nicht. Sie sind nicht falsch, aber nicht hinreichend. Wenn man sich die US-Praxis ansieht (z.B. die Kongress Programme der großen OE-Gesellschaften), dann sind es wirklich die humanistischen Werte, auf die sich die OE weiterhin fast ausschließlich bezieht und die völlige Ignoranz des systemischen Ansatzes, der, wenn überhaupt, nur im Rahmen der Kybernetik 1. Ordnung aufscheint. Larry Greiner hat bereits 1972 (!) in einem provokativen Artikel (Red Flags in Organization Development) sechs Warnsignale für die Krisenanfälligkeit der OE beschrieben. Die gelten heute noch (nach über 30 Jahren) und haben fast keine Wirkung erzeugt. Ich meine, wir sind da in Deutschland schon seit den 90er Jahren weniger lethargisch und haben uns zwar nicht so weiterentwickelt, wie es notwendig wäre, aber doch eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen.Insofern ist das Buch nicht weiterführend, weil es sich überwiegend auf die Diagnose der Fehlentwicklungen konzentriert. Aber einige Empfehlungen zur Veränderung der OE sind wichtig, weil sie uns bestätigen und ermuntern. In diesem Sinne ist es ein anregendes Buch, weil es eine konzentrierte Übersicht der Fehlentwicklung bietet. (KT)

 

Barry Nalebuff/ Adam Brandenburger
Coopetition - kooperativ konkurrieren
Mit der Spieltheorie zum Unternehmenserfolg
Campus Verlag, Frankfurt/New York 1996, 307 Seiten, 78.- DM

Es geht um Empfehlungen, wie man das Spiel (als solches wird das Geschäft gesehen) und nicht nur die Spielweisen ändert. Das Vorgehen wird mit dem Kunstbegriff Coopetition (aus cooperative competition = kooperativ konkurrieren) belegt und basiert auf den Erkenntnissen der Spieltheorie, die ja zunehmend in der Unternehmenspraxis rezipiert wird. Unternehmen agieren auf dynamischen und wechselnden Spielfeldern, sie spielen mehrere Rollen. Auf ihren Absatzmärkten mögen sie hart um Kunden kämpfen, doch beim Einkauf können Kooperationen mit Mitbewerbern Vorteile für alle Beteiligten bringen. Es geht also darum, sich nicht darauf zu beschränken, ein vorgefundenes Spiel zu spielen, sondern das Spiel aktiv zu gestalten. Damit soll das klassische Denken in Gewinner-Verlierer-Konstellationen überwunden werden. Es soll also ein neues, vielversprechendes Managementwerkzeug für strategische Entscheidungen vorgestellt werden, d.h. Unternehmen bei der systematischen Abschätzung der Folgen eigener und fremder Entscheidungen unterstützen. Anhand von vielen Fallstudien (Erfolgsgeschichten) und Checklisten wird das neue Denkmodell erklärt, mit dem allseitig vorteilhafte Ergebnisse erzielt werden können. Es werden 5 Hebel beschrieben, an denen Unternehmen ansetzen können. Ein längerer Artikel (statt 280 Seiten) hätte es vielleicht auch getan. Das Vorwort ist schon geschwätzig. (KT)

 

Hans-Jürgen Warkecke, Jochen Braun (Hrsg.)
Vom Fraktal zum Produktionsnetzwerk Unternehmenskooperation erfolgreich gestalten
Springer Verlag, Berlin 1999
193 Seiten; DM 79.--/ATS 577.öö/Sfr 72.--

Das Buch von Prof. Warnecke und seinen Mitarbeitern aus dem Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung knüpft an seine früheren Ðberlegungen zur fraktalen Fabrik an, in denen es um das Zusammenwirken von autonomen , selbst verantwortlich handelnden Organisationseinheiten ging. Nun geht es um die Zusammenarbeit selbständiger Unternehmen in Netzwerken. In seinem grundlegenden Kapitel macht Warnecke noch einmal deutlich, wie zunehmende Komplexität, verstanden als Vielfalt der Verhaltensmöglichkeiten der Elemente und der Veränderlichkeit der Wirkungsverläufe, und steigende Dynamik im Handlungsumfeld der Unternehmen, die mit einer abnehmenden Vorhersagbarkeit von Veränderungen einhergeht, neue organisatorische Gestaltungsansätze bedingen. Darauf aufbauend entwickelt sein Co-Herausgeber ein Modell als Orientierungsrahmen für die Ausrichtung eines Produktionsnetzwerkes, das unterschiedliche Handlungsebenen als zentrale Gestaltungsfaktoren thematisiert. Das Modell bietet in der Tat eine gute Orientierung, doch wächst mit wachsender Lektüre der Wunsch nach Forschungen, die den Blick hinter das Modell wagen und näher durchleuchten, was dazu führt, dass sich bei vielen Unternehmen, die den Schritt in Richtung Vernetzung gehen, oftmals nicht der gewünschte Erfolg einstellt. Hier bleiben mir auch die Ausführungen der weiteren Autoren, die sich spezifisch mit den Themen "Organisationsstrukturen", "Menschen im Netzwerk" und der Informations- und Kommunikationstechnologie als Schlüsselfaktor beschäftigen, auf einer zu allgemeinen, modellhaften Ebene: Dies ist weniger eine Kritik an den Inhalten als der Wunsch, noch stärker die konkreten Umsetzungsbedingungen in der Praxis zu reflektieren. Für das wichtige Thema der Gestaltung zukunftweisender Organisationsstrukturen bietet das Buch jedoch auf jeden Fall eine fundierte und logisch stringent aufgebaute Darstellung.

 

Roman Braun/ Helmut Gawlas/ Amanda Schmalz/ Edgar Dauz
Die Coaching Fibel. Vom Ratgeber zum High Performance Coach
Linde Verlag, Wien 2004, ISBN 3 7093 0043 6, 304 Seiten, Euro 27.20

Dieser praktische Rategeber für Coaches hinterlässt ein mehr als zwiespältiges Gefühl. Einerseits fand ich eine Reihe von verwertbaren praktischen Hilfen und konkreten Beispielen, die ausführlich dargestellt werden. Andererseits konfundieren die Autoren so ziemlich alle konzeptionellen Ansätze zum Coaching, die en vogue sind oder waren. Hinzu kommt eine aufdringliche Tendenz zum name dropping, Freud, Kant, Aristoteles, Einstein etc., gepaart mit einer zuweilen bombastischen Sprache, die peinlich an Verkaufsveranstaltungen erinnert. Der Eklektizismus der Autoren wird besonders sinnfällig am Kapitel über Team-Coaching. Es beginnt mit einer Metapher über die Kooperation in Gänse-Schwärmen, dann wird das Tuckman-Modell angeheftet, gefolgt von einer mehr als simplen Typologisierung von Rollen (Alpha, Beta, Gamma etc.) in Teams, dann kommen sie auf die Bedeutung gemeinsamer Ziele, schliesslich präsentieren die Autoren ihr Erfolgsmodell für Team-Coaching, gefolgt von gut drei Seiten über Moderation, die u.a. wiederum auf eine triviale Typologisierung von Teammitgliedern zurückgreift (Opfer, Diva, Retter, Nörgler etc.). Den inneren Zusammenhang sucht man vergeblich, das Ganze wirkt wie Stückwerk. Sehr streiten kann man schliesslich auch über den Einsatz von Methoden aus der Hypnotherapie, die der Klient nicht kontrolliert. Die Autoren gehen über dieses Thema fröhlich hinweg und verraten an keiner Stelle irgendeine Form von Problembewusstsein. (JF)

 

Ulrike Brecht
Potentiale und Blockaden der kommunalen Leistungserstellung. Eine Kritik des Neuen Steuerungsmodells
Rainer Hampp Verlag, 2. Aufl. München/Mering 2000, 309 Seiten

In der hier nun bereits in 2. Auflage vorliegenden Dissertation von 1999 an der Universität Kassel, geht die Autorin den Gründen für diese Enthaltsamkeit nach. Auf der Basis einer empirischen Untersuchung werden die Potentiale und Blockaden der praktischen Umsetzung in den Kommunen analysiert. Das neue Steuerungsmodell, das im Kern auf einer mechanischen Steuerungslogik beruht, verfehlt sein Ziel der strukturellen Modernisierung der öffentlichen Verwaltung. Mit der Fokusierung auf die Einführung betriebswirtschaftlicher Instrumente bleiben innovative arbeitsorganisatorische Modelle ungenutzt, so dass als Ergebnis die tayloristisch ausgerichteten Arbeitsabläufe in der Verwaltungsorganisation nicht durch prozess- und entwicklungsorientierte Konzepte aus Organisations- und Managementforschung abgelöst werden. Nur durch umfassendere Ansätze können die Modernisierungspotentiale der kommunalen Leistungserstellung mobilisiert werden. Das zentrale konzeptionelle Defizit des Modells liegt wohl in dem Misslingen, die Steuerungsprobleme des politisch-administrativen Systems auf die Bedingungen des neuen Steuerungsmodells zuzuschneiden. Die Veränderung müsste zudem auf einer entwicklungsorientierten Organisation mit allen Konsequenzen für entsprechende Strukturen und Prozesse liegen. Weitere zentrale Elemente sind Produkt- und Qualitätsmanagement, Verantwortungsstrukturen, resourcenorientiertes Rechnungswesen und Controlling u.a. Dies Buch kann aber anderen innovativen Kapazitäten den entscheidenden Anstoss geben, hier eine wichtige Entwicklung erneuernd fortzuführen.

Thomas Breisig (Hrsg.)
Mitbestimmung – Gesellschaftlicher Auftrag und ökonomische Ressource – Festschrift für Hartmut Wächter
Rainer Hammpp Verlag, München u. Mering 1999, 436 Seiten, DM 73.70

Diese Festschrift soll Prof. Dr. Hartmut Wächter zu seinem 60sten Geburtstag ehren. Und das hat der engagierte Hochschullehrer, politisch sich positionierende Autor und um Aufklärung bemühte Forscher sehr wohl verdient. Der Buchtitel steht für das zentrale Arbeits- und Kenntnisgebiet des Geehrten, obgleich er auch im Personalmanagement, Arbeitsgestaltung usw. wichtige Arbeiten publiziert hat. Ich möchte nur einige Beiträge dieser Festschrift herausgreifen, um sie potentiellen Lesern schmackhaft zu machen: ungewöhnlich ist (mal wieder!) und wichtig dazu, die Art und Weise, wie Gertraude Krell sich mit dem Verhältnis von Mitbestimmung und dem Problem der Gleichstellung der Frau in einem Dreiakter auseinandersetzt. Das (Theater-) Stück erzählt von der langen Geschichte der Schwierigkeiten und Hürden bei der Wahrnehmung von Fraueninteressen im Rahmen der Mitbestimmungs- und Tarifpolitik. Ebenso anregend sind die Aufsätze von Kubicek/Hagen zur gesellschaftlichen Partizipation per Internet, «Mitarbeiter als Mitunternehmer» von Rolf Wunderer, und die Auseinandersetzung von Walter A. Oechsler mit der Frage, ob das deutsche Regelungssystem eine Zukunft im internationalen Wettbewerb hat (Globales Management und lokale Mitbestimmung). Auch Peter Hartz hat sich zum Transformationskonzept von VW geäussert und viele mehr. Wer sich für die Wirkungen und Perspektiven der Mitbestimmung in all seinen Feldern, Facetten und Anwendungen interessiert, für den wird diese Festschrift eine herausfordernde Wissens- und Reflektionsquelle sein.

 

Inge Brenner/ Hanno Clausing/ Monika Kura/ Bernd Schulz/ Hermann Weber
Konflikte bearbeiten. Das pädagogische Rollenspiel in der betrieblichen Praxis Windmühle GmbH Verlag, Hamburg 1996, 386 Seiten, DM 59.–

Drei Trainer und ein Personalleiter haben den Live-Mitschnitt eines tatsächlich stattgefundenen Seminars zu einem Buch aufgearbeitet. Die Rollen von 12 Menschen (10 Führungskräfte und 2 Referenten) werden von den Autoren verkörpert, so dass sich der Inhalt sehr stark an den Erlebnissen der Autoren orientiert. Es ist ein Buch für «gruppenerfahrene» Trainer und Personalentwickler, die sich mit der praktischen Arbeit und den Techniken des pädagogischen Rollenspiels näher beschäftigen wollen. Die theoretischen Wurzeln dieser aktiven Lern- und Entwicklungsmethode liegen in der Schule des Psychodramas von J. L. Moreno. Die Einführung neuer sozialer «Rollen» eröffnet dabei den Teilnehmern neue Erlebnis- und Handlungsmöglichkeiten, um Ursachen und Gründe für Konflikte herauszuarbeiten und bearbeiten zu können. Wir machen ja alle die Erfahrung, dass diese «spielerische» Methode sehr intensive Lern- und Entwicklungsprozesse vermitteln kann und in der Praxis meistens auf grosses Interesse und Bereitschaft stösst. Im Wesentlichen gibt das Buch den gesamten Mitschnitt des 4-tägigen Rollenspiels wider. Das allein wäre wohl langweilig, auch wenn es als Grundlage für Analysen und Übungen genutzt werden könnte. Bedeutsam ist hingegen, dass das Autorenteam an den entscheidenden Stellen theoretische Inputs gibt, wo Klärung notwendig ist, und dass es in einer Prozessleiste am Seiten-Rand jeweils angibt, wie weit die Seminarentwicklung bzw. das Rollenspiel vorangeschritten ist. Es ist damit sicherlich ein nützliches Buch in diesem Feld.


 

Dirk Fornahl/ Thomas Brenner, ED.
Cooperation, Networks and Institutions in Regional Innovation Systems
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos.2003, 368 Seiten, ca. Euro 98.–, ISBN 1840649836

Der Einfluss räumlicher Aspekte auf Kommunikation, Kooperation und Austausch in innovativen Entwicklungen ist theoretisch schon länger ausgearbeitet, praktisch aber immer noch unterschätzt. Die Autoren dieses Sammelbandes zeigen, dass innovative lokale Cluster sich entlang spezifischer Muster und in rekonstruierbaren Phasen entwickeln. Dabei spielen einzelne Akteure, insbesondere natürlich Entrepreneure eine treibende Rolle, die sich in einem entsprechenden institutionellen Umfeld, lokalen Kulturen, kognitiven Bezugssystemen und Netzwerken entfalten bzw. umgekehrt diese generieren. Von besonderem Interesse ist, dass verlierende Regionen nicht zuletzt aufgrund von lähmenden Lernpathologien und defensiven Kognitionen entstehen und ihren Niedergang gleichsam selber erzeugen. Hingegen verbreitet sich in prosperierenden Regionen ein Klima des auf sich Vertrauens und des Aufbruchs. Die Beiträge zeigen exemplarisch, wie genau solche mentalen Modelle entstehen und vergehen.
Das Buch besticht dadurch, dass die theoretische Fundierung durch viele Fallbeispiele hinterlegt wird. Zugleich enthält es eine Reihe von praktischen und politischen Empfehlungen, so dass es nicht nur für den theoretisch interessierten Leser geeignet ist, sondern gerade auch für Kollegen, die sich praktisch mit nachhaltiger Entwicklung von Regionen, Institutionen und Netzwerken befassen, um innovatives Potenzial freizusetzen. (JF)

 

Kristine Erb
Die Ordnungen des Erfolgs. Einführung in die Organisationsaufstellung
Kösel-Verlag, München 2001, 207 Seiten, Euro 24.95

Klaus-Peter Horn/ Regine Brick
Das verborgene Netzwerk der Macht. Systemische Aufstellung in Unternehmen und Organisationen
Gabal management, Ludwigshafen 2001, 240 Seiten, DM 49.80

Das wachsende Interesse an den Konzepten der Organisationsaufstellung schlägt sich nicht nur in einer Zunahme entsprechender Ausbildungsseminare nieder, auch auf dem Buchmarkt tut sich was. Dabei verhält sich das Thema "Aufstellung" zur gedruckten Buchform zunächst etwas sperrig: Wie lässt sich die Dynamik einer Aufstellung im Raum auf Papier transportieren? Kann verbale Be- und Umschreibung etwas von dem wiedergeben, was im konkreten Erleben wahrgenommen und gespürt wird? Um es vorweg zu nehmen: beiden Büchern gelingt dies eigentlich ganz gut - allerdings auf höchst unterschiedliche Art und Weise, die darauf schliessen lässt, dass beide Bücher aus einem unterschiedlichen Kontext heraus entstanden sind und letztlich auch unterschiedliche Zielgruppen ansprechen wollen. Das Buch von Kristine Erb ist vor allem aus dem Lehren der Aufstellungsarbeit entstanden und richtet sich an Berater, Therapeuten und solche, die die Methode lernen möchten. Wie der Subtitel besagt, bietet es eine Einführung in die Aufstellungsarbeit: die Aufstellungstechnik wird - unterstützt durch ein lockeres Layout - in einer leicht verständlichen Sprache dargestellt, die Prozessarbeit und die dabei angewandten Prozesstechniken erläutert. Neben den Organisationsaufstellungen werden auch alternative Formen wie die Strukturaufstellungen nach Sparrer/ van Kibed, Supervisionsaufstellungen usw. erläutert. In komprimierter Form werden dann Beispiele von Aufstellungsarbeit im beruflichen Kontext veranschaulicht. Das Buch von Horn/Brick wendet sich hingegen an Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen und versucht, den Nutzen der Aufstellungsarbeit für unternehmensbezogene Fragen und Problemstellungen zu verdeutlichen. Ausgehend vom Bild eines Unternehmens als Netzwerksystem, das massgeblich auch durch das Unbewusste zwischen den Menschen gesteuert wird, wird die systemische Aufstellungsarbeit als eine Möglichkeit aufgezeigt, komplexe Probleme jenseits kausal-linearer Erklärungsversuche systemisch abzubilden. Die Prinzipien der Aufstellungsarbeit wie der Ausgleich von Geben und Nehmen, das Recht auf Zugehörigkeit werden als im Hintergrund wirkende, verborgene Führungsleitlinien vorgestellt. In sehr ausführlichen Fallbeispielen wird dann die Vorgehensweise in der Aufstellungsarbeit und der schrittweise Weg zum ‚Lösungsbild' demonstriert. Während die Stärken des Buchs von Erb vor allem in der lebendigen und anschaulichen Darstellung der Vorgehensweise in der Aufstellungsarbeit liegen, ist das Buch von Horn/Brick reflexiver angelegt - dies zeigt sich vor allem im 4. Kapitel , in dem es anhand typischer Fragen und Antworten aus den Seminaren darum geht, den Nutzen der systemischen Aufstellung argumentativ zu begründen. Über die Aufstellungsarbeit hinaus wird im abschliessenden Kapitel ein systemischer Coaching-Ansatz vorgestellt, der versucht, das Makro-System Unternehmen mit seinen vielschichtigen Organisationstrukturen und das Mikro-System Persönlichkeit mit seiner nicht weniger komplexen inneren Struktur in einem umfassenden, lösungsorientierten Vorgehen zu integrieren. Beide Bücher sind auf ihre Art und Weise empfehlenswert: für ein erstes Kennenlernen der Methode das Buch von Erb, für die vertiefende Auseinandersetzung das Buch von Horn/Brick. Mit dieser Einschätzung ist von meiner Seite noch keine Beurteilung des methodischen Ansatzes selbst verknüpft. Beide Bücher stehen in der Tradition der phänomenologischen Aufstellungsmethodik, die für mich mit ihrer Orientierung an individualpsychologischen Prinzipien und einer normativen Grundordnung als Hintergrundraster nach wie vor eine Reihe von Fragen offen lässt. Doch darum muss es in einer Buchempfehlung nicht unbedingt gehen. (HM)

 

Klaus Horn, Regine Brick
Organisationsaufstellung und systemisches Coaching
Gabal, Offenbach 2003, ISBN 3-89749-292-X

Wie in ihrem ersten Buch "Das verborgene Netzwerk der Macht" versuchen die Autoren die Arbeitsweise der Organisationsaufstellung anhand sehr ausführlicher Dialogsequenzen anschaulich und nachvollziehbar zu machen. Nachdem zunächst Beispiele der klassischen Aufstellungsarbeit dargestellt werden, geht es im zweiten Buchabschnitt darum, die Möglichkeiten der Aufstellungsarbeit im Kontext der Coachingspraxis darzustellen.
Hier wird gezeigt, wie mit der Aufstellungsmethode an den inneren Widersprüchlichkeiten des Persönlichkeitssystem gearbeitet werden kann. Die dargestellten Arbeitsformen sind gut geeignet, die Coaching-Praxis zu erweitern und zu vertiefen. (HM)

 

Klaus Briegel
Souverän moderieren. Techniken, Praxisfälle, Checklisten
Luchterhand Verlag, Neuwied 2002 Seiten, ¤ 25.-

Es gibt mittlerweile zahlreiche Bücher zum Thema und so liefert der vorliegende Band auch nichts wirklich Neues. Im Grunde ist es eine Art ABC für Anfänger, die sich noch mal an die Hand nehmen lassen wollen. So erfüllt das Buch sicher seinen Zweck. Es ist auch sprachlich und vom Anspruchsniveau so gehalten. Die Phasen einer moderierten Sequenz werden dargestellt, die üblichen Methoden und Instrumente und schliesslich eine Reihe von praktischen Beispielen. Zahlreiche Visualisierungen unterstützen das Verständnis. `Leider entsteht durch solche Bücher leicht der Eindruck, Moderation sei eine simple Technik. Souverän moderieren - so der Anspruch des Titels - lernt man damit aber kaum. (JF)

 

Volker Brinkmann (Hrsg.)
Case Management.
Organisationsentwicklung und Change Management in Gesundheits- und Sozialunternehmen

Gabler Verlag, Wiesbaden 2006, 174 Seiten, Euro 19.90, ISBN 978-3-8349-0285-6

Case Management ist die Methode und das Verfahren in Gesundheits- und Sozialunternehmen, um auf der Handlungsebene eine individuelle durch Klient und Case Manager erstellte Dienstleistung für die spezifische Fallbearbeitung zu erbringen. Es ist der Paradigmenwechsel von einem bürokratischen sozialrechtlichen Vorgehen (sozial-rechtlich defi- nierter Hilfeanspruch) zu einer fallbezogenen, vertraglich geregelten Kooperation mit dem Klienten (organisatorisch-ökonomisch begründete Optimierung). Es soll im Kontext des Managed Care und Disease-Management ein ökonomisch begründetes Arbeitsbündnis zwischen Klient und Professionellen geschaffen werden. Case Management ist ein Instrument personenbezogener Dienstleistungssteuerung von der Pflege über ambulante und stationäre Krankenversorgung zum Einsatz in der Behindertenunterstützung, der wirtschaftlichen Jugendhilfe und in Sozial-hilfesystemen. Als Basis-Buch wird immer wieder auf die Einführung in das Case Management von Wolf Rainer Wendt (1997) zurückgegriffen. Renommierte Experten beschreiben in diesem Buch die aktuellen Anforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten, sowie best-practice-Beispiele. Was hier neu ist, ist die Konzentration auf die dazugehörige Organisationsentwicklung und der «damit verbundene Change Management-Bedarf» (Zitat aus dem Waschzettel des Verlages).
Es wird schon auf Veränderungsgestaltung und das dazu notwendige Management eingegangen, aber es wird überdeutlich, dass die Autoren der Beiträge bezüglich OE und Change Management zwar Interessenten, aber keine Erfahrenen sind. Das sieht man nicht nur an den Literaturquellen (kaum relevante OE-Bücher) sondern auch daran, dass meistens der Ansatz des organisationalen Lernens verarbeitet wird, bzw. darüber nicht hinauskommt. Ich würde aber nicht von vertaner Chance sprechen, sondern davon, dass ein Anfang gemacht wurde, der hoffentlich mehr Case Manager ermutigt, tiefer in die OE und das Change Management einzutauchen, um diese Ressource optimaler zu nutzen. (KT)

 

Joachim Bröcher
Coaching als ästhetischer Prozess.
Selbstgestaltung und Handlungserweiterung im Beruf durch die Potenziale der Kunst

Verlag Videel, Niebühl 2003, 168 Seiten, Euro 10.-, ISBN 3-89906-662-6

Um sich an die eigentlichen Themen im Coaching heranzutasten, sie zu verstehen und bearbeitbar zu machen, gibt es neben der Methode des Fragens und der Beobachtung auch andere Verfahren, wie beispielsweise die Verwendung von Bildmaterial aus Kunst und Medien. So kann auf spielerisch handelnde Weise auch Unbewusstes zugänglich gemacht werden.
In diesem unterstützenden Buch werden Bilder zu unterschiedlichsten Verhalten, Gefühlen, Gemütszuständen, Beziehungsarten usw. vorgestellt und durch Texte dazu interpretiert oder einfach nur beschrieben. Diese Bilder können als Vorlage genutzt oder als Anregung für eigene Collagen verwandt werden. Sie können beispielsweise als Übergangssituationen dienen. Durch das Experimentieren kann man sich an Befindlichkeiten herantasten und hin zu Veränderungsplänen entwickeln. Bilder, auch jene in eigener Herstellung oder durch Übermalung angefertigten, sind eben sehr geeignete Projektionsflächen.
Mich hat das Buch sehr angeregt. Nicht nur für den Einsatz der Kunst, sondern auch für die Erprobung in Coachings. Jeder Leser, dessen Neugier für dieses Verfahren geweckt werden konnte, sollte sich das preiswerte, aber gehaltvolle Bändchen zulegen. (KT)

 

Loes Broekmate / Katharina Dahrendorf/ Klaus Dunker
Qualitätsmanagement in der öffentlichen Verwaltung
Verlagsgruppe Jehle Rehm, München 2001, 362 Seiten, Euro 19.00


Innerhalb der Reihe "Die neue Kommunalverwaltung" des Verlages ist dieses Buch erschienen, welches einen Überblick über die aktuellen Qualitäts-Management-Modelle (TQM, ISO 9000, EFQM) sowie über zwei spezielle QM-Modelle für die öffentliche Verwaltung (CAF und Hamburger Qualitätsmanagementmodell) gibt. Es beschreibt Hintergrundwissen zur Entstehungsgeschichte von QM, zu den Themen Veränderungs- und Projekt-Management und ist gleichzeitig als praktische Anleitung zur Umsetzung von Qualitätsmanagement in der öffentlichen Verwaltung konzipiert. In drei Fallstudien wird beschrieben, wie zwei Städte und eine Landesverwaltung Qualitätsmanagement eingeführt haben und welche (Miss-)Erfolge sie dabei gehabt haben. Das muss auf 362 Seiten alles sehr komprimiert sein, wobei vieles sehr verkürzt und rudimentär bleibt. Aber es wird zumindest deutlich, was man bedenken soll und dass QM auch eine Philosophie benötigt und nicht auf ein technisches Konzept reduziert werden sollte. Und diese Botschaft wird deutlich, wobei gleichzeitig viele sehr praktische Handreichungen geboten werden, indem die Schritte verdeutlicht werden, die für das Konzept und die Umsetzung notwendig sind. Hier ist die Kooperation von KGst-Beraterin, Mitarbeiterin einer Finanzbehörde und Hochschullehrer gut gelungen. (KT)

 

Raymon Bruce/ Sherman Wyman
Changing Organizations. Practicing Action Training and Research
Sage Publications, London 1998, 274 Seiten, DM 45.–

Die amerikanischen Planer und Entwickler in der öffentlichen Verwaltung stellen ein Aktionsforschungs- und -trainings-Konzept vor, was in den 60er Jahren von Neely Gardner entworfen wurde. Im Mittelpunkt steht das partizipative Management in der öffentlichen Verwaltung, um die sehr hierarchisch strukturierten Behörden zu verändern. Es geht dabei nicht in erster Linie darum, wie Organisationen verändert werden können, sondern wie Organisationen entwickelt werden können, die sich ständig selbst verändern. Hier wird also eine Organisationsentwicklung entworfen, bzw. die Lewin'sche Tradition revitalisiert, wie jeder Mitarbeiter Trainer und Agent des Wandels sein kann. Das zielt im Kontext der Aktionsforschung (also dem Zyklus «Untersuchung – Planung – Veränderung – Bewertung – Untersuchung usw.) auf selbst gesteuerte Gruppen und Mitarbeiter, Budgetierung, empowerment und Kundenorientierung ab. Das Buch ist eine Mischung aus der Darstellung des Konzeptes von Gardner, Fallstudien und Konkretisierung des Modells. Es ist also kein Interventionslehrbuch, sondern eine Anregung für konzeptionelle Entwürfe eigener Projekte.


 

Klaus Türk / Thomas Lemke / Michael Bruch
Organisation in der Modernen Gesellschaft. Eine historische Einführung
Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, 339 Seiten, Euro 32.00

Der Wuppertaler Soziologe Klaus Türk ist ohne Zweifel einer der wichtigsten, weil originellsten und weiterführenden Organisationstheoretiker. Zusammen mit zwei Mitarbeitern hat er die Entstehung und Entfaltung moderner Organisation von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart untersucht. Es ist eine historische Analyse, die sehr viel zum Verständnis heutiger Organisationen beiträgt. Zielsetzung ist zwar eine organisationssoziologische Erweiterung der Gesellschaftstheorie, aber die Herleitungen und Analysen bieten viel Material, um beispielsweise heutige Entwicklungen oder gar Deformationen der Gesellschaft zu verstehen: Die inzwischen als disfunktional erkannte shareholder value-Funktion könnte als Fortsetzung der langen Tradition der dichotomischen Kontrastierung von Markt und Organisation interpretiert werden. Schliesslich könnte die extreme Kapitalorientierung als Dominanz des Marktes über die Organisation gedeutet werden, die ja erheblich vernachlässigt wurde und noch immer wird. Türk versteht Organisation "als ein historisch spezifisches Verhältnis und als ein strategisches Element für die Konstitution, Etablierung und Reproduktion asymmetrischer gesellschaftlicher Strukturen". Es geht also um die politische Regelung der Dynamik von Macht und Interessen, und nicht unmittelbar nur um Effizienz- und Effektivitäts-Anstrengungen materieller Leistungen. Es ist ein theoretisches Buch und somit eine Zumutung für OE-Praktiker. Aber es ist sehr lebendig durch die spannend zu lesenden historischen Analysen und Beispiele. Das Buch trägt enorm zum Verständnis von Organisationen bei, in denen wir uns bewegen und die wir (ermutigt durch unsere Omnipotenzphantasien) mitgestalten wollen. (KT)

 

Beate Kremin-Buch / Fritz Unger / Hartmut Walz (Hrsg)
Lernende Organisation
Verlag Wissenschaft & Praxis Dr. Brauner, Sternenfels / Berlin 2000, 2. überarb. und erw. Auflage, 343 Seiten

Die Literatur zur lernenden Organisation ist fast unüberschaubar geworden. Wenn dieses zuerst 1997 erschienene Buch aus der Schriftenreihe der Fachhochschule Ludwigshafen nun eine 2. Auflage erlebt, lohnt es doch, es genauer zu prüfen. Und ich bin hinsichtlich der Themen, Konzeptdarstellungen und Bearbeitung der verschiedenen Perspektiven und Einflüsse nicht enttäuscht worden. Mir fehlt allerdings an vielen Stellen die kritische Reflektion (könnte die Lernpropaganda nicht auch eine geschickte neue Art der Ausbeutung sein? - ist es wirklich vor allem ein Konzept des Wandels oder nicht vielmehr der Impuls für die längst fälligen Unstrukturierungen der Systeme, veränderte Werte und damit Kultur. Solche überfälligen Entscheidungen als Wandelprozesse zu kategorisieren, halte ich für problematisch bezüglich der Verantwortlichkeit). Insgesamt sollte das Konzept nicht so unkritisch propagiert, ja glorifiziert werden. Dennoch sind die einführenden Kapitel beachtenswert und konzeptionell gut untermauert. Die Einbettung in das Innovationsmanagement als 3. Kapitel ist sehr anregend und weiterführend. Endlich wird dann die Lernende Organisation sehr explizit in den Kontext der Entscheidungsprozesse gestellt, und zwar aus kritisch-rationaler Perspektive. Hier werden auch der Umgang mit Fehlern und Offenheit der Kommunikation thematisiert, die durch die IuK-Technologien gefördert werden. Trotz der Idealisierung des Konzeptes der Lernenden Organisation in einigen Kapiteln ist es aufgrund der Substanz und Differenziertheit zu empfehlen.

 

Heerbert Buchen / Leonhard Horster/ Hans-Günter Rolff
Angst und Schulleitung - ein Tabu
Raabe Fachverlag für Bildungsmanagement (Klett), Stuttgart 2000, 152 Seiten

Die betriebswirtschaftliche Organisationslehre oder das Personalmanagement entdecken in den letzten Jahren Themen bzw. bearbeiten diese publizistisch, die immer präsent und bekannt waren, aber tabuisiert wurden. Wohl, weil der Umgang damit‚ Erfahrung und Halt voraussetzt: Gefühle, Angst, Neid usw. Im Management der Schulen gab es 1978 eine erste Studie von Horst Brück über "Die Angst des Lehrers vor seinen Schülern". Seither werden die Angst-Ursachen in der Literatur und Seminaren sehr viel breiter behandelt. Es ist das System, oder Teile davon, die Ängste auslösen. Dies wird sehr schön in einem neuen wichtigen Sammelband dargestellt, der 8 Beiträge zusammenstellt. Es geht los mit einem Beitrag über den souveränen Umgang mit Gefühlen, sozusagen als Einstimmung. Es folgen Aufsätze zur Psychologie der Angst und wieder ein bemerkenswerter Beitrag des Hamburger Hochschullehrers Günther Ortmann: "Kalte Füsse: Neun Facetten der Entstehung und Beschwichtigung von Angst in Organisationen". Die Spannung eines zunächst als personenbezogenen Zustandes gesehenen Gefühls und der Organisation als Mechanismus der Auslösung und Abwehr von Angst ist hochinteressant zu lesen. Es folgen weitere Beiträge zu Befragungsergebnissen, Angstursachen von Schulleitern und Trainings bzw. Interventionen zur Angstreduktion bzw. -bewältigung. Ich meine, dass die Herausgeber, sehr ausgewiesene Experten der Schul-OE, hier ein Buch herausgegeben haben, was zwar in erster Linie Schulleiter betrifft, aber auch für Personal- und Organisationsentwickler in anderen Organisationen empfohlen werden kann. (KT)

Kurt Buchinger
Die Zukunft der Supervision. Aspekte eines neuen «Berufs»
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 1999, 158 Seiten.

In der Zwischenzeit hat sich rund um das Thema Supevision eine rege Aus- und Weiterbildungsszene mit den dazugehörigen verbandspolitischen Aktivitäten entwickelt. Kann man dieser Art von professioneller Tärigkeit eine attraktive Zukunft in Aussicht stellen? Wird sie auch im Bereich der Wirtschaft fussfassen können, wo ähnliche Beratungsleistungen eher unter dem Begriff Coaching laufen? Eignet sich Supervision zur Ausprägung eines künftigen Berufs mit einer klar abgrenzbaren professionellen Identät?  Solchen und ähnlichen Fragen versucht der Autor in dem vorliegenden Band aus einer theoretischen Perspektive heraus auf den Grund zu gehen. Am Beginn stellt er die laufende Diskussion in den Zusammenhang mit wichtigen Veränderungen, die sich im gesellschaftlichen Umfeld dieser Beratungsform abzeichnen. Diese allgemeinen Überlegungen münden letztlich in der These «dass die Profession als das bislang die Moderne dominierende Prinzip sozialer Ordnung (....) abgelöst wird durch die Organisation» (S. 28). Diese Grundannahme zieht sich im weiteren wie ein roter Faden durch das ganze Buch, ohne dass dem Leser allerdings die Hintergründe dafür plausibel gemacht werden. Damit bleibt das für die Supervision offensichtlich so wichtige Spannungsfeld zwischen Professions- und Organisationsorientierung aus meiner Sicht zu sehr im Dunkeln. Im Mittelteil der Arbeit beschäftigt sich der Autor dann ausführlich mit der von ihm kontastierten «Krise der Arbeitsgesellschaft». Unter Heranziehung einer philosophisch-religiösen Weltdeutung versucht er den Bedeutungswandel von Arbeit zu rekonstruieren. Die Triebfeder der historischen Entwicklung sieht er dabei in dem die ganze Neuzeit dominierenden individuellen Motiv, persönliche Heilsgewissheit (d.h. Erlösung) durch wirtschaftlichen Erfolg zu gewinnen. Dieses calvinistische Grundprinzip (in Anlehnung an Max Weber) hat der menschlichen Arbeit den bis heute ungebrochenen zentralen Stellenwert verschafft. Allerdings sieht der Autor in der Gegenwart deutliche Anzeichen, die diese identitätsstiftende Bedeutung von Arbeit relativieren (Stichwort «das Leben als ästhetischer Gesamtentwurf»).

Im abschliessenden Kapitel kommt der Autor dann wieder auf das Thema der Supervision zu sprechen. Er überlässt es aber dem Leser, sich sebst darauf einen Reim zu machen, was die vorausgegangenen Überlegungen zum Stellenwert von Arbeit mit Supervision zu tun haben. Im Vordergrund steht in diesem Schlussteil die seit langem schwelende Frage, ob es sich bei der Supervision um einen eigenständigen Beruf oder um eine professionelle Tätigkeit, d.h. eine ganz bestimmte Bearbeitungsform handelt, die in der Regel im Rahmen und aus der Perspektive schon etablierter Berufsbilder heraus (z.B. als Therapeut, Trainer, Organisationsberater etc.) zur Anwendung gelangt. Dieser Frage liegt natürlich viel standespolitischer Sprengstoff zugrunde, wie der Autor aus eigener Erfahrung zu berichten weiss. Der von ihm vorgestellte Gedankengang spricht der Supervision letzlich die Eignung für einen eigenständigen Beratungsberuf eher ab, obgleich er sich in dieser Streitfrage offensichtlich nicht wirklich festlegen will. Dieses Offenhalten wird nicht zuletzt durch sein Supervisionsverständnis erleichtert, das sowohl hinsichtlich des Gegenstandes der Bearbeitung als auch hinsichtlich der eingesetzten Methoden ausgesprochen weitgefasst ist. «Supervisionswürdig» ist demnach alles, was einer reflexiven Distanz bedarf, angefangen von privaten Beziehungsschwierigkeiten bis hin zu komplexen Organisationsproblemen. Durch diese weite Fassung des Begriffsverständnisses teilt das Buch das zentrale Dilemma der Supervisionsszene: Man fühlt sich tendentiell für fast alles zuständig allerdings um den Preis, dass daraus kein eigenständiges professionelles Profil zu gewinnen ist. Die Breite sorgt dafür, dass sich weder eine angemessene Theorie des Gegenstandes noch eine solche bezogen auf das supervisionsspezifische Interventionsrepertoire entwickeln kann.

 

Kurt Buchinger
Supervision in Organisationen. Den Wandel begleiten
Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 1997

Der Begriff Supervision hat in den neunziger Jahren eine besondere Karriere genommen. Ausgehend von einer spezifischen Reflexionsform zur Unterstützung von Personen, die in ihrem beruflichen Handeln höheren emotionalen Belastungen und Anforderungen ausgesetzt sind (wie z.B. Ärzte, Pflegepersonal, Lehrer, Sozialarbeiter u.ä.), hat dieser Terminus in der Zwischenzeit eine ungeheure Ausdehnung erfahren. Heute wird nicht mehr nur die methodisch angeleitete Fallarbeit mit dem Begriff Supervision belegt, sondern eine Vielzahl anderer beraterischer Aktivitäten, die allesamt die Entwicklung des Problemlöseverhaltens von Personen bzw. von Subeinheiten in Organisationen zum Ziel haben (die Beratung von Teams, von Abteilungen, die Begleitung von Organisationsveränderungsprozessen, das Coaching von Führungskräften etc.). Dieser Ausweitung des professionellen Tätigkeitsfeldes von Supervisoren versucht der Autor mit der vorliegenden Arbeit Rechnung zu tragen. Mit anschaulichen Fallbeispielen gelingt es ihm zu verdeutlichen, was es heisst, Supervision im Kontext von Organisationen zu betreiben. Zurecht betont der Autor, wie wichtig es für die Arbeit des Supervisors ist, ein ausreichendes Verständnis für diesen Kontext zu besitzen, um nicht vordergründigen Verkürzungen des Problembearbeitungsfokusses aufzusitzen. Insbesondere für die Arbeit im Non-Profitbereich ist die Sensibilität für die Wirkung struktureller Rahmenbedingungen, bestimmter Führungskonstellationen und eingespielter Kooperationsmuster keine Selbstverständlichkeit; denn solche Einrichtungen haben nur zu oft selbst einen blinden Fleck für diese Zusammenhänge. In einer gut nachvollziehbaren Sprache führt der Autor den Leser an komplexe Organisationsfragen heran und verdeutlicht die Besonderheiten eines selbstreflexiven Umgangs mit diesem Typus von sozialen Systemen. Besonders anregend liest sich das Schlusskapitel, indem der Autor die professionelle Eigenheit der Supervision in einer «Expertise des Nichtwissens» sieht. Der Supervisor macht sich demzufolge gerade dadurch nützlich, dass er aus einer Haltung des Nichtwissens um die tieferliegenden Probleme seines Supervisanten heraus einen gemeinsamen Prozess der Wissensgenerierung steuert, der dem jeweiligen Klienten letztlich neue Handlungsoptionen eröffnen kann. Supervision ist demnach ein Setting, das in besonderer Weise auf das Nutzbarmachen von Nichtwissen spezialisiert ist. Bedauerlich ist es, dass der Autor keine Differenzierung zwischen Supervision und anderen Formen der Organisationsberatung vornimmt und damit die Vorstellung nährt, es wäre dies ohnehin alles ein und dasselbe. Mit dieser (gezielten) Unschärfe werden Illusionen geweckt, die weder einer Professionalisierung der Supervisionsszene noch jener der Organisationsberatung dienen.(RW)

 

Dietrich Budäus/ Peter Conrad/ Georg Schreyögg (Hrsg.)
New Public Management
Managementforschung-Reihe Band 8 Walter de Gruyter, Berlin/New York 1998, 253 Seiten, DM 148.–

Diese wichtige und ausgezeichnete Reihe zu den neuen Ergebnissen der Managementforschung ist um den Band 8 zum New Public Management erweitert worden. Auch dieser Band ist ein «Muss» vor allem für die, die sich mit der Veränderung oder Modernisierung (muss das so wertend gefasst werden?) der öffentlichen Verwaltung beschäftigen bzw. darin wesentliche Aufgaben erfüllen. Neben der Einführung und theoretischen Grundlegung geht es um Themen wie Benchmarking (die Kerbe in die Sitzbank schlagen!), interkommunale Kooperation in der Region, Verwaltungsmodernisierung als Machtspiel, Budgetierung und Prozessdesign. Hervorzuheben ist neben diesen sehr guten Beiträgen die Arbeit von Oechsler/Vaanholt zu den Auswirkungen des New Public Management auf ein zeitgemässes Personalmanagement in der öffentlichen Verwaltung. Ich sehe schon jetzt mit grossem Interesse dem geplanten Band über den organisatorischen Wandel und Transformation entgegen. Von den Herausgebern Schreyögg, Conrad und Sydow darf man zuversichtlich noch eine Menge an Entwicklungsimpulsen erwarten.


 

Hans-Jörg Bullinger/ Hans-Jürgen Warnecke/ Engelbert Westkämper (Hrsg.)
Neue Organisationsformen im Unternehmen. Ein Handbuch für das moderne Management
Springer Verlag Berlin/Heidelberg 2003, 2. neu bearb. und erw. Aufl., 1352 Seiten, Euro 149.-, ISBN 3-540-67610-4

Dieses voluminöse Werk ist in der neuen Auflage wirklich verbessert worden, zumal der Globalisierungstrend mit den Folgen der Grenzauflösungen hin zu dezentralen und globalen Organisationsstrukturen mehr berücksichtigt wurde. Auch die Netzwerkstrukturen wurden intensiver bearbeitet. Allein die Gliederung umfasst 15 Seiten und bietet damit eine differenzierte Übersicht. Die Kapitel sind unterteilt in Grundlagen/Überblick, Elemente neuer Organisationsgestaltung und Umsetzungsaspekte. Behandelt werden natürlich Organisationsgestaltungsansätze, Neues Denken in der Unternehmensführung, Prozessketten, Globalisierungsstrategien, Produktlebenszyklen, Information und Kommunikation, Qualitäts- und Personal-Management und Controlling. Die Umsetzungsaspekte umfassen Wandlungsprojekte, Transformationsprozesse, partizipative Gestaltungs- konzepte, Widerstand, Einbeziehung externer Berater und Fusions-Management. Das Kapitel über den Widerstand ("Beurteilung und Überwindung innerbetrieblicher Hemmnisse") zeigt schon im Titel das techniklastige Denken, wenngleich das Kapitel von einem Berater-Psychologen geschrieben wurde. Von OE und Veränderungsmanagement gibt es nichts zu lesen. Das spielt im Kontext des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft bzw. Produktionstechnik scheinbar kaum eine Rolle immer noch und leider. Aber auf der anderen Seite müssen wir Change-Manager und -Berater auch die harten Konzepte der Unternehmensorganisation aufnehmen und anwenden können. Und dafür ist das Buch sehr zu empfehlen. Es ist systematisch anglegt, hat eine gut konsumierbare Sprache und legt die Konzepte gut gegliedert dar. Das Kapitel über das Anlaufmanagement am Beispiel der Automobilindustrie (geschrieben von Psychologie-Professor W. Bungard) bietet beispielsweise sehr nützliches Wissen gerade für die OE'lerInnen, die so etwas beraten wollen oder sollen. Gerade unserer Zunft kann dieses Buch nicht nur unter den Kopf sondern auch an die Brust gelegt werden. (KT)



August-Wilhelm Scheer/ Hans-Jörg Bullinger (Hrsg.)
Mit Planungsinseln zur lernenden Organisation. Konzept, Praxiserfahrung, Einführungsstrategie

Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1998 250 Seiten, DM 89.–

Das Buch ist gleichzeitig Abschlussbericht des Forschungsprojekts «Funktionsintegration in Planungsinseln», bei dem es darum ging, diejenigen, dem Fertigungsprozess vorgelagerten Funktionen (wie Disposition, Steuerung, Kalkulation, Arbeitsplanung etc.) zu integrieren, die stark interkommunikative Beziehungen zueinander haben. Die Vorteile der dezentralen Organisationsform sollten dabei mit Vorteilen der prozessorientierten Gruppenarbeit kombiniert werden. Man soll sich vom Begriff «Planungsinsel» nicht irritieren lassen. Elemente des Konzepts lassen sich auch auf andere organisatorische Bereiche übertragen, in denen konstante, teil-autonome Mitarbeitergruppen verantwortlich die Bearbeitung sachlogisch zusammenhängender Aufgaben innerhalb einer Prozesskette übernehmen Das Konzept wird sehr anschaulich geschildert und die Praxisberichte der vier am Modellprojekt beteiligten Firmen sind informativ. In einem abschliessenden Kapitel werden die Erfahrungen zur Einführung der Planungsinseln zusammengefasst. Das Buch kann allen empfohlen werden, die mit der Einführung von Gruppenarbeitsstrukturen zu tun haben.

 

Hans-Jörg Bullinger/ Gerhard H.Schlick
Wissenspool Innovation
Kompendium für Zukunftsgestalter

FAZ Verlagsbereich Buch, Frankfurt/M. 2002, 507 Seiten, Euro 48.-


Der bekannte Leiter des Fraunhofer-Instituts/ AO in Stuttgart und ein erfahrener Unternehmensberater haben ein Nachschlagewerk und kein x-tes Buch über Innovation in langen Jahren erarbeitet.
Dieses Buch bietet eine ungeheure Menge an Informationen zum Thema: 700 Stichworte und 1800 Literaturquellen. In einer Einleitung werden Begriffe und Definitionen zur Innovation vorgestellt und dann beginnt der Lexikonteil mit 198 Seiten. Hier werden kurz und knapp wesentlich Begriffe erläutert, vor allem aber Literatur dazu angegeben. Es folgen Beispiele aus der Technik und Fallstudien. Dem kurzen Kapitel über Komplexität und Qualität von Innovationen folgen Checklisten, die allerdings sehr dürftig sind. Sehr nützlich und wichtig ist dann das Kapitel Kreativitätstechniken, die hier straff und praxisnah dargestellt werden. Dann folgt der Adressenteil mit "Realisierungshilfen", der sich leider auf die Nennung von BDU Beratern be- schränkt. Die OE-Berater werden total ignoriert, obwohl doch gerade sie viel für das Feld geleistet haben.
Es werden dann viele Firmen, Institute und Zentren benannt, die sich der Innovation widmen, sowie Organisationen, Projekte und Programme, die vor allem Förderer nennen. Es werden knapp 50 Innovationspreise benannt, die E. Staudt für gut gemeint, aber wirkungslos hält, was die Autoren auch zitieren. Zum Schluss folgen auf 107 Seiten Literaturhinweise.
Das Buch ist in der Tat ein sehr gutes Exempel für Sammlungsleidenschaft und -kompetenz. Damit wird es trotz der Techniklastigkeit ein sehr nützliches Informations- und Nachschlagewerk nicht nur für die Unternehmenspraxis und ist preislich auch noch akzepta- bel. Gefallen hat mir besonders, dass kritisch-distanziert die Aussage von Georg Christoph Lichtenberg (18. J.) "Es ist nicht gesagt, dass es besser wird wenn es anders wird; wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden" als nicht allgemein gültig eingestuft wird. Sie suggeriert unbewiesen, dass erst diese Erkenntnis die Suche nach Neuem, hoffentlich Besserem initiiert. Innovation ist eben doch anders angelegt, was das Buch sehr deutlich macht.



Mark Miller/ Jan Deecke/ Oliver von Sperber/ Christian Keyser/ Arner Burfeind (Hrsg)
Familienunternehmer heute. Herausforderungen, Strategien, Erfahrungen
Verlag Gabler, Wiesbaden 1998, 247 Seiten, DM 58.–

Den ersten Kongress 1997 richteten 5 Studenten als Projekt aus, die auch die Herausgeber dieses Bandes sind. Darin finden sich die Reden sehr bekannter Unternehmer (Wössner, Steilmann, Schoeller sen., Mittelsten Scheid, Bahlsen u.v.a.), aber auch vieler anerkannter Experten, wie der Dekan Priddat, Cuno Pümpin, Schwass, Baecker o.a. sowie unseres Mitherausgebers Rudi Wimmer. Nun sind die Reden nicht einfach abgedruckt, sondern zum grössten Teil von Studententeams zusammengefasst und in den wesentlichsten Aussagen wiedergegeben worden. Das ist äusserst nützlich, weil es nicht nur Zeit spart, sondern auch strukturierend ist. Der Band bringt insgesamt eine Vielzahl sehr guter und empfehlenswerter Beiträge (neben wenigen durchschnittlichen bis schlechten Aufsätzen), so dass der Kauf zum akzeptablen Preis keine Fehlinvestition ist.

 

Mark Easterby-Smith/John Burgoyne/Luis Aranjo (Hrsg.)
Organizational Learning and the Learning Organization. Developments in theory and practice.
Sage Publications, London 1999, 247 Seiten, geb. DM 150.–, TB DM 51.–

Dieses neue Buch der inzwischen ausgewiesenen Herausgeber enthält eine Reihe von Aufsätzen zum Thema bezüglich kritischer Analyse des Konzeptes und Erfahrungen in der Praxis. Das Einleitungskapitel enthält eine lesenswerte Übersicht über den Stand der Entwicklung. Im Kritik-Teil wird auf die Möglichkeiten und Ansätze einer theoretischen Fundierung des Organisationslernens hingewiesen. Für die Praktiker sind die folgenden 6 Kapitel mit den Fallstudien und Analysen der bestehenden Konzepte hilfreich und empfehlenswert. Hier gibt es auch eine Fallstudie für das OL in der Öffentlichen Verwaltung (der Schweiz). Wieder einmal zeigt sich, dass im angelsächsischen Raum Theorie und Praxis sehr viel effektiver und ansprechender verbunden und zugänglich gemacht werden.

 

John Burgoyne/ Michael Reynolds (Hrsg)
Management Learning. Integrating Perspectives in Theory and Practice

Sage Publications, London/Thousand Oaks 1997, 342 Seiten, ca. DM 60.–

Dies ist kein Buch über Organisationslernen, obwohl man davon ausgehen kann, dass das Management-Lernen heute zum grössten Teil Organisationslernen beinhaltet. Es ist vielmehr eine Aufsatzsammlung englischer Wissenschaftler, die in 4 Teile gegliedert ist: Den Kontext und die Geschichte, einen kritischen Bezugsrahmen, die Werte und Zwecke sowie die Entwicklungen. Obwohl einige Texte nützlich sind, wie beispielsweise der über die Gruppe als Ort und Medium des Lernens, oder der von Mike Pechler über das Aktionslernen, bzw. der Beitrag von Anna Lorbiecki zur Internationalisierung des Management-Lernens, so bleibt das Buch insgesamt hinter den Erwartungen und dem Stand der Forschung und Anwendung zurück. Es ist allerdings nicht so oberflächlich, wie das vor Jahren hier besprochene Buch von Burgoyne zum lernenden Unternehmen (Campus Verlag).


 

Felix Buschor
Baustellen in einer Unternehmung. Das Problem des unternehmerischen Wandels jenseits von Restrukturierung – Resultate einer empirischen Untersuchung
Paul Haupt Verlag, Bern/Stuttgart 1996, 265 Seiten, DM 65.–

Ein Ergebnis des umfassenderen Forschungsprojektes des Instituts für Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen, zur Untersuchung von Prozessen tiefgreifenden unternehmerischen Wandels ist diese Dissertation, in der die entsprechenden Aktivitäten bei der CIBA GEIGY AG unter die Lupe genommen wurden. Der Kurzbericht über das Scheitern vieler Reengineeringsprojekte in diesem Heft 2/98 zeigt ja auch auf, dass die Veränderungsprojekte häufig keine Konsequenzen für die Verhaltensweisen der Mitarbeiter haben. In diesem vorliegenden Buch werden aber Wege aufgezeigt, wie man Mitarbeitern neuartige Verhaltensweisen näherbringen kann. Das Unternehmen hatte sich die Neugestaltung der Führung und Zusammenarbeit zum Ziel gesetzt. Durch die Untersuchung wurde deutlich, dass es auf die Veränderung von Deutungs- und Handlungsmustern der Menschen in der Unternehmung ankommt, wozu sie mit geeigneten Inszenierungspraktiken vertraut gemacht werden müssen. Diese werden vorwiegend auf den «Baustellen» einer Unternehmung eingesetzt, beispielsweise «Führung und Zusammenarbeit», «Material-Management» und «Faster Time to Market», und zwar in der Pharma Division. In anderen Divisionen gab es andere Baustellen, wie Fertigungsplanung usw.

Das Buch, in dem so ganz nebenbei die Anwendung konstruktivistischer Ansätze deutlich gemacht wird, untersucht die Wandelprozesse und geht im Kapitel 12 zusammenfassend der Frage nach, weshalb manche Wandelprozesse erfolgreicher verlaufen als andere. Dies sind beispielsweise Techniken und Massnahmen, wie:

• Neues (und Fremdes) so inszenieren, dass dessen Notwendigkeit, aber auch dessen Machbarkeit fassbar wird

• Wechsel so inszenieren, dass er Betroffenheit und Verwunderung auslöst, d. h. am eigenen Leib erfahrbar gemacht wird

• die Wirkung von Veränderungsprozessen können sich nur entfalten, wenn die Menschen über entsprechende interpretative Fertigkeiten verfügen (siehe Kapitel 3)

• man muss in die Lage versetzt werden können, aus den eigenen Inszenierungen heraus zu lesen, wie sie von anderen interpretiert werden

• mit den Inszenierungspraktiken wird eine Mischung aus Bestätigung und Erstmaligkeit beschrieben

FAZIT: es sind die «fortgeschritteneren» Inszenierungspraktiken, die die Erfolge bei Wandelprozessen sichern oder zumindest fördern. Für seine lesenswerte Arbeit erntete der Autor den Dr. Peter-Werhahn-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten




David Coghlan / Teresa Brannick
Doing Action Research in your own Organization
Sage Publications, London 2001, 134 Seiten

Dieses kleinere Buch ist vielleicht als Einführungslektüre geeignet, bevor man sich an den umfangreichen, vorher empfohlenen Band heranwagt. Diese knappe, didaktisch gut aufbereitet Anleitung zur Praktizierung der Aktionsforschung (AR) ist wirklich hilfreich und ermutigend. Da gibt es beispielsweise sehr konkrete Hinweise, wann ein AR-Projekt abgebrochen werden sollte oder wie AR und Systemdenken komplementär zu sehen sind. Wie gesagt, eine kurze und knappe Einführung, die - wenn man nicht gleich Kurt Lewins grundlegendes Werk als Einführung heranziehen will - einfach erklärt und zum Versuch ermuntert. Da im Veränderungsmanagement Verstehen vor Verändern kommt (!), ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass sich wohl eine Renaissance dieses OE-Ansatzes abzeichnet.



Rolf Bronner, Helmut Staminski (Hrsg)
Evolution steuern Revolution planen. Über die Beherrschbarkeit von Veränderungsprozessen
InnoVatio Verlag, Bonn 1999, 396 Seiten, DM 49,80

Der Mainzer Betriebswirtschaftler und ein Unternehmensentwicklungsberater haben ein Buch herausgegeben, in dem weitgehend in der Szene unbekanntere Autoren, auch aus der Praxis, wie otelo, VEW, A.T. Kearney, GTZ usw. den Wandel analysieren, Veränderungsprozesse beschreiben, die Rolle von Training und Beratung darstellen, Ergebnisse einer Expertenbefragung referieren und Konzepte für die Anforderung der Bewältigungen entwerfen. Aufbauend auf der Know-How-Darstellung werden also Gestaltungsempfehlungen abgeleitet. Den Beiträgen ist vielfach anzumerken, dass sie weniger auf die Erfahrungen aus OE-Prozessen zurückgreifen, sondern aus einer Management-Perspektive heraus stammen. Erfrischend ist der Versuch, die Anlage und Dynamik von Wandel auch wissenschaftlich zu erfassen. Hierzu ist z.B. die Arbeit von Elke Weik zu nennen, die ja schon durch andere Arbeiten bekannt wurde, mit der sie der Philosophie Einzug in die angeblich so sachrationale Unternehmenswelt verschafft. So ist das Buch eher Managern und Studierenden als Beratern zu empfehlen.




Peter Brödner/ Wolfgang Kötter (Hrsg.)
Frischer Wind in der Fabrik. Spielregeln und Leitbilder von Veränderungsprozessen
Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 1999, 288 Seiten, DM 89.–

Zwei Berater, P. Brödner vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, und W. Kötter, von der Gitta in Berlin, haben ein wirklich empfehlenswertes Buch herausgegeben, und zwar in vielfacher Hinsicht. Einmal werden vier mittelständische Unternehmen mit ihren umfangreichen und tiefgehenden Projekten des organisatorischen Wandels vorgestellt. Hervorgehoben wird hierbei, wie sehr diese Veränderungsprozesse in eine weiter reichende Philosophie statt nur Rationalisierung eingebettet waren und letztlich sogar zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geführt haben. Geschäftsführer, Projektleiter, Betriebsrat und auch Mitarbeiter kommen zu Wort und schildern die Konzepte und Massnahmen sowie Erfolge. In einem zweiten Teil stellen die Vertreter der 4 beratenden und forschenden Unternehmen, die die Projekte begleitet haben, die konzeptionellen Grundlagen (Prozessleitbilder, Kultur, PE, Entgeltregelungen, Arbeitszeitmodelle und Controlling) dar, die die Basis der Veränderungen bildeten. Und zwar immer in konkretem Bezug auf die Unternehmensprojekte. Und in einem dritten methodischen Teil werden Erfahrungen mit Beteiligungen, Management der Veränderung, Projektmanagement, Controlling und Kennzahlen dargelegt und deren praxisnahe Relevanz überprüft. Dieser Sammelband sollte jedem verantwortlichen Manager, Berater und Betriebsrat an die Hand gegeben werden, um ihn als wichtige Lernquelle und Mutmacher nutzen zu können. In diesem Band wird sehr deutlich, warum diese Unternehmen so erfolgreich waren und warum so viele Reengineering-Projekte gescheitert sind.


Pawan Budwar/ Yaw A. Debrah, EDS.
Human Resource Management in Developing Countries
Routledge, London and New York 2005, 264 Seiten, GBP 24.99, ISBN 0 415 34329 1

Dieser Band vermittelt dem Leser eine umfassende Einsicht in die Besonderheiten des Human Resource Management in 13 verschiedenen Entwicklungsländern in Afrika und Asien, deren Bevölkerung mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung ausmacht. Die Herausgeber des Bandes haben den Beiträgen einen allgemeinen Bezugsrahmen vorgegeben, der auf die nationalen Kulturen, die Besonderheiten der gebildeten Institutionen und den ökonomischen bzw. geschäftlichen Rahmenbedingungen aufbaut. So gelingt es einerseits, die Gemeinsamkeiten von Human Resource Konzepten in Entwicklungsländern zu verstehen, andererseits aber mit Bedacht auf die jeweils spezifischen Bedingungen in den betrachteten Ländern zu schauen. Die Autoren stammen im Allgemeinen aus diesen Regionen bzw. arbeiten dort, so dass jeweils aus einem Tiefenverständnis gespeiste Darstellungen entstanden sind. Ihre Beiträge liefern dem Leser zugleich kompakte Zusammenfassungen von Zahlen und Fakten sowie von historischen Kontexten, die eine verständige Einordnung der HRM-Strategien ermöglichen. Viele dieser Hintergrundinformationen sind bei uns nicht ohne weiteres verfügbar. Hinweise auf spezifische Quellen ermöglichen eine vertiefte Weiterbeschäftigung mit den jeweiligen Ländern. Der Band ist daher von Interesse für Leser, die sich mit Veränderungen in der Entwicklungspolitik befassen, aber auch für Führungskräfte oder Berater, die in globalen Organisationen und mit internationalen HRM beschäftigt sind. (JF)

 

Ferdinand Buer/ Gertrud Siller (Hrsg.)
Die flexible Supervision.
Herausforderungen – Konzepte – Perspektiven. Eine kritische Bestandsaufnahme.

Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, 247 Seiten, Euro 29.90, ISBN 3531144189

Soll Supervision im «reissenden Strom der Ver&äuml;nderungen» (SILLER) versuchen, mit zu schwimmen, soll sich die Beratungsmethode anpassen an Anforderungen der Auftraggeber, aber dabei das, was sie besonders auszeichnet, möglicherweise einbüssen, oder soll sie sich verweigern – auf die Gefahr hin, uninteressant zu werden und auf dem Markt der Beratungsangebote nicht konkurrenzf&äuml;hig zu sein? Eine höchst unattraktive Alternative. Herausgeber und Autor/-innen des vorliegenden Buches sagen: wir können und müssen diesem Entweder/Oder entkommen, indem wir für die Beratungsmethode Supervision eine Neupositionierung erarbeiten. Die hochkar&äuml;tigen Autoren, zumeist auch erfahrene Praktiker der Supervision, wenden sich in elf Beitr&äuml;gen unterschiedlichen Facetten dieses Vorhabens zu. Vier Hauptthemen lassen sich unterscheiden:

1. Bei dem Versuch einer Neupositionierung geht es zum einen um Abgrenzung und um «Selbstvergewisserung», wie ADRIAN GAERTNER es in seinem Beitrag nennt. Was zeichnet die Methode aus und was unterscheidet sie vom Coaching? Im Unterschied zum Coaching, das Ziele definiert und Umsetzungsschritte erarbeitet – und damit der Logik instrumenteller Beratung folgt – fokussiert eine psychoanalytisch orientierte Supervision die «Verknüpfung bewusster und unbewusster Dimensionen des beruflichen Erlebens und Handelns» (S. 85). Auch FERDINAND BUER pl&äuml;diert für Selbstvergewisserung in dem Sinn, sich auf das Kerngesch&äuml;ft zu beschr&äuml;nken und darauf zu verzichten, die Reichweite der Beratungsmethode beliebig auszuweiten. ANNEMARIE BAUER sieht eine Differenz zwischen beiden Verfahren am ehesten in der Haltung der Berater; Supervision sei dem Anspruch verpflichtet, durch Reflexion aufzukl&äuml;ren. Coaching dagegen sei diesem Anspruch nicht verpflichtet, sondern stelle sich vorbehaltlos(er) in den Dienst von Effektivit&äuml;t und Effizienz. Bei der Leserin festigt sich der Eindruck, dass Supervisor/-innen im Unterschied zu Coaches auf die Seite der «Guten» gehören, weil sie den Klienten einen vor Verwertungsinteressen geschützten Raum der Reflexion zur Verfügung stellen, in dem diese sich in ihrer Professionalit&äuml;t entwickeln können. Nur leider findet dieser Raum zurzeit wenige Sponsoren. Nach Lektüre des Beitrags von ASTRID SCHREYÖGG steht dieser Unterschied jedoch wieder infrage. Sie stellt dar, dass es unter den heutigen Arbeitsbedingungen auch im Coaching um «Personenentwicklung» im Unterschied zu «Personalentwicklung» gehe, und dass ein an Funktionalit&äuml;t orientiertes Coaching nicht ausreiche, ja sch&äuml;dlich sei.

2. Eine Neupositionierung muss Ideen dazu entwickeln, wie die Ver&äuml;nderungen in den Organisationen theoretisch zu fassen sind und wie sie für Supervision zug&äuml;nglich zu machen sind. BAUER kritisiert eine ausschliesslich psychologische Beratungskompetenz. Supervision müsse den Fokus z.B. auf das Zusammenspiel von Person und Organisation legen. Psychoanalytisch orien- tierte Theorieans&äuml;tze erlauben dies. KATHARINA GRÖNING pl&äuml;diert für einen nicht-klinischen Verstehenszugang und untersucht, inwieweit Mertons Theorie der Anomie für das Verstehen der heutigen Situation fruchtbar gemacht werden kann. Dieser strukturalistische Ansatz müsse allerdings um eine sozialpsychologische Perspektive erg&äuml;nzt werden. HEINZ J. KERSTING legt dar und begründet, dass und warum insbesondere eine systemische Orientierung geeignet sei, die Probleme unserer hochkomplexen Gesellschaft zu verstehen.

3. Die Sichtung dieser unterschiedlichen Positionen weist auf doppelten Forschungsbedarf hin; zum einen bedarf es der von GAERTNER angemahnten Erforschung von Supervisionssitzungen und Supervisionsverl&äuml;ufen, um die Beratungsmethode besser zu fundieren; zum anderen brauchen diejenigen, die Einzelne und Gruppen in den jetzigen Turbulenzen arbeitgeberunabh&äuml;ngig beraten möchten, eine Empirie zu der Frage: Wie erleben die Klienten aus ihrer Perspektive den Organisationsumbau? Welche Fragen und Themen stellen sich ihnen neu? GERTRUD SILLER stellt dazu eine empirische Untersuchung vor, die ich deswegen beispielhaft finde, weil von der gesellschaftlichen über die Organisa-tionsver&äuml;nderung die Auswirkungen dieser Ver&äuml;nderung auf Einzelne bis hin zur Bedeutung, die Supervision in dieser Situation bekommt, ein grosser Bogen geschlagen wird. Ein überraschendes Ergebnis ist die neue Bedeutung von Supervision als «… vorrangig emotionale Stütze» (S. 56). Ein Hinweis in eine &äuml;hnliche Richtung findet sich bei GRÖNING. Aus der Sicht des Arbeitssoziologen schreibt dagegen HANS PONGRATZ über den, von ihm und GÜNTER VOss beforschten, Typus «Arbeitskraftunternehmer». Dieser muss auch als Angestellter seine Arbeitskraft unternehmerisch entwickeln, pflegen und vermarkten. Aus dieser Entwicklung ergibt sich der Bedarf, sowohl neue Anforderungen als auch neue, schwer zu durchschauende, Abh&äuml;ngigkeiten zu reflektieren – ein für Supervision interessantes Feld.

4. Zur Neupositionierung gehört ein Nachdenken über die Frage: was bedeuten diese Überlegungen für die Berufsgruppe der Supervisoren, für ihre Ausbildung und ihre Verb&äuml;nde?  BUER stellt die Kompetenz, sich als Professioneller zu inszenieren, in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. SILLER zieht den Schluss, dass Supervision nur dann die Funktion einer emotionalen Stützung übernehmen kann, die dem Einzelnen Raum für eine Verarbeitung der Ver&äuml;nderungen eröffnet, wenn sie eine Gegenbewegung zum aktuellen Mainstream st&äuml;rkt. PONGRATZ stellt fest, dass die Beratung des Arbeitskraftunternehmers weder mit einer Ausrichtung an der Professionslogik noch der Unternehmenslogik geleistet werden kann. Er pl&äuml;diert für einen dritten Weg, für «die Arbeitskraftlogik» (S. 31). Da die Abschottung von Kompetenzfeldern zunehmend schwierig wird, empfiehlt er den Supervisoren, über neue Wege der Professionalisierung nachzudenken. Tats&äuml;chlich, so KERSTING, sind damit Tatsachen geschaffen, deren Folgen für private Ausbildungsinstitute, für die im Verband organisierten Supervisoren, aber auch für Inhalt und Ausrichtung der Beratungsmethode erhebliche Folgen haben werden. Die unterschiedlichen Aufs&äuml;tze sind anspruchsvoll geschrieben, gedankenreich und sehr anregend. Die zufriedene Leserin h&äuml;tte sich erg&äuml;nzend zwei Dinge gewünscht: so eine Neupositionierung ist nicht zuletzt ein Projekt der Verst&äuml;ndigung, also ein sozialer Prozess. Daher w&äuml;re ein Bezug der Autor/-innen aufeinander, auf ihre Standpunkte und Vorschl&äuml;ge wünschenswert gewesen; ein Abschlusskapitel der Herausgeber, das das Erreichte sichtet, sichert und die wichtigsten Linien für die weitere Diskussion herauspr&äuml;pariert würde es dem Leser erleichtern, sich trotz der Heterogenit&äuml;t der Beitr&äuml;ge zu orientieren.`Wer liest dieses Buch mit Gewinn? Supervisor/-innen natürlich und alle Praktiker der Beratung und des Trainings, die über den Sinn ihrer Arbeit nachdenken, die ihren Klienten und ihren Auftraggebern gerecht werden möchten und die sich gleichzeitig um eine Verankerung ihrer Beratungsmethoden im «reissenden Strom der Ver&äuml;nderung» bemühen. (CE)



 

Klaus Burmeister/ Andreas Neef/ Bert Beyers
Corporate Foresight.Unternehmen gestalten Zukunft.
Murmann Verlag, Hamburg 2004, 196 Seiten, Euro 35.-, ISBN 3-938017-07-4

Zukunft ist und bleibt eines der grossen Themen im organisationalen Alltag. Corporate Foresight ist die aktuelle Ausdrucksweise dafür, dass es um mehr geht als den einmaligen Blick in die Zukunft. Hier steht vielmehr die Frage im Mittelpunkt, wie Märkte aktiv und vorausschauend gestaltet werden können. Damit geht es um den systematischen Blick in die Zukunft, als eine der Voraussetzungen für nachhaltigen Unternehmenserfolg. In dem Buch von BURMEISTER u.a. werden einerseits die Methoden der Zukunftsanalytik vorgestellt und andererseits an Beispielen aus grossen Organisationen (Daimler Chrysler, BASF und Philips Design) die Voraussetzungen für deren langfristige Etablierung beschrieben. Anregend sind zudem die Interviews mit BERNHARD VON MUTIUS, JOSEPHINE GREEN, HANS-JÖRG BULLINGER, KARLHEINZ STEINMÜLLER und JEROME C. GLENN. Für «Neueinsteiger» in das Themenfeld ist das Buch in jedem Fall eine lohnende Lektüre. Leider konnten die Verfasser nicht darauf verzichten in einem sogenannten Business Outlook fünf Themen zu benennen, an denen aus ihrer Sicht kein Unternehmen vorbeikommt. Hier aber zeigt sich vor allem die Macht der Stereotypen, weniger die Welt des 21. Jahrhunderts. Spätestens hier wird dem Leser klar, dass Foresight gerade nicht Prognostik ist, zumindest nicht in sozialen Kontexten. Ganz anders dagegen das kurze Kapitel zu den sog. Wild Cards (S. 147 bis 160). Wer über dieses interessante Gebiet mehr erfahren möchte, dem sei das Buch mit dem gleichnamigen Titel von ANGELA und KARLHEINZ STEINMÜLLER (Murmann Verlag, Hamburg 2004 (2. Auflage), Euro 24, ISBN 3-938017-12-0) wärmstens empfohlen. Hier erfährt man auf den ersten 60 Seiten etwas über die Grundlagen, den Lebenszyklus, das Wild-Card-Management und die Systematik von Wild Cards. Ab Seite 65 bis 195 wird in einem Katalog eine Vielzahl von möglichen Trendbrüchen beschrieben. Ob sie jemals eintreten werden ist offen, aber anregend sind sie allemal. Und: Es lohnt sich “zumindest gedanklich“ darauf vorzubereiten. (EM)



Tony Buzan, Vanda North
Business Mind Mapping. Ein Handbuch
Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter,
Wien/ Frankfurt 1999, 192 Seiten, DM 48.ö/ATS 351.ö/CHF 46.-

Das Buch mit dem "Schöpfer" des MindMapping, Tony Buzan, als Mitautor ist weniger ein informierendes denn inspirierendes Buch. Die visuellen Anteile (Fotos und MindMap-Skizzen) überwiegen fast die verbalen Anteile. Für denjenigen, der mit der Methode noch nicht vertraut ist, ist das Buch eine gute Einführung, gerade weil es so anschaulich gestaltet ist. Die MindMapping-Inspiration lässt sich durch nüchterne Worte nun mal schlecht verdeutlichen. Ein bisschen Marketing im "american style" muss man in Kauf nehmen, und den Autor zahlt man natürlich auch mit. Dennoch: wer Anregungen sucht und neue Wege beim Planen von Meetings, bei der Vorbereitung von Präsentationen und Vorträge gehen willö um nur einige Anwendungsbeispiele zu nennenö, wird sicher fündig.