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Gabi Reinmann/Martin J. Eppler

Wissenswege

Methoden für das persönliche Wissensmanagement

Verlag Hans Huber, Bern 2008, 204 Seiten, Euro 24.95,

ISBN 978 3 456 84348 3

 

Dieses eher unprätentiös und nüchtern daher kommende Buch hebt sich gerade darum eher wohltuend von der inzwischen zuweilen marktschreierisch gewordenen Literatur zum Wissensmanagement ab und erdet das Thema gleichsam für den persönlichen Gebrauch. In den anfänglichen Kapiteln wird eine kompakte und kenntnisreiche Bilanz der Diskussion vorgelegt. Den Kern des Buches bilden gut verwendbare und didaktisch ansprechende Darstellungen unterschiedlicher Methoden, die Transparenz und Prioritäten in die Handhabung der eigenen Wissensorganisation bringen. Das vierte Kapitel ergänzt den Methodenkanon um eine reflexive Betrachtung, die die Bedeutung des Wissens für die persönliche Entwicklung in den Blick nimmt, die Grenzen seiner Organisierbarkeit und die Notwendigkeit seiner Einbindung in einen sinnstiftenden Selbstentwurf betont.

Der Text liest sich leichtgängig, nicht zuletzt weil es den Autoren gelingt, den Leser in einen Dialog zu verwickeln. Das Verständnis wird darüber hinaus erleichtert durch eine geschickte und gekonnte pädagogische Aufbereitung. Er richtet sich an Leser, die sich Orientierung verschaffen müssen in einer Welt der zunehmenden Überflutung durch Informationen und Wissen, um Wesentliches von Unwesentlichem, Dringendes von weniger Dringendem zu unterscheiden. (JF)

 

 

 

Susanne Rank/Rita Scheinpflug (Hrsg)

Change Management in der Praxis

Beispiele, Methoden, Instrumente

Erich Schmidt Verlag 2008, 259 Seiten, Euro 39.80, ISBN 978 3 503 10012 5

 

Der vorliegende Band ist kein Lehrbuch, wie man vielleicht aufgrund des Titels vermuten könnte, sondern eine Sammlung ausführlicher Fallstudien über die Gestaltung von Veränderungsprozessen in Unternehmungen unterschiedlicher Branchen. Im ersten Hauptteil des Buches werden unterschiedliche Beispiele von Prozessen des kulturellen Wandels im Rahmen strategischer Neuorientierungen erläutert. Die Beispiele stellen dabei unterschiedliche Vorgehensweisen in den Vordergrund, beispielsweise die Einführung von Mitarbeiterbefragungen und die sich anschließende Umsetzung von Maßnahmen. Das folgende Kapitel fokussiert auf die konkrete Umsetzung von Change. Interessant ist hier ein Fallbeispiel, das den Einsatz von Planspielen darstellt. Ein Beitrag aus der Automobilindustrie thematisiert die besondere Rolle des mittleren Managements für Veränderungen, ein weiterer untersucht die Implementierung von KVP-Vorhaben. In den folgenden beiden Abschnitten geht es um die Einführung von SAP, die Umsetzung einer globalen Organisation und um einen Merger-Prozess.

Insgesamt handelt es sich um elf Beispiele, die alle sehr praxis- und handlungsorientiert aufbereitet sind. Die Beiträge enthalten zahlreiche konkrete Hinweise und Handreichungen, so dass der Leser sich Anregungen holen kann. Insgesamt sind diese Teile recht handwerklich gehalten. Der Band wird eingeleitet mit einem einführenden bzw. abgeschlossen mit einem resümierenden Artikel der Herausgeberinnen. Beide basieren auf dem Stand der Diskussion, sind eher pragmatisch gehalten und nicht theoretisch ambitioniert. Dort findet sich eigentlich nichts wirklich Neues oder Überraschendes. Der Wert des Bandes liegt eher in den Fallstudien, die für Leser von Wert sein können, die vor ähnlichen Fragestellungen stehen. (JF)

 

 

Claude Rosselet/Georg Senoner/Henriette K. Lingg
Management Constellations

Mit Systemaufstellungen Komplexität managen

Verlag Klett Cotta, Stuttgart 2007,

231 Seiten, Euro 22.50, ISBN 978 3 608 94469 3

 

Wie aus dem Titel bereits hervorgeht, widmet sich dieser Band der Frage, wie die Ansätze der Familienaufstellungen aus der systemischen Therapie auf die Management-Beratung übertragen werden können. Die Autoren nähern sich diesem Thema umsichtig und reflexiv. Sie zeigen zunächst, dass Aufstellungsarbeit auf den Aspekt des impliziten und verdeckten Wissens in Management-Teams zielt, das von den Akteuren weitgehend unbemerkt auf Entscheidungen Einfluss nimmt und sie zuweilen blockiert. Von kundigen Beratern geleitete unterschiedliche Aufstellungen machen diese Aspekte den Teams bewusst und eröffnen Ansätze, diese Einflüsse gemeinsam zu hinterfragen. Dadurch entsteht eine kollektive Erfahrung, die Bedingung gemeinsamen und kohärenten Handelns ist. Im Unterschied zu Familienaufstellungen kommt es im Rahmen von Management-Constellations jedoch eher nicht zu kathartischen Effekten. Daher ist die Überführung der dort gemachten Erfahrungen der Körperresonanz in eine dialogische Form unumgänglich, damit sie in reales Handeln einfließen.

Die Autoren ergänzen ihre konzeptionellen Überlegungen zu diesem innovativen Ansatz durch eine Vielzahl von praktischen Beispielen. Das Buch enthält schließlich auch einen hilfreichen Leitfaden für alle Berater, die mit diesem Format eigene Erfahrungen im Rahmen von Workshops oder Change-Vorhaben machen wollen. Berater in diesem Umfeld sind auch die Zielgruppe, an die sich dieser lesenswerte und anregungsreiche Text wendet. (JF)

 

 

Armin Rohm (Hrsg)

Change-Tools

Erfahrene Prozessberater präsentieren wirksame Workshop-Interventionen

managerSeminare-Verlag, Bonn 2006, 310 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-936075-39-5

 

Wer aufgrund des lapidaren Titels ‚Change-Tools’ eine Sammlung eher oberflächlicher Instrumente erwartet, wird angenehm überrascht. Wie der Untertitel deutlich macht, sind es in der Tat gut ausgearbeitete, komplexe Interventionsformen, die hier von anerkannten Prozessberatern präsentiert werden.

Grob unterteilt in die Phasen Anwärmen, Orientieren, Bearbeiten und Abschließen stellt der Herausgeber knapp 40 Interventionsmethoden vor. Dass jeder Methode sechs bis zehn Seiten Darstellungsraum gewährt wird, kommt dem Leser sehr entgegen, da dies nicht nur eine ausführliche Beschreibung der Vorgehensweise ermöglicht, sondern auch Platz gibt für eine ausführliche Reflexion des Kontextes, in dem die Methoden eingesetzt werden können – in die Anwendungsbereiche, die Zielsetzung und den Nutzen, die Voraussetzungen für die Anwendung und die Erfahrungen, die in der Umsetzung gesammelt wurden. Technische Hinweise sowie Quellen und weiterführende Literatur runden die jeweilige Darstellung ab. 
Es wäre müßig, hier die eine oder andere der vorgestellten Methoden explizit heraus zu stellen, da sie durch die Bank von anspruchsvollem Niveau sind. Und es wird dann ohnehin von der spezifischen Beratungssituation aber auch von der Person und Persönlichkeit des Beraters abhängen, welche der Methoden ihm für die Umsetzung in der eigenen Praxis geeignet erscheinen. Wer die im Aufbau vergleichbaren ’Coaching-Tools’ des gleichen Verlags (2004; Hrsg: Christopher Rauen) kennt (, die Karsten Trebesch in Heft 4/2005 besprochen hat), kann einschätzen, was ihn in etwa erwartet. Insgesamt trägt der Verlag mit seiner Tool-Reihe aus meiner Sicht durchaus zu einer Professionalisierung der Beratungstätigkeit bei. (HM)

 

 

 

Axel Rachow (Hrsg.)
Spielbar II
managerSeminare, Gerhard May Verlags GmbH, Bonn 2002, 266 Seiten, EURO 46.00 ISBN 3-931488-63-2

Dass zum Lernen auch emotionale und Erlebensgehalte gehören, ist bewährtes Trainer-KnowHow. Deshalb sind auch entsprechende Methodenhandbücher beliebt. Das Rezeptbuch ist eine gut strukturierte Anleitung, wie sich erlebnisorientierte Trainings oder Trainingssequenzen planen und in den Seminaren umsetzen lassen. Die Analogie des Kochrezeptbuches prägt auch die Gliederung des Buches:

R.ichtig anfangen
E.ffektiv informieren
Z.ielgerichtet inszenieren
E.ngagiert handeln
P.assgenau verarbeiten
T.reffend fortsetzen

Obwohl das Buch auch eine Reihe von Spielen enthält, ist es keine reine Spielesammlung, sondern ein Methoden- und Umsetzungshandbuch. Nützlich sind auch eine ganze Reihe von Informations- und Bestellquellen.

Spielbar II ist hingegen eine Sammlung, in der 66 TrainerInnen 88 Spiele aus Ihrer Seminarpraxis präsentieren.

Den Spielen vorweg steht eine gut gegliederte Übersicht der Spiele nach Anwendungsgebieten (Warming up, Motivation etc), Spielekategorien (Wahrnehmungsspiele, Interaktionsspiele, Bewegungsspiele etc) und Spielzielen (Kontakt aufbauen, Kommunikation verbessern, Kreativität anregen usw). Die einzelnen Spiele werden auf jeweils einem Blatt dargestellt, das man auch heraustrennen und dann wie ein Zettelkasten benutzen kann. Wenn man Spiele nicht als Selbstzweck sieht - leider entwickelt sich manche Seminarpraxis in diese Richtung - dann ist dies ein durchaus inspirierendes Buch.

Beide Bücher sind allerdings auf den gruppendynamischen Trainingsbereich bezogen und nicht auf das Interventionsrepertoire in der systemischen Organisationsentwicklung. (HM)

 

Amelie Funcke/ Axel Rachow
Rezeptbuch für lebendiges Training. Seminare inszenieren - Spiele einsetzen - Teilnehmer begeistern
managerSeminare, Gerhard May Verlags GmbH, Bonn 2002, 246 Seiten, EURO 46.00. ISBN 3-931488-42-X

F. Heideloff/ T. Radel (Hg.)
Organisation von Innovation; Strukturen, Prozesse, Interventionen
Rainer Hampp Verlag, 1997, 156 S.

In einer Zeit, in der der Erfolg von Unternehmen in entscheidendem Masse von ihrer Zukunftsfähigkeit abhängt, sind Wissens- und Innovationsmanagement inflationär verwendete Schlagworte. In den Beiträgen dieses Bandes, entstanden aus der Arbeit eines Forschungskolloquiums an der TU Chemnitz, versuchen die Autoren, etwas Klarheit in die Begriffe, deren Kontexte und Anwendungen zu bringen und jenseits aller Hauruck-Praktiken einen fundierten Einblick in das vielschichtige Thema Innovationsmanagement zu geben.

Besonderes Augenmerk richtet sich auf eine ganzheitliche Sichtweise, die insbesondere soziologische und psychologische Faktoren einschliesst, was dieses Buch von unzähligen anderen, rein ökonomisch orientierten Werken zu diesem Thema wohltuend unterscheidet. Dabei verwenden die Autoren auch ungewöhnliche Ansätze, um dem Leser ihre Standpunkte nahezubringen. So kontrastiert eine Autorin ein Essay aus dem 17. Jahrhundert mit Beiträgen zum Innovationsmanagement in der Betriebswirtschaftslehre, um implizite Wertungen in diesen äusserlich «rationalen» Texten herauszustellen.

Schockierend wird für einige Leser vielleicht die Quintessenz eines Aufsatzes sein, das gezielte Auslösen und Steuern von Innovationen sei eine lllusion – überhaupt sei das Erkennen einer Innovation erst im Nachhinein möglich, wenn der Prozess oder das Produkt am Markt erfolgreich oder sozial akzeptiert sei. Entscheidend sei also nicht die Frage, wie Innovationen bewusst ausgelöst und gelenkt werden können, sondern welches die erforderlichen Grundvoraussetzungen für eine innovative «Atmosphäre» in einer Organisation seien.

Deutlich dämpfen einige Artikel auch überzogene oder euphorische Erwartungen an «die Innovation» an sich, etwa dadurch, dass gezeigt wird, dass Innovation und Routine notwendigerweise nebeneinander existieren müssen, und ein blindes Erneuern von eingespielten Prozessen katastrophale Folgen haben kann.

Das Buch enthält sowohl theoretische als auch anwendungsbezogene Beiträge, so dass der Leser neben den fachlichen Grundlagen auch handfeste Anregungen für die praktische Arbeit erhält. So wird das in diesem Rahmen unentbehrliche Thema Wissensmanagement mit einer Vielzahl von praktischen Beispielen untermauert.

 

JULIAN RANDALL
Managing Change/Changing Managers
Routledge, London and New York 2004, 259 Seiten, ca. Euro 35.–, ISBN 0415323126


Dieses erfrischend und respektlos geschriebene Buch setzt sich in kritischer Weise mit dem Verhältnis von Fiktion und Realität von Management- und Veränderungskonzepten auseinander, die uns im Allgemeinen mehr oder weniger marktschreierisch von selbst ernannten Gurus als Erfolgsgeschichten präsentiert werden. Die wichtigsten Kapitel des Bandes widmen sich den Phasen-Modellen von Veränderungen, den System-Konzepten von Organisationen, der Veränderbarkeit von Menschen, kultureller Transformation, der Planbarkeit von Wandel, Projektmanagement und der Rolle von Change-Agenten. Dort werden zunächst die gängigen Konzepte und Ansätze dargestellt. Die folgenden Abschnitte stellen dann anregende Fragen, konfrontieren mit konkreten Erfahrungen aus Fallgeschichten und bemühen nicht zuletzt gelegentlich auch den gesunden Menschenverstand, um etwas nüchterner hinter die bombastische Excellence-Rhetorik zu schauen und diese auf ihren tatsächlichen Gehalt zu prüfen.

Der Band ist als Lehrbuch konzipiert, richtet sich also zunächst an ein akademisches Publikum. Das wäre aber eine zu starke Beschränkung. Es ist m. E. auch von Interesse für Manager und Change-Experten, die sich im Dschungel der Change-Konzepte ein wenig besser orientieren wollen. (JF)

 

CHRISTOPHER RAUEN (HRSG)
Coaching-Tools. Erfolgreiche Coaches präsentieren.
60 Interventionstechniken aus ihrer Coaching-Praxis

managerSeminare Verlag, Bonn 2004, 365 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-936075-18-2


Der Herausgeber des Bandes ist auch Herausgeber des online Dienstes «Coaching Report» und Vorstandsmitglied des Deutschen Bundesverbandes Coaching e.V. Er hat also eine gute Übersicht und profitiert vom Netzwerk. Eines seiner beachteten Bücher ist das «Coaching-Handbuch».

In dieser Methodensammlung werden 60 Coaching-Techniken vorgestellt, einige davon von namhaften Coaches. Der Herausgeber hat natürlich Recht, wenn er warnt, dass ein paar gute Rezepte schon den Coach zu guten Beratungsleistungen befähigen. Es geht vielmehr darum, Berufsanfängern Hinweise zu geben und auch erfahrene Coaches die eine oder andere Systematik zu bieten. Ich habe einige Werkzeuge als neu und durchaus wertvoll entdeckt.

Das Buch ist nach den Phasen eines idealtypischen Coaching-Prozesses gegliedert und bietet am Anfang eine gute Übersicht. Insgesamt ist das Buch empfehlenswert, weil es viele gute Anregungen und Hinweise bietet.

Aber es gibt so die eine oder andere Kritik oder Frage, wenn man die Interventionstechniken auf sich wirken lässt. Warum muss eigentlich soviel systemisch sein? Man merkt bei diesem Vermarktungslabel doch zu häufig, dass das Systemische nur rudimentär aufgenommen wurde. Da wo das NLP ins Spiel kommt, sind die Instrumente schwach. Natürlich darf auch das modische tool «Aufstellungen» nicht unerwähnt bleiben.

Manche tools sind überfordert oder verwirrend, z.B. das der Auftragsklärung mit dem C.L.E.E.R.I.T.-Format. Was soll das? Vor allem wenn zwei gute Instrumente dazu ein paar Seiten vorher gebracht werden? Nützlich ist die Kürze (vor allem in den Darstellungen der Cracks) und gute Struktur der Darstellung, sowie die Übersichten und Fragenkataloge. (KT)

 

RAUEN, CHRISTOPHER
Coaching
Hogrefe Verlag, Göttingen 2003, 100 Seiten, Euro 19.95, ISBN 3 8017 1853 0


Der Autor, der zum Thema schon verschiedentlich geschrieben hat, legt hier einen kompakten und übersichtlichen Band vor, dessen Ziel darin besteht, für den schnellen Leser einen kurzen, aber fundierten Einstieg ins Thema zu ermöglichen. Das Buch enthält eine Übersicht über unterschiedliche Coaching-Modelle bzw. Formen, beschreibt Rahmenbedingungen und Voraussetzungen und liefert dann im abschliessenden Kapitel eine anregende Erläuterung der Methoden und Techniken, die Coaches einsetzen. Darstellung wird abgerundet durch zwei kurze Fallbeispiele. Das Buch ist sehr verständlich geschrieben und didaktisch gut aufgebaut, so dass sich die Thematik schnell und leicht erschliesst, ohne Niveau zu verlieren. (JF)

 

Peter Reason / Hilary Bradbury (Hrsg.)
Handbook of Action Research. Participative Inquiry & Practice
Sage Publications, London 2001, 468 Seiten

Dieses umfangreiche Handbuch über die Aktionsforschung (AR), also eine von Kurt Levin bevorzugte und zur Reife entwickelte Forschungs- und Veränderungsmethode, stellt die neuesten Forschungs- und Anwendungsergebnisse zusammen. Die Aktionsforschung ist ja eine Interventionsmethode der OE und gleichzeitig eine ihrer Ursprünge, wenn man nicht nur die Michigan-Methode der Datenerhebungs- und Rückkopplungsverfahren heranzieht. Leider wird dieser Aktionsforschungsansatz in der betrieblichen OE-Praxis zu wenig genutzt bzw. praktiziert, wohl weil sie fundiertes Wissen und Erfahrung voraussetzt. Und doch sind Elemente oder Grundansätze in vielen OE-Projekten vorhanden: die partizipative Erforschung einer Frage oder eines Problems und die eingeleiteten unmittelbaren Veränderungsmassnahmen, deren Wirkungen wiederum erfasst werden.

Das wichtige und empfehlenswerte Handbuch ist in 4 Teile gegliedert: Grundlagen (Einführungen, AR am Arbeitsplatz, AR und ihr Verhältnis zum sozialen Konstruktivismus und Systemansatz usw., die aber oberflächlich geraten sind). Der 2. Teil ist der Praktizierung gewidmet. Hier sind Aufsätze von Ed Schein über die klienteninitierte Forschung, sowie die Bedeutung der Sprache und AR im Prozess grosser Gruppen (was heute relevanter wird) von Bedeutung für uns. Der 3. Teil enthält 15 Anwendungsbeispiele, vor allem im klinischen und Forschungs-Bereich und der Entwicklungshilfe. Der abschliessende 4. Teil ist den Fertigkeiten bzw. deren Vermittlung gewidmet, die AR benötigt.

Leider ist die Unternehmenswelt nur wenig einbezogen, aber das ist nur ein Mangel, keine Schwäche. Engagierten PE und OE'lern kann dieses Buch wirklich empfohlen werden.

 

CORNELIA HEGELE-RAIH
Kommunikation im und über Change Management. Eine theoretische Betrachtung
Peter Lang Verlag, Frankfurt/New York 2002, 329 Seiten, Euro 50.10, ISBN 3-631-38734-2


Dieses an- und aufregende Buch ist mir erst jetzt durch einen Zufall in die Hände und in den Kopf gekommen. Es ist ein wirklich ungewöhnliches Buch, entstanden als Dissertation bei Alfred Kieser in Mannheim. Der hat sein Vorwort als nachdrückliche Warnung vor dem Buch gestaltet: nach der Lektüre wird man nie mehr so unbefangen kommunizieren können, wie davor. Ja, man kann seine Unschuld dabei verlieren, besonders in den Prozessen organisatorischen Wandels. Es gibt keine praktischen Ratschläge und auch keine funktionale Analyse der Kommunikation. Das Buch würde auch mit dem so gesunden Urteil kollidieren, dass wissenschaftliche Texte nur Seriosität sichern, wenn sie trocken vermittelt werden. Forscher und Praktiker hätten sich doch bei der Lektüre des Buches köstlich amüsiert.

Gemach, Herr Professor, wenn man die Unschuld 1. Ordnung (die Irritation des ICH’s) verloren hat, dann ist die Störung der Unschuld 2. Ordnung (Verhalten im Alltag) nicht mehr so dramatisch. Man soll ja widerstehen, aber eben auch erschütterbar bleiben (E. Fried).

So ein Vorwort kann man nur verfassen, wenn man vom Eigenwert des Buches überrascht wird und überzeugt ist. Und worin liegt der?

Die Autorin will mit neuen theoretischen Perspektiven (konstruktivistische Ansätze und der Theorie von Pierre Bourdieu) die strukturierte und strukturierende Kommunikation im Change Management neu betrachten. Sie untersucht anhand von Beispielen zum Change Management in der Praxis (u.a. Mercedes Benz Erfolgsprogramm) «wie und warum die Akteure im Change Management in der heute üblichen Weise kommunizieren». Ihr Fazit: es wird emsig und in subjektiver Gewissheit munter kommuniziert, aber das ist letztlich kontraproduktiv. Es wird sehr deutlich, dass eigentlich alle Kommunikationsmethoden in der OE einen mehr oder weniger stark ausgeprägten nomativen, also ideologischen Hintergrund haben (S. 224). Das ist ja weder schlecht noch kriminell, aber es wird eben Zeit, existierende Kommunikationsgewohnheiten in Frage zu stellen und zu durchbrechen. So ist es – in Anlehnung an Bourdieu – oft weniger wichtig, was, sondern wie es gesagt wird.

Und dazu gibt das Buch viele viele Hinweise und Hilfen. Allerdings nicht in Form von Handlungsanleitungen, sondern durch Ermutigungen, Kommunikation mal in verschiedenen Situationen, Zwecken und Zielen anders zu denken. Beispiel: die Nutzung von Geschichten in der Organisation, als story-telling-Methode bekannt, liefert nicht im Entferntesten das, was damit propagiert wird. Darüber wird die Autorin, heute Redakteurin beim Harvard Businessmanager noch einen Beitrag für diese Zeitschrift verfassen.

Für eine theoretische Betrachtung ist es ein sehr lebhaftes und lesbares Buch, vor allem vom Stil her. Ein kleines Beispiel: das Kapitel über Emotionen und deren Strukturierung wird mit dem Sprichwort eingeleitet: «Wer nicht hören will, muss fühlen». Allein das liefert Stoff für das Nach-Denken über Stunden. Die Arbeit an Bourdieus Theorie ist natürlich heavy stuff und verlangt schon Intensität und Aufwand der Lektüre. Aufgrund meiner intellektuellen Unterversorgungs-Anfälle (temporär natürlich!) habe ich vieles mehrfach lesen müssen.

Das Buch verdient sehr viel mehr Aufmeksamkeit und Nutzung, als es bisher der Fall ist. (KT)

 

Daniela Raststetter (Hrsg.)
Geschlechterdifferenz und Personalmanagement
Schwerpunktheft der Zeitschrift für Personalforschung; 12. Jg, Heft 2, 1988 Verlag Rainer Hampp, Mering

Eine Sammlung von zum Teil sehr komplexen, hoch differenzierten und nicht einfach zu lesenden Texten zum Thema Geschlechterdifferenz. Da werden Aspekte der Organisationskultur angesprochen, insbesondere die Asymetrische Geschlechterkultur sowie Kulturfaktoren, mit denen Geschlechterdifferenz gestaltet wird. Der gezielte Einbezug weiblicher Denk- und Verhaltensmuster als konstitutiver Innovationsprozess wird diskutiert, und geschlechtsspezifische Schliessungsprozesse in Organisationen werden erforscht. Interessant sind die Artikel, die sich mit männlichen Determinanten auseinandersetzen: dem «Männerbund Management» z.B. oder maskulinen Mustern im Innovationsmanagement. Eine weitere Dimension, jenseits von Mann/Frau-Stereotypien, beschreibt ein Artikel zum tabuisierten Thema der homosexuellen Führungskräfte. Trotz viel interessantem Material hinterlässt dieses Heft ein flaues Gefühl. Das Thema der Geschlechterdifferenz wird hier doch recht abgehoben behandelt. Die Relevanz für Personalfragen müssen sich die Lesenden selbst erarbeiten.

 

GORDON REDDING/BRUCE W. STENING
Cross-Cultural Management
Vol. I The Theory of Culture, Vol II Managing Cultural Differences, Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2003
Vol. I, 707 Seiten, Vol II, 742 Seiten


Diese beiden sehr umfangreichen Bände sind in erster Linie als Reader zu verstehen. Sie enthalten ausschliesslich Originalwiedergaben von klassischen Aufsätzen und Textausschnitten, die sich im Verlaufe der letzten Jahrzehnte mit interkulturellem Management befasst haben. Der erste Theorieband enthält etwa Darstellungen, die von Max Weber über Berger/Luckman und Karl Polanyi bis hin zu Hofstede und Granovetter reichen. Gleiches gilt für den zweiten Band, der sich mit mehr praktischen Aspekten des Themas befasst. Hier finden sich Klassiker, wie natürlich wieder Hofstede, aber auch Nancy Adler sowie Beiträge von bekannten Management-Theoretikern wie Moss Kanter oder Ghoshal. Beide Bände enthalten aber auch eine grosse Zahl von weiteren, durchaus auch neueren Beiträgen zum Thema, die in Zeitschriften und Textbänden veröffentlicht wurden, aber in Deutschland nicht so einfach zur Verfügung stehen. Insofern handelt es sich bei der vorliegenden Veröffentlichung um eine absolut wertvolle Quellensammlung, auf die immer wieder zurückgegriffen werden kann. Die Autoren haben lange und sorgfältig recherchiert und nicht nur eine sehr umfangreiche, sondern auch gut sortierte, repräsentative Zusammenstellung von unterschiedlichen Beiträgen zum Thema vorgelegt.

 

Ulrich Krystek/ Wolfgang Redel/ Sebastian Reppegather
Grundzüge virtueller Organisationen. Elemente und Erfolgsfaktoren, Chancen und Risiken
Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 1997, 470 Seiten, DM 98.–

Anders als in dem oben besprochenen Buch zu dieser Thematik steht diese Untersuchung im Kontext der Auflösung der inneren und äusseren Grenzen von Unternehmungen, also in intraorganisatorischer und interorganisatorischer Perspektive virtueller Organisationen.

Hier geht es weniger um die informations-technologischen sowie ökonomischen Grundlagen und Konsequenzen, sondern die strukturellen und dynamischen Folgen und Gestaltungsmöglichkeiten. Einen weiteren Akzent bildet die Darstellung von geeigneten Formen moderner Informations- und Kommunikationssysteme, die als Motor der Virtualisierung gelten können.

Bemerkenswert und äusserst interessant ist für unsere Leser wohl das 5. Kapitel über die Wege zur virtuellen Organisation, für die als Beispie-le Business-Reengineering und Vertrauensorganisation dargestellt werden. Aber auch das 6. Kapitel über «Grenzen der Grenzenlosigkeit»: Virtualität versus Realität ist hervorzuheben.

Beide Bücher sind empfehlenswert, wenn man sich tiefer in die Voraussetzungen, Möglichkeiten und Folgen virtueller Organisationen einarbeiten will. Sie ergänzen sich und sind qualitativ – jedes auf seine Weise – anspruchsvoll.

 

Holger Regber / Klaus Zimmermann
Change Management in der Produktion. Prozesse effizient verbessern im Team
Verlag Moderne Industrie, Landsberg 2001, 368 Seiten


Früher hätte dieses Buch mit gleichem Inhalt den Titel Reengineering, Prozessmanagement oder so gehabt. Da das aber schon älter ist, und Change Management Mode ist, wird es eben so genannt. Der Verlag - das habe ich schon häufig angemerkt - ist vor allem auf Marketing gepolt.

Dabei ist das Buch sehr gut für den Praktiker im Betrieb geeignet, weniger für Berater, OE'ler und Change Manager. Es werden alle Themen sehr flüssig, konzentriert für die Praxis übersetzt, die heute im Kontext der Wirtschaftlichkeit als relevant gesehen werden: Wertschöpfung, Kanban, Instandhaltung, Qualität, Kultur, Lernen usw. usw.. Am Schluss wird ein Fall der Veränderung in der Festo Unternehmensgruppe anhand von Monologen vieler Betroffener durchdekliniert.

Was im Buch steht, ist aber nur für die lesenswert, die noch wenig Vorerfahrung damit haben und sich nicht mit theoretischen Konzepten belasten wollen. Der Titel ist pures Marketing, denn das Veränderungsmanagement wird nur auf 24 Seiten behandelt und ist nicht das Gelbe vom Ei. Es werden Fehler beschrieben und Rollen, sehr lebendig, aber auch oberflächlich, eben zum schnellen Konsum. Ich weiss, dass Verantwortliche in der Produktion solche Bücher schätzen, aber nicht die, die wirklich treiben und grundsätzlich etwas bewegen.

 

Erika Regnet / Laila Maija Hofmann (Hrsg)
Personalmanagement in Europa
Hogrefe-Verlag für angewandte Psychologie, Göttingen 2000, 452 Seiten


Die wachsende Internationalisierung der Geschäftstätigkeit ist auch ein zentrales Herausforderungsfeld für das Personalmanagement. Mehr noch als rechtliche Fragen erweist sich das Managen der interkulturellen Unterschiede als diffizile Gestaltungsaufgabe.

Trotz der Beschränkung auf Europa zeigt das Buch von Regnet / Hofmann die ganze Themenfülle des internationalen Personalmanagements. Die weitgefächerte Mischung aus theoretisch-konzeptionellen und empirischen Beiträgen, aus firmenbezogenen Praxisstudien und länderbezogenen Berichten macht es nicht immer leicht, den roten Faden zu behalten - trotz der groben Gliederung nach personalwirtschaftlichen Funktionsbereichen. Hier wäre eine stärkere Themenstraffung wünschenswert gewesen, um sich gezielter einzuarbeiten. So nützt das Buch eher als Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über relevante Themenstellungen zu verschaffen, bevor man sich dann gezielt in einzelne Fragestellungen vertieft. (HM)


Picot, A.,/Reichwald, R./ Wigand, R.
Die grenzenlose Untemehmung Information, Organisation und Management
Gabler Verlag, Wiesbaden, 1996, 579 S., DM 68.-

Es wird immer schwieriger, Unternehmen als in sich geschlossene Gebilde zu identifizieren. Die immer enger werdende kommunikative Vernetzung mit Märkten und anderen Unternehmen weicht Grenzen zwischen «innen und aussen» zunehmend auf, und der Titel des «Lehrbuchs zur Unternehmungsführung im Informationszeitalter» trifft ins Schwarze. Dabei wird die altbekannte, aber wichtige Tatsache, dass Unternehmen, Märkte und Gesellschaft sich durch Kommunikation konstituieren durch die rasante Leistungssteigerung bei den Informations- und Kommunikationstechnologien (IuKT) wieder ins Bewusstsein gerückt.

Die Autoren spannen in klarer Sprache und unaufgeregter Weise einen weiten thematischen Bogen auf: von Organisationstheorien über Modelle der Information und Kommunikation, von technologischen Potentialen der IuKT, hin zu neuen Formen der Marktkoordination in elektronischen Märkten. Entgegen der heute immer noch häufig anzutreffenden Technikgläubigkeit weist das Buch auf die fehlende direkte Korrelation zwischen IuK-Technikeinsatz und erzeugtem Wert hin. Vielmehr besitzen die beschriebenen Informations- und Kommunikationsmodelle ein beträchtliches betriebswirtschaftliches Anwendungspotential für die Erklärung und Diskussion der verschiedenen Kommunikationsstörungen in und zwischen Unternehmen, und zwar unabhängig vom Einsatz von IuKT.

Schliesslich entdecken die Autoren die menschliche Arbeit als primäre Unternehmensressource wieder. Führungskräfte müssen im Informationszeitalter den «Faktor Mensch» mit seinen psychologischen und sozialen Eigenschaften in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit rücken. Nach der Lektüre des reichhaltigen und im besten Sinne des Wortes interessanten Buches wird klar, dass die Autoren hier keine Plattitüde aussprechen.

 

RÜDIGER REINHARDT/MARTIN J. EPPLER (HRSG)
Wissenskommunikation in Organisationen
Methoden Instrumente Theorien
Springer Verlag, Heidelberg 2004, 424 Seiten, Euro 59.95, ISBN 3-540-20350-8


Ich habe mich mit der Rezension dieses Buches etwas verspätet, was nicht nur an der eigenen hohen zeitlichen Belastung lag, sondern auch daran, dass sich das Buch nicht zur flüchtigen Lektüre eignet. Dies liegt auch am Thema, weil Wissenskommunikation nicht so einfach ist, wie man sich dies naiverweise vielleicht denkt. Schließlich ist die Übertragung von Erkenntnis, Erfahrung oder Fertigkeit von einer Person per Kommunikation auf andere nicht einfach die Weitergabe von Daten und Informationen, sondern ein komplexer Vorgang in einem interaktiven Kontext, in dem auch Emotionen und soziale Kontextfaktoren eine wesentliche Rolle spielen. Es geht, wie die Herausgeber in ihrer Einführung (S.3) verdeutlichen, nicht nur um das «was», «wo», «woher», «wann» und «wie viel», sondern vielmehr um das «wie», «warum» und «was passiert, wenn». Kommuniziertes Wissen muss von da- her expliziert, legitimiert und motiviert werden, was das Gelingen viel unsicherer macht.

Das Buch fächert die Aspekte von Wissenskommunikation breit auf, grob eingeteilt zwischen je zehn eher theoretischen Beiträgen und zehn eher umsetzungsbezogenen Beiträgen. Da geht es in den theoretischen Beiträgen z.B. um den Einsatz von graphischen Metaphern, um Wissensdialoge, um den Einfluss der Kontextfaktoren wie Raum, personale oder interpersonale Faktoren, um die Verknüpfung von Wissenskommunikation und Lernen, um nur einige Beispiele zu nennen. Interessant fand ich hier auch den Beitrag über die Kommunikation impliziten Wissens mit der Fragestellung, wie sich das Erfahrungswissen von Anlagenfahrern in Wasserwerken explizieren und weitergeben lässt, aber auch die Beiträge über Communities of Practice. Auch in den praktischen Beiträgen, in denen es um spezifische Umsetzungsbeispiele geht, z.B. Wissensmessen, Forschungsmarktplätze etc, wird es vor allem eine Frage des jeweiligen Interesses sein, für welchen Beitrag man sich mehr oder weniger interessiert. Wer angesichts der Fülle der Beiträge den Überblick nicht verlieren will, für den ist die abschließende Zusammenfassung und Reflexion von Eppler von sehr großem Wert, der die praktischen Implikationen aus den Beiträgen herausarbeitet (während sein Co-Herausgeber die wissenschaftlichen Implikationen vertieft):

  • die Vielzahl der Dimensionen (z.B. räumliche, soziale, kognitive, sprachliche, visuelle, dramaturgische, technische und Prozessdimension), die in der Wissenskommunikation berücksichtigt werden müssen
  • die iterative Anwendungsweise der Instrumente, da Wissenskommunikation ein schrittweiser Prozess der Verständigung ist
  • das Ausbalancieren als Erfolgsfaktor, das Management von Dilemmata, das sich auch in der Wissenskommunikation als notwendig erweist.


Womit wir gleich bei einem Dilemma dieses Buches wären: Gerade beim Thema Wissenskommunikation hätte ich mir gewünscht, dass die Autoren mehr Wert auf die Lesbarkeit der Beiträge legen. Da sind die Beiträge (in unterschiedlichem Maße) manchmal doch eher etwas akademisch steif geschrieben. Dies lässt befürchten, dass das Buch nur in der Insider-Community relevante Verbreitung findet. Was eigentlich schade ist, denn auch wenn der Hype um das Wissensmanagement inzwischen vorbei ist, ist das Thema Wissenskommunikation nach wie vor eine ganz zentrale Frage in Organisationen, heute mehr denn je. (HM)



Isolde Kommer, Helmut Reinke
MindMapping am PC - für Präsentationen, Vorträge, Selbstmanagement
Hanser-Verlag München/Wien 1999, 255 Seiten mit CD-Rom; DM 39.80; ATS 291.-; CHF 38,30

Das Buch von Kommer/Reinke bringt zwei Dinge zusammen, die man gemeinhin nicht so ohne weiteres miteinander verbindet: Kreatives Arbeiten mit Arbeiten am PC. Auch wenn MindMapping im Mittelpunkt steht: es wird auch ausführlich auf eine Vielzahl weiterer Kreativitätstechniken eingegangen undö soweit vorhandenö auf entsprechende EDV-tools hingewiesen, die das Arbeiten mit den entsprechenden Techniken unterstützen.

Eine mitgelieferte Demo-CD ermöglicht es, einige dieser tools näher in Augenschein zu nehmen. Ausführlich wird auch auf DV-gestützte Anwendungsmöglichkeiten im Kontext von Selbstmanagement, Projektmanagement, Präsentationen etc., aber auch im Rahmen von Gruppenkreativitätsitzungenö ein- gegangen.

Der Anhang nennt eine Vielzahl von Internet-Adressen, bei denen man sich weitere Informationen über Kreativitätstechniken im allgemeinen und MindMapping im besonderen holen kann, und unterstreicht damit den Charakter des Buchs als nützliche Informationsquelle.


Stefan Kühl, Gerhard Kullmann
Gruppenarbeit. Einführen, bewerten und weiterentwickeln

Philipp Radtke, Dirk Willmes, Alexander Bellabarba
Leitfaden zur Excellence. Das Berliner TQM-Umsetzungsmodell

Claudia Kostka, Sebastian Kostka

Der kontinuierliche Verbesserungsprozess und seine Methoden
Hanser Verlag, München/Wien 1999. Jeweils 124 Seiten, DM 19.80/ATS 145/CHF 19.10

Wissen für die Hosentasche. In seiner Reihe "Pocket Power" bietet der Hanser-Verlag kompaktes Wissen in handlich kleinen, spiralgebundenen Broschüren. Die drei hier vorgestellten sind nur eine Auswahl aus der inzwischen umfangreichen Veröffentlichungsliste.

Kühl/Kullmann erläutern, was Gruppenarbeit ist, wie man sie einführt und sich dafür qualifiziert. Sie skizzieren in den wesentliche Erfolgsfaktoren, verschweigen aber auch nicht die Dilemmata, in denen sich Gruppenarbeit vielfach bewegt. Radtke et al. beschreiben ihr am EFQM-Ansatz orientiertes TQM-Umsetzungsmodell anhand von Modulen, die eine Schritt-für-Schritt-Einführung des Qualitätsmanagements ermöglichen. Kostka/Kostka schliesslichö last but not leastö erklären die Grundlagen von KVP, erläutern die Implementierung anhand eines 4 Phasen-Modells und gehen auf prozessbegleitende Schritte wie z.B. Moderationstraining, Prozessmapping, Zielvereinbarung ein.

Stets wiederkehrende Headlines wie "Worum geht es?", "Was bringt es?", "Wie gehe ich vor?" machen deutlich, dass es Führer für die Praxis sind. Die Inhalte sind gescheit und es spricht somit nichts dagegen, bei entsprechendem Bedarf eine kleine Sammelbestellung (zu reduzierten Preisen) aufzugeben, um die Broschüren als kleine Motivationshilfe an FK und MA auszuteilen, die sich durch diese Prozesse kämpfen.

 

SVEN REISNER
Das Integrative Balanced-Scorecard-Konzept. Die praktische Umsetzung im Krankenhaus
Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2003, 239 Seiten


In der Industrie hat sich die Balanced Scorecard (BSC) als fester und nützlicher Bestandteil der Unternehmensführung etablieren können. Im Gesundheitswesen steht diese Entwicklung - trotz der zunehmenden Zahl von privaten Klinikbetreibern - noch am Anfang, zumal es nach Auffassung vieler Fachleute im Krankenhauswesen an systematischen und strategischen Planungen sowie Führungskonzepten mangelt, die die operative Umsetzung von Zielen gewährleisten.
Hier setzt der Autor - Stabsleiter Strategie und Planung der Asklepios Kliniken in Berlin - der vorliegenden Veröffentlichung an und stellt - in Theorie und Praxis - das Konzept der Integrativen Balanced Scorecard dar, ein umfassendes und modernes Führungskonzept, das spezifisch auf den Krankenhausbetrieb ausgerichtet ist und dabei über das Grundkonzept der Balanced Scorecard hinausgeht. Dieses Konzept ist in allen Unternehmen des Gesundheitswesens einsetzbar - vom börsenorientierten Klinikkonzern bis zum Seniorenheim.
Das Buch bietet nicht nur konzeptionell gute Hilfen, sondern auch auf der operativen Ebene, d.h. mit konkreten Beispielen, Anleitungen und Tabellen. Den breitesten Raum nimmt die Entwicklung der BSC ein, wenngleich das Buch sehr strategielastig ist. Ich hätte mir mehr Ausführungen zur Prozess- und der Mitarbeiter-Perspektive gewünscht.
Leider ist das Inhaltsverzeichnis zu grob und im Literaturverzeichnis fehlten nicht nur Arbeiten von P. Horvath, der der BSC in Deutschland erst zur Durchsetzung verholfen hat, sondern auch Schriften zum Prozessmanagement. Der Autor ist eben Stratege und weniger Organisationsmanager. Das schränkt den Wert dieses guten Buches etwas ein, reduziert aber nicht erheblich die Nützlichkeit, weil es genügend Erklärungen, Anleitungen und Hilfen bietet. (KT)

 

Michael Reiss/Lutz von Rosenstiel/Anette Lanz
Change Management. Programme, Projekte und Prozesse
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997, 433 Seiten, DM 98.-

Bei diesem Titel bietet sich der Vergleich mit dem erfolgreichen Buch von Doppler/Lauterburg an. Es ist aber nicht so simpel (aber falsch), wie es in einer Rezension hiess, dass Doppler und Lauterburg beschreiben, wie es sein soll, und das vorliegende Werk sagt, wie es ist. Besser wäre es zu charakterisieren durch: wie es hätte sein können, aber dann doch wurde, denn das ist die optimale Lernquelle.

Das Buch ist empfehlenswert, obwohl ich das (von mir auch kritisch betrachtete) Buch von Doppler/ Lauterburg bevorzuge. Es ist systematischer, prozessbegleitender und prägnanter angelegt. Das vorliegende Buch hätte gestrafft, d.h. besser abgestimmt werden können (z.B. im Teil über die Steuerung von Veränderungsprozessen), aber es hat den Vorzug,sehr viele (interessante) Fälle als Lernquelle zu bieten. Die Begriffsbestimmungen «Coaching» und «OE» im Glossar am Ende des Buches lösen allerdings mehr als Zweifel aus.

Ich bin allerdings zuversichtlich, dass dieser Sammelband eine Akzeptanz in diesem Feld finden wird, weil es durch die Praxisnähe zu Taten ermuntert.

 

REVERS, ANDREA
Woran Workshops scheitern
Windmühle Verlag, Hamburg 2004, 113 Seiten, Euro 19.90, ISBN 3 922789 93 5


Wenn man nicht mehr weiter weiss, mache einen Arbeitskreis, wird das ein Flop, mach'n Workshop. Das muss aber nicht sein, wenn man sich gut vorbereitet und trotz aller Erfahrung auch sensibel ist für dramaturgische oder handwerkliche Fehler, die immer wieder unterlaufen. Die Autorin hat auf der Grundlage der bekannten Verfahren der Moderationstechnik eine Vielzahl von praktischen Hinweisen zusammengetragen, um solche Fehler zu vermeiden. Bei der Lektüre spürt man die Erfahrung der Autorin, so dass der Band gut lesbar ist und viele praktische Tipps vermittelt. Er richtet sich an Moderatoren, Change- und Projektmanager, die darauf angewiesen sind, Gruppen zu gewinnen und zu konkreten Ergebnissen zu gelangen. (JF)

 

John Burgoyne/ Michael Reynolds (Hrsg)
Management Learning. Integrating Perspectives in Theory and Practice

Sage Publications, London/Thousand Oaks 1997, 342 Seiten, ca. DM 60.–

Dies ist kein Buch über Organisationslernen, obwohl man davon ausgehen kann, dass das Management-Lernen heute zum grössten Teil Organisationslernen beinhaltet. Es ist vielmehr eine Aufsatzsammlung englischer Wissenschaftler, die in 4 Teile gegliedert ist: Den Kontext und die Geschichte, einen kritischen Bezugsrahmen, die Werte und Zwecke sowie die Entwicklungen.

Obwohl einige Texte nützlich sind, wie beispielsweise der über die Gruppe als Ort und Medium des Lernens, oder der von Mike Pechler über das Aktionslernen, bzw. der Beitrag von Anna Lorbiecki zur Internationalisierung des Management-Lernens, so bleibt das Buch insgesamt hinter den Erwartungen und dem Stand der Forschung und Anwendung zurück. Es ist allerdings nicht so oberflächlich, wie das vor Jahren hier besprochene Buch von Burgoyne zum lernenden Unternehmen (Campus Verlag).

 

JOACHIM HASEBROCK/OLAF ZAWACKI-RICHTER/JOHN ERPENBECK, HRSG.
Kompetenzkapital. Verbindungen zwischen Kompetenzbilanzen und Humankapital
Bankakademie Verlag, Frankfurt 2004, ISBN 3 937519 17 3, 340 Seiten, Euro 45.–


Die Autoren dieses Sammelbandes vereinigt die überzeugung, dass Wissen in Organisationen zur Schlüsselressource geworden ist, die man irgendwie messen bzw. regeln kann. Dazu werden unterschiedliche Konzepte, teils aus dem mittlerweile umfangreichen Theoriebestand, teils aus praktischen Erfahrungen dargestellt, wobei die Beispiele überwiegend aus dem Finanzbereich stammen. Das ist hilfreich, da gerade solche Dienstleister von der Wissen- und Beratungskompetenz ihrer Mitarbeiter abhängen. Nicht ohne Grund verdeutlichen einige Beiträge den Aspekt des Risikomanagements, weil in diesen intangiblen Bereichen die Möglichkeit von Kontrolle durch Führung und direkte Steuerung sehr eingeschränkt ist.

Es fällt auf, dass die Autoren sehr häufig mit Analogien und Anleihen aus dem traditionellen Rechnungswesen arbeiten. Eine differenzierte eigene Terminologie hat sich offenbar nicht wirklich gebildet. Das wird auch daran deutlich, dass immer wieder die gleichen Modelle bemüht werden, von Tobin über EFQM und Navigatoren bis hin zur Balanced Scorecard. Sehr anregend ist aber das kurze Fazit am Schluss, wo auf die Bedeutung von Cluster-ökonomien verwiesen wird. Das ist ein von Porter ausgehender innovativer Ansatz, der insbesondere den regionalen Aspekt der Wissensentwicklung und –diffusion betrachtet. Hier hätte ich mir noch einige weitergehende Betrachtungen gewünscht, zumal sich die Autoren eingestehen, dass man Wissensprozesse eher im Sinne von Kontextsteuerung beeinflussen kann, weniger mit direkter Einflussnahme. Trotz dieser kritischen Bemerkungen repräsentiert der Band den Stand der Diskussion und bietet insbesondere den praktisch orientierten Lesern eine Reihe von Anregungen, nicht zuletzt weil sie in der Sprache bleiben, die man in wirtschaftlichen Organisationen versteht und benötigt, um Investitionen in Humankapital zu legitimieren. (JF)

 

TUDOR RICKARDS/MURRAY CLARK
Dilemmas of Leadership
Routledge, London and New York 2006, 252 Seiten, GBP 23.99, ISBN 0-415-35585-0


Das Buch thematisiert Führungs-Dilemmata, die etwa zwischen Vertrauen und Kontrolle, in Zusammenhang mit Diversität oder in Zusammenhang mit normativen Konflikten entstehen. Dabei adressieren die Autoren unterschiedlichste Führungskonstellationen, natürlich in klassischen Unternehmen und in Pro- jekten, aber auch in Schulen, Sportteams oder in politischen Institutionen, so dass ein recht vielfältiges Bild entsteht. Das Buch ist primär zum Selbststudium gedacht und soll eigene Reflexionen über die Führungsrolle anregen. Es ist für dieses Ziel in übersichtliche Kapitel gegliedert, die nach dem gleichen Grundprinzip in ausgezeichneter didaktischer Form auf- gebaut sind. Sie bestehen aus verständlichen theoretischen Erläuterungen, kurzen Fallstudien und zahlreichen, zum Teil recht kurzweiligen Formen für Self-Assessments. Wer an vertieften Auseinandersetzungen mit Teilthemen interessiert ist, erhält zudem zahlreiche weiterführende Hinweise. Das Buch richtet sich daher primär an Führungskräfte, ist aber auch geeignet für Berater, Trainer oder Coaches, die Anregungen für Qualifizierungen oder Interventionen suchen. (JF)

 

JENS RIEDEL
Coaching für Führungskräfte. Erklärungsmodell und Fallstudien
Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2003, 352 Seiten, ISBN 3-8244-0730-2


Diese Dissertation des Boston Consulting Group-Beraters an der TU Berlin bietet viel Praxis aber auch sehr viel Konzeptionelles und Reflexion zur systematischen Gestaltung des Coaching.
Das Kernargument des Autors geht davon aus, dass wirksames Handeln subjektive Handlungstheorien (Alltagstheorien) voraussetzt. Coaching kann als Modifikation der subjektiven Theorien interpretiert werden, um die Wirksamkeit des Handelns zu erhöhen.
Die Arbeit stützt sich auf 12 audiotechnisch aufgezeichnete Coachings, die im Anhang ausgewertet werden. Sie eignen sich auch als Fallstudien für Lernprozesse.
Der Erklärungsansatz, der durch viele Praxisbeispiele (Episoden) erarbeitet wird, ist für das Lernen bzw. Optimierung des eigenen Coachings sehr nützlich und wichtig. (KT)

 

Hans-Christian Riekhof (Hrsg)
Beschleunigung von Geschäftsprozessen Wettbewerbsvorteile durch Lernfähigkeit
Schäffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart 1997, 256 Seiten, DM 68.–

Dem Herausgeber ist sicher rechtzugeben, wenn er die Inflation der modisch-aktuellen Managementkonzepte zunächst auf ihren gemeinsamen Kern, der Organisation von Geschäftsprozessen und ihre Optimierung, zurückführt. Dies zieht sich als gemeinsamer Faden durch alle Beiträge – wenn auch nicht mit durchgehend gleicher Stringenz. Die thematisch sehr breit aufgefächerten Beiträge – die sich u.a. mit virtueller Organisation, Qualitätsauditierung, Change-Management, Rapid Prototyping- und Quick-Response-Strategien, Outsourcing, Benchmarking und KVP/ CIP-Prozessen befassen – gehen nicht immer ausreichend in die Tiefe: besonders der im Untertitel angesprochene Aspekt der Lernfähigkeit von Organisationen kommt gelegentlich etwas zu kurz, so als wäre Geschäftsprozessoptimierung und Lernende Organisation schon das gleiche. (Hier weist u.a. der Beitrag von Schneider über Change Management in die richtige Richtung, wenn er eng gefassten Reengineering-Ansätzen das Konzept einer ganzheitlichen, kulturgestützten Unternehmenstransformation gegenüberstellt). Dennoch: für jeden der sich mit der angesprochenen Thematik auseinandersetzen will, ist die Mischung aus eher grundsätzlichen Überlegungen und Fallstudien aus Betrieben (Bosch, Phoenix, Siemens, Volkswagen, Würth) als anregende Lektüre empfohlen. (HM)

 

Heijo Rieckmann
Managen und Führen am Rande des 3. Jahrtausends
Praktisches, Theoretisches, Bedenkliches, Peter Lang Verlag, Frankfurt u.a. 1997, 376 Seiten, DM 89.–

Es ist nicht so leicht, das Buch eines Kollegen zu besprechen, von dem ich viel an ungewöhnlichen Perspektiven gelernt habe und den ich für einen der interessantesten Organisationsentwickler halte. Das hat verschiedene Gründe: Man muss sich in die Denk- und Handlungswelt besonders hineinversetzen, man muss Neues entdecken und Kritisches auch sehen und berichten wollen.

Für mich hat das Buch 4 wesentliche Teile: Die Darstellung des vom Autor entwickelten OSTO-System-Ansatzes (offener – sozio – techno – ökonomischer Systemansatz), der schon auf seine intensiven Erfahrungen in der Unternehmenspraxis der 70er Jahre zurückreicht und in seiner Dissertation («....auf der grünen Wiese») umfassend vorgestellt wurde. Die Analyse und Perspektiven der OE bilden einen zweiten Teil. Die Darstellung und Anwendung des Organisationslernens sowie die Untersuchungen und Meinungen zur Führung bilden den dritten und (verstreut zu findenden) vierten Teil der Arbeit. Daneben gibt es noch ausführliche OE-Fallstudien, um den «Stand der Kunst» zu evaluieren, Exkurse über den Organisationsalltag und seine Unterwelt (der Schweine-Hund-Defekt) und die Zukunft des Personalwesens (in einer Kontroverse mit Neuberger).

Das Buch besteht aus einer Reihe im Laufe der Zeit entstandenen Aufsätzen, Artikeln und Vorträgen, die zum Teil neu arrangiert und überarbeitet wurden. So kann man nach Lust und Laune einsteigen, wobei man auch Wiederholungen in Kauf nehmen muss. Der OSTO-System-Ansatz ist häufig gewürdigt worden, muss hier also nicht nochmals bewertet werden. Er ist sein ureigenes Produkt und zeigt die kreative und nützliche Weiterentwicklung des Sozio-technischen-System-Konzeptes.

Die Diskussion der Entwicklung und der Perspektiven der OE ist bemerkenswert, leider aber auch begrenzt. Ich stimme Rieckmann zu, wenn er meint, dass die OE entmystifiziert wurde, die Anwender bescheidener wurden und dass sie um weitere Qualifikationen (betriebswirtschaftliche) angereichert werden muss und «einer erweiterten positiven Wahrnehmung für interdisziplinäre Zusammenhänge» und `systemischer' Zusammenarbeit» zugänglich sein muss. Aber das hätte ich in seinem Buch gerne näher betrachtet gewusst, denn es wird beispielsweise viel davon geschrieben, es wird aber konzeptionell nirgends näher erörtert.

Insgesamt hätte ich mir eine vertiefende Begründung für die Erweiterung, Anreicherung und Veränderung der OE in den letzten Jahren gewünscht. Es wäre dringend notwendig und fällig. Die Anthologie ist durchgängig als eigenwillig, eigenartig und eigenmächtig einzustufen. So war Heijo Rieckmann schon immer, und damit hat er viel angestossen. Das trifft hier auch für seine Rezeption und Darstellung der Lernenden Organisation in der Praxis zu.

Der Leser muss aber auch bereit sein, sich auf Exkurse, wie den über die Unterwelt des Organisationsalltags einzulassen, den er mit der Metapher des Schweine-Hund-Defektes belegt. Der Leser sollte sich auch auf die unterschiedliche Qualität der philosophischen Exkurse einstellen und den deutlich hervortretenden christlichen Glauben als Teil seiner Persönlichkeit respektieren.

Insgesamt sind die Texte sehr interpretativ, oft auch normativ oder ausdrücklich bewertend angelegt. Das ist nicht jedermanns Sache, macht die Aufsatzsammlung aber lebendig und ermuntert zum Widerspruch. Der Autor provoziert den Diskurs, der zudem den Vorteil hat, in vielen Teilen die Oberfläche zu verlassen und den Keller zu erkunden.

 

Martin Hartmann/ Michael Rieger/ Brigitte Pajonk
Zielgerichtet moderieren. Ein Handbuch für Führungskräfte, Berater und Trainer Beltz Verlag, Weinheim/Basel 1997, 156 Seiten, DM 44.–

Diese sehr praxis- bzw. benutzer-orientierte Anleitung zur Moderation ist neben den Standardwerken geeignet, sich in dieses Verfahren einzuarbeiten. Sie ist zu empfehlen, weil nicht nur die Technik dargestellt wird (oder – wie so häufig – auf ein Visualisierungs-Engineering reduziert wird), sondern weil ein Plausibilitäts-Kontext geschaffen wird, der erklärt, warum die Moderation für die unterschiedlichsten Situationen so angelegt sein könnte. In diesem Sinn ist das «zielgerichtet» im Titel doppeldeutig zu verstehen.

Leider folgt aber auch dieses Buch der Entwicklung, die Ursprünge der Methode (zwar nicht schlecht) aber doch selektiv darzustellen. Metaplan wird mit keinem Wort erwähnt (nur die damaligen Mitarbeiter, die die Methode mitentwickelt haben) und die politischen Hintergründe (wie sie Freimuth in unserer Zeitschrift 3/97 dargelegt hat), werden nicht erwähnt. So entwurzeln wir uns zunehmend, was Folgen für den Sinnverlust der Moderation haben kann. Hier hätte ich mir eine Seite mehr in diesem sonst guten Buch gewünscht.

Peter Rinza
Projektmanagement
4. Aufl., Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg
1998 182 Seiten, 58.– DM/424.– ÖS/53.– SFr.

Das Buch von Peter Rinza hat sich als kompakte und gut lesbare Darstellung der wesentlichen Elemente des Projektmanagements bewährt. Es ist vorrangig eine an den Projektphasen ausgerichtete Beschreibung der Planungs- und Steuerungsaufgaben, die für die Durchführung von Projektvorhaben erforderlich sind, d.h. auf die Effizienz der Projektabläufe bezogen. Eine Reflexion des Projektumfeldes und die Befassung mit den Eigentümlichkeiten der Projektkultur wird man vermissen.

 

Tanja Ripperger
Ökonomik des Vertrauens
Mohr Siebeck, Tübingen 1998, 299 Seiten, DM 98.–


Seit dem frühen Buch von N. Luhmann über Vertrauen (1973) hat es immer wieder Ansätze gegeben, diesen Verhaltensaspekt in die Wirtschaftswelt zu integrieren, auch wenn er eher als antagonistisches Bemühen betrachtet werden konnte. Auch die ZOE hat sich diesem Thema angenommen (z.B. mit Beiträgen von Getraude Krell, 1988), und für Knut Bleicher ist die Vertrauensorganisation eine zentrale Kategorie in dem St. Gallener UE-Konzept.

Im vorliegenden Band (eine Dissertation bei den Professoren Picot und von Rosenstiel) entwickelt die Autorin eine Ökonomik des Vertrauens, die den Vertrauensmechanismus in wirtschaftswisssenschaftlichen Kategorien analytisch erfasst und erklärt. Dabei werden wissenschaftliche Beiträge aus der Soziologie, der Psychologie und der Moralphilosophie berücksichtigt und unter dem ökonomischen Paradigma in ein übergreifendes Modell integriert. Im Grunde genommen geht es um die institutionellen Rahmenbedingungen (und nicht die Persönlichkeitsmerkmale), die die Entstehung und Ausbreitung von Vertrauen als effizien-tes Organisationsprinzip zwischenmenschlicher Austauschbeziehungen fördern bzw. überhaupt zulassen. Es ist ein wichtiges Buch für dieses Feld der OE, was sich immer mehr entwickelt.

TANJA RIPPERGER
Ökonomik des Vertrauens. Analyse eines Organisationsprinzips
Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 2. Aufl. 2003, 299 Seiten, Euro 39.00


Schon aus einer von Luhmann früh postulierten Funktion des Vertrauens, nämlich der Reduktion von Komplexität lässt sich die Bedeutung dieses Prinzips begründen. Sie ist heute wichtiger denn je. Und darin liegt der Wert des Buches: es stellt die Forschungsgrundlagen dar und geht von Vertrauen als Organisationsprinzip und nicht als individueller ethischer Wert aus.
Es geht um die "Bedeutung des Vertrauensmechanismus als Organisationsprinzip zwischenmenschlicher Austauschbeziehungen, die sich vor allem in den Fällen zeigt, in denen Verhaltensrisiken aufgrund begrenzter Rationalität und/oder hohe Transaktionskosten" gegeben sind.
Die Funktionsfähigkeit des Vertrauensmechanismus als Organisationsprinzip wird massgeblich durch die institutionellen Rahmenbedingungen eines sozialen Systems beeinflusst. Diese Rahmenbedingungen sind einer bewussten Gestaltung zugänglich. Auf deutsch: das Vertrauen in das Vertrauen anderer kann organisiert werden. Aber nur unter der Bedingung - kann man hinzufügen - dass das Vertrauen nicht nur ethisch oder als generöse moralische Leistung gesehen, sondern sehr funktional begriffen wird und nicht nur individuell bedingt ist.
Das Buch leistet - oft theoretisch zwar - aber sehr systematisch und strukturiert, eine Zusammenstellung aller ökonomischen, psychologischen, soziologischen und philosophischen Forschungsergebnisse hinsichtlich ökonomischer Handlungsanreize.
Es gibt wenig direkte Handlungsanleitungen, aber eine Fülle von indirekten Hinweisen, wenn man aus der Analyse z.B. über Verhaltensrisiken (Vorleistungen, Unsicherheit usw.), die entsprechenden Schlüsse für die Gestaltung von Vertrauensbeziehungen zieht.
Es ist ein sehr nützliches und wichtiges Buch, gerade weil es aus verschiedenen Disziplinen die Erkenntnisse für die organisatorischen Voraussetzungen des Vertrauens als erwartungsstabilisierenden Mechanismus nutzbar macht. Ein sehr wichtiges und sehr empfehlenswertes Buch, dass die 2. Auflage aus nachvollziehbarem Grund erlebt. (KT)

 

Otmar Franz/ RKW (Hrsg)
RKW-Handbuch Führungstechnik und Organisation (HFO), Ergänzbare Ausgabe in 4 Spezialordnern
Erich Schmidt Verlag, Berlin, 4318 Seiten, DM 196.-

Das auf vier prallgefüllte Ordner angewachsene RKW-Handbuch zu Führungstechnik und Organisation ist ein gutes Nachschlagewerk, in dem Wissenschaftler und Praktiker in unabhängigen Beiträgen Aspekte der betrieblichen Praxis durchleuchten. Während Band 1 Beiträge zur Grundfragen von Führung und Organisation enthält, gehen die Bände 2 und 3 schwerpunktmässig auf Führungstechniken im Kontext der Organisation ein. In Band 4 geht es vorrangig um einzelne Unternehmensbereiche; dieser Band enthält auch ein ausführliches Literaturverzeichnis. Nach und nach erhält man Ergänzungslieferungen, die man in die Ordner einfügen kann.

Viele der Beiträge sind interessant, praxisorientiert und gut zu lesen. Allerdings muss man natürlich berücksichtigen, dass die ältesten Beiträge noch aus den 70er Jahren stammen und in der Schnelllebigkeit unserer Zeit (gerade was Managementmoden anbelangt) eher historische Interessen befriedigen (so z.B. auch Burkard Sievers Beitrag über Organisationsentwicklung aus dem Jahr 1978). Man darf auch nicht erwarten, dass die Themenfelder systematisch abgehandelt werden. Die Beiträge kommen, wie sie kommen und werden in ein vorgegebenes Gliederungsschema eingefügt - ob das heute immer noch ganz passend ist, daran habe ich meine Zweifel. Allerdings ermöglicht das ausführliche Stichwortregister ein dennoch rationelles Arbeiten mit dem Werk. Aktuell neu hinzugekommen sind informative Beiträge von Kobayashi über seinen ganzheitlichen Ansatz zur Optimierung von Geschäftsprozessen sowie von Göbel zum Themenfeld «Outsourcing».

Wiiliam Joyce/ Nitina Nohria/ Bruce Robertson 
Wie erfolgreiche Unternehmen arbeiten- Die 4 + 2 Formel für den nachhaltigen Erfolg
Verlag Klett Cotta, Stuttgart 2005, 312 Seiten, Euro 29.50, ISBN 3608940812

Irgendwann entschliesst sich offenbar jeder Berater oder Theoretiker auf oder nach dem Höhepunkt seiner Erfolge, seinen Mitmenschen mitzuteilen, worauf es ankommt und welche Patentrezepte wirklich funktionieren. Der vorliegende Band kann sich dabei allerdings auf eine grosse Datenbasis beziehen. Was macht nun erfolgreiche Unternehmen aus? Eine klare Strategie, ihre Umsetzung, Leistungsorientierung und Flexibilit&äuml;t in der Organisation, hinzu kommen Personalentwicklung, engagierte Führungskr&äuml;fte, Innovationskompetenz und tragf&äuml;hige Kooperationen. Von den letztgenannten Faktoren reichen zwei für den Erfolg aus, die ersten vier Disziplinen müssen alle realisiert werden. Das Ergebnis kann eigentlich nicht überraschen, PETERS und WATERMAN vor 25 Jahren klangen &äuml;hnlich, die Erfolgsfaktoren-Forschung heute geht in die gleiche Richtung. So kann man das Buch getrost lesen, nickt immer wieder zwischendurch und denkt, dass einem das alles irgendwie bekannt erscheint. Die Lektüre f&äuml;llt leicht, weil die Sprache anschaulich bleibt und die Autoren zahlreiche Fallbeispiele einpflegen, die das Gesagte veranschaulichen. (JF)

JULIAN ROCHE
Corporate Governance in Asia
Routledge, London and New York 2005, 335 Seiten, GBP 24.99, ISBN 0 415 33976 6


Diese umfassende und aus meiner Kenntnis einzigartige Monographie thematisiert ein aktuelles wie auch wichtiges Spannungsfeld. Auf der einen Seite müssen sich die globalen Unternehmungen Asiens den Standards und Ansprüchen internationaler Stakeholder und Investoren stellen. Beispielhaft dafür stehen die Forderungen nach der Offenlegung von geschäftsrelevanten Zahlen und Risiken. Auf der anderen Seite haben sich in Asien, im Vergleich zum Westen, teilweise völlig unterschiedliche Governance-Typen, Führungsformen und Finanzverfassungen gebildet. Am offensichtlichsten wird dieser Aspekt an den von Familien geführten Clan-artigen Unternehmensformen und ihren Kulturen, die sich durch hierarchische und informelle Entscheidungsprozesse auszeichnen. Hinzu kommen Einflüsse aus dem politischen Umfeld. Viele Länder in Asien stammen aus sozialistischen Ökonomien, kennen vornehmlich bürokratische Institutionen mit allen Formen des Missbrauchs und kennen keine differenzierte Rechtsordnung, auf die man sich mit seinen Ansprüchen berufen kann. Der Autor führt den Leser in sehr verständlicher, umfassender und differenzierter Weise in diese Zusammenhänge ein. Er zeigt, wie diese Widersprüche zu Problemen und Konflikten führen, aber auch wie mögliche Lösungen aussehen könnten. Er vergleicht etwa die unterschiedlichen Führungs- und Board-Strukturen in asiatischen und westlichen Ländern, diskutiert sehr sensibel die Bedeutung von Korruption in einer Low Trust Society, verweist aber auch auf die zunehmende Bedeutung von sozialer und ökologischer Verantwortung als Teil von Unternehmenszielen und -verfassungen in Asien. So entsteht ein ebenso weitläufiges wie detailliertes Bild der widersprüchlichen Entwicklungen und Anforderungen in den asiatischen Gesellschaften und ihren Unternehmenslandschaften sowie der notwendigen Veränderungen. Das Buch ist daher ein wichtiger Ratgeber für alle Leser, die in diesem Zusammenhang mit Transformationen in diesen Regionen beschäftigt sind. Zahlreiche Quellenhinweise und zitierte Studien ermöglichen es darüber hinaus, sich auch im Detail in spezifischere Themen einzuarbeiten. (JF)

 

HEIKO ROEHL
Organisationen des Wissens - Anleitung zur Gestaltung
Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2002, 237 Seiten, ISBN 3-608-91036-0


Nachdem der grosse Hype um das Wissensmanagement erst mal vorüber ist, bleibt vielleicht Zeit, sich etwas reflexiver mit der Frage auseinander zu setzen, wie Wissen in Organisationen wirkt und wie Organisationen mit Wissen umgehen. Das Buch von Heiko Roehl ist ein Stück Bestandsaufnahme seiner intensiven Auseinandersetzung mit Wissensprozessen und den organisationalen Kontexten, in denen sie stattfinden. Es ist ganz bewusst kein How-to-do-Buch mit Checklisten zum Abhaken, aber nichts desto trotz ein ungemein praktisches Buch. Einige Gedanken und einzelne Passagen dürften LeserInnen der OrganisationsEntwicklung schon aus Veröffentlichungen des Autors in dieser Zeitschrift bekannt sein. Dennoch lohnt sich die Lektüre des ganzen Buches.
Im ersten Teil des Buches - Die Wissensorganisation - stellt der Autor dar, was das Besondere am Faktor Wissen ist, und weshalb er sich nicht einfach nach den bekannten Regeln und Verfahren der Industriegesellschaft managen lässt, sondern Gestaltungsformen braucht, die ihm gerecht werden. Weil Wissen stets kontextabhängig ist, lässt es sich nicht so einfach steuern, übertragen, abspeichern usw., wie Technokraten des Wissensmanagements gerne propagieren.
Im zweiten Teil des Buches - Wissen organisieren - geht es dann darum, diese Gesichtspunkte für einen praktischen Umgang mit der Ressource Wissen in Organisationen fruchtbar werden zu lassen. Ein kurzer Abriss zu den Wurzeln der organisationalen Wissensperspektive macht einleitend noch einmal die unterschiedlichen Dimensionen deutlich, die die Auseinandersetzungen mit dem Wissenskonzept prägen: die ingenieurwissenschaftliche Entwicklungslinie, die sehr stark technologisch-instrumentell geprägt ist, die wirtschaftswissenschaftliche Entwicklungslinie, in der die nutzen- und effizienzorientierte Bewirtschaftung von Wissen im Vordergrund steht, und die soziologische Perspektive mit ihren wissenschaftlichen Fragestellungen. Ausgehend von der grundsätzlichen Überzeugung, dass Wissen zu organisieren mehr mit Intervention in selbstreferen- tielle Systeme zu tun hat als mit Management, bietet Roehl dann ein breites Spektrum von Instrumenten der Wissensorganisation. Es ist gut, dass sich dieser Werkzeugkiste, dem Kernstück des Buches, gleich zwei Kapitel über die Mythen des Wissens und die Mauern, Barrikaden und Fallgruben bei der organisationalen Beschäftigung mit Wissen anschliessen, um einen allzu oberflächlichen Umgang mit den Instrumenten vorzubeugen: schliesslich können Instrumente ebenso nutzen wie schaden. Die Praxis der Wissensorganisation muss sich lösen von Instrumentenfixierung und Technologiedominanz und sich mehr den Kontexten zuwenden: da sind Fragen wichtiger als vorschnelle Antworten.
Ein grosses Verdienst des Autors ist, dass er über das ganze Buch hinweg sich um eine verständliche Sprache bemüht. Das macht die Lektüre des Buches auch jenseits der profunden Inhalte zu einem Gewinn. (HM)

 

Heiko Roehl
Instrumente der Wissensorganisation - Perspektiven für eine differenzierende Interventionspraxis
Gabler Edition Wissenschaft, 2000
410 Seiten, DM 128.--

Die Einsicht, dass sich Wissen und Innovation in einer informationsbasierten ÷konomie als entscheidende Produktionsfaktoren etabliert haben, ist inzwischen zum Allgemeingut geworden. Die Probleme jedoch, die Austausch und Organisation dieser schwer zu fassenden "Ware Wissen" bereiten, werden erst nach und nach sichtbar. Umso wichtiger ist es, Struktur und Ðbersicht in eine ständig wachsende und mittlerweile wild wuchernde Landschaft aus Werkzeugen und Prozessen zu bringen, die von ernstzunehmenden und hocheffektiven Methoden bis hin zu reiner Scharlatanerie reicht.

Heiko Roehl hat sich in seiner Dissertation dieser herkulischen Aufgabe gestellt und ein System aus Metakriterien zur Bewertung von 43 Instrumenten zur Wissensorganisation entwickelt, das einen Meilenstein in der Strukturierung der relativ jungen Disziplin des Wissensmanagement darstellt.

Nach einführenden Betrachtungen über Wissen als Chance und Problem in Organisationen und einer Darstellung der grundlegenden Inverventionsproblematik werden die einzelnen Instrumente vorgestellt, wobei Roehl neben den bekannten und bewährten Methoden auch exotischere Werkzeuge für spezielle Probleme nicht ausgespart hat. Der Bogen spannt sich hier von der Verwendung luK-technischer Infrastrukturen, räumlich relevanter und personenbasierter Methoden bis hin zu Werkzeugen der Arbeitsstrukturierung, Kommunikation und Problemlösung.

Das Ergebnis ist ein Werk, das nicht nur dem Theoretiker und profunden Kenner der Materie neue Blickwinkel bieten, sondern auch dem Anwender in der Praxis unschätzbare Dienste bei der Auswahl der richtigen Methoden leisten wird.

 

Heerbert Buchen / Leonhard Horster/ Hans-Günter Rolff
Angst und Schulleitung - ein Tabu
Raabe Fachverlag für Bildungsmanagement (Klett), Stuttgart 2000, 152 Seiten

Die betriebswirtschaftliche Organisationslehre oder das Personalmanagement entdecken in den letzten Jahren Themen bzw. bearbeiten diese publizistisch, die immer präsent und bekannt waren, aber tabuisiert wurden. Wohl, weil der Umgang damit‚ Erfahrung und Halt voraussetzt: Gefühle, Angst, Neid usw.

Im Management der Schulen gab es 1978 eine erste Studie von Horst Brück über "Die Angst des Lehrers vor seinen Schülern". Seither werden die Angst-Ursachen in der Literatur und Seminaren sehr viel breiter behandelt. Es ist das System, oder Teile davon, die Ängste auslösen.

Dies wird sehr schön in einem neuen wichtigen Sammelband dargestellt, der 8 Beiträge zusammenstellt. Es geht los mit einem Beitrag über den souveränen Umgang mit Gefühlen, sozusagen als Einstimmung. Es folgen Aufsätze zur Psychologie der Angst und wieder ein bemerkenswerter Beitrag des Hamburger Hochschullehrers Günther Ortmann: "Kalte Füsse: Neun Facetten der Entstehung und Beschwichtigung von Angst in Organisationen". Die Spannung eines zunächst als personenbezogenen Zustandes gesehenen Gefühls und der Organisation als Mechanismus der Auslösung und Abwehr von Angst ist hochinteressant zu lesen. Es folgen weitere Beiträge zu Befragungsergebnissen, Angstursachen von Schulleitern und Trainings bzw. Interventionen zur Angstreduktion bzw. -bewältigung.

Ich meine, dass die Herausgeber, sehr ausgewiesene Experten der Schul-OE, hier ein Buch herausgegeben haben, was zwar in erster Linie Schulleiter betrifft, aber auch für Personal- und Organisationsentwickler in anderen Organisationen empfohlen werden kann. (KT)

 

KAI ROMHARDT
Wissensgemeinschaften. Orte lebendigen Wissensmanagements,
Dynamik, Entwicklung, Gestaltungsmöglichkeiten

Versus Verlag Zürich 2002, 150 Seiten, ISBN 3-03909-001-1


Wissensgemeinschaften gehören zu den jüngeren Entdeckungen, die das betriebliche Wissensmanagement und die Theorie um einen bedeutenden Beitrag bereichert haben. Der Autor, der sich zu diesem Themenkreis bereits mehrfach kompetent geäussert hat, entwickelt zur weiteren Erhellung der Diskussion ein Vier-Sphärenmodell als Bezugsrahmen, das individuelle und soziale sowie innere und äussere Aspekte von Wissensprozessen in Expertengruppen unterscheidet. Er betrachtet auf dieser Grundlage dann differenziert die Potenziale, die Probleme, Konfliktfelder und Massnahmen dieser unterschiedlichen Sphären. Insgesamt ergibt sich so für den Leser ein hilfreicher und weiterführender Zugang mit vielen konkreten Anregungen. Unter expliziten Bezug auf die Evolutionstheorie von Ken Wilber verweist der Autor immer wieder darauf, dass Wissensmanagement allerdings eben nicht auf Management reduzierbar ist und stets auf Grenzen von Machbarkeit stossen wird. Insbesondere in dem abschliessenden Gespräch mit Heiko Roehl, überschrieben mit "Wissensmanagement: Ein Dialog über Totes und Lebendiges", wird diese Diskussion für meinen Geschmack etwas sehr dichotomisiert. Wissensmanagement wird dadurch für mich tendenziell mythologisiert und weiteren Erklärungen entzogen, was durchaus nicht heissen muss, dass wir alles Wissen und alle Erkenntnis schliesslich doch digitalisieren und in Datenbanken repräsentieren können. (JF)

 

LUTZ VON ROSENSTIEL/GERHARD COMELLI
Führung zwischen Stabilität und Wandel
Verlag Franz Vahlen, München 2003, 477 Seiten, ISBN 3-8006-2487-7


Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen Stabilität und Wandel, innerhalb dessen Führungskräfte handeln müssen. Schlagen sie sich (wie bei Dilemmata) auf eine Seite, kann der Wandel schnell misslingen oder sogar die Stabilität gefährdet werden, weil auch in diesem Fall viel passieren muss, damit es so bleibt wie es ist.
Das Buch hat nur 2 Kapitel (wie erfrischend!). Im ersten Teil geht es um die Grundlegung: der Mensch braucht Stabilität, ist aber fähig zur Veränderung der Welt. Dafür muss er sich auf Neues einlassen. Es ist daher eine zentrale Managementaufgabe, die Betroffenen dafür zu gewinnen. Die beiden Autoren zeigen hier für die Trends des Wandels und die Konsequenzen für die Unternehmen und die Führung auf. Das macht die ersten 132 Seiten aus.
Das zweite Kapitel ist dann aber 320 Seiten stark. Im wahrsten Sinne des Wortes. Hier werden ausgewählte Handlungsfelder für den geplanten und gestalteten Wandel dargestellt: Die Rollen, die Dynamik, das Konzept der OE, Umgang mit Widerständen, sorgfältige Auswahl der geeigneten Mitarbeiter, intrapreneurship, Führungsinstrumente, Teamarbeit, Besprechungen optimieren, lernende Organisation und Werte vorleben - Kultur schaffen.
Einiges an diesem Buch kann man durchaus kritisch betrachten: die rudimentäre Darstellung des Systemansatzes im Kontext der Kybernetik 1. Ordnung, die häufig durchscheinende bzw. oft deutlich spürbare psychologische Erklärungsebene (Reaktionen auf vor- zeitige Pensionierung) und das Fehlen des sys- temisches Aspektes beim Widerstandsphänomen.
Aber der Ansatz, das Thema des Wandels aus dieser Perspektive anzugehen, die ebenso übersichtlichen wie komprimierten Darstellungen wesentlicher Konzepte zur Förderung des Wandels, sowie die klare Sprache lassen das Buch gerade für Manager als sehr empfehlenswert und nützlich einstufen.
Es ist eine exzellente Qualifizierungsvorlage für Manager des Wandels. Auch Studenten und Wissenschaftler schätzen die einfache Sprache und übersichtliche Darstellung sehr. (KT)

Gerhard Comelli/ Lutz von Rosenstiel
Führung durch Motivation. Mitarbeiter für Organisationsziele gewinnen
Verlag Vahlen, München 2003, 3. Aufl., 363 Seiten, Euro 35.00

Auch wenn es zunehmend verbreitete Erkenntnis geworden ist, dass Leistung nicht nur von betriebswirtschaftlichen und technischen Aspekten bestimmt wird, sondern der Mensch bzw. die Verhaltens- bzw. soziale Aspekte eine zentrale Rolle einnehmen, so gibt es zwischen Erkenntnis und Umsetzung noch eine erhebliche Lücke. Und die beruht meistens in der Kompetenz: Wie soll man es machen?

Dieses Buch, das seit 1995 bereits in der 3. Auflage erscheint, bietet theoretisch fundiert aber in einer sehr praktischen und lesbaren Art und Weise (also auch für Manager) die Konzepte und Instrumente, die die Arbeit mit und an den Mitarbeitern exzellent aufbereiten und darstellen. Schliesslich verfügen die Autoren, Professoren, über lange und profunde Praxiserfahrung. Beide zeichnen sich nicht nur durch Wissen, sondern die Begabung hilfreicher Strukturierung von Texten aus.

Im Buch geht es nicht nur um die Motivation, sondern vielmehr um die Motivationsfaktoren Führung, Teamarbeit und Organisation. Hier werden die wesentlichen Grundlagen kritisch dargestellt. Das Kapitel über Team- arbeit halte ich in dieser Kürze für eines der besten was ich kenne. Und mir gefällt auch sehr, dass die Mode Outdoor-Training kritisch reflektiert wird. Und es wird die Selbstmotivation hervorgehoben, so dass man sich nicht in den vielfältigen Konzepten der Fremdmotivation verliert. Und auch die Organisationsentwicklung wird in ihren Zielen und Wirkungen kurz dargestellt.

Ich meine, das dies Buch seinen Erfolg auch durch die vielfältigen Problematisierungen d.h. Fragen verdankt, die eine Vielzahl von Anregungen geben. Das ermuntert zur ständigen eigenen Reflektion und nicht nur zum Konsum.

 

Kurt Pawlik / Mark R. Rosenzweig (Hrsg.)
The International Handbook of Psychology
Sage Publ., London / Thousand Oaks 2000, 629 Seiten

Eigentlich sollte ein Psychologie-Handbuch nicht in einer OE-Zeitschrift besprochen werden. In diesem Fall lohnt es aber, auf verschiedene Kapitel dieses internationalen Sammelwerkes, das von dem Psychologen Kurt Pawlik der Universität Hamburg mit herausgegeben wurde, hinzuweisen.

So werden Gefühle in Organisationen immer mehr zum relevanten Thema und das Kapitel dazu ist eine wichtige Grundlage. Zum Gebiet des Wissensmanagements sind auch die Prozesse der Wissensaufnahme eine wichtige Voraussetzung. Da die Verknüpfung von organisatorischen Gestaltungen und Persönlichkeit immer weiter voranschreitet (siehe die 360° Feedback-Methode), ist auch im Bereich der angewandten Psychologie der Überblick über die Testverfahren und psychologische Begutachtung beachtenswert. Selbstverständlich soll auch das Kapitel über die Arbeits- und Organisationspsychologie nicht unerwähnt bleiben. Ebenso der Beitrag des chinesischen Psychologen Jing, von der Universität Peking, über die internationale Psychologie und das Kapitel des türkischen Psychologen Kagitcibasi über die interkulturelle Psychologie.

Einige Kapitel bzw. Themen sind unbefriedigend oder auch ärgerlich. So der Beitrag über Motivation von Gollwitzer und Delius von der Universität Konstanz, und der Forscherin Oettingen vom Max Planck Institut Berlin. Gerade die deutschen Wissenschaftler sollten dieses Konzept problematisieren, zumal doch Sievers, Sprenger und jetzt auch Malik Motivation als Ersatzinstrument kritisieren. Diese Zweifel werden mit keinem Wort thematisiert.

Insgesamt ist das Handbuch aber ein brauchbares Nachschlagewerk, da es einen schnellen Überblick und Einblick in die (angewandte) Psychologie gibt.

 

Gerald Ross/Michael Kay
Die Molekular-Organisation. Wie Sie Ihr Unternehmen in die Zukunft führen. Aus der neuen Praxis des Changemanagements
Metropolitan Verlag, Düsseldorf, 1995, 246 Seiten, DM 64.–, ÖS 474, SFr. 64.–

Fünf grosse Unternehmen, von IBM bis Aetna, von der Lebensmittelindustrie bis zum Kommunikationsunternehmen und ein Einzelkämpfer dienen als spannend geschildertes Anschauungsmaterial für die Vorteile der «Molekularen Organisation». Diese war bei uns schon unter «Fraktaler Organisation» gehandelt worden und hat ihre Vorteile und wohl auch Grenzen mittlerweile schon erlebt.

Ausserdem ist nicht alles molekular, was der Berater des amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore, Ross, und sein Kollege hier beschreiben. Aber in dem romanhaften Stil mit vielen konkreten Details hat so manches Platz – und einiges darunter ist auch von Interesse, und sei es nur, um sich auf dem eigenen Weg bestätigt zu fühlen. (FB)

 

ANDREAS ROTHER
Unternehmensphilosophie in Textbausteinen
Redline Wirtschaft/Verlag Moderne Industrie@Ueberreuter, Frankfurt/Wien 2003, 316 Seiten, Euro 17.90


Ein schönes Weihnachtsgeschenk (oder als Osterei) für Menschen, die Spass an Satire und etwas Zynismus haben, und sich dabei mitten in der Realität befinden.
Wir haben das alle erlebt: man soll an der neuen Vision, der Mission, den modernen Unternehmensleitlinien mitstricken und wird vor das Problem gestellt, "die gesamte metaphysische Tragweite von Markt und Sein in den Griff (und Worte) zu kriegen". Und dafür liefert der Autor (ehemals Manager bei der GfK Marktforschung und heute Dozent und freier Autor) grossartige Hilfen. Das hat uns gerade noch gefehlt!
Es wird ein Baukastensystem von elf Feldern der Unternehmensphilosophie (für Forschernaturen, Draufgänger, Helden, harte Jungs, Schlaumeier, Aussenseiter usw. usf.) geboten, hinter denen sich die klassischen Aussagethemen verstecken: Ziele, Zukunft, Kunden, Märkte, Kompetenzen usw.
Es geht um die prägnante Klärung der Motive und Aussen-Darstellungen. In diesen Abteilungen werden nun eine Fülle von ironischen und zynischen Floskeln geboten, als Textbausteine die sehr überzeugend und wirkungsvoll klingen. Wenn man daraus seine Leitlinien zusammenflickt wirkt es sehr realistisch. Und da liegt der Kunstgriff: man merkt, wie oft man Trivialitäten absondert und Nichtssagendes formuliert. Das mag helfen, sich auf das Wahre, Gute und Schöne rückzubesinnen.
Und dafür ein ganzes Buch? Ja, weil es doch trotz aller Satire konkrete und reale Textbausteine liefert, die man wirklich nutzen kann. Darin liegt der Wert dieses Buches, das ich nicht nur als Geschenk sondern zur eigenen Lektüre dringend empfehlen kann. (KT)

 

ANDREAS ROTHER
Das ultimative Schimpfwörterbuch fürs Büro. Von Allroundlaie bis Zartliner
Ueberreuter Verlag, Frankfurt/Wien 2003, 127 Seiten, ISBN 3-8323-1068-1


Angeblich soll Schluss sein mit dem einfaltslosen Schimpfen. Es soll endlich fachspezifisch geschimpft werden im Büro. Dazu fordert der Autor auf, früher Manager des Marktforschungsunternehmen GfK und heute freier Autor.
Der Presse konnte man Beispiele entnehmen, die genüsslich ausgebreitet wurden: Halbleiter (schwache Führungskraft), Vorstandsgroupie, Kriechgewinnler, Kampfschläfer und Memosprudler, witzig - weil auch entlarvend - ist auch Storno-Star (häufiger Seminarabsager), Selbstauslöser (hektischer Aktivist ohne Anlass), Ritter der Schwafelrunde, Palais Schaumschlag (Marketingabteilung), Frühheimkehrer (8 Stunden Arbeiter), Harmoniebeauftragter (Personalmitarbeiter), Datendrang (EDV), Betriebsausgabe (Angestellter der mehr kostet als er einbringt), Artenschutz (Kündigungsschutz) usw.
Aber damit hat es sich schon. Es gibt noch 10-20 weitere witzige Schimpfwörter, aber für den Rest der vielen Wörter trifft eher das zu, was der Autor als Labermat (Worten folgen keine Taten) betitelt. Man merkt die Lust am Wortspiel, das vielfach kränkend ist und den Spass an der Freud verdirbt, beispielsweise den Pförtner als Ladenhüter zu bezeichnen. Da soll man doch "du blöde Sau" im Büro sagen, denn das geht auch auf's eigene Konto und nicht zu Lasten anderer. (KT)

 

Gerda Mehta, Klaus Rückert, Hrsg.
Mediation und Demokratie
Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2003, 398 Seiten

Dieser Sammelband thematisiert das Thema Konfliktlösung und Mediation vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Entwicklung, in der einerseits Konfliktpotenziale durch unterschiedlichste Interessengruppen rapide zunehmen, andererseits aber die institutionellen Möglichkeiten der Konfliktregelung durch Recht und Exekutive immer weniger greifen, etwa weil sie zu zentralistisch aufgebaut sind oder nur sehr unflexibel reagieren können. Aus diesem Grund werden dezentrale und eigenverantwortliche Formen der Konfliktregulierung immer wichtiger und entwickeln sich zu einem entscheidenden Baustein der demokratischen Zivilgesellschaft. Dieser Aspekt der modernen Demokratieentwicklung wird in unterschiedlichen Beiträgen des Bandes konzeptionell systematisch begründet und gewürdigt. Ein weiterer Teil der versammelten Aufsätze widmet sich dann unterschiedlichen konkreten Fallbeispielen, der letzte Abschnitt stellt Interventionsmethoden und -konzepte dar. Das Buch wirkt aus einem Guss und atmet den gleichen Geist, das Interesse an intelligenten Formen der institutionellen Weiterentwicklung von Demokratie und Zivilgesellschaft ohne staatliche Macht. Zugleich aber werden auch Kontroversen ausgetragen, etwa durch Glasl, der in einem Beitrag zeigt, dass der Begriff Mediation eigentlich überflüssig ist, weil er substantiell zum bereits entwickelten Instrumentarium des Konfliktmanagements nichts Neues beiträgt.

 

SABINE HUGENTOBLER / BERHNHARD OETTLI / DORIS RUCKSTUHL
Personality Poker. Ein spielerisches Werkzeug für die Entwicklung von Teams, Gruppen und Individuen
Verlag Hans Huber 2002, CHF 168.-, ISBN 3-456-83701-1


Wer in Teamtrainings viel mit Feedback arbeitet, erhält mit diesem Kartenspiel eine ansprechende Alternative, das auch in fortgeschrittener Stunde für einen guten Mix von Nachdenklichkeit und Spass sorgt. Die Spielidee ist recht einfach (und wahrscheinlich deshalb gut): Jeder erhält vorab 9 zufällig ausgewählte Karten, der Rest liegt auf dem Tisch. Reihum zieht jeder eine Karte und gibt dann eine seiner 10 Karten, die nach eigener Einschätzung am wenigsten zu ihm passt, an einen Mitspieler weiter, zu dem sie besser passt. Diese Kärtchen bleiben - differenziert nach den Kommentaren - offen vor den Mitspielern liegen. So entsteht über die Runden hinweg sowohl ein Selbstbild jedes Beteiligten (die Karten, die er bis zum Schluss behält) wie ein differenziertes Fremdbild (die Karten, die öffentlich vor ihm liegen). Was mir gut gefällt ist die thematische Bandbreite der 260 Kärtchen, weil damit auch andere assoziative Bereiche geöffnet werden, als in Feedbackrunden sonst üblich

Ich würde aufgrund eigener Praxiserfahrungen mit diesem Spiel die Trennung der Spielrunden von der Auswertung nicht so strikt sehen, wie die Autoren in ihrer Spielanleitung vorschlagen. Gerade die spontanen Gedanken und Assoziationen beim Kartenaustausch tragen viel zur Lebendigkeit bei, das wäre nachträglich nur schwer zu rekonstruieren. Dies schliesst eine abschliessende, vertiefende Reflexion allein wie in der Gruppe nicht aus.

Das Spiel, dem auch ein Block mit Auswertungsblättern beiliegt, kann über die Testzentrale der Schweizer Psychologen (E-Mail: testzentrale@hanshuber.com Bestellnummer 0311301) bestellt werden. (HM)

 

S. GREIF/BERND RUNDE/ILKA SEEBERG
Erfolge und Misserfolge beim Change Management
Hogrefe Verlag, Göttingen, 2004, 384 S., Euro 44.95; ISBN: 3-8017-1887-5


über das Steuern und Evaluieren von Veränderungsprozessen ist in den letzten Jahren eine unüberschaubare Anzahl von Veröffentlichungen erschienen. Best Practice Modelle und mehr oder weniger fundierte Veränderungskonzepte werden als Patentrezepte vermarktet. Dabei ist Forschern und Praktikern klar, dass bei der hohen Komplexität und Dynamik von Märkten, Unternehmen und weltwirtschaftlichen Ereignissen die Steuerbarkeit solcher Prozesse grundsätzlich nicht mehr realistisch ist.

Vor dem Hintergrund umfangreicher eigener praktischer Erfahrungen mit Veränderungsprozessen und wirtschaftspsychologischer Forschung führen die Autoren zunächst in zentrale Probleme, Theorien und den aktuellen Stand der Forschung ein. Auf dieser Grundlage und gestützt durch die Ergebnisse einer internationalen empirischen Praktiker-Befragung über Erfolge und Misserfolge von Veränderungen wird eine umfassende integrative Theorie zum Change Management entwickelt.

Die Autoren setzen sich zunächst ausführlich damit auseinander, wie Erfolg bzw. Misserfolg von Veränderungsprozessen in Theorie und Praxis definiert werden. Des weiteren werden sehr fundiert die «historische» Entwicklung moderner Change-Management- und Organisationsentwicklungstheorien dargelegt. Es folgt eine kritische Auseinandersetzung mit relevanten Rahmentheorien wie Konstruktivismus, Selbstorganisationstheorie und Komplexitätstheorie. Im 4. Kapitel dann wird die Change-Explorer-Theorie entwickelt. Letztlich wird das Change-Explorer-Instrument, ein kombiniertes Interview-, Strukturlege- und Fragebogenverfahren dargestellt und mit dem computergestützten Verfahren next expertiser der Unternehmensberatung next practice (Prof. Dr. Peter Kruse) verglichen, einem Instrument, das auf der repertory grid Methode basiert.

Den Autoren ist es gelungen, die komplexe Materie des Change Managements umfassend und weitgehend verständlich darzustellen, auch wenn die Vielzahl der zitierten Theorien und Modelle, die oft nur angerissen oder erwähnt werden, z.T. eher verwirren als klären. Das Buch ist eine Fundgrube für Forscher und Praktiker, die sich fundiert mit Change Management auseinander setzen wollen. Es liefert konkrete Handlungshinweise für die Steuerung und Evaluierung von Veränderungsprojekten. (AF)

Maren von Gilsa/ Rita Huber/ Thorsten Russ
Virtuelle Projektarbeit- Leitfaden für die Praxis
Erich Schmidt Verlag Berlin 2004, 193 Seiten (mit CD-ROM), Euro 39.80, ISBN 3503063846


Immer h&äuml;ufiger arbeiten Menschen heute nicht mehr in ihren Abteilungen oder Büros, sondern verstreut, in unterschiedlichen Aufgaben und unklaren Führungskonstellationen. Der vorliegende Band greift in den anf&äuml;nglichen Teilen unterschiedliche Situationen und Konstellationen solcher virtuellen Teams auf und analysiert diese kurz. Der Kern und das Ziel des Buches besteht dann vor allem darin, in kurzer und knapper Form dem praktisch interessierten Leser mit systematisch aufbereiteten Tipps und Checklisten zu versorgen, um diese neuen Herausforderungen zu meistern. Die Hinweise beziehen sich dabei dankenswerter Weise nicht nur auf den Einsatz von Kommunikationstechnologien, sondern auch auf die zwischenmenschlichen Aspekte von virtuellen Arbeitsgruppen. Die Materia-lien sind auch auf einer beigefügten CD-ROM festgehalten. Alles in allem ein hilfreicher Band, ohne theoretischen Anspruch, aber mit umso mehr gut aufbereiteten Handreichungen für die konkrete Arbeit. (JF)

Mechtild Bencke-Galm/ Gerhard Fatzer/ Rosemarie Rutrecht (Hrsg.)
Schulentwicklung als Organisationsentwicklung
Edition Humanistische Psychologie, Köln 1999, 619 Seiten, DM 68.-

Die Nutzung der OE in der Schulentwicklung, oder genauer in der Entwicklung der Schulentwicklung, hat bereits eine längere Tradition in einigen Ländern Europas, vor allem in Dänemark, Österreich, der Schweiz und Deutschland.

Die Herausgeber haben es sich meiner Meinung nach in dem wichtigen, nützlichen und hilfreichen Buch zu einfach gemacht, indem sie die Gliederung der vielen informativen und problematisierenden Beiträge nach Ländern vorgenommen haben. Das erschwert den Vergleich. Zudem ist das für die Schulentwicklung so tragende und Impulse setzende Landesinstitut in Soest überhaupt nicht vertreten. Das ist ein eklatanter Mangel in dem sonst so empfehlenswerten Buch. Dennoch wird es zu einem wesentlichen Übersichts- und Referenzwerk der Schulentwicklung werden.