Rezensionen 'U'
Thomas Maak/Peter Ulrich
Integre Unternehmensführung
Ethisches Orientierungswissen für die Wirtschaftspraxis
Schäffer-Poeschel 2007, 532 Seiten, Euro 39.90,
ISBN 978-3-7910-2685-5
Die Autoren wenden sich an „reflective practitioners“, an ethisch reflektierte Führungskräfte, denen an einem guten Umgang mit den gesellschaftlichen und menschlichen Zusammenhängen gelegen ist. Beide sind lehrend als Dozent bzw. Lehrstuhlinhaber am Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen tätig und legen dieses Buch zehn Jahre nach der Formulierung der „St. Gallener Integrativen Wirtschaftsethik“ vor. Dementsprechend umfang- und detailreich fällt es aus. Sie wollen damit eine Lücke schließen zwischen abstrakten wissenschaftlichen Abhandlungen und „Rezeptbüchern“ zum Thema „Ethik und Management“. So soll sowohl die wissenschaftliche Fundierung als auch der Praxisbezug gewährleistet werden. Dies gelingt in den drei Teilen mit insgesamt 15 Modulen durchaus überzeugend. Aktuelle ethische Themen, meist skandalöser Form wie zum Beispiel die 30% Gehaltserhöhung des Siemensvorstandes 2007 bei durchwachsenden Geschäftsergebnissen, vielen Korruptionsfällen, der BenQ-Krise u.ä. werden daraufhin untersucht, welche Strukturen Unternehmen brauchen, um individuelles Fehlverhalten konsequent sanktionieren zu können. Hier plädieren sie für eine „Good Corporate Governance“ Struktur, in der nicht nur die Eigentümer- oder Management-Interessen sich rücksichtslos durchsetzen. Allerdings ist es allein mit Regeln und Verfahren nicht getan. Sowohl die Öffentlichkeit, als noch vielmehr die Mitarbeiter erkennen sehr schnell eine „Wasser predigen und Wein trinken“ Mentalität des Vorstandes. Es geht um die Integrität von Führungskräften, nicht um die penible Erfüllung interner Bürokratie. Integrität wird als kontinuierliches Erfahrungslernen nach dem Modell von Kolb begriffen, das insbesondere in Change-Prozessen möglich und oft auch notwendig ist. Die konkrete Erfahrung wechselt dabei mit Abstraktion, das aktive Experimentieren mit reflektierendem Beobachten. Neben diesem pädagogischen Modell werden natürlich auch allgemeine Modelle moralischer Entwicklungsstufen diskutiert und auch eine interessante Heuristik ethischer Entscheidungsfindung im Unternehmen angeboten. Ethikbewusstes und verantwortliches Entscheiden habe sich danach nach dem sinnvollen Zweck, den legitimen Ansprüchen aller Beteiligten, den eigenen Prinzipien und schließlich den eigenen Machtmöglichkeiten zu richten.
Wenn man sich von der oft hochtrabenden und übertrieben „denglischen“ Sprache nicht abschrecken lässt, finden sowohl Führungskräfte, als auch (Organisations-)Berater eine Vielzahl von interessanten Anregungen – nicht nur in ethischen Fragestellungen. (HK)
ROAN LOMBRISER / HEINZ UEPPING (HRSG.)
Employability statt Jobsicherheit
Luchterhand Verlag, Neuwied 2001, 236 Seiten
"Employability" gehört zu den Buzzwords des Human Resources Managements, das unverdrossen von mehr oder weniger Berufenen immer wieder und mahnend in den Mund genommen wird. Der vorliegende Band fasst zusammen, vor welchen ökonomischen Kontext dieses Konzept entstanden ist und welche Implikationen er für die Beschäftigungsbeziehungen hat. Insbesondere geht es dabei um die Natur des neuen "psychologischen Kontraktes" zwischen Arbeitgebern und -nehmern. Die Autoren zeigen - auch an Hand von praktischen Beispielen - in welche Ambivalenzen dabei die betriebliche Personalpolitik hineingerät, etwa wenn zugleich Personal auf- und abgebaut werden muss. Das bezieht sich auch auf das ebenso heikle Thema vertraglich unterschiedlich abgesicherter Belegschaftsstrukturen. Das gesamte personalpolitische Instrumentarium muss vor diesem Hintergrund neu überdacht und den neuen Erfordernissen angepasst werden. Beurteilungssysteme werden etwa zum Anlass, den Beschäftigungskontrakt zur Disposition zu stellen, die Voraussetzungen zu überdenken und ggfs. neu zu verhandeln.
Leider bleiben die Autoren in ihrer Darstellung auf der instrumentellen Ebene stehen und versäumen es, auf die emotionalen und moralischen Belastungen einzugehen, die mit dieser Transformationen einhergehen. Viele Betroffene bleiben mit dem Problem alleine, auch Führungskräfte. Von der Seite der Personalpolitik hört man häufig die zuweilen heroischen anmutenden Appelle für mehr Flexibilität und Wandlungsfähigkeit, Tugenden, die im Personalbereich selber eher selten unter Beweis gestellt wurden. Wünschenswert wären Ansätze zur Beschäftigungsfähigkeit und zur Entwicklung interner Arbeitsmärkte, in denen sich Personalpolitik mit Organisationsentwicklung verbinden und in ein ganzheitliches Vorgehenskonzept integrieren liessen. (JF)
MARTIN GRÖTZINGER, HEINZ UEPPING (HRSG)
Balanced Scorecard im Human Resources Management
Luchterhand Verlag Neuwied 2001, 244 Seiten, ISBN 3-472-04512-4
Der Titel könnnte etwas in die Irre führen. Es geht nicht primär um die Ausarbeitung einer spezifischen BSC für den Bereich "Human Resources Management". Die Fragestellungen drehen sich vorrangig um den Beitrag des Personalmanagements beim Aufbau einer unternehmensweiten BSC.
Nach den drei einleitenden, eher grundlegenden Beiträgen - eine empirische Untersuchung zum Einsatz einer BSC in den DAX-100-Unternehmen, sowie Beiträgen zum Nutzen und den Einsatzmöglichkeiten und zur Philosophie und Methodik der BSC - bilden Erfahrungsberichte aus 10 verschiedenen Unternehmen den eigentlichen Fokus des Buches. Zwar bergen veröffentlichte Fallstudien aus Unternehmen immer das Problem, dass sie ein Stück weit immer auch der positiven Selbstdarstellung der Unternehmen dienen und deshalb der Blick auf die Haken und Ösen bei der Umsetzung häufig zu kurz gerät. Dennoch sind die einzelnen Berichte nicht uninteressant. So zeigen sie auf der einen Seite doch unternehmensspezifische Unterschiede in der jeweiligen Vorgehensweise und vor allem in den jeweiligen Kontexten, in denen die Umsetzung erfolgt. Andererseits werden aber auch unternehmensübergreifende Erfolgsfaktoren für die Einführung einer BSC deulich, die der Herausgeber in einem abschliessenden Kapitel noch einmal explizit zusammenfasst. Als Buch, das dem Erfahrungsaustausch dient und weniger der Vertiefung, bietet es durchaus einen Nutzen. (HM)
PETER HEINTEL/LARISSA KRAINER/ MARTINA UKOWITZ
Beratung und Ethik
Praxis, Modelle, Dimensionen
Ulrich Leutner Verlag, Berlin 2006, 275 Seiten, Euro 26,—, ISBN 3-934391-29-X
Dieser Band bietet eine bemerkenswerte Sammlung von Aufsätzen zum Thema Beratung und Ethik, die im Vorwort damit begründet wird, dass das Verhältnis von Ethik und Beratung nicht nur im Kontext zu sehen ist, welche «standesethischen Gebote und Verbote, Normen und Werte feststellbar sind (oder gar vorgeschrieben werden sollen), sondern auch danach gefragt wird, ob die Gestaltung von Beratungsprozessen in den Feldern, in welchen Beratung erfolgt, ein ethisches Potential entfalten kann und umgekehrt, ob für die Etablierung von Ethik Beratungsprozesse dienlich sein können.» Der Band zeigt zugleich den prozessethischen Ansatz auf, der an der Abteilung Weiterbildung und systemische Interventionsforschung der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung an der Universität Klagenfurt entwickelt wurde.
Das Buch repräsentiert zwei Intentionen: eine multiperspektivisch inhaltliche Auseinandersetzung rund um das Thema zu initiieren und zum anderen, wie sich die Auseinandersetzung mit dem Thema Ethik und Beratung, wie sich also der Diskurs gestaltet. Es kommt also darauf an, sich auch mit den Begriffen, Inhalten und Implikationen der Begriffe Beratung und Ethik auseinander zu setzen, was etlichen Autoren in diesem Band gut gelingt.
Im Anhang stellt Martina Ukowitz Überlegungen zu einem Abriß des Themas Beratung und Ethik an, was die Grundlagenarbeit des Forschungsprojektes wiedergibt und den Autoren zur Unterstützung bereitgestellt wurde. Darin zeigt sich bereits, dass ein breites Publikationsfeld vorliegt.
Neben den Beiträgen von Pesendorfer und Buchinger zu den Begriffen Beratung und Ethik lässt sich Altmeister Gerhard Schwarz auf die Auseinandersetzung mit der Moral ein und kommt zu dem Schluß, das Moralische/ Ethische «aus den Beratungsprozessen möglichst herauszuhalten, weil eine solche Wendung der verhandelten Thematik hinsichtlich gemeinsamer Lösungen eher hinderlich als förderlich wirkt». So etwas schafft schon ein interessantes Reizklima bei der Lektüre.
Exner legt sehr persönlich seinen Zugang zu Ethik dar und stellt viele Fragen, auch an KollegInnen. Ein weiterer anregender Beitrag diskutiert den ethischen Anspruch von Interventionsforschung. Die Autorin Krainer beschreibt vor allem die charakteristischen Wertentscheidungen. Auch Frau Heimerl setzt sich mit der Rolle von Forschung und Beratung auseinander. Frau Seliger, Herr Schober und Herr Sicher berichten von einem konkreten Beratungsprojekt im Kontext der Verhältnisse Ethik und Gesundheit. Diese Überlegungen setzt Herr Schober in einem weiteren Aufsatz fort.
Herrn Kranz und Herr Heintel widmen die beiden letzten Beiträge Fragen der Ethik und Moral, bzw. Herr Heintel stellt Beratung, die sich nicht auf reine Fachberatung beschränkt als einen Ort dar, wo ethische Antworten in neuer Qualität nötig wären. Er bietet eine Anleitung für die Anwendung des Klagenfurter prozessethischen Beratungsmodells an.
Die Beratung im Feld der Organisationsentwicklung hat sich mit der Professionalisierung in den 70er – 90er Jahren sehr schwer getan, weil der primäre Entwicklungsantrieb der Marktzugang war. Das hat sich im letzten Jahrzehnt durch die zunehmenden reflexiven Anteile verändert. Und dafür leistet dieses Buch einen wichtigen Beitrag, gerade in den (ausklingenden) Zeiten der Globalisierung und des rabiaten Kapitalismus, denn offensichtlich beginnt ein neuer Wettbewerb der ökonomischen und moralischen Werte. (KT)
Eberhard Ulich
Arbeitspsychologie
6. Auflage‚ Verlag Sch&äuml;ffer-Poeschel, Stuttgart 2005, 840 Seiten, Euro 44.95, ISBN 3791024426
Dieser Band ist ein erfolgreiches Standardwerk der Arbeitspsychologie, das sich aus unterschiedlichsten Perspektiven mit den Bedingungen und Einflüssen auf menschliche Arbeit, Können und Motivation besch&äuml;ftigt. Das Buch enth&äuml;lt u.a. sehr differenzierte Ausführungen zu den Aspekten Arbeitsanalyse, -bewertung und -gestaltung, zu den Einflüssen von Technologien, Gruppenprozessen und Change. Für den Leser, der an der Ver&äuml;nderung und Gestaltung von Organisationen und ihren Teilsystemen interessiert ist, sind insbesondere die Kapitel über die selbstregulierten Arbeitssystemen und der Zusammenhang von Change, Qualifizierung und Ver&äuml;nderungsbereitschaft voller Hinweise.
Der Autor versteht es dabei, internationale und eigene Forschungsergebnisse mit praktischen Aspekten zu verbinden. Er gibt mit seinen zahlreichen Fallbeispielen unterschiedlichste Einblicke in Arbeitsrealit&äuml;ten, von Call Centern über Krankenh&äuml;user und Schulen bis hin zu modernen Fertigungen in Industrieunternehmen. Der Band enth&äuml;lt darüber hinaus eine Vielzahl von Checklisten und Analyse-Instrumenten, die in der praktischen Analyse und Gestaltung von Arbeitssystemen hilfreich sind. Es handelt sich um ein Werk, das über Jahre gewachsen und st&äuml;ndig um neue Themen erg&äuml;nzt wurde. Es ist sprachlich sehr verst&äuml;ndlich und ebenso lesefreundlich gestaltet. (JF)
Dave Ulrich (Hrsg.)
Strategisches Human Resource Management
Hanser-Verlag, München/Wien 1999. 334 Seiten, DM 89.ö/ATS 650.ö/CHF 82.ö
In seiner Reihe "Harvard bei Hanser" hat der Hanser-Verlag das wichtige Buch von Dave Ulrich "Delivering Results" nun auch in deutscher übersetzung veröffentlicht. Der Autor ist einer der profiliertesten Vertreter eines strategisch orientierten Personalwesens. Der Autor lenkt den Blick weg vom bloss "Machbaren" hin zum "Möglichen" und damit die Aufmerksamkeit auf den Beitrag, den das Personalwesen für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung leisten könnte. Die Rolle des neuen Personalwesens als Mitgestalter der Unternehmenszukunft umfasst für ihn vier Segmente: • Partner bei der Stategieumsetzung • Administrativer Experte • Verfechter von Mitarbeiter-Anliegen • Agent des Wandels
Die Abschnitte, in denen er sein Buch gliedertö Kernkompetenzen, Geschäftsstrategien, Veränderungsmanagement, Wissensmanagementö sind für ihn zugleich Programm: sie zeigen den Kontext, in dem er das zukünftige Personalwesen sieht. Auch wenn einige der Beiträge, die er unter diesen überschriften zusammenfasst, aufmerksamen Lesern des "Harvard Business managers" schon bekannt sein dürften, bringt es Gewinn, sie hier noch einmal im Kontext der Diskussion über das zukünftige Personalwesen zu lesen.
Fazit: Ein wichtiges Buch über die Zukunft des Personalwesen.
ELISABETH HABERLEITNER / ELISABETH DEISTLER / ROBERT UNGARI
Führung, Fördern, Coachen. So entwickeln Sie die Potentiale Ihrer Mitarbeiter
Wirtschaftsverlag Carl Uebereuter, Frankfurt/Wien 2001, ISBN 3-7064-08163, 248 Seiten
Die Führungskraft als Coach ist inzwischen ein weitverbreitetes Leitbild, wenn es um Anforderungen an moderne Mitarbeiterführung geht. Schwierig ist - wie immer - dies dann auch zu leben. Hier können Führungskräfte das Buch der österreichischen Coaching-Experten mit einigem Gewinn lesen, weil es eine sehr praxisnahe Einführung in die Art und Weise ist, wie man als Führungskraft seine Mitarbeiter durch Coachen fördern und entwickeln kann. Dass es trotz Praxisbezug nicht oberflächlich wird, dafür sorgen die AutorInnen, in dem sie den Praxiskapiteln zwei Grundsatzkapitel über Grundannahmen im Coaching und über Grundhaltungen voranstellen, und auch explizit empfehlen, diese vorab zu lesen, weil die Anwendung der Werkzeuge allein ohne entsprechende Einstellungen die gewünschten Wirkungen nicht hervorrufen würde.
In den Praxiskapiteln "Werkzeuge", und "Aus der Praxis" wird dann an vielen Beispielen eine wirkungsvolle Gesprächsführung erläutert und die Schwierigkeiten reflektiert, die in Coaching-Prozessen entstehen können. Durch die ausführliche Darstellung möglicher Fragen zum Kontext, zu den Beschreibungen und Wertungen, zu den Zukunftsentwürfen etc, die dann zusätzlich auf einzelne Phasen des Coaching-Prozesses bezogen werden, erhält das Buch stellenweise den Charakter eines Leitfadens - sicherlich zum Nutzen der Führungskräfte, die sich in die Lektüre dieses Buches vertiefen, das sich, ganz nebenbei bemerkt, auch noch sehr flüssig liest. (HM)
Beate Kremin-Buch / Fritz Unger / Hartmut Walz (Hrsg)
Lernende Organisation
Verlag Wissenschaft & Praxis Dr. Brauner, Sternenfels / Berlin 2000, 2. überarb. und erw. Auflage, 343 Seiten
Die Literatur zur lernenden Organisation ist fast unüberschaubar geworden. Wenn dieses zuerst 1997 erschienene Buch aus der Schriftenreihe der Fachhochschule Ludwigshafen nun eine 2. Auflage erlebt, lohnt es doch, es genauer zu prüfen. Und ich bin hinsichtlich der Themen, Konzeptdarstellungen und Bearbeitung der verschiedenen Perspektiven und Einflüsse nicht enttäuscht worden. Mir fehlt allerdings an vielen Stellen die kritische Reflektion (könnte die Lernpropaganda nicht auch eine geschickte neue Art der Ausbeutung sein? - ist es wirklich vor allem ein Konzept des Wandels oder nicht vielmehr der Impuls für die längst fälligen Unstrukturierungen der Systeme, veränderte Werte und damit Kultur. Solche überfälligen Entscheidungen als Wandelprozesse zu kategorisieren, halte ich für problematisch bezüglich der Verantwortlichkeit). Insgesamt sollte das Konzept nicht so unkritisch propagiert, ja glorifiziert werden.
Dennoch sind die einführenden Kapitel beachtenswert und konzeptionell gut untermauert. Die Einbettung in das Innovationsmanagement als 3. Kapitel ist sehr anregend und weiterführend. Endlich wird dann die Lernende Organisation sehr explizit in den Kontext der Entscheidungsprozesse gestellt, und zwar aus kritisch-rationaler Perspektive. Hier werden auch der Umgang mit Fehlern und Offenheit der Kommunikation thematisiert, die durch die IuK-Technologien gefördert werden.
Trotz der Idealisierung des Konzeptes der Lernenden Organisation in einigen Kapiteln ist es aufgrund der Substanz und Differenziertheit zu empfehlen.

