Rezensionen

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George A. Akerlof/Robert J. Shiller

Animal Spirits
How Human Psychology Drives the Economy, and Why It Matters for Global Capitalism Princeton University Press, 2009, 230 Seiten, Euro 16.30, ISBN 978-0-691-14233-3

(deutsche Fassung bei Campus, Euro 24.90)

 

Der Titel, den Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof und Yale-Ökonom Robert Shiller für ihr Buch gewählt haben, ist eine Referenz an den großen Ökonomen John Maynard Keynes. Der verwendete diese Formulierung in seinem 1936 erschienenen Hauptwerk "General Theory of Employment, Interest, and Money", um zu erklären, weshalb die "unsichtbare Hand des Marktes", die laut Adam Smith und seinen Jüngern alles perfekt regelt, doch manchmal ziemlich daneben greift.

Sie wenden sich also der Unberechenbarkeit menschlichen Verhaltens zu – und dafür besteht auch Bedarf, denn die herrschende Volkswirtschaftslehre ist mit der Krise selbst in eine Krise geraten. Nachdem deren Würdenträger noch im letzten Herbst lediglich eine geringfügige konjunkturelle Abkühlung vorhersehen konnten, herrscht nun Katerstimmung – und Bedarf für eine Neuorientierung. Mit "Animal Spirits" setzen Akerlof und Shiller auf die Psychologie, und das macht auch Sinn, schließlich versucht die Volkswirtschaftslehre ja, die Folgen menschlichen Handelns vorherzusagen, welche alle ökonomischen Kennzahlen letztlich sind.

Im ersten Teil von "Animal Spirits" befassen sich die Autoren in fünf Kapiteln mit fünf psychologischen Konzepten, die aus ihrer Sicht zentral für die Makroökonomie sind: "Confidence", "Fairness", "Corruption and Bad Faith", "Money Illusion" und "Stories". Im zweiten Teil wenden sie diese Erkenntnisse auf acht wichtige volkswirtschaftliche Fragestellungen an, wie etwa, warum Volkswirtschaften überhaupt in eine Depression stürzen, weshalb es Arbeitslosigkeit gibt oder weshalb Aktien- und Anlagenkurse so stark schwanken.

Doch bei ihrer Hinwendung zur Psychologie erliegen die zwei renommierten Volkswirte leider der Gefahr, auf psychologische Moden abzufahren. Zumal sie nicht sehr tief in die psychologische Forschung vorgedrungen sind, sondern sich, wenn sie sich etwa mit Vertrauen, Zuversicht und Fairness befassen, auf "Psychology Today"-Niveau bewegen. Vieles klingt plausibel, aber der Erklärungswert hält sich in Grenzen. Beispielsweise bleibt unerklärt, wie Vertrauen in den Märkten binnen weniger Wochen in Pessimismus umschlagen kann. An solchen Stellen wirkt das Buch ein wenig mit der heißen Nadel gestrickt: Etwas intensivere Recherchen und etwas sorgfältigeres Nachdenken hätten hier sicher nicht geschadet, aber dafür war offenbar nicht die Zeit, weil das Buch noch rechtzeitig zur aktuellen Krisendiskussion herauskommen sollte.

Erstaunlich ist dennoch, wie viel Akerlof und Shiller aus so wenig Psychologie herausholen. Das spricht dafür, dass der Ansatz fruchtbar ist – und mehr Zeit und Sorgfalt verdient hat. (WB)

 

Neal M. Ashkanasy/Cary L. Cooper (Hrsg)

Research Companion to Emotion in Organizations

Edward Elgar Publishing 2008,

656 Seiten, GBP 150, ISBN 1 84542 637 1

 

Emotionen in Organisationen sind ein neues Forschungsthema. Der vorliegende Band besteht aus 38 unterschiedlichen Beiträgen, vornehmlich aus der Perspektive wissenschaftlicher Forschung. Damit ist es zweifellos gelungen, einen breiten Überblick der weltweiten Diskussion zu dieser Thematik zusammenzustellen. Die Beiträge konzentrieren sich in den verschiedenen Abschnitten zunächst auf die individuelle Ebene (z.B. Arbeitszufriedenheit, Bindung oder kontraproduktives Verhalten) sowie auf dyadische Beziehungen (z.B. in Verhandlungen). Ein weiterer großer Block betrachtet die Bedeutung von Emotionen in Gruppen, hier besonders die Rolle von Führung. Schließlich wird der Einfluss von Emotionen auf der Ebene der gesamten Organisation betrachtet, etwa im Zusammenhang mit dem Organisationsklima oder der Entwicklung von strategischen Neuorientierungen. Die Beiträge der versammelten Autoren enthalten viele Verbindungen zu Ansätzen, die Theoretikern und Praktikern in der Organisationsentwicklung durchaus vertraut sind, etwa zum Konzept der emotionalen Intelligenz, Konfliktmanagement, Gruppendynamik, Organisationsklima oder modernen Führungsrollen. Sie bemühen sich zudem darum, den Einfluss von Emotionen auf die Bereitschaft und Fähigkeit zur Leistung in Organisationen herauszuarbeiten. Gleichwohl handelt es sich um einen Band, der sich in erster Linie an Leser richtet, die ein wissenschaftliches Interesse haben und einen kompakten Überblick zum Thema suchen. Den werden sie hier finden. (JF)

 

Klaus Doppler
Incognito – Führung von unten betrachtet
Murmann Verlag, 176 Seiten, Euro 19.50, ISBN 3 938017 9

 

Nach unzähligen Büchern zu Führungstechniken und -philosophien hier ein Buch, das die Perspektive der Geführten spiegelt. Sehr realistisch schildert uns Klaus Doppler die Innensicht eines Mitarbeiters, der in Form von Tagebuchaufzeichnungen seine berufsbezogenen Erlebnisse und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle verarbeitet. Dieser fiktive Mitarbeiter durchläuft im Laufe des Buches eine Entwicklung. Während er zu Beginn unter dem schlechten Führungsstil und der Unvollkommenheit seines Vorgesetzten leidet, was ihm oftmals wichtige Handlungsenergie raubt, reflektiert er im Zeitverlauf immer mehr seine eigene Selbstverantwortung für Geschehnisse in der Organisation und wird zunehmend autonomer. Er versteht, dass vieles, worüber er sich aufregt, weniger mit den von ihm kritisierten Personen zu tun hat, als vielmehr mit ihm selbst. Diese Erkenntnis ermöglicht es ihm, sich neuen Erfahrungen offener und auch gelassener zu stellen und eine experimentierfreudige und handlungsorientierte Haltung zu entwickeln. In einer Zeit, in der Arbeitsbedingungen von Veränderungen, Unsicherheiten und Rollenambiguität gekennzeichnet sind, wahrscheinlich die einzige überlebenstaugliche Handlungsstrategie.
 

Als Leser wird man beim Lesen des Buches hin- und hergerissen. So gut man die Belastungssituationen, Gedanken und Gefühle des fiktiven Mitarbeiters an vielen Stellen nachvollziehen kann, so stark möchte man sich selbst von manchen seiner Überzeugungen distanzieren. Dies bewirkt, dass man bei der Lektüre unweigerlich dazu gebracht wird, sich mit den eigenen inneren Einstellungen und Einsichten selbst erlebter Arbeits- und Belastungssituationen auseinanderzusetzen. Wer möchte, kann dies dann auch in einem Gesprächsforum des Verlages unter http://www.fuehrung-von-unten-betrachtet.de/ weiter fortsetzen. Hier besteht zusätzlich für interessierte Leser des Buches oder für von Stress am Arbeitsplatz betroffene Personen die Möglichkeit, mit Klaus Doppler zu diskutieren.  

Das Buch ist allen Personen zu empfehlen, die angeregt durch eine leicht lesbare, mit klugen Einsichten versehene und sehr praxisnahe Erzählung, sich mit der eigenen Haltung zu (Selbst-) Führungsthemen und Veränderungsprozessen beschäftigen möchten. Und für wen, frage ich mich, ist das keine spannende Aufgabe?

Das Buch erschien in der ersten Ausgabe unter dem Titel „Dialektik der Führung“ im Gerling Akademie-Verlag und stellt eine vollständig bearbeitete und erweiterte Neuausgabe der 1999 erschienenen Erstausgabe dar, die in Heft 3/1999 der OrganisationsEntwicklung rezensiert wurde.

(BW)

 

LOES BROEKMATE / KATHARINA DAHRENDORF / KLAUS DUNKER
Qualitätsmanagement in der öffentlichen Verwaltung
Verlagsgruppe Jehle Rehm, München 2001, 362 Seiten, Euro 19.00


Innerhalb der Reihe "Die neue Kommunalverwaltung" des Verlages ist dieses Buch erschienen, welches einen Überblick über die aktuellen Qualitäts-Management-Modelle (TQM, ISO 9000, EFQM) sowie über zwei spezielle QM-Modelle für die öffentliche Verwaltung (CAF und Hamburger Qualitätsmanagementmodell) gibt. Es beschreibt Hintergrundwissen zur Entstehungsgeschichte von QM, zu den Themen Veränderungs- und Projekt-Management und ist gleichzeitig als praktische Anleitung zur Umsetzung von Qualitätsmanagement in der öffentlichen Verwaltung konzipiert. In drei Fallstudien wird beschrieben, wie zwei Städte und eine Landesverwaltung Qualitätsmanagement eingeführt haben und welche (Miss-)Erfolge sie dabei gehabt haben.

Das muss auf 362 Seiten alles sehr komprimiert sein, wobei vieles sehr verkürzt und rudimentär bleibt. Aber es wird zumindest deutlich, was man bedenken soll und dass QM auch eine Philosophie benötigt und nicht auf ein technisches Konzept reduziert werden sollte. Und diese Botschaft wird deutlich, wobei gleichzeitig viele sehr praktische Handreichungen geboten werden, indem die Schritte verdeutlicht werden, die für das Konzept und die Umsetzung notwendig sind. Hier ist die Kooperation von KGst-Beraterin, Mitarbeiterin einer Finanzbehörde und Hochschullehrer gut gelungen. (KT)

 

Veronika Dalheimer; Ewald E. Krainz; Margit Oswald (Hrsg.):
Change Management auf Biegen und Brechen. Revolutionäre und evolutionäre Strategien der Organisationsveränderung

Gabler-Verlag, Wiesbaden 1998, 236 Seiten, DM 89.–

Das Buch basiert auf einem Symposium der Österreichischen Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsentwicklung, ÖGGO. Diese Entstehungsgeschichte des Buches trägt dazu bei, dass die behandelten Themenfelder sehr heterogen sind, auch wenn sich alle um den Fakus «Veränderungsmanagement» konzentrieren. Sehr unterschiedlich fällt auch die «Machart» der einzelnen Beiträge aus: von tiefergehenden Auseinandersetzungen wie z.B. die Beiträge von Buchinger über «Organisation und die Expertise des Nicht-Wissens» oder von Heintel/Krainz über «Veränderungswiderstand von Organisationen» über Fallstudien bis hin zu Kurzbeiträgen wie denen über das Personalwesen, denen man doch etwas den Charakter von Vortrags-Statements anmerkt. Dies spiegelt zwar einen Diskussionsprozess wieder, macht jedoch die Lektüre nicht immer leicht.

Dieses Manko mindert jedoch nicht den Wert einzelner Beiträge, man muss nur selektiv lesen und gewichten. Dann zeigt sich doch der hohe Stand, der sich im Kreis der ÖGGO in der Auseinandersetzung mit der Organisationsberatung entwickelt hat.

 

HOWARD GARDNER/MIHALY CSIKSZENTMIHALYI/WILLIAM DAMON
Good Work! Für eine neue Ethik im Beruf
Klett-Cotta, Stuttgart 2005, 440 Seiten, Euro 29.–, ISBN 3608940784


In diesem Buch haben sich drei Schwergewichte zusammen gefunden, um der Frage nachzugehen, wie in diesem Jahrhundert mit seinen radikalen Wandlungen professionelle Spitzenleistung erbracht werden kann, diese zugleich aber mit sozial verantwortlichem Handeln zu verbinden. Das Ziel des Buches besteht darin, eine Professions- und Arbeitsethik zu entwerfen, die als Leitbild für die kommenden Jahrzehnte gelten kann. Grundlage des Bandes sind natürlich die wissenschaftlichen Spezialitäten der Autoren selber, ihr Buch beruht aber auch auf zahlreichen Gesprächen mit Forschern oder Journalisten, wobei die Autoren immer wieder auf umstrittene Genforschung zurückkommen. Die Motive und Konflikte, die Menschen in derartigen Berufsfeldern beherrschen, werden in zum Teil bewegenden Fallgeschichten entfaltet. Natürlich mündet der Band nicht in einfachen Lösungen. Aber es kommt heraus, dass es nicht nur um Geld gehen darf und es geht den Meisten auch nicht nur ums Geld. Die Autoren versuchen zu zeigen, dass jeder Leistungsträger immer auch ein Gefühl von «alignment» entwickelt. Dieses Gefühl von Stimmigkeit drückt aus, ob Ziele und Ergebnisse auch sozial verantwortbar sind und einen Beitrag dazu leisten, «die Welt zu einem besseren Platz» zu machen. Damit sich eine derartige reflexive Vernunft entfalten kann, bedarf es allgemeiner erkenntnistheoretischer Grundlagen und normativer Fundierungen, auch als Teil der Ausbildung, der überwiegend spezialisiert arbeitenden Experten. Anders sei auch die verbreitete Skepsis gegenüber der traditionellen Autorität der Wissenschaft nicht aufzuhalten. (JF)

 

ROMAN BRAUN/HELMUT GAWLAS/AMANDA SCHMALZ/EDGAR DAUZ
Die Coaching Fibel. Vom Ratgeber zum High Performance Coach
Linde Verlag, Wien 2004, ISBN 3 7093 0043 6, 304 Seiten, Euro 27.20


Dieser praktische Rategeber für Coaches hinterlässt ein mehr als zwiespältiges Gefühl. Einerseits fand ich eine Reihe von verwertbaren praktischen Hilfen und konkreten Beispielen, die ausführlich dargestellt werden. Andererseits konfundieren die Autoren so ziemlich alle konzeptionellen Ansätze zum Coaching, die en vogue sind oder waren. Hinzu kommt eine aufdringliche Tendenz zum name dropping, Freud, Kant, Aristoteles, Einstein etc., gepaart mit einer zuweilen bombastischen Sprache, die peinlich an Verkaufsveranstaltungen erinnert. Der Eklektizismus der Autoren wird besonders sinnfällig am Kapitel über Team-Coaching. Es beginnt mit einer Metapher über die Kooperation in Gänse-Schwärmen, dann wird das Tuckman-Modell angeheftet, gefolgt von einer mehr als simplen Typologisierung von Rollen (Alpha, Beta, Gamma etc.) in Teams, dann kommen sie auf die Bedeutung gemeinsamer Ziele, schliesslich präsentieren die Autoren ihr Erfolgsmodell für Team-Coaching, gefolgt von gut drei Seiten über Moderation, die u.a. wiederum auf eine triviale Typologisierung von Teammitgliedern zurückgreift (Opfer, Diva, Retter, Nörgler etc.). Den inneren Zusammenhang sucht man vergeblich, das Ganze wirkt wie Stückwerk. Sehr streiten kann man schliesslich auch über den Einsatz von Methoden aus der Hypnotherapie, die der Klient nicht kontrolliert. Die Autoren gehen über dieses Thema fröhlich hinweg und verraten an keiner Stelle irgendeine Form von Problembewusstsein. (JF)

 

Tom Davenport / Gilbert Probst (Hrsg.)
Knowledge Management Case Book - Siemens Best Practises
Wiley VCH-Verlag, Weinheim/Publicis MCD-Verlag München 2000, 270 Seiten


Man muss sich in das - englisch geschriebene - Buch schon einarbeiten, um seinen Nutzen zu erkennen. Gegliedert ist das Buch in 4 Teile mit jeweils mehreren Fallberichten. In "Knowledge Transfer" kreisen die Fallstudien um die zentrale Frage, wie relevantes Wissen identifiziert und an die Stellen gebracht wrden kann, an denen es benötigt wird. In "Communities of Practise" geht es um das Teilen von Wissen und den schwierigen Prozess, eine Balance zu finden zwischen dem Management einer solchen Community und dem Grad ihrer Selbstorganisation. Im Abschnitt "Added Value of Knowledge Management" befassen sich die Fallstudien mit Prozessen der Wissensanwendung, in "Measuring Knowledge Management" schliesslich mit der Frage, wie Wissensbeiträge gemessen und belohnt werden können.

Die einzelnen Fallstudien sind von durchgängig gutem Niveau - man spürt, dass sie nicht einfach zusammengestellt , sondern für das Buch erarbeitet wurden. Dass der Stolz der Siemens Knowledge Worker auf das Knowledge Management ihres Unternehmens immer wieder durchscheint, während die kritische Reflexion etwas unterbleibt, ist bei einem solchen Buch zu verschmerzen.

PAWAN BUDWAR/YAW A. DEBRAH, EDS.
Human Resource Management in Developing Countries
Routledge, London and New York 2005, 264 Seiten, GBP 24.99, ISBN 0 415 34329 1


Dieser Band vermittelt dem Leser eine umfassende Einsicht in die Besonderheiten des Human Resource Management in 13 verschiedenen Entwicklungsländern in Afrika und Asien, deren Bevölkerung mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung ausmacht. Die Herausgeber des Bandes haben den Beiträgen einen allgemeinen Bezugsrahmen vorgegeben, der auf die nationalen Kulturen, die Besonderheiten der gebildeten Institutionen und den ökonomischen bzw. geschäftlichen Rahmenbedingungen aufbaut. So gelingt es einerseits, die Gemeinsamkeiten von Human Resource Konzepten in Entwicklungsländern zu verstehen, andererseits aber mit Bedacht auf die jeweils spezifischen Bedingungen in den betrachteten Ländern zu schauen. Die Autoren stammen im Allgemeinen aus diesen Regionen bzw. arbeiten dort, so dass jeweils aus einem Tiefenverständnis gespeiste Darstellungen entstanden sind. Ihre Beiträge liefern dem Leser zugleich kompakte Zusammenfassungen von Zahlen und Fakten sowie von historischen Kontexten, die eine verständige Einordnung der HRM-Strategien ermöglichen. Viele dieser Hintergrundinformationen sind bei uns nicht ohne weiteres verfügbar. Hinweise auf spezifische Quellen ermöglichen eine vertiefte Weiterbeschäftigung mit den jeweiligen Ländern. Der Band ist daher von Interesse für Leser, die sich mit Veränderungen in der Entwicklungspolitik befassen, aber auch für Führungskräfte oder Berater, die in globalen Organisationen und mit internationalen HRM beschäftigt sind. (JF)

 

Mark Miller/ Jan Deecke/ Oliver von Sperber/ Christian Keyser/ Arner Burfeind (Hrsg)
Familienunternehmer heute. Herausforderungen, Strategien, Erfahrungen
Verlag Gabler, Wiesbaden 1998, 247 Seiten, DM 58.–

Den ersten Kongress 1997 richteten 5 Studenten als Projekt aus, die auch die Herausgeber dieses Bandes sind. Darin finden sich die Reden sehr bekannter Unternehmer (Wössner, Steilmann, Schoeller sen., Mittelsten Scheid, Bahlsen u.v.a.), aber auch vieler anerkannter Experten, wie der Dekan Priddat, Cuno Pümpin, Schwass, Baecker o.a. sowie unseres Mitherausgebers Rudi Wimmer. Nun sind die Reden nicht einfach abgedruckt, sondern zum grössten Teil von Studententeams zusammengefasst und in den wesentlichsten Aussagen wiedergegeben worden. Das ist äusserst nützlich, weil es nicht nur Zeit spart, sondern auch strukturierend ist.

Der Band bringt insgesamt eine Vielzahl sehr guter und empfehlenswerter Beiträge (neben wenigen durchschnittlichen bis schlechten Aufsätzen), so dass der Kauf zum akzeptablen Preis keine Fehlinvestition ist.

 

Michael A. Deeken
Organisationsveränderungen und das Konzept der Mobilisierung. Theoretische Aussagen und praktische Erkenntnisse aus einer Fallstudie im Bankensektor.
Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 1997, 284 Seiten, DM 98.-

Organisationsveränderungen zählen zu den wichtigsten Strategien, um der Dynamik im internationalen Markt und den Wettbewerbsbedingungen gerecht zu werden. Mobilisierung zielt dagegen auf eine effektivere Allokation sowie eine effizientere Nutzung der im Unternehmen vorhandenen Ressourcen, um so dauerhaft im jeweiligen Wettbewerbsumfeld bestehen zu können.

Michael A. Deeken setzt beide Konzepte miteinander in Verbindung und zeigt, dass diese sich wechselseitig bedingen. Anhand einer Fallstudie der HYPO-Bank diskutiert der Autor, wie Organisationsentwürfe in organisatorische Wirklichkeit umgesetzt werden können.

Ich meine, dass die Analyse und Gestaltung der Mobilisierung in Veränderungsprozessen auch für den Praktiker, insbesondere die Führungskraft, viele wichtige Hinweise geben kann.

Das Konzept über die Kommunikation ist ebenfalls relevant. Andere sozialwissenschaftliche Konzepte (Widerstand) sind eher oberflächlich. Hier hat es sich der Autor mit der Beschränkung auf betriebswirtschaftliche Literatur etwas einfach mit dem Quellenstudium gemacht. Insgesamt muss ein derartiges Thema heute vielmehr unter Verwendung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse und nicht nur mit dem Fokus betriebswirtschaftlicher Fragen der Ressourcenallokation und Effizienzsteigerung sowie dem vorwiegenden Bezug auf den «Doktorvater» angegangen werden.

 

ELISABETH HABERLEITNER / ELISABETH DEISTLER / ROBERT UNGARI
Führung, Fördern, Coachen. So entwickeln Sie die Potentiale Ihrer Mitarbeiter
Wirtschaftsverlag Carl Uebereuter, Frankfurt/Wien 2001, ISBN 3-7064-08163, 248 Seiten


Die Führungskraft als Coach ist inzwischen ein weitverbreitetes Leitbild, wenn es um Anforderungen an moderne Mitarbeiterführung geht. Schwierig ist - wie immer - dies dann auch zu leben. Hier können Führungskräfte das Buch der österreichischen Coaching-Experten mit einigem Gewinn lesen, weil es eine sehr praxisnahe Einführung in die Art und Weise ist, wie man als Führungskraft seine Mitarbeiter durch Coachen fördern und entwickeln kann. Dass es trotz Praxisbezug nicht oberflächlich wird, dafür sorgen die AutorInnen, in dem sie den Praxiskapiteln zwei Grundsatzkapitel über Grundannahmen im Coaching und über Grundhaltungen voranstellen, und auch explizit empfehlen, diese vorab zu lesen, weil die Anwendung der Werkzeuge allein ohne entsprechende Einstellungen die gewünschten Wirkungen nicht hervorrufen würde.

In den Praxiskapiteln "Werkzeuge", und "Aus der Praxis" wird dann an vielen Beispielen eine wirkungsvolle Gesprächsführung erläutert und die Schwierigkeiten reflektiert, die in Coaching-Prozessen entstehen können. Durch die ausführliche Darstellung möglicher Fragen zum Kontext, zu den Beschreibungen und Wertungen, zu den Zukunftsentwürfen etc, die dann zusätzlich auf einzelne Phasen des Coaching-Prozesses bezogen werden, erhält das Buch stellenweise den Charakter eines Leitfadens - sicherlich zum Nutzen der Führungskräfte, die sich in die Lektüre dieses Buches vertiefen, das sich, ganz nebenbei bemerkt, auch noch sehr flüssig liest. (HM)

Christof Baitsch, Ines Delbrouck, Karin Jutzi (Hrsg.)
Organisationales Lernen. Facetten aus Theorie und Praxis

Rainer Hampp Verlag
München und Mering 1999
106 S., DM 34.80

In diesem 9. Band der Schriftenreihe "Arbeit, Organisation und Personal im Transformationsprozess" werden Beiträge einer Fach-tagung des Projektes Lernmobil der TU Chemnitz präsentiert.

Der Ansatz ist interessant: die klare Abgrenzung des organisationalen Lernens vom Lernen der Individuen in der Organisation und die Fokussierung auf Klein- und Mittelbetriebe. Da werden differenzierte Lernkonzepte vorgestellt, es wird mit Mythen der Lernenden Organisation abgerechnet, und es werden Fragen aufgenommen, die sonst meist euphorisch übergangen werden. Wie initiiere ich ein Lern-Projekt in einem Unternehmen, wenn das ganze Unternehmen nur die Grösse einer Projektgruppe hat? Was, wenn personelle und materielle Ressourcen direkt aus den zentralen Geschäftsbereichen abgezogen werden müssen, weil das Unternehmen klein ist und die meisten Funktionen in Personalunion wahrgenommen werden?

Ein Wermutstropfen ist die schwere Lesbarkeit der Texte. Hier waren Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen am Werk, und sie sind leider bei ihrer innenorientierten Sprache geblieben. Um zu verstehen, muss man schon wissen... Schade, damit bleibt gerade die Zielgruppe der beschriebenen Forschung, die pragmatisch orientierten Klein- und Mittelbetriebe, aussen vor.

 

Alfred Janes / Karl Prammer / Michael Schulte-Derne
Transformations-Management. Organisation von Innen verändern
Springer Verlag, Wien / New York, 2001, 264 Seiten


Orientierung darüber zu gewinnen, welche Veränderungskonzepte Berater wie Manager in ihrer Praxis leiten und welche Optionen und Risiken sich daraus ergeben, ist zentral für das konsistente Gestalten von Veränderungen in Unternehmen - und damit für ihr Gelingen. Die Autoren leisten mit ihrem konzisen Buch wichtige und pointierte Begriffserklärungen. Insbesondere entwickeln sie als drei idealtypische Veränderungsansätze in ihrer Unterschiedlichkeit zueinander heraus: die Organisationsentwicklung (Zieloffenheit, partizipationsorientierte prozesshafte Steuerung), Changemanagement ("von aussen" vorgegebene Ziele und pointierter Zeitrahmen) und Transformationsmanagement als integrierendes Konzept, das die Eigenlogik des Systems (OE) aktiv mit externen Inputs und von aussen vorgegebenen Zielen verknüpft, den Transformationsprozess aber rekursiv steuert.

Dieser dritte Ansatz ist als Antwort auf den radikaler gewordenen und schneller zu realisierenden Veränderungsbedarf in Organisationen zu verstehen. Zugleich geht es darum, aus den in der Praxis erwiesenen Schattenseiten des OE Konzeptes (Dauer und Beharrungstendenzen) einerseits und des Changemanagement-Konzeptes (Implementierungswiderstände, übersehene Systemlogik) Impulse für das Modell des Transformationsmanagements zu entwickeln. Die theoretische Fundiertheit und die grosse praktische Erfahrung der Autoren als Berater und Gestalter solcher Prozesse macht die Lektüre dieses Buches sehr gewinnbringend.

Anhand dreier Fallstudien (Arbeiterkammer - Bayer AG Leverkusen - Daimler Chrysler AG Gaggenau) beschreiben sie jeweils drei spezifische Settings: Transformation von innen durch Strukturinputs (Organisationsdesign), durch Begleitung (Prozessdesign) und durch Reflexion, Qualifikation von "Keyplayern" (Lerndesign). Wer sich als Leser auf die differenzierten Casestudies einlässt, hat viel davon: die Autoren ergänzen die konkreten Beschreibungen von Architektur und Prozess mit den jeweils angewandten Theorien und Modellen und ihrer eigenen sowie der Auswertung des Projektes durch Kunden bzw. Auftraggeber.

Das Zusammenspiel zwischen Managern, internen und externen Beratern wird darin sehr deutlich, sehr pointiert und klar auch das Selbstverständnis und einige grundlegende Interventionen der Autoren als systemisch orientierte Berater solcher Transformationsprozesse. Daher grosse Leseempfehlung für Changemanager und Berater.

 

MICHAEL SCHULTE-DERNE
Transformation follows Strategy. Transformation und Strategieentwicklung von innen
Springer Verlag, Wien/New York 2005, 212 Seiten, Euro 39.–, ISBN 3-211-23283-4


Der Autor, Berater der bekannten Wiener Unternehmens- und Organisationsberatung C/O/N/E/C/T/A entwirft ein Konzept zur Verknüpfung der grundsätzlichen Beratungsdienstleistungen Strategie und Veränderung. Dabei fächert er das Veränderungsmanagement in Changemanagement, klassische Organisationsentwicklung (OE) und Transformationsmanagement auf.

Anhand von 4 Fallbeispielen wird die Strategieentwicklungsarbeit bis hin auf die Ebene von Instrumenten und Design veranschaulicht. Strategie- und Organisationsentwicklung werden dabei konsequent in Beziehung gesetzt. Hier ist insbesondere die Frage zu beantworten, ob jeder OE-Ansatz zu jeder Art von Strategieentwicklung passt.

Im ersten Teil des Buches wird die Differenzierung bzw. Integration von OE, Change- und transformativem Management begründet. Die Stärke der OE liegt nach dem Autor im Beteiligungs-Konzept, der Nachteil im sozialen Aufwand und damit der Länge der Prozesse. Changemanagement betont die Radikalität und «Kühnheit» der Veränderungsvorschläge und die Beschleunigung der Prozes- se, d.h. der zeitlichen Dynamik. Transformations-Management ist die Integration der Vorteile der OE und des Changemanagements. «Kontinuität und Brüche, Integration und ‘Durchziehen’, Tiefe und Geschwindigkeit» sollen vereint werden. Es wird dann aufgezeigt, inwiefern das Transformations-Management an der Schnittstelle zwischen OE und Change-Management positioniert ist. Eine klärende Tabelle auf Seite 11-12 enthält die wesentlichen Unterschiede der 3 Beratungskonzepte hinsichtlich Prozess-Logik, Gestaltungsparadigma, vorgegebener Ziele, Beschleunigungsanspruch, Mitwirkung der Betroffenen und Rollen und Funktion von Managern und Beratern. Dies wird dann im Text erläutert.

Ich halte das Buch für empfehlenswert, weil interne Organisationsentwickler und externe Berater hier eine gute Diskussionsvorlage erhalten für die Konzept- und daraus resultierende Beratungsarbeit. Aber ich habe (noch) Zweifel an der Gleichwertigkeit und Stimmigkeit des Transformations-Managements. Wieso muss für eine Optimierungsleistung eine neue Kategorie gefunden werden? Hier soll aber nicht die Positionierung von Beratern diskutiert werden, sondern ein Buch empfohlen werden, was Diskussionsvorlagen für die Weiterentwicklung der OE und die Integration der OE’ler und Manager bietet. (KT)

 

Ulf Dettmann
Der Radikale Konstruktivismus. Anspruch und Wirklichkeit einer Theorie
Mohr (Siebeck) Verlag, Tübingen 1999, 286 Seiten, DM 128.–

In seiner 1998 abgeschlossenen Dissertation an der Universität Mannheim hat der Autor, inzwischen tätig als Unternehmens- und Management-Berater, mit dem Schwerpunkt Philosophie, eine Bestandsaufnahme des konstruktivistischen Denkens in seiner ganzen systematischen und historischen Breite durchgeführt.

Ausgehend von der Theorie der Autopoiese, die in den siebziger Jahren von den Biologen Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela entwickelt wurde, stellt er den Radikalen Konstruktivismus systematisch dar und beleuchtet neben den erkenntnistheoretischen auch die biologischen, methodologischen und metaphysischen Aspekte dieser Theorie. Er kritisiert die Thesen und Argumente des Radikalen Konstruktivismus und analysiert den motivationalen Hintergrund der autopoietischen und konstruktivistischen Theorie. Dadurch erschliesst er einen systematischen Zusammenhang zwischen beiden Theorien, der, nur unter erkenntnistheoretischen Aspekten betrachtet, verschlossen bleiben würde.

Der Radikale Konstruktivismus will jegliche Wahrheitsansprüche und Rationalitätsstandards aufbrechen und so, laut Dettmann, von Unterdrückung und Gewalt befreien. Der Ansatz «wird von der Überzeugung getragen, dass eine humane Welt nur dort realisiert werden kann, wo es gelingt, die Vielgestaltigkeit vitaler Natur den Fängen einer lediglich rational argumentierenden, szientistisch und reduktionistisch gesinnten Wissenschaftskultur zu entreissen.» In seiner hoch wissenschaftstheoretischen und ideologiekritischen Arbeit kommt der Autor zu dem Schluss, dass der für die Postmoderne typische Relativismus und Wahrheitspluralismus keine Möglichkeit bietet, einer humaneren und toleranteren Welt näher zu kommen.

Ein harsches Urteil, deren Argumentation wir hier nicht darstellen wollen und können. Aber wenn die Theorie des Radikalen Konstruktivismus auf sich selber angewendet wird, und wenn die postulierten Ziele nicht verabsolutiert werden, dann kann aus der Kritik keinerlei Vorwurf konstruiert werden. Der problematische Kontext der Postmoderne ist wohl ebenso relevant, wie die konzeptionellen Ausprägungen.

 

Christian Deuringer
Organisation und Change Management. Ein ganzheitlicher Strukturansatz zur Förderung organisatorischer Flexibilität Gabler und Deutscher Universitäts-Verlag
Wiesbaden 2000
272 Seiten, DM 118.--

Die Kernfrage dieser Dissertation von der Universität der Bundeswehr in München (bei Prof. H. A. Wüthrich) lautet: Wie muss zukünftig ein Organisationskonzept bzw. ein Organisationsverständnis aussehen, das dem Postulat eines evolutionären Change Managements gerecht wird und einen unternehmerischen Wandel effektiver unterstützt, als dies heute der Fall ist. In der Tat ist diese Kontext-Frage heute entscheidender denn je.

Auf der Basis theoretisch-konzeptioneller Grundlagen wurde das Ideal der Change-Struktur generiert (Spezialisierung, Formalisierung, Delegation, Koordination, Konfiguration und Professionalisierung). Dies hier nur abstrakt darstellbare Modell enthält unterhalb dieser Titel "eine Vielzahl von operationalisierbaren Indikatoren, die eine Organisationsstruktur charakterisieren, die einen unternehmerischen Wandel in grösstmöglichem Masse unterstützt".

Diese Faktoren werden im Buch genauer untersucht und dargestellt, auch in ihrer Blockadewirkung, wenn sie nicht effektiv ausgestaltet werden. Die vielen Beispiele aus Unternehmen belegen die nützliche Bodenhaftung der Ausführungen, so dass diese wissenschaftliche Arbeit eine grosse Anwendungshilfe für die Gestaltung ist.

 

Peggy Holman/ Tom Devane (Hrsg.)
Change Handbook. Zukunftsorientierte Grossgruppen-Methoden
Carl Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2002, 279 Seiten

Das Buch ist insofern schon ein Verdienst, weil es die erste deutsche Zusammenfassung der meisten und gängigen Formen bietet, die versuchen mit grossen Gruppen zu Problemlösungen zu kommen, von Open Space über die Zukunftskonferenz bis hin zum Real Time Strategic Change. Insgesamt werden 18 Methoden in geraffter und verständlicher Form vorgestellt, zum grössten Teil von ihren Erfindern oder Protagonisten. Damit wird trotz der Dichte der Beiträge sichergestellt, dass die wesentlichen Aspekte dargestellt werden. Der Leser bekommt damit einen sehr kompakten Überblick, über Formen und Leistungsvermögen der Methoden. Der Fokus der Texte liegt auf der Anwendung, dort spürt man den Einfluss des amerikanischen Pragmatismus. Unserem Bedürfnis nach einer auch konzeptionellen Einordnung dieses Booms an Grossgruppen-Methoden kommt die anregende Einleitung von Fritz Simon wenigstens etwas entgegen. (JF)

 

DGFP E.V., HRSG:
Arbeiten in virtuellen Strukturen. Gestaltungsaufgabe für das Personalmanagement
W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2004, 138 Seiten, Euro 29.00, ISBN 3-7639-3267-4


Insbesondere global agierende Unternehmen sehen sich der Herausforderung gegenüber, dass Face to Face Kommunikation durch Face to Interface Kommunikation ersetzt wird. Die Autoren dieses Bandes zeigen, welche neuen Dynamiken dabei entstehen können, was sich in der Kommunikation verändert und was verloren geht. Von besonderem Interesse ist etwa die Entstehung von Vertrauen in den Anfängen von Kontakten, das sich gleichfalls in medial vermittelter Kommunikation einstellt. Was zu einem großen Teil verloren geht ist jedoch der informelle, nicht unmittelbar arbeitsbezogene Austausch, der gleichwohl für das erfolgreiche Zusammenwirken in Organisationen unerlässlich ist. Die Autoren tragen diese Aspekte aus einer sozialpsychologischen und personalwirtschaftlichen Perspektive in einer übersichtlichen und gut ver- ständlichen Form zusammen. Der Text geht nicht sehr in die Tiefe, vermittelt aber einen schnellen Überblick und lädt zur vertieften Auseinandersetzung ein. Er richtet sich primär an Leser, die sich erstmalig mit der Thematik befassen und ihren Facettenreichtum kennen lernen wollen. (JF)

 

Markus Dichtl
Standardisierung von Beratungsleistungen
Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 1998, 241 Seiten, DM 98.–

Auf der Basis einer sorgfältigen Recherche des Beratungs-Marktes in Deutschland analysiert der Autor in seiner Dissertation systematisch das Beratungsgeschäft und seine Erfolgsfaktoren. Der Autor identifiziert die strategisch bedeutsamen Trends der Beratungsbranche anhand einer umfangreichen empirischen Erhebung und ermittelt einen Katalog situativer Faktoren, die für den Einsatz der Standardisierungsstrategie bzw. für eine individuelle Leistungserstellung sprechen.

Für uns OE-Berater löst die Problemstellung der möglichen Standardisierungsstrategien von Beratungsleistungen sicher eine Gänsehaut aus. Aber es geht eher um das klassische Consulting insgesamt. Und da ist schon zu fragen, ob interne Rationalisierungen der personalintensiven Beratung, die Sicherung konsistenter Qualität und die Speicherung des flüchtigen know-hows in den Beratungsunternehmen und bei Klienten-Organisationen nicht doch für alle Partner erhebliche Vorteile bringen kann. Als Ergebnis wird deutlich, dass bei der Standardisierung Licht und Schatten (jeweils bei Berater und Klient) dicht beieinander liegen. Auch hier kommt es immer auf die spezifischen Bedingungen an. Die Studienergebnisse zeigen, welche Standardisierungsstrategien es gibt, welchen Nutzen sie bringen, bzw. welche Gefahren sie bewirken und was die strategischen Implikationen sind. In jedem Fall helfen sie intuitives und unsystematisches Handeln zu reduzieren.

Ein für grössere Beratungsunternehmen und Klienten sehr empfehlenswertes Buch für die Gestaltung und Strategieentwicklung der Beratung bzw. deren effektive Nutzung.

 

Rolf Wunderer / Petra Dick
Personalmanagement - Quo Vadis?
Luchterhand-Verlag, Neuwied 2000, 277 Seiten

Das Buch fasst die Ergebnisse einer Befragung zusammen, in der in einem mehrstufigen Prozess die Sichtweisen Schweizer Personalmanager zur gegenwärtigen Situation und zukünftigen Entwicklung des Personalmanagements erhoben und vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse interpretiert wurden. Die Fragen gehen auf das veränderte Umfeldszenario, zukünftige Personalstrategien und -programme, die veränderte Gewichtung der Personalfunktionen usw.

Was hier in den Ergebnisthesen zusammengefasst wurde, lässt sich m.E. genauso auf Deutschland übertragen: die Befunde bieten für jemand, der sich mit den Veränderungsprozessen im Personalwesen befasst, nichts Überraschendes, aber es sind wichtige, fundierte und auch detaillierte Aussagen zu den Trends und Herausforderungen, denen sich das Personalwesen stellen muss.

Es ist erfreulich, dass die Experten aus den Personalmanagement-Etagen dies so klar und deutlich sehen, doch was daraus folgen muss, lässt sich treffend mit den Worten der AutorInnen selbst sagen: "Dauer und Intensität von Veränderungen hängen insb. davon ab, inwieweit und wie intensiv sich die Verantwortlichen an die Umsetzung ihrer Visionen, Missionen, Strategien, Ziele und Aufgaben machen. Es genügt nicht, auf Vorbilder zu warten, die Wünsche in die weitere Zukunft zu verschieben oder gar andere für Verzögerungen verantwortlich zu machen."

 

Dirk Meissner / Daniel Dickopf
Nix geregelt.... Unternehmer und ihre Nachfolger
Kölner Universitäts-Verlag, Postfach 510670, Köln, 2000, 83 Seiten

Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln führt zur Zeit unter Leitung des ebenso rührigen wie kompetenten Ansgar Pieper ein Projekt zur Konzeption und Realisierung von Gesprächen zur Unternehmensübergabe (KONTINUUM) durch. Hier werden Experten und Betroffene aus den verschiedensten Fachgebieten zusammengeführt, um "Werkzeuge zur Bearbeitung vor allem der emotionalen Probleme zu formen".

Im Kontext dieses Projektes ist ein Karikaturenband konzipiert und herausgegeben worden, in dem höchst treffende Karikaturen und scharfzüngige Texte zu Denkanstössen zur Unternehmensnachfolge verbunden werden. Textprobe: Vater zum Sohn: "Bei Deiner Qualifikation wäre es für die Firma das beste, Du würdest die Geschäftsführung bei der Konkurrenz übernehmen..." Man muss nicht selbst mit Familienunternehmen familiär oder beraterisch verbunden sein, um den Komplex der Probleme aus diesem einen Bild vor Augen geführt zu bekommen.

Ein sehr köstlicher Humor, neben dem aber sofort die Tragik erscheint, was auch in den Texten unverhüllt zum Vorschein kommt.

 

Horst Albach, Meinolf Dierkes u.a. (Hrsg.)
Organisationslernen - institutionelle und kulturelle Dimensionen. Jahrbuch 1998 des Wissenschaftszentrums Berlin
Edition Sigma, Berlin, 2. Aufl. 1999, 526 Seiten


Dieses deutschsprachige Jahrbuch zum Organisationslernen ist das Resultat langjähriger Forschungsarbeiten am Wissenschaftszentrum Berlin. Es ist sehr umfassend an- gelegt, also nicht nur auf Organisations- lernen in Unternehmen, sondern auch auf Lernprozesse im Auswärtigen Amt, der Welt-Umweltpolitik, in der Politik generell und beispielsweise in islamischen Ländern, bezogen.

Es wird das Organisationslernen in Banken, in Krankenhäusern und in Forschungsinstituten bearbeitet, sowie in internationalen Netzwerken, und es wird untersucht, wie Leitbilder dabei als Katalysatoren wirken, wie Lernen im Markt stattfindet und welche Theorien bzw. implizite Theorien es gibt. Hans Matthöfer berichtet über den fehlgeschlagenen Versuch, das gewerkschaftliche Bildungswesen zu reformieren. Es ist also auch ein politisches Buch und nicht nur an Wissenschaftler adressiert. Praktiker müssen sich gezielt das aus dem Jahrbuch herausfiltern, was sie interessiert oder benötigen. Aber sie werden sicher fündig, auch wenn es bezüglich Sprache und Anlage nicht ohne Mühen zu leisten ist. Aber dafür ist es auch nicht so trivial verfasst, wie viele Beiträge in den Personalmanagement-Zeitschriften.

 

Andreas Dietrich
Selbstorganisation. Management aus ganzheitlicher Perspektive
Deutscher Universitäts-Verlag (Gabler), Wiesbaden 2001, 266 Seiten


Diese preisgekrönte Dissertation der Universität Graz zeigt sehr analytisch und praktisch das Konzept der Selbstorganisation auf, wie es im Unternehmen realisierbar ist, und welche zahlreichen Hindernisse zu überwinden sind.

Ein Nebenprodukt ist die 50-seitige Darstellung der wesentlichen Elemente der Systemtheorie, die zeigt, wie begründet das Konzept ist.

Als Lösungs- bzw. Anwendungsverfahren entwirft der Autor (in Anlehnung an das Konzept der Kernkompetenzen) das Konzept der dynamischen Kernkompetenzen, die als Fähigkeit zur Schaffung neuen Wissens organisiert werden müssen (Kritik-, Lern- und Kommunikationsfähigkeit, Beziehungsfähigkeit zu stakeholdern u.a.). Sie bilden die wesentliche Grundlage der Selbstorganisation.

Für eine Dissertation besticht das Buch durch die klare und verständliche Sprache und sehr hilfreiche Struktur. Ein rundherum nützliches und wichtiges Buch, was allen Personal-, Organisations- und Unternehmensentwicklern (und Beratern) dringend empfohlen werden kann und muss.

 

Harald Ackerschott
Strategische Vertriebssteuerung. Instrumente zur Absatzförderung und Kundenbindung
Gabler-Verlag
Wiesbaden 1999
225 Seiten

Im Business-to-Business-Geschäft verkauft man nicht an einen Kunden, sondern an ein Konglomerat von Kaufbeeinflussern ö Kaufauslösern, Anwender, Entscheider etc. Und man steht nicht allein: auch der Wettbewerb versucht von aussen, die Beeinflusser zu beeinflussen. Und mitunter gibt es noch Mittler, die den Kunden beraten. Sich in dieser Gemengelage zurechtzufinden, erfordert einiges an strategischem Gespür ö und darum geht es in diesem Buch, das von der Redaktion salesprofi empfohlen wird.

Da das Vertriebsgeschäft immer wichtiger, zugleich aber auch immer schwieriger wird, bietet der vom Autor entwickelte Verkaufstrichter ein ganz brauchbares Modell, die eigenen Verkaufsprozesse mit den Kaufprozessen der Kunden zu synchronisieren. Wer als Berater viel mit dem Vertrieb zu tun hat, kann daraus viel lernen.

Willi Diez
Prozessoptimierung im Automobilvertrieb. Auf dem Weg zu einem integrierten Kunden- und Kostenmanagement
Gabler-Verlag
Wiesbaden 1999
170 Seiten

Während Ackerschott's Buch mehr die Beziehungen zum Kunden thematisiert, richtet sich der Blick von Diez mehr auf die internen Prozesse: wie kann man verhindern, dass der Vertrieb zur Wertschöpfungsvernichtungsmaschine wird. Am Beispiel des Automobilvertrieb werden Möglichkeiten einer Geschäftsprozessorganisation gezeigt, bei der durch stringentes Kostenmanagement eine Optimierung der Vertriebsprozesse erreicht wird. Auch dieses Buch bietet viel Nutzen für Berater, die in diesem Segment arbeiten.

 

DIRK BAECKER/FRANK E.P. DIEVERNICH/THORSTEN SCHMIDT (HRSG.)
Strategien der Organisation. Ressourcen – Strukturen – Kompetenzen
DUV-Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, 448 Seiten, Euro 59.90, ISBN 3-8244-0771-X


Um es gleich vorweg zu sagen: dies ist kein Sammelband über strategisches Management, sondern über Organisation, die allerdings strategiebasiert ist und sein sollte. Strategien, so Dirk Baecker im Vorwort, ergeben sich aber «aus der Analyse der Möglichkeiten der Organisation mit den Mitteln der Organisation», Organisation ist Voraussetzung und Produkt ihrer Strategie zugleich. «Organisation ist bereits eine Strategie, wenn Führung und Management weitere Strategien aus ihr gewinnen und an sie, als käme sie von aussen, herantragen.»

Die Beiträge des Buches sind ein Exempel für einen immer auch strategischen Umgang der Organisation mit sich selbst.

Auch dieser wichtige und sehr empfehlenswerte Sammelband resultiert aus Diplomund Hausarbeiten von Studenten der Universität Witten/Herdecke.

Mit genauem Blick auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen wird die Organisation «als historisches, soziales und nichttriviales System betrachtet ..... dass die verschiedenen Ebenen zu einer eigenwilligen und eigendynamischen Struktur kombiniert.»

Die einzelnen Beiträge beschäftigen sich mit Organisationen und ihrer Identität (J. Günther) und den Machtspielen im Unternehmen. Diese anspruchsvolle Beitrag ist als interessanter Perspektivwechsel der Mikropolitik-Diskussion zu sehen. Nicht weniger fordernd ist der zweiteilige Beitrag von M. Flötotto-Wanga zur Koevolution von Organisation und Management, also mehr als deren Wechselwirkung.

D. Metz beschäftigt sich in dem Beitrag über die Beratung komplexer Organisationen mit einer Analyse des Interaktionsverständnisses aus expertenorientierter und systemtheoretischer Perspektive. Es geht um die Steuerung und die Prozesse der Beratung.

Einen Reformulierungsversuch der klassischen Steuerungskonzeptionen des Controlling auf Basis der neuen Systemtheorie wagt Th. Zimmermann in ihrem Beitrag über das Controlling als Steuerungsinstrument in komplexen Systemen. Diese Aufsatz ist eine Pflichtlektüre für reflektionsbereite Controller.

Der in einer Handelshaus Praxis entstandene Beitrag von D. Albrecht zu den Zielen und Prozessen des Handelns versucht eine Antwort auf die Frage zu finden, wann Händler auftreten können. Ebenso wie dieser Aufsatz, bietet auch der Beitrag von H. Koch zur Transformation polnischer Agrarbetriebe (Auswege aus dem Dilemma der europäischen Landwirtschaft?) einen Perspektivwechsel, eben und gerade wenn man nicht Händler oder Agrarexperte ist. Hier wird gezeigt, wie die Strategien der Organisation wirken, die ja Teil der Organisation selbst in einem bestimmten Kontext sind.

Ich würde unsere Leser gerne ermuntern, sich der Mühe der Lektüre (auch selektiv) zu unterziehen, weil man zur Neugier motiviert wird und damit offen wird für neue Fragen. Antworten bekommen Sie ja zuhauf, täglich, kostenlos und überall. (KT)

 

DIRK BAECKER/FRANK E.P. DIEVERNICH/ THORSTEN SCHMIDT (HRSG.)
Management der Organisation. Handlung – Situation – Kontext
DUV-Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, 492 Seiten, Euro 65.90, ISBN 3-8244-0770-X


Schwierig wird es in sozialen Systemen dann, so Dirk Baecker in seinem Vorwort, wenn zu möglichen Handlungen und vorliegenden Situationen zusätzlich eine Organisation mit ins Spiel kommt. Denn diese ist «ein intervenierender Faktor, der bewirkt, dass unterschiedliche Handlungsverständnisse und unterschiedliche Situationsbewertungen aufeinander stossen, die sich zum Teil ergänzen, sich zum Teil widersprechen und sich zum Teil gleichgültig sind. Das Management dieser unterschiedlichen Handlungsverständnisse und Situationsbewertungen ist die Bewährungsprobe des Managements. Es besteht diese Bewährungsprobe nur, wenn es sich darauf beschränkt, Mittel im Hinblick auf Ziele und Ziele im Hinblick auf Mittel zu kalkulieren.»

«Im Kontext von Organisation kann nur ein Management bestehen, das zusätzlich zum Kalkül der Ziele und Mittel über Go- und Stopregeln für die einzelnen Projekte, Massnahmen, Absichten und Vorgehensweisen der Organisation verfügt.... Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit den Fragen, wie diese Regeln des Managements in Organisationen aussehen, deren Strategien, Routinen und Ressourcen laufend auf dem Prüfstand stehen.»

Die Beiträge resultieren aus Diplom-Arbeiten an der Universität Witten/Herdecke und sind ein Zeugnis der höchsten Qualität der Studenten bzw. der Institution und zugleich exzellente Beispiele für die Anwendung der Systemtheorie, schliesslich lautet die Devise von Lehrstuhlinhaber Baecker, dass sich «erst in der Theorie die ganze Praxis erschliesst».

Im ersten Beitrag untersucht H. van Zijderfeld am Beispiel der Deutschen Bahn AG das Strategische Management als Transformationsfaktor komplexer Unternehmen. Auch Ch. Hoefert beschäftigt sich mit dem strategischen Management unter der Fragestellung, welchen Unterschied Akquisitionsentscheidungen machen.

Einen weiteren sehr bemerkenswerten Beitrag leistet F.T. Greschkowitz mit seiner Untersuchung über die Relevanz der Unternehmenskultur für den Erfolg von Fusionen, Übernahmen und Allianzen. Es ist ein wirklich wichtiges Thema.

K. Glatzel setzt sich sehr lebhaft mit den Wachstumsschmerzen von jungen Unternehmen auseinander, bzw. wie diese als Folge des Wachstums ihre Formalisierungsprozesse steuern.

D. Schumann liefert eine der wenigen aber sehr nützlichen Arbeiten zu Corporate Universities bzw. deren strategischem Implementierungspotenzial.

Im 6. Kapitel entwirft St. Greca ein Konzept für Schulkonformes Management, was für die Leser, die sich mit der OE der Schule beschäftigen, von allergrösstem Interesse sein dürfte.

Nicht weniger interessant und bemerkenswert ist der Beitrag von Ch. Braun, der heu-te als Kundenmanager am Nationaltheater Mannheim wirkt, über Ökonomie und Kunst an einem Opernhaus. Er untersucht die organisatorischen und strategischen Besonderheiten.

Dieser Band kann ohne jede Einschränkung auch denen empfohlen werden, die nicht ihren spezifischen Arbeitskontext abgebildet finden. Es ist nur zu bedauern, dass in den Marketing getriebenen Verlagen der ganze Schwachsinn von unreflektierten Moden mit griffigen Titeln so viele Abnehmer findet, während so wichtige Analysen, Konzeptentwürfe und Aufklärungen im nützlichen (nicht ideologischen) Sinne wie dieses Buch ein Schattendasein in einem Wissenschaftsverlag erleiden. (KT)

 

CHRISTIAN V. DITTFURTH/ULRICH KATHÖFER
Internet für Wirtschaftswissenschafter
Campus Verlag, Frankfurt/Main 1997
227 Seiten, DM 29.80

Kennen Sie eine solche Situation? Sie werden zur Mitarbeit an einem Projekt eingeladen, weil die Zusammenarbeit mit Ihnen vor Jahren dem Auftraggeber noch in guter Erinnerung ist. Bei einer selbstkritischen Betrachtung müssen Sie sich aber zugestehen, dass Sie den Anschluss an die Fachdiskussion in diesem speziellen Themenfeld verloren haben, weil Sie sich in letzter Zeit mit anderen Fragen beschäftigt hatten.

Was tun? Die nächste Universitätsbibliothek ist geschlossen, für dieses Thema nicht gut sortiert, weit weg ....

Doch kein Problem: Eine Online-Recherche soll Ihnen den Anschluss an die verlorengegangene Fachdiskussion ermöglichen.

Aber jede(r), der sich durch bunte Bilder, die animierten Werbespots und den Datenmist im grossen Netz durchgekämpft hat, weiss, dass die Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen" im Internet gar nicht so leicht ist.

Hier hilft dieses Büchlein aus einer Reihe ähnlicher Ratgeber. Die beiden Autoren führen in die Welt der Datenrecherche mit der Brille des Ökonomen im World Wide Web ein. Nach der üblichen allgemeinen Einführung in die Welt des Internets besteht der Kern dieses Buches in der Darstellung der verschiedenen Ebenen der wirtschaftswissenschaftlichen Datenrecherche.

Es beginnt mit der Beschreibung der richtigen Nutzung der für Ökonomen wichtigsten Suchdienste, der fachlichen Stichwortsuche und einer Vorstellung der wichtigsten Verzeichnisse für Wirtschaftswissenschaftlern.

Ein Überblick über das Angebot der wichtigsten deutschen Hochschulen, der Online-Zugang zu Bibliotheken und die relevanten ökonomischen Datenlieferanten stiften für einen Suchenden mit Grundkenntnissen in der Welt des Internets einen angemessenen Nutzen. Ergänzt wird dieses Basisknowhow mit nützlichen Tips über manche - allerdings nicht immer aktuelle - "Hotlinks" wie z.B. Marketing, Qualitätsmanagement, Controlling etc.

Wie es bei einer Veröffentlichung zu diesem Thema zu erwarten ist, besteht auch eine Online-Version dieses Buches. Unter http://www.uni-muenster. de/WiWi/IfW/ finden sparsame Leser eine Kurzfassung dieses Buches mit nahezu allen beschriebenen Recherche-Links.

Meine oben erwähnte Suche um einen Anschluss an die wissenschaftliche Fachdiskussion war durchaus zufriedenstellend. Bei meiner Suche bin ich auf einige interessante Aufsätze von Universitätsprofessoren der Universität St. Gallen zu meinem Thema "Technologieintegration" auf der Homepage einer Schweizer Managementzeitung gestossen. übrigens auch diese sehr lesenswert: http://www. bilanz.ch/manager/. (RN)

 

Frank E. P. Dievernich
Das Ende der Betriebsblindheit? Was Teams zur Zukunftsfähigkeit von Organisationen beitragen
Rainer Hamp Verlag, München/Mering 2002, 309 Seiten, Euro 29.80

Diese Dissertation von Frank Dievernich, der seit 2001 die OE-Abteilung im UB Personenverkehr der Deutschen Bahn AG aufbaut, ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich und doch "normal", so dass zur Lektüre ermuntert werden kann. Allerdings muss man sich durch hochkomprimierte Teile hindurcharbeiten, bekommt aber auch sehr konkrete Hinweise. Mich hat an der Arbeit die theoretische Aufarbeitung der Teamarbeits-Konzepte fasziniert, die eben in den Kontext der Systemtheorie, bzw. konkreter in den der Kultur und des Spiels gestellt werden.

Der Autor greift das Problem der Betriebsblindheit auf, was ja gerade in Krisenzeiten als Schutzmechanismus verstärkt auftritt. Man zieht sich auf Routinen zurück und vermeidet die Selbstbeobachtung, um nicht noch mehr Druck ausgeliefert zu sein. Diese Selbstbeobachtung bezieht sich aber nicht nur auf unternehmensinterne Prozesse, sondern auch auf Beobachtungen von Veränderungen in der Umwelt. Es ist notwendig, sich immer wieder mit Überraschungen versorgen zu können.

Die spezifische Organisationsform des Teams will der Autor als Lösung darstellen, um das Problem der Betriebsblindheit zu umgehen. Er spürt die Erfolgsfaktoren auf, die nicht in der Optimierung der Organisation und Kooperation allein liegen, sondern eben in spez. Kulturausprägungen und dem (Zusammen-)Spiel. Dabei wird der Rationalitätsansatz ganz neu gefasst.

Diese Arbeit ist ein empfehlenswertes Beispiel der Anwendung der Systemtheorie bzw. dem Konstruktionismus als theoretische Grundannahme. (KT)

 

Elke Dobner
Wie Frauen führen. Innovation durch weibliche Führung
Sauer-Verlag, Heidelberg 1997, 180 S., DM 38.-

Um es gleich vorweg zu nehmen: dieses Buch ist ein Ärgernis. Unberührt von Resultaten der Gender-Forschung und von der Tatsache, dass die meisten Frauen, die heute in Führungspositionen kommen, nach 1960 erzogen wurden und Schulen besuchten, werden hier veraltete Clichées über Frauensozialisierung und Frauen- und Männerbilder zitiert. Diese werden in Bezug zu Kommunikation, Gruppenarbeit und Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesetzt, leider auch das sehr vereinfachend bis hin zum fachlich Unzulässigen (vor allem im Abschnitt über Gruppen und Team).

Was das Buch mit Führung auf sich haben soll, bleibt schleierhaft. Angesprochen werden höchstens psychosoziale und gruppendynamische Aspekte von Personalführung. Darauf darf Führung aber doch wohl nicht reduziert werden.

Auch wird nur sehr allgemein auf Unternehmen und Wirtschaft Bezug genommen. Der Eindruck, dass das Buch wenig mit der Alltagsrealität in Unternehmen und Verwaltungen zu tun hat, wird verschärft durch die willkürlich eingestreuten, wenig griffigen Beispiele.

Solche Bücher bringen uns Frauen nichts; es ist hart, dies als Frau über das Buch einer Frau sagen zu müssen. Aber eines ist gewiss. Zu Innovation wird so nicht beigetragen; Frau allein ist kein Programm!

 

RUDOLF WIMMER/ERNST DOMAYER/MARGIT OSWALD/GUDRUN VATER
Familienunternehmen. Auslaufmodell oder Erfolgstyp?
Gabler Verlag, Wiesbaden, 2. Aufl. 2005, 359 Seiten, Euro 39.90, ISBN 3-409-28875-9


Familienunternehmen haben – nach dem jähen Absturz der New-Economy-Euphorie – wieder Konjunktur. Sie sind Hoffnungsträger für erfolgreiche Unternehmenstypen, u.a. weil man von ihnen lernen kann, wie Unternehmen effektiv und nachhaltig geführt und gemanagt werden können.

Dieses Buch untersucht diese Leistungspotentiale und arbeitet die spezifischen Merkmale heraus. Es sind dies Muster, die sich oft dem traditionellen Blick der BWL nur schwer erschliessen, weil deren Denkkategorien auf andere Zusammenhänge gerichtet sind.

Wir haben die 1. Auflage dieses Buches schon in Heft 3/1996 besprochen. Die höchste Qualität dieses Buches fand schon damals seine Anerkennung, weil es für den weltweiten Global Business Book Award (1997) vorgeschlagen wurde.

Die Tiefe der Untersuchungen von Chancen und Risiken der Familienunternehmen sind eine Ursache für den Erfolg dieses Buches. Das resultiert auch aus dem unterschiedlichen fachlichen Hintergrund der Autoren. Es werden in dieser 2. überarbeiteten Auflage auch Basel II und die Konsequenzen für Familienunternehmen beleuchtet. Zentrale Themen sind die überlebenssicherung, Strukturmerkmale, Führungsstrukturen, Lebenszyklen des Unternehmens und der Familie sowie die Nachfolgeproblematik und Fallstudien.

Inhabern, Fremdmanagern solcher Unternehmen und vor allem Beratern kann dies Buch uneingeschränkt empfohlen, ja sogar ans Herz gelegt werden. Schliesslich ist nicht nur der Inhalt hervorzuheben, sondern auch der Stil, was die Lektüre ungemein fördert. (KT)

 

Frederick G. Hilmer/ Lex Donaldson
Jenseits der Management-Mythen. Kontinuität statt Trendhopping
Verlag Moderne Industrie, Landsberg 1997, 252 Seiten, DM 59.–

Die Autoren wollen vor dem Erfolg im Schnellverfahren eindringlich warnen und diese Quick-Fixes als überholte Management-Mythen entlarven. Sie führen einige Nachweise, wie kontraproduktiv viele dieser modischen Konzepte sein können, die unreflektiert und oft nur viertel- bis achtel-herzig begonnen werden, zum Beispiel der unbedachte, schnelle Hierarchieabbau.

Anhand von Beispielen, wie General Electric, Microsoft, Nike, Ford, Gilette und anderen amerikanischen Unternehmen, zeigen die Autoren, worauf es beim professionellen Management ankommt: die eigenen, originären Werte, deren Kommunikation, klares Denken in Chancen, Flexibilität, Analysefähigkeit, Intuition und klare Prioritätensetzung. Erst das führt zu Profit und Produktivität.

Das Buch schliesst mit einem Katalog kritischer Fragen an Manager ab. Wie wär’s: wollen Sie Ihren Managern vor dem nächsten Projektstart (mit einem dieser alten Hammer-Konzepte) das Buch empfehlen oder gar schenken? Es lohnt die Investition, denn die einfache Sprache baut die ersten Hürden ab. (KT)

 

KLAUS DOPPLER / HELLMUTH FUHRMANN / BIRGITT LEBBE-WASCHKE/BERT VOIGT
Unternehmenswandel gegen Widerstände. Change Management mit den Menschen
Campus Verlag, Frankfurt 2002, 419 Seiten, Euro 58.-; CHF 99.-


Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder voranzukommen. In einem gewissen Sinne geht auch dieses Buch einen Schritt zurück - hinter die Modekonzepte des Change Management zum historisch "älteren" Konzept der Gruppendynamik - und damit zur Kernfrage, warum trotz aller methodisch ausgefeilter Konzepte das Ergebnis der Veränderungsbemühungen vielmals eher dürftig ausfällt und die Erwartungen nicht erfüllt, die man zu Beginn des Prozesses hegte. Und warum fällt es so schwer, den Übergang zu einer zeitgemässen Organisationsform mit ihren Leitbildern einer horizontalen Prozessverantwortung, Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen und Systematisierung von Rückkoppelungs- und Lernprozessen tatsächlich hinzukriegen ?

Im 1. Teil des Buches geht es um die neuen Organisationsarchitekturen und die Frage, welche gruppendynamischen Kräfte bei der Umsetzung dieser Veränderungsansätze sich geltend machen: Woran hapert es z.B. in Projektorganisationen? Was sind die gruppendynamischen Tücken der auf dem Papier so elegant wirkenden Matrix-Organisationen? Was wirkt sich in Netzwerken aus? Es sind immer wieder die typischen Muster, die Veränderungsvorhaben zum Scheitern bringen: Das Macherverständnis von Managern, das Ausklammern der Emotionen, die Keule des Zeitdrucks, das Bild vom Menschen als einer zu funktionierenden Maschine, das fehlende Vertrauen. Die Alternative, die das Buch aufzeigt, ist mit den vorhandenen gruppendynamischen und emotionalen Kräftefeldern zu arbeiten, sie zu verstehen und kompetent zu steuern - und damit den Treibstoff "Gruppendynamik" als Antriebsenergie für Veränderungen zu nutzen.

Im 2. Teil des Buches geht es um das Verstehen der gruppenbezogenen Dynamiken - das Innenleben von Gruppen, den Mythos, der sich um Führung rankt, die Voraussetzungen effizienter Teamarbeit, die Rolle der Gefühle und der sozialen Wahrnehmung und die Kunst des Feedback -; der 3. Teil öffnet dann den Werkzeugkasten: Diagnostische Bögen zur Selbstführung und -steuerung von Gruppen, Instrumente für die Team- und Bereichsentwicklung, ein gruppendynamisches Trainingsdesign zur Erlangung sozialer Kompetenz, aber auch die Gestaltung von Führungsaufgaben wie die Einführung und den Abbau von Mitarbeitern.

Das Buch ist für den Normalbürger geschrieben und so ist die Sprache: griffig und anschaulich, an Beispielen verdeutlicht. Dinge werden beim Namen genannt und nicht sprachlich "verquast". Das gruppendynamische Geschehen soll greifbar und damit nutzbar gemacht werden für die, die sich in Veränderungsprozessen bewegen. Es ist also ein pragmatisches Buch von Praktikern des Change Management für Praktiker geschrieben - weniger für den an (systemischer) Theorie Interessierten - dafür bleibt es vielfach auf einer eher phänomenologischen Ebene, ohne deshalb oberflächlich zu werden.

Nicht fündig wird allerdings, wer nach Big Bang-Methoden oder Schalterkonzepten sucht, bei denen man nur den Hebel umlegen muss, um Neues zu schaffen: Veränderungsarbeit ist nun mal ein widersprüchlicher Prozess, der häufig mühsamer und langwieriger Prozesse der Einbindung bedarf. Ein partnerschaftliches Vorgehen darf andererseits nicht mit basisdemokratischen Illusionen verwechselt werden, mit denen nur falsche Erwartungen geweckt werden. Vielmehr drückt der Spannungsbogen des Buchtitels zum Sub-Titel - Unternehmenswandel gegen Widerstände. Change Management mit den Menschen - gerade die Ambivalenz aus, die es in der Veränderungsarbeit zu meistern gilt.

Gegenüber der 4. Auflage sind im Werkstatt-Teil die Kapitel "Strategieentwicklung", "Fusionen und Akquisitionen" sowie "Teamentwicklung" hinzugekommen, an Themen wird neu auf Informationstechnologie und neue Märkte, Geschäftsprozessoptimierung, Interkulturelles Management und Grossgruppen-Workshops eingegangen. Das graduelle Aufnehmen neuer Themen in diesem Buch zeigt, dass Change Management kein starres Konzept ist, sondern immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. Es ist ein kontinuierlicher Lernprozess, der in sich offen gehalten werden muss. Gerade weil gekonnt vermarktete Heilsbotschaften immer wieder die Illusion zu erzeugen versuchen, sie hätten den Königsweg der Veränderung gefunden, an dessen Drehbuch man sich nur zu halten hätte, ist es wichtig, geduldig darauf hinzuweisen, dass Veränderungsarbeit immer und vor allem auch eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen und Verhaltensweisen ist: "Die echte Veränderung beginnt immer bei einem selbst - beim eigenen persönlichen Engagement" (Vorwort zur 10. Auflage.) (HM)

 

Dietrich Dörner
Bauplan für eine Seele
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1999, 831 Seiten.

«Um die Seele zu erklären, muss ich sie als informationsverarbeitenden Prozess begreifen und sie in ein mathematisches System bringen,» meint Dörner gleich zu Beginn.

Der Mensch als biologische Maschine?! Für viele eine inakzeptable Provokation; eine Sichtweise, die genau am Kern des menschlichen Wesens vorbeigeht. Der Autor, vielen durch seinen Bestseller «Die Logik des Misslingens» bekannt, lässt sich ganz bewusst auf diese Provokation ein. Mehr als zwei Jahrzehnte haben er und seine Kollegen und Kolleginnen am Bamberger Institut für Psychologie den menschlichen Umgang mit hoher Komplexität an Hand von Computersimulationen studiert. Das vorliegende Buch ist gleichsam die theoretische Ernte dieser langen Forschungsarbeit. Der Autor steht dabei in engem Kontakt zu den Gehirnwissenschaften, ohne jedoch der Gefahr zu erliegen, psychische Phänomene unmittelbar auf neurophysiologische Prozesse zu reduzieren.

Das Buch selbst ist in sieben grosse Abschnitte gegliedert. Um dem Leser den Einstieg in seine prima vista vielleicht ungewöhnlichen Gedankengänge zu erleichtern, bedient sich der Autor eines pädagogischen Tricks. Er konstruiert die Seele gleichsam neu, beginnend mit einer eigentlich primitiven Maschine, der Watt'schen Dampfmaschine, die dann von Kapitel zu Kapitel mit immer komplexeren psychischen Aktivitäten ausgestattet wird, bis der Leser den Unterschied zu sich selbst mehr und mehr schwinden sieht. So spannt sich der Bogen von den Grundprinzipien neuronaler Regelungsprozesse bis hin zu Fragen des Ichbewusstseins, der Selbstreflexion, des Sprechens und Denkens und damit erschliesst sich dem Leser schrittweise die gesamte Architektur, eben «der Bauplan für eine Seele».

Ein anderes Thema, das den Autor in diesem Zusammenhang ausführlich beschäftigt, ist das Entstehen des menschlichen Zeitempfindens. Er zeigt dabei recht eindrucksvoll, wie schwer sich unser psychischer Apparat damit tut, spezifische «Zeitgestalten» zu erfassen. Wir sind in unseren Fähigkeiten zum Erkennen langandauernder und langsam ablaufender Entwicklungen ausgesprochen eingeschränkt. Die Verknüpfung von weitauseinanderliegenden Ereignissen zu einer Prozesskette fällt uns enorm schwer. Dies ist für alle Professionen, die es primär mit komplexen sozialen Prozessen zu tun haben, ein ganz wichtiger Befund.

Im Weiteren bemüht sich der Autor um ein fundiertes Verständnis dessen, was sinnvollerweise unter menschlichen Motiven verstanden werden kann; er beschäftigt sich eingehend mit der Funktion von Träumen und kommt dabei zu ganz einleuchtenden Erklärungsangeboten.

Eine auch für Dörner sehr wichtige Frage ist die nach dem Stellenwert von Gefühlen. Zu recht kommt er zu der Einschätzung, dass zu diesem Thema nach wie vor recht verwirrende wissenschaftliche Befunde vorliegen. Gefühle verwirren eben auch die Wissenschaft. Dörner sieht Gefühle als eine ganz bestimmte Modulation des menschlichen Verhaltens an (Modulation verstanden als situationsspezifische Einfärbungen des jeweiligen Denkens und Handelns). Sie treten gleichsam nicht für sich auf, als eigenständig isolierbares psychisches Phänomen.« Ein Gefühl ist stets mit einem Inhalt verbunden, und dieser Inhalt ist die Bindung an ein oder mehrere Motive.» (S. 563). In diesem Sinne sind Gefühle in andere psychische Aktivitäten unentrinnbar miteingewoben. Sie «sind die spezifische Form der psychischen Prozesse» (S. 565). Dieser theoretische Zugang Dörners zur menschlichen Gefühlswelt entmystifiziert; er müsste in seinen Konsequenzen für die unterschiedlichen psychosozialen Berufe allerdings erst genauer abgeklopft werden.

Das vorliegende Buch ist zweifelsohne ein Werk, das in der akademischen Welt der Psychologen heftige Reaktionen auslösen und dabei sicherlich neue Standards setzen wird. Abgesehen von seinem Inhalt ist es auch didaktisch hervorragend angelegt. Es wird durch viele sympathisch geschriebene Geschichten aufgelockert, die dem Leser die theoretischen Überlegungen mit eigenen Erfahrungen verknüpfen helfen.

Für alle Profis im Feld der OE liegt mit dem vorliegenden Buch ein Grundlagewerk vor, mit dessen Hilfe sich viele der eigenen ins alltägliche Tun eingebauten Theoriebausteine überprüfen lassen. Das Buch ist allerdings keine Fastfoodliteratur. Schon wegen des Umfanges und des gewählten Theorieansatzes muss man sich die erforderliche Zeit nehmen und sich an der Hand des Autors durch sein komplexes Theoriegebäude führen lassen. Wer dies mit der entsprechenden inneren Offenheit und Neugierde tut, wird jedoch reichhaltig belohnt.

 

Michael M. Domsch / Desirée H. Ladwig (Hrsg.)
Handbuch Mitarbeiterbefragung
Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2000, 435 Seiten

Das vorliegende Buch ist aus dem Diskussionskontext der "Projektgruppe Mitarbeiterbefragung" entstanden, in der Vertreter von 10 Wirtschaftsunternehmen ihre Erfahrungen austauschen. Dies nutzen dann auch schon im ersten Buchteil, in dem es um die standardisierten, unternehmensweiten Mitarbeiterbefragungen geht, die Möglichkeit, ihre Konzepte zu erläutern. Ein Vergleich der überwiegend mitabgedruckten Fragebögen ist ganz reizvoll, weil er die unterschiedlichen Intentionen erkennen lässt, die die jeweiligen Firmen mit ihren Befragungen verbinden. Die Ausführungen der Firmenvertreter lassen allerdings nur wenig kritische Reflexionsbereitschaft erkennen.

Weitere Schwerpunkte des Buches sind dann Befragungen im Kontext von Führungskräftebeurteilungen (360°-Feedback, Führungsstilanalysen), Befragungen zu speziellen Themen (Arbeitszeitflexibilisierung, Gesundheitsförderung etc), zur internen Kundenzufriedenheit sowie der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien für Mitarbeiterbefragungen.

Gerade durch die wiedergegebenen Materialien ist das Handbuch schon informativ. Was ich vermisse ist zum einen eine Befassung mit der Vielzahl der oft kleinräumigen, meist qualitativen diagnostischen Befragungen im Kontext von Organisationsentwicklung und Change Management. Noch mehr aber vermisse ich ein kritisches Durchleuchten der Praxis der Mitarbeiterbefragungen: Warum sind die Mitarbeitenden oft garnicht so begeistert von den Befragungen? Warum schätzen sie die Wirkung der Befragungen oft nur gering ein? Wie wird mit den Ergebnissen umgegangen? Was sind die "eigentlichen Motive" (hidden agenda), die hinter vielen Befragungen stehen? Welcher Missbrauch lässt sich mit Befragungen treiben ? Dennoch: sieht man davon ab ein insgesamt eher nützliches Buch.


Otmar Donnenberg (Hrsg.)
Action Learning. Ein Handbuch
Klett-Cotta, Stuttgart 1999, 268 Seiten, DM 58.ö

Die Verhältnisse in vielen Organisationen haben sich in den letzten Jahren so gravierend verändert, dass sich die Frage nach der Aufgabe von Führung in Unternehmen erneut stellt. Dieser vielfach beschworene Wandel greift auch auf die Weiterbildung im Management über.

In der blauen Reihe des Klett-Cotta Verlags ist mittlerweile das erste deutschsprachige Buch zum Thema Action Learning mit Otmar Donnenberg als Herausgeber erschienen. Das Buch Donnenbergs ist aufgeteilt in die drei Bereiche: 1. Grundlagen, 2. Praxis des Action Learning und 3. dem Action Learning verwandte Formen des Praxislernens. Jedes Kapitel besteht aus mehreren Aufsätzen unterschiedlicher Autoren. Im Grundlagenteil erklärt Donnenberg, dass Action Learning mehr ist, als die Verbindung von Lernen mit einer Aktivität. Action Learning grenzt sich ab vom Lernmodell des Expertenwissens und fördert das Eingeständnis der Unsicherheit und Verwirrung. Essentielle Merkmale sind die Gruppenreflexion und die persönliche Verantwortung eines jeden Teilnehmers für sein Lernen.

Die meisten Autoren des Buches beziehen sich auf das Konzept des Einzelschleifen- und Doppelschleifenlernens von Chris Argyris. Ziel in den Reflexionen ist immer das Doppelschleifenlernen. Denn erst wenn die dem eigenen Handeln zugrunde liegenden Normen und Werte untersucht sind, werden neue Suchrichtungen möglich und ist das Risiko mehr des selben hervorzubringen, vermindert.

Im Praxisteil wird detailliert beschrieben, wie ein Action-Learning-Programm organisiert und gestaltet werden kann. Er enthält eine Menge von nützlichen und übersichtlichen Tipps, Fragestellungen, Checklisten und Formblätter für ein Action-Learning-Projekt. Auch hier wird wieder explizit darauf verwiesen, mit welchen Schwierigkeiten und Lernvermeidungsstrategien seitens der Teilnehmer zu rechnen ist, wenn sie mit der Reflektion ihres eigenen Lernens konfrontiert werden. Marcel A. J. W. van der Ham schreibt im Praxisteil des Buches über die Erfahrungen der Business School Nederland mit Action Learning. Eine Konsequenz hieraus ist, dass sich die Business School von den klassischen Prüfungen verabschiedet haben, die Wissen abprüfen. Das Action-Learning-Projekt ersetzt die Prüfung. Besonders lesenswert ist der Aufsatz von Ernst L. Drukker im Kapitel "Dem Action Learning verwandte Formen des Praxislernens". Drukker beschreibt eine Trainingsmethode zur Steigerung des Lernerfolgs individueller Mitglieder einer Organisation auf der Basis der "Action Science" von Chris Argyris und setzt sich mit der überwindung tief verwurzelter Lernblockaden auseinander.

Das Buch sollte in keinem Regal eines Beraters oder Trainers fehlen. Wie die Autoren erwähnen, bedeutet Action Learning aber nicht den Verzicht auf Erwerb von Fachwissen. Ein Lernen findet nicht nur im Lösen von Problemen statt; gelegentlich ist es notwendig, dass Teilnehmer sich noch erforderliches Fachwissen aneignen müssen.

 

KLAUS DOPPLER
Der Change Manager. Sich selbst und andere verändern - und trotzdem bleiben, wer man ist.
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2003, 306 Seiten, Euro 29.90, ISBN 3-593-37328-9


Dies neue Buch des Co-Autors von Change Management (10 Auflagen) ist ein nützliches Buch, das keine theoretische Analyse bietet (wenngleich das Konzept als roter Faden immer sichtbar ist: Start der Veränderung bei sich selbst), wohl aber eine Fülle von Handlungshinweisen und Veränderungshilfen.
Es repräsentiert das Arbeitsfeld, was uns die nächsten 5-10 Jahre beschäftigen wird: wie werden Person und Organisation gekoppelt (z.B. über Rollen) und nicht Person (Audit, Training) und Organisation (Strukturen, OE) getrennt optimiert.
Das Buch macht überall die reichen Erfahrungen des Autors deutlich und seine konsequente Abneigung gegen jegliche moralisierende Unterweise. Nach einer Darstellung der Veränderungsanforderungen im ersten Teil, der für mich auch eines der zentralen Elemente heutiger Forderungen, nämlich den Identitäts-Erhalt gut beschreibt, hat der Change Manager als Leser die Gelegenheit, sich anhand der vielen Denkanstösse und Checklisten selbst zu verändern. Die Übungen sind konkret und aufeinander aufbauend.
Empfehlenswert ist das Buch für alle Manager, die Veränderungsprozesse führen und erfolgreich bewältigen wollen. Und es setzt bei ihnen selbst an, nicht bei den Rahmenbedingungen, Prinzipien und dynamischen Verläufen. Dieser Fokus ist selten vorzufinden und das macht den Wert und grossen Nutzen des Buches aus. Übrigens, so ganz nebenbei: auch für mich als Berater ist das Buch sehr unterstützend und hilfreich. Nicht weil ich mich als Manager fühlen kann, sondern weil ich mich ja auch selbst managen muss.
Das Angebot des Buches ist also umfangreich und nicht alltäglich. Das sind gute Gründe, das Buch nicht nur hervorzuheben, sondern auch zu loben. Meine kritische Distanz zum Kollegen und Freund wird auch bei einer Rezension aktiv bleiben. (KT)

 

Klaus Doppler
Dialektik von Führung. Opfer und Täter
Gerling Akademie Verlag, München 1999, 136 Seiten, DM 32.–

 

Der Autor wählt für seine Überlegungen einen ungewöhnlichen Zugang. Er lässt einen fiktiven Mitarbeiter Tagebuchnotizen verfassen. Diese beiläufig eingeschriebenen Aufzeichnungen spiegeln seine alltäglichen Erlebnisweisen, seine Beobachtungen und deren Reflexionen. Im inneren Zwiegespräch mit seinem Chef kommen all die Empfindungen, Einschätzungen, die geheimen Wünsche und Befürchtungen zum Ausdruck, über die in der Realsituation natürlich nicht gesprochen werden kann.

Das Buch gliedert sich in vier Abschnitte, in denen der Leser die persönliche Entwicklung des Tagebuchschreibers in seinem Verhältnis zum Thema Führung mitverfolgen kann. Zunächst kommen die Bemerkungen vorwiegend aus der Perspektive eines ordnungsorientierten, emotional sehr abhängigen Mitarbeiters, der sich persönlich in seinen Bedürfnissen nach Aufmerksamkeit und Zuwendung ausgesprochen unversorgt vorkommt. Die anfänglichen Schuldzuschreibungen werden aber nach und nach differenzierter. Er beginnt seine eigenen Anteile mehr und mehr zu sehen. Die Rollen von Täter und Opfer beginnen zu verschwimmen. Die Mehrdeutigkeit sozialer Situationen in Unternehmen wird immer klarer nachvollziehbar und damit auch die zentrale Zumutung an alle handelnden Personen: Ambiguitätstoleranz (ein Lieblingsbegriff des Buches) ist gefragt. Die sicherheitsstiftenden einfachen Wahrheiten der Vergangenheit ziehen nicht mehr. Eine neue Form von Unsicherheit und Unbestimmtheit prägt das Arbeitsgeschehen im Alltag. Die Zumutung von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung löst letztlich eine tiefe Ambivalenz aus und hinterlässt das eine oder andere an Verwirrung (übrigens bei den «Geführten» wie bei den «Führenden»).

Das Erstaunliche an dem Buch ist, wie sehr das Thema Führung immer noch fast ausschliesslich auf der Dimension des Zwischenmenschlichen abgehandelt wird. Die Welt des Unternehmens ist eine einzige Bühne, auf der täglich ein wohlinszeniertes Theater abläuft, alle ihre verdeckten Spiele miteinander treiben, untereinander um Macht, Einfluss und Geld kämpfen, ihre ganz gewöhnlichen Eitelkeiten ausleben, diverse Männercliquen ihre Macht absichern und so weiter und so weiter.

Der Autor macht auf diesem Wege recht ungeschminkt sein eigenes Führungsverständnis transparent. Zwischend den Zeilen schimmert die Sehnsucht nach der unverstellten menschlichen Begegnung durch, nach einem Fallenlassen der Masken, nach einer ungeschminkten offenen Konfrontation, die das ewige Versteckspielen unnotwendig werden lässt. Was für ein Ideal?!

Das Buch lädt ein zum Schmökern. Man muss es nicht von Anfang bis zum Ende durcharbeiten. Es besteht ja aus einer Fülle von Gedankensplittern. Jeder einzelne davon ist für sich gut geniessbar, für Führungskräfte als Anregung zur Selbstüberprüfung, für Trainer und Berater als Fundus vielseitig verwendbarer Botschaften. Zu guterletzt finden die vielen Fans des Autors in dem Buch eine authentische Sammlung seiner markigen Sprüche.

 

BARBARA HEITGER / ALEXANDER DOUJAK
Harte Schnitte - Neues Wachstum. Die Logik der Gefühle und die Macht der Zahlen im Change Management. Das Konzept der Un:balanced Transformation
RedlineWirtschaft bei Ueberreuter, Frankfurt/Wien 2002 ISBN 3-8323-0913-6, 326 Seiten, ¤ 34.00 CHF 53.80


Auch Veränderungsprozesse beziehen ihre Energie aus der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Polen - und diese Spannungsfelder im Change Management sind der Fokus des neuen Buches aus dem Kreis der Beratergruppe Neuwaldegg. Es geht um die Verknüpfung von harten Rationalisierungsschritten mit organisatorischen Wachstums- und Erneuerungszielen und um entsprechende Change-Konzepte, die sowohl die Macht der Zahlen wie die Logik der Gefühle berücksichtigen.

Das Buch ist nicht nur höchst aktuell - es ist auch ein sehr wichtiges Buch für alle Manager und Berater, die sich mit der gegenwärtigen Praxis der Veränderungsarbeit auseinandersetzen. Schon in den einleitenden Kapiteln, in denen die Probleme vieler Change-Projekte beim Namen genannt werden, spürt man, dass es den Autoren darum geht, ihre eigenen konkreten Erfahrungen aus der Praxis kritisch zu reflektieren. Ausgehend von einer Landkarte differenzierter Change-Konzepte, erläutern sie ihr Konzept der Un:balanced Transformation, nämlich das gekonnte Umgehen mit den strukturellen Widersprüchen, die die gleichzeitige Verfolgung von Rationalisierung und Wachstumszielen notwendigerweise mit sich bringen. Dies trifft sowohl den blinden Fleck der alten Organisationsentwicklung, die sich auf die vorgeblich "weichen" Faktoren der Kulturentwicklung zurückziehen will und die rauhe Welt der Zahlen nicht zur Kenntnis nimmt, wie auch die komplementären blinden Flecken mancher Beratungsorganisationen (und Manager), die glauben auf die Emotionen der durch die Veränderung Betroffenen und die schwierigen Prozesse der kulturellen Transformation keine Rücksicht nehmen zu müssen.

In den 7 Fallbeispielen in der Mitte des Buches wird deutlich, wie wichtig eine Projektarchitektur ist, die der Komplexität und den Interessenskonflikten und Widersprüchlichkeiten im Veränderungsprozess gerecht wird. Die verschiedenen AutorInnen der Beratergruppe Neuwaldegg liefern keine Berichte ab, sondern setzen sich mit ihren jeweiligen Projekterfahrungen auseinander, um daraus "Lessons learned" zu ziehen.

Im letzten Kapitel des Buches - Interventionen, Designs, Architekturen - öffnen dann die profilierten Berater ihre Werkzeugkiste und zeigen beispielhafte Gestaltungsmöglichkeiten für Manager und Berater in Veränderungsprozessen. In den Schritten "Wann einsetzen", "Was bewirken", "Wie vorgehen", "Was braucht man" und "Kommentar" werden Elemente von Veränderungsarchitekturen, Veranstaltungsdesigns und Interventionen in den Prozessverlauf vorgestellt. - Rezepte, die allein noch kein gutes Menu garantieren, aber kreatives Kochen erlauben.

Gut zum Thema passen die kraftvolle Sprache der Autoren und eben auch die graphische Gestaltung, die etwas Aufrüttelndes, "Vibrierendes" an sich hat. (HM)

 

ROLF DUBS/DIETER EULER/JOHANNES RÜEGG-STÜRM/CHRISTINA E. WYSS (HRSG.)
Einführung in die Managementlehre. (5 Bände)
Paul Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien 2004, 1825 Seiten, Euro 122.–, ISBN 3-258-06999-9


Mit einer 5-bändigen Einführung legen die Herausgeber eine Managementlehre vor, die auf dem neuen St. Gallener Management-Modell basiert. Alle wichtigen Wissenschaftler, Dozenten und Berater der Universität St. Gallen (nicht zu verwechseln mit dem Management Zentrum St. Gallen (MZG) von Prof. Malik) kommen in der umfangreichen Einführung zur Schrift. Die grossen Kapitel der Bände entsprechen den sechs Grundkategorien des neuen Modells: Umweltsphären, Anspruchsgruppen, Interaktionsthemen, Ordnungsmomente, Prozesse sowie Entwicklungsmodi.

Jeder dieser sechs Teile wird mit der Schil-derung eines aktuellen Falls aus dem Wirtschaftsalltag eingeführt. Im anschliessenden Lehrbuchteil werden die mit dem Fall verbundenen Fragestellungen zusammen mit den notwendigen konzeptionellen Grundlagen erörtert. Am Ende des jeweiligen Teils finden sich Lösungshinweise, wie mit den geschilderten Fragestellungen sinnvollerweise zu verfahren wäre. Kontrollfragen, Aufgaben zur Nachbearbeitung des Stoffes sowie ausführliche Literaturhinweise runden diese klar aufgebaute Einführung methodisch ab.

Natürlich drängt sich der Vergleich mit dem Management-Buch von K. Bleicher auf, was vor über 10 Jahren erschien. Dies hier ist viel differenzierter, ausführlicher und didaktisch besser aufbereitet. Und es geht von den Weiterentwicklungen des St. Gallener Modells aus, was Kritiker immer noch als teilweise illusorisch sehen, weil Systeme so rational nicht planbar sind, das Management schon gar nicht. Beiden Werken gemeinsam ist die integrative Leistung der Forscher und Lehrer der Universität. Hier kocht nicht jeder sein Süppchen, sondern stimmt sich (auch zu Marketingvorteilen) in einem Modell ab. Sehr nütz- lich und wirklich nutzbar sind die Darstellungen der wesentlichen Theorien, Konzepte, aber vor allem die Bezüge zur Handlungspraxis mit den Instrumenten, Methoden und Anleitungen.

Ich vermisse aber im Band 4 (Unternehmensentwicklung) die Organisationsentwicklung oder das Veränderungsmanagement. Die OE wird mit keinem Wort erwähnt. Das hat mich natürlich zuerst interessiert und dabei fiel mir das dürftige Register am Ende des 5. Bandes auf. Dafür wird aber auch das Public Management sehr gut bearbeitet, wie die meisten Kapitel sehr gute Einführungen darstellen, die sich durch die Struktur hervorragend zum Selbststudium eignen. Die Alltagsfälle stützen das und eine innovative E-Learning-Plattform zum Buch wird auch geboten.

Insgesamt ist das Buch eine reiche Quelle gerade für Manager, Entwickler und Berater – wenn man dann methodisch mit dem Planungs- und Determinierungsansatz übereinstimmen kann. Der Mangel der Wandelbearbeitung kann auch ein Hinweis darauf sein, dass man sich in einem deterministischen Modell mit dem Entwicklungsaspekt sehr schwer tut. (KT)

Bram Peper/ Anneke Van Doorne-Huiskes/ Laura Den Dulk, EDS.
Flexible Working and Organisational Change. The Integration of Work and Personal Life
Edward Elgar Publishing, Cheltenham Glos.2005, 342 Seiten, 75 £, ISBN 1843766183

Dieser Sammelband greift zwei wichtige Trends auf, die westliche Industriegesellschaften in den letzten Jahren charakterisieren. Einmal flexibilisieren sich die traditionellen Formen der Arbeit und der Besch&äuml;ftigung, zum anderen haben wir es auch mit stark ver&äuml;nderten Konstellationen in Familien zu tun, die Zahl der Doppelverdiener nimmt zu und zugleich erleben wir ein Ansteigen der Besch&äuml;ftigung von Frauen. Die Autoren des Buches gehen den Risiken, Konflikten und Dilemmata nach, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben. Darüber hinaus bemühen sie sich auch um Antworten, die im Blick auf eine neue Struktur und Dynamik künftiger Arbeitspl&äuml;tze auf den europ&äuml;ischen Arbeitsm&äuml;rkten gegeben werden müssen.

Die versammelten Autoren arbeiten in Forschungsprojekten an europ&äuml;ischen Hochschulen und Instituten, so dass sich ein breites und empirisch hinterlegtes Spektrum aus europ&äuml;ischer Perspektive ergibt. Die Problemlagen für die Besch&äuml;ftigten sind dort mehr oder weniger vergleichbar, Lösungsrichtungen sind ansatzweise erkennbar, was jedoch notwendig erscheint sind umfassendere und nicht zuletzt mutige Antworten. Im Moment laufen wir mehr oder weniger den Trends hinterher und verlagern Risiken, h&äuml;ufig einseitig. (JF)

MARTINA DÜRNDORFER/MARCO NINK/GERALD WOOD
Human Capital-Management in deutschen Unternehmen
Eine Studie von Gallup und The Value Group
Murmann Verlag, Hamburg 2005, 221 Seiten, Euro 48, ISBN 3-938017-38-4


Das Human-Capital-Management oder weiland das Personalmanagement erinnert mich an eine Aktion der 1968er, wo ein Bundesbahn-Plakat entfremdet wurde: «Alle reden vom Wetter – wir nicht». Alle reden vom Mitarbeiter als zentrale Ressource, aber das Management in der Praxis ist weit entfernt davon, das wirklich zu beachten und Mitarbeiter entsprechend zu führen. Das Personalmanagement bemüht sich vielerorts, das zu verbessern, aber die Position ist häufig zu schwach um etwas bewirken zu können. Das hat nicht nur die Ursache in der mangelnden Professionalisierung, sondern auch in der Unfähigkeit des Managements in der Menschenführung.

Inzwischen redet man aber viel (so wie über die Kundenorientierung) über Humankapital. Es wurde zum Unwort des Jahres 2004 gekürt. Zu Recht, wie ich meine, denn auch die Assoziation an die Finanzwelt hat nicht viel bewirkt. Die drei Autoren dieses Buches haben als Geschäftsführer der Value Group GmbH München (Entwickler von Finanzprodukten und Anlagestrategien mit besonderer Berücksichtigung der immateriellen Faktoren als Indikatoren für Unternehmenserfolg) und Gallup Deutschland 2005 untersucht, wie deutsche Topunternehmen ihre angeblich wichtigste Ressource behandeln, ob sie deren Bedeutung für den langfristigen Unternehmenserfolg erkannt haben, welche Instrumente entwickelt und eingesetzt werden und wie erfolgreich diese sind.

Einerseits ist das Ergebnis der Bestandsaufnahme der Lippenbekenntnisse eher erschütternd denn hoffnungsvoll, aber andererseits werden auch klare Handlungsempfehlungen gegeben, was ein ganzheitliches Personalmanagement leisten sollte und könnte.

Hier werden Leitideen gegeben, keine Handlungsdetails. Aber das Buch liefert eine sehr gute Grundlage für interne Workshops des Personal- und Top-Managements für die Veränderung der bisherigen Einstellungen und Strategien. Dafür ist das Buch sehr wertvoll. (KT)

 

Claudia Süssmuth Dyckerhoff
Intrapreneuring. Ein Ansatz zur Vitalisierung reifer Gross-Unternehmen
Verlag Paul Haupt, Bern 1995, 308 S., CHF 68.-

Im Rahmen eines grösseren internationalen Forschungsprojektes über die «New Winners?» wurde der Frage nachgegangen, wie fundamentaler Wandel im Unternehmen initiiert und erfolgreich durchgeführt werden kann. Die hier besprochene Dissertation befasst sich mit einem Teilaspekt dieser Thematik vor dem Hintergrund eines grossen Automobilkonzerns. Die Autorin geht zunächst auf das Intrapreneuring als Ansatz zur Aktivierung menschlicher Ressourcen ein und skizziert übersichtlich begünstigende Faktoren dafür.

Am Beispiel eines Spin-off Prozesses und eines umfassenden Dezentralisierungsprogrammes befasst sie sich dann ausführlicher mit der Förderung des Intrapreneuring, schildert Spannungsfelder und Ambivalenzen aus Sicht der Beteiligten. Diese Ausführungen gewinnen durch die häufig benutzten Originalzitate der Interviewpersonen an Lebendigkeit und Aussagekraft.

Eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen von Intrapreneurship ist das Konzept des Empowerments, auf das die Autorin differenziert eingeht. Sie schliesst das Buch ab mit einer Reihe von Aspekten, die für den Verlauf von Wandlungsprozessen wichtig sind.

Insgesamt eine gut lesbare, übersichtliche Darlegung zum Thema Intrapreneuring. Vieles ist sicher nicht neu, in der Zusammenschau und in der Fokussierung auf das Thema Intrapreneuring aber nützlich und anregend. Der Hinweis im Titel auf die Vitalisierung reifer Gross-Unternehmen ist ein eher irreführender Zusatz, da sich der Inhalt des Buches auf mittlere Unternehmen ebenso übertragen lässt wie auf non-profit Organisationen.