Rezensionen 'O'

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Günther Ortmann
Management in der Hypermoderne

Kontingenz und Entscheidung

VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009, 281 Seiten, Euro 34.90, ISBN 978-3531158884

 

Manager entscheiden. Dabei müssen sie so tun, als wäre ihre Entscheidung die einzig richtige, bei genauerer Betrachtung ja sogar die einzig mögliche – und damit eigentlich gar keine. Und gleichzeitig weiß jeder aufgeklärte Beobachter, dass die behauptete Vernunft nur ein Mythos ist und dass letztlich sowohl die Freiheit des Entscheidens als auch die Notwendigkeit ihres Rahmens nur wieder konstruiert sind. Dies ist die bekannte Ausgangslage, die Paradoxie des Entscheidens. Ortmann, Professor für BWL in Hamburg, setzt noch eins drauf: Was wir als Turbulenz und Unübersichtlichkeit der modernen Gesellschaft und ihres Wirtschaftsgeschehens beobachten, ist zum einen ein Anwachsen sowohl der Möglichkeiten – also der möglichen Ziele und Gründe – für Entscheidungen. Technologie, Globalisierung, Wissenschaft fordern Handeln und Entscheiden heraus, wo früher die Dinge vielleicht als gottgegeben hingenommen wurden. Und es verstärkt sich der Druck: Wir spüren keinen Klimawechsel, aber wir müssen heute schon etwas dagegen tun. Oder: Wer es der Konkurrenz überlässt, den Technologie-Standard zu definieren, hat schon verloren, auch wenn es bislang weder die Technologie noch den Markt dazu gibt. Gleichzeitig wächst unser Bewusstsein über die Grenzen der Beeinflussbarkeit, über die Pfadabhängigkeit aller Entwicklungen und die unerbittliche Eigenlogik der technologischen und wirtschaftlichen Systeme, welche für niemanden mehr steuerbar erscheinen (siehe nur die aktuellen Diskussionen um die möglichen Konkurse in Finanz- und Autoindustrie). Die Paradoxie des Entscheidens radikalisiert sich. Wie kann man in einer solchen Situation dennoch entscheiden? Gibt es vielleicht ein Angebot für eine Theorie „leidlich guter, pragmatisch hinreichender“ Gründe?

Ortmann dekliniert die bisher gefundenen Antworten umfassend durch und zeigt ihre Grenzen auf: Eindämmung von Komplexität durch Regeln und Systeme; Vorgriff und nachträgliche Begründung; Kontextsteuerung; Portfoliomanagement; Oszillation zwischen Lösungen und Problemverschiebung auf Folgeprobleme. Hinzu kommen eher philosophische Denk- und Sprachfiguren, und dann auch bislang meist ausgeblendete Dimensionen, wie die emotionale Energie, und das Einfühlen sowie der Sinn für Reziprozität. Zusammenfassend kommt Ortmann zu dem Schluss, dass Management heutzutage wohl der „Responsivität“ bedarf. Dies bedeutet, nicht deterministisch zu denken, sondern eine Wahrnehmungs- und Erwiderungsfähigkeit zu entwickeln, welche „durch Interpretation und Sprache vermittelt ist“ und „sowohl die Gebote der Sache – der Situation des Kontexts, der Umwelt – als auch der Kommunikation und Kooperation“ betrifft. Responsivität kann in der Organisation verankert werden, indem zum Beispiel offene Reflexion und communities of practices gefördert werden.

Ortmann bringt mit diesem wissenschaftlichen Buch die Paradoxie des Entscheidens a jour und zeigt ihre steigende Bedeutung als Risikofaktor für Unternehmen und Gesellschaft. Man ist versucht, nach anderen Auswegen zu suchen: Vielleicht rettet uns eine Praxis – und eine Theorie – der Führung ohne Entscheiden? Zukunftsmodell Angela? (MK)

 

 

Günther Ortmann
Als Ob
Fiktionen und Organisationen
VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, 286 Seiten, Euro 26.90, ISBN 3-53114-374-3

 

Günther Ortmann zählt seit langem zu den prononciertesten Organisationstheoretikern in der deutschsprachigen Wissenschaftlerszene. Mit dem vorliegenden Buch schließt er einen bemerkenswerten dreiteiligen Zyklus ab (nach "Regel und Ausnahme" sowie "Organisation und Welterschließung"), mit dem er das soziale Phänomen Organisation angesichts des Komplexitätsgrades der modernen Gesellschaft auf theoretisch angemessene Weise zu verorten sucht. Ausgangspunkt der Arbeit ist die für die Moderne so bezeichnende Erfahrung der Kontingenz. Alles Bestimmte kann so, aber auch anders sein. Die Haltegriffe der alteuropäischen Tradition sind ein für allemal verloren gegangen. Wir müssen heute ohne festen Boden unter den Füßen auskommen. Organisationen kann man in diesem Sinne als jenen Typus von sozialen Systemen begreifen, der speziell der Bearbeitung von Kontingenz dient. Organisationen sind gleichsam auf den Umgang damit spezialisiert. Sie mobilisieren ständig Begründungen für Entscheidungen, warum etwas als notwendig zu gelten hat, obwohl es auch ganz anders gemacht werden könnte. Sie sind in diesem Sinne permanent mit der Bearbeitung selbsterzeugter Begründungsnotwendigkeiten beschäftigt, mit dem Herstellen tragfähiger Verbindlichkeiten für gemeinsame Festlegungen, wohl wissend, dass der eingebaute ständig mitlaufende Zweifel nicht aus der Welt zu schaffen ist.

Die paradoxe Anforderung, angesichts der nicht wegzukriegenden Ungewissheit kollektive Handlungssicherheit produzieren zu müssen, zwingt dazu, von ganz bestimmten Annahmen auszugehen, sie macht ein vielfältiges "Als Ob" erforderlich, sie nötigt uns zu Vorgriffen, die in ihrer Glaubwürdigkeit letztlich erst "von ihrer nachträglichen Einlösung" zehren (S. 12). Eine der wirksamsten Möglichkeiten von Organisationen, diese Paradoxie unsichtbar zu machen, ist der Rückgriff auf Rationalitätsfiktionen. Die damit verbundenen Prämissen steuern die alltägliche Unsicherheitsabsorption und geben dem organisationalen Handeln normalerweise seinen festen Boden.

Die Notwendigkeit, "dieses Spiel des Als Ob zu spielen", bringt allerdings eine für unsere Zeit ganz charakteristische Kehrseite hervor: Es wird für alle Beteiligten immer schwerer unterscheidbar, handelt es sich bei der Mobilisierung von Entscheidungsbegründungen um eine nützliche Fiktion, d.h. um einen glaubwürdigen Vorgriff auf eine gemeinsame Zukunft, oder hat man es schlicht mit Manipulation und organisierter Scheinheiligkeit zu tun. Die Muster gekonnter Inszenierung organisationaler Realität zum Zwecke der Legitimationsgewinnung haben entschieden an Rafiness gewonnen. Der Wettbewerb um die immer knapper werdende Ressource "Aufmerksamkeit" gewinnt gerade auch in Organisationen enorm an Intensität.

Damit in Verbindung seht ein steigendes Misstrauen: "Was steckt dahinter? Kann man den gezeigten Signalen trauen?" Der individuelle Prüfaufwand explodiert und damit der Wunsch nach Komplexitätsreduktion: Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit in den Beziehungen, all diese sozialen Phänomene gewinnen wieder stärker an Bedeutung. "Es ist eine Gesellschaft, die nach Wahrheit lechzt" (S. 87), wie Ortmann zu Recht diagnostiziert. Um diese Dynamik fassbar zu bekommen, greift der Autor auf eine Theoriefigur von M. Mauss zurück, auf die nicht auf Berechnung schielende Gabe. "Das Gegenteil zu falschem Schein, unter dem wir einander begegnen, wäre die wahrhaftige Gabe, die Gabe der Wahrhaftigkeit" (S. 14). Die Gabe steht als Beziehungsform für das andere des Tauschs (ohne berechnenden Blick auf die Gegengabe) und ist als solche die zwischenmenschliche Voraussetzung dafür, dass es den Tausch überhaupt geben kann. Das Buch fokussiert zu Recht auf dieses "Jenseits der Kalkulation und auf die nichtkalkulativen Bedingungen der Kalkulation" (S. 17). Es macht die Logik und Ethik der Gabe für die Organisationstheorie fruchtbar. Es zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie die Möglichkeiten produktiver wechselseitiger Instrumentalisierung von Personen und Organisationen letztlich doch auf nichtinstrumentelle (d.h. nicht ausschließlich berechnende) zwischenmenschliche Beziehungsformen angewiesen sind. Ein ausgesprochen anregendes, inspirierendes Buch, das jedem Skeptiker gegenüber einer rein shareholder-valuegetriebenen Wirtschaftswelt aus dem Herzen spricht. (RW)

 

Martina Offermann/Andreas Steinhübel

Coachingwissen für Personalverantwortliche

Campus-Verlag, Frankfurt 2006, 226 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-593-37959-7

 

Das Buch ist ein Beispiel, wie man mit einem Modethema umgeht. Da es inzwischen doch schon einige Bücher zum Thema gibt, sucht man sich eine Zielgruppe, für die gerade dieses Buch ganz besonders geeignet sein soll – um dann aber doch über Seiten hinweg nur das Übliche und Allgemeine zum Thema Coaching zu schreiben. Es ist ja nicht falsch, was in dem Buch steht, aber vieles bleibt für mich doch sehr an der Oberfläche und segelt elegant an allen Fragen vorbei, die meines Erachtens gerade für Personalverantwortliche von besonderem Interesse wäre. Z.B wie entwickle ich eine Coaching-Kultur in meinem Unternehmen. Das Buch bietet hierzu ein paar Fragen zu den persönlichen Beweggründen, die aber auch nicht weiter vertieft werden, um dann Allgemeines über Organisationskultur zu reden. Z.B. die Frage: interne oder externe Coaches (S.72). Dazu erfahre ich: Die meisten Unternehmen bevorzugen externe Coaches. Interne Coaches gibt es aber auch häufig. Viele Unternehmen haben beides. Was besser ist, hängt von vielem ab. Einige finden das eine besser, andere das andere. Eine Kombination von beiden ist eine Lösung. Eine Lösung für was oder für wen?

Oder die Frage, was im Coaching geschieht. Die Antwort ist: Es gibt viele Ansätze. Beispielhaft soll der systemische Ansatz dargestellt werden. Und dann kommt ein Diagramm, in dem dicke linear-kausale Pfeile vom Problem zur Veränderung führen bzw. zurück zum Problem, falls kein Erfolg. (S.124/125).

Für mich ist das ganze Buch halbherzig, weil es sich nicht entscheiden kann, wofür es steht. Da wird vieles angerissen und nur wenig vertieft. Nach meiner Erfahrung haben Personalverantwortliche durchaus ein ausreichendes Wissen darüber, was Coaching ist. Das im Buch gebotene Basis-Know-How hilft ihnen deshalb wenig weiter. Wichtig wäre mehr Wissen zur effektiven Implementierung von Coaching im Unternehmen – dafür bietet das Buch zu wenig. (HM)

 

 Christof Obermann, Frank Schiel (Hrsg)
Trainingspraxis, 22 erfolgreiche Seminare zu Vertriebstraining, Führung, Teambildung, Unternehmensentwicklung
irtschaftsverlag Bachem, Köln 1997, 480 S., DM 78.-

Wer viel mit Seminaren zu tun hat weiss, dass Seminarprotokolle meist keine spannende Lektüre abgeben. Oft sind sie nicht mehr als Tätigkeitsnachweise der TrainerInnen, wenig kommt rüber von ihren Hintergrundüberlegungen, warum sie wann wie vorgegangen sind, noch weniger von der Dynamik der Prozesse im Seminarablauf.

Nun also ein Buch, das aus nichts weiterem besteht als 22 Seminarprotokollen - vom Telefonverkaufstraining bis zum Empowerment-Workshop, methodisch gemischt (NLP überwiegt). Doch was ist der Nutzwert ? Wird vielleicht nicht doch klammheimlich darauf spekuliert, dass so mancher «Kochrezepte» für die eigene Trainingspraxis sucht, obwohl «offiziell» davor gewarnt wird. (Und in der Tat kann man in dieser Hinsicht fündig werden). Doch schon das chronometrische Gestaltungskonzept des Buches (9.00 - 9.15 - 9.30 usw) ruft den Eindruck von standardisierten Seminaren hervor, die gewissermassen mit der Stechuhr abgewickelt werden. Inhaltlich überwiegt der Original-Ton Trainer (Original-Ton Buch) und seine/ihre Theorie-Inputs und Folien. Und obwohl in fast allen einleitenden Bemerkungen erwähnt wird, dass das Seminar von der aktiven Mitarbeit der TeilnehmerInnen lebt, kommt von dieser kaum etwas rüber.

Die trainer-zentrierte Darstellung, die das ganze Buch durchzieht, führt auch dazu, dass der theoretisch-methodische Background der Seminare nur referiert wird, ohne reflektierende Auseinandersetzung und ohne Eingehen auf den Prozess. Was wird bei den TeilnehmerInnen ausgelöst, wie setzen die sich mit den Inhalten auseinander, welche gruppendynamischen Prozesse kommen in Gang - dazu gibt es nur rudimentäre Hinweise. Mag sein, dass die Selbsteinschätzung der Herausgeber («erfolgreiche Seminare») stimmt, aber wie soll dies nachvollzogen werden, wenn auf die Frage, was die Seminare bei den trainierten TeilnehmerInnen und Organisationen bewirkt hat, überhaupt nicht eingegangen wird. Da wird zwar im Vorwort erwähnt, dass gute Trainings eingebettet sind in ein Changeprogramm der betreffenden Organisation und in eine Konzeption integriert, die über das Einzeltraining hinausgeht - doch gerade darüber erfährt man nichts. Also doch ein Rezeptbuch?


Otto-Peter Obermeier
Die Kunst der Risikokommunikation. über Risiko, Kommunikation und Themenmanagement
Gerling Akademie Verlag, München 1999, 211 Seiten

Das Buch stellt Grundlagen und allgemeine Handlungsempfehlungen einer modernen unternehmerischen Risikokommunikation vor, die sich an den durch Stakeholder Gruppen, pluralisierteöffentliche Meinungen sowie massenmediale Kommunikation veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen orientiert.

Die zentrale These des Buches ist, dass neben der technischen und wirtschaftlichen Bewältigung durch den Menschen induzierter Gefährdungspotentiale die Kommunikation über Risiken eminente Bedeutung erlangt. Der Autor stellt in einem Rundgang durch sieben Themenfelder den Wissensstand und elementare Regeln zur Risikokommunikation dar. In den ersten Kapiteln zeigt er, dass "Risiko" ein wesentlicher Bestandteil unserer modernen geworden ist und dass durch die breite gesellschaftliche Vereinnahmung von Risikothemen das Verständnis von Risiko vieldimensional und kontrovers geworden ist. Das dritte und vierte Kapitel widmen sich den speziellen Risikoverständnissen und Kommunikationslogiken von Experten und Laien. Im fünften Kapitel wird die "Bühne der Kommunikation"ö die Funktionsweise der Massenmedienö und die Rezeptionslogik des Publikums heraus gearbeitet. In den letzten beiden Kapiteln stellt der Autor eine Systematik für die Krisen- bzw. Störfallkommunikation von Unternehmen und ein Konzept für den präventiven Umgang mit potentiellen gesellschaftspolitischen "issues" dar.

Das Buch ist insgesamt eine gut lesbare Einführung in die Rahmenbedingungen und Fallstricke der Kommunikation über Risiken. Instruktiv sind die beiden Fallbeispiele (Störfallserie bei Hoechst, Milchpulver-Skandal von Nestlè), die die wissenschaftliche Basis des Buches mit der Unternehmenspraxis verknüpfen. Originell und hilfreich sind die in der Form von "Argumentationsbäumen" visualisierten Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels.

 

RITA CRUISE O'BRIEN
Trust. Releasing the energy to succeed
Wiley-VCH Verlag, Chichester/Weinheim 2001, 234 Seiten


Die englische Managerin und Forscherin hat Vertrauen im Management als funktionalen Faktor dargestellt und die Wirkungen von Vertrauen bzw. Misstrauen anhand von Fällen untersucht. Vertrauen wird in einer Beziehung wirksam, basiert auf Selbstvertrauen und bezieht sich auf die Erwartungen positiver Handlungen anderer Personen, ohne diese erwarteten Ergebnisse beeinflussen oder steuern zu können. Vertrauen kann ein wichtiger Wettbewerbsvorteil einer Organisation sein, weil er Risikoverhalten, Komplexitätsmanagement, Kooperation, Kommunikation u.v.a. erheblich beeinflusst.
Die Autorin untersucht diese Beziehungen und Wirkungen und stellt dann im zweiten Teil sieben Fallstudien vor, in denen Vertrauen ein zentrales oder beeinflussendes Managementkonzept war. Im abschliessenden Kapitel wird die energiefördernde Wirkung von Vertrauen dargestellt. Ein beeindruckendes Beispiel ist auch die Analyse, dass das Vertrauen der Mitarbeiter eine entscheidende Grundlage dafür ist, das "versteckte" Wissen (tacit knowledge) überhaupt erst offen zu legen und damit nutzbar zu machen.
Das Buch von Sprenger ist viel engagierter und präziser, aber es ist auch wichtig, einmal etwas nüchterne und distanzierte Studien als Beleg für die funktionale Wirkung des Vertrauens zu konsultieren. Es ist aus der Praxis heraus geschrieben und von daher auch gut lesbar. (KT)

 

Alfred Kieser/Walter A. Oechsler (Hrsg.)
Unternehmenspolitik.
Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1999, 348 Seiten, DM 49.80

Das vorliegende Lehrbuch führt mit 9 Kapiteln in diese für die Unternehmungspolitik grundlegenden Themengebiete und Problemschwerpunkte ein und vermittelt die Kenntnisse, die im Rahmen der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre zur Lösung unternehmungspolitischer Fragestellungen erforderlich sind. Jedes Kapitel wird mit einem Fragenkatalog als Lernhilfe abgeschlossen.

Zu den Konzepten der Unternehmenspolitik werden auch ältere, wichtige Autorenbeiträge, wie von Mellerowicz, aber auch jüngere, wie von Ulrich/ Fluri vorgestellt. Die anderen Kapitel (2 = Entscheidungsanalyse, 3 = Ziele und Zielbildung, 4 = Unternehmungsverfassung, 5 = Organisation, 6 = Strategische Unternehmensführung, 7 = Planung, 8 = Führung und 9 = Unternehmensethik) haben ebenfalls kompetente Autoren, wie auch die Herausgeber selbst verfasst.

Es ist erfreulich, dass sich die Herausgeber dieses Themas jetzt angenommen und es fachkundig und problematisierend zusammengestellt und verfasst haben. Es ist aber nicht nur für Studenten geeignet, sondern auch für Planer, Strategen, Berater u.a., die ihr Wissen aktualisieren wollen und Anregungen zur Reflektion nicht abgeneigt sind.

 

BURKARD SIEVERS/DIETER OHLMEIER/ BERND OBERHOFF/ ULRICH BEUMER (HG.)
Das Unbewusste in Organisationen.
Freie Assoziationen zur psychosozialen Dynamik von Organisationen

Psychosozial-Verlag, Giessen, 2003, 562 Seiten, Euro 38.-, ISBN 3-89806-284-8


Die psychoanalytische Betrachtungsweise von Organisationen, die insbesondere setzt, wird für immer mehr interne und externe Berater (und marginal auch Manager) zu einer hilfreichen Perspektive, um die psychosoziale Dynamik von Systemen zu verstehen und damit nützliche Interventionsgrundlagen oder Einsicht in individuelles und kollektives Rollenverhalten zu erkennen.
Nach dem Buch von M. Lohmer (Stuttgart 2000), das hier ebenso besprochen wurde wie im letzten Heft das Buch über Coaching als psychodynamische Beratung von West-Leuer/Sies (Stuttgart 2003), erschien nun dieser umfangreiche und ebenso wichtige wie empfehlenswerte Reader, der weitgehend Beiträge enthält, die zuvor in der Zeitschrift Freie Assoziation erschienen sind. Es ist nicht möglich, an dieser Stelle alle Beiträge zu erwähnen oder zu würdigen. Ich möchte nur einige herausgreifen, die mich besonders beeindruckt haben oder die ich für wichtig halte, um Neugier zu wecken.
Der Band beginnt gleich mit dem Konzept des container contained, d.h. Bions Einsichten darüber, dass Menschen Halt benötigen, aber auch die gehalten sein müssen, die diesen Halt (beruflich) zur Verfügung stellen. Ein weiterer Beitrag von H. Becker stellt das Verhältnis bzw. die Erkenntnis fördernde Anwendung der Psychoanalyse auf Organisationen dar. Susan Long, eine Psychologin und Beraterin aus Melbourne, ist gleich mit drei Beiträgen vertreten: einem über die Identifikation und Identität bei der Arbeit, einem Aufsatz über Kooperation und Konflikt als zwei Seiten ein und derselben Medaille, die wirklich sehr hilfreich und erhellend sind. Sehr beeindruckt hat mich ihr dritter Beitrag über , der dieses Managementkonzept als Abwehr gegenüber Ängsten der Mitarbeiter, Manager und Systeme interpretiert. Sie schlägt zur Bearbeitung dieser sozialen Abwehrmechanismen ein Kunden-/Anbieterpaar vor, das als "Übergangspaar" den Kundendiskurs und damit die Organisation verändern helfen kann.
Die veröffentlichten Beiträge belegen also sehr deutlich, dass die Arbeit an der psychosozialen Dynamik nicht Sache einiger Exoten ist, sondern sehr erkenntnisfördernde und vor allem auch praxisrelevante Unterstützungen für die Gestaltung von Systemen bietet.
Andere Beiträge beschäftigen sich mit sozialen Träumen als Arbeit am Unterbewussten zum Verhaltenverständnis (G. W. Lawrence) oder dem Management-Mythos (M. Bowles), den ich wirklich empfehlen kann. Es sind mehrere Arbeiten zur Beraterrolle oder zu Veränderungen in Organisationen enthalten, deren Lektüre Aufwand erfordert, aber sehr durch Verstehen belohnt wird. Natürlich sind auch drei der Herausgeber mit Beiträgen vertreten, so auch Burkhard Sievers mit seinen Überlegungen zur Entstehung von Autorität, zu Erbschaft und Nachfolge.
Exzellent ist auch der Rahmen dieser Publikation: mit dem hilfreichen Vorwort, aber vor allem dem Anhang über wichtige Literatur zur psychosozialen Dynamik von Organisationen, den relevanten Institutionen, Zeitschriften und Fortbildungsprogrammen.
Ich hoffe und wünsche mir und vielen "Organisationsarbeitern", dass dieses wichtige (und auch preiswerte) Buch eine grosse Verbreitung findet. Es ist gerade auch für diejenigen geeignet, die latentes Interesse und Neugier verspüren, sich auf diesem Gebiet kundig und es möglicherweise zu einem Denk- und Handlungsansatz zu machen. (KT)

 

Rainer Öhlschläger
Freie Wohlfahrtspflege im Aufbruch.
Nomos Verlagsgesellschaft, BadenBaden 1995, 350 S.

Ein Managementkonzept für soziale Dienstleistungsorganisationen - so der Untertitel des Buches und Anspruch des Autors. Zunächst spiegelt das Thema des Buches den Trend wieder, durch den sich die soziale Wohlfahrtspflege aus dem managementmässigen Dornröschenschlaf zu einem modern geführten, wenn auch sozial engagierten Unternehmen wachküssen lässt oder lassen soll. Die Trend heisst Kostensenkung und Effizienzdruck und ist speziell vor dem deutschen Hintergrund zu sehen: Wohlfahrtsverbände waren lange Zeit vollziehende Teile eines staatlich sanktionierten Verteilersystems für die locker fliessenden öffentlichen Mittel.

Der Autor führt den Leser in diesem Lehrbuch zunächst durch eine kritische Würdigung der Entwicklung der Freien Wohlfahrtspflege und ihrer Positionierung zwischen Staat und privater Initiative. Empirische und strukturelle Aspekte der sozialen Dienstleistung stehen dann im Vordergrund. Hier vermischen sich etwas die strukturelle Betrachtung (Personalwesen, Finanzierung oder PR) mit Umwelt- und Situationsanalysen, die den roten Faden zwischendurch verschwinden lassen. Konsistenter dagegen sind die beiden Kapitel über Innovation sozialer Dienstleistungen und über Aspekte des Change-Managements in sozialen Dienstleistungsorganisationen.

Ob sich Dornröschen durch dieses Buch wachküssen lässt, bleibt für mich fraglich, da es für diesen Zweck auf einer zu allgemeinen Ebene bleibt. Für diejenigen, die es versuchen wollen (Organisatoren, Ehrenamtliche, Führungskräfte) bietet es jedoch eine gute Übersicht über die Probleme und die möglichen Ansatzpunkte zur Lösung, wenn entsprechende Innovationsprozesse in Wohlfahrtsverbänden gestartet werden.

Rainer Öhlschläger, Hans-Martin Brüll (Hrsg.)
Unternehmen Barmherzigkeit. Identität und Wandel sozialer Dienstleistung.
Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1996, 200 S.

Das notwendige praktische Fundament zu dem eben erwähnten Buch von R. Öhlschläger liefert dieser von ihm herausgegebene Tagungsband, der im Gegensatz zu vielen anderen Tagungsbänden auch ein Jahr nach der Tagung nicht seine Frische und Gehalt verloren hat. Nachdenkliche Auseinandersetzung mit den Begriff und Gehalt karitativer oder diakonischer Dienstleistung verbindet sich mit gut dokumentierten Fallberichten über Organisationsveränderungen. Wer auch mit NPO's mit kirchlichem Hintergrund arbeitet, wird diesen Reader mit Gewinn lesen.

 

SABINE HUGENTOBLER / BERHNHARD OETTLI / DORIS RUCKSTUHL
Personality Poker. Ein spielerisches Werkzeug für die Entwicklung von Teams, Gruppen und Individuen
Verlag Hans Huber 2002, CHF 168.-, ISBN 3-456-83701-1


Wer in Teamtrainings viel mit Feedback arbeitet, erhält mit diesem Kartenspiel eine ansprechende Alternative, das auch in fortgeschrittener Stunde für einen guten Mix von Nachdenklichkeit und Spass sorgt. Die Spielidee ist recht einfach (und wahrscheinlich deshalb gut): Jeder erhält vorab 9 zufällig ausgewählte Karten, der Rest liegt auf dem Tisch. Reihum zieht jeder eine Karte und gibt dann eine seiner 10 Karten, die nach eigener Einschätzung am wenigsten zu ihm passt, an einen Mitspieler weiter, zu dem sie besser passt. Diese Kärtchen bleiben - differenziert nach den Kommentaren - offen vor den Mitspielern liegen. So entsteht über die Runden hinweg sowohl ein Selbstbild jedes Beteiligten (die Karten, die er bis zum Schluss behält) wie ein differenziertes Fremdbild (die Karten, die öffentlich vor ihm liegen). Was mir gut gefällt ist die thematische Bandbreite der 260 Kärtchen, weil damit auch andere assoziative Bereiche geöffnet werden, als in Feedbackrunden sonst üblich

Ich würde aufgrund eigener Praxiserfahrungen mit diesem Spiel die Trennung der Spielrunden von der Auswertung nicht so strikt sehen, wie die Autoren in ihrer Spielanleitung vorschlagen. Gerade die spontanen Gedanken und Assoziationen beim Kartenaustausch tragen viel zur Lebendigkeit bei, das wäre nachträglich nur schwer zu rekonstruieren. Dies schliesst eine abschliessende, vertiefende Reflexion allein wie in der Gruppe nicht aus.

Das Spiel, dem auch ein Block mit Auswertungsblättern beiliegt, kann über die Testzentrale der Schweizer Psychologen (E-Mail: testzentrale@hanshuber.com Bestellnummer 0311301) bestellt werden. (HM)

 

Henrik Olandt
Dienstleistungsqualität in Krankenhäusern. Operationalisierung und Messung der Patientenwahrnehmung
Deutscher Universitäts Verlag (Gabler), Wiesbaden 1998, 168 Seiten, DM 84.–

Um es gleich vorweg zu nehmen: für Praktiker kann dies Buch vor allem dahin gehend genutzt werden, etwas über die Kriterien der von den Patienten subjektiv wahrgenommenen Qualität zu erfahren. Ansonsten ist es eine wissenschaftliche Arbeit, die viel Modelltheoretisches und Faktorenanalysen bietet, die allerdings für Krankenhausforscher durchaus relevant sind.

Die aufbereiteten Kriterien, Indikatoren und Dimensionen der Qualität der Dienstleistung in Krankenhäusern – aus subjektiver Sicht der Patienten – sind in der Systematik eher für Beginner nützlich, oder als Bausteine für eine Prozessgestaltung. Interessanter sind da schon die Befunde, wie z.B. die Folgen des Unterschreitens der Minimalerwartungen, die Wirkungen einer unzureichenden Telefonanlage usw. usf., die der Leser aber herausfiltern muss. Oberstes Ziel der Arbeit war es, einen Operationalisierungs- und Messansatz zur subjektiven Qualitätsmessung bei Klinik-Dienstleistungen zu schaffen. Um den nachzuvollziehen, muss einiges Theorie-Interesse vorhanden sein.

 

Hans Olbert
Trainingsverträge - Beratungsverträge. Grundlagen der Vertragsgestaltung und Musterverträge
ManagerSeminare Gerhard May Verlag, Bonn 2002, 288 Seiten, Euro 49.90, ISBN 3-931488-44-6

Verträge werden oftmals in recht lockerer Form, also über mündliche Absprachen mit Terminen oder dem Ausdruck der Freude über den Auftrag in Briefen usw. vereinbart. Formale Verträge sind wichtig und nützlich, aber nicht nur im juristischen Sinne. Wenn es zu Klagen kommt ist es meist zu spät. Es geht vielmehr um Rollenbeschreibungen und den Anfang der Gestaltung von Arbeitsbeziehungen. Die Inhalte und Prozesse der Auftrags- und Kontraktgestaltung haben wir gerade in der neuen Rubrik dieser Zeitschrift in Heft 4/2004 dargestellt.

Das sehr gute und empfehlenswerte Buch bezieht sich leider nur auf die rechtlichen Aspekte und weniger die psychologischen und sozialen Grundlagen. Aber das Buch bietet eine exzellente Aufklärung und Hilfe durch die Einleitung und Rechtsgrundlagen, vor allem aber durch die Verträge und Musterverträge in der Weiterbildung und der Beratung (auch Coaching, Lizenzen, Kauf- und Arbeitsverträge und freie Mitarbeit sowie Kooperationen und Zusammenschlüsse) die auf der mitgelieferten CD mit 60 Vertragsmustern nochmals zur Nutzung vorhanden sind.

Ich habe wirklich gute Anregungen für die eigene Vertragsgestaltung erhalten, die meine Muster sehr gut ergänzen.

Das Buch ist wenngleich wie oben erwähnt, auch mit dem rechtlichen Schwerpunkt wirklich sehr nützlich und sollte gerade jungen TrainerInnen und BeraterInnen sehr zum Kauf empfohlen werden. (KT)


Michael Olbrich
Unternehmenskultur und Unternehmenswert
Deutscher Universitäts-Verlag (Gabler), Wiesbaden 1999, 205 Seiten, DM 89.–

Der menschliche Faktor oder die das Mitarbeiterverhalten bestimmenden Wertesysteme beeinflusst den Kooperations- oder Fusions-Prozess in entscheidendem Masse. Das Zusammentreffen verschiedenartiger Kulturen stellt eines der gravierendsten Erfolgshemmnisse von Unternehmensakquisitionen dar. Es muss vom Käufer bereits im Vorfeld bei der Bewertung des Akquisitionsobjektes beachtet werden, damit er zu ökonomisch sinnvolleren Übernahmeentscheidungen gelangt.

Michael Olbrich zeigt im Rahmen eines modell-gestützten, heuristischen Vorgehens, welche Schritte ein Erwerber zu vollziehen hat, um die Kultur angemessen im Unternehmungswert zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang erfolgen sowohl eine umfassende Identifikation der Determinanten, die für Entstehung und Ausmass der kulturbedingten Erfolgseinbussen verantwortlich sind, als auch eine lükkenlose Herleitung der Strategien, die dem Käufer zur Bewältigung der Kulturproblematik offen stehen. Abschliessend wird herausgearbeitet, in welcher konkreten Höhe der Käufer die Kulturwirkungen sowohl in die Bestimmung eines eindimensionalen als auch mehrdimensionalen Entscheidungswertes einfliessen lassen muss.

Zur Erfassung der primären negativen Verbundeffekte werden drei verschiedene Determinanten herausgearbeitet und mit Beispielen und Vorgehensstrategien belegt: die Kulturrelevanz, der Kulturkontakt und die Kulturdifferenzen. Die Ursachen sekundärer negativer Verbundeffekte auf Grund der (verschiedenen) kulturpolitischen Strategien (Kulturtrennung oder Kulturanpassung) sind die Entlassung oder Neueinstellung von Personal. Abschliessend entwirft der Autor in seiner Dissertation sog. Entscheidungswerte. Dieser Quantifizierungsversuch ist allerdings noch sehr rudimentär, zeigt aber Weiterentwicklungsmöglichkeiten auf.

Der Wert dieser Arbeit besteht vor allem darin, zu zeigen, wie unser Wissen über den Kultur-Faktor (Ansatz von Edgar H. Schein) zur Analyse und Berücksichtigung der verschiedenen Kulturstrategien bei der Entscheidungsbewertung herangezogen werden kann.

 

Günther Ortmann/ Jörg Sydow/ Klaus Türk (Hrsg.)
Theorien der Organisation. Die Rückkehr der Gesellschaft
Westdeutscher Verlag, Opladen 1997, 661 Seiten, DM 69.–

 

Dieser Sammelband der hervorragenden Herausgeber und Autoren will den neuesten Stand der Theorie umfassend und instruktiv präsentieren. Und das ist gelungen, so dass dieses Buch als eines der wichtigsten Publikationen dieses Jahrzehnts eingestuft werden kann. Die Theorieentwicklung, Kontroversen, Paradigmenkonkurrenzen des letzten Quartals dieses Jahrhunderts haben die Herausgeber auf einen gemeinsamen Nenner gebracht: die Rückkehr der Gesellschaft, d.h. die Wiederentdeckung der Gesellschaft durch die Theorie der Organisation. Und das ist ja beispielsweise im Kontext der Globalisierung und der verbreiteten Anwendung der Systemtheorie sehr nützlich. Das Buch zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Theorien in Gruppen von ausgewiesenen Experten vorgestellt und diesen Beiträgen dann teils kritische, teils sympathetische Kommentare beigestellt werden.

Vertreten sind institutionen-ökonomische und evolutionstheoretische Ansätze, neo-institutionalistische, polit-ökonomische, handlungs-system- und strukturationstheoretische Ansätze ebenso wie symbolische und kognitive Theorien. Auch die Nachbardisziplinen der BWL, Psychologie und Industriesoziologie kommen zu Wort durch die Experten ihres Faches, wie Türk, Sydow, Ortmann, Osterloh, Neuberger, Sadowski, Dachler, u.v.a. Es ist ein Arbeitsbuch entstanden und ein Diskussionsforum. Je nach Interessengebiet oder Entdeckerlust der Leser, kann er/sie hier einen Überblick und Anstössiges erfahren, um sich mit dem umfassenden Quellenmaterial weiter zu vertiefen. Und immer wieder wird überdeutlich, wie relevant das berühmte Wort von Lewin ist, dass nichts so praktisch ist, wie eine gute Theorie. (KT)

 

RUDOLF WIMMER/ERNST DOMAYER/MARGIT OSWALD/GUDRUN VATER
Familienunternehmen. Auslaufmodell oder Erfolgstyp?
Gabler Verlag, Wiesbaden, 2. Aufl. 2005, 359 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-409-28875-9


Familienunternehmen haben – nach dem jähen Absturz der New-Economy-Euphorie – wieder Konjunktur. Sie sind Hoffnungsträger für erfolgreiche Unternehmenstypen, u.a. weil man von ihnen lernen kann, wie Unternehmen effektiv und nachhaltig geführt und gemanagt werden können.

Dieses Buch untersucht diese Leistungspotentiale und arbeitet die spezifischen Merkmale heraus. Es sind dies Muster, die sich oft dem traditionellen Blick der BWL nur schwer erschliessen, weil deren Denkkategorien auf andere Zusammenhänge gerichtet sind.

Wir haben die 1. Auflage dieses Buches schon in Heft 3/1996 besprochen. Die höchste Qualität dieses Buches fand schon damals seine Anerkennung, weil es für den weltweiten Global Business Book Award (1997) vorgeschlagen wurde.

Die Tiefe der Untersuchungen von Chancen und Risiken der Familienunternehmen sind eine Ursache für den Erfolg dieses Buches. Das resultiert auch aus dem unterschiedlichen fachlichen Hintergrund der Autoren. Es werden in dieser 2. überarbeiteten Auflage auch Basel II und die Konsequenzen für Familienunternehmen beleuchtet. Zentrale Themen sind die überlebenssicherung, Strukturmerkmale, Führungsstrukturen, Lebenszyklen des Unternehmens und der Familie sowie die Nachfolgeproblematik und Fallstudien.

Inhabern, Fremdmanagern solcher Unternehmen und vor allem Beratern kann dies Buch uneingeschränkt empfohlen, ja sogar ans Herz gelegt werden. Schliesslich ist nicht nur der Inhalt hervorzuheben, sondern auch der Stil, was die Lektüre ungemein fördert. (KT)

 

Veronika Dalheimer; Ewald E. Krainz; Margit Oswald (Hrsg.):
Change Management auf Biegen und Brechen. Revolutionäre und evolutionäre Strategien der Organisationsveränderung

Gabler-Verlag, Wiesbaden 1998, 236 Seiten, DM 89.–

Das Buch basiert auf einem Symposium der Österreichischen Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsentwicklung, ÖGGO. Diese Entstehungsgeschichte des Buches trägt dazu bei, dass die behandelten Themenfelder sehr heterogen sind, auch wenn sich alle um den Fakus «Veränderungsmanagement» konzentrieren. Sehr unterschiedlich fällt auch die «Machart» der einzelnen Beiträge aus: von tiefergehenden Auseinandersetzungen wie z.B. die Beiträge von Buchinger über «Organisation und die Expertise des Nicht-Wissens» oder von Heintel/Krainz über «Veränderungswiderstand von Organisationen» über Fallstudien bis hin zu Kurzbeiträgen wie denen über das Personalwesen, denen man doch etwas den Charakter von Vortrags-Statements anmerkt. Dies spiegelt zwar einen Diskussionsprozess wieder, macht jedoch die Lektüre nicht immer leicht.

Dieses Manko mindert jedoch nicht den Wert einzelner Beiträge, man muss nur selektiv lesen und gewichten. Dann zeigt sich doch der hohe Stand, der sich im Kreis der ÖGGO in der Auseinandersetzung mit der Organisationsberatung entwickelt hat.

 

Reinhardt Nagel/Margit Oswald/Rudolf Wimmer
Das Mitarbeitergespräch als Führungsinstrument
Klett Cotta Verlag, Stuttgart 1999, 141 Seiten

Zwei Bücher mit identischem Titel erscheinen zu gleicher Zeit. Da liegt es nahe, sie vergleichend zu besprechen – nicht im Sinne eines simplen Benchmarking («Welches ist besser?»), sondern um auszuloten, aus welchem Antrieb heraus sie verfasst wurden und mit welcher Zielperspektive. Es macht Sinn, solche Bücher zu veröffentlichen, um zu verhindern, dass das Mitarbeitergespräch zum bürokratischen Ritual verkümmert, weil es schlampig eingeführt und nicht gepflegt, d.h. vor allem nicht «gelebt» wird.

Helmut Hofbauer, Brigitte Winkler
Das Mitarbeitergespräch als Führungsinstrument. Ein Leitfaden
Hanser-Verlag, München 1999, 314 Seiten mit Begleitdiskette, DM 89.–; ATS 650.– ; SFr. 82.–

Genau dies ist der Punkt an dem Nagel et.al. ansetzen. Auch wenn die AutorInnen ihr Buch als Praktiker-Handbuch bezeichnen, ist es doch mehr als das: es geht nicht nur um das Instrument, sondern auch um den organisationalen Kontext, in dem es gestaltet, und den Geist, in dem es durchgeführt wird. Schon im ersten Abschnitt, in dem in das Instrument eingeführt wird, steht im Mittelpunkt die Frage, wie so ein Gespräch zu führen ist. Es ist eine besondere Kommunikationsart, in der drei Gesprächsformen ineinander fliessen: die fragende Gesprächsführung, die sich bemüht, ein differenziertes diagnostisches Bild zu erhalten und dabei Interesse am und Akzeptanz des Gesprächpartners voraussetzt, das Feedbackgespräch, das hilft, Selbst- und Fremdbild abzugleichen, und das Aushandlungsgespräch, das dazu beiträgt, gemeinsam getragene Vereinbarungen zu treffen. Im 2. Buchabschnitt wird das Mitarbeitergespräch in den Organisationskontext eingebettet und unter verschiedenen Gesichtpunkten durchleuchtet: als kommunikative «Auszeit», um die in der Hektik des Alltagshandelns zu kurz kommende gemeinsame Reflexion zu ermöglichen, als Beitrag zur Personalentwicklung und zur Auseinandersetzung mit der Führungsrolle, als Teil des strategischen Steuerungsprozesses. Auch hier geht es immer wieder um die Voraussetzungen, die dazu beitragen, dass das Mitarbeitergespräch gelingt. Die Rolle des organisatorischen Kontextes wird besonders deutlich, wenn die AutorInnen ihre unterschiedlichen Erfahrungen bei der Einführung und Gestaltung des Instruments in Wirtschaftsunternehmen, in der Öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitsbereich schildern. Der 3. Abschnitt befasst sich mit der Einführung des Instruments in der unternehmerischen Praxis. Anhand eines positiven Fallbeispiels wird dargestellt, was zu einer erfolgreichen Implementierung beiträgt.

Abschliessend werden als Service zwei parallel aufgebaute Leitfäden zur Gesprächsvorbereitung seitens der Führungskräfte und Mitarbeiter vorgestellt.

Was das Buch insgesamt auszeichnet ist, dass man spürt, dass es den AutorInnen nicht nur auf die Vorstellung des Instruments ankommt, sondern dass zwischen den Zeilen für eine bestimmte Führungskultur des kommunikativen Dialogs geworben wird. Und die einfühlsame Sprache lässt erkennen, dass die AutorInnen um manche «Schwächen» der Führungskräfte und «Tücken» des Gesprächs wissen. Es kommt ihnen wesentlich darauf an, eine bestimmte Einstellung, eine Grundhaltung zu bewirken – besonders deutlich wird dies in der Abgrenzung «ihres» partnerschaftlichen orientierten Mitarbeitergesprächs vom klassischen, hierarchisch geprägten Beurteilungsgespräch.

Nicht dass Hofbauer/Winkler diese Philosophie der Führungskultur nicht teilen – dies zeigt sich nicht zuletzt in den vielen übereinstimmenden Beschreibungen. Aber der Fokus ihres Buchs liegt woanders – es ist eher ein Grundlagenbuch, umfassender und detailreicher, in der Tat ein Methoden- und Instrumentenhandbuch. Doch trotz der vielen Geprächs-Checklisten und Tips ist es kein simples «How-to-do-it»-Buch, sondern eine fundierte und reflektierte Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Mitarbeitergesprächs. So wird neben der Darstellung des Instruments und der Erörterung seiner Implementierung auch ausführlich und unter Einbezug der relevanten Literatur auf die Prozesse der Zielformulierung und -vereinbarung, die Bedeutung der Kommunikation, die Fallen der Wahrnehmung, die Rolle von Feedback und die Methoden für eine erfolgreiche Gesprächsführung sowie den Umgang mit Konfliktsituationen eingegangen. Behandelt werden in kurzen, prägnanten Darstellungen auch die anderen, oft aus tagesaktuellen Anlässen heraus entstehenden Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeitern – angefangen vom Einstellungsgespräch über das Kritikgespräch bis hin zum Zielvereinbarungsgespräch (um nur einige zu nennen: das «Kündigungsgespräch» allerdings fehlt, obwohl auch dies ein relevantes Gespräch ist, bei dem so manches daneben geht). In einem eher dokumentarisch gehaltenen und nach meinem Geschmack weniger ergiebigen Teil werden Quellenmaterialien zur Zielsetzung und Gestaltung von Mitarbeitergesprächen wiedergegeben, die durch Interviews mit Verantwortlichen aus den entsprechenden Unternehmen ergänzt werden. (Gerade hier hätte ich mir von den InterviewerInnen ein etwas kritischeres Nachbohren zu den konkreten Praxiserfahrungen gewünscht).

Auch dieses Buch enthält nicht zuletzt einen – noch etwas umfangreicheren – Serviceteil mit Musterformularen für Gesprächsleitfäden, die sich zudem dank mitgelieferter Diskette gleich für die eigenen Belange weiterverarbeiten lassen.

Wem soll man nun welches Buch empfehlen ? Wer noch vor der Einführung des Instruments steht oder mit der gängigen Praxis in seiner Organisation unzufrieden ist, dem sei zunächst das Buch von Nagel et.al. empfohlen, nicht nur, weil es sich gut und schnell liest, sondern weil hier auch die zugrunde liegende Philosophie prägnant herausgearbeitet wird. (Deshalb empfiehlt es sich auch besonders für Verantwort-liche aus dem Öffentlichen Verwaltungs- und dem Non-Profit-Bereich, weil dort das Instrument bisher vielfach nur rudimentär entwickelt ist).

Wer sich innerlich schon auf das Mitarbeitergespräch eingestellt hat, aber sein Wissen um dieses Instrument vertiefen und seine Praxis optimieren möchte, für den ist das Buch von Hofbauer/Winkler ein guter Griff.

 

MARGIT OSTERLOH/ANTOINETTE WEIBEL
Investition Vertrauen. Prozesse der Vertrauensentwicklung in Organisationen
Gabler Verlag, Wiesbaden 2006, 314 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-409-12665-1


«Ein gutes Buch lobt sich selbst». Diese Erkenntnis befreit mich von weiteren Anpreisungen dieses Buches, weil es sehr gut ist. Ich kann mich eher auf Begründungen zur Stärkung des Kaufanreizes konzentrieren. Das Buch ist unbedingt empfehlenswert, weil es nicht moralisierend und mit normativen Forderungen daher kommt wie ähnliche Bücher zum Thema, sondern sehr nüchtern und überzeugend darlegt, wie eine Vertrauensorganisation in und zwischen Unternehmen geschaffen werden kann.

Die Vertrauensforschung ist noch jung, aber die Autorinnen (Wissenschaftlerinnen an der Universität Zürich) haben in einem langjährigen Forschungsprojekt die gesicherten Erkenntnisse aus dem Bereich der Sozialpsychologie, der BWL und dem neuen Feld der psychologischen Ökonomik zusammengetragen, um aufzuzeigen, wie vertrauensförderliche Bedingungen gestaltet werden können. Es wir sehr deutlich, dass «sich zwar die Vertrauensbildung zu großen Teilen einer rein instrumentellen Handhabe entzieht», aber als Investitionsprojekt auch große ökonomische Vorteile erzielen kann. So wird in der einleitenden Fallstudie von Toyota (über das Vertrauenskapital eines Netzwerkes) gezeigt, dass Kooperationsmanager von Toyota und seinen Lieferanten die Transaktionskosten wesentlich senken konnten. So verbringen sie nur 21 Prozent der gemeinsamen Zeit mit Aushandlungs- und Schuldzuweisungsprozessen, während diese bei General Motors noch 47 Prozent ausmachen. Es lohnt sich also. Das Warum und wie dieser Vertrauensorganisationen ist Gegenstand des Buches, was Begriffsklärungen bietet, das Verhältnis von Vertrauen und Kontrolle untersucht und die Vorteile einer Führung durch Vertrauen bzw. Vertrauen durch Führung, also die Prozesse der Vertrauensbildung, beschreibt. In speziellen Kapiteln geht es um das Vertrauen im Kontext der Corporate Governance und in virtuelle Kooperationen. Angereichert werden die Analyse und Empfehlungen durch wichtige Fallstudien, die sich auch auf Prozesse der Vertrauensförderung und die Folgen im Personalmanagement beziehen.

Die wichtige Studie von Luhmann zum Vertrauen als Mechanismus der Reduktion von Komplexität hätte nach meinen Interessen noch stärker verarbeitet werden können, wobei dies nur eine von den vielen vorteilhaften Funktionen einer Vertrauensorganisation ist, die in dem Buch aufgezeigt werden.

Im Schlusswort heißt es, dass der Satz Lenins (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser) als Ergebnis dieses Buches umformuliert werden muss: Ist die Kontrolle gut, ist das Vertrauen besser. Die Begründung dafür liefert das Buch, Sie müssen es nur lesen.

G.Ch. Lichtenberg hat in seinen Sudelbüchern (unter E78) über ein wertvolles Buch geschrieben. «Wer zwei Paar Hosen hat, mache eins zu Geld und schaffe sich dieses Buch an». Diese Empfehlung kann ich uneingeschränkt auf das vorliegende Buch übertragen, wenn Sie sich mit der Vertrauensorganisation näher beschäftigen wollen. (KT)

 

Gareth Morgan
Imagin . i . zation. New Mindsets for Seeing, Organizing and Managing
Sage Publ./Berrett-Koehler-Publ., Thousand Oaks/London/San Francisco 1997, 347 Seiten, DM 35.-


Cliff Oswick/David Grant (Hrsg)
Organisation Development. Metaphorical Explorations
Pitman Publ., London 1996, 254 Seiten, DM 60.-

Hier sollen zwei englischsprachige Bücher zur Bedeutung, Wirkung und Nutzung von Metaphern in der OE bzw. im Organisations-Management vorgestellt werden. Das Buch von Morgan ist die kartonierte Ausgabe der Erstauflage von 1993 und nach seinem faszinierenden Buch von 1986 über die «Bilder von Organisationen» geschrieben (jetzt endlich in deutscher Sprache erschienen. Die Besprechung erfolgt in OE 1/98).

Im vorliegenden Buch werden Bilder, wie «politischer Fussball» (für das Management von Wandelprozessen), «ausgetrockneter Teich» (bürokratische vs. innovative Organisationen) usw. usw., lebendig erörtert und dann dargestellt, wie die Arbeit mit Bildvorstellungen (imaginization) angewandt und genutzt werden kann, insbesondere für Prozesse des Wandels.

Der Sammelband von Oswick u.a. enthält Aufsätze zur OE als Gestaltung einer Reise, Organisation als humane Ganzheit, Metaphern zur Kultur, usw., sowie Beiträge zur Entwicklung und Gebrauch von Metaphern in der OE. Beide Bücher sind empfehlenswert, obwohl der zweite Band die Virtuosität von Morgan nicht erreicht.

 

HARRISON OWEN
The Spirit of Leadership. Führen heisst Freiräume schaffen
Carl Auer Systeme Verlag, Heidelberg 2001, 140 Seiten, Euro 24.90


Dem Ruf nach dem starken Führer setzt der "Erfinder" der Open Space Methode ein alternatives Konzept entgegen: eine Führung, die im Fluss des Geschehens treibt, Freiräume (den offenen Raum) schafft, statt zu kontrollieren, damit Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und ihre Kreativität einsetzen können. Gegenüber der Machbarkeitsrhetorik vieler Management-Bücher bildet das Buch mit seinen Geschichten und persönlichen Erfahrungen einen guten Kontrast, sieht es doch im Bereich der informellen Organisation und des informellen Kommunikationssystems das eigentlich Entscheidende.

Das Grundkonzept der Owenschen Führungsphilosophie ist der Spirit, den Führungskräfte durch eine Vision wachrufen, durch gemeinsames Geschichtenerzählen wachsen lassen, durch erlaubende Strukturen erhalten, an seinem Ende trösten, um wieder neuen Spirit zu erwecken. Was nun Spirit genau bedeutet, ist - was auch Owen gesteht - schwer zu fassen. Es hat etwas von inspirierender Führung an sich, schliesst aber auch spirituelle Aspekte nicht aus. Das Buch ist sicherlich gut geeignet, um über die Rationalitätslogik nachzudenken, die viele Mentalmodelle von Management dominiert. Allerdings ist es für mich mit seiner Betonung des Geistig-Mentalen auch einseitig - im guten wie im schlechten Sinne. Führung hat für mich viel mit der Bewältigung der Balance zwischen den beiden Polen zu tun und den Dilemmata, die sich dazwischen auftun. "The Spirit of Leadership" ist dabei eine wichtige Komponente - muss deshalb aber nicht schon gleich wieder das Ei des Kolumbus sein. (HM)

Harrison Owen
Erweiterung des Möglichen. Die Entdeckung von Open Space
Klett Cotta, Stuttgart 2001, 166 Seiten

Um es vorweg zu nehmen: das Buch des "Begründers" der Open space-Methode ist kein How-to-do-Buch sondern Nachdenken und Auseinandersetzung mit der Entstehung der Methode und dem Kontext, in dem Owen sie versteht. Es beginnt mit der "story behind" - der "Entdeckung von Open Space", eine Entstehungsgeschichte, in der Owen zugleich die wenigen, aber wesentlichen Gestaltungselemente der Methode erläutert. Von Kapitel zu Kapitel deutlicher wird dann die "Philosophie" oder das ‚Weltbild' , das die Hintergrundfolie für Open Space abgibt - so z.B. in der Auseinandersetzung mit der heutigen Realität von Organisationen mit ihren Rationalitätsparadigmen. Man muss nicht alle seine Ansichten teilen: so gehen seine kritischen Anmerkungen zur Systemtheorie, der er das Nicht-Berücksichtigen der Welt des Innern - der Gefühle, Ideen, Symbole und Mythen vorhält - von einer doch veralteten Sicht derselben aus. Aber es ist ein ehrliches und auch mutiges Buch, das sich nicht scheut, auch Irritationen auszulösen, wie z.B. im Vergleich seiner Rolle mit der eines Schamanen. Gerade in den Kapiteln , in denen es um die Rolle des Begleiters und die schwierige Balance von Präsens und Loslassen geht, hat das Buch seine grösste Tiefe. Wem es nicht nur auf die schnelle Vermarktung der Methode ankommt, dem verhilft das Buch zu einem tieferen Verständnis der Methode. Das Vorwort zur deutschen Ausgabe schrieb Katrina Petri, die Open Space auch in dieser Zeitschrift schon einprägsam vorgestellt hat.